Spielleitung & Helfer
 
Gründung:    23. Juli 2005
12 Rüden
9 Fähen
davon 4 Welpen
TAG | 30. Dezember 1926 . abends
WETTER | Himmel schon recht dunkel # vereinzelte Schneeflocken # weiße Nordlichter # -6 °C

Seit dem letzten Plot sind etwa 2 Monate vergangen. Die Welpen lernen langsam mit dem Verlust Jeannes zurecht zu kommen, doch es ist schwer, vor allem für ihre eigenen. Als der Herbst in den Winter überging, ist das Rudel zum Gebirgsbach weitergewandert. Man hat wie schon im vergangenen Jahr kein Interesse daran, in der "Winterhöhle" Quartier aufzuschlagen, aber man ist sich um ihren Nutzen bewusst, sollte der Winter mit heftigen Schneestürmen aufwarten, deshalb wurde beschlossen, einfach in ihrer Nähe zu lagern. Während der Winterpelz bei den Wölfen an Fülle gewonnen hat, schienen sich außerdem bei ein paar Individuen neue Abzeichen im Pelz herauszubilden. Es ist nicht übermäßig auffällig, da sich der Prozess mit dem Fellwechsel vermischt, aber irgendwie sehen ein paar Rudelmitglieder ein ganz klein bisschen anders aus als sonst, oder? Was aber definitiv jedem an diesem Tag auffällt ist das weiße Nordlicht, dass am Himmel erschienen ist. Genau wie es nach jenem Tag im letzten Winter auftauchte.

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Sheyna seit: 146 Tagen
Yavinja seit: 83 Tagen
Caspar seit: 43 Tagen
Saiyán Tendes seit: 26 Tagen


Autor

Beitrag

             P a r a d i s e
Every Time she closed her Eyes
Bildnachweis
Konrad Wothe - konrad-wothe.de

Rang

Delta

Alter

6 Jahre

Geschlecht

Fähe

Größe

89 cm

Beiträge

289

Beitritt

27.07.2005

Zwei Abende vor "Licht im Licht".

Tobs hatte sich bei den ersten Erdbeben keinerlei Gedanken gemacht, aber je mehr Tage vergingen, an denen regelmäßig die Erde unter ihren Pfoten bebte, desto mehr beunruhigten sie den grauen Rüden. Aber er bemühte sich darum, sich nicht Tagein Tagaus darüber den Kopf zu zerbrechen, so wie in diesem Moment. Er lag am Rande des Rudels, wo er zwar ihre Stimmen hörte, aber noch niemand in seiner unmittelbaren Umgebung war. Auf dem Rücken ruhend beobachtete er den dunkler werdenden Himmel, die Sterne, die sich allmählich zeigten. Er lauschte nicht einmal, ob sich ihm jemand näherte.

Yacaru hatte beschlossen einen kleinen, abendlichen Spaziergang zu unternehmen. Zuerst war sie nicht ganz sicher gewesen, ob sie sich alleine vom Rudel entfernen sollte, aber Akando war schon in ein Gespräch verwickelt gewesen und sie brauchte ein wenig Abstand von den restlichen, besorgten Rudelmitgliedern. Wenn jemand mitkommen wollte, konnte er das immer noch tun. Sie war auf jeden Fall nicht weggeschlichen, sondern hatte sich vorher noch bedeutungsschwer umgeschaut und überaus laut gähnend gestreckt. Jetzt huschte das kleine Wesen leichtpfötig durch den Schnee. Sie setzte die Pfoten dabei absichtlich so kurz wie möglich auf, hüpfte fast ein bisschen. Man wusste ja nie, wann die Erde das nächste Mal bebte. Nachdem Yacáru nicht besonders weit gelaufen war, konnte sie in der Nähe aber einen seltsam plüschigen, großen grauen Berg ausmachen. Ein Schieflegen des Kopfes später erkannte sie Toboe, der dort einfach auf dem Rücken herumlag. Ein Grinsen huschte über ihre Züge, als sie sich augenblicklich noch kleiner machte, als sie eh schon war. Den Oberkörper herunter, das Hinterteil noch etwas erhoben schlich sie auf den Grauen zu. Sie bemühte sich so leise zu laufen, wie nur möglich. Die Weiße hatte nicht vor auf ihn drauf zu springen - sie fürchtete die Rache, die bei ihr im Gegensatz zu Toboe Knochenbrüche verursachen könnte - aber sie tapste von hinten direkt auf seinen Kopf zu. Auf den letzten Metern hielt sie sogar die Luft an und blieb stehen. Gaanz langsam schob sie ihren Kopf nach vorne, mit der Schnauze langsam in sein Blickfeld wandernd. "Wroooooaaaahr ... Buh!" Damit zwickte sie ihm spielerisch in die Nase.

