Spielleitung & Helfer
 
Gründung:    23. Juli 2005
12 Rüden
9 Fähen
davon 4 Welpen
TAG | 30. Dezember 1926 . abends
WETTER | Himmel schon recht dunkel # vereinzelte Schneeflocken # weiße Nordlichter # -6 °C

Seit dem letzten Plot sind etwa 2 Monate vergangen. Die Welpen lernen langsam mit dem Verlust Jeannes zurecht zu kommen, doch es ist schwer, vor allem für ihre eigenen. Als der Herbst in den Winter überging, ist das Rudel zum Gebirgsbach weitergewandert. Man hat wie schon im vergangenen Jahr kein Interesse daran, in der "Winterhöhle" Quartier aufzuschlagen, aber man ist sich um ihren Nutzen bewusst, sollte der Winter mit heftigen Schneestürmen aufwarten, deshalb wurde beschlossen, einfach in ihrer Nähe zu lagern. Während der Winterpelz bei den Wölfen an Fülle gewonnen hat, schienen sich außerdem bei ein paar Individuen neue Abzeichen im Pelz herauszubilden. Es ist nicht übermäßig auffällig, da sich der Prozess mit dem Fellwechsel vermischt, aber irgendwie sehen ein paar Rudelmitglieder ein ganz klein bisschen anders aus als sonst, oder? Was aber definitiv jedem an diesem Tag auffällt ist das weiße Nordlicht, dass am Himmel erschienen ist. Genau wie es nach jenem Tag im letzten Winter auftauchte.

Ab 6 Tagen werden hier User darauf hingewiesen, wie lange sie schon mit Schreiben dran sind. Diese User dürfen nach dem Ermessen des Wartenden übersprungen werden.


Sheyna seit: 146 Tagen
Yavinja seit: 83 Tagen
Caspar seit: 43 Tagen
Saiyán Tendes seit: 26 Tagen


Tears of Destiny » Zwischen den Plots » Nebenrollenspiele » Abgeschlossene Gespräche » I don't want you to see me like that

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I'LL TRY TO PICTURE ME WITHOUT YOU BUT I CAN'T
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Kati H. - dawnthieves.de

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Einen Tag nach Leises Winterleuchten, früher Morgen.


Es war wieder einer dieser Tage, an denen Aiyán schon wusste, dass nicht viel passieren würde. Er hatte das im Gefühl, auch weil es in letzter Zeit häufiger vorgekommen war. Wenn er aufwachte und keine Lust darauf hatte, nach Sai Ausschau zu halten oder sich sonst jemanden zu suchen, mit dem er sich die Zeit ein wenig vertreiben konnte, stand ihm in den meisten Fällen ein sehr ereignisloser Tag bevor. So wie heute. Er ließ den Blick über die Anderen schweifen und stempelte alle gedanklich mit einem „Nein“ ab. Keine Lust auf Kenayos Gerede, keine Lust auf tiefsinnige Gespräche mit Toboe, keine Lust auf … wasauchimmer mit Teyrm, keine Lust auf Schweigen mit Kiba und Yago. Nicht, dass er nicht gern in deren Nähe war. Aber das war halt … auf Dauer nichts, das ihn begeisterte. Wäre wohl auch nicht angemessen. Aber konnte er schweigen, konnte er auch stattdessen einfach bleiben, wo er war. Er schnaufte und beobachtete, wie der Schnee vor seiner Nase zu Wasser wurde und kleine Löcher in das restliche Weiß fraß. Sai schlief neben ihm, aber er hatte aus irgendeinem Grund keine Lust, ihn zu wecken. Das beunruhigte ihn etwas, aber er wollte nicht genauer darüber nachdenken. Vielleicht war er heute einfach zu faul, um sich aufzuraffen, mit ihm ein bisschen Blödsinn zu machen.
Er stand schließlich bewusst leise auf und ging die ersten paar Schritte behutsam durch den festgetretenen Schnee, dann entspannte er sich etwas. Soweit er das beurteilen konnte, war Sai nicht aufgewacht und niemand sonst schien Notiz von ihm genommen zu haben. Ohne Eile lief er durch den Schnee bis zum Ufer des Tear Mirrow, wo er eigentlich hoffte, eine dünne Stelle im Eis zu finden, die er durchstoßen konnte. Schnee zu fressen gefiel ihm nicht, auch wenn es den gleichen Zweck erfüllte und den Durst löschte. Aber es schmeckte anders, weit weniger gut, vor allem wenn der Schnee schon einige Tage alt war. Der See aber war von der dicken, unbeschädigten Eisfläche bedeckt, die das Wasser für die Wölfe unerreichbar machte. Er schnüffelte am Ufer und kratzte probehalber mit den Pfoten dort herum, wo das Wasser sonst aufhörte, aber er wühlte nur zusammengefrorene Kieselsteine und Eissplitter auf. Schnaufend gab er auf und wandte sich wieder ab, füllte seinen Fang im Weggehen mit einer Ladung Schnee und gab sich damit schließlich zufrieden.

Mehr als einen Monat lang hatte er es nicht gewagt, zu nah an Ashlynn heranzutreten, aus Angst, irgendetwas könnte passieren, das ihm nicht gefiel. Anfangs hatte ihn das nicht gestört, zumal auch sie scheinbar versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen. In der ersten Zeit hatte sich alles um Kiba gedreht, da war es nicht schwer gewesen, andere Problemchen zu vergessen. Aber mit der Zeit hatte er gemerkt, wie er sie hin und wieder von weitem beobachtete und wie er sich vorstellte, einfach zu ihr gehen zu können, unbekümmert. Für ein bisschen Spaß. Schließlich hatte er nach Ersatz gesucht und war damit ziemlich auf die Nase gefallen, auch wenn er das nicht so ganz zugeben konnte. Sie fehlte ihm, auch wenn sie anwesend und in der Nähe war. An der Situation hatte sich ansonsten wenig geändert, noch immer beobachtete er mit Angst und Sorge Saiyáns Verhalten. Aber was sollte sich auch ändern, wenn er sich ausschwieg und abwartete? Als er jetzt Ash etwas abseits der Anderen sah, beschloss er – den Fang erneut voller Schnee – es offener anzugehen als beim letzten Mal. Er hatte sich lang genug zurückgezogen wie ein beleidigter Welpe, der nicht reden wollte.
Im Bogen ging er auf sie zu und ließ sich dabei viel Zeit – er hatte es nicht eilig. Im Abstand von etwa zwei Metern setzte er sich zu ihr und sah sie vorsichtig an, die Rute wischte über den Schnee.

„Hey Ash …“, begrüßte er sie leise und zögerte dann, weil er nicht wusste, was er sagen wollte. Seine Ohren drehten sich nach hinten und legten sich leicht an den Hinterkopf.
„Ich möchte mich bei dir entschuldigen … weil ich dich damals im Wald so angegangen bin und weil … weil ich so lange gebraucht hab, um zu begreifen, dass das falsch war.“

31.01.2014 14:20
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27.03.2011

WENN SIE NACHTS DURCH FREMDE WELTEN STREIFT
UND DES DÄMMERSCHLAFES SCHWERE
SIE IN SEINE TIEFEN REISST


Mit einem tiefen Atemzug erwachte sie aus ihrem Traum und blinzelte in die bitterkalte Winterluft. Es dauerte einen Augenblick, bis sich die Traumbilder in ihren Gedanken von der Realität spalteten und ihr bewusst wurde, dass sie keines der Gesichter, die sie die Nacht über begleitet hatten, in dieser Welt erblicken würde – abgesehen von Mhairi natürlich, was ihr wiederum ein unsichtbares, aber beruhigtes Lächeln auf die hellen Lefzen zauberte. Merkwürdiger Weise aber hatte sie trotz all der Erinnerungen, die die Traumgestalten aufgewühlt hatten, kein schlechtes Gefühl dabei. Vielleicht war es, weil sie wusste, dass sie sicher war – vielleicht aber auch, weil sie dank der Anwesenheit ihrer Mutter und dem gestrigen Gespräch endlich mehr Frieden hatte schließen können. Wahrscheinlich war auch genau dieser Gedankenaustausch der Anstoß für ihre Träumerei gewesen, doch die Bunte wollte sich nicht weiter damit beschäftigen. Es war vergangen und obschon die Hoffnung in ihrem Inneren nicht starb, dass einer ihrer Brüder vielleicht doch zum Glück fanden, war sie ganz froh drum, sie hinter sich gelassen zu haben. Ein weiteres Mal schnaubte sie, als wolle sie die Bilder vor ihrem inneren Auge vertreiben, ehe sie sich erhob, um nicht nur ihren Schlafplatz, sondern auch die gestaltlose Anwesenheit der beiden Rüden in der Dunkelheit zurückzulassen. Unweit entfernt erkannte sie den melierten Pelz ihrer Mutter, doch das war nicht das Ziel, welches sie in diesen Morgenstunden hatte.

Sie wollte laufen, wollte vergessen und sich gleichzeitig doch an die Zeit erinnern, die sie zu der gemacht hatte, die sie war. Es fiel ihr schwer, im Nachhinein all das Elend nachzuvollziehen, welches sie letztendlich in die Flucht geschlagen hatte – der Gedanke, dass alles nur halb so wild gewesen war, hatte sie oft ereilt, doch die Furcht in ihrem Inneren hatte sie davon abgehalten, kehrtzumachen; glücklicherweise wohl bemerkt, denn wer wusste schon, was Cináed mit ihr angestellt hätte. Und doch tat sie sich noch immer schwer, etwas anderes als Mitleid und den ewig währenden Wunsch nach Anerkennung ihm gegenüber zu empfinden – neben der Angst, verstand sich, die sie sich niemals eingestanden hatte. Ziellos führte sie ihr Weg schließlich in die Richtung des Ufers und ein paar Meter daran entlang, ehe sie wieder abdriftete und den alten Spuren eines Hasen folgte, der wohl am Vorabend eine ruhige Minute genutzt hatte, um diesen Teil des Reviers nach Futter abzusuchen. Sie hatte nicht wirklich vor, die Fährte weit zu verfolgen – das Langohr war ohnehin bereits über alle Berge und wirklich Appetit hatte sie auch nicht – und schon bald sah sie wieder auf, woraufhin sich ihr bernsteinfarbener Blick kurz auf die Sichel des Mondes richtete, die verhalten hinter dem Hochnebel hervorlugte. Der Anblick schaffte es, die Unruhe in ihrem Inneren etwas zu besänftigen, sodass sie für wenige Herzschläge die Augen schloss – so lange jedenfalls, bis der Schnee sie davon in Kenntnis setzte, dass sie offenbar nicht mehr alleine war. Sie wandte den Kopf herum und während ihre Augen sie davon überzeugen wollten, dass es Saiyáns blaue Seelenspiegel waren, die ihr entgegenblickten, überzeugte ihre Nase sie von etwas ganz anderem. Unsicher legten sich ihre Lauscher dicht an den Kopf, während der Rüde weiter auf sie zuschritt und ihr Herz wieder schneller zu schlagen begann. Die Situation verunsicherte sie. Sie hatte sich längst damit abgefunden, den Abstand zu ihm zu suchen, wenn es das war, was er wollte. Sie akzeptierte. Denn das Kämpfen in ihrem Falle stets vergebens war, hatte sie recht früh und schmerzhaft lernen müssen. Ihre Gedanken drehten sich und verhinderten, dass die junge Wölfin sich darüber klar werden konnte, was sie davon halten sollte. Natürlich – die Hoffnung wog schwer auf ihrem Herzen, doch die Angst vor Ablehnung war ein treuer Begleiter, der ihrem Schatten gleich an ihrer Seite wachte. Die Ablehnung ihres Freundes hatte sie schon einmal gespürt – und wenn sie ehrlich war, war vielleicht auch die Furcht vor eben diesem Moment - vor der Möglichkeit der Wiederholung mit ein Grund gewesen, dass sie bewusst Bögen um den jungen Rüden gezogen hatte.

„Hey.“, erwiderte sie leise und hatte sich mittlerweile umgewandt, sodass sie seitlich und nicht mehr mit dem Rücken zu ihm stand, wie es zuvor der Fall gewesen war.

Sie konfrontierte ihn nicht direkt, wollte ihn nicht zu irgendetwas herausfordern, indem sie seitwärts stand, und wirkte dennoch standhafter als das letzte Mal, als sie sich gegenübergestanden hatten. Als er fortfuhr, schwieg sie fürs erste, blickte ihn an und spielte unentschlossen mit den Ohren. Sie war sich nicht sicher, wie viel sie auf diese Entschuldigung setzen konnte – wie oft hatte Saiyán seine Worte gebrochen, ohne dass sie ihm je hatte böse sein können, weil sie es sich – in ihren Augen – schlichtweg nicht erlauben konnte? Doch Aiyán war nicht Saiyán, das war ihr durchaus bewusst. Aiyán dachte nach, bevor er sprach – öfter jedenfalls – doch das war der alte Aiyán. Was war mit dem Rüden, der vor ihr stand; mit dem Rüden, bei dem sie sich so schwer getan hatte, ihren Freund, ihre Familie wiederzuerkennen? Doch Ashlynn konnte es sich nicht erlauben, zu zweifeln – nicht, dass sie es nicht dennoch tat – denn sie war nicht der starke Part, so gerne sie es gewesen wäre. Doch auch diese Erkenntnis befreite sie nicht vom Zugzwang. Nervös fuhr sie sich mit der Zunge über die Lefzen, als sie die Vermutung ereilte, dass sie bereits zu lange schwieg.

„... Willst du mich ein Stück begleiten?“, zog sie sich schließlich aus der Affäre und hoffte, dass es sie damit drumherum kam, genauer darauf einzugehen.

Die Situation überforderte sie und sie erhoffte sich, der Anspannung mit ein bisschen Bewegung entfliehen zu können.

„Hast du... Hast du mit Saiyán geredet?“

Vorsichtig nur formulierte sie diese Frage, in der sich abermals die Sorge widerspiegelte, die sie Aiyán gegenüber empfand. Sie glaubte nicht wirklich daran, dass Saiyán der richtige Gesprächspartner für irgendwelche Probleme war – etwas, was sie mittlerweile des öfteren festgestellt hatte – doch sie konnte sich keinen anderen Wolf vorstellen, dem sich der Schwarze anvertrauen würde. Und dass etwas nicht stimmte, war mehr als deutlich gewesen.


komm mir nicht zu nah, sonst kann's gescheh'n
Einmal will ich hoch zur Sonne schweben und mich von mir selbst befreien
Einmal nur lass ich los, denn ich will fliegen wie der Phönix aus der Glut

dass wir beide lichterloh in flammen steh'n
04.02.2014 00:13
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Gut, er war ein bisschen mit der Tür ins Haus gefallen, das stimmte. Aber er hatte auch nicht damit gerechnet, dass Ash freudestrahlend und rutewedelnd auf seine Entschuldigung reagieren würde. Trotzdem, er war der Meinung, dass es nur so funktionieren konnte. Es brachte nichts, erst ewig lang zu erklären, dass er nachgedacht hatte und dass er sich mit der Situation nicht wohl fühlte. Allerdings fühlte er sich auch jetzt nicht wirklich wohl. Er sah sie abwartend an und gab sich Mühe, aufgeschlossen und freundlich zu wirken, auch wenn er keine Ahnung hatte, wie gut das funktionierte. Sie wirkte unsicher, wie so oft. Immer noch ein bisschen so, als hätte sie Angst vor ihm, oder dem was er von ihr wollen könnte. Und als würde sie abwägen, ob sie ihm glauben sollte.

Sie schwieg so lange, dass er sich beherrschen musste, nicht noch irgendetwas zu sagen, einfach um das Schweigen zu überbrücken. Und obwohl er gedacht hatte, er wäre ruhig, machte ihn das Warten nun doch nervös. Die schwarzen Ohren drehten sich nach hinten und er unterbrach den Blickkontakt kurz, nur um ihn gleich darauf wieder zu suchen. Und als die drückende Stille schließlich durch Ash beendet wurde, stimmte er geradezu erleichtert mit einem Nicken zu. Langsam schloss er sich ihr an, so dass er neben ihr gehen konnte, vorerst ohne etwas zu sagen. Eine Reaktion auf seine Entschuldigung stand nämlich immer noch aus, das war ihm sehr wohl bewusst. Aber er versuchte, ihr Zeit zu geben.

Aber eine direkte Antwort bekam er keine. Stattdessen fragte Ashlynn nach seinem Bruder. Er sah geradeaus nach vorn und dachte an den vergangenen Monat, in dem er natürlich nicht auf Sai zugegangen war, um ihm zu sagen, was für Bedenken er seinetwegen hatte. Sein Bruder hätte ihn ausgelacht, das wusste er genau, egal wie er es ausgedrückt hätte. Und er schämte sich selbst für das, womit er haderte. Seine Angst, Saiyán an Ashlynn zu verlieren, war ihm unangenehm. So etwas sollte ihn nicht beschäftigen und nicht so einschränken wie es das all dem zum Trotz tat.

„Nein“, antwortete er knapp, aber wahrheitsgemäß.

Er hätte lügen können, er hätte ja sagen können, weil er natürlich schon mit Sai gesprochen hatte. Nur nicht über das, was Ash meinte. Aber einen echten Grund dazu sah er nicht, es wurde nicht einfacher, wenn er die Wahrheit verschwieg. Was er Ash anbot, war eine ehrliche Entschuldigung und die konnte nicht funktionieren, wenn er sie in kleine Lügen einpackte.

„Hast du?“, stellte er schließlich die Gegenfrage, die sich ihm schon länger aufgedrängt hatte. Wusste Saiyán Bescheid? Was sollte er machen, wenn Ash und Sai abseits von ihm schon gerätselt hatten, was los war?

19.02.2014 20:13
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WAS IT A LIE
WHEN HE PROMISED YOU A HOME?


Sie hatte das Gefühl, das Klopfen ihres Herzens in ihren eigenen Ohren zu hören, zu spüren und egal, wie oft sie sie möglichst unauffällig drehte – es ließ nicht nach. Innerlich spürte sie, wie viel von diesem Moment abhängen musste, wie viel es falsch zu machen, wie viel es zu verlieren gab. Sie war nicht stark, nicht mutig – nicht selbstbewusst genug, als dass sie auch nur einen Augenblick wirklich der Meinung war, richtig zu handeln. Ganz gleich, was sie tat, früher oder später hatte es immer jemanden gegeben, der sie oder ihre Entscheidungen kritisiert und sämtliches Gefühl von Erfolg zunichte gemacht hatte und letztendlich hatte sie genau das zu einem Wolf gemacht, der nur selten mit sich selbst zufrieden war; sie fürchtete sich davor, falsch zu handeln, im Endeffekt aber ließ sie sich selbst gar keine andere Wahl. Erfolg war nichts von Dauer und Glück nichts Beständiges – etwas, was sie nach jedem Anflug von Optimismus immer wieder neu lernen musste. Jeder Augenblick hatte gute und schlechte Seiten – gute Seiten, an denen sie sich festhielt und von dem sich ihr Optimismus und ihre Zuversicht ernährte; schlechte Seiten, die sie immer wieder in den Schatten zurück lockten und sie vor die Erkenntnis stellten, dass sie sich selbst der größte Feind war, gegen den sie nicht alleine ankommen konnte. Unsicherheit war das Resultat, der Versuch, sich an jedes Wort, jede Tat zu heften und mit unterschütterlichem Vertrauen daran festzuhalten, bloß um letztendlich doch wieder enttäuscht zu werden. Saiyán hatte so oft sein Wort gebrochen und trotzdem hielt sie an ihm fest – sie brauchte ihn, so wie sie Aiyán brauchte, um die Augen davor verschließen zu können, dass sie den inneren Kampf im Grunde ihres Herzens doch alleine verlieren musste. Mit jedem Vertrauensbruch starb etwas von ihrem Glauben, ihrer Hoffnung, doch was sollte sie schon daran ändern, wenn sie sich nicht einmal vor sich selbst retten konnte? Ein Funken Selbstschutz hatte all das Zurückliegende bereits entfacht; der Grund vielleicht, weshalb sie standhafter wirkte als zuvor, doch was brachte Schutz, wenn man den Feind im falschen Pelz erkannte?

Die Stille um sie herum wirkte unwahrscheinlich schwer und eine Ewigkeit lang, ehe Aiyán auf ihre Frage antwortete. Innerlich zuckte sie leicht zusammen, schluckte, und warf ihm einen flüchtigen Blick zu, ehe sie wieder ein wenig gezwungen nach vorne sah. Was hatte sie erwartet? - Besser noch, was wollte sie jetzt mit dieser Antwort anfangen? Sie nahm es zur Kenntnis und doch überforderte sie diese Mitteilung in ihrer augenblicklichen Lage ungeheuerlich. Er hatte nicht mit ihm geredet und er würde es auch nicht tun – so weit konnte die Bunte Eins und Eins dann doch noch zusammenzählen, obschon es sie wieder vor die Frage stellte, wie sich etwas ändern sollte. Eine Mischung aus Überforderung und Verzweiflung legten sich fester um ihr Herz, während sie die Ohren noch ein wenig zurückdrehte, bis der Dunkle an ihrer Seite fortfuhr.

„Er weiß, dass ich mir Sorgen mache.“, gab sie zurück und hob die bernsteinfarbenen Augen zu seinem Antlitz.

Es klang so unheimlich lächerlich in ihren Ohren und fast befürchtete sie, ein ähnliches Gelächter zu hören zu bekommen, wie damals, als sie es Saiyán gegenüber erwähnt hatte. Eine Tatsache, die ihr jetzt erst so richtig bewusst wurde. Für einen kurzen Augenblick flackerte das Bild vor ihrem inneren Auge auf, welches sie an jenem Tag im Kristall gesehen hatte – Sie waren glücklich gewesen, eine Einheit, ein Team. Damals hatte sie daran geglaubt, inzwischen aber taumelte das Bild der beiden Rüden um sie herum ebenso, wie sie selbst es tat. Sie blinzelte, als der Traum der vergangenen Nacht versuchte, sich in ihre Gedanken zu mischen und an der Stelle der beiden Jungrüden nach und nach die Gesichter ihrer Brüder auftauchten. Da war es doch fast eine Erlösung, aufzusehen und dem wahrhaftigen Gesicht des einen Zwilling entgegenzusehen. Ein leiser Trost, ehe sich wieder die Stille an sie schmiegte und sie sich selbst in Zugzwang brachte.

„Aber er ist der Meinung, dass alles in Ordnung ist. Und wenn es jemanden gibt, der weiß, was in dir vorgeht, dann wohl nur Saiyán, mh? Also wird wohl alles stimmen und ich habe... mich einfach getäuscht.“

Es war so viel einfacher, sich Fehler einzugestehen, statt auf seiner Meinung zu beharren. Sie sorgte sich noch immer, aber weitaus mehr Angst machte es ihr, alleine dazustehen. In ihrem Fall war ein weiterer Fehler auch nicht wirklich verwunderlich. Je länger sie es sich einredete, desto wahrscheinlicher wurde es in ihren Gedanken sogar, dass sie überreagiert hatte, dass sie zu sensibel war. Sie versuchte sich an einem Lächeln. Ein bisschen war es doch alles wie damals.


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23.03.2014 01:45
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Ai war sich völlig im Klaren, dass es so nicht weitergehen konnte. Deshalb war er ja auch auf Ash zugegangen, er wollte das halbwegs aus der Welt schaffen, was ihm den Weg verstellte. Er war eigentlich davon ausgegangen, dass eine Entschuldigung genügen würde, zumal das für seine Verhältnisse auch keinen gerade geringen Aufwand bedeutete. Wenn er sich entschuldigte, bedeutete das, dass er einen Fehler in seinem Verhalten erkannt, eingesehen und bedauert hatte, dass er sich bewusst war, Unrecht getan zu haben. Und dass er eben dieses ungeschehen machen wollte. Für den Schwarzen war das sehr viel. Nun kam es darauf an, ob sein Gegenüber das erkannte oder mehr verlangte. Und ob er – wenn die Entschuldigung nicht reichte – dazu bereit war, noch mehr zu geben. Es hing viel an seiner Stimmung. Und die war im Moment eher positiv. Bei Ashs Worten sah er sie an und wusste nicht so recht, was er darauf erwidern sollte. Also senkte er nur den Kopf und deutete damit ein zur Kenntnis nehmendes Nicken an. Im Gegensatz zu seinem Bruder war ihm klar, dass ihre Sorge berechtigt, aber nicht notwendig war. Sie war nicht notwendig, weil sie irgendwie nichts brachte. Nur deshalb würde sich nichts an der Situation ändern, die ihr Dreiergespann zerschnitt.

Als sie ihn ansah und schließlich fortfuhr, legten sich auch seine Ohren leicht an. Für sie klangen ihre Worte bittersüß, als wüsste sie ganz genau, dass sie nicht stimmten. War es am Ende vielleicht sogar so? Er starrte sie unbeirrt an und rang mit der Verlockung, ihr einfach zuzustimmen. Es hätte das Ganze hier abgekürzt und ihm einiges erspart, aber das Grundproblem wäre geblieben. Und an dem lag ihm etwas, auch wenn er bezweifelte, etwas daran ändern zu können. Er erwartete keine Hilfe von Ashlynn oder Saiyán, keine Tipps, wie er mit seinen Bedenken umgehen sollte, damit sie sich in Luft auflösten. Und er erwartete erst recht nicht, dass Sai und Ash weniger zusammenhingen. Letzteres wünschte er sich zwar, aber er wusste ganz genau, dass er das nicht verlangen durfte. Als die kleine Wölfin neben ihm ein wenig lächelte, hatte er sich bereits entschieden. Er erwiderte ihren Blick ernst und ein wenig zu sicher für sein eigenes Gefühl.

„Sai weiß schon längst nicht mehr alles“, widersprach er ruhig. Was er als nächstes sagen wollte, verschwieg er in letzter Sekunde dann doch, weil er damit sowohl seinem Bruder als auch der braun-weißen Fähe Vorwürfe gemacht hätte. Ash war so empfindlich, wenn er jetzt direkt damit herausrückte, was ihn störte, würde sie bestimmt vor Schreck halbtot umfallen. Jetzt hatte er ihr aber indirekt schon widersprochen, also musste er vermutlich auch erklären, was er hatte. Unzufrieden seufzte er.

„Es ist einfach nicht mehr wie früher mit ihm. Er ist öfter bei dir als bei mir … und das stört mich. Es macht mir Angst.“

Ja, vielleicht lag es an ihm. Aber er legte es auch nicht darauf an, seinem Bruder die Misere zu erklären. Der würde eh lachen oder ihn für dämlich erklären, dass er so etwas behauptete. War ja nicht so dass Ai die Momente zählte, in denen er sah, dass sein Bruder bei Ash war – und die dann denen gegenüber stellte, die die Zwillinge zusammen verbrachten. Nur sein Gefühl sagte ihm, dass er das Verhältnis nicht in Ordnung fand.

„Ich weiß, das müsste ich eher ihm sagen. Aber du kennst ihn, du weißt wie er ist. Er würde über mich genauso lachen wie über dich.“

Er klang ein bisschen so, als würde er Ash einfach über den Stand der Dinge informieren; abgeklärt, sachlich und ohne Plan, etwas ändern zu wollen. Genau so fühlte er sich beim Reden aber auch. Nicht dass er nichts ändern wollte, er glaubte nur nicht daran, dass es überhaupt möglich war. Das Ganze war sein Problem, nicht das von Ash oder Sai. Er erklärte es ihr nur, weil sie es hören wollte.

12.04.2014 19:29
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27.03.2011

IF THE SKY WE LOOK UPON SHOULD TUMBLE AND FALL
ALL THE MOUNTAINS MAY CRUMBLE TO THE SEA


Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass es ihr je schwerer gefallen war, etwas zu sagen. Ihrem Vater gegenüber war sie meist gar nicht zu Wort gekommen, sodass ihr Schweigen nie wirklich aufgefallen war. Sie hatte nicht sprechen sollen; das hatte die Tatsache, dass sie keine Worte gefunden hätte, perfekt in den Hintergrund geschoben. Jetzt aber musste sie sprechen und sie wusste, dass jedes Wort das falsche sein könnte. Die Richtung, die sie einschlug, war nicht die beste, nicht die richtige und dennoch die einzige, zu der sie sich in der Lage fühlte und von der sie sich irgendetwas erhoffte. Oberflächlichkeit war es doch gewesen, was Aiyán sich wünschte, oder nicht? Dass sie nicht nachfragte, wenn sie das Gefühl hatte, dass es ihm schlecht ging und dass sie seine Probleme nicht zu interessieren hatten. Ash hatte ein gänzlich anderes Bild von Freundschaft. Es gab keine Probleme, die den einzelnen betrafen; man hielt zusammen, ganz gleich, wie groß oder wie dämlich ein Problem auch war. Aber wenn sie hier mit eben dieser Einstellung nicht weiterkommen konnte, wurde es Zeit für sie, sich zu ändern, sich anzupassen und hinzunehmen, dass sie falsch lag und abermals einem Geist nachjagte, den es nicht gab. Einem Schein, wie es das Glück gewesen war, dem sie sich so nahe gefühlt hatte, bloß um letztendlich festzustellen, dass dort nichts war, an dem sie sich festhalten konnte. Sie spürte, dass sie mit ihrem Problemen allein dastand. Erst hatte Aiyán sie für ihre Sorgen abgewiesen und schließlich hatte Saiyán ihr nicht mehr als Gelächter entgegenbringen können. Und wenn man es genau nahm, war sie nun die Dritte im Bunde, die sich damit im Stich ließ. Sie hatte nicht einmal den Mut zu sich selbst zu stehen und wählte weitaus lieber den Weg des geringsten Widerstandes. Anpassung und Akzeptanz.

Sie hatte das Gefühl, kaum Luft zu bekommen, während sie sprach. Einerseits fühlte es sich an wie eine Niederlage, auf der anderen Seite aber war es gleichzeitig eine Erleichterung, sich den Fehler einzugestehen. Es machte es leichter, damit umzugehen, jetzt wo es erst einmal ausgesprochen war. Dass es nicht stimmte, hatte längst an Wert verloren und spielte keinerlei Rolle mehr. Gleichzeitig aber erfüllte es sie mit Elend, zu wissen, dass sie offenbar nicht einmal im geringsten so vertrauenswürdig war, wie es Aiyáns Bruder offenbar für ihn war. Daran, je den gleichen Stellenwert zu besitzen, hatte sie nicht einmal in ihren Träumen geglaubt, doch sie hatte zumindest die Hoffnung gehabt, dass dort irgendetwas war; dass es irgendetwas gab, wo man ihre Hilfe in Anspruch nahm oder sie zumindest einweihte. Ein unwohler Stich zog sich durch ihre Magengegend, während sie die Seelenspiegel für einen Herzschlag schloss und letztlich den Blick wieder zum Blauauge neben sich hob. Auf seinen Fang zumindest – seinen Blick zu erwidern fiel ihr zu schwer. Was er sagte, beunruhigte sie abermals, doch sie schwieg wohl wissentlich, dass es wohl besser war. Erst, als er fortfuhr, hatte sie abermals das Bedürfnis zu widersprechen. Saiyán war nicht öfter bei ihr als bei seinem Bruder. Aiyán war öfter fort als bei ihnen. Wie oft hatten sie ihn gesucht und nicht gefunden? Der erste Andrang verflog recht schnell und ihr wurde bewusst, dass es wohl eine Sache des Blickwinkels war. Was auch immer Aiyán für Gründe gehabt hatte, nicht da zu sein – er hatte offenbar auch genug Gründe gehabt, um nicht dazuzukommen, immerhin war nur mehr als offensichtlich, dass er sie beobachtet hatte. Und seine Worte ließen vermuten, wo genau dieser Grund lag. Bei ihr.

Sie schluckte trocken und blickte wieder auf den Weg, der vor ihnen lag. Jeder andere hätte die Sache wohl nicht ganz so ernst genommen und dem Jüngeren deutlich gemacht, dass jegliche Eifersucht unnötig war. Ash hingegen fühlte sich schuldig – Schuldig für etwas, was sie nie hatte begehen wollen. Sie waren Brüder. Und ihre letzte Absicht war es gewesen, sie gegeneinander auszuspielen. Sie hatte immer versucht, auch Toboe einen Platz in diesem Gespann zu verschaffen; ihnen zu zeigen, was eine Familie war. Sie hatte sich wohlgefühlt und das erste Mal in ihrem Leben tatsächlich das Gefühl gehabt, dazuzugehören, bloß um jetzt festzustellen, dass es eine Lüge gewesen war. Ihr Platz kostete einen anderen den Platz. Einen anderen, der ihn ohne Zweifel mehr verdient hatte als sie.

„Ja, ich kenne ihn.“, antwortete sie automatisch, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein.

Es klang so falsch in Anbetracht der Situation.

„Du musst dir keine Sorgen machen, Aiyán. Du bist... sein Bruder.“

Es klang so selbst verständlich und so logisch für sie, dass sie es tatsächlich schaffte, abermals ein gebrochenes Lächeln aufzusetzen. Ihre Brüder waren auch unzertrennlich gewesen. Und auch in ihren Reihen hatte es keinen Platz für eine schwache, unsichere Fähe gegeben.

„Ich zweifle nicht daran, dass er dich mir jeden Augenblick vorziehen würde. Er hat immer nach dir gesucht, wenn wir zusammen waren.“

Sie wünschte sich, die Sache aus der Perspektive eines Unbeteiligten heraus betrachten zu können. Dann wären ihr die Worte weitaus einfacher über die Lefzen gekommen. Doch auch so war sie überzeugt, dass es das einzig richtige war. Sie wollte nicht, dass es ihretwegen irgendjemandem schlecht ging. Sie steckte zurück, solange es bedeutete, dass es Aiyán half. Wenn er nicht glücklich war, war sie es auch nicht. Und wenn er es war, dann war es wenigstens einer von ihnen.


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12.05.2014 22:36
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09.07.2006

(Verflucht, sorry sorry sorry dass es so ewig gedauert hat <3)

Er hatte ihr nie wirklich eine Absicht unterstellt. Und das tat er auch jetzt nicht, ohne dass er darüber nachdenken musste. Aiyán war kein Verschwörungstheoretiker, kein besessener Wolf der daran glaubte, dass alle etwas gegen ihn im Schilde führten. Viel eher nahm er die Sache als eine Verkettung unglücklicher Umstände hin, auch wenn er das nicht kampflos tun konnte. Und wenn er dieses Gespräch als Teil des Kampfes betrachtete, konnte er es ruhiger und offener führen, denn er wusste, dass es etwas bewegen würde. War nur die Frage, in welche Richtung es ging. Da gab es nämlich mehrere Optionen und nicht alle waren gut für seine Siegchancen. Andererseits war er sich selbst noch nicht im Klaren darüber, was er wollte. Doch, das wusste er schon, aber er war kein naiver Jungwolf, der sich störrisch sagte „Es soll wieder genauso sein wie früher, da war es besser!“. Dass das so einfach nicht klappte, wusste er, deswegen dachte er darüber gar nicht mehr nach. Was wollte er denn? Saiyán wieder so sicher an seiner Seite wissen, wie er wusste, dass die Sonne am Morgen aufging. Er wollte Ashlynn dabei haben, aber ohne in ihr eine Bedrohung zu sehen. Und ihm war völlig klar, dass das Problem damit bei ihm lag, dass er mit seinem Kopf etwas machen musste, um da hin zu kommen. Nur war jedes Gespräch der Welt leichter als das. Als Ash schließlich antwortete, sah er zu ihr und nickte kaum merklich, als sie ihm gewissermaßen zustimmte. Sai würde lachen, er würde es nicht verstehen. Und er konnte es ihm nicht einmal verübeln.

„Es ist lächerlich, oder? Vielleicht werde ich paranoid, verrückt wie Akara.“

Bedauernd schüttelte er den massigen Kopf und sah kurz zu Boden, betrachtete ihre Vorderläufe im Schnee. Er wollte dass sie blieb, sie sollte gar nicht raus aus diesem Dreieck, das sie bildeten. Oder vielleicht nicht mehr bildeten, jedenfalls war es mindestens brüchig. Er war sich seiner Schuld daran bewusst, aber sie zu akzeptieren fiel ihm zu schwer. Und er schämte sich nicht, sich besser zu fühlen, als Ash auf ihre Brüder-Beziehung hinwies. Aber dass er Sais Bruder war, machte ihn gleichzeitig auch langweilig. Unspannend, alt, immer da. Er war immer da. Ash war nun wirklich nicht mehr neu im Rudel, aber sie war so gesehen neuer als er. Und sie war eine Fähe. Vielleicht lag da der Hase begraben. Wie doof war er eigentlich, dass er auf eine Fähe eifersüchtig war? Er begehrte sie nicht. Eifersüchtig war er auf eine Beziehung, die er für sich selbst eigentlich gar nicht wollte. Als er sich dessen bewusst wurde, runzelte er die Stirn und sah Ash eine Weile mit einer Mischung aus Irritation und Offenbarung an.

„Du hast Recht“, murmelte er und sah zu Seite, als säße da Saiyán, der zufällig am Gespräch teilnahm. Sie hatte Recht damit, dass er sein Bruder war. Das war bei weitem keine neue Erkenntnis für ihn, aber es hatte eine angestoßen. Er blinzelte. Auch wenn es ihm absurd vorkam, er hatte das Gefühl, seine Gedanken irgendwie erklären zu müssen, auch wenn das alles für Ash wahrscheinlich nichts neues war.
„Er mag dich, sehr sogar. Anders als ich dich mag. Und ganz anders als er mich mag.“

Jetzt lächelte er, offen und ungezwungen. Diese Erkenntnis war so simpel, dass er sie lange übersehen hatte. Aber er glaubte sie und das nahm ihm eine Last, die er schon ziemlich lange mit sich herumgeschleppt hatte und die mit der Zeit immer schwerer geworden war. Es gab keinen Grund, Angst zu haben, weil Ash keine Konkurrenz war. Denn Sai konnte sie nicht mehr lieben als ihn, sondern nur anders. Und anders ging für Aiyán vollkommen in Ordnung. Erleichtert trat er einen Schritt vor und berührte sie mit der Schnauze am Fang.

„Ihr werdet irgendwann für den Rudelnachwuchs sorgen, klar? Cooler Vater, cooler Onkel und eine kluge Mutter, die Idioten wieder zur Vernunft bringt, ohne dass sie es merken … besser geht’s doch gar nicht. Ash ...“ Er lächelte und bewegte sich zurück, so dass er sie wieder ordentlich ansehen konnte. „... danke.“

16.06.2014 22:09
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Ashlynn schnippte mit den Ohren, als Aiyán auf Akara zu sprechen kam. Mit einem traurigen Lächeln schüttelte sie den Kopf und auch, wenn ihr ganz und gar nicht nach Lachen zumute war, entlockte ihr dieser Vergleich ein unscheinbares Kichern. „Sag sowas nicht.“ Dem Drang, ihn kurz mit dem Fang zu berühren, widerstand sie und wandte stattdessen den Blick wieder nach vorne. Sie wusste nicht, wohin ihr Gespräch führen sollte – im Grunde war für sie alles klar. Sie war das Problem, sie musste fort, dann konnte alles so werden, wie es vorher gewesen war. War das Leben nicht immer so? Man teilte seine Wege eine Zeit lang, bis sie sich letztendlich wieder trennten. So war es mit Awân gewesen, so war es offensichtlich auch mit ihren Eltern gewesen – so musste es auch hier sein. Eine neue Lektion, die sie lernen konnte – Glück war vergänglich, nichts Ewiges. Und wenn man es zu spät erkannte, war es bereits wieder fort, bis man es hatte greifen können. Als Aiyán wieder zu sprechen begann, sah sie flüchtig auf. Erst, als er sie mit einem Male ansah, als wäre es das erste Mal, dass er sie wirklich sehen konnte, erwiderte sie seinen Blick mit deutlicher Verwirrung.

„Eh?“, entwich es ihr scheu. Sein Blick weckte Unbehagen und als er weitersprach, blieb sie schließlich stehen. „Wa-Was?“

Ihre Ohren drehten sich nach hinten, ehe sie begann, den Kopf zu schütteln. Die Hitze stieg ihr in die Ohren und dennoch fiel ihr das Lächeln einfacher als zuvor. Zwar war es noch immer gebrochen, doch die Ehrlichkeit stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Das siehst du falsch, Aiyán.“ Liebe war ein so starkes Wort. Es war gelogen, wenn sie nicht zeitweise selbst daran geglaubt hätte, doch zu Liebe gehörte Vertrauen. Und Vertrauen konnte sie nicht aufbringen – zumindest nicht diese Art von Vertrauen. Mhairi hatte es ihr mehr als deutlich gemacht, ohne dass sie gewusst hatte, worüber sie wirklich geredet hatten. Saiyán war so wechselhaft, so unberechenbar und so vollkommen anders, wenn sie alleine waren. Er schaffte es immer wieder, sie zu verletzen und dennoch konnte sie ihm nicht böse sein. Nicht lange zumindest, egal, wie sehr sie es sich vornahm.

„Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Saiyán so etwas überhaupt empfinden kann.“ Ein Versuch, der ganzen Sache irgendwie auszuweichen. Wohl oder übel war sie darin noch immer ziemlich mies.


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Ihre Reaktion war so verblüfft und echt, dass er bei ihrem Anblick kurz lachen musste. Als hätte er etwas komplett absurdes gesagt! Es stimmte, er konnte es selbst nicht richtig einschätzen, weil er nicht aus eigener Erfahrung sprach, aber Saiyáns Verhalten machte Sinn, wenn man es aus dem Blickwinkel betrachtete. Auf eine saiyánische Weise Sinn, die er verstand, weil er sein Zwillingsbruder war. Dass Ashlynn ausschloss, dass das möglich war, lag daran, dass sie Saiyán anders sah. Beharrlich schüttelte er den Kopf, als sie widersprach.

„Du weißt nicht, wie er vorher war. Er war nie so zu jemandem, wie er zu dir ist.“

Dass sie seine eher humorvoll gemeinte Anspielung mit sichtlichem Unbehagen überging, motivierte ihn nur weiter, sie davon zu überzeugen. Obwohl er merkte, dass es ihr nicht gefiel, so ins Zentrum gerückt zu werden, blieb er dabei. Gerade als er fortfahren wollte, zweifelte sie an, ob Saiyán überhaupt in der Lage dazu war, was seine Euphorie deutlich ausbremste. Er runzelte die Stirn und die blauen Augen verengten sich leicht.

„Wieso denkst du das?“, fragte er etwas brüsk, so als hätte sie angezweifelt, dass ER dazu in der Lage war, so etwas wie Liebe zu empfinden.

17.01.2015 23:55
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Was hätte sie darauf schon entgegen sollen – sie wusste tatsächlich nicht, wie Saiyán gewesen war, bevor sie hier angekommen war. Ebenso aber wusste sie auch nicht, wie er zu anderen war, wenn sie alleine waren – etwas, was Aiyán wohl genauso wenig wissen konnte. Mit einer Mischung aus Verlegenheit und Scharm senkte sie abermals den Blick zu Boden. Wenn jemand den dunklen Rüden kannte, dann war es wohl Aiyán, doch egal, wie sicher sie sich in diesem Umstand war – gleichzeitig war es wieder ein Zeichen dafür, dass er unmöglich Recht haben konnte. Wie oft hatte sie sich mit ihrer Mutter darüber unterhalten und sich so ihre eigene kleine Utopie geschaffen? Ihr eigenes, kleines Bild von dieser Art des Glücks. Liebe war, wenn man sich nicht fürchten musste, etwas zu sagen. Wenn man wollte, dass der andere jegliche Geheimnisse von einem kannte, ohne dass man sich dafür schämte. Liebe war Vertrauen – blindes Vertrauen und Geborgenheit. Ash fürchtete sich davor, Saiyán zu vertrauen. Nichts, was sie davon abhielt, es immer wieder zu tun und doch enttäuschte es sie immer, wenn es eine Möglichkeit dazu gab. Sie verübelte es dem dunklen Zwilling nicht. In ihren Augen war sie ganz alleine Schuld daran. Immerhin wusste sie, was kommen würde, was sie nicht davon abhielt, immer wieder denselben Fehler zu begehen. Weil sie hoffte, dass es sich änderte, obschon sie wusste, wie unwahrscheinlich das war.

Aiyán wirkte auf ihren Ausflug etwas bestürzt. Die Bunte zuckte kurz mit den Ohren und hob den Kopf, bedachte den Rüden einen Augenblick schweigend und lächelte schließlich etwas sanfter als zuvor.

„Liebe heißt Vertrauen.“, gab sie schließlich leise die Worte ihrer Mutter wider. „Und du kannst nicht bestreiten, dass der einzige Wolf, dem Saiyán wirklich vertraut, du bist, Aiyán.“

Da konnte er ihr wirklich nicht widersprechen. Wenn sie ehrlich war, kannte sie wohl nicht einmal ein einziges seiner Geheimnisse – auch bei Aiyán fühlte sie sich mittlerweile vollkommen ahnungslos. Früher war es ihr egal gewesen, ach, nicht einmal aufgefallen. Aber mit einem Mal schien es so unendlich viel Gewicht zu haben, dass es sie traurig machte.

„Aber das ist gut so. Ihr seid beide mehr wie... Brüder für mich. Nicht mehr und nicht weniger.“

Selbst, wenn es bedeutete, dass sie es sich selbst erst wieder einreden musste. Wenn es half, dass alles so wurde wie vorher, war sie bereit, diesen Schritt zu gehen.


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18.01.2015 00:16
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Er hatte in den letzten Tagen viel darüber nachgedacht, was seine Beziehung zu Sai von der seines Bruders zu Ashlynn unterschied. Früher hatte es da kaum Unterschiede gegeben, aber mit der zeit hatte sich das Verhalten seines Bruders gegenüber der Bunten verändert. Das konnte nicht nur ihm aufgefallen sein, aber wenn Ash es bemerkt hatte, verschwieg sie es. Oder interpretierte es anders, missdeutete es.
Ihre Erklärung ließ seine Ohren wieder nach vorn schnippen, doch er runzelte weiterhin die Stirn. Dass Sai ihn als Bruder immer noch liebte, hatte er keine Sekunde lang angezweifelt, nur wie sehr er es konnte, wenn er seine Gefühle teilte … das war es, was ihm Angst gemacht hatte. Was Ash nun sagte, klang so versichernd und nach etwas, das er glauben wollte, dass sich seine Miene schließlich doch wieder glättete. Eigentlich müsste er ihr widersprechen, um auf seiner Meinung über Sais Gefühle zu beharren, doch die Erleichterung war stärker. Es war eine Sache, etwas zu vermuten und zu hoffen – aber eine andere, von einem anderen Wolf ungefragt eine Bestätigung zu erhalten. Und tatsächlich war ihm das hier sogar zu wichtig, um sich mit einem schnellen Witz aus der viel zu emotionalen Situation heraus zu manövrieren.

„Vielleicht … ich weiß nicht“, erwiderte er wage, die Ohren nun seinerseits unbehaglich angelegt. Diese ganzen Bedenken und Selbstzweifel standen ihm nicht besonders gut.

„Gehst du ihm jetzt wegen mir aus dem Weg?“

Er klappte die Ohren wieder nach vorn und sah sie forschend an. Es würde ihr ähnlich sehen, jetzt einen Bogen um Saiyán zu machen, um ihnen nicht weiter in die Quere zu kommen. Vor einer Weile hätte er das gut gefunden, irgendwie. Aber inzwischen war ihm klar, dass Ashlynn weder das Problem noch die Lösung war.

18.01.2015 00:42
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Sie ignorierte das unbehagliche Gefühl, während sie das Wort Brüder aussprach. Ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer, doch Aiyán schien der bittere Nachgeschmack, den diese Bezeichnung für sie hatte, nicht aufzufallen. Ehrlich gesagt wusste sie im Augenblick nicht mal, ob ihm die Umstände bekannt waren, die sie wirklich hierher geführt hatten. Saiyán wusste es, wenn sie sich recht entsann, andererseits aber war sie sich im Augenblick ohnehin bei nichts mehr sicher, was die beiden Rüden betraf. Für jetzt aber schien es gar nicht so verkehrt zu sein – vor allem, wenn man bedachte, dass es keineswegs ihre Absicht gewesen war, sie mit Cathán oder Cayden zu vergleichen, denn das wäre – ganz gleich, wie man es drehte oder wendete – kein Kompliment gewesen. Doch Aiyán und Saiyán waren tatsächlich wie Brüder für sie; echte Brüder, was den Zwist noch schmerzhafter gestalte, dass er eigentlich war. Es mochte stimmen, dass die beiden ihren leiblichen Brüdern tatsächlich ähnelten, doch sie waren nicht wie sie. Das hatte sie schon längst begriffen. Mit leichter Sorge neigte sie den Kopf letztendlich zur Seite, als Aiyán ein wenig unsicherer dreinblickte, als es ihm stand, doch sie schwieg, wie sie es bei ihrer letzten Begegnung gelernt hatte. Seine Worte ließen sie vage vermuten, doch das reichte nicht, um sie aus dem Schatten herauszulocken, in dem sie sich versteckte. Aber seine Gegenfrage verjagte ohnehin jeden anderen Gedanken. Sie wusste es nicht, doch wie sie sich kannte, konnte sie es nicht ausschließen. Egal, wie sehr sie sich dagegen sträubte.

„Das wiederum... weiß ich nicht.“, fing sie seinen Wortlaut auf. „Ich will keinem von euch beiden aus dem Weg gehen, aber vielleicht ist es ganz gut, wenn ihr erst einmal Zeit... für euch habt. Ich komme schon klar.“ Irgendwie.


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18.01.2015 01:02
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Aiyán bemerkte zwar, dass Ash sich scheinbar unbehaglich fühlte, aber er schob das auf die allgemeine Stimmung, die dummerweise durch seinen eigentlich zum Auflockern gedachten Kommentar etwas abgerutscht war. Von ihren echten Brüdern wusste er nichts, dachte aber auch nicht daran, sich nach ihrer Familie zu erkundigen. Die Gegenwart war für ihn irgendwie bedeutender als die Vergangenheit, ihm war oft nicht so richtig bewusst, dass viele der Rudelmitglieder ihre Familie irgendwo anders hatten. Oder gehabt hatten.

Als Ash antwortete, zuckte erst nur sein rechtes Ohr. Was sie anbot, brachte ihn in einen Zwiespalt zwischen Vernunft und Verlangen. Es wäre leicht, das zu bekommen, was er wollte. Aber es war nicht richtig und machte auf lange Sicht keinen Sinn für sie drei. Ein schmales Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Glaubst du wirklich, dass Sai das einfach so hinnehmen würde?“

Er schüttelte bei dem Gedanken den Kopf, wie Ash versuchte, Saiyán schonend beizubringen, weshalb sie erstmal Abstand halten musste. Sein Zwillingsbruder würde ihn in die Mangel nehmen, wenn er von dem Gespräch hier erfuhr.

„Ich übrigens auch nicht. Ich hatte jetzt genug Zeit für mich, das reicht wieder für eine Weile.“

Er grinste noch immer flüchtig. Mit ihrer Selbstlosigkeit konnte er nicht wirklich etwas anfangen, deshalb versuchte er einfach, sie nicht zuzulassen. Das machte nur alles noch komplizierter.

18.01.2015 01:40
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Dem Gedankengang des Dunklen konnte sie kein bisschen folgen. Sie neigte den Kopf ein wenig fragend zur Seite, als Aiyán zu grinsen begann und schnippte schließlich nachdenklich mit den Ohren. Wenn sie ehrlich war, hatte sie keinerlei Antwort auf seine Frage. Vielleicht würde es ihm nicht einmal auffallen, wenn sie weg war und sich an Andraki und Farai hielt. Andererseits hatte er sie gesucht, als sie fortgelaufen war. Aber wer wusste schon, was er für Beweggründe gehabt hatte. Anders als der Halbrequist an ihrer Seite dachte sie nicht einmal daran, Saiyán in ihre Pläne einzuweihen. Es war nichts, was sie gezielt machte – sie wusste bereits jetzt, dass ihre Läufe sie höchst wahrscheinlich wie von selbst in einem Bogen um die beiden führen würden. Ein klärendes Gespräch würde nicht einmal zustande kommen. Dazu fehlten ihr sowohl Mut als auch Selbstbewusstsein. Von daher würde sie wohl so oder so herausfinden, ob Saiyán das einfach zulassen würde. Doch davon sollte Aiyán nichts wissen. Sie ahnte, wie das enden würde. Somit musste ein vages Schulterzucken als Antwort genügen.

Schließlich hob sie tatsächlich wieder den Kopf etwas an. Das hier konnte sie – Sie wusste, wie man sich um andere kümmerte, wie man half, dass es ihnen besser ging. Und sie wusste auch, wie man seine eigenen Gefühle so weit zurücknahm, dass man sich selbst belügen konnte und die Ratschläge ernst meinte, die man gab, wenn es einen selbst betraf.

„Für euch, nicht für dich.“, wiederholte sie mit einem leichten Lächeln. Dann würde ihm wahrscheinlich wirklich nicht auffallen, wenn sie nicht da war. „Die Sache mit Akara und Kiba – Ich glaube, ihr habt jetzt ohnehin erst einmal genug mit eurer eigenen Familie zu tun.“

Sie suchte Auswege, irