Spielleitung & Helfer
 
Gründung:    23. Juli 2005
12 Rüden
9 Fähen
davon 4 Welpen
TAG | 30. Dezember 1926 . abends
WETTER | Himmel schon recht dunkel # vereinzelte Schneeflocken # weiße Nordlichter # -6 °C

Seit dem letzten Plot sind etwa 2 Monate vergangen. Die Welpen lernen langsam mit dem Verlust Jeannes zurecht zu kommen, doch es ist schwer, vor allem für ihre eigenen. Als der Herbst in den Winter überging, ist das Rudel zum Gebirgsbach weitergewandert. Man hat wie schon im vergangenen Jahr kein Interesse daran, in der "Winterhöhle" Quartier aufzuschlagen, aber man ist sich um ihren Nutzen bewusst, sollte der Winter mit heftigen Schneestürmen aufwarten, deshalb wurde beschlossen, einfach in ihrer Nähe zu lagern. Während der Winterpelz bei den Wölfen an Fülle gewonnen hat, schienen sich außerdem bei ein paar Individuen neue Abzeichen im Pelz herauszubilden. Es ist nicht übermäßig auffällig, da sich der Prozess mit dem Fellwechsel vermischt, aber irgendwie sehen ein paar Rudelmitglieder ein ganz klein bisschen anders aus als sonst, oder? Was aber definitiv jedem an diesem Tag auffällt ist das weiße Nordlicht, dass am Himmel erschienen ist. Genau wie es nach jenem Tag im letzten Winter auftauchte.

Ab 6 Tagen werden hier User darauf hingewiesen, wie lange sie schon mit Schreiben dran sind. Diese User dürfen nach dem Ermessen des Wartenden übersprungen werden.


Sheyna seit: 146 Tagen
Yavinja seit: 83 Tagen
Caspar seit: 42 Tagen
Saiyán Tendes seit: 26 Tagen


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Zwei Tage nach Licht im Licht

Die Zeit war vergangen, doch wirklich verändert hatte sich nichts. Aiyán hatte wenig geschlafen in den letzten beiden Nächten. Nicht, weil er nicht gekonnt hätte, sondern weil er dem Schmerz nach dem Aufwachen entgehen wollte. Wenn man für einen kurzen Moment noch glaubte, es wäre alles in Ordnung und dann all die Gewissheit und Trauer von neuem auf einen einstürzten, war das fast so, als würde Kiba immer wieder sterben. Er fragte sich, wann sich das geben würde und ob es wohl allen so ging. In Sais Gesicht hatte er gesehen, dass auch er damit zu kämpfen hatte, aber so wie er seinen Bruder kannte, würde er eines Tages beschließen, dass er genug getrauert hatte und zur Routine zurückkehren konnte. So würde er es auch handhaben müssen. Aber vorerst mied er den Schlaf und döste stattdessen zwischendurch öfter. Trotzdem fühlte er sich müde und ausgelaugt, als sie das Rudel erreichten. Saiyán verzog sich und er nickte ihm zu, um ihm zu zeigen, dass er ihm später folgen würde. Zuerst wollte er wissen, ob es etwas Neues gab, irgendetwas. Ein herzliches Willkommen erwartete er nicht, als er das Rudel langsam umrundete und nach Andraki oder Akando Ausschau hielt.

Er sah den Betarüden zuerst, was ihm ziemlich recht war. Bedächtig trottete er zu Akando hinüber und ließ sich mit einem kurzen Wedeln der Rute neben ihm im Schnee nieder. Für eine richtige Begrüßung war er ehrlich gesagt zu müde, außerdem war Akandos Rang unklar. Er wusste nur, dass der Braune höchstwahrscheinlich noch immer über ihm stand. Für so spezifische Fragen war später Zeit, er schwieg erst einmal und wartete darauf, dass Akando anfing.