Aiyan störte sich nicht mehr an den kleineren Beben, die in unregelmäßigen Abständen das Tal durchschüttelten. Sie waren (noch) nicht besonders stark und hatten ihn nur anfangs aufgeschreckt, inzwischen hatte er sich daran gewöhnt. Das Rudel aber machte sich Gedanken und es schien vor allem unter den älteren Mitgliedern kein anderes Gesprächsthema mehr zu geben. Entsprechend hing das Gerede dem Jungwolf zu den Ohren heraus. Gezielt suchte er den Abstand zum Rest, um nicht ständig darauf angesprochen zu werden, was er über die Erdbeben dachte und was wohl die Ursache dafür war. Gerade vertrat er sich ein wenig die Beine, als er im fahlen Licht von Mond und Sternen eine kleine Wolfssilhouette sah, die sich langsam an einen Buckel im Schnee heranpirschte. Interessiert stellte er die Ohren auf und näherte sich ebenfalls, um nicht weit entfernt stehen zu bleiben und zu beobachten, was Yacáru da anstellte. Der leichte Wind verriet ihm, dass der Berg im Schnee wohl Toboe sein musste. Als die kleine Weiße auf ihn zusprang, grinste er und trabte die letzten paar Meter zu ihnen herüber. „Yacáru küsst Toboe, Yacáru küsst Toboe“, sang er vor sich hin, als wäre er ein Welpe, der die beiden anderen damit aufziehen wollte.

Tobs streckte kurz den müden Körper, wobei er den Himmel jedoch nicht aus den Augen ließ – und nur wenige Momente später bereute er jeden unaufmerksamen Moment. Er störte sich nicht an den Gerüchen um ihn herum, als dann plötzlich eine weiße Wolfsschnauze vor seinen Augen erschien, kam er also nicht um ein kurzes, erschrockenes Zusammenzucken herum. Er erkannte auch den Geruch, dass sie ihm jedoch in die Nase zwickte hatte er nicht erwartet. Er ruckte kurz mit dem Kopf, drehte sich dann mit leichtem Schwug auf den Bauch und grinste der kleinen Fähe entgegen. „Jetzt bin ich wieder mit der Rache dran!“ Gerade wollte sich der Graue erheben, als ein anderer Wolf dazu trat, Unsinn von sich gab und Toboe damit nur ein wenig breiter grinsen ließ. „Ach Quatsch, dafür hat sie doch Akando.“ Ein kurzer, vorsichtiger Seitenblick von Aiyán zu Yacáru.

Yacaru machte sofort einen übermütigen Satz zurück, nachdem sie Toboe in die Nase gezwickt hatte. Sicher war sicher. Sie erfreute sich diebisch daran, wie der große Graue zusammengezuckt war. Hah! Mission erfolgreich abgeschlossen. Ihre Rute pendelte munter und erhoben durch die Luft, während sie auf einen Gegenangriff nur zu gefasst war. Dass er direkt erwähnte nun mit einen Rachefeldzug an der Reihe zu sein, ließ sie zwar kurz abwägend die Ohren zucken, aber eigentlich war sich Yacáru zu sicher, dass sie deutlich schneller war als der große, tollpatschige Toboe. Bevor der Jungrüde ihr aber an den Kragen wollte, schallte von der Seite her ein Singsang zu ihnen hinüber. Irritiert schnippte sie mit den Ohren und wollte sich in einem ersten Impuls über Aiyán empören, da kam ihrem fixen Köpfchen aber schon die bessere Idee. "Sei nicht neidisch, Aiyán, pass auf, du bekommst auch einen!" Die weiße Wölfin sprang schon los, direkt auf den Schwarzen zu, da erreichten sie gerade noch Toboes Worte. Etwas aus dem Konzept gebracht wandte sie noch im Sprint den Kopf zu dem Grauen herum und vergaß dabei, dass sie gerade in einer Attacke steckte. Ups. Es gelang ihr nicht mehr wirklich sich mit einem Sprung an ihm vorbei zu retten - dafür sprang sie voll in den schwarzen Bruder hinein.

