Spielleitung & Helfer
 
Gründung:    23. Juli 2005
12 Rüden
9 Fähen
davon 4 Welpen
TAG | 30. Dezember 1926 . abends
WETTER | Himmel schon recht dunkel # vereinzelte Schneeflocken # weiße Nordlichter # -6 °C

Seit dem letzten Plot sind etwa 2 Monate vergangen. Die Welpen lernen langsam mit dem Verlust Jeannes zurecht zu kommen, doch es ist schwer, vor allem für ihre eigenen. Als der Herbst in den Winter überging, ist das Rudel zum Gebirgsbach weitergewandert. Man hat wie schon im vergangenen Jahr kein Interesse daran, in der "Winterhöhle" Quartier aufzuschlagen, aber man ist sich um ihren Nutzen bewusst, sollte der Winter mit heftigen Schneestürmen aufwarten, deshalb wurde beschlossen, einfach in ihrer Nähe zu lagern. Während der Winterpelz bei den Wölfen an Fülle gewonnen hat, schienen sich außerdem bei ein paar Individuen neue Abzeichen im Pelz herauszubilden. Es ist nicht übermäßig auffällig, da sich der Prozess mit dem Fellwechsel vermischt, aber irgendwie sehen ein paar Rudelmitglieder ein ganz klein bisschen anders aus als sonst, oder? Was aber definitiv jedem an diesem Tag auffällt ist das weiße Nordlicht, dass am Himmel erschienen ist. Genau wie es nach jenem Tag im letzten Winter auftauchte.

Ab 6 Tagen werden hier User darauf hingewiesen, wie lange sie schon mit Schreiben dran sind. Diese User dürfen nach dem Ermessen des Wartenden übersprungen werden.


Sheyna seit: 146 Tagen
Yavinja seit: 83 Tagen
Caspar seit: 43 Tagen
Saiyán Tendes seit: 26 Tagen


Autor

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I'm not here
HOW TO
Disappear
completely

This isn't
happening
Bildnachweis
Monty Sloan - wolfpark.org

Rang

Mitglied

Alter

7 Jahre

Geschlecht

Rüde

Größe

102 cm

Beiträge

70

Beitritt

31.07.2006

Toboe fuhr sich mit einer kurzen Bewegung der Pfoten über die Schnauze, während sein Blick auf dem See ruhte. Zwar falsch rum, schließlich lag er auf dem Rücken, aber so konnte er auch den Himmel im Blick behalten. Die Lichter waren verschwunden, damit war zu rechnen gewesen. Trotzdem erwischte der graue Rüde sich immer Mal wieder dabei, wie sein Blick zum Himmel glitt, prüfte, ob da wirklich Nichts mehr war. Aber sie würden wohl nicht wieder kommen. Damit mussten sie leben... wie mit so vielem. Weiter machen, nach vorn blicken. Ein Gedanke, der den Rüden brummen ließ, womit er sich auf den Bauch drehte, einen Moment blinzelte, das Drehen der Welt verdrängte.

Nùkûn war inzwischen wieder etwas ruhiger geworden. Das Fangespiel auf dem Eis vor zwei Tagen hatte ihr zwar wirklich Spaß gemacht, aber nachdem das Licht am Himmel verschwunden war, war auch der Fähe bewusst geworden, dass sich von nun an wohl so einiges ändern würde. Und gerade dieser Gedanken hatte ihr Gemüt ein wenig schwerer werden lassen. Sie glaubte zwar immer noch daran, dass alles gut werden würde, aber auch sie brauchte irgendwann mal eine Pause von ihrer guten Laune. Sie saß unweit von Toboe, der sich gerade im Schnee gedreht und dabei etwas Schnee aufgewirbelt hatte. Eine kleine Schneeflocke kitzelte die Fähe in der Nase und ein kleiner Nieser entfuhr ihr.

Andraki hatte in einer Schneekuhle am Fuße eines Baumes gedöst und erhob sich nun, um eine Runde durch das Rudel zu drehen. Sie gähnte, streckte sich, ließ den Blick schweifen, dann setzte sie sich in Bewegung. Als sie bei Toboe und Nukun vorbei kam, hob sie die Rute an, ließ sie aber auch locker pendeln. „Na, ihr zwei? Genießt ihr die Ruhe?“, versuchte sie sich an ein paar munteren Worten.

Toboe blinzelte noch einige Male, ehe ein leises Niesen in seiner Nähe ihn den Kopf herum wenden ließ. Der Graue grinste munter, wog den Kopf dann ein wenig zur Seite, betrachtete Nukun mit ruhiger Miene. Gerade, als er den Fang geöffnet hatte, kam jedoch ein weiterer Wolf dazu, und als die blauen Augen sich auf Andraki legten, schwang seine Rute sachte über die Schneedecke. „Es ist ja beinah schon zu ruhig.“ Ein leises Lachen drang über seine Lefzen, ehe er sich noch einmal zu Nukun herum wandte „Oder wie siehst du das?“

Nùkûn richtete den Blick auf Andraki, die sich gerade zu ihnen begeben hatte und scheinbar ein wenig gesprächige Stimmung verbreiten wollte. Eigentlich hasste Nùkûn Ruhe, aber jetzt gerade hatte sie sie sogar einmal angenehm gefunden, dennoch schenkte sie sowohl Toboe als auch Andraki ein leichtes Lächeln. „Manchmal kann Ruhe ja auch etwas schönes sein, der Schnee schluckt ja sowieso ziemlich viele Geräusche.“

Andraki blieb stehen, ließ den Blick aber erst noch einmal schweifen, bevor sie sich wieder an die beiden wandte. „Ich meinte nciht die Stille, sondern das Gefühl“, erwiderte sie an Nukun gewandt mit einem leichten Lächeln. „Dich plagt also Langeweile?“, hakte sie bei Toboe anschließend nach.

Toboe beobachtete Andraki ruhig aus den Augenwinkeln und verdrehte bei Nukuns Worten kurz die Ohren, legte dabei ein etwas schräges Lächeln auf seine Lefzen. Andrakis Worte passten da ganz gut, und bei ihrer Frage legte sich ein beinah verschwörerischer Ausdruck auf seine Züge. „Wenn du das so fragst habe ich ein bisschen Angst, was du tust, wenn ich 'Ja' sage...“

Nùkûn senkte kurz ihren Blick nachdem sie feststellen musste, dass ihre Antwort scheinbar nicht richtig gewesen war. Vielleicht hatte Kaei mit seinen früheren Worten ja doch Recht gehabt und sie war wirklich dumm!? Doch schnell legte sich Nukuns Missmut und sie spitzte die Ohren nach Toboes Worten. Vielleicht würden sie ja ein Abenteuer zusammen bestreiten!

Andraki schmunzelte auf Toboes Worte hin. "Bin ich denn so furchteinflößend?"

Toboe warf Nukun noch einen skeptischen Blick zu, da sie schwieg. Und schließlich erhob der Graue sich mit einem leisen Seufzen, schüttelte den Schnee aus seinem Pelz und warf Andraki einen herausfordenden Blick zu. „Manchmal schon, das muss ich zugeben.“ Ein munteres Lächeln umspielte bei seinen Worten seine Lefzen.

Tearl Elaynès sah sich mit einem etwas misstrauischem Blick um. Kein Eeal oder Ceal weit und breit, was im Grunde genommen erst Recht ein Grund zum Misstrauen war. Er nahm es hin, sie würden früher oder später auftauchen und er würde wie immer darauf gefasst sein. Tearl trat auf das kleine Grüppchen bestehend aus Andraki, Toboe ... und einem Zwerg zu. „Was ist an Andraki furchteinflößend?“, klinkte er sich neugierig ein, denn das, was er von der Zimtfarbenen bisher kennen gelernt hatte ... könnte er jedenfalls nicht als furchteinflößend bezeichnen.

Nùkûn war ein wenig verwirrt durch die Runde. Eigentlich schwieg die Fähe nie, doch jetzt war sie irgendwie fast sprachlos. Toboe hatte sich inzwischen erhoben und ein weiterer Rüde war zu ihnen gestoßen. Am liebsten wäre die Fähe jetzt im Schnee versunken und erst wieder aufgetaucht, wenn alle weg waren. Sie schüttelte ihren Kopf. Was war denn bitte mit ihr los? Sie war doch mutig. Und so erhob sich Nùkûn und baute sich vor dem fremden auf. „Wenn hier jemand furchteinflößend bin, dann bin ich das!“

Aiyán hob den Kopf und blinzelte in die Richtung, aus der die Stimmen kamen, die ihn geweckt hatten. Was war das, eine Versammlung? Ob die da irgendwas wichtiges besprachen, Toboes Rangaufstieg vielleicht? Sein Ohr zuckte, er wollte mehr hören. Und falls es auch nur minimal wichtig war, musste er sich ganz dringend beteiligen, so viel stand fest. Er stand auf, schüttelte sich den Schnee aus dem Pelz, streckte die Läufe und tappte dann auf die kleine, aber wachsende Gruppe von Wölfen zu. „Was gibt’s denn hier zu besprechen? Sah so wichtig aus.“ Er linste zu seinem grauen Bruder, aber eher neugierig als fragend.

Andraki hielt Toboes Blick stand und rein instinktiv hob sich ihre Rute noch ein wenig weiter an. Nicht, dass Toboe in irgendeiner Weise eine Bedrohung für ihren Rang darstellte, aber da sie erst seit Kurzem Alpha war, musste sie noch verstärkt darauf achten, sich keine Blöße zu geben, egal wem gegenüber. Ich Schmunzeln blieb jedoch, und wurde bei Tearls Auftauchen sogar noch etwas breiter. „Na, jetzt bin ich aber mal gespannt“, kommentierte sie an Toboe gerichtet, und musste sich dann doch arg das Lachen verkneifen, als plötzlich Nukun aufsprang und sich in Pose warf. Oho! Ihr Lächeln verblasste jedoch ein wenig, als Aiyán zu ihnen trat. Ihr Blick richtete sich musternd auf den schwarzen Kibassohn.

Toboe nahm die Veränderung in Andrakis Haltung wahr, ließ daraufhin jedoch nur die Rute kurz durch die Luft schwingen. Als Tearl jedoch dazu stieß, wurde das Lächeln auf seinen Lefzen ein wenig breiter, und ein kurzer Blick galt der zimtfarbenen. Aber noch bevor er weiter sprechen konnte, kam ihm Nukun dazwischen, und auf ihre Worte hin lachte er auf. „Wirklich angsteinflößend, oh ja...“ Damit wandte er sich wieder an Tearl. Das Lächeln blieb. „Pass auf... noch ist sie nett... aber wenn sie ihr wahres Gesicht zeigt...“ Er senkte leicht die Stimme, sprach dennoch so laut, dass die Fähe ihn verstehen konnte. Er warf ihr ein Grinsen zu, richtete die blauen Augen dann auf seinen Bruder, der zu ihnen trat. Er schmunzelte. „Nur darum, wie angsteinflößend Andraki sein kann..:“

Tearl Elaynès musste seine Schnauze sehr weit nach unten beugen, um die Wölfin anzusehen, die sich jetzt vor ihm postierte. Er machte sich ein wenig kleiner und ließ die Rute kurz zwischen seinen Hinterläufen pendeln. „Ohje, bitte tu mir nichts, ja?“, antwortete er, konnte das Grinsen auf seinen Lefzen aber kaum verbergen. Der Requist richtete sich wieder auf und musterte Andraki auf Toboes Worte hin abschätzend. „Hm, wann kommt das zum Vorschein?“ Tearl drehte den Kopf, als einer der schwarzen Kibasöhne zu ihnen hinüber kam. Er musste gestehen, noch wusste er nicht, welcher von ihnen welcher war, aber vielleicht bekam er nun die Chance sie zuzuordnen. „Angeblich hat eure Alpha zwei Gesichter.“

Nùkûn fühlte sich immer noch nicht ganz Ernst genommen und dachte angestrengt darüber nach, was sie denn jetzt tun sollte. Kaei war nicht in der Nähe, sonst wäre das hier sicher anders gelaufen, aber sie konnte sich ja auch nicht immer auf ihren Gefährten verlassen. Als dann jedoch der Unbekannte Requist antwortete, vor dem sie sich aufgebaut hatte, ihr antwortete, hob sie ihren Kopf, als wäre sie hier so etwas wie eine Königin und sagte schließlich: „Ausnahmsweise. Aber nur, weil ich heute einen guten Tag habe.“ Kurz darauf hörte sie Aiyans Stimme und drehte ihren Kopf. „Also eigentlich geht es hier NUR darum, dass alle Angst vor mir haben!“

Aiyán runzelte die Stirn, als Toboe ihn darüber aufklärte, was hier los war. Klang jetzt nicht so wichtig, schade eigentlich. Obwohl die Gruppe ein witziges Bild hergab, weil Nukun im Vergleich zu diesem Tearl aussah wie ein Welpe. Aber ansonsten … er bemerkte Andrakis Blick durchaus, der zwar nicht ablehnend, aber auch nicht wahnsinnig begeistert wirkte. Er erwiderte ihn nur kurz, selbstbewusst wie immer, verkniff sich aber ein herausforderndes Heben der Augenbrauen. Er wollte keinen Ärger mit ihr. Tearl und Nukun ergänzten schließlich Toboes kurze Erklärung, auch wenn er sich dadurch keinen besseren Reim darauf machen konnte, was nun los war. Aber es wurde zumindest klarer, dass es um nichts weltbewegendes ging. Allerdings störte ihn aus unerfindlichen Gründen die Bezeichnung „eure Alpha“, die Tearl einen düsteren Blick einbrachte. Auch wenn die Ränge geklärt waren, fand er es wahnsinnig unhöflich und undankbar, jetzt schon von Andraki als Alpha zu sprechen, als hätte es Kiba nie gegeben. Nukun ignorierte er ohne böse Absicht und wandte sich stattdessen dem grauen Requisten zu. „Du kanntest Kiba doch, richtig?“, erkundigte er sich, den vorwurfsvollen Ton zurückhaltend.

Eigentlich hatte Saiyán keine Lust auf Gesellschaft, trotzdem hielt er inne, als er die kleine Gruppe erblickte, die sich wohl vor kurzer Zeit am Seeufer eingefunden hatte und zu der sich auch Aiyán gerade hinzu gesellte. Er schnaufte verärgert. Auch der große Rüde mit dem Pelz seiner Mutter war unter ihnen. Saiyán musterte ihn aus halb zusammengekniffenen Augen argwöhnisch und entschied sich kurzer Hand und wider besseres Wissen dazu ihn sich einmal aus der Nähe anzuschauen. Langsamen Schrittes näherte er sich der Gruppe.

Andraki's Gelassenheit schwand mehr und mehr, was aber nicht ausschließlich am Erscheinen Aiyáns lag. Vielmehr war es die Kombination aus der Thematik und dem Schwarzen, die die Situation für sie zunehmend unangenehm gestaltete. Gerade Tearls Formulierung versetzte ihr einen tiefen Stich, obgleich sie wusste, dass der Requist seine Worte nciht absichtlich so... treffend gewählt hatte. Aber für Aiyán mochte dies eine willkommene Steilvorlage sein, um gegen sie auszuteilen. Die Zimtfarbene bereitete sich innerlich darauf vor, dass dieses ehemals lustige Gespräch eine höchst unerfreuliche Wendung nehmen konnte. Der Schwarze unterdessen nutzte die Gelegenheit nicht aus - zumindest nicht sofort, aber angesichts seiner Frage an Tearl mochte sich das durchaus noch ändern. Der Blick, den sie auf Aiyán gerichtet hielt, gewann an Wachsamkeit und Intensität. Sie würde nicht den kleinsten Zweifel an ihrem Rang zulassen dürfen, ganz egal, ob ihre Körperhaltung den Schwarzen vielleicht gar erst zu einer Provokation verleitete.

Toboe spielte bei Tearls Frage leicht mit den Ohren. „Warts nur ab...“ Aber ein kurzer Seitenblick zu Andraki ließ ihn seinen Körper leicht anspannen. Der Graue unterdrückte ein Seufzen, warf Aiyán einen kurzen Seitenblick zu. Er konnte sich ein wenig denken, wieso Andrakis Stimmung ein wenig umschlug. Aiyáns Worte an Tearls ließen die Ohren des Rüden leicht durch die Luft schnippen. Ohje... wie sollte das nun enden? Aber der Körper des Grauen spannte sich selbst nur noch ein wenig mehr an, als ein weiterer, schwarzer Wolf dazu trat. Und in diesem Moment hob sich auch seine Rute an, wenn auch nicht wie Andrakis. Auf Saiyán hatte er wirklich keine Lust, zwischen ihnen lag noch immer viel zu viel. Er schnaufte nur leise, richtete die Aufmerksamkeit dann wieder auf Andraki. So schnell war solch eine Runde mehr angespannt als alles andere.

Saiyán schob sich neben Aiyán in den Kreis und warf einen Blick in die Runde - außer dem Pelzdieb waren da noch eine winzige Wölfin, die er ein paar Mal gesehen hatte, aber die ihm nie interessant genug erschienen war, als dass er sich ihren Namen gemerkt hätte, Möchtegern-nun-Alpha Andraki und der dicke Toboe zugegen; also kurz gesagt: Er konnte sich bessere Gesellschaft vorstellen. Außerdem verleitete Aiyáns angespannte Miene ihn dazu selbst die Muskeln anzuspannen.

Jeanne betrachtete mit einem unsicheren Ausdruck die wachsende Gruppe am Seeufer. Anfangs hatte es noch entspannt gewirkt – aber kaum waren die schwarzen Zwillinge hinzu gestoßen, konnte man die Anspannung beinah spüren. Ein leises Seufzen verließ den Fang der Weißen mit diesem Gedanken, ehe sie sich erhob, kurz dir Glieder streckte und sich mit der Zunge über die Lefzen fuhr. Sie brauchte selbst ein wenig Bewegung, ließ den Blick also kurz schweifen und hielt schließlich auf Yacáru zu, die sich nicht unweit von ihr befand. Ihre Rute schwang kurz durch die Luft. „Wie schade, dass nicht jeder Saiyán so gut im Griff hat, wie du.“ Ein leichtes Lächeln legte sich auf die Lefzen der Fähe.

Tearl Elaynès lächelte der kleinen Wölfin noch kurz zu, dann wandte er sich wieder an den Schwarzen. Er nahm wahr, wie die Stimmung langsam umschlug und vorallem Andraki angespannter wurde. Tearl drehte leicht ein Ohr zur Seite und ignorierte es erst einmal geflissentlich. „Ja. In unserer Jugend waren sie, ihr Bruder und ich enge Freunde.“, antwortete er ruhig. Als auch der zweite Bruder hinzu kam, schien die Situation zu kippen. Ob es angemessen war, oder nicht, interessierte Tearl in diesem Moment nicht wirklich, aber bisher sah er keinen Grund für diese Feindseligkeit und so wandte er sich absichtlich ein wenig von Toboe und Andraki ab, mit dem Oberkörper komplett den Zwillingen zu. Seine Haltung blieb aber weiterhin entspannt.

Yacáru beobachtete die Lage bei der Gruppe am See mit einem sehr unzufriedenen Gesichtsausdruck, nachdem auch Saiyán hinzugestoßen war. Ihre blauen Augen richteten sich auf Jeanne, als dise neben ihr zum stehen kam. Sie schnaubte. „Die anderen stellen sich halt leider auch verdammt doof an.“

Nùkûn bemerkte auch wie die Stimmung ziemlich zu kippen schien nachdem die Zwillinge zu der Gruppe gestoßen waren. Aber irgendwie war ihr das im Moment ziemlich egal, denn viel schlimmer war, dass sie sie scheinbar alle überhaupt nicht wahrnahmen! Und wenn Nùkûn eines nicht abkonnte, dann war das Unhöflichkeit! Und das hier war definitiv mehr als unhöflich. „Dann geh ich halt! Selber Schuld!“ Und so verließ sie die Gruppe, aber nur um unweit von dieser durch den Schnee zu rollen, um so ihren Ärger über diese Unverfrorenheit loszuwerden. Neben Yacaru blieb sie auf dem Rücken liegen und seufzte kurz. „Die da drüber sind alle doof.“

Akira beschloss, dass es wieder mal an der Zeit war, am Rudelleben teilzunehmen. Am liebsten wäre sie weiterhin alleine geblieben und hätte ihre Zeit nur mit Chi und ihrer Freundin Mhairi verbracht, aber da sie nun offiziell dazu gehörte und nicht mehr nur Gast im Rudel war, war sie der Ansicht, dass sich das nicht gehörte. So näherte sie sich den Wölfen am Ufer des Sees. Ihr Blick fiel auf Jeanne und Yacaru, die gerade ein gespräch zu beginnen schienen. Sie gesellte sich dazu und begrüßte die beiden mit einem „Hallo“. Vor Jeanne verneigte sie sich kurz, denn sie sah die Weiße nach wie vor als ranghöher an. Yacaru widmete sie hingegen nur ein kurzes Nicken.

Jeanne seufzte nur leise bei den Worten der Jüngeren. Vermutlich schon – aber Saiyán war eben... Saiyán. Zu viel mehr kam sie jedoch nicht, da im nächsten Moment Nukun zu ihnen kam, die sie mit einem leichten Lächeln begrüßte und das Lächeln auf den Lefzen ein wenig schräger werden ließ. „Über was sprechen sie denn?“ Und dann trat schon der nächste Wolf zu ihnen, den Jeanne mit einem leichten Nicken begrüßte, dann aber beide Ohren an den Hinterkopf neigte, als die braune Fähe sich vor ihr verneigte. Was...? Ein wenig ratlos glitt ihr Blick zu Nukun und Yacáru.

Aiyán spürte ebenfalls, wie die Stimmung an Spannung zunahm, aber um ehrlich zu sein, war er das gewöhnt. Trauriger, aber wahrer Alltag der Zwillinge, wenn sie sich irgendwo dazu gesellten und nicht einmal im Sinn hatten, für Ärger zu sorgen. Irgendwie … passierte das alles immer ganz von allein. Für die Stimmung war es auch nicht so von Vorteil, als sich Sai wie ein Schatten neben ihn schob, doch Aiyán war froh darüber. Er warf seinem Ebenbild durch ein leichtes Neigen des Kopfes ein schiefes, einseitiges Lächeln zu und ließ die Rute pendeln, mehr war nicht nötig an Begrüßung. „Ah Leute, kein Grund gleich so bedröppelt aus der Wäsche zu gucken“, meinte er locker, als Nukun empört verkündete, dass sie keine Lust mehr auf sie hatte. Okay, auch gut. Konnte er sich wieder Tearl widmen. Der machte wenigstens nicht den Eindruck, als hätte er unglücklicherweise auf Galle gebissen, aber vielleicht änderte sich das noch. „Dann solltest du wissen, dass sie eine gute Alpha war.“ Er umging den direkten Vorwurf, wollte auch nichts sagen, was Andrakis neuen Rang unmittelbar angriff. Aiyán wollte nichts erreichen, außer daran zu erinnern, dass all der Frust und die Wut ihn noch nicht verlassen hatten.

Yacáru warf Nùkûn einen amüsierten Blick zu, als diese sich neben ihr in den Schnee warf. „Ich weiß. Da gewöhnt man sich dran ... Sollte man jedenfalls.“, antwortete sie mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen halb belustigt und grimmig schwankte. Ihre Ohren schnippten, als Akira zu ihnen stieß, die etwas schräge, vernarbte Fähe. Ihre Augen verengten sich etwas missmutig, als sie sich vor Jeanne verneigte und ihr knapp zunickte. Um ihre Erwartung deutlich zu machen, dass sie nicht weniger Respekt erwartete als die Fähe Jeanne zukommen ließ, hob sie ihre Rute und stellte das Nackenfell wortlos auf. „Hallo.“

Andraki verwunderte nicht, dass kurz nach Aiyán auch dessen Zwilling zu der Gruppe stieß. Es machte die Situation nicht besser, war aber auch nichts, das sie vor unlösbare Probleme gestellt hätte. Für Nukuns beleidigten Abgang hatte sie keinen Blick übrig, sie seufzte nur innerlich. Es tat ihr Leid, dass sie die ehemals entspannte Situation zu verschärft hatte, aber es war ihr auch schlicht nicht möglich, die schwarzen Zwillinge einfach zu ignorieren. Dafür lag zu viel zwischen ihnen. Umso höher rechnete sie Aiyán an, dass er auf bösen Worte gegen sie selbst verzichtete. Nicht, dass sich die Differenzen zwischen ihr und den Zwillingen schnell beheben lassen würden, aber vielleicht sahen sie inzwischen ja doch ein, dass es ihnen nichts nützte, immerzu anecken zu wollen. Sie vergolt es ihm, indem sie für einen Moment ihr wachsames Starren von ihm nahm, zumal er es ohnehin nicht erwiderte, und den Blick kurz zu Toboe schweifen ließ. Auch dieser Kibassohn hatte sich etwas angespannt und demonstrierte gegenüber seinen Brüdern seine eigenen Rangambitionen. Als sie sich wieder den schwarzen Zwillingen zuwandte, entschied sie, noch einen weiteren Schritt in Richtung Diplomatie zu tun. „Das war sie in der Tat. Sie wird uns immer fehlen.“

Nùkûn lag immer noch auf dem Rücken und fühlte sich durch die Situation aus der sie gerade gekommen war immer noch ein wenig mitgenommen. Aber vielleicht würde sich das hier ja geben. Sie wusste nicht, worüber sich die beiden gerade unterhalten hatten, aber auf jeden Fall war sie wohl scheinbar in kein schon Ewigkeiten andauerndes Gespräch geraten. „Ach, erst ging es um Ruhe, nicht um Stille, irgendwie so. Dann ging es darum wer am furchteinflößensten ist und dann kamen die Zwillinge und dann hat kaum noch jemand etwas gesagt und keiner wollte mehr mit mir reden. Mäh. Wie gesagt, die sind dumm. Wahrscheinlich streiten die sich gleich wegen irgendwelchem Unsinn. Kann man sich nicht einfach lieb haben?“ Im Augenwinkel erblickte sie Akira, mit ihr hatte sie noch nicht allzu viel zu tun gehabt, aber Nùkûn begrüßte sie höflicherweise, nachdem alle anderen da hinten ja so unhöflich gewesen waren!

Akira wunderte sich: Jeanne schien von ihrer Begrüßung iritiert zu sein. Anscheinend betrachtete sie sich keineswegs als ranghöher. Oder hatte sie Angst, Akira könnte es auf einen Kampf ankommen lassen? Auch wenn sie deutlich größer war, wirkte sie recht schwächlich, und Akira hatte keine Zweifel, dass sie sie in einem Rangordnungskampf locker überwältigen könnte. Doch wozu? Akira hatte momentan nicht vor, in der Rangordnung aufzusteigen. Sie hatte jedoch keine Zeit, darüber nachzudenken, denn etwa zeitglich mit ihr war auch eine andere Fähe zu der Gruppe gestoßen: Nukun. Akira hatte mit der kleinen Fähe noch nicht viel zu tun gehabt, denn sie hielt sich häufig in der Nähe von Kaei auf, dem Akira immer noch aus dem Weg ging. Akira nickte auch ihr freundlich zu, um zu zeigen, dass die Begrüßung auch ihr galt. In das Gespräch mischte sie sich jedoch vorerst nicht ein, wusste sie doch noch gar nicht genau, um was es eigentlich ging. Zu allem Überfluss schien sich Yacaru hingegen durchaus in einer höheren Position als Akira zu sehen, denn sie erwiderte den Gruß mit erhobener Rute und aufgestelltem Nackenfell. Das wiederum wollte Akira nicht akzeptieren. Zwar wollte sie in der Rangordnung nicht auf- aber eben auch nicht absteigen. Sie hatte keine Lust, als Omega zu enden. Daher stellte sie ihrerseits ihre Rute auf, und warf der blauäugigen einen warnenden Blick zu.

Aiyáns Begrüßung quittierte Saiyán mit einem fragenden Blick, ehe er angesichts Tearls Worten nur ein humorloses Schnauben ausstieß. Den Abgang der Winz-Fähe ließ unkommentiert – er konnte sich langsam denken, um wen es hier ging. „Das ist sie in der Tat“, stimmte er seinem Zwilling und (zu seinem Missfallen) auch Andraki zu, machte sich allerdings keine Mühe den feindseligen Tonfall in seiner Stimme zu unterdrücken, „Ich frage mich nur, wenn ihr so enge Freunde wart, wieso hat sie dich dann nie auch nur mit einem Wort erwähnt?“ Er wusste, dass er damit Aiyáns Bemühungen die Stimmung aufzulockern entgegen wirkte, aber er sah auch nicht ein, Tearls Auftauchen einfach so hinzunehmen, nur weil sein Fell zufällig Ähnlichkeit mit dem seiner Mutter hatte.

Toboe schluckte ein leises Seufzen herunter. Mit Aiyán hatte er noch leben können, sie verstanden sich inzwischen gut. Auch wenn Andraki mit ihm allein angespannt genug gewesen war... aber... Saiyán. Nukun schien das ganze zu bunt zu werden, die dunkle Fähe wandte sich ab, begab sich zu der anderen Gruppe. Aber Toboe blickte ihr nur einen kurzen Moment nach, wandte die Aufmerksamkeit dann wieder an die Wölfe direkt bei sich. Er blickte von Aiyán zu Andraki, nahm dabei auch wahr, dass Tearl sich den Zwillingen zuwandte. Ein Ohr zuckte leicht, als Saiyáns Worte jedoch an seine Ohren drangen, verengte er leicht die Augen. Zuerst wollte er einen passenden Kommentar abliefern, schluckte diesen jedoch herunter. Ruhig bleiben. Und Tearl konnte sich selbst genug verteidigen. „Hast du sie denn danach gefragt, Saiyán?“ Die Stimme des Grauen blieb ruhig, mit ehrlicher Neugierde legten sich die blauen Augen auf seinen schwarzen Bruder. Keine Provokation – aber woher nahm er sich das Recht, so über Tearl zu urteilen?

Jeanne spürte beinah die Anspannung, die von der anderen Gruppe zu ihnen hinüber schwang. Aber sie kannte Yacáru – zumindest ein wenig. Und sie hatte fast mit dieser Reaktion gerechnet. Auf Nukuns Worte hin seufzte die weiße Fähe leicht. Tja, so einfach war das nicht. Nicht mit den Zwillingen, nicht mit den Rangansprüchen um sie herum. „Die beruhigen sich schon wieder.“ Ein kurzes, aufmunterndes Lächeln galt der Fähe mit den ungleichen Augen, als sie aus den Augenwinkeln erkannte, dass auch Akiras Haltung sich veränderte. Die Weiße neigte leicht ein Ohr zurück, beobachtete dann mit ruhiger Miene Yacáru.

Yacáru „So funktioniert die Welt nun mal leider nicht.“, antwortete Yacáru auf Nùkûns Worte, warum sich nicht jeder lieb haben konnte. Mehr Beachtung konnte sie ihr nun nicht schenken, denn Akira schien sich einzubilden, dass ihr höheres Alter ihr automatisch das Recht zugestand über ihr zu sein. Und Yacáru nahm ihr Vorhaben sich genau diese Behandlung von keinem Rudelmitglied mehr gefallen zu lassen todernst. Augenblicklich erhob sich die weiße Wölfin und baute sich vor der braunen Fähe auf. Sie starrte ihr fest und direkt in die Augen, die Rute jetzt ganz steil aufgerichtet. „Neuling, dein Platz ist unter mir.“ Ihr Ton war warnend, aber noch ruhig und ohne jede Aggression.

Akira konzentrierte sich nun ganz auf Yacaru, die ihre Dominante Haltung noch verstärkte, sodass sie jetzt eindeutig als Drohung zu verstehen war. Akira erwiderte den Blick und starrte in die seltsamen blauen Augen. Sie hatte keine Angst, Yacaru war ungefähr so groß wie sie selbst, aber wirkte längst nicht so stark und hatte sicherlich auch deutlich weniger Kampferfahrung. Ihre Worte brachten dann das Fass beinahe zum Überlaufen. Ebenfalls noch ruhig, aber bereits mit deutlich warnendem Unterton, antworteteAkira:„Ich bin kein Neuling mehr. Und du hast mir gar nichts zu sagen. Du bist kein Rangwolf, nicht einmal annähernd.“

Nùkûn wünschte sich nun doch sie hätte sich vorhin einfach im Schnee eingegraben und wäre somit verschwunden. Wie konnten denn alle hier bitte so verdammt unentspannt sein? Yacaru hatte schon recht damit, dass sich nicht jeder mögen musste, aber warum musste denn jeder hier irgendeinen Stress machen. Nùkûn stand auf und ein Knurren drang aus ihrer Kehle. Sie war hier vielleicht die kleinste aber neben Jeanne auch die älteste und sie hatte definitiv keine Lust auf Stress im Moment. Das Knurren sollte eine Warnung an Akira und Yacaru sein. „Reißt euch gefälligst zusammen. So langsam ist der Spaß hier ehrlich vorbei!“

Tearl Elaynès bestätigte den schwarzen Kibasohn mit einem Nicken. „Weiß ich. Und ich habe auch nie etwas anderes behauptet.“ Ein wenig verwirrte es ihn schon, warum er ihn darauf hinweisen musste, denn tatsächlich hatte er nichts gesagt, was dies in Frage gestellt hätte. Die Worte des Bruders dagegen versetzten ihm einen Stich, ohne dass er etwas daran ändern konnte. Diese Frage konnte er nicht beantworten, aber er wollte sich von ihr auch nicht herunter ziehen lassen. Andraki hatte ihn bereits vorgewarnt. Kibas und seine Vergangenheit war nun einmal keine, über die sich leichtmütig sprechen ließ. „Das kann ich dir nicht sagen. Hat sie denn je über ihre Vergangenheit geredet?“, fragte er also schließlich, warf einen Blick zu Toboe hinüber und blickte den Schwarzen, auf seine Worte hin, abwartend und fragend an.

Jeanne schloss einen Moment die Augen und atmete ruhig ein, lauschte Yacárus und Akiras Worten. Es war das gute Recht der Weißen, ihren Anspruch deutlich zu machen, Jeanne selbst machte sich also keinerlei Gedanken. Die, wenn auch kleine, Fähe hatte genug Respekt im Rudel... als Nukun jedoch anfing zu knurren, legten sich die dunklen Augen Jeannes auf die andere Fähe. „Lass gut sein. Das gehört dazu.“ Sie zuckte kurz mit den Ohren. Sie hatte es nicht anders erwartet. Kiba war fort, die Ränge verteilten sich neu. Ganz einfach...

Yacáru „Du glaubst also, eine Woche reicht aus, um dich zu einem vollwärtigen Rudelmitglied zu machen?“, antwortete Yacáru belustigt. Lächerlich. Ihresgleichen verschwand nach einem Monat wieder, sie hatte also kein Recht sich aufzuspielen. Die Weiße zeigte leicht die Zähne, auch wenn in ihren Mundwinkeln noch ein überlegenes Grinsen lag. „Ich bin also kein Rangwolf. Aber du? Was meinst du, wer von uns beiden fände da wohl mehr Rückhalt im Rudel?“ Sie begann die braune Fähe zu umkreisen, das Fell nach wie vor gesträubt, die Muskeln angespannt und der Blick Akira aufmerksam fixierend. Ihr war durchaus bewusst, dass sie rein Kräftemäßig im Nachteil sein konnte, aber das war schließlich nicht alles. Sie gestand sich dafür mehr Verstand zu.

Aiyán hatte nicht die Absicht gehabt, irgendwen zu provozieren – jedenfalls nicht, als er hier aufgeschlagen war. Dass Saiyán und er es jetzt trotzdem taten, wurde ihm spätestens dann bewusst, als sein Bruder ihm zur Seite sprang. Ai hatte nichts daran gelegen, Tearl auf die Probe zu stellen, jedenfalls nicht jetzt sofort. Nicht jetzt, nicht hier, nicht vor dem Rest. Doch genau das wurde es, wenn er Saiyán so das Wort überließ. Er wollte die Kontrolle über die Situation nicht verlieren, so lange er sie noch hatte. Ein prüfender, absichernder Blick huschte zu Andraki, als sie sich einmischte. Es widerstrebte ihm, dass er ihren Worten nicht mit Ablehnung begegnen konnte, aber tun konnte er nichts dagegen. Diese Trauer gehörte nicht nur ihm allein und er konnte sie Andraki nicht absprechen, anders als er es bei Leikuna getan hatte. Er sagte nichts, doch ein kleines, brüskes Nicken brachte er zustande und sein Blick traf ihren kurz, dann senkte er ihn. Anschließend wandte wandte er sich wieder Tearl und Saiyán zu. „Sai …“, mahnte er leise. Er wollte nicht, dass er sich einen Machtkampf mit Toboe lieferte und die beiden ihn zwangen, eine Seite zu wählen. Und genauso wenig konnte ein Machtkampf mit Tearl funktionieren.

Andraki war auch nicht verwundert, dass Saiyán wenig Sinn für die Diplomatie seines Zwillings hatte. Allein die Tatsache, dass Tearls statt sie selbst das Ziel der Provokation war, erlaubte ihr, sich klein wenig zu entspannen - nicht viel, bewahre, und auch nur vorerst. Der Fokus konnte jederzeit auf sie zurück fallen, insbesondere, da Tearl gelassen blieb und Saiyáns Streitlust im Moment keinen fruchtbaren Boden fand. Ob das daran lag, dass sie ihm eine solche Situation prophezeit hatte, oder ob das einfach seinem Wesen entsprach, vermochte sie nicht zu sagen. Dafür kannte sie ihn viel zu wenig. Aiyán bewies unterdessen mit nur einer kurzen Silbe sowohl Köpfchen als auch Rückgrat. Sein Nicken und sein Augen niederschlagen stimmten sie zudem genügend zufrieden, um ihn nun vollends aus ihrem wachsamen Blick zu entlassen und stattdessen Saiyán zu fixieren. Jetzt kam es nur noch auf ihn an.

Akira war iritiert, dass sich Nukun einmischte, und das vor allem, ohne sich auf eine der Seiten zu stellen. Dies war eine Angelegenheit zwischen ihr und Yacaru. Doch bevor sie reagieren konnte, hatte Jeanne die Kleine schon zurück gehalten. Akira nickte Jeanne anerkennend zu, die in ihren Augen Kompetenz als Rangwölfin bewiesen hatte. Dann wandte sie sich wieder Yacaru zu, die anscheinend gar nicht daran dachte, ihr unverschämtes Verhalten zu beenden. im Gegenteil. Sie knurrte leise, als sie auf die erneuten Unverschämtheiten antwortete. „Kiba und Yago haben mich im Rudle aufgenommen. Und Andraki und Akando ebenso. Ich denke, das macht mich zu einem vollwertigen Rudelmitglied.“ Dass Kiba und Yago sie nur als Gast aufgenommen hatten, verschwieg sie wohlweißlich. Die beiden waren tot, und somit konnte ihr das niemand nachweisen. Als Yacaru weitersprach, zeigte Akira ihre makellosen Zähne und stellte das Nackenfell auf. „Das ist keine Sache, die das ganze Rudel angeht. Wenn du dich traust, können wir das auf die traditionelle Art lösen. Einer gegen einen.“ Ein bisschen fürchtete insgeheim sie schon, Yacaru könnte tatsächlich das Rudel auf ihre Seite ziehen und dafür sorgen, dass sie verbannt wurde. Was sollte dann aus Chi werden? Aber wenn sie immer nachgab und zur Omega wurde, würde sie die Kleine auch nicht schützen können.

Nùkûn beneidete Jeanne im Moment um ihre schiere Gelassenheit. Nùkûn kannte sich mit Rudelkämpfen nicht aus, sie hatte niemals an solchen teilgenommen. Weder hier noch vorher. Aber bevor sie hierher gekommen war, hatte sie ja auch schließlich keinem Rudel angehört. Von daher empfand sie alles, was hier gerade vor sich ging als ziemlich seltsam. Jedoch vertraute sie Jeanne und entspannte sich nach einem Seufzen deutlich. Sie hatte keine Lust auf Stress. Sie hatte diesen Tag in aller Ruhe verbringen wollen, stattdessen zog sie Ärger heute wohl wie ein Magnet an. Sie ging zu Jeanne, um den beiden Streihähnen den Weg frei zu machen. „Und du willst mir wirklich sagen, dass das normal ist? Ich war noch nie bei so etwas dabei. Ich kenne solche Feindschaft gar nicht.“

Jeanne beobachtetet die beiden Wölfe, ohne dass ihre Ohren dabei still standen. Sie selbst blieb angespannt, beobachtete Yacáru aufmerksam. Als Nukun zu ihr trat, legte sich ein leichtes Lächeln auf ihre Lefzen. „Kiba und Yago sind fort... es ist nur normal, dass manche Wölfe jetzt Anspruch auf einen Rang haben.“ Ihr Blick legte sich einen Moment auf Yacáru. „Das sind keine... ernsten, richtigen Kämpfe um Leben oder Tod...“ Bei Akiras Worten stutzte Jeanne, hob den Kopf und blickte die braune Fähe an. „Akira... die Ränge gehen das Rudel an. Es wird niemand ein Rangwolf, der keinen Respekt im Rudel hat...“ Und den konnte man sich verspielen, wenn man sich daneben benahm. Ein leises Seufzen.

Yacáru beobachtete Akira unbeeindruckt und ließ sich nach wie vor nicht zu einer Drohgebärde herab. Akira bildete sich ein wenig zu viel darauf ein, im Rudel aufgenommen worden zu sein. Das wurden viele. Und es bedeutete rein gar nichts, solange man sich nicht bewies. Sie drehte ein Ohr zu Nùkûn und Jeanne und hörte nur halb zu, da sie mehr auf Akira konzentriert war, trotzdem entging ihr das Gespräch nicht. „Es geht nicht um Feindseligkeit, sondern um eine Position im Rudel. Ich begleite dieses Rudel fast seit ich geboren bin, habe ihm in Höhen und Tiefen zur Seite gestanden und habe den Respekt seiner Mitglieder. Da kann ich erst recht Respekt von einem Wolf verlangen, der gerade erst hier angekommen ist und vermutlich, wie die meisten, innerhalb der nächsten Wochen wieder verschwinden wird.“ Sie atmete tief durch. Am liebsten hätte sie eine körperliche Auseinandersetzung vermieden, aber um nichts in der Welt würde sie vor dieser Fähe klein bei geben. „Danke, Jeanne. Aber von mir aus: Fang an.“ Yacáru blieb stehen und lauerte darauf, was Akira nun tun würde.

Akira hatte nicht genau darauf geachtet, worüber sich Nukun und Jeanne unterhielten, aber bei Nukuns Frage nach dem Grund der Feindschaft horchte sie auf. Sie wollte gerade zu einer bemerkung ansetzen, da antwortete schon Yacaru. Als diese geendet hatte, schenkte Akira Nukun ein freundliches, hoffentlich beruhigendes Lächeln, und erklärte ihrerseits: „Es geht tatsächlich nicht um Feindschaft. Wir haben nur eine kleine, nun ja, Meinungsverschiedenheit über die Rangfolge. Aber keine Sorge, bei sowas wird niemand ernsthaft verletzt, selbst wenn es manchmal etwas wüst aussieht.“ Sie wunderte sich etwas, dass die Kleine anscheinend noch nie einen Rangordnungskampf miterlebt hatte. Selbst wenn sie sich nicht daran beteiligt hatte, musste sie doch andere Wölfe dabei beobachtet haben. Allerdings war jetzt nicht die Zeit, darüber nachzudenken. Sie blickte wieder zu Yacaru, und schenkte ihr ebenfalls ein kruzes Lächeln, bevor sie wieder die drohende Haltung einnahm. Doch erneut wurde sie unterbrochen, diesmal von Jeanne. Natürlich brauchten Rangwölfe den Rückhalt des Rudels, aber sie wollte doch gar keiner werden. Erstaunt antwortete sie: „Rangwölfe? Ich will kein Rangwolf sein. Aber Yacaru ist auch keiner, und daher werde ich nicht vor ihr buckeln.“ Yacaru erwies sich als mutiger, als Akira angenommen hatte. Dennoch wollte sie ihr nicht weh tun, wenn es nicht sein musste. Sie sprang vor, und ließ ihre Zähne kurz vor Yacarus Nasenspitze zuschnappen. „Du bist ganz schön mutig. Aber bist du dir sicher, dass du das willst? Ich werde dich nicht schwer verletzen, aber weh tun würde es trotzdem.“ Erneut grinste sie, diemal nicht ganz so freundlich. Hffentlich schüchterte das die Blauäugige ein.

Saiyáns Blick flog von Tearl, zu Toboe, zu Andraki und blieb schließlich auf Toboe ruhen. Einen Augenblick lang schwieg er, den Fang angespannt, sodass seine Kiefermuskeln hervortraten, wägte ab, schließlich grinste er freudlos und seine Worte trieften nur vor Sarkasmus: „Oh, hey, Mutter, gab es da zufällig einen Freund namens Tearl Elaynes in deinem Leben, ziemlich groß, ähnliches Fell wie deins? Nur für den Fall, dass du eines Tages verschwinden und er an deiner statt hier auftauchen sollte.“ Er wandte sich betont von Toboe ab und wieder Tearl zu, der das eigentliche Ziel seines Angriffs gewesen war, richtete sich ein wenig auf und hob leicht das Kinn an. „Ich denke, das beantwortet auch deine Frage. Nein, die Gelegenheit hat sich nie ergeben“, gab er kurz angebunden zurück, seine Stimmlage im Kontrast zu vorher fast neutral, auch das Grinsen war einer leicht angespannten Miene gewichen. Aiyáns Stimme in seinem Ohr hielt ihn zurück.

Nùkûn beobachtete das Geschehen interessiert. Vielleicht war sie bei so etwas schon einmal dabei gewesen, aber dann hatte sie es noch nie so bewusst wahrgenommen. Nùkûn war überrascht, dass jeder ihr versucht zu erklären, was dort gerade vor sich ging. Ein Lächeln legte sich auf ihre Lefzen als jeder ihr versicherte, dass es hierbei nicht um Feindschaft ging, was dem hohen Harmoniebedürfnis der Fähe gerade ganz recht kam. „Na gut, wenn ihr danach wieder ruhiger seid und euch nicht zerfleischt, kann ich damit wohl leben.“ Obwohl ein wenig Ruhe nach dem ganzen Stress der letzte Tage eigentlich auch mal ganz gut getan hätte. Diese ganze Rangstruktur hatte Nùkûn aber auch noch nie wirklich interessiert. Sie war ja schließlich nicht dumm und immer sehr neugierig, aber so bewusst hatte sie das, was hier gerade vor sich ging noch nie wahrgenommen. Umso interessierter stand sie nun da und versuchte jeden einzelnen Augenblick dieser Situation einzufangen. Vielleicht würde sie das ja auch demnächst mal brauchen können! Wer wusste das denn schon?

Yacáru „Gut, dann erkläre ich jetzt ganz offiziell, das ich vorhabe einer zu werden, denn ich unterwerfe mich niemandem mehr, der es nicht verdient hat.“, sagte die weiße Wölfin ganz ruhig. Als Akira vorsprang, wich Yacáru vorsichtshalber zurück, stellte aber sehr schnell fest, dass die Braune nur bluffte. Und wieder anfing zu reden. Die Braune würde gleich merken, dass es ein großer Fehler war sie nicht ernst zu nehmen und sich zu viel auf ihre Narben ein zu bilden. Yacáru war alles andere als dumm. Noch während Akira palaverte, dass sie ihr ein bisschen weh tun würde, schoss Yacáru ohne Vorwarnung nach vorne, biss Akira um den Fang und versuchte Schwung und Gewicht auf den Kopf der Braunen zu nutzen, um sie zu Boden zu werfen.

Akira stellte überrascht fest, dass sie die Blauäugige unterschätzt hatte. Sie hätte nicht gedacht, dass sie sie tatsächlich angreifen würde. Sie spürte die Schmerzen, als sich deren Zähne in ihre Haut bohrten, aber sie machten ihr nichts aus. Schmerzen bedeuteten ihr nichts, daher ließ sie sich davon nicht ablenken, sondern gab ihr Möglichstes, um sich auf den Beinen zu halten, während sie versuchte, die Weiß-Schwarze abzuschütteln. Am liebsten hätte sie einen Kommentar dazu abgegeben, aber solange Yacaru ihren Fang umklammert hielt, reichte es nur für ein gedämpftes Knurren.

Yacaru hatte nicht vor Akira wieder los zu lassen, wo sie die Fähe so vorteilhaft erwischt hatte. Stattdessen drückte sie ihre Kiefer noch etwas fester zu und umklammerte den Hals der Wölfin mit ihren Vorderpfoten, das eigene Gewicht auf ihren Hals lehnend. Ein drohendes Grollen verließ ihren Fang.

Toboe richtete den blauen Blick kurz auf Aiyán, als dieser versuchte, seinen Zwiilling zurück zu halten. Tearl blieb derweil ruhig, wie er es von ihm kannte. Somit suchte Toboe kurz Andrakis Blick, wandte sich jedoch nicht zu dem Tumult herum, der sich in ihrer Nähe abspielte, viel eher legte sich seine Aufmerksamkeit auf Saiyán. Der Graue unterdrückte ein genervtes Rollen der Augen, hielt die Rute jedoch erhoben und schnaufte leise „Du willst es nur falsch verstehen – es bringt also Nichts, dir irgendetwas dazu zu sagen.“ Seine Stimme blieb weiterhin ruhig, als er die Augen auf Tearl richtete, seinen Blick erwiderte. „Sie hat nicht jedem Wolf von euch Requisten erzählt... aber sie hätte es sicher, wenn man sie ehrlich danach gefragt hätte.“ Hätte... es schnitt dem Grauen ins Herz, dass diese Worte so offensichtlich in die Vergangenheit gewandt waren.

Akira spürte, wie ihre Hinterläufe einzuknicken begannen. Die alte Verletzung, die sie vor Jahren im Kampf gegen Cárân erlitten hatte, meldete sich wieder. Sie war noch nicht bereit aufzugeben, aber es war ihr unmöglich, sich auf den Beinen zu halten. Wärend sie langsam auf den Boden sank, versuchte sie, Yacaru mit den Vorderpfoten abzuwehren und sich endlich aus ihrem Grif zu befreien.

Yacáru war tatsächlich ein wenig verwundert, dass Akira so leicht unter ihr einsackte. Aber noch war es zu früh, sich in Sicherheit zu wähnen. Vielleicht war das auch eine Taktik der braunen Fähe. Und so lockerte sie ihren Griff um Akiras Fang nicht und kletterte stattdessen über die Wölfin, sobald diese auf dem Boden lag. So wollte sie verhindern, dass sie einfach wieder auf stand. Sie hätte ihr gerne das Angebot gemacht einfach auf zu geben und sie über sich zu akzeptieren, aber dazu hätte sie loslassen müssen und dazu war sie noch nicht bereit.

Tearl Elaynès beobachtete vorallendingen den Zwilling, der sich so verzweifelt feindselig gab. Ja, es erschien ihm eher verzweifelt als bloße Feindseligkeit. Vielleicht, weil er diesen Ausdruck kannte. Trotzdem musste er die Stirn runzeln, als er ihm antwortete. „Hat sich nie ergeben.“, wiederholte er ungläubig. Kibas Söhne mussten bald zwei Jahre alt sein und da sagte dieser Jüngling, es hätte sich nie eine Gelegenheit ergeben? Ein wenig schockierte es, wie zerrüttet ihm diese Familie erschien. Dabei war es doch ... Kibas Familie. Sein Blick glitt zurück zu Toboe. „Es ist leider kein schönes Thema. Vielleicht ist das ein Grund.“

Akira sah ihre Gelegenheit gekommen, als die Blauäugige sich auf sie drauf stellte. Obwohl sie dadurch behindert wurde, dass Yacaru einfach nicht losließ, warf sie sich ruckartig auf die Seite, in der Hoffnung, ihre Gegnerin so von den Beinen zu reißen, oder zumindest dazu zu zwingen, endlich loszulassen.

Aiyán beobachtete nun seinerseits beunruhigt, wie es weiterging. Wie so oft schon bewegten sie sich nun alle auf einem schmalen Grat und es war nur allzu leicht, zur einen oder anderen Seite zu kippen. Und Sai war derjenige, der schubste. Er behielt seinen Bruder ganz genau im Blick, als er Toboe anfuhr und in ähnlicher Manier auch Tearl antwortete. Sais Worte taten weh. Aiyán schluckte, ihm war nicht mehr danach, das Gespräch hier weiter auszuführen. Aber er konnte seinen Bruder nicht hier allein lassen und sich nicht darauf verlassen, dass er ihm folgen würde, wenn er ging. Also riss er sich zusammen, sah ähnlich mahnend zu Toboe wie zuvor zu seinem schwarzen Ebenbild und dann wieder zu Tearl, der wie ein Felsen zwischen all den wirren Emotionen wirkte, standhaft und unberührt davon. Aber trotzdem nicht kalt, wie Yago es gewesen wäre. „Nein. Hat sich nie ergeben“, bestätigte er leise. Ob sie mit Toboe darüber gesprochen hatte. Ob sie auch mit ihm darüber gesprochen hätte, wenn er noch rechtzeitig zu ihr gegangen wäre? Er bezweifelte es, aber der Gedanke nagte trotzdem an ihm.

Yacáru stolperte ein bisschen, als Akira gegen eine Seite ihrer Läufe prallte. Das hatte zur Folge, dass sie mit ihren anderen Pfoten nun auf Akiras Seite trat, um den Halt wieder zu finden. Yacáru blieb hartnäckig und ließ nicht los, immerhin würde sich Akira mit ihrem Gezappel bloß selbst Schmerzen und Kratzer an der Schnauze zufügen. Sie tat das nächstbeste, was ihr einfiel um nicht einfach umgestoßen zu werden und ließ sich auf Akira drauf fallen.

Akira hatte leider nur teilweise Erfolg gehabt. Yacaru hatte sich zwar nicht auf den Beinen halten können, hatte aber nicht losgelassen, und lag jetzt auf ihr drauf, während sie immer noch ihren Fang umklammert hielt. Akira zweifelte so langsam daran, dass sie diesen Kampf noch gewinnen konnte. Aber sie hatte noch nie aufgegeben, und war noch nicht bereit, das zu ändern. Sie spannte ihre Muskeln an und versuchte, ihren Fang zu öffnen und Yacaru somit zum Loslassen zu zwingen. Dass sich dabei Yacarus Zähne noch weiter in ihre Haut bohrten, nahm sie dabei in Kauf.

Andraki bedauerte sehr, dass es Saiyán so deutlich an dem mangelte, was sein Zwilling eben unter Beweis gestellt hatte. Dabei blieb er jedoch auf Tearl als Ziel seiner Feindseligkeit fokussiert, und Andraki entschied, dass sie sich diesmal nicht darin einmischen würde. Es war die erste direkte Konfrontation zwischen Tearl und den Zwillingen soweit sie wusste, und es wäre für den Requisten eher von Nachteil, wenn sie sich in diese Machtprobe jetzt einmischen würde. Zumal es da ganz in der Nähe eine weitere Auseinandersetzung gab, die nun, da sie körperlich wurde, mehr und mehr ihre Aufmerksamkeit gewann. Andraki ließ erst den Blick dorthin schweifen, dann wandte sie sich vollends in die entsprechende Richtung und signalisierte damit, dass sie gedachte, diese Angelegenheit unter den restlichen Anwesenden zu belassen, sofern man sie ließ. Mit einem Ohr hörte sie ncoh zu, aber ihr Hauptaugenmerk lag nun woanders. Schließlich setzte sie sich nach einigen Augenblicken in bewegung und näherte sich wachsam dem Kampf zwischen Yacáru und Akira.

Yacáru sah ein, dass es sie nicht weiter brachte, wenn sie nur Akiras Fang umklammert hielt. Die Ältere war genau so stur, wie sie. Hrmpf, was tat sie nun? Das war nur ein Rangkampf, sie konnte sie ja nicht ernsthaft verletzen, um sie zu stoppen. Aber wenn sie sich sonst weiter im Kreis drehten ... Dann konnte sie es ja mal androhen. Die Weiße spürte Druck gegen ihre Kiefer, da Akira nun rücksichtslo versuchte, sich aus ihrem Griff zu winden. Die Braune lag auf der Seite, das gab ihr einen weiteren Vorteil. Yacáru lockerte den Biss um ein paar Millimeter, um ihn Richtung Akiras Kehle zu verschieben. Dort verstärkte sie den Druck wieder, nicht aber, indem sie wieder fester zubiss. Sie lehnte ihr Gewicht auf und hoffte, dass Akira endlich einsah, dass sie nicht mehr gewinnen konnte und Yacáru sie an ihrer empfindlichsten Stelle hatte. Ihr war es egal, wenn Akira dabei noch ihr Ohr tackerte, wo sie nun den Fang wieder benutzen konnte. „Dwu kannscht das nischt mwer gewinnen, gwib aff.“, nuschelte sie zwischen ihrem Pelz hervor.

Akira war erleichtert, dass Yacaru endlich losließ. Doch die Erleichterung währte nicht lange, denn ihre Lage ermöglichte ihr nicht, schnell genug auszuweichen, und so konnte ihre Gegnerin sie an der Kehle packen. Einen Moment lang überlegte sie, ein Ohr der Weisschwarzen zu packen, damit auch diese nicht ganz ohne einen Kratzer aus dem Kampf gehen würde. Vielleicht würde sie vor Schmerzen loslassen? Aber mittlerweile traute Akira der Blauäugigen durchaus zu, nicht einmal dann loszulassen, wenn Akira ihr das Ohr abbeißen würde. Womöglich würde sie dann vor Schreck noch fester zubeißen und sie töten. Sie musste sich eingesetehen, dass sie zum ersten mal in ihrem Leben einen richtigen Kampf verloren hatte. (Die Sache mit Kaei sah sie nicht als Kampf, da sie sich nicht gewehrt hatte, um Chi nicht zu gefährden.) Sie zog ihre Rute ein, lies alle ihre Muskeln locker und bewegte sich nicht mehr, um zu zeigen, dass sie aufgegeben hatte.

Andraki entspannte sich sichtlich, während sie sich näherte, denn der Kampf endete in der Zwischenzeit mit einem klaren Sieger. Ihre Körperhaltung drückte damit nurmehr ihren Rang aus, ohne die angespannte Wachsamkeit, die bis eben noch ihre Züge beherrscht hatte. „Na, wenn das keine eindrucksvolle Demonstration kämpferischen Geschicks gewesen ist“, meinte sie mit leichtem Lächeln an die kleine Weiße gewandt.

Yacáru spürte, wie Akira unter ihr erschlaffte und traute dem zuerst gar nicht. Einige Sekunden rührte sich Yacáru nicht, lockerte auch den Griff nicht, aber auch ihre Kontrahentin zappelte nicht mehr. Sie spürte, wie Akiras Rute ihre Läufe strich und nun kam auch langsam in ihrem Gehirn an, dass sie tatsächlich gewonnen hatte. Yacáru ließ vorsichtig los, erhob sich und sprang mit einem Satz von der Fähe runter. Man konnte ja nie wissen, ob sie nur vortäuschte. Ihr blauer Blick fixierte die Fähe noch für einen Moment, die Rute erhoben, aber das Fell nicht mehr gesträubt. Dann ließ sie die Rute in eine waagerechte Haltung sinken und ließ sie locker hin und her pendeln, zum Zeichen, dass ihrer Meinung nach jetzt alles wieder in Ordnung war. Yacáru hechelte leicht und spürte erst jetzt das Adrenalin in ihrem Körper und wie es sich zu einem Glücksgefühl vermischte. Sie hatte es geschafft! Nicht mal einen Kratzer hatte sie davon getragen ... Ob Akando das gesehen hatte!? Unwillkürlich drehte sie den Kopf herum, in der Hoffnung den Grauen irgendwo sehen zu können, aber vermutlich wäre er längst zur Stelle gewesen, wenn er von der Sache etwas mitbekommen hätte. Stattdessen erblickte sie Andraki - wieder einmal. Ihr Kompliment ließ ihre Brust vor Stolz anschwellen und sie sah die Zimtfarbene strahlend und hechelnd an. „Danke!“

Akira richtete sich auf, sobald Yacaru sie losließ, nahm jedoch sofort eine unterwürfige Haltung gegenüber der blauäugigen Fähe ein. „Ich habe dich unterschätzt. Du hast gut gekämpft und gewonnen. Ich respektiere das.“ Kurz schaute sie nach Nukun, und meinte grinsend: „Siehst du, es ist nichts ernsthaftes passiert, auch wenn es anders ausgegangen ist, als ich gedacht habe.“ Leise, aber laut genug, dass Yacaru es hören konnte, fügte sie hinzu: „Beim nächsten mal werde ich aber keinen Fehler machen.“ Es ärgerte sie maßlos, dass sie ihre Gegnerin unterschätzt hatte. Der gleiche Fehler hatte Cárân im Kampf gegen sie das Leben gekostet. Anscheinend war sie zu weich geworden. Doch ohne eine Antwort abzuwarten wandte sie sich wieder Yacaru zu, und lächelte sie freundlich an. So sehr sie sich auch über den verlorenen Kampf ärgerte; sie war nicht nachtragend, und hoffte, Yacaru würde das auch so sehen. Sie hatte ihren Respekt als gute Kämpferin verdient, und Akira hoffte, die Schwarzweiße irgendwann als Freundin betrachten zu dürfen.


That there, that's not me.
I go where I please. I walk through waterfalls, I float down the river.
In a little while, I'll be gone. The moment's already passed, yeah, it's gone.
Glaring lights to swallow shadows, rainfall and blizzards to bury ghosts

I'm not here, this isn't happening

09.02.2015 02:08
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