22.06.2014 16:57
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Akando hob den Kopf, als ihm unerwartet die Witterung der Zwillinge in die Nase stieg. Mit gemischten Gefühlen beobachtete er, wie sie das Rudel umkreisten. Hätte er behauptet, sie in den letzten Tagen vermisst zu haben – er hätte lügen müssen. Bei allem, was geschehen war, war dafür einfach kein Platz in seinen Gedanken. Die Trauer und Verzweiflung um ihn herum war so drückend und allgegenwärtig, dass er lediglich eine unbestimmte Erleichterung über Saiyáns Abwesenheit empfunden hatte. Er schämte sich nicht dafür. Kibas Söhne hatten das Recht, verzweifelt zu sein, aber ein gift- und gallespuckender Saiyán war momentan wohl das letzte, das sie gebrauchen konnten. Als er erkannte, dass es Aiyán war, der auf ihn zuhielt, entspannte sich seine Miene jedoch wieder.

“Ashlynn hat sich Sorgen gemacht“, begrüßte er ihn schlicht, als der Schwarze sich neben ihm niederließ.

Bei Saiyán hätte er sich die Mühe gar nicht erst gemacht, doch sein Zwilling hatte sich in letzter Zeit nichts zuschulden kommen lassen.

22.06.2014 19:25
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09.07.2006

Es war eine überraschende Begrüßung, die Akando ihm schenkte und sie klang verdächtig nach einem Vorwurf. Wo wart ihr, was habt ihr gemacht, seid ihr blöd, alle dachten ihr kommt nicht wieder, typisch. Aiyán musterte den Braunen reserviert und wusste nicht so recht, was er darauf antworten sollte, entschied sich dann aber für den diplomatischen Weg.

„Das tut mir Leid. Aber es ging nicht anders, wir brauchten ein wenig Zeit. Wir hatten nicht vor, das Rudel zu verlassen.“

Er fragte sich, welche Rudelmitglieder sich wohl genau das insgeheim wünschten. Irgendwo konnte er verstehen, dass vor allem Saiyán abgelehnt wurde, mit seiner Impulsivität machte er sich keine Freunde. Und jetzt, da nicht mehr Kiba Entscheidungen für das Rudel traf, mussten sie wirklich darauf achten, was sie taten. Wenn Sai weiterhin nicht zurecht kam, wurden sie irgendwann vielleicht doch zu einem kleinen Zweierrudel. Der Gedanke behagte ihm nicht, seine Ohren zuckten.

„Gibt es irgendetwas Neues? Was ist mit Leikuna?“

Er glaubte, sie gesehen zu haben und auch ihren Geruch gewittert zu haben. Dazu kamen drei Wölfe, die er nicht kannte, einer sah Kiba schmerzhaft ähnlich.

22.06.2014 23:15
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25.06.2010

Bei Aiyáns Erwiderung schnippte überrascht eines seiner Ohren zur Seite. Womit auch immer er gerechnet hatte – ganz sicher nicht mit einer Entschuldigung. Aus seiner Sicht war auch überhaupt keine nötig, denn er konnte verstehen, dass sie Abstand gebraucht hatten. Himmel, er hatte ja keine Ahnung, wie er an ihrer Stelle reagiert hätte. Auf seine eher unbeholfene und plumpe Art hatte er ihm lediglich sagen wollen, dass ihre Abwesenheit nicht unbemerkt geblieben war und wenigstens irgendjemand an sie gedacht und sie vermisst hatte. Ob das nun besonders tröstlich war sei dahingestellt, aber der Versuch war scheinbar ohnehin nach hinten losgegangen.

“Braucht es nicht“, erwiderte er daher nur. “Du hast das Richtige getan.“

Nein, dafür brauchte es nun wirklich keine Entschuldigung. Schon vor zwei Tagen am Gipfel des Berges war ihm bereits der Gedanke gekommen, dass es so besser war. Wer konnte schon wissen, wie Saiyán sich in seiner Verzweiflung aufgeführt hätte? Womöglich hätte seine Wut sich noch gegen das Rudel gerichtet und genau diejenigen getroffen, die es am wenigsten verdient hatten. Toboe schoss ihm da als Erstes in den Sinn.