Aiyan grinste allein schon deshalb so breit, weil Toboe auf dem Rücken liegend ziemlich dämlich aussah. Und natürlich jagte er Yacáru für das Küsschen nicht gleich hinterher, so wie er das getan hätte, sondern rollte sich auf den Bauch und sah trotzdem nicht viel besser aus. Aber immerhin konnte er kontern. Yacáru aber leider auch. Er starrte sie kurz verdutzt an, dann machte er sich bereit, ihr auszuweichen oder sich in den Schnee fallen zu lassen, damit sie ihn nicht erwischte. Die schwarze Rute pendelte fröhlich hin und her und er senkte den Kopf etwas, als die kleine Weiße auf ihn zustürmte – nur dass sie sich von Toboes Anspielung auf eine Liebelei mit Akando ablenken ließ. Er blinzelte, sie stürmte einfach weiter ohne hinzusehen und ehe er begriff, dass sie nicht mehr abbremsen würde, war der Zusammenstoß auch schon vorprogrammiert. Ungeschickt und viel zu langsam wollte er zur Seite ausweichen – was aber zumindest verhinderte, dass sie mit den Köpfen zusammenstießen. Yacáru lief in seine Seite hinein und riss ihn trotz ihrer wenig beeindruckenden Größe von den Beinen. Dass er auf sie fiel, konnte er nicht mehr verhindern.

Tobs fuhr sich einmal kurz mit der Zunge über die Lefze, dabei noch immer munter grinsend. Seit dem Gespräch mit Akando über eben diese weiße Fähe, die nun für ein leichtes Zwicken in seiner Nase verantwortlich war, gefiel dem Grauen der Gedanke. Als Yacáru auf Aiyán zusetzte, wog der Rüde leicht den Kopf zur Seite, jedoch schien die Weiße von seinen Worten... leeeicht abgelenkt zu sein. So wandte sie sich zu ihm herum, und gerade als Toboe den Fang öffnen wollte, konnte er beobachten, wie Aiyán die Flucht nicht gelang und er von der Miniwölfin zu Boden geworfen wurde. Er wußte, wie sich das anfühlte. Ein gespielt theatralisches Seufzen, ehe sich der junge Rüde erhob und mit pendelnder Rute und breitem Grinsen zu den Beiden anderen hinüber trat. „Ein umwerfender Kuss, hm?“ Er grinste Aiyán entgegen, ließ den Blick dann kurz schweifen, ehe sich die blauen Augen auf Yacáru legten. Ihre Reaktion sprach für sich. Genau wie der Ausdruck, der in seinen Augen lag.

Yacaru kugelte in Aiyáns Seite und hatte den Salat. Der Schwarze fiel auf die kleine Wölfin drauf und presste damit gewaltsam die Luft aus ihren Lungen heraus. Etwas bewegungsunfähig lag sie nun halb unter dem schwarzen Riesenrüden und konnte zuerst nur keuchen. Die blauen Augen erfassten Toboe, der viel zu breit grinsend auf sie zudackelte. Dafür wäre sie ihm augenblicklich auch ins Gesicht gesprungen, aber leider war sie verhindert. Um seinem Blick auszuweichen wandte sie sich wieder an Aiyán, das war gerade auch deutlich wichtiger. Ihr Rücken bog sich unter seinem Gewicht doch bedenklich. "Äh, Ai ... Ich weiß, ich bin umwerfend, aber ... args, könntest du bitte von mir runter gehen?"

