Spielleitung & Helfer
 
Gründung:    23. Juli 2005
12 Rüden
9 Fähen
davon 4 Welpen
TAG | 30. Dezember 1926 . abends
WETTER | Himmel schon recht dunkel # vereinzelte Schneeflocken # weiße Nordlichter # -6 °C

Seit dem letzten Plot sind etwa 2 Monate vergangen. Die Welpen lernen langsam mit dem Verlust Jeannes zurecht zu kommen, doch es ist schwer, vor allem für ihre eigenen. Als der Herbst in den Winter überging, ist das Rudel zum Gebirgsbach weitergewandert. Man hat wie schon im vergangenen Jahr kein Interesse daran, in der "Winterhöhle" Quartier aufzuschlagen, aber man ist sich um ihren Nutzen bewusst, sollte der Winter mit heftigen Schneestürmen aufwarten, deshalb wurde beschlossen, einfach in ihrer Nähe zu lagern. Während der Winterpelz bei den Wölfen an Fülle gewonnen hat, schienen sich außerdem bei ein paar Individuen neue Abzeichen im Pelz herauszubilden. Es ist nicht übermäßig auffällig, da sich der Prozess mit dem Fellwechsel vermischt, aber irgendwie sehen ein paar Rudelmitglieder ein ganz klein bisschen anders aus als sonst, oder? Was aber definitiv jedem an diesem Tag auffällt ist das weiße Nordlicht, dass am Himmel erschienen ist. Genau wie es nach jenem Tag im letzten Winter auftauchte.

Ab 6 Tagen werden hier User darauf hingewiesen, wie lange sie schon mit Schreiben dran sind. Diese User dürfen nach dem Ermessen des Wartenden übersprungen werden.


Sheyna seit: 146 Tagen
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Tears of Destiny » Zwischen den Plots » Nebenrollenspiele » Unbeholfene Annäherungsversuche

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Saiyán Tendes kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen, während er Aiyán vorwurfsvolle Blicke zuwarf, damit er sich ein wenig beeilte. „Na mach schon!“, zischte er ungeduldig und so leise, dass es auch als Rascheln der Blätter hätte durchgehen können. „Da ist Tobs ja schneller als du Schnecke!“ Auch wenn sich der Dunkle ein halbherzig amüsiertes Grinsen aufzwang, so wollte er sienen Bruder wirklich gerne antreiben, damit sie Tearl nicht verlieren würden oder – schlimmer noch! - sie den Moment verpassten in dem er irgendeine geheime Höhle oder so etwas in der Art betrat. Wolf, auch wenn Sai sich selbst für seine kindlichen Gedanken schallte, so konnte er sich wirklich vorstellen, dass der graue Toboe-Verschnitt sich hier besser auskannte als er selbst. Soweit er wusste, war Tearl schließlich hier aufgewachsen! „Komm, er ist da hinten im Wald verschwunden.“, knurrte er dunkel und witterte kurz, auch wenn es unnötig war: sie befanden sich schließlich noch in entfernter Sichtnähe, wenn Ai nicht endlich schneller wurde!

Aiyán Tendes schnaubte und verdrehte dabei die Augen. Seine Schritte waren wirklich langsamer, als sie hätten sein können, wenn ihm wirklich etwas daran gelegen hätte, Tearl aktiv zu verfolgen. Inzwischen wussten sie, wo der silberfarbene Rüde hin wollte und spätestens seit dieser Erkenntnis mimte Aiyán die Schnecke. Oder den Toboe, wie sein Zwilling es so schön formulierte. „Wolltest du nicht unentdeckt bleiben? Wenn wir zu schnell sind, holen wir ihn ein. Und dann erklärst du ihm, dass wir ihm nachlaufen wie neugierige Welpen, du Baby“, stichelte er mit einem entnervten Blick an Sai vorbei nach vorn.

Tearl Elaynès trabte uneilig durch das frühlingsdichte Unterholz des Nordwaldes, Bergrichtung anpeilend. Phasenweise überkam ihn noch immer wieder das Gefühl von Losgelöstheit, von fremder Heimat, Zweifel und Nichtzugehörigkeit. Der Requist wusste, dass nur er allein etwas dafür konnte, aber manchmal wurde das Bedürfnis nach Vertrautheit doch übermächtig. Hier war es schlimmer, als in der Fremde und auch die braunen Zwillinge konnten es nicht stillen. Deshalb steuerte er heute den Berg an. Tearl hatte lange mit sich gehadert, objektiv wissend, dass es nicht der richtige Weg war und subjektiv doch Vergangenheit wollend. So gedankenverloren waren seine Sinne tatsächlich recht gedämpft und der Riese hatte einige Zeit absolut nichts davon mitbekommen, dass er Verfolger hatte. Im Grunde genommen hatte er auch gar nicht damit gerechnet, denn wer außer Eeal und Ceal würde ihm schon folgen? So meldete sich erst, als er schon fast am Waldrand angekommen war ein Stimmchen in seinem Kopf: ‚Dreh dich um.‘ Und natürlich ging sein erster Gedanke an … Zwillinge. Seufzend blieb Tearl stehen und drehte den Kopf herum.

Saiyán Tendes legte frustriert die Ohren an. „Nicht so laut!“, zischte er und hätte sich sicher sein können, dass Ai absichtlich geschrien hatte. „Wenn du mir erklären kannst, warum er genau zu dieser Zeit im Tal aufgetaucht ist, können wir gerne die Verfolgung aufgeben.“ Ja, das war eine gute Frage, die sie dem Grauen stellen könnten, wenn sie ihn erst einmal auf frischer Tat erwischt hätten. Nunja, Wolf hätte auch sagen können, dass Sai einfach nur ein wenig Spannung in seinem Leben brauchte. Und einen Grund endlich nahe genug an den Berg heran zu kommen... Ganz unabsichtlich, verstand sich. „Jetzt kommt!“, quengelte er beinahe wie ein trotziger Welpe. „Sonst zeig ich dir, wer von uns das Baby ist!“ Doch noch während Sai den Kopf herum wandte um den Verfolgten wieder ausfindig zu machen, zuckte er erschrocken zurück. Hups. So viel zum Thema unauffällig. „Sieh nur wie auffällig du bist!“, zischte er seinem Bruder zu, als wäre es seine Schuld, dass Tearl nun direkt in ihre Richtung sah. Ha, Sai würde rein gar nichts erklären!

Aiyán Tendes brummelte nur mürrisch. Er wollte gar nicht so genau wissen, warum Tearl zu dieser Zeit hier aufgetaucht war, all das rührte ihm viel zu sehr in dem langsam fest werdenden Brei herum, den er in letzter Zeit so erfolgreich ignoriert hatte, dass er ihn beinahe vergessen hätte. Und dann liefen sie auch noch immer zielgerichteter auf den Berg zu. Unzufrieden hatte er die Ohren zurückgelegt und musterte Sai skeptisch von der Seite – eigentlich kam er hier gerade nur mit, weil die Begeisterung seines Ebenbildes an Euphorie grenzte. Bis … bis sich dieses euphorische Gesicht auf einmal in eine ertappte Miene verwandelte und Aiyán ohne einen Blick nach vorn wusste, dass sie entdeckt worden waren. „Sieh sich einer den Profi neben mir an“, raunte er. Nun zeichnete sich doch so etwas wie ein selbstgefälliges Grinsen auf seinen Lefzen ab. „Hör auf zu gucken wie ein verschrecktes Reh und komm. Das war alles so geplant.“ Und damit wurden seine Schritte endlich wieder schneller und führten ihn auf den riesigen Rüden zu, der stehen geblieben war und sie unverwandt ansah.

Tearl Elaynès zuckte mit einem Ohr zur Seite. ‚Zwillinge‘. Aber nicht die, die er erwartet hatte. Ganz im Gegenteil. Nahezu ausdruckslos starrte Tearl zu den schwarzen Kibasöhnen hinüber, die in mittelmäßiger Entfernung hinter ihm liefen und scheinbar miteinander argumentierten. Was sich hinter ihm abspielte war eine bekannte Szene, allerdings passten die Fellfarben überhaupt nicht. Noch bevor der Silbergraue zu einer Übereinkunft kommen konnte, wie er das fand, beschleunigten die zwei Rüden und kamen direkt auf ihn zu. So hatte er zu nicht mehr Zeit, als einfach nur überrascht zu sein. Tearl wandte sich nun komplett um und sein Gesichtsausdruck nahm der Einfachheit halber einen belustigten Zug an. „Mit Zwillingen als Verfolger habe ich gerechnet, aber bei der Fellfarbe lag ich falsch.“

Pf. Als ob das jetzt sein Verdienst war. Er hatte sich immerhin Mühe gegeben! Auch wenn Sai im Stillen zugeben musste, dass Ai die ganze Situation besser handhabte, als er selbst. Skeptisch verzogen sich seine Lefzen, als wäre jeder Funken 'Hetze' mit einem Mal – oder eher einem blauen Blick – aus ihm verschwunden. Fast schon zögernd folgte er seinem Bruder, nun ohne jede Deckung, hinüber zu Tearl, der ihren Versuch belächelte und Sai dadurch noch widerwilliger zu ihm trat. „Als ob deine beiden Knechte auch nur ansatzweise so weit gekommen wären.“ Dieses Brummeln konnte er sich nicht verkneifen. Er wollte nicht mit Ceal oder Eeal verglichen werden, den beiden Schlafmützen. Um zumindest das letzte bisschen Haltung zu wahren, straffte Sai die Schultern.

Aiyán Tendes hatte keine Ahnung, was er gleich sagen sollte, aber er verließ sich einfach mal auf seine Intuition. Die würde schon irgendein halbwegs würdiges Statement hinbekommen, das sie nicht aussehen ließ wie Trottel, die einem anderen Wolf nur deshalb folgten, weil sie sich nicht trauten, ihn offen zu begleiten. Denn genau das waren sie ja. Und Saiyán war genau da, wo er ihn schon vermutet hatte: schräg hinter ihm und eindeutig keine wirkliche Hilfe. Seufz. Wobei Ai eingestehen musste, dass der Kommentar seines Zwillings seine Berechtigung hatte. „Als ob wir dich verfolgen würden“, winkte er nun die Vermutung des Requisten ab. „Wir haben ja hier nur einen Wallfahrtsort, den man anpilgern kann, da muss man sich zwangsläufig mal begegnen.“ Er musterte ihn knapp, als er vor ihm anhielt – in einer Distanz, die manchem für eine Unterhaltung zu groß gewesen wäre. Aber er wollte sich ja auch eigentlich nicht unterhalten.

Tearl Elaynès ließ seine hellen Augen von einem Bruder zum anderen wandern. Als jemand, der einen Großteil seines Lebens auf engstem Raum mit einem Zwillingspaar verbracht hatte, fiel es ihm nicht sonderlich schwer die beiden auseinander zu halten. „Das hast du Recht“, bestätigte er Saiyán gerade gutmütig, als sein Bruder dazu überging abzustreiten, dass sie ihn verfolgen würden. Na, besonders einig waren sich die beiden ja nicht … Klang nach schlechter Abstimmung im Falle einer Entdeckung. „So ein Zufall aber auch.“ Tearl musste gestehen, dass ihm gerade wenig Schlagfertiges einfiel. Er war im Moment eigentlich auch nicht unbedingt in der Laune für Kindereien. „Tja dann, lasst euch von mir nicht den Weg versperren. Ich bin zwar recht breit, aber man kann noch ganz bequem um mich rum gehen.“

Saiyán Tendes hätte Ai gerne einen weiteren bissigen Blick zugeworfen, wenn es nicht zu auffällig gewesen wäre. Hallo? Sie waren eindeutig zu offensichtlich bei ihrer Verfolgung gewesen – pardón, Ai war zu auffällig rumgeirrt, während er selbst sein Bestes gegeben hatte! Doch die Erklärung des Schwarzen war ziemlich gut und so nickte Sai nur einmal bestätigend, als wären dies genau seine Worte gewesen. Als Tearl jedoch keine weiteren Erklärungen forderte, regte sich wieder der Funken Misstrauen in ihm. „Wo wolltest du denn hin, so ganz alleine?“, gab er ihm zumindest die Chance sich zu erklären, anstatt nur das Offensichtliche anzunehmen. Die versuchten Witze ignorierte er gekonnt – ha, genau so wenig Humor wie Tobs. Ob das an der Fellfarbe lag? Natürlich folgte er dem Angebot des Überholens nicht, sondern blieb ziemlich stur weiterhin stehen, als führten sie einen netten Plausch.

