Spielleitung & Helfer
 
Gründung:    23. Juli 2005
12 Rüden
9 Fähen
davon 4 Welpen
TAG | 30. Dezember 1926 . abends
WETTER | Himmel schon recht dunkel # vereinzelte Schneeflocken # weiße Nordlichter # -6 °C

Seit dem letzten Plot sind etwa 2 Monate vergangen. Die Welpen lernen langsam mit dem Verlust Jeannes zurecht zu kommen, doch es ist schwer, vor allem für ihre eigenen. Als der Herbst in den Winter überging, ist das Rudel zum Gebirgsbach weitergewandert. Man hat wie schon im vergangenen Jahr kein Interesse daran, in der "Winterhöhle" Quartier aufzuschlagen, aber man ist sich um ihren Nutzen bewusst, sollte der Winter mit heftigen Schneestürmen aufwarten, deshalb wurde beschlossen, einfach in ihrer Nähe zu lagern. Während der Winterpelz bei den Wölfen an Fülle gewonnen hat, schienen sich außerdem bei ein paar Individuen neue Abzeichen im Pelz herauszubilden. Es ist nicht übermäßig auffällig, da sich der Prozess mit dem Fellwechsel vermischt, aber irgendwie sehen ein paar Rudelmitglieder ein ganz klein bisschen anders aus als sonst, oder? Was aber definitiv jedem an diesem Tag auffällt ist das weiße Nordlicht, dass am Himmel erschienen ist. Genau wie es nach jenem Tag im letzten Winter auftauchte.

Ab 6 Tagen werden hier User darauf hingewiesen, wie lange sie schon mit Schreiben dran sind. Diese User dürfen nach dem Ermessen des Wartenden übersprungen werden.


Sheyna seit: 146 Tagen
Yavinja seit: 83 Tagen
Caspar seit: 42 Tagen
Saiyán Tendes seit: 26 Tagen


Autor

Beitrag

Bildnachweis

Ceal

Rang

Alter

Geschlecht

Größe

Beiträge

Beitritt

Aiyán stakste durchs Wasser wie ein Storch, immer darauf bedacht, möglichst wenig Wellen zu erzeugen, damit sein Bauch trocken blieb – ohne überhaupt zu wissen, was er hier wollte. Trinken. Bisschen planschen. Nicht allzu nass werden. Wahrscheinlich doch nass werden, aber noch nicht jetzt. Er schnaufte gegen die schwarzblaue Wasseroberfläche und trank ein paar Schlucke.

Akira ging grübelnd am Ufer entlang, ohne die anderen Wölfe zu beachten. Sie hatte versucht, etwas zu jagen, aber ungewöhnlicherweise keinen Erfolg gehabt. Außer einem mickrigen Kaninchen hatte sie keine Beute aufgespürt, und das hatte es tatsächlich geschafft, in seinem Bau zu verschwinden, kurz bevor sie es packen konnte. Ihr Ärger darüber war deutlich größer als ihr Hunger.

Ceal hatte die Jagd ein bisschen verbockt. Aber er war heute weniger unschicklich gewesen als normal, jawohl! Er musste nur üben. Dann könnte er eines Tages vor Tearl angeben, dass er es auch konnte. Den Bären hatte der Melierte auch geschafft, also glaubte er, dass er vielleicht auch für die Jagd nicht dauerhaft nutzlos wäre. Irgendwann würde es schon klappen! Jetzt aber lag das eisblaue Augenmerk auf Aiyán, einer vom anderen Zwillingspaar, aber wie bei ihm war auch der eigene Zwilling nicht anwesend. Seine Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet, als er sich über den Boden robbte und dann zu Aiyán hetzte, der auffällig vorsichtig ging. Wasserscheu, allem Anschein nach. Es plantschte, als der Rüde ins Wasser sprang, aber nahe bei Aiyán stoppte, heute wollte er mal nicht unbedingt schon einen Streich spielen. Noch nicht. So stakste der große Wolf zu dem Schwarzen und verzog die Lefzen zu einem Grinsen. „He, wo hast du denn deine andere Hälfte gelassen? Verloren gegangen?“