Aiyan hatte gar nicht vorgehabt, länger als nötig auf Yacáru zu liegen, aber als gerechte Strafe bot es sich gerade prima an. Er spürte sie unter sich mühsam atmen und tat so, als käme er nicht auf die Beine, ruderte mit den langen Läufen und spielte ein bisschen Toboe. Und das obwohl sein tollpatschiger Bruder so selbstgefällig grinste als hätte ER persönlich dafür gesorgt, dass sie hier gestapelt aufeinander im Schnee landeten. Nur deshalb – und nicht wegen Yacis Bitte – brachte er sich nach ein wenig Gezappel wieder auf seine vier Läufe und schüttelte sich den Schnee aus dem Pelz. Dann sah er fröhlich nach unten und betrachtete begeistert den riesigen Abdruck, den er rings um Yacáru im Schnee hinterlassen hatte. Es sah ein bisschen so aus als hätten sie auf Leben und Tod gekämpft und er wäre der Sieger geworden. „Das war ein geplanter Gegenangriff, ich bin nicht gefallen“, erwiderte er grinsend und datschte Yacáru mit der Pfote voll ins Gesicht. „Akando also?“ Toboe galt bei der Frage ein schneller, verschwörerischer Blick.

Tobs beobachtete mit einem leichten Schütteln seines Kopfes die beiden am Boden liegenden – und wie sein Bruder mit den Läufen ruderte. Die Ohren des Grauen zuckten kurz, als er Yacárus Blick auffing, an seiner Miene änderte sich dabei jedoch Nichts. Er war viel zu munter mit dem Gedanken, der ihm durch den Kopf ging. Toboe wog den Kopf also leicht zur Seite, blickte kurz zu Aiyán, als er wieder stand und versuchte, Yacárus Worte zu widerlegen. Und nach einem gekonnten Patscher mit der Pfote fragte er noch einmal nach Akando, womit Toboe den Blick seines Bruders erwiderte. „Hier fehlt noch jemand, denke ich.“ Er zuckte erneut mit den Ohren, ehe der graue Rüde den Fang anhob und nach Akando rief. Ein Moment verging, ehe sich sein Blick wieder senkte. Zufrieden lächelnd und Yacárus Reaktion abwartend.

Yacaru wurde noch etwas schweratmiger, als Aiyán nun auch noch anfing herum zu zappeln und sie damit noch ein wenig tiefer in den Schnee zu drücken. Den hatte sie mittlerweise fast in der Nase. Ein leises Knurren vibrierte durch ihren Körper und sie versuchte nach irgendwas von dem Schwarzen zu schnappen. Leider konnte sie kaum den Kopf heben, von daher erwischte sie auch rein gar nichts. Als er endlich aufstand, musste sie noch ein paar Sekunden reglos liegenbleiben und spüren, wie das Blut wieder in ihre eben noch eingequetschten Körperteile zurückfloss. Autsch. Etwas angeschlagen wollte sich die kleine, weiße Wölfin gerade wieder aufrappeln, da hatte sie auch noch eine Pfote im Gesicht. Autsch die Zweite. Aiyán war wirklich nicht wie Toboe - nicht mal halb so zimperlich. Yacáru schüttelte den Kopf, auch um sich von den Schneeresten zu befreien. Wie gerne hätte sie den Schwarzen augenblicklich zurück gedatscht, leider war sie dafür aber viel zu klein. Und dann schon wieder so ein Kommentar! Yacáru konnte das einfach nicht auf sich sitzen lassen, also nutzte sie den Moment, in dem Aiyán zu Toboe hinüber sah und stellte sich auf die Hinterläufe. Sie riss die Vorderpfoten in die Höhe und ließ sie ebenso auf Aiyáns Kopf niedersausen. Sich an ihm festklammernd packte sie sein Wangenfell mit den Zähnen und zog daran. Was Toboe sagte bekam die Weiße erst gar nicht mit, erst als er dann nach Akando rief, musste sie Aiyán loslassen und über seinen Kopf hinweg den Grauen entgeistert anstarren. "Hey!"

Aiyan sah etwas verwundert zu seinem Bruder und verstand erst bei dessen Blick, wen er meinte. Scheinbar hatte er da etwas verpasst, das er lieber mitbekommen hätte, es klang nämlich wirklich verheißungsvoll. Zwei neue Opfer für seinen Spott waren gefunden, auch wenn er nicht so ganz einschätzen konnte, ob das mit Akando lange gut ging. Yacáru war so klein, dass er sie viel zu leichtsinnig unterschätzte. „Akando will auch geküsst werden“, säuselte er und wollte gerade lauernd nach Yacárus Reaktion gucken, als er aus dem Augenwinkel wahrnahm, dass sie irgendwie … gewachsen war. Und dann bekam er die Quittung dafür, dass er sie für ungefährlich gehalten hatte. Mit einem dumpfen „Umpf“ knickte er erneut leicht ein, weil sich das gesamte Gewicht der Weißen auf deinem Kopf und Nacken verteilte. Dann spürte er ihre Zähne knapp unter seinem Auge - seine Reaktion kam postwendend, grollend versuchte er zuerst mit dem eigenen Vorderlauf ihren fang wegzuwischen. Der stieß aber nur gegen ihren Körper und richtete nichts aus, so dass er sich erneut fallen ließ, auch auf das Risiko hin, dass sie ihm eine komplette Lefze abbiss.

Tobs spielte belustigt mit den Ohren in der kühlen Luft, beobachtete munter, wie Yacáru an Aiyáns Wange zog und war insgeheim froh darüber, dass dies nicht seine Wange war. Wobei er sich bei der nächsten Reaktion der Weißen nicht sicher war, ob nicht gleich die Rollen getauscht werden würden. Somit trat der Graue von einer Pfote auf die Andere, suchte kurz mit den blauen Augen nach Akando, ehe er sicherheitshalber einen Schritt zurück trat, Yacáru dabei herausfordernd anblickte. „Ihr braucht euch nicht zu verstecken, ich weiß genau, was da läuft.“

Yacaru spürte, während sie zu Toboe hinüber starrte, wie ihre Stütze nachgab. Sie musste sich wieder auf Aiyán konzentrieren, denn er gab sich gerade als ziemlich williges Opfer und das musste sie ausnutzen. Der Schwarze ließ sich fallen und Yacáru war derweil nicht gewillt ihn loszulassen, sodass sie nun diejenige war, die auf ihn drauf fiel. Sie behielt ihr Gleichgewicht aber dank ihrer Hinterläufe, die noch fest auf dem Boden standen. Nun war Ai also unter ihr und sie thronte mit den Pfoten auf seinem Kopf. "Ich gebe lieber dir einen dicken Schmatzer.", knurrte sie mit gebleckten Zähnen, die Rute pendelnd und biss ihm über die Schnauze. Natürlich tat sie ihm damit nicht wirklich weh, für sie war das weiterhin ein Spiel, nur war sie eben auch nicht so zimperlich. Sie rollte sich sogar absichtlich kopfüber über ihn und landete auf der anderen Seite im Schnee. Aiyán in Schach zu halten war eine gute Taktik, um Toboe demonstrativ zu ignorieren.

Aiyan hatte leider gar keine Zeit, um sich an Toboes Stichelei gegen Yacáru zu beteiligen, auch wenn er das liebend gern gemacht hätte. Aber dafür hielt ihn die Kleine zu gut in Schach. Unbequem drückte sie sein Gesicht in den Schnee, indem sie sich darauf abstellte und sich wirklich keine Mühe gab, es ihm nicht so schwer zu machen. So fixiert wand er sich unter ihr wie ein gefangener Regenwurm und versuchte, mit den Hinterläufen an ihre heranzukommen, um ihr den Halt zu nehmen. Aber er erwischte sie nicht. Dann hatte er auch schon Yacárus Zähne im Nasenrücken und hielt aus Rücksicht auf seine eigene Gesundheit kurz still, knurrte dabei aber so laut er es da unten im Schnee eben hinbekam. Als sich die Weiße dann plötzlich über ihn abrollte, versuchte er die Chance zu nutzen und sich aus ihrem Griff zu befreien, schaffte es aber nicht. Und jetzt war sie komplett außer Reichweite seiner Läufe. Er tat das einzig mögliche und hielt still, knurrte und grollte aber weiter vor sich hin, um ja nicht den Eindruck zu erwecken, er könnte sich nicht mehr wehren.