Aiyán Tendes schnippte mit dem rechten Ohr. Tearl machte ohne viel Aufhebens klar, dass ihm egal war, ob sie ihn verfolgt hatten oder nicht und das war … irgendwie langweilig. Und dann legte er auch keinen Wert darauf, mit ihnen zusammen weiter zu besagtem Wallfahrtsort zu gehen, obwohl sich Aiyán sicher war, dass er genau den angesteuert hatte. Hätte Tearl nun vorgeschlagen, dass sie ihn begleiten könnten, hätte er wohl so getan, als würde er das nicht wollen, aber bei so einer offensichtlichen Ausladung regte sich dann echter Widerstand in dem Schwarzen. Und da war er sich nun doch einmal einig mit Sai, ohne dass sie sich darüber absprechen mussten. Wie zwei Halbstarke, die einen dritten Halbstarken verprügeln wollten, standen sie nun zusammengerauft nebeneinander und beäugten den Requisten. „So ganz allein, ohne Zwillingsbegleitung“, ergänzte er noch.

Tearl Elaynès lächelte fast ein bisschen müde. Er war sich nach wie vor nicht ganz sicher, was die Zwei nun im Sinn hatten. Ob sie etwas von ihm wollten, das sie aus falschem Stolz aber nicht direkt sagen konnten, oder ob sie schlichtergreifend einfach nur Streit mit ihm suchten. Beide Möglichkeiten klangen gleichermaßen plausibel, doch vor allem die Zweite flüsterte bereits mögliche Begründungen in seine Gedanken. Sie misstrauen dir. Und er könnte es ihnen nicht mal direkt verübeln. „Zum Sanctarum Ceres“, antwortete Tearl direkt und ohne jegliches Drumherum. Warum auch? „Und Eeal und Ceal sind nicht gerade passende Begleiter für emotionale und meditative Pilgerprozessionen.“

Saiyán Tendes Hu? War das etwa der alte Ai? Sein Ai? Ja, ganz eindeutig! Auch wenn Sai es nicht gerne zugab, freute es ihn doch, dass ihm sein Ebenbild nicht weiterhin belehren wollte, sondern nun ebenso misstrauisch wirkte wie er selbst. Zumindest wenn Sai seine Worte richtig einordnete, ohne hinüber zu sehen. Er musste ja schließlich Tearl weiter im Auge behalten, der immer noch fadenscheinig lächelte, bevor er ihnen wirklich eine plausible und absehbare Antwort lieferte. Kurz schnippten Sais Ohren überrascht, bevor er sich darauf besann, dass der Tobs-Verschnitt noch nicht gesagt hatte warum er dort hin wollte. „Dann können wir dich ja begleiten, damit du nicht vereinsamst.“, schlug er, fast schon im Plauderton an, auch wenn ein stechender Blick reichte um zu zeigen, dass er sich nicht vertrösten lassen würde. „Wir wollen dein Seelenheil selbstverständlich nicht weiter warten lassen.“ Nein, wollten sie nicht. Dennoch wartete Sai ab, ob Tearl seinen Weg nun als Erster fortsetzen würde, auch wenn es ihm wenig behagte nun zum ersten Mal mit ihm zusammen den Berg zu betreten.

Aiyán Tendes ließ sich nicht anmerken, was er von der Bestätigung seiner Gedanken hielt. Irgendwie hatte er damit ja schließlich gerechnet und nun da Tearl es schnörkellos verriet, wusste er nicht mehr so richtig, was er dazu sagen sollte. Er wollte nicht zum Berg. Also irgendwie schon, aber das dicke fette Eigentlich war stärker und plädierte auf ein Nicht als Ergänzung. Doch Sai schien da eine andere Einstellung zu haben und eigentlich sollte er das mehr als gut finden. Nach der verwirrenden Trauerphase, die bei ihnen beiden so unterschiedlich ausgefallen war, empfand er Sais Motivation als positiv. Und nur deshalb – jedenfalls sagte er sich das – sprang er seinem Zwillingsbruder sofort bei. „Wir leisten dir emotionale und meditative Zwillingsgesellschaft, damit dir nichts fehlt.“ Und damit trat er auf Tearl zu, schien seine Schnauze beinahe mit der eigenen anzustupsen, ließ dabei aber doch noch ein wenig Luft dazwischen und positionierte sich dann so, als würde er nur darauf warten, dass es losging – direkt neben dem grauen Riesen.

Tearl Elaynès atmete kaum merklich etwas länger aus. Eine gewisse Anspannung löste sich von ihm, die er bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal richtig wahrgenommen hatte. Er hatte keine Ahnung, was Kibas schwarze Söhne von ihm dachten und auch wenn man hätte meinen können, dass ihm das egal sein dürfte, so war es in Wirklichkeit nicht so. Es war dem Silbergrauen gleich, was irgendwer von ihm hielt, aber Kibas Kinder waren nun mal nicht ‚irgendwer‘. Auf eine bestimmte Art und Weise waren Kibas Welpen das, was am Ehesten noch ‚Familie‘ für ihn war. Als geschwisterloser Wolf hatten Kiba und Kirou für ihn die Rollen der Schwester und des Bruders übernommen. „Ich wusste gar nicht, dass ihr so selbstlos seid. Das rührt mich sehr, vielen Dank.“, erwiderte er gespielt ergriffen, nur die Ironie erwidernd, die ihm zuteil wurde. Dennoch ließ er es nicht sarkastisch klingen, denn es war ihm nicht unlieb, dass sie ihn begleiten wollten. Es war nur ein bisschen seltsam. Aber vielleicht auch eine Möglichkeit, ein bisschen Vergangenheit in die Gegenwart zurück zu holen. Sein Blick ruhte noch einen Moment länger auf Aiyán, der sich neben ihm positionierte, dann auf Saiyán, bevor er sich schließlich wieder in Bewegung setzte.

Saiyán Tendes hob überrascht die Augenbrauen über Aiyáns geschickte Aufforderung, bevor er zu den beiden aufschloss und Tearl in ihre Mitte nahm. Würde er nicht wirklich ein kleines Geheimnis erwarten, das der Riese vor ihnen bewahrte, hätte er sogar über das Wortspiel seines Bruders gelacht. Jetzt allerdings konzentrierte er sich lieber auf ihrer beider Mitte. „Wie auch? Wir kennen uns doch noch überhaupt nicht.“, ging er auf die Ironie wie selbstverständlich sachlich ein. So sachlich wie ein indirekter Vorwurf eben hervor zu bringen war. Bisher hatte er selbst zwar ebenso wenig Interesse an ihrem Irgendwie-Verwandten gezeigt wie dieser an den Zwillingen oder Toboe, doch das musste hier nicht vor Gericht gezogen werden. Von der Seite her beobachtete er den Grauen genau.

Aiyán Tendes war fast ein bisschen überrascht davon, dass Tearl sich darauf einließ. Entweder er hatte einfach Lust darauf oder sie waren wirklich überzeugend. Vielleicht war es beides in Kombination, jedenfalls war er direkt ein bisschen stolz auf sich selbst und warf Sai einen triumphierenden Blick zu. Na was hatte er gesagt? So ging das. Sein Bruder machte sich aber inzwischen auch nicht mehr ganz so schlecht und brachte gleich mal geschickt vor, was es hier zu besprechen gab. „Wir haben immer nur Gerede über dich gehört“, ergänzte er. Ob er von ihnen auch schon gehört hatte? Hatte Toboe als Welpe über sie gelästert? Wäre spannend zu wissen, aber solche Fragen hob er sich für später auf, während sie nun gemütlich zu dritt durch den Wald schlenderten.

Tearl Elaynès wich dem Wink mit dem Zaunpfahl so beiläufig aus, wie es nur eben möglich war. „Gut, dass sich uns endlich eine Gelegenheit bietet, das zu ändern.“ Er hätte sich anfühlen können, wie in die Mangel genommen zu werden, so direkt zwischen den beiden Schwarzen, aber tatsächlich war er eher von dem Gedanken amüsiert, dass dies tatsächlich ihre Absicht sein könnte. „Aha? Was für Gerede denn beispielsweise?“, fragte er Aiyán neugierig, daran interessiert heraus zu finden, ob der Jüngere das einfach nur sagte, in dem Versuch ihn zu verunsichern, oder ob es wirklich ‚Gerede‘ gab.

Saiyán Tendes fing nur im Augenwinkel Aiyáns Blick auf, zumindest so weit das eben möglich war ohne zu auffällig hinüber schielen zu müssen. Ganz deuten konnte Sai ihn nicht, musste er auch nicht. Denn Tearl klinkte sich gleich mit einer fliehenden Nicht-Antwort ein. Hm, keine Entschuldigung für das mangelnde Interesse? Sehr verdächtig. Dabei gab es doch so viel zu besprechen. „Gerede über dein plötzliches Verschwinden damals, Gerüchte über deine Rückkehr. Oder erwartest du eine bestimmte Antwort?“, versuchte er beiläufig fallen zu lassen um Tearls Interesse ein wenig zu stillen. Nein, er hatte keine Ahnung worauf Aiyán hinaus wollte. Da war er genau so gespannt wie der Riese, auch wenn er sich die Neugierde nicht anmerken lassen durfte. Selbstverständlich wusste Sai, was sein Bruder andeutete. Oder auch nicht.

Aiyán Tendes hätte wissen müssen, dass sich der Hüne bitten ließ. Das passte irgendwie ins … geheimnisvolle Gesamtbild. Wahrscheinlich war Tearl in Wahrheit einfach nur total uninteressant und verhielt sich deshalb so passiv. Ai musterte ihn unauffällig von der Seite, bevor es dann doch leider wieder an ihm war, eine Antwort zu geben. Eigentlich sollte nicht er hier so viel reden, sondern der Silberrücken zwischen ihnen! Aiyán brummelte kurz, doch dann schlich sich doch noch ein Grinsen auf sein Gesicht. „Gerede über den großen Helden. Den Bärenbezwinger. Den allwissenden, kämpferischen Tearl.“ Das Grinsen hielt sich. Natürlich hatte er nicht von Akira selbst gehört, was sie von Tearl hielt, aber die ein oder andere Geschichte hatte im Rudel eine kleine Runde gemacht. „Und darüber, wo du herkommst, wer du bist, wer du nicht bist …“ Jetzt legte er den Kopf leicht schief und schaute wieder nach vorn. Tearl wirkte im Rudel wie ein Mythos, obwohl er anwesend war. Und das passte Ai irgendwie nicht.

Tearl Elaynès berührte mit den Pfotenballen die ersten Kieselsteine, die den Übergang zwischen Wildwuchsgelände und Felsterrain darstellten. Der Aufstieg zum Sanctarum Ceres war nur noch ein paar Dutzend Wolfslängen von ihnen entfernt. Seine hellen Augen huschten wieder zu Saiyán neben sich. Aha, aha. Irgendwie Gerede also. Tearl war sich mittlerweile ziemlich sicher, dass die die Zwillinge es mit einer Verunsicherungstaktik versuchten, weshalb sich der Silbergestromte leicht dagegen wappnen konnte. „Das kommt darauf an, was du dazu von mir hören möchtest … Wenn du konkretes von mir hören möchtest, solltest du mir konkrete Fragen stellen.“, antwortete er also ungerührt. Anschließend musste er seinen Blick wieder in die andere Richtung wenden, um Aiyán ansehen zu können. Ein bisschen umständlich war das schon. Er schnaubte belustigt und verzog sein Gesicht ein bisschen gequält, mehr als hätte Aiyán ihn gerade an etwas peinliches erinnert. „Der allwissende Tearl, der weiß, dass man Welpen keinen kranken Bären zum Essen serviert?“ Sein Ausdruck glättete sich wieder, bedachte den Schwarzen aber mit offenem Interesse. „Wer bin ich denn nicht?“

Saiyán Tendes rümpfte den Nasenrücken bei Tearls schleierhaften Umschreibungen. Und diese sollten ihn weniger misstrauisch stimmen? Natürlich. Dumm nur, dass er zu wenig von dem Riesen wusste, als dass ihm auch nur eine Frage eingefallen wäre. Nungut, es fielen ihm gefühlte 100 Fragen ein, aber jede davon schrie nach einigen Berechtigungspunkten, dass sie sich zumindest teilweise kannten. Missmutig schnalzte Sai mit der Zunge als Reaktion und überließ lieber Ai die Konversation. Dieser machte seine Aufgabe so gut, dass er bewundernd die Lauscher schnippen ließ. Ja, über den Bären-Kampf war viel berichtet worden. Das Wichtigste war allerdings eher der zweite Teil von Ais Fragen: Die über Tearls Herkunft. Zu seinem Missfallen umging Tearl auch diese. „Du bist nicht der Gesprächigste.“, brummte Sai missmutig und konnte sich dieses Mal nicht verkneifen deutlich zu zeigen, dass ihm die Ausflüchte langsam nervten. Selbst auf konkrete Fragen wollte er nicht eingehen! „Warum bist du überhaupt zurückgekehrt, wenn dich hier niemand zu interessieren scheint?“ Mit verengten Farbenspielen hob er den Kopf mehr heraus- als auffordernd.

Aiyán Tendes warf einen flüchtigen Blick zum Berggipfel hinauf und versuchte das kurze, mulmige Gefühl in der Magengegend wieder beiseite zu schieben. Eigentlich war Tearl dafür echt nützlich, er bot ihnen Ablenkung. Inzwischen lief Ai nicht mehr ganz so dicht neben ihm und lockerte die Formation dadurch auf, dass er eine halbe Wolfslänge vor seinem Bruder und ihm ging. „Ganz genau der“, erwiderte er grinsend und warf einen Blick schräg nach hinten. Hey, der Silberrücken grinste auch ein bisschen, das war ja schon mal spannend. „Du bist nicht mit uns verwandt. Du bist nicht – genau, nicht der Gesprächigste“, bestätigte er den Einwurf seines Zwillings mit einem Nicken in dessen Richtung. Aus der kam direkt noch eine Frage, die er schweigend hinnahm, auch wenn sie ihm ein bisschen zu angriffslustig vorkam. Immerhin wussten sie nicht, ob Tearl sich für die Wölfe hier interessierte oder nicht, davon hatte er nie geredet. „Wer warst du für unsere Mutter?“, fragte er stattdessen und bemühte sich um einen versöhnlicheren Tonfall – was ihm überraschend leicht fiel.

Tearl Elaynès musste wieder die Blickrichtung wechseln. Nicht der Gesprächigste, hm? Die Aussage stimmte ihn fast ein wenig nachdenklich. Er hatte sich selbst nie als wortkargen Wolf empfunden, aber möglicherweise hatte er sich über die Jahre dazu hin entwickelt kürzer und knapper auf den Punkt zu kommen, um bei Eeal und Ceal dazwischen zu kommen. Denn die waren Quasselstrippen. Saiyáns frustrierter Seitenhieb entlockte ihm dann jedoch einen etwas geduldsstrapazierten Seufzer. So funktionierte das nicht und eigentlich hatte er ihm das gerade schon gesagt. „Ich bezweifle, dass du bei jemandem, den du gar nicht kennst, beurteilen kannst, wie er sich für wen interessiert. Ihr nehmt mir doch gerade das Sprechen ab, indem ihr mir erzählt, was ihr schon alles wisst.“ Tearl ließ seinen fast etwas mahnenden Blick noch einen Herzschlag lang auf Saiyán ruhen, bevor er sich wieder seinem Bruder zuwandte. Den Punkt ‚nicht der Gesprächigste‘ hatte er damit eigentlich gerade erklärt, weshalb er nicht noch einmal darauf einging. Aber tatsächlich kam nun endlich mal eine konkrete Frage. Damit konnte er arbeiten, auch wenn sich ein Druck auf seiner Brust bemerkbar machte. „In unserer Jugend war ich ihr ein bester Freund und sie mir eine Art Schwester. Ich hatte selbst keine Geschwister, aber dank Kiba und ihrem Bruder war das glücklicherweise nicht so schlimm…“ Er machte eine kurze Pause, bevor er noch etwas ergänzte. „Wusstet ihr, dass ihr nach ihm benannt wurdet?“


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Jemanden den er gar nicht kannte? Na, wessen Schuld war das denn? Immerhin lebte Tearl schon seit einiger Zeit hier und Sai verfolgte nach wie vor die Meinung, dass es an den Neuen lag sich bekannt zu machen. Vor allem da er so verräterisch bekannt aussah. Wenig befriedigt schnaubte er, um seinen Missfallen über den Tadel Kund zu tun, verkniff sich jedoch jeden weiteren Kommentar und überließ Aiyán das Sprechen. Sein Zwilling hatte es erstaunlich gut drauf, die richtigen Fragen zu stellen, während er weiter vor ging. So gut, dass der Graupelz endlich mit ein paar mehr Details herausrückte und diese neuen Infos Sais grimmige Mine ohne Nachtrag verschwanden. Nach ihrem Onkel? Nein. Er hatte immerhin noch nicht einmal gewusst, dass es einen Onkel gab. Wenn er sich ausweisen müsste, wäre Mitsah wohl am ehesten der Rolle gerecht geworden – auch wenn das ziemlich traurig war. Aufmerksam neigte er die Ohren zu Tearl und wartete auf weiteren Input.


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22.05.2016 23:01
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Aha, jetzt wurde es also doch langsam mal interessant und Tearl hörte auf, sich in geheimnisvollen Andeutungen zu verstecken – auch wenn er eben noch behauptet hatte, dass das nicht seine Schuld war, sondern ihre. Als ob. Ai sah ihn schief von der Seite an und sträubte sich dabei gegen die Nachdenklichkeit, die da mit Tearls Worten schon wieder um die Ecke in seinen Kopf schleichen wollte. Nur weil es mal wieder um Kiba, ihre ihm ziemlich unbekannte Vergangenheit und all den Kram ging, musste hier ja nicht gleich die Stimmung im Erdboden verschwinden.

„Oh man, keine Geschwister … dein Vorbild war bestimmt so abschreckend, dass Mama dann selbst gleich sieben Welpen bekommen musste“, bemitleidete er ihn kopfschüttelnd.

Und dann war da noch die Sache mit dem unbekannten Onkel, dem sie ihren Namen verdankten. Er fragte sich zuerst ein paar intellektuell untergründige Sekunden lang, ob der Onkel wohl Aiyán oder Saiyán gehießen hatte und hoffte auf Aiyán, weil ihm das so einen „Trifft es besser“-Stempel verpasst hätte, während das bei Sai zu „Sieht genauso aus und muss ähnlich heißen, hängen wir einen Buchstaben vorn dran“ wurde. Bis ihm glücklicherweise einfiel, dass sie ja den gleichen Zweitnamen hatten.

„Hmm? Hieß er einfach nur Tendes? Armer Kerl.“

20.06.2016 22:24
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Innerlich musste Tearl ein wenig schmunzeln, doch nach außen ließ er es nicht. Bockige Teenager. Ein Konter fiel Saiyán wohl nicht mehr ein, aber wenigstens einen Laut musste er noch von sich geben, um zu verdeutlichen, dass er nicht ganz klein bei gab. Allerdings sagte er jetzt gar nichts mehr, wenn auch sein Blick letztendlich nicht vollends beleidigt, sondern irgendwo noch interessiert aussah. Dafür sagte Aiyán etwas dazu, wenn es auch mehr … nach einem Spruch klang, der nur ausgesprochen wurde, um irgendetwas gesagt zu haben. Er lächelte ein bisschen schräg, in Anbetracht dessen, dass von den besagten Welpen ja nur noch die Hälfte da war. Tearl hatte durchaus selbst einen ironischen Kommentar auf der Zunge, wusste aber nicht, ob er damit nicht den falschen Nerv treffen würde. Deshalb ließ er es bleiben.

„Möglicherweise … Sie muss auf jeden Fall einen halben Herzinfarkt bekommen haben. Für uns Requisten sind ein bis zwei Welpen pro Wurf die Norm gewesen.“

Anschließend schüttelte er den Kopf, um seine Frage zu verneinen. Tatsächlich machte es ihn ein bisschen traurig, wie sehr Kiba doch anscheinend ihre Vergangenheit unter Verschluss gehalten hatte. Die Zwei wussten nicht einmal den Namen ihres Onkels.

„Nein, er hieß Kirou Tendes. Doppelnamen waren auch eine Art Tradition für uns. Und einer der beiden Namen war oftmals der eines Vorfahren, so als Andenken.“


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20.06.2016 23:08
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Während Sai sich langsam aber stetig zurückfallen ließ, konnte er nicht verhindern, dass seine Züge von grimmig-interessiert zu grimmig-amüsiert wechselten. Oh Wolf. Wenn man Tearls Worten Glauben schenken konnte – und Sai zwang sich aus dem einzigen Grund dazu ihm zu glauben, weil es sonst keinen anderen Informanten gab – war ihr Wurf eine riesige Sensation für Requisten. Schade nur, dass niemand mehr übrig war um ihn zu bejubeln.

Kopfschüttelnd trottete er weiter und lauschte dem Wortwechsel der beiden Wölfe. Das war einfacher als sich mit der nahen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Kirou Tendes. Nein, niemals gehört. Allerdings musste Sai sich eingestehen, dass seine Namen eindeutig besser zueinander passten! Um den netten unbekannten Onkel nicht gleich zu vergessen, sagte er sich mehrmals in Gedanken seinen Namen auf.

„Und wer war Telay?“

Fragend schnippten seine Lauscher nach vorne. Nun, oder eher „Wer war Kiba?“ allerdings klang der erste Name seiner Mutter kein bisschen wie „Tendes“.


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30.06.2016 10:59
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Aiyán brummelte als Reaktion auf Tearls Antwort und gab sich leicht gelangweilt, obwohl er das doch ziemlich spannend fand. Endlich mal ein bisschen mehr Information über das Blut, das da zur Hälfte in ihnen floss. Sie waren schon ziemliche Versagersöhne, dass sie nie auf die Idee gekommen waren, mehr danach zu fragen und erst jetzt mal ein bisschen was in Erfahrung brachten.

„Unser Vater konnte offenbar so einiges gut“, kommentierte er.

Ein kurzes, unangebrachtes Lachen konnte er sich daraufhin nicht verkneifen. Danach musste er sich räuspern, um sich selbst wieder ein bisschen erwachsener zu fühlen – aber nicht ohne ein blödes Grinsen zu seinem Bruder rüber. Aber war doch wirklich erstaunlich, wenn Requisten normalerweise nur so wenige Welpen bekamen wie in diesen Breiten sonst nur die Bären, musste Kibas Wurf eine gewaltige Sache gewesen sein. Und wer wusste schon, ob sie alle überlebt hätten wenn Araí, Talvi und Shijarú nicht so früh durch den Brand umgekommen wären. Wobei er sich nicht erinnern konnte, dass sie um die Milch hatten richtig kämpfen müssen – aber er war auch kein zierlicher Welpe gewesen. Shijarú hätte ihm da heute vielleicht etwas anderes erzählt.

Er blinzelte das Bild vor seinem inneren Auge weg.

„Und Mama wollte ihren Namen wahrscheinlich nicht weitergeben“, schlussfolgerte er. Es passte jedenfalls irgendwie zu Kiba, aus Bescheidenheit oder warum auch immer darauf zu verzichten und bei 7 (!!) Welpen allen anderen Familienmitgliedern den Vortritt zu lassen.

06.07.2016 23:53
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Tearl ließ seinen hellen Blick nur wortlos auf Aiyán ruhen, als der seinen Vater erwähnte und anschließend lachte, ohne dass das Lachen wirklich freudig klang. Er hatte den Vater der beiden zwar damals, als er die paar Tage zurückgekehrt war, gesehen, aber von mehr konnte nicht die Rede gewesen sein. Es fiel ihm sogar schwer, sich an seinen Namen zu erinnern. Er hatte nur noch ein sehr vages Bild von ihm im Kopf, ein schwarzer Wolf mit einem ähnlich leichten Milchmaul wie Saiyán und Aiyán es hatten, dafür aber deutlich blassere Augen. Das war eindeutig nicht genug, dass er sich berechtigt fühlte darauf einzugehen.
Dafür stellte nun Saiyán eine Frage, die er zum Glück gut beantworten konnte.

„Telay kommt von Telayne. So hieß die erste Wölfin, die vor vielen Tausend Wolfsleben nach Diëmnar kam und mit ihrem Gefährten unser Rudel gründete. Und der hieß Akibarou.“

Er bemühte sich, den Namen Akibarou extra so zu betonen, dass man das Kiba und das Rou von Kirou hinaus hören konnte. Tearl schnaubte leicht amüsiert, als Aiyán schlussfolgerte, dass Kiba ihren Namen wohl nicht weitergeben wollte.

„Seinen eigenen Namen weitergeben wäre auch irgendwie komisch. Kibas Namen weitergeben wäre wenn eher … eure Sache.“

Tatsächlich hatte es ihn sogar ein wenig überrascht, dass Kiba ihren Zweitnamen weitergegeben hatte und nicht etwa den ihrer Mutter. Aber möglicherweise war es, weil der Name symbolträchtiger war … Der Name der ersten Requistin – und der Letzten. Vielleicht hatte sie deshalb Telays Namen an Tyára weitergegeben. Um nicht allein die Letzte zu sein.


That there, that's not me.
I go where I please. I walk through waterfalls, I float down the river.
In a little while, I'll be gone. The moment's already passed, yeah, it's gone.
Glaring lights to swallow shadows, rainfall and blizzards to bury ghosts

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Die ganze Sache mit den „wenigen Welpen in einem Wurf“ war Saiyán viel zu suspekt, als dass er wie Aiyán freudlos über ihren wenig bekannten Vater lachen konnte. Er wusste nicht so ganz, ob ihr Wurf nicht ebenso verpönt gewesen war wie das auftauchen aller Nicht-Requisten. Wobei sie sich bei den winzigen Würfen von Jeanne und Yacáru kaum fürchten mussten, dass das Tal sich bald wieder beschwerte. Mit einem Kopfschütteln vertrieb er die bösen Gedanken wieder aus seinem Kopf. Die Antworten waren einfach viel zu interessant, als dass er abschweifen durfte.

Obwohl er hinter Aiyán und Tearl lief, nickte er zum Zeichen des Verständnis'.

„Telayne und Akibarou. Woher willst du wissen, dass sie die Ersten waren?“

Es kam ihm seltsamen vor, dass eine ganze Rasse sich über einen langen Zeitraum so viele Namen merken konnte – besonders, dass Tearl behauptete zu wissen wer die ersten Wölfe im Tal waren. Geriet so etwas nicht irgendwann in Vergessenheit? Und ehm... Ganz nebenbei: Hatten sie bereits geklärt, warum nur noch Tearl und Kiba übrig geblieben waren? Hastig blätterte Sai seine Erinnerungen durch. Vielleicht lag es an der niedrigen Wurfgröße dieser Rasse. Dabei ignorierte er Tearls nächsten Satz absichtlich, um neben den neuen Informationen nicht auch noch an Ashlynn denken zu müssen.


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11.07.2016 21:48
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Aiyán runzelte die Stirn, als Tearl sie erleuchtete und über Kibas gesamten Namen aufklärte. Das mit der allerersten Wölfin kam ihm etwas pathetisch vor, aber er zuckte nur mit den Schultern, ohne darauf einzugehen. Allerdings brachte Sais Frage ihn von dem Vorhaben wieder ab. „Legenden, Bruderherz. Hat sich halt irgendwer irgendwann mal ausgedacht und seinen Welpen erzählt.“ Er verdrehte die Augen, auch wenn Sai das nicht würde sehen können. Er war nie der größte Fan alter Geschichten gewesen und hielt auch heute nach wie vor nicht viel von ihnen, vor allem wenn sie Kristalle beinhalteten. Entsprechend wenig ernst nahm er das jetzt. Als ob sich noch jemand daran erinnern könnte, wer die erste Wölfin in diesem Tal gewesen war. Er schnaubte, stapfte weiter und grinste schließlich, als auf Tearls Worte nur noch schweigen folgte. „Mal sehen wer von uns schneller ist“, erwiderte er mit einem schrägen Blick nach hinten zu seinem Zwilling.

Tearl ließ den Blick noch einen Moment nach vorne gerichtet, denn er sah, dass sie ihr Zwischenziel so gut wie erreicht hatten. Je höher sie stiegen, desto weiter wuchs der dunkle Höhlenschlund aus dem Boden empor. Ein Anblick, der ihm immer noch leicht in den Fellspitzen kribbelte. Wie dem Jungen, der etwas Verbotenes tat. Der Requist wandte sich lieber noch einmal den zwei Banausen zu, die seine Rudelhistorie bereits als Märchen abtaten. „Legenden, über Generationen und Generationen weitergegeben … Ich würde euch zustimmen, dass sie nach all der Zeit vermutlich nicht mehr sonderlich akkurat sind, aber …“ Sie waren vor dem Höhleneingang angekommen. Tearl blieb stehen. „Uns steht ja ein allwissender Kristall zur Verfügung, der die Wahrheit kennt. Und da er unseren Leitwölfen vermutlich schon ziemlich lange zur Verfügung steht … Gehe ich davon aus, dass all unsere Legenden deutlich weniger märchenhaft sind, als wir uns vielleicht wünschen würden.“ Er lächelte schmal, fast freudlos, während er in die Schwärze starrte.

Ais letzten Kommentar ignorierte Sai ganz gekonnt und gewollt und konzentrierte sich lieber auf dessen ersten Satz. Irgendwann mal irgendwer? Toll. Wer hatte denn bitte vergessen sie, die Welpen aller Welpen, in all diese Legenden einzuweihen? Sais Legendenrepertoire bestand aus Mitsahs Lehrpredigten und Toboes neustem Monolog am Abend. Allerdings bezweifelte der Zwilling, dass nicht auch ein Fünkchen Wahrheit in den Legenden steckte. Wer wusste schon, ob nicht doch irgendein bis jetzt verschollener Kristall für sie verantwortlich war? Hä? Und als hätte Tearl gerade seine Gedanken gelesen, bretterte er auf einen Schlag das stärkste Argument hervor, das sich finden ließ. Mit einem Seufzen verdrehte Sai die Augen: Anstatt sich um Wahrheit oder nicht Wahrheit zu streiten, wollte er lieber wissen wie es weiter ging. „Und wie sollen bitte zwei Wölfe eine ganze Rasse erschaffen haben?“ Einmal ganz davon abgesehen, dass die beiden anscheinend nicht aus dem Tal vertrieben worden waren, obwohl sie unerwünschte Migranten waren. Im Gegensatz zu seinem Bruder bezweifelte Sai nicht unbedingt Märchen und Legenden allgemein, sondern eher den Inhalt der neusten Geschichte. Als der Weg nicht mehr anstieg, blieb Sai ebenfalls stehen, mit sicherem Abstand zum Höhleneingang. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden so toll waren, dass Wolf ihren Namen weitergeben wollte.“

Aiyán setzte eine reservierte Miene auf, je näher sie dem Eingang des Berges kamen. Mit Tearl herzukommen, bedeutete einerseits, viel zu erfahren. Das hatte er gewollt und enttäuscht hatte ihn der Requist bisher nicht (auch wenn er nun nicht gerade wie ein Wasserfall redete, aber das war okay) und vor dem Kristall würde er vermutlich noch deutlich mehr erfahren. Aber er würde nun auch preisgeben und sich selbst mit dem konfrontieren müssen, was ihm die Spiegel zeigten. Und darauf war er eher nicht so erpicht. „Wollen wir einfach fix durchgehen? Einmal Hi sagen oder so?“, fragte er möglichst beiläufig, ohne sich weiter an der Diskussion um ihre Gründerväter zu beteiligen.

Tearl fand es äußerst interessant, dass Saiyán sehr viel neugieriger auf diese ‚Geschichten‘ und die Requisten zu sein schien, als Aiyán – welcher eher gar kein Interesse zu haben schien. Tearl selbst jedoch tat es viel zu gut nach all den Jahren wieder von seiner Familie und seinen Geschichten erzählen zu können, als das er großartig darauf Rücksicht nehmen wollte. „Nun, sie waren die ERSTEN.“, betonte er mit einem Glucksen. „Nicht die Einzigen. Nach ihnen kamen noch einige Wölfe her, die sich den beiden anschlossen. Und Namen weitergeben … Das war einfach immer irgendwie so 'ne Requisten-Tradition. Sollte vermutlich Glück bringen, die Namen von denen, die wegen irgendetwas in Erinnerung geblieben sind, weiter zu geben. Mein Zweitname gehörte einem Wolf, der 14 Jahre lang Leitwolf gewesen sein soll. Vom Jährlingsalter an, bis zu seinem Tod.“ Sie standen noch immer regungslos vor dem Höhleneingang. Tearl wollte den beiden gerade sagen, dass sie ihn nicht hinein begleiten mussten, wenn sie nicht wollten, da meldete sich Aiyán zu Wort. Der große Rüde bedachte den Schwarzen einen Augenblick lang wortlos, in Gedanken bereits feststellend, dass der Jüngling wohl kaum davon ausgehen konnte, dass sie wirklich nur einmal fix durchgehen konnten. Aber er wies ihn nicht darauf hin und antwortete stattdessen: „Versuchen wir’s.“

Saiyán „Wie witzig!“, lachte er tonlos auf Tearls Antwort, auch wenn sich der beißende Sarkasmus eher auf die Bedeutung seiner Worte bezog. „Dann sind früher also munter Wölfe ins Tal spaziert, haben es sich breit gemacht ohne Bezahlung – und jetzt, nach Tausenden Jahren störts das Tal plötzlich?“ Pf, schnaubte er vielsagend. Hachja, das Leben war einfach viel zu schön und gerecht. Nicht. Mit ungläubig schüttelndem Kopf, schloss er zu Ai auf und versuchte sich, ohne es sich anmerken zu lassen, Tearls zweiten Namen ins Gedächtnis zu rufen. Elaynes. Den Kommentar, dass sich in ihrem jetzigen Rudel kein alter Greis mehr als Leittier behaupten könnte, verkniff er sich. Stattdessen blickte nun auch Sai ins Dunkle der Höhle und musste die Lauscher noch enger anwinkeln, als sie sowieso schon lagen. Der Weg war eindeutig viel zu kurz gewesen, das fiel ihm jetzt auch auf. „Deine Legenden kannst du uns auch hier erzählen, dafür müssen wir nicht rein.“, setzte er – abweisender als zuvor – an. Sie konnten auch umdrehen, oder pausieren. Das war ihm relativ gleich. „Oder wir drehen um. Da bleibt uns ebenfalls genug Zeit.“ Er hätte auch in dieser Stimmlage über das Wetter plaudern können, wenn Sai denn jemals über das Wetter hatte reden wollen.

Aiyán schnaufte leise. Das hatten sie jetzt davon, dass sie Tearl zu stalken versucht hatten. Um die Fassade zu wahren, mussten sie jetzt wohl oder übel mitspielen. Aber nicht, ohne nochmal eine Unmutsäußerung fallen zu lassen. „Wir haben dir ja bis hier emotionale und meditative Zwillingsgesellschaft geleistet, aber die galt eigentlich nicht für's Innere des ollen Bergs.“ Wenn er schon mitkam, wollte er, dass Tearl sich wenigstens ein bisschen geehrt fühlte. Aber er klang ein bisschen zu bemüht gönnerhaft, als dass es richtig gewirkt hätte. „Der letzte Requist vor dir, der die Höhle betreten hat, hat sie nicht mehr verlassen. Ich hätte da an deiner Stelle ein komisches Gefühl.“ Das hatte er schon, obwohl er nur ein halber Requist war. Oder vielleicht, weil es seine Mutter war, die da drin im Kristall entspannte und es definitiv ziemlich gruselig war, sie da zu sehen. Sein Fell hatte sich inzwischen ein wenig gesträubt und er machte wie auch sein Bruder keinen Schritt auf den Höhleneingang zu. Das Problem war, dass er Kiba – so gruselig die Szenerie auch war – wirklich gern sehen wollte. Nur auf den Rest konnte er verzichten.

Tearl drehte eines einer Ohren leicht zur Seite, ob Saiyáns bissiger Reaktion, die er so nicht hatte kommen sehen. Tatsächlich wusste er auch wenig darauf zu erwidern. Er wusste nichts über die Beweggründe des Tals für sein schaffen, bei Diemnar, bis vor kurzem hatte er ja noch nicht einmal gewusst, dass ein Tal Beweggründe für irgendetwas haben konnte! Das alles war so groß und ungreifbar unglaublich, dass er es vermied zu viel darüber nachzudenken. „In so einer großen Zeitspanne kann sich vieles verändern … Oder man sich zu sehr an etwas gewöhnen.“ Er zuckte mit den Schultern. Nun machte Saiyán allerdings deutlich, dass er im Gegensatz zu seinem Bruder, gar nicht wirklich in den Berg hinein wollte. Was an seinen abweisenden Äußerungen allerdings eher bei Tearl hängen blieb war die Tatsache, dass er explizit forderte, dass er weiter erzählte – nur eben nicht im Berg. Aiyán hingegen rutschte wieder in diese passiv drohenden Worte, die dem Rüden überhaupt nicht gefielen. Sein Blick wandte sich ihm leicht verengt zu, bevor er einfach resigniert seufzte und den Kopf abwandte, während er ihn zeitgleich senkte. „Heh. Ich denke nicht, dass ich für das Tal noch als Requist zähle.“ Im nächsten Moment straffte er die Schultern wieder und machte auch sogleich ein paar Schritte nach vorne, in die ersten Schemen der Dunkelheit eintauchend. „Ihr müsst nicht mitkommen, wenn ihr nicht wollt. Wenn ihr mehr Geschichten hören wollt, könnt ihr gerne hier warten, oder wir sehen uns später. Ich gehe nicht davon aus, dass ich hier lange aufgehalten werde.“, ergänzte er mit einem schmalen Lächeln.

Na, von einem sanften „annähern“ oder „gewöhnen“ konnte hier wohl nicht die Rede sein! Eher war ihre ganz eigene Lösung auf üble Erpressung zurückzuführen. Doch auch das verkniff Sai sich. Zum Einen, weil er wirklich noch etwas mehr von Tearls erfahren wollte und zum Anderen, weil nun die Spiegelhalle direkt vor ihrer Nase wartete. Nunja, nicht auf ihn. Eindeutig nicht auf ihn! Da klinkte sich Sai lieber als Tarnung bei den Vorschlägen seines Bruders ein. „Natürlich tust du das. Jahrhunderte altes Blut von Telai und Akiba.“ So oder so ähnlich. „Wenn das Tal das erstmal rafft, wird niemand mehr irgendwelche Geschichten hören.“ Ziemlich halbherzig und schwarzmalerisch, allerdings wollte er weder mit Tearl an den Spiegeln vorbei, noch zum ersten Mal seit Ewigkeiten Kiba und Yago besuchen. Das war ihm zu doof. Demonstrativ ließ er sich auf die Hinterhand sinken. Auf Ai würde er hier warten. Oder später nachkommen, wenn die beiden an den Spiegeln vorbei waren und nur noch ein Punkt auf seiner Liste offen stand. „Dann hoffe ich, dass du unten im Tal deine Worte einhälst.“ Zack, da war er wieder: Fordernd und stur verengten sich die Kobaltspiele, während Sai seine Chance auf mehr Hintergrundinformationen davon laufen sah.

Aiyán hätte sich vielleicht selbst überredet bekommen, wenn die Umstände ein bisschen anders gewesen wären. Mehr Motivation seitens Tearl, mehr Überzeugung bei Sai. Da beides gegen null ging, verlor auch er sein letztes bisschen Interesse daran, das Innere der Höhle zum ersten Mal wiederzusehen. „Wir kannten das Tal nicht anders“, ergänzte er mürrisch, denn er fand nicht, dass es das okay machte, was dieser Landstrich mit ihnen anstellte. Nur weil es plötzlich Lust hatte, Requisten zu kristallisieren, wurde das noch lange nicht akzeptabler, weil es das vielleicht früher schon mal gemacht hatte. Das war kein angebrachtes Verhalten für einen Lebensraum. „Du bist, was du bist“, erwiderte er noch tiefsinnig und ließ sich dann kurz nach seinem Bruder ebenfalls auf die Hinterläufe sinken. „Hetz dich nicht, wir warten.“

Tearl Aiyáns und Saiyáns Beteuerungen, dass er seinem Requist-sein nicht entkommen konnte, waren wenig tröstlich. Er beschloss das Thema nicht weiter zu behandeln und wandte stattdessen noch einmal den Kopf zu den beiden herum, die tatsächlich keine Anstalten machten, ebenfalls die Höhle zu betreten. Verstand einer diese beiden komischen Käuze. Dieses Zwillingspaar und ‚seines‘ hätten nicht unterschiedlicher sein können. Er konnte sich einen neckischen Kommentar nicht ganz verkneifen. „Wobei ich dir da unten keine Geschichte so lebensecht erzählen können werde, wie hier drinnen dank – bildhafter Untermalung. Aber wenn das zu viel für dich ist …“ Er wandte den Kopf gedehnt langsam wieder nach vorne. Wenn er ehrlich war … Nein, möglicherweise war es besser so. Er wusste, dass, so viele schöne Erinnerungen es hier drin auch geben würde, es vor allem die Dunklen waren, um die er nur schwerlich einen Bogen machen konnte. Und wenn Tearl eines über die Zwei verstanden hatte, dann, dass sie nichts von dem wussten, was mit ihren Vorfahren passiert war. Er schüttelte leicht den Kopf. „Aber ist vielleicht ganz gut so. Wir sehen uns später.“ Damit schritt er nun endgültig in die Höhle hinein.

Saiyáns störrischsture Miene wechselte relativ schnell bei Aiyáns Worte zu verwirrt-überrascht. Fragend warf er dem Dunkelpelz einen flüchtigen Blick zu, als auch dieser sich setzte. Was sollte das denn bitte? Seltsamerweise hätte Sai eher erwartet, Ai ohne Umwege in der Dunkelheit verschwinden zu sehen. Ein Schnauben folgte, bevor er die Kobaltspiele zusammen kniff und dem langsam schwindenden Tearl hinterher sah. Bildhafte Untermalung? Jaja, schön wäre es gewesen, alter Wolf. Statt darauf wörtlich zu reagieren, knirschte er nur mit den Zähnen. Auch wenn er es nicht gerne zugab: Saiyán wäre gerne mitgekommen. Allerdings nicht unter diesen Umständen. Ein paar Momente wartete er, bis Tearls Körper in der Höhle verschwunden war. „Warum gehst du nicht mit?“ Hui, schwang da etwa ein indirekter Vorwurf mit? „Ich will hier nicht stundenlang warten, bis der Opa wieder rauskommt.“, quengelte er fast wie ein kleiner Welpe, dem der Spielgefährte davon gerannt war.

Aiyán verfolgte mit geübt aufgesetztem Desinteresse, wie Tearl langsam in der Dunkelheit verschwand. Er wollte natürlich mehr wissen, auch über den Kristall und alles, was sie in ihm sehen würden. Aber nicht so und irgendwie … vielleicht lieber ein andermal. Sie würden jetzt einfach hier warten – dachte er zumindest. Bis er Sais empörtem Blick begegnete und fragend zurückstarrte. „Was?“, fragte er verständnislos. Hatte er so ausgesehen, als würde er Tearl dringend begleiten wollen, ohne Sai? Er verzog das Gesicht. „Dann geh du doch mit, wieso soll ich?“, fragte er und kam sich wieder vor, als wären sie Welpen.

„Was „was“?“, schnaubte er ebenso forsch zurück und erhob sich wieder von der Hinterhand. „Ich will nicht mit ‚ihm‘ dadurch gehen.“, gestand er störrisch und winkelte die Lauscher an, als wäre diese Aussage offensichtlich genug. Saiyán wollte nur mehr erfahren und sich ein wenig von den lebendigen Bildern beeindrucken lassen. „Warum lehnst du seine Berichte denn so ab? Endlich erzählt man uns mal was.“ Wieder ein Schnauben das zeigte, dass es ihm deutlich gegen den Strich ging so wenig über die eigene Geschichte zu wissen. Trotzig begann er voller Ungeduld vor dem Höhleneingang auf- und abzumarschieren. Hier draußen zu bleiben passte ihm genau so wenig wie hinterherzulaufen. Grimmig sah er seinen Bruder wieder an, versuchte einen Funken zu entdecken, der seiner Wissbegierde ähnlich war, bevor er sich prüfend über die Lefzen leckte. „Wir könnten warten bis er drin ist, dann folgen wir?“ Nur haarscharf konnte Sai sich das „zusammen“ verkneifen.

Aiyán drehte die Ohren zu den Seiten und musterte seinen Bruder reserviert. Es war zum Verrücktwerden mit ihnen, eigentlich dachten sie das selbe, schafften es aber trotzdem irgendwie, sich darüber zu streiten. „Tu ich doch gar nicht“, widersprach er lahm. Wenn er den Grund selbst gekannt hätte, hätte er eine bessere Ausrede gefunden. Theoretisch wusste er den Grund schon, aber er mochte ihn nicht. Sein Gefühlsmanagement war schon immer ziemlich mies gewesen, aber dass es ihm nun querschoss und Dinge vermieste, die ihm zuerst Spaß gemacht hatten, war nicht cool. Und alles was mit Tearl zu tun hatte, war gefühlsbelastet [that sounds gay as hell xDD]. Er senkte den Blick, seufzte und zuckte mit den Schultern. „Damit er sich auf dem Rückweg gemütlich mit uns anschauen kann, was uns ausmacht?“, fragte er und seine Stimme klang plötzlich kleinlaut.

Saiyán kippte ungläubig die Lauscher zur Seite. Jaja, Feigling. Dabei war er selbst genau so feige wie sein Ebenbild. Wie doof. Wo war denn bitte der mutige Bruder, wenn Wolf ihn brauchte? Auch wenn Sai das Tobs natürlich niemals laut sagen würde. Noch einen weiteren Streifzug zog er vor dem Höhleneingang, bevor er mittig vor Ai stehen blieb. In der Hoffnung nun selbst nicht so wie Aiyán zu wirken – dem anscheinend die Läufe schlackerten – straffte er die Schultern und hob das Köpfchen. „Neien.“, betonte er jeden Buchstaben. „Wir könnten auch so lange in der Höhle bleiben, bis der Alte Kerl schon längst wieder draußen ist.“ Ha, das klang fast schon etwas besser. Auffordernd schnickte er mit dem Fang. „Zur Not übernachten wir da drin.“ Zusammen mit zwei Leichen. Ohje, da lief ihm schon ein Schauer über den gestrafften Rücken.

Aiyan neigte den Kopf ein bisschen zur Seite, als sein Bruder sich vor ihm positionierte. Da war er wieder, dieser seltsame Ausgleich, den sie immer wieder automatisch fanden. War einer von ihnen schlecht gelaunt, glich der andere es mit Kasperei oder guter Laune aus. War einer schwach, war der andere stark. Hatte einer Angst, war der andere mutig. Es lief immer wieder darauf hinaus, ohne dass sie sich darauf verständigt hätten – es passierte einfach. Und nun war es Sai, der seine Hemmungen überwand und ihm beinahe überzeugend erklärte, wo sie heute schlafen würden. Ai konnte ein Schmunzeln kaum unterdrücken. „Erzähl mir nichts“, erwiderte er, aber man konnte heraushören, dass Sai ihn überredet hatte. „Erklärst du ihm auch, warum er uns da drinnen allein lassen soll? Ohne zu verraten, dass wir ihm unsere Spiegelbilder nicht zeigen wollen?“ Nun grinste er schwach, schüttelte den Kopf und erhob sich. Nützte ja nichts, auch wenn er sich nicht fühlte, als wäre er bereit für den ganzen Erinnerungskram da drin.

Saiyan seufzte teils erleichtert, teils ein wenig beunruhigt. „Jaja, wir sagen ihm, dass er nach altem Wolf stinkt und dann geht er von ganz alleine.“ Der belustigte Zug, den Sai vorgab zu haben, blieb jedoch aus. Wolf, ihm war es schon ein wenig unangenehm die Spiegel in Begleitung zu erkunden. Aber vielleicht konnte er ja so schnell durchgehen, dass ihm die Bilder noch nicht einmal selbst auffielen? Schwierige Sache. Allerdings war es zumindest beruhigend, dass Ai ähnlich dachte wie er und sein Innenleben nicht direkt vor jedem x-beliebigen Wolf entblößen wollte. „Na, dann komm. Vielleicht hören wir ihn noch, damit er uns nicht überraschen kann.“ Und damit trat er in die Höhle ein, das ungute Gefühl in Brust und Bauch kaum beruhigter als zuvor.

Aiyan grinste nun wirklich und das Unbehagen ließ für einen Moment nach. Mit Sai zusammen war es aushaltbar, würden auch die Spiegel aushaltbar sein. Ihm musste er seine Bilder nicht vorenthalten, auch wenn er sich nicht so sicher war, ob er die Bilder seines Bruders unbedingt sehen wollte. Wenn sie etwas zeigten, das er nicht wahrhaben wollte, konnte er schlecht einfach vorausstürmen. Dinge die man tatsächlich, wirklich sah, konnte man nicht einfach wieder ungesehen machen. Aber vielleicht war das ganz gut so. Also trottete er Sai mit etwas weniger Elan nach und schloss erst in der Höhle richtig zu ihm auf.

Saiyan atmete auf, als Ai nachkam. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sein Bruder zurückblieb, allerdings war es doch erleichternd festzustellen, dass er wirklich mitkam. Schweigend ging er weiter, versuchte sich daran zu erinnern, was sie am Ende des Gangs zu sehen bekamen. Saiyán konnte sich zwar an alle Spiegel erinnern, aber nicht in welcher der Höhlen sie in welcher Reihenfolge standen. Nervös befeuchtete er seine Lefzen und suchte Worte für seine Gedanken, oder Worte um seine Gedanken zu überspielen. Schlussendlich entschied er sich für Ersteres. „Ich weiß nicht, ob ich nicht lieber blind durch den Gang laufen soll.“, murrte er mehr murmelnd, als deutlich. Natürlich war er neugierig, aber nur auf die guten Bilder und die konnte er sich leider nicht einfach aussuchen. „Weißt du noch, welche Spiegel hier waren?“, folgte sogleich Möglichkeit Zwei, um seine ach so tiefsinnigen Gedankenfetzen sogleich wieder abzuflachen.

Aiyan brauchte einen Moment, bis sich seine Augen an die Dunkelheit des Tunnels gewöhnten, dann konnte er bereits das leicht bläuliche Zwielicht ausmachen, das die Spiegel ausstrahlten. Vielleicht war es auch Einbildung, aber in diesen Höhlen schien es nie richtig finster zu sein, obwohl die Kristalle noch ein gutes Stück entfernt waren. „Dann läufst du noch gegen einen von ihnen“, warnte Ai – nun da sein Bruder wieder mehr Unruhe durchscheinen ließ, verzichtete er darauf, seine eigene Unsicherheit allzu sehr zu zeigen. „Nein. Ich war lange nicht mehr hier.“ Eine kleine Ewigkeit, in der sich die Bilder komplett verändert haben konnten, weil so viel geschehen war.

17.01.2017 00:31
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Beim letzten Mal war Saiyán der Weg viel kürzer vorgekommen. Er war ihn gerannt, um so schnell wie möglich bei Kiba anzukommen. So viele Gedanken wie ihm damals durch den Kopf gegangen waren, hatte er kaum auf das Gestein oder den darauf folgenden See geachtet. Wieder befeuchtete er seine Lefzen, die angespannten Glieder nicht in der Lage zu entspannen. Heute kam ihm jeder Schritt zu viel vor, jeder Atemzug zu knapp. An dem beklemmendem Gefühl konnte auch Aiyán nichts ändern, der neben ihm trottete und von dem Saiyán kaum eine Gefühlsregung mitbekam, weil er viel zu sehr auf sich selbst konzentriert war. Es gab so viele Fragen die in seinem Kopf schwirrten – war seine Mutter in den wenigen Monaten gealtert? Hatte sich etwas an ihr verändert? Es waren so wenige Monde vergangen seit sie sich opferte und doch war so viel im Rudel und in Saiyán selbst geschehen, dass es ihm wie eine Ewigkeit vorkam. Ähnlich ewiglich wie der Weg.

So in Gedanken versunken gab das dunkle Halbblut kaum einen Ton von sich, bis das bläuliche Leuchten immer heller wurde, der stille See neben ihnen auftauchte und der Durchgang zu den Spiegeln immer näher rückte. Immer nervöser wurde der dunkle Körper, auch wenn er sich zur Ruhe zwang gerade – oder eher besonders weil – Aiyán ihn begleitete. Verstohlen warf er einen Seitenblick auf seinen Bruder. Es war so viel mit und zwischen ihnen passiert… Insbesondere der Moment, als Saiyán verstand, dass sein Bruder sich nicht mehr für ihn und gegen den Rest der Welt entscheiden würde. Ein weiteres Mal leckte er sich über die Lefzen und sah wieder nach vorne.

„Die Vergangenheit, das Verlorene und der Wunsch.“, sprach er mürrisch die Erinnerungen aus, die er an Jeannes Kommentare zu den Spiegeln im Kopf hatte und beantwortete damit seine eigene vorherige Frage. Jetzt wo er den Eingang sah, tauchten die alten Bilder wieder vor ihm auf und die Furcht vor den Veränderungen wurde ihm noch bewusster als zuvor. „Das ist das Gleiche als ob du geboren wirst und sofort erfährst wie du später stirbst.“ , brummte er verstimmt und mit dem Funken Nervosität in der Stimme, den er seit einigen hundert Metern zu verbergen versuchte. …kompletter Mist.

Als wolle er auf ein Startzeichen warten, blieb er im bläulichen Licht stehen, sah in den Gang hinein und legte im unguten Gefühl die Lauscher an den Hinterkopf. Von Tearl war nichts mehr zu sehen, er müsste bereits in der Spiegelhalle sein und dort auch bitte bleiben. Fragend sah Sai zu Ai, auch wenn es nur ein flüchtige Kopfbewegung war. Ihm war nicht ganz wohl dabei sich den Spiegeln zu stellen, noch unwohler wurde ihm bei dem Gedanken Kiba und Yago als Ziel anzusehen. Standhaft redete er sich selbst ein, dass es alleine Tearls Geschichten waren, die ihn hier her und weiter lockten.


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17.01.2017 20:20
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Auch Aiyán kam der Weg länger vor. Er wusste nun was auf ihn zukam und wusste es gleichzeitig doch nicht, das war eine Konstellation die ihn verunsicherte. Allein durch den Gang zu laufen war bereits unangenehm, aber doch irgendwie auszuhalten. Man konnte selbst entscheiden, ob man die Spiegelbilder ignorierte und einfach schnell in Richtung Halle lief, oder ob man einen Blick riskierte. Wollte man dagegen mit einem anderen Wolf einen kleinen Spaziergang zum Kristall machen, wurde jeder Schritt in diese Richtung automatisch zum Offenbarungstrip. Aiyán fragte sich ernsthaft, ob es Wölfe gab, die das nicht unangenehm fanden. Akira vielleicht. Wer an Geltungssucht litt, fand die Spiegel wahrscheinlich klasse.

Inzwischen passierten sie bereits den nachtblauen See – quasi die letzte Station, an der man noch einen Rückzieher machen konnte. Aber dafür war es dann doch irgendwie zu spät. Was war er, ein Welpe? Der Angst vor einer Höhle hatte? Oder ein düsterer, verbrecherischer Kerl, der seine grässliche Vergangenheit offenlegen musste? Er schnaufte leise, als Sai mit unruhiger Stimme zusammenfasste, was die Spiegel ihnen eigentlich brachten.

„Bring die olle Höhle nicht auf Ideen“, erwiderte er mit einem kleinen, humorlosen Grinsen auf den Lefzen.

Nicht dass da demnächst ein Spiegel mit dem Thema Schicksal auftauchte und einem im Detail zeigte, wie und wann man das Zeitliche segnete. Er traute diesem gruseligen Berg inzwischen eine ganze Menge zu, auch dass er sie irgendwie belauschte und tatsächlich verstand. Aiyán war zwar unentschlossen, ob ein derartiger Spiegel wirklich am schlimmsten wäre, oder ob nicht der eigene Herzenswunsch, bloßgestellt vor jedem Begleiter, viel kritischer war.
Als Sai stehenblieb, hielt auch er inne. Tearls Geruch lag in der Luft, er war ihnen nicht sonderlich weit voraus. Aber der Gang war leer und es war nichts mehr von ihm zu hören, sodass sie sich sicher sein konnten, dass er die Spiegel bereits passiert hatte. So lange er sich einredete, dass das das wichtigste war, konnte er am besten mit der Aussicht umgehen, gleich zusammen mit Sai einen Blick in ihrer beider Innenleben zu werfen. Auch seine Ohren drehten sich unsicher nach hinten, als es schließlich einfach keinen Grund mehr gab, länger herumzustehen.

„Bringen wir es hinter uns.“

Mit der Nase stupste er sachte gegen die Lefze seines Bruders und lächelte ein winziges bisschen. 'Egal was kommt, egal was wir sehen, wir sind Aiyán und Saiyán Tendes' wollte er versichern, aber er schwieg und verließ sich darauf, dass die kleine Geste ausreichte, damit Sai das verstand. Dann trat er in den Gang und visierte den ersten Spiegel an, der harmlos vor sich hin leuchtete, so lange sich niemand vor ihm befand.

Letztendlich den entscheidenden Schritt zu machen und sich dem Spiegel zu stellen, war dann irgendwie doch einfacher, als er geglaubt hatte. Er wartete darauf, dass sich das Bild veränderte und ihm seines zeigte, aber es geschah nichts. Vor ihm im Kristall lag ein schlafender Bär.

29.01.2017 13:16
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Zwar war Aiyáns kleine Geste beruhigend, jedoch nicht ausreichend um ihm die Sorgen und das ungute Gefühl zu vertreiben. Dennoch nickte Sai zustimmend: Ja, sie würden es einfach ‚hinter sich bringen‘ und vielleicht auch nicht ganz genau hinsehen, damit sie schnellst möglich bei Tearl ankamen. Das Halbblut hoffte nur, dass sie nach diesen drei Tyrannenspiegeln nicht vollkommen durch den Wind sein würden.

Sobald sein Bruder den Schritt wagte und sich tatsächlich der "ollen Höhle" – wie er es nannte – stellte, reckte Sai die Schnauze vor, auch wenn seine Läufe nur langsam folgten. Er haderte hin und her, ob er nicht einfach die Augen schließen und loslaufen sollte, oder es Ai gleich tat. Doch zu allererst trat er einen Schritt näher, folgte dem Bruder um sich dem Spiegel zu nähern.

„Ein Bär..?“

Irritiert schnaubte der Dunkle und besah sich das beinahe-Stillleben erst kritisch, dann mit einem aufkeimenden Funken Belustigung. So schlimm sah es schließlich doch nicht aus.

„Das war aber nicht der, der Akira fast erschlagen hätte?“ Das war die einzige Variante die Sai dazu einfiel.

Fragend sah er von dem Bild zu seinem Bruder.


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31.01.2017 12:48
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Aiyáns Blick war unverwandt auf den Bären gerichtet, dessen Körper sich nur minimal bewegte – daher wusste er, dass er nicht tot war, sondern schlief. Seine Brauen hoben sich leicht. War das nicht der Spiegel, der ihm seinen größten Verlust zeigen sollte? Stand der Bär für Kiba? Oder hatte er sich in der Reihenfolge geirrt und das hier zeigte … was auch immer, seine Vergangenheit? Seinen Wunsch? Nichts ergab Sinn.

„Welcher Spiegel ist das?“, fragte er, ohne den Blick abzuwenden.

Er wollte sichergehen, dass er sich nicht irrte. Wenn sie schon hier durch liefen, wollte er auch verstehen, was die Spiegel ihm offenbarten. Saiyáns wohl nicht ganz ernst gemeinte Vermutung zum Hintergrund seines Bildes ließ ihn entgeistert schnauben.

„Doch klar, er war insgeheim gut mit mir befreundet und ich vermisse ihn schrecklich“, erwiderte er sarkastisch. Es ärgerte ihn irgendwie, dass sein Bruder nicht ernst nahm, was er sah. Und wo war überhaupt dessen Bild, musste er dafür erst beiseite gehen? Mit einem letzten, grübelnden Blick auf den Bären machte Aiyán einen Schritt rückwärts und schuf damit mehr Platz für seinen Zwilling.

02.02.2017 14:22
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Aiyán wirkte genau so verwirrt wie Saiyán, während er das Kristallbild betrachtete. Verstand der Gute es ebenfalls nicht, oder wusste er etwa genau, was es bedeuten sollte? Skeptisch rümpfte Sai den Nasenrücken und zog die Schnauze näher zur Brust. Es könnte Kiba sein, stark wie ein Bär, ewig wachend. Doch das hätte Ai doch bereits benannt, oder war es einfach zu offensichtlich?

„Das Verlorene.“, antwortete er und biss sich kurzzeitig auf die Zunge, um seine Vermutung mit Akiras Bären nicht zu erklären. Er würde auf jedenfall jemanden vermissen, der ihm das Narbengesicht fern hielt. „Lass‘ dich nicht verwirren, der Kristall macht sich wahrscheinlich einen Spaß daraus, dir sinnloses Zeug zu zeigen.“, murmelte er mit einem Funken Aufmunterung in der Stimme.

Wenn dieser Kristall wirklich dazu da war ihnen zu helfen, sollte er deutlichere Bilder zeigen und keine Interpretationswüsten. Das hatte er sich bereits letztes Mal schon gedacht. Dennoch blieb der Dunkle einen Moment zu lange stehen, als Ai ihm Platz machte und damit indirekt aufforderte selbst den Blick zu wagen. Unbewusst plusterte das Halbblut sich auf, als müsse er sich überwinden, bevor er die Kobaltspiele von Aiyán zu dessen verblassendem Kristallbild wandte und den letzten Abstand überbrückte.

Augenblicklich wurde das Bild lebendiger, nahm beißende Sonnenuntergangsfarben an, die immer heller wurden und an den Rändern zu züngelnden Flammen verschmolzen. Die undeutlichen Schemen von sowohl silbernen, als auch dunklen Vögeln wurden sichtbar, sie tänzelten durch das Bild als würden sie fangen spielen: Einer der beiden Dunklen war der Jäger, dessen Gejagte einer nach dem anderen in den Sonnenuntergangsfarben verschwanden, bis nur noch das zweite gefiederte Ebenbild des Jägers übrig blieb. Kurz standen sie still in der Luft, als würde sich das Kristallbild in der Mitte spiegeln, bevor der letzte Gejagte ebenfalls in den Flammen verschwand und der Jäger in seinem flammendem Käfig zurückblieb.

Zuerst musste Saiyán die Farbenspiele zusammenkneifen, als die lodernden Farben aufkamen, später, als er das Bild zu erkennen glaubte, legte er die Lauscher zurück an den Hinterkopf und hob erbost die Rute, als würde ihn etwas verärgern. Leider reagierte das Kristallbild nicht mit dem erwünschtem, nichtsaussagendem blauen Schimmer, sondern setzte das abendliche Schauspiel weiter fort – und auch wenn Sai zum Schluss die Farbenspiele verdrehte und sich noch vor dem Solotanz des Jägers abwandte, wusste er genau was dieses Bild bedeuten sollte. Beinahe beiläufig stellte er sich vor den Kristall und trieb Aiyán, beinahe wie der dunkle Jäger, mit einem Kopfnicken weiter zum nächsten Spiegel.

„Siehst du? Es könnte alles bedeuten: Du verlierst deinen Lieblingsbären und ich werde nie wieder einen Vogel fangen. Die schmecken sowieso nicht.“, grollte er, allen bitteren Spaß aus der Tonlage verschwunden.

Er war mehr als nur eingeschnappt, er war erbost darüber, dass der Spiegel ihm solch eine Unwahrheit zeigte. Sein angeblicher Tanzpartner stand schließlich gerade jetzt neben ihm und verbrannte nicht in irgendwelchen Flammen – zumindest versuchte sich Saiyán dies einzureden, während ein kleines Stimmchen Aiyáns Worte wiederholte „Ich wollte hören, dass du hier mit mir glücklich bist, nicht wegen mir.“, „Ich will einfach nicht, dass du dich darauf ausruhst, mich zu haben“.
Ja, Saiyán wusste wer die letzte der verschwundenen Silhouetten war.


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02.02.2017 21:42
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Saiyán half ihm nicht sonderlich beim Verstehen seines Bildes, aber er hatte einfach auch selbst ein Brett vorm Kopf. Bär, Bär, was sollte dieser Bär? Das konnte er ja sonst wie interpretieren. Sein innerer, schlafender Bär war also nicht mehr da, gut. Für diese tiefgreifende Erkenntnis hatte sich der Spaziergang mit Tearl ja schon gelohnt. Er schüttelte andächtig den Kopf, ehe er zurücktrat und seinem Zwilling das Feld überließ. Vielleicht benahm sich der Spiegel bei ihm etwas weniger nebulös und bot ihm eine gedankliche Abwechslung zu seinem Bären.
Tatsächlich änderte sich das Bild schnell, als Saiyán sich richtig vor ihm positionierte. Gleißend orangenes Licht fiel auf sie beide, das sich an den Rändern in Feuergestalt in den Spiegel zu fressen schien – so real, dass nur das fehlende Knistern verhinderte, dass Ai zurückwich. In der Mitte zwischen den Flammen jagten Vögel – zwei dunkel, der Rest silbrig. Offenbar war dem Spiegel in diesem Fall nach einer eindeutigeren Aussage, denn dass er Kibas Kinder als Vögel darstellte, war fast schon ein alter Hut. Misstrauisch beobachtete Ai das Schauspiel, bis als letzter einer der beiden schwarzen Vögel fortflog. Er wandte den Blick ab.

„Ach Sai“, murmelte er tonlos.

Überraschte es ihn? Nein. Bestürzte ihn das Bild? Nein. Aber die Erkenntnis ließ ihn innerlich erbeben, weil dem Bild eine tragische Endgültigkeit anhaftete. Er konnte seinem Bruder noch so oft versichern, dass er ihn niemals verlassen würde, aber das wäre erstens eine Lüge, die Sai erkennen würde und würde zweitens an diesem Bild wohl nichts verändern. Was sie hier sahen, war ein Zustand im Kopf des Anderen, der Einfluss darauf verschwindend gering. Und auch wenn sein Bruder nun so tat, als hätte er die Aussage des Bildes nicht verstanden, war Ai sein Gesichtsausdruck nur allzu vertraut. Ein verletzter Zwilling war ein wütender Zwilling. Er wollte am liebsten schweigend weitergehen, dem Kopfnicken folgen, mit dem Sai ihn weiter kommandierte. Doch er entschied sich im letzten Moment dagegen, hob den Blick und sah seinen Bruder ruhig an.

„Das hier ist weder Schicksal noch Wahrheit, vergiss das nicht.“

Wahrheit vielleicht schon, aber es gab so viele Wahrheiten, dass der Spiegel unmöglich die eine darstellen konnte. Er zeigte ihnen ihre eigene Wahrheit und es war nur allzu verlockend, sie das die einzige anzunehmen und zum eigenen Schicksal zu machen. Doch das führte Aiyán nicht weiter aus. Er senkte schließlich den Kopf wieder und machte die nötigen Schritte in Richtung des zweiten Spiegels, bis er so vor ihm stand, dass er ihn direkt betrachten konnte. Da war das Kristallblau schon längst zu einem satten Grün geworden. Vor ihm erstreckte sich die sommerliche Landschaft Diemnars, durch die ein schwarzer Wolf wanderte. Das Bild war seltsam platt und die Landschaft zog verwirrend schnell vorbei, obwohl der Wolf sich in Spaziertempo bewegte. Aiyán runzelte die Stirn. Das war ziemlich sicher er selbst, diesmal verzichtete der Spiegel auf Metaphern. Und um ihn herum wurde aus dem Sommer Frühling, dann fiel Schnee und als er schmolz, flogen bunte Blätter an die Bäume zurück, wurden grün und es war wieder Sommer.

06.02.2017 18:51
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Selbstverständlich fühlte Saiyán sich verlassen. Allerdings nicht endgültig alleine, als wäre Aiyán in irgendwelchen mysteriösen Flammen untergegangen. Der Gute war schließlich immerhin noch bei ihm. Dennoch war seit ihrem letzten tiefgründigem Gespräch etwas anders zwischen ihnen, das Sai nicht in Worte oder gar Gedanken fassen konnte. Umso mehr störte es ihn, dass der Spiegel ihm eine mögliche Variante seiner Gefühle zeigte und damit schlussendlich die Wahl nahm zwischen verletzt, irritiert und ganz ‚fast wie immer‘. Brummend beließ er Aiyáns Kommentar weitestgehend unkommentiert, peitsche nur einmal mit der Rute, als könnte er das Thema somit beenden. Nein, dieses Spiegelbild war wahrlich nicht ihr Schicksal, dennoch war es schwierig das Gezeigte nicht wahrzunehmen und sich beeinflussen zu lassen. Saiyán wollte selbst entscheiden, was er verlor und wie er es verlor – dass dieser Spiegel ihm diese Wahl nahm, war ganz schön frech.

Bevor Saiyán sich jedoch weiter den Kopf zerbreche konnte über die Dinge die er verloren hatte, trat sein Bruder bereits zum nächsten Spiegel vor, als konnte er es kaum erwarten endlich bei Tearl anzukommen. Tief atmete Sai ein weiteres Mal durch und wappnete sich den nächsten Schockbildern, doch anstatt einen nun hellwachen Bären oder weiteren Federfreunden, tauchte ein drittes Ebenbild vor ihnen auf: Aiyán selbst lief über die Leinwand und nahm scheinbar gleich ein paar Jahre im Schnelldurchlauf mit. Saiyán, sowieso bereits verstimmt, rümpfte den Nasenrücken. Er war wirklich nicht der Wolf der großen Worte, doch dieser Spiegel schien eindeutig die Antwort auf sein letztes Bild zu sein: Der kleine schwarze Vogel flog alleine davon, durch die Flammen hinein in das große Diemnar, um dort für immer zu leben. Eigentlich wäre es an der Zeit gewesen sich über bodenständige Wünsche lustig zu machen, doch der Spaß war ihm bereits vor einigen Minuten vergangen.
Um den Augenkontakt und weitere Auseinandersetzungen zu vermeiden, hielt sich der Dunkle davon ab seinem Zwilling einen fragenden Blick zuzuwerfen. Das Bild sagte sowieso genug, da brauchte er Aiyáns Einschätzung nicht.

Nach einigen weiteren Jahreszeiten wechseln beschloss Saiyán nun selbst weiterzugehen und sich weiteren Lebensindizien zu stellen. Im Gegensatz zu seinem Bruder blieb er allerdings nicht vor dem bläulichen Schimmer stehen, sondern lief einfach daran vorbei.
Die bunten Herbstfarben, die sich gerade zu Aiyáns Bild verformen wollten, wurden bläulich und verblichen. An ihrer Stelle bildete sich das Bergmassiv und der -pass ab, sanftes Grün deutete die Bergwiesen von Diemnar an. Die zwei agilen dunklen Wolfskörper, die gerade das Tal betraten, waren schmaler als heute, besaßen keine silbernen Abzeichen und wirkten Alles in Allem jünger. Es waren nur einige Sekunden, bis dieses detaillierte Bild unscharf wurde und sich rotrosa Schlieren um die Brust des einen Zwillings stoben und immer weiter anwuchsen, bis sie das Bild vollkommen für sich einnahmen. Ab und an tauchten königsblaue Strudel auf, die sich mit ihnen vermengten. Liebe, Hoffnung und Zuversicht wallten in Saiyán auf – nicht klar, ob diese Gefühle durch die Farben ausgelöst wurden, oder ob er sich an seine Emotionen erinnerte, als er nach Diemnar zurückgekommen war.
Natürlich hatte er einen Blick auf den Spiegel geworfen, als er an ihm vorbeilief. Wer hätte das denn nicht? Dennoch biss er sich auf die Zunge und tadelte sich selbst dafür. Statt sich mit dem ersten schwierigen Bild auseinanderzusetzen, musste er jetzt unweigerlich auch noch versuchen herauszufinden, was er sich denn bitte wünschte: Heimzukehren, obwohl er zuhause war? Die warmen Gefühle wieder aufzunehmen, die ihn veranlasst hatten hier her zurückzukehren? Ja, es wäre wesentlich einfacher noch einmal neuanzufangen wie damals, wo er voller Optimismus das Rudel wieder aufgesucht hatte.

Das Bild verschwand wieder, sobald Saiyán außer Reichweite war und der nächste Spiegel scheinbar schon nach ihnen rief. Während ihm noch ein Schauer über den Rücken lief, drehte er den Kopf zu seinem Bruder.

„Wir wollen die Reihenfolge doch einbehalten, oder?“, brummelte er in dem Versuch, einen Gesprächsfetzen aufzubauen, der nichts mit all den Bildern zu tun hatte.

Es war ein Akt des Unmöglichen hierher zukommen und sich blind gegen alles zu stellen. Wolf musste sich irgendwie mit dem was er sah auseinandersetzen und dem Halbblut gelang es wenig bis kaum, dies zu akzeptieren. Ihm gefiel es nicht, dazu gezwungen zu werden genauer in sich hineinzuhören.


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07.02.2017 15:38
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Aiyán verstand dieses Bild sehr viel schneller und sicherer, auch wenn er nicht mit ihm gerechnet hatte. Wünsche hatte er viele, die meisten davon drehten sich um seine Familie. Wäre Kiba im Spiegel erschienen, wie sie mit ihm sprach, hätte er sich nicht gewundert, sondern sogar eher erwartet, dass er genau das zu sehen bekam. Mit Kiba zu sprechen wünschte er sich mehr denn je, vor allem rückblickend. Die Kiba, die ihn im Traum besuchte, war nicht die selbe. Doch das Spiegelbild war verblüffend klug. Könnte er – wie der Aiyán da vor ihm – in der Zeit zurückgehen, wäre so vieles erfüllbar, was er sich wünschte. Er ließ die Schultern resigniert sinken und wollte dann mit einem leisen Seufzen Platz für seinen Bruder machen, der diesmal konsequent zu diesem Bild schwieg. Aber offenbar wollte Sai jetzt schnell zu Tearl kommen, er hielt kaum an als er den Wunsch-Spiegel passierte. Aiyán wunderte das nicht wirklich, nach dem was der erste Spiegel ihm offenbart hatte. Trotzdem wechselte das Bild, als der andere Zwilling vorbeizog – langsam genug, damit er es noch sehen konnte. Aiyán trat einen Schritt zur Seite (nicht dass der Spiegel durcheinander kam und ihre Wünsche mixte) und beobachtete neugierig, wie auf der flachen Landschaft ein zweiter schwarzer Wolf auftauchte. Sai und er bei ihrer Ankunft im Tal, das war unmissverständlich. Doch dabei blieb es nicht. Um Saiyáns Brust tanzten kurz darauf rosafarbene Schlieren, die Aiyán nicht so recht zu deuten wusste. Und als das Bild verblasste, wusste er noch immer nicht, welchen Wunsch Saiyán hegte. Heimzukehren, vielleicht. Oder endlich anzukommen. Wie unheimlich deprimierend diese Höhle doch war.

Bevor er sich mit einem noch tieferen Seufzen dazu äußern konnte, nickte er einfach nur matt und überholte seinen Zwilling ohne Eile. Jetzt blieb nur noch die Vergangenheit, dann hatten sie es geschafft. Und diese Vergangenheit war nie metaphorisch, das wusste er. Also … konnte da eigentlich keine so große Überraschung mehr auf sie zukommen.
Doch was er sah, als er vor den Spiegel trat, war keine einzelne Szene aus seinem Gedächtnis. Er sah wieder nur sich selbst, auf einer Art kleinem Plateau und um ihn herum standen Wölfe. Andraki erkannte er am deutlichsten, dann erblickte er Toboe. Farai. Ashlynn. Und hinter ihm stand Saiyán. Sie alle redeten auf ihn ein, aber der Spiegel schwieg und verweigerte ihm damit eine sinnvolle Erklärung.

08.02.2017 15:53
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Am Besten war es, wenn er einfach an nichts dachte. Weder an seine Kristallbilder, noch an die von Ai. Das hätte früher sogar sehr wahrscheinlich geklappt, doch irgendwann war der Punkt in seinem Leben gekommen, an dem Sai einfach ein wenig mehr fühlen und über diese Gefühle auch nachdenken musste. Er wusste nur nicht ganz, wann das gewesen sein sollte und warum es Ai anscheinend so viel leichter fiel. Gerade jetzt wandte dieser sich kommentarlos von dem wieder bläulichen Spiegel ab, um sich ohne Bangen ihrer Vergangenheit zu widmen. Fragend schnippten Sais Ohren, er biss sich auf die Zunge, als wäre ihm die Anspannung bewusst, die in der Höhle lag – oder fühlte nur er sich so befangen?
Der schwarze Zwilling trat währenddessen vor und prompt nahmen die blauen Schlieren Gestalt an, bildeten Wölfe: In der Mitte stand Ai, um ihn herum hektisch plappernde Rudelwölfe. Oh, auch der selbst war dabei und sprach auf den Bruder ein. Angestrengt versuchte Sai sich an diese Situation zu erinnern, doch ihm fiel nicht ein, jemals auf seinen Bruder eingeredet zu haben, während noch so viele weitere Wölfe ihn bedrängten.

„Wofür steht das Bild?“, fraget er frei heraus und konnte damit doch nicht ganz verheimlichen, dass diese Kristallbilder ihn irgendwie schon interessierten und verunsicherten. „Es fühlt sich nicht gut an.“, gab er zu.

Nein. Wäre er selbst an Ais Stelle gewesen, hätte er sich definitiv nicht wohl gefühlt.

Die Fragezeichen im Blick trat der Dunkle näher, versuchte den Gesichtsausdruck seines Bruders im kristall zu deuten – doch gerade als er meinte nah genug heran getreten zu sein, verschwand die aufgebrauchte Meute und die Abenddämmerung trat an ihrer Stelle. Die Quellen waren im Hintergrund schemenhaft, grau in grau, zu erkennen. Vor ihnen standen zwei Wölfe, Saiyán mit einem Kaninchen im Fang und Ashlynn, die betreten zur Seite sah. Beide wirkten unsicher, auch wenn keiner den Anschein erweckte weglaufen zu wollen. Sie standen einfach nur da, eine Momentaufnahme. Gleich seiner Bedeutung rümpfte der reale Saiyán die Schnauze, sowohl überrascht, als auch überrumpelt: Diese Szene hatte sich gestern Abend erst abgespielt.


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23.02.2017 17:48
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