Still hatte er sich nach der misslungenen Jagd an das Ufer gesetzt und die Sterne auf dem Wasser beobachtet als die Wasseroberfläche unruhig wurde. Als er aufschaute, sah er Aiyan ins Wasser waten und auch Akira war ein Stücken entfernt am Ufer zu sehen. Auch Ceal fand sich nun einen Atemzug später ein und stürzte sogleich auf Aiyan zu. Offenbar war seine "Soziallehrstunde" heute noch nicht vorrüber, also erhob er sich und ging ersteinmal zu Akira. „Sei gegrüßt.“ Kurz zögerte er und wusste nicht was er sagen sollte. Schaute stattdessen kurz zu dem Chaos im Wasser. „Vielleicht sollten wir uns auch einmal zu ihnen gesellen...“ Es war mehr ein Gedanke als eine Aufforderung, aber da er sie nunmal ausgesprochen hatte, wartete er nun auf Akiras Reaktion.

Aiyán hatte schon ein bisschen geahnt, dass bald jemand versuchen würde, sein Fußbad in ein Vollbad zu verwandeln, aber er hatte vor allem mit seinem Bruder gerechnet. Als er sich beim nahen Platschen umdrehte, sah er da aber nicht Sai, sondern einen von diesen anderen Zwillingen, Ceal, Eeal, Meal, Teal oder wie auch immer, irgendeins davon. Ai musterte ihn misstrauisch, aber als er stoppte, drehten sich seine Ohren immerhin wieder nach vorn. Doch auch wenn Ceal-Eeal-Meal-Teal ihn nicht nass spritzte, schwappte durch seinen Schwung eine Welle gegen den schwarzen Bauch. Er ächzte tonlos und versuchte, den Bauch ein wenig einzuziehen. „Frisst vielleicht gerade deine, weil du nicht auf sie aufpasst“, schlug er vor.

Akira schaute zu Nathanael, als dieser sich ihr näherte. „Hallo“, erwiderte sie kurz seinen Gruß. „Ich habe gehört, eure Jagd war auch nicht erfolgreicher als meine?“ Als der Rüde ihr vorschlug, zu den anderen Wölfen zu gehen, folgte sie seinem Blick und erkannte Ceal und Aiyan. Auch das noch! „Ich weiß nicht. Mit Aiyan verstehe ich mich, naja, nicht ganz so gut, wie du vermutlich weißt.“

Hechelnd hing dem Bunten die Zunge aus dem Fang, der Kopf wurde schief geneigt und das Einziehen des Bauches genau gesehen! Aha! Schwachstelle gesucht und gefunden. Na ja, eigentlich nur gefunden, obschon nicht gesucht. Doch so genau musste man ja nicht sein. „Ach was, Eeal schmeckt ihm ganz bestimmt nicht.“ Man konnte die melierten Brüder nur schwerlich auseinander halten, Caspar bekam das ja immer noch nicht auf die Reihe, gefühlt jedenfalls. Seine Pfote hob sich aus dem Wasser - nur um dann wieder unterzutauchen, obwohl er am liebsten damit geplantscht hätte. Aber Schwarzpelz wäre sicher nicht glücklich. „Ist dir das Wasser zu kalt oder warum die Scheu?“, grinste er weiter vor sich hin und schien ziemlich heiter, streckte ein wenig die Brust raus und zeigte die Seite gut, wo noch die Narbe vom Bären war, für die er doch etwas Stolz empfand.