Akando schnippte neugierig mit den Ohren, während er auf das Grüppchen zuhielt. Er hatte keine Ahnung, warum Toboe ihn gerufen hatte, aber sie schienen jedenfalls ihren Spaß zu haben. Naja, zumindest Yacáru und Aiyán. „Was ist?“, fragte er an Tobs gewandt.

Tobs winkelte leicht die Ohren an, als ein vertrauter Geruch in seine Nase stieg. Während die beiden weiter rangelten – und Yacáru ihn vermutlich bewußt ignorierte – erwartete er den Rüden, den er kurz zuvor gerufen hatte. Er begrüßte Akando mit einem sachten Pendeln der Rute, weiterhin ein munteres Grinsen auf seinen Lefzen. „Du bist zu spät, deine Prinzessin musste sich schon alleine vor dem schwarzen Ungetüm befreien.“ Er hatte Akandos Reaktion von ihrem letzten Gespräch über Yacáru noch im Kopf, er hielt also lieber einen sicheren Abstand zu seinem Freund.

Yacaru hielt Aiyáns Schnauze immer noch fest und erwartete eigentlich Gegenwehr, stellte aber mit größtem Triumphgefühl fest, dass sie nicht kam. Er knurrte nur wie ein beleidigter Welpe, der eigentlich schon aufgegeben hatte, es nur nicht zugeben konnte. Yacáru grollte ebenfalls grinsend, das Maul ja dabei offen und musste deshalb ein wenig irre klingen. Die Rute wedelte siegessicher schnell hin und her. Sie drehte sich auf den Bauch und schob sich mit den Vorderpfoten halb auf seinen Hals und lies los. So konnte sie ihn noch ein wenig länger am Boden halten, musste dafür aber nicht mehr die Zähne benutzen. Ihre Schnauze brauchte sie nämlich anderweitig. Sie sah nämlich, wie Akando tatsächlich zu ihnen hinüber kam und ihr kribbelte es ein wenig unwohl im Nacken, als sie zu Toboe hinüber schielte. Auf seine Worte kräuselte Yacáru die Lefzen. Contenance. Sie blickte zu Akando. "Und ich weiß jetzt, warum du meintest, dass Tobs komisch ist."

Aiyan wartete eigentlich nur auf den Moment, in dem Yacáru aufhörte, weil sie glaubte, ihn niedergerungen zu haben. Gut, genau genommen hatte sie das ja schon, aber so richtig endgültig halt. Das konnte ewig so weiter gehen und er war nicht derjenige, der es beenden würde – hatte er jedenfalls so geplant. Aber als er dann Akando dazukommen hörte, verflog seine Lust darauf, hier weiter rumzuliegen und zu warten, dass sich die Weiße zum Aufstehen bequemte. Aber sie ließ ihm keine Chance. Als sie sich drehte und ihn zu ihrem Kopfkissen machte, grollte er noch ein bisschen lauter und begann unauffällig, die Vorderläufe näher zum Körper zu ziehen. Sie war vielleicht nicht groß und schwer, aber so lange sie auf seinem Kopf lag, war sie definitiv ZU schwer, um sie einfach so hochzuheben. Er schnaufte. Jetzt musste er sie schnell loswerden, sonst wurde die Angelegenheit wirklich peinlich. Schließlich waren seine Vorderläufe so nah an seinem Körper, dass er seinen Kopf mit einem kräftigen Ruck nach hinten unter ihr frei bekam und erstmal außer Reichweite sprang. Ärgerlich starrte er auf Yacáru hinab, schüttelte sich erneut und wusste dann nicht so recht, was er tun sollte – sie nochmal plätten, mit dem Risiko dass sie ihm in den Hintern biss, sie ignorieren oder irgendwas schlaues erwidern. Er entschied sich dafür, lieber auf Toboes Zug aufzuspringen und Akando und sie in den Mittlepunkt der Stichelei zu schubsen. „Jetzt darfst du ihn küssen, Yacáru. Ich lasse dich sogar.“