“Sie ist zum Berg gekommen, nachdem ihr gegangen seid. Tearl, Eeal und Ceal waren bei ihr. Scheinbar sind es alte Bekannte.“

Obwohl es keine direkte Frage war, so war es doch zumindest eine halbe und er musterte den Jungwolf abwartend. Zum einen weil ihn interessierte, wie er auf Leikunas Rückkehr reagieren würde, zum Anderen fragte er sich, ob die Namen ihm etwas sagten. Dem Großteil des Rudels waren sie so fremd wie ihm, aber zumindest Teyrm und Toboe schienen sie gut zu kennen und sich ehrlich über ihre Rückkehr zu freuen.

10.07.2014 14:39
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09.07.2006

Eigentlich hatte sich Aiyán auch gar nicht bei Akando entschuldigt, sondern indirekt bei Ashlynn. Deswegen dachte er nicht daran, dass er den Beta damit verwirren könnte, auch weil er durchaus nachvollziehen konnte, dass sich Ash Sorgen gemacht hatte. Und das war nicht seine Absicht gewesen, aber es war nun einmal zweitrangig gewesen. Er hatte es für wichtiger empfunden, seinem Bruder zu helfen und selbst aus der Situation zu flüchten. Obwohl es feige klang, wenn er so darüber nachdachte, fühlte es sich nicht so an. Bei Akandos Zustimmung nickte er kurz. Er konnte sich aber denken, dass er vor allem in Saiyán eine Gefahr gesehen hatte. Auch wenn sein Bruder unberechenbar gewirkt hatte, er hätte nach Aiyáns Meinungen niemanden außer sich selbst verletzt. Für ihn war nicht selbst die Gefahr gewesen, sondern hatte sich in dieser befunden. Aber darüber wollte er mit dem Rüden jetzt nicht diskutieren. Zumal er von noch mehr Neuankömmlingen berichtete und mit letzter Sicherheit bestätigte, dass Leikuna zurück war. Sein Blick wanderte über die liegenden Wölfe, die er sah.

„Scheinbar“, stimmte er langsam zu und wirkte in Gedanken versunken. Es dauerte einen Moment, ehe er merkte, dass Akando etwas mehr von ihm hören wollte. „Toboe und Teyrm haben ständig von denen geredet als sie jünger waren.“

Es klang nicht so, als wäre er über die Rückkehr der beiden alten Bekannten sehr begeistert. Aber wer war in diesen Tagen schon begeistert? Als er dann Leikuna etwas weiter weg entdeckte, starrte er sie unverwandt an. Besonders gemocht hatte er sie nie, aber dass sie ausgerechnet jetzt zurückkam und von Kibas Tod profitierte, schmeckte ihm überhaupt nicht.

„Ich frage mich, ob sich Kiba auch für den Tod entschieden hätte, wenn es nur um Leikuna gegangen wäre. Jetzt profitiert sie davon, dass Kiba nicht mehr lebt.“

Er klang nüchtern und sachlich, als wäre der Umstand fakt. Für ihn war es auch so offensichtlich, dass er vergaß, dass das Ansichtssache war.

17.07.2014 19:05
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25.06.2010

Profitiert. Der Graue warf Aiyán einen scharfen Blick zu. Es war nicht nur das Wort, das ihm sauer aufstieß. Es war die ganze verquere Botschaft, die dahinter steckte. Es war völlig irrelevant, ob sie es auch für Leikuna allein getan hätte. Die Frage hatte sich niemals gestellt. Sie alle waren Teil dieses Tals und als solche ‚profitierten‘ sie alle von Kibas Opfer. Oder niemand.

“Unsinn, Leikuna hat sich das nicht ausgesucht“, erwiderte er barsch. “Genauso wenig wie Kiba. Sie wäre mit dem Tal gestorben, wenn sie nicht gehandelt hätte.“,

Er machte eine Pause, suchte nach den richtigen Worten und musste schließlich einsehen, dass es keine gab. Mit milderer Stimme fuhr er fort:

“Sie hätte euch nicht freiwillig verlassen.“

Erst jetzt erkannte er, dass es vor allem auch dieser unausgesprochene Vorwurf war, der ihn an Aiyáns Worten störte. Kiba hatte sich nicht für den Tod entschieden – sie war weder tot, noch hatte sie ihr Rudel und ihre Söhne willentlich zurückgelassen. Sie hatte sich vielmehr für das Tal, ihr Zuhause und somit auch das Rudel entschieden. Für die Zukunft. Er wollte ihr Opfer nicht schmälern, aber im Grunde hatte das Schicksal ihr keine andere Wahl gelassen. Nur die eine.

03.08.2014 19:56
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09.07.2006

Der Blick, den Aiyán Akando zuwarf, nachdem er seine Worte harsch abtat, sprach nur wenig von Respekt. Seine dunklen Augen verengten sich herausfordernd und er ließ davon ab, Leikuna finstere Blicke zuzuwerfen. Stattdessen wandte er sich dem Grauen neben sich nun unverwandt zu. Ihm war es egal, dass sich Leikuna das Opfer für ihre Befreiung nicht ausgesucht hatte, für ihn machte das nichts besser. Dieses bittere Gefühl, einen wahnsinnig schlechten Ersatz erhalten zu haben, wollte nicht weichen. Keiner brauchte diese Wölfin hier, die sich in Selbstmitleid wälzte wie ein Wildschwein im Schlamm. Einmal huschte sein Blick noch zu ihr, und er fragte sich selbst, ob Saiyáns Wut auf ihn übergegangen war, jetzt wo sein Bruder der Verzweiflung und Erschöpfung nachgegeben hatte. Einer von ihnen beiden musste mit ihr leben, so schien es ihm.

„Kiba war niemandem etwas schuldig, Leikuna nicht, dem Tal nicht, uns nicht“, presste er im Ausatmen hervor. „Was ist das für ein Ort, der seine Bewohner tötet? Der sie zum Spaß versteinert und dann ein Opfer fordert, um den Versteinerten wieder freizugeben?“

Er verstand nicht, was Akando vermutete, dass er es Kiba vorwerfen könnte, sie hätte sie verlassen. Er war kein Welpe mehr und war nicht mehr auf sie angewiesen. Aber er fühlte sich vom Tal betrogen und bestohlen. In einem Anfall irrationaler Wut gab er Leikuna die Hauptschuld an dem Ganzen – vielleicht gab es ja einen Grund dafür, dass sie versteinert worden war, eine Strafe für irgendeine Tat. Und vielleicht wäre alles anders gewesen - wäre sie nicht dieser hässliche Steinklumpen am Rand des Gebirges gewesen, hätte das Tal Kiba vielleicht nicht so ein Opfer abverlangt. Er presste die Zähne aufeinander und sein Fang näherte sich Akandos Gesicht.

„Wieso. Sind. Wir. Noch. Hier?!“, flüsterte er.

17.08.2014 18:33
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25.06.2010

Unter anderen Umständen hätte Aiyáns Sturheit ihn vielleicht beeindruckt, hier und jetzt ertappte er sich allerdings bei dem Gedanken, dass dieses Gespräch Zeitverschwendung war. Aiyán hatte offenbar nichts verstanden oder wollte zumindest nicht verstehen, doch es war müßig, ihm wieder und wieder das Gleiche zu erzählen. Die eher kryptischen Erklärungen des Lichtwolfs waren alles, was er vorzuweisen hatte. Was die einzelnen Rudelmitglieder damit anfingen, musste jeder für sich selbst entscheiden. Aiyán hatte offenbar beschlossen, seinen Worten keinen Glauben zu schenken. Vielleicht weil ihm die Botschaft nicht gefiel, die selbst in Akandos Ohren unwahrscheinlich und grausam klang. Trotzdem konnte er nicht daran zweifeln, ohne Kibas Opfer einen Sinn abzusprechen.

“Ein kranker Ort, der im Sterben lag“, war alles, was er zu erwidern wusste.

Das Tal hatte ihnen das alles sicher nicht ‚zum Spaß‘ zugemutet. Es waren Symptome einer Krankheit, die schon seit langer Zeit schwärte. Kiba war niemandem etwas schuldig, ja, und sie hätte das Tal verlassen können. Aber dann wäre sie mit ihm gestorben, fern ihrer Heimat, und hätte auch dem Rudel sein Zuhause genommen.
Automatisch zuckten Rute und Lefzen nach oben, als der Schwarze ihm plötzlich derart provokant auf die Pelle rückte und das sicher nicht, um ihm unterwürfig über die Lefzen zu lecken. Hoch aufgerichtet und mit entblößten Reißzähnen stand er da, ohne sich auch nur einen Zentimeter von der Stelle zu rühren. Abschätzend musterte er Aiyán. Obwohl er sich wieder und wieder zur Nachsicht mahnte – der Schwarze hatte gerade erst seine Mutter verloren – vibrierte seine Stimme, als er zu einer Antwort ansetzte.

“Weil wir keine Requisten sind“, stellte er nicht ohne eine gewisse Bitterkeit fest. „Das Tal braucht uns nicht. Aber wenn wir gehen, war alles umsonst. Jemand muss hier sein, wenn sie aufwachen.“

25.08.2014 21:05
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09.07.2006

Was tat er hier eigentlich? Wieso unterhielt er sich überhaupt mit Akando? Er hatte keine Ahnung, um sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Weiter brachte es ihn jedenfalls nicht, Akando kanalisierte seine unbestimmte Wut nicht. Und gegen ihn richten ließ sie sich aus irgendeinem Grund auch nicht. Auch wenn er nie viel mit Akando zu tun gehabt hatte, was er von ihm mitbekommen hatte, war in Ordnung gewesen. Er kam ihm vor wie ein logisch denkender, rationaler Wolf, den er auf dem Betaposten ohne Schwierigkeiten hatte akzeptieren können. Es gab keinen Grund, seine Wut an ihm auszulassen. Also riss er sich zusammen, schnaufte leise und nickte. Befriedigend war Akandos Antwort zwar nicht, denn er hatte verdammt nochmal kein Mitleid mit einem Tal. Aber mehr konnte er von ihm auch nicht erwarten.

Als er näher rückte und Akando unmissverständlich klar machte, dass er das nicht so toll fand, zuckten erst nur die Ohren des Schwarzen, als er das realisierte, dann neigten sie sich leicht nach hinten und er trat wieder einen Schritt zurück.

„Entspann dich“, brummte er und senkte kurz den Blick zu Boden – er hatte schlicht vergessen, dass Akando nach wie vor über ihm stand. Aber möglicherweise war das Buhlen um die Ränge schon losgegangen und er hatte noch nichts davon mitbekommen. Nichts, worauf er wirklich scharf war.

„Als wären Kiba und Yago irgendwelche … Heilkräuter, die das Tal mal eben braucht und dann wieder hergibt“, murmelte er und schüttelte ungläubig den Kopf. Dann hob er ihn wieder und sah Akando an. Er schluckte. „Lass mich glauben, dass sie tot sind. Eure Hoffnung macht mich krank“, flüsterte er heiser, presste die Kiefer aufeinander und sah zur Seite.

31.08.2014 21:00
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25.06.2010

Als Aiyán wieder ein Stück abrückte und kurz den Blick senkte, entspannte auch er sich wieder. Er erwartete von niemandem, dass man sich vor ihm im Staub wälzte – das hatte er nie verlangt und würde es auch in Zukunft nicht tun. Solange man ihn nicht provozierte und im Ernstfall seine Autorität als Rangwolf respektierte, kam er mit den meisten gut zurecht.

“Ich verstehe auch nicht, wie das alles funktioniert“, gab er nach längerer Pause schließlich offen zu. Wie konnte er auch? Diese seltsam symbiotische Beziehung zwischen den Requisten und dem Tal überstieg alles, was er sich vorstellen konnte. “Es ist ungerecht und grausam. Aber ich muss daran glauben, dass ihr Opfer wenigstens einen Sinn hat. Und die Erdbeben haben aufgehört…“

Bewusst ließ er Leikunas wundersame ‚Entsteinerung‘ dieses Mal außen vor. In dieser Sache unterschieden sie sich einfach zu sehr – vielleicht weil Aiyán nicht mit dem Lichtwolf gesprochen hatte und Kiba so viel näher stand als er. Der Schwarze hatte nicht die Worte gehört, direkt in seinem Kopf, als wären es von fremder Hand geformte Gedanken. Er dagegen hatte keine Wahl. Im Gegensatz zu Aiyán musste er daran glauben, wenn er nicht an seinem Verstand zweifeln wollte. Und warum hätte dieses seltsam emotionslose Wesen sie anlügen sollen? Es hätte sich ihnen schließlich gar nicht erst zeigen müssen.
Trotzdem konnte er auch Aiyáns abwehrendes Verhalten irgendwo nachvollziehen. Wahrscheinlich war es der blanke Selbstschutz. Wo es keine Erwartungen und Hoffnungen gab, konnten sie auch nicht enttäuscht werden. Und doch, wenigstens das Eine glaubte er zu wissen – genau das hätte Kiba nicht für ihre Söhne gewollt.

“Wir können nicht einfach aufgeben“, fügte er nach einigen Herzschlägen leise hinzu.

31.08.2014 22:23
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Er wollte es gar nicht verstehen, wenn er ehrlich war. Wahrscheinlich liebten viele der anderen Rudelmitglieder dieses Tal als ihr Zuhause mehr als er. Ihn verband nicht viel mit diesem Ort und der einzige Grund für ihn hierzubleiben war, dass er Kiba so zumindest besuchen konnte. Irgendwann mal. Noch konnte er sich das nicht vorstellen.

„Als nächstes nimmt sich das Tal diesen Tearl und weil es dann alle Requisten aufgebraucht hat, sind Toboe, Sai und ich dran. Besser Halbrequist als nichts.“

Er seufzte tonlos. Vielleicht durfte er sich ja seinen Kristall vorher aussuchen. Wer konnte sagen, wie lange Kiba und Yago schon gewusst hatten, was passieren würde? Was ihnen bevorstand? Vielleicht waren sie bewusst nur zu zweit zum Berg gegangen. Er verdrängte den Gedanken wieder, das war nichts worüber er jetzt grübeln wollte.

„Ich passe auf, dass ich nicht die, die ich noch habe, an diese verrückte Hoffnung verliere. Das kann man nicht 'aufgeben' nennen, denke ich.“

Es sei denn er meinte Kiba selbst. Aber selbst da hatte er nicht das Gefühl, dass er sie aufgab. Es war ja nicht so, dass sie noch am Leben war und um Hilfe rief. Sie war still, tot in seinen Augen. Da war nichts mehr, das er aufgeben konnte.

31.08.2014 23:35
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Zugegeben, Aiyáns düstere Mutmaßungen entbehrten nicht einer gewissen Logik, aber in diesem Fall irrte er sich. Glaubte man den Worten des Lichtwolfs, dann waren er, seine Brüder und sogar Tearl sicher. Allein Kiba schien den Ansprüchen des Tals zu genügen. Die Requisten als Kristallwächter, deren Herzschlag sich dem des Tals angeglichen hatte – aus irgendeinem Grund war Kiba die letzte dieses Geschlechts. Die Einzige, die Diemnar noch geblieben war. Er schüttelte den Kopf.

“Ihr seid nicht an dieses Tal gebunden und könnt gehen, wohin ihr wollt. Bei Kiba war das anders. Er sagte, sie sei ein Teil des Tals und ihr Herz würde im Gleichklang mit dem Kristall schlagen, der Diemnar am Leben hält.“

Selbst in seinen Ohren klang das alles ziemlich abenteuerlich, aber er hatte schon längst damit aufgehört, sich noch dagegen zu sträuben. Dass in diesem Tal Dinge passierten, die eigentlich ins Reich der Fantasie gehörten, hatte er schließlich bereits mehrfach mit eigenen Augen gesehen.

“Du musst nicht daran glauben. Aber lass‘ den Anderen wenigstens ihre Hoffnung.“

Er hatte keine Ahnung, was in dem Schwarzen vorging, und er tat auch nicht so, als ob er es wüsste. Wie konnte man jemanden an eine Hoffnung verlieren? Aber wenn es ihm damit besser ging, sollte er glauben, woran auch immer er wollte. Mit einem solchen Verlust, wie ihn Kibas Söhne erlitten hatten, ging nun mal jeder anders um.

01.09.2014 18:46
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Ein bisschen klangen Akandos Worte wie eine Einladung, das Tal zu verlassen. Auch wenn es wahrscheinlich nur als Widerlegung seiner Theorie gemeint war, Aiyán fragte sich, ob sich der graue Rüde nicht ein bisschen wünschte, dass sein Zwilling und er das Weite suchten. Wahrscheinlich tat er das. Alles was darauf folgte und den Kristall betraf, ignorierte er weitgehend und quittierte es nur mit einem Kopfschütteln. Als würde der Kristall leben. Er war toter Stein, der kalt aussah und ihnen an manchen Stellen seltsame Bilder zeigte – auch etwas, womit er sich schwer tat, es zu akzeptieren. Aber das war immer noch etwas anderes, als lebendige Wölfe einzuschließen und zu erzählen, sie würden da drinnen weiterleben. Ganz kurz kam ihm der Gedanke, dass der Lichtwolf vielleicht Kibas Geist gewesen sein könnte, doch er verwarf ihn sofort wieder.

Als Akando weitersprach, verengten sich Aiyáns Augen, aber er hielt seine Wiederworte zurück. Saiyán hatte er nicht vor, dieser Hoffnung zu überlassen. Bei Toboe zweifelte er daran, irgendetwas bewirken zu können, sein grauer Bruder blieb ein Träumer und würde wahrscheinlich auch nach fünf vergangenen Wintern noch hoffen. Aber der war das gewöhnt, er konnte das vermutlich ganz gut verkraften. Saiyán nicht, auf ihn musste er Acht geben. Was der Rest des Rudels glaubte, war ihm eigentlich relativ egal, aber er würde nicht die Klappe halten, wenn ihm einer der Anderen von seiner Zuversicht und Hoffnung erzählte, dass Kiba ja gar nicht tot war. Niemand konnte ihm verbieten zu sagen, was er dachte. Und doch schwieg er jetzt darüber und stimmte stattdessen beiläufig klingend zu.

„Von mir aus.“

Damit erhob er sich, für ihn war das Gespräch hiermit beendet. Er hatte von Anfang an kein wirkliches Ziel gehabt, aber er hatte genug gehört.

08.09.2014 20:11
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Missmutig zog er die Brauen zusammen, als der Schwarze ihn lediglich mit drei dahingeworfenen Worten abspeiste. Er machte sich nicht die mindeste Illusion darüber, dass auch er nicht zu Aiyán durchgedrungen war. Die Gleichgültigkeit in seiner Stimme sprach Bände, dabei hatte er sich vermutlich noch arg beherrscht, um keine Widerworte zu geben und damit eine neue, fruchtlose Diskussion loszutreten. Die mit Yacáru geteilte Hoffnung, das Rudel könne dieses Mal zusammenhalten, rückte in immer weitere Ferne. Wölfe änderten sich nun mal nicht von heute auf morgen. Dementsprechend musste er sich also getäuscht haben, als er in Aiyán eine Veränderung bemerkt zu haben glaubte – unter der undurchdringlichen Oberfläche brodelte es vermutlich schon seit langer Zeit mit unverminderter Heftigkeit. Gleichermaßen ratlos wie verärgert über die Sturheit der Zwillinge musterte er den jungen Rüden unverwandt, der das Gespräch offensichtlich für beendet erklärt hatte und schon im Begriff war, sich abzuwenden.

“Aiyán? Reißt euch zusammen, wenn ihr hier bleiben wollt.“

Er klang nicht feindselig, aber seine Stimme blieb fest und bestimmt. Er war schon immer ein Freund klarer Verhältnisse und bei aller Nachsicht war diese ehrlich gemeinte Warnung vermutlich längst überfällig. Lange konnte es so jedenfalls nicht mehr weitergehen, bevor sie hart durchgreifen mussten.

08.09.2014 20:38
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