Offenbar fiel ihr sein Zögern nicht auf, denn sie antwortete sogleich mit dem Einstieg, der ihm nicht in den Sinn gekommen war. Still nickte er nur. Offenbar war heute Abend von keinem der Magen gefüllt. Ihre Reaktion bezüglich seines Vorschlags überraschte ihn dann doch. Wieder folgte eine kurze Pause, in der er seine nächsten Worte überdachte, doch am Ende sprach er seinen ersten Gedanken einfach frei aus. „Auch meine erste Begegnung mit ihm war wohl nicht die beste. Aber vom davonlaufen wird es nicht besser. Vielleicht sollten wir es einfach wieder versuchen, ich denke man kann zu fast jedem Wolf irgendwie einen Weg finden.“ Sich ein lächeln abmühend nickte er auffordernd und drehte sich bereits zum Wasser, um los zu gehen, sobald Akira zeigen würde, wenn sie bereit war mitzukommen.

Akira zögerte kurz, bevor sie sich eingestand, dass der weiße Rüde zumindest zum Teil recht hatte. Zwar bezweifelte sie, dass sie zu Aiyan irgendwie einen Weg finden konnte, wie Nathanael sich ausdrückte. Aber weglaufen war tatsächlich auch keine Lösung. „Na gut, lass es uns versuchen. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob es etwas bringt.“ Langsam und zögerlich setzte sie sich in Richtung von Ceal und Aiyan in Bewegung.

Aiyán hielt sich zurück, er konnte den anderen Zwilling nicht so recht einschätzen. Vermutlich würde er ihn gleich über den Haufen springen, da wollte er lieber vorbereitet sein und sich in Sicherheit bringen können. Also beobachtete er ihn abwartend, skeptisch und mit prüfendem Blick. „Uns geht’s nicht um den Geschmack.“ Wieder sog er die Luft ein, als Ceal seine Pfote anhob und kurz so aussah, als würde er damit das Wasser aufwühlen wollen. „Wenn du mich nass spritzt, fresse ich dich. Auch wenn du so richtig widerlich schmeckst.“ Er sagte es so ernst, dass man ihm hätte glauben können. Wenn man das nicht tat, verstand man das wahrscheinlich eher als Einladung. Ai machte zwei Schritte weg von Ceal und ließ sich kurz davon ablenken, dass nicht weit entfernt Akira und ein Weißpelz – vermutlich Nathanael – Richtung Ufer kamen. Na, was wurde das denn?

Erfreut pendelte er mit der Rute, als sie ihm zustimmte und sich mit einer Haltung in Bewegung setzte, die nur zu deutlich zeigte, dass sie mit sich rang. Nathanael hoffte nur, dass das Ganze tatsächlich nicht schief gehen würde. Denn so optimistisch seine Worte gewesen waren, allein wäre er vermutlich auch nicht gleich hinüber spaziert. Mit großen Schritten - als würden sie ihn daran hindern, sich um zu entscheiden - platschte er ins Wasser und zuckte kurz, als das kühle nass an seinen Bauch kam. Zufällig bekam er noch Aiyans letzte Worte mit. „Vielleicht sollten wir morgen doch noch einmal alle gemeinsam auf die Jagd gehen, wenn der Hunger schon so groß wird, dass ihr euch gegenseitig verspeisen wollt.“ Im Gegensatz zu Aiyan war der Ursprung seiner Ernsthaftigkeit in der Stimme, wie üblich der Unsicherheit geschuldet, die er wie immer mit stoischer Miene zu verbergen suchte.

Wo er schon da so im Wasser hockte, senkte der Bunte kurz seinen Kopf und gönnte sich auch einige Schlucke, zuckte mit einem Ohr etwas nach dem Heben seines Laufes. Doch nein, er schickte Ai keine Wasserwelle entgegen, nur leichte Wogen im Wasser, die kaum der Rede wert waren, brachte er in Bewegung. Kurz wandte er den Blick. Oh, ein Weißpelz kam, nicht Caspar, sondern ... wie hieß der denn noch gleich? Schon wieder vergessen. Und die gruselige, mit den Narben. Die den Bären an die Welpen hatte verfüttern wollen! Genau die war das! „Ich bin viel zu zäh für deine Zähnchen, glaub mir! Da bekommst du nichts raus“, grinste Ceal weiter und hibbelte ein bisschen vor und zurück im Wasser, machte einen Schritt hinter Aiyán her, als der zurückwich. Na na na, keine Schwäche zeigen hier. Seine Rute pendelte zum Teil im kühlen Nass und zuckte ein bisschen. „Au ja. Ich muss ja weiter üben. Dann werde ich besser als Eeal!“ Demonstrativ knurrte sein Magen.

Akira erreichte die beiden anderen Wölfe zusammen mit Nathanael und hörte daher ebenfalls noch, wie Aiyan Ceal damit drohte, ihn zu fressen. Einen Moment lang fürchtete sie tatsächlich, dass der Schwarze seine Drohung ernst meinte. Würde Aiyan wirklich soweit gehen, andere Wölfe zu fressen? Sie traute ihm durchaus einiges zu, aber das nun doch nicht. Aber erst Nathanaels Antwort machte ihr klar, dass es ein Scherz gewesen war. Zumindest hoffentlich. Da ihr jedoch keine passende Antwort einfiel, wandte sie sich stattdessen an Ceal, der erklärte, das Jagen noch weiter zu müssen. „Vielleicht sollten wir beide mal zusammen jagen. Ich könnte dir vielleicht etwas beibringen.“ Insgeheim bezweifelte sie, dass Ceal jemals einen guten Jäger abgeben würde, aber ein bisschen was wäre sicherlich noch drin, wenn der Rüde es fertig bringen sollte, sich etwas zusammenzureißen und zu konzentrieren.

Aiyán schob sich noch ein paar Schritte von Ceal weg, als dieser denk Kopf senkte und trank. Eigentlich hatte er kein Problem damit, nass zu werden, aber nun, da das Spielchen begonnen war, verhielt er sich seinen Regeln entsprechend. „Du hast meine Zähne noch nicht gesehen, hm?“, fragte er und zog demonstrativ die Lefzen hoch. Dabei sah er hauptsächlich Nathanael und Akira an, die sie nun erreichten und – was genau hier wollten? Wieso zur Hölle kam Akira von sich aus zu ihm? Hatte sich Nathanael zum Streitschlichter ihres Rudels berufen gefühlt oder sowas? Jedenfalls versuchte er jetzt, witzig zu sein. Aiyán musterte ihn mit blanker Miene und sagte erstmal gar nichts. Akira bot natürlich gleich an, den eifrigen Ceal in die Geheimnisse der Jagd einzuweihen und vermutlich würde sie als nächstes irgendeine eingestaubte Geschichte ausbuddeln, in der sie als tragische Protagonistin erfolgreich die halbe Weltbevölkerung an Hirschen erbeutete und doch unglücklich war. Er stakste schon mal präventiv drei weitere Schritte von ihnen weg. „Ja vielleicht sollten wir alle gemeinsam zuschauen, wie toll Akira jagen kann. Ich … ich weiß wirklich nicht, wie das geht. Kannst du uns beibringen, wie man einen Fisch fängt?“ Seine Stimme tat so, als wäre er wirklich daran interessiert, aber sein Gesicht hatte einen lauernden Ausdruck.

Er wusste nicht warum, aber Aiyan hatte irgendetwas an sich, das Nathanael auch dieses Mal wieder reizte, herum zu sticheln. Vielleicht, weil er das Gefühl hatte, dass auch der Schwarze ständig versuchte, ihn oder in dem Fall Akira zu provozieren. Oder eher bloß zu stellen. Denn wäre nicht der erste Satz gewesen, so musste er zugeben, hätte Nathanael Aiyans Bitte doch beinahe wirklich ernst genommen. Da der jüngere sich auch bei ihrer ersten Begegnung so abfällig gezeigt hatte, maß der weißer dieser Aussage keine große Vorgeschichte der Beziehung zwischen Akira und Aiyan zu. Umso mehr musste er versuchen sich zurück zu halten und nicht schon wieder unüberlegt zu reagieren. Am Ende jedoch konnte er sich nicht ganz beherrschen: „Ich glaube das muss sie gar nicht, wenn du den Fischen deine Zähne so beeindruckend präsentierst wie uns eben, sterben sie doch sicherlich vor Erfurcht, sodass wir die toten Körper nur von der Wasseroberfläche sammeln müssen.“

Aiyán konnte sich zwar zurückschieben, wie er wollte, doch der Melierte folgte einfach und machte gewisse Distanzen wieder zunichte. Als er ihm die Reißzähne demonstrierte, näherte er sich mit dem Kopf seitlich an den Aiyáns an und schien seinen Fang gespielt voller Ehrfurcht zu bestaunen. „Woow, die sehen ja echt kräftig aus. Genug Knochen, auf denen du rumkauen kannst?“ Amüsiert bleckte er die eigenen, die durchaus auch nicht von schlechten Eltern waren und stupste ihm die Nase rasch gegen die Brust, aber man merkte, dass er nicht abzielte, ihn umstoßen zu wollen oder so. Es war mehr ein freundschaftliches Knuffen, gefolgt von einem Grinsen, ehe er den Kopf wandte und die Rute innehielt. „Du hättest aber trotzdem nur Magenschmerzen von mir“, fügte er noch an und richtete ein Ohr in Akiras und Nathanaels Richtung, das andere blieb gen Aiyan geneigt. Deren Angebot war Ceal ... nicht gerade geheuer. Eher machte sie das gruseliger. Wuäh. „Nichts für ungut, aber ... vielleicht eher nicht.“ Ganz unauffällig ging er dem schwarzen Zwilling nach, der gehörte weiter zum Spiel! So leicht kam der da nicht wieder raus. War doch nicht so schlimm, der Schwarzpelz.

Akira hätte den Worten des Schwarzen für einen Moment fast Glauben geschenkt, so ernsthaft klang dessen Stimme. Doch dessen Gesichtsausdruck machte ihr schnell klar, was die völlig übertriebenen Worte schon angedeutet hatten: Es handelte sich wieder einmal nur um den bösartigen Sarkasmus, de Aiyan einzig und allein zu dem Zweck einsetzte, andere Wölfe zu verletzen. Wie sie das hasste! Sie hatte gleich gewusst, dass man mit dem schwarzen Rüden nicht vernünftig reden konnte. Der Gipfel war aber de Aufforderung an sie, ihm zu zeigen, wie man einen Fisch fängt. Sicherlich wusste er, dass sie zwar an Land eine einigermaßen gute Jägerin war, aber kaum Erfahrung im Fischfang besaß. Und er ließ ihr nur zwei Möglichkeiten: Entweder würde sie seiner Aufforderung nicht nachkommen, oder sie würde versuchen, einen Fisch zu fangen und dabei scheitern. In beiden Fällen wäre ihr Aiyans Spott sicher. Glücklicherweise fand Nathanael eine dritte Möglichkeit, mit der Sache umzugehen: Das ganze mit Humor zu nehmen. Sie bewunderte ihn für diese Fähigkeit. Um zumindest ein wenig nachzuziehen, ergänzte sie: „Oh ja, vielleicht kannst du uns ja diesen Trick beibringen?“ Dann wandte sie sich Ceal zu, der von ihrem Angebot nicht so überzeugt zu sein schien. „Schade. Aber vielleicht überlegst du es dir ja noch mal anders. Es würde dir sicherlich gut tun. Du kannst jederzeit zu mir kommen.“

Aiyán grinste Ceal flüchtig an, als der seine Zähne bewunderte. Dieser andere Zwilling war zwar irgendwie seltsam, aber doch ganz witzig (und außerdem ziemlich in seiner Gunst gestiegen, weil er ihn immer noch nicht nass gespritzt hatte). „Mehr als genug“, antwortete er erhaben. Denn ER jagte durchaus erfolgreich, doch er sparte sich diese Bemerkung. Es wurde nämlich gerade wirklich interessant, als Nathanael meinte, für Akira eintreten zu müssen und den Witz auf Aiyáns Kosten umkehrte. Mhh. Ai wandte sich dem Weißpelz zu und musterte nun ihn mit dem selben, lauernden Gesichtsausdruck. Bei ihrem letzten Zusammenstoß war er nicht in der Stimmung gewesen, sich auf einen intellektuellen Schlagabtausch mit dem Älteren einzulassen, aber jetzt blieb ihm erstens nichts anderes übrig, zweitens hatte er etwas mehr Lust darauf. Dumm schien Nathanael ja tatsächlich nicht zu sein und das schätzte Aiyán sehr, ganz gleich wie unsympathisch er einen Wolf ansonsten fand. Statt sich um eine schlagfertige Antwort zu bemühen, tat er das, was man bei einem guten, witzigen Konter eben tat und lachte – kurz und hart, aber er lachte. „Punkt für dich“, gab er zu, der lauernde Ausdruck hatte sich in ein räuberisches Grinsen gewandelt. An Akira gewandt fuhr er knapp fort: „Du lach mal lieber über deine eigenen Witze, sonst beiße ich dir noch aus Versehen in die Zunge.“

Aiyan hätte ihn mit keinem Spruch der Welt mehr überraschen können, als mit dem nun folgenden Lachen. Ein dass zwar nicht grade von Herzen zu kommen schien, aber es war eine Reaktion, die trotz Nathanaels fehlender Zurückhaltung nicht zwangsläufig in endlosem Machtgehabe enden musste. Oder? Der Weiße hoffte einmal mehr, dass er die Kurve noch bekommen würde und bewunderte insgeheim Ceal, der offensichtlich wesentlich besser wusste, wie man mit dem Schwarzen umgehen musste. Nebenher rückte er Aiyan immer weiter auf den Pelz, während dieser sich wiederum eben falls immer wieder ein Stückchen von ihm weggeschoben hatte. Mit der Geste, ihm scheinbar öffentlich einen Sieg an zu rechnen, wusste Nathanael nicht recht um zu gehen und runzelte kurz die Stirn. Aiyans Mimik drückte deutlich aus, dass er vor hatte zurück zu schlagen. Zu deutlich? Hatte er wirklich etwas im Petto oder wollte er ihn einfach nur verunsichern? Wenn dann hatte er das natürlich zwangsläufig geschafft, doch da Nathanael von vornherein sich nie besonders sicher mit seinem Verhalten war, hoffte er, man würde ihm dieses weitere bisschen Verunsicherung auch nicht anmerken. Doch scheinbar war die Sorge unbegründet, denn sogleich richtete der Schwarze seine Aufmerksamkeit auf Akira, die ebenfalls ihr Glück versucht, es jedoch am Ende nicht so ganz geschafft hatte. Besorgt sah er die Fähe an, wusste aber nicht recht, wie und ob er ihr nun überhaupt helfen sollte. Glücklicherweise schob Ceal sich in diesem Moment wieder etwas mehr in Nathanaels Blickwinkel und so versuchte er die Hilfe bei demjenigen zu suchen, der Aiyan hier wohl am besten zu verstehen schien und der -wenn man es so betrachtete, bisher so ziemlich uninteressiert an Akira und ihm selbst, Nathanael, gewesen war. „Dafür, dass Aiyan so großen Hunger zu haben scheint, wagst du dich erstaunlich nahe an ihn heran.“ Es war ein versuch, irgendwie mehr zu lernen. Denn im Gegensatz zu ihm, schien Ceal keineswegs unsicher.

Akira war erstaunt, dass Aiyan auf Nathanaels spöttische Antwort nicht etwa aggressiv reagierte, wie sie es erwartet hätte, sondern sogar so etwas wie Anerkennung zu zeigen schien. Dabei konnte der schwarze Rüde ihrer Erfahrung nach doch meist deutlich besser austeilen als einstecken. Zu ihrer Verärgerung hatte Aiyan für sie hingegen nur eine weitere, nicht einmal besonders geistreiche Drohung übrig. Sie wünschte, sie würde Nathanaels Schlagfertigkeit besitzen, doch so blieb ihr als Antwort lediglich ein kurzes, aber deutliches Knurren übrig, zu dem sie dem Schwarzen kurz die Zähne zeigte. Dann wandte sie sich an Nathanael. „Du siehst, man kann mit ihm nicht reden. Oder zumindest kann ich es nicht.“ Schließlich nickte die zum Abschied auch noch einmal Ceal zu, bevor sie ohne eine Antwort abzuwarten in Richtung Ufer lief. Zwar hätte sie sich gerne noch bei Nathanael dafür bedankt, dass er sich für sie eingesetzt hatte, aber sie wollte es nicht in Aiyans Anwesenheit tun, da der es doch nur wieder ins Lächerliche gezogen hätte. Sie nahm sich jedoch vor, es bei Gelegenheit nachzuholen. Jetzt schüttelte sie sich jedoch erst einmal trocken und suchte sich einen Platz zum Schlafen. Und gleich am nächsten Morgen würde sie ein Kaninchen aufspüren und es für die Dreistheit seines Artgenossen büßen lassen, indem sie es auffraß.

Der Rüde grinste weiter über beide Lefzen wie ein Honigkuchenpferd, das er wahrscheinlich im Nu vernaschen würde, wenn er denn die Gelegenheit dazu hätte. Wäre ihm zuzutrauen, dass er das im Alleingang vertilgte. Ceal beobachtete, wie Aiyán sich mit den beiden mehr oder minder anlegte, während er selbst eher unparteiisch blieb, mit Akira dennoch möglichst nichts zu tun haben wollte, wenn man es genau betrachtete. Nathanael brauchte den Melierten überhaupt nicht bewundern, Ceal war nur ein tollpatschiger Trottel und auf seine ganz eigene Art trotzdem liebenswürdig. Er konnte zwar auch durchaus Ernst werden, die Begegnung mit dem Bären hatte das wohl deutlich bewiesen und da hatte er sich sehr viel besser angestellt bei als Akira, doch das posaunte er nicht wirklich herum. Genauso wenig wie er, Tearl oder Farai anderen auf die Nase banden, was Akira vorgehabt hatte, nachdem der leidende Bär sein Leben ausgehaucht hatte. Das Tier tat ihm eigentlich noch immer leid, denn es hatte sich ja nicht freiwillig so aufgeführt. Angst kannte zwar auch der Rüde und es war besser, sie auch zu haben, aber nicht vor Aiyán oder generell jemandem aus dem Rudel. Na ja. Akira wurde einfach als Gruselmuffel abgestempelt. Das wars aber auch schon. Die Zunge hing dem Wolf aus dem Fang, der hatte kurz überlegt, dem Schwarzen über die Lefzen zu lecken, als der seine Prachtbeißer so präsentiert hatte, aber das hatte er dann doch gelassen. „Ach als ob ich auf seinem Speiseplan liegen würde, ich würde ihm nur schwer im Magen liegen und davon kann man ganz sicher nicht satt werden“, meinte er munter und amüsiert und hatte längst den Bauch komplett nass. Den minimalen Unterschied der beiden Zwillingswölfe hier, die ohne ihre andere Hälfte waren, fiel kaum bis gar nicht auf. Tearl war der einzige, der etwas aus dem Rahmen fiel, aber an dessen Größe war der Melierte längst gewöhnt, solange, wie Eeal und er mit ihm unterwegs gewesen waren. Wieder hob er seine Pfote und es schien, als ob er gedenken würde, sie dem Schwarzpelz auf die noch trockene Brust zu setzen! Aber vielleicht tat er auch nur so!

31.10.2016 02:18
Zitat   |   Beitrag editieren   |   IP   |  
Neues Thema Antworten