Akando hob unbeeindruckt eine Braue, als Tobs ihn wohl zu triezen versuchte. Die Genugtuung würde er ihm allerdings nicht gönnen. „Dazu braucht sie scheinbar keine Hilfe“, brummte er lediglich gutmütig. Und das schwarze ‚Ungetüm‘ wirkte zur Abwechslung auch recht zahm, gefangen unter der kleinen, weißen Fähe. Falls Toboe ihn nur gerufen hatte, um sie irgendwie in eine peinliche Situation zu bringen, dann ging sein Plan jedenfalls nach hinten los, denn Yacáru drehte den Spieß einfach um. „Ich hab’s dir ja gesagt“, stimmte er zu und bedachte Tobs dabei mit einem schadenfrohen Grinsen. Dann musste zu allem Überfluss allerdings auch noch Aiyán mitmischen, der sich inzwischen hatte befreien können. Küssen, wie, was? Nun wanderte auch die zweite Braue in die Höhe. Wo um Himmels Willen war er da nur reingeplatzt? „Genau wie seine Brüder“, fügte er trocken hinzu. Vielleicht hätte Yacáru ihn ein bisschen besser festhalten sollen.

Tobs spielte nur äußerst zufrieden mit den Ohren, während sein Blick zwischen Akando und Yacáru hin und her glitt, und auch seinen schwarzen Bruder ließ er nicht außer Acht. Er grinste ihm kurz zu, belächelte dabei auch Akandos kleine Ausflucht. Yacárus Worte ließen seinen blauen Blick dann vorwurfsvoll auf Akando ruhen, entlockten ihm ein leises Schnauben. Was ein toller Freund! „Das liegt eben in der Familie!“ Über Aiyáns weitere Worte konnte Toboe sich selbst ein kurzes Lachen nicht verkneifen. Perfekt! Damit trat er das kurze Stück zu Akando hinüber, sein Lächeln hatte etwas versöhnliches angenommen. Er stieß den Älteren kurz sachte mit der Schulter an, flüsterte dann ein leises „Ich wette, ich weiß, dass du es willst.“ Damit richtete sich sein heller Blick wieder auf die weiße Fähe.

Yacaru blickte Aiyán mit schmalen Pupillen hinterher, sträubte leicht das Fell und knurrte drohend, als er meinte mit der Stichelei weitermachen zu müssen. Er hatte wohl noch nicht genug? Aber feigen Sicherheitsabstand eingenommen hatte er. "Ich küss' dich gleich wieder!", kläffte sie ihm zu und drehte den Kopf dann zu Toboe. Gegen die Zwei im Doppelpack anzutreten war doch ein wenig anstrengend. Und so hoffte sie nur zu sehr, dass sich Akando den Grauen packen würde. Erneut kräuselte sie leicht die Lefzen und zog eine Augenbraue hoch. Was Akando wohl denken musste, das war ihr leicht unangenehm. "Seit wann seid ihr Zwei eigentlich so dicke?", fragte sie, zwischen Aiyán und Toboe hin und her schauend. Die Frage war zwar ablenkend, aber berechtigt. Das fragte sie sich nämlich schon die ganze Zeit.

Aiyan ließ Yacáru nicht aus den Augen, ein bisschen sowas wie Respekt hatte sie ihm gerade erfolgreich beigebracht. Was Akando dazu sagte, hörte er deshalb nur, ohne den Betarüden anzusehen. Es wurmte ihn so, dass er ausgerechnet in dem Moment dazugekommen war, in dem die Weiße die Oberhand gehabt hatte. Zuvor hätte er sie mal sehen sollen, da hätte er nicht so dahergeredet. Wieder schnaufte der Schwarze, diesmal aber eher beleidigt als vor Anstrengung. „Ich hab sie fast zermatscht, deshalb durfte sie eben die Rollen tauschen“, erklärte er über Yacáru hinweg an Akando gewandt, um die Situation zumindest ein bisschen ins rechte Licht zu rücken. Er bemerkte ihren Blick und grinste leicht. Er dachte gar nicht daran, ihre Frage zu beantworten. „Seit wann seid ihr es?“, spielte er den Ball spöttisch zurück und nickte zu Akando rüber.

Akando störte sich nicht im Geringsten an Toboes vorwurfsvollem Blick. ‚Komisch‘ war schließlich noch ziemlich milde ausgedrückt – man musste sich ja nur mal dieses selbstgefällige Grinsen ansehen. Scheinbar hatte der Graue eine diebische Freude daran, ihn mit diesem dämlichen Thema zu nerven. Genervt schnappte er nach Toboes Ohr, als der auch noch seinen neunmalklugen Spruch raushauen musste, dabei allerdings den Fehler machte, sich viel zu nahe heranzuwagen. Was er nicht alles wusste, an dem Grauen war ja ein wahres Genie verlorengegangen. „Dafür hast du mich gerufen?“, brummte er ein wenig vorwurfsvoll. Und auch Aiyáns Konter war denkbar lahm, dafür dass Yacáru winzig klein und er riesengroß war. Überhaupt – dass er und die Weiße sich gut verstanden, war schließlich schon seit ewigen Zeiten so. Seit er sie am Ohr durch die Spiegelhalle geschleift hatte, genau genommen. Vielleicht sollte er das auch mal mit Tobs machen?

Tobs lauschte mit munterer Miene das Gespräch seines Bruders und der Weißen, die sich heraus zu reden versuchten. Yacárus Drohgebärden ließen den Grauen nur leicht schmunzeln. Sie wußten wohl nicht, dass sie sich mit ihrer Reaktion selbst verrieten! Als Akando von der Seite nach seinem Ohr schnappte, neigte der Graue kurz den Kopf zur Seite, rettete so sei Ohr und grinste Akando dann auf seine Frage hin entgegen, dabei verneinend den Kopf schüttelnd. Er wußte genau, wieso er ihn gerufen hatte, dessen war Toboe sich ziemlich sicher. Er pfotete kurz nach dem anderen Rüden, richtete die Aufmerksamkeit dann wieder auf Aiyán, der Yacárus Worte konterte – Akando schwieg jedoch. „Schicksal.“ Toboe ließ jedoch offen, wen von ihnen er nun meinte.

Yacaru schnaubte nur über Aiyáns Worte. Das war so typisch, das es ihr ein spöttisches Grinsen auf die Lefzen lockte. Hah. Da hatte sie wohl ein wenig an seinen Ego gekratzt, wenn er nun versuchte sich so ins rechte Licht zu rücken. Sie fragte sich zwar immer noch, warum sie sich hier eigentlich mit Toboe und Aiyán herumschlug und Sai nirgends zu sehen war, aber im Prinzip konnte ihr das nur recht sein. Mit Saiyán wäre es nur richtig anstrengend geworden. "Nur, weil er sich nicht auf seinen Pfoten halten konnte.", stichelte die Weiße zurück und warf einen Blick zu Akando hinüber. Der blieb weiterhin enttäuschend unbeteiligt. Es wäre viel schöner gewesen, wenn er Toboe sein dämliches Grinsen aus dem Gesicht gewischt hätte. Allerdings war das, was die beiden nun noch von sich gaben, äußerst lahm. "Pff, ihnen fällt schon nichts mehr ein.", meinte sie seufzend, das Fell wieder geglättet und die Rute leicht pendelnd. Aber der Blick durchaus wachsam und bereit dem nächsten ins Gesicht zu springen.

Aiyan war gar nicht undankbar dafür, dass die Rangelei nun doch ein Ende fand, zumindest schien es so. Akando machte zwar Anstalten, Toboes Ohr zu fressen, erwischte es aber nicht. Und das sollte was heißen, wirklich Mühe gegeben hatte er sich bestimmt nicht, wenn Toboe ihm da noch entwischte. Was sein Bruder dann mit „Schicksal“ meinte, wusste er nicht, aber er ging mal fest davon aus, dass es nicht ihn betraf. „Nur weil Yacáru mich küssen wollte und Tobs dabei deinen Namen hat fallen lassen. Das kann einen schon mal aus dem Konzept bringen, wenn man enttarnt wurde.“ Er lächelte selbstzufrieden und ließ sich auf sein Hinterteil sinken.

12.04.2014 17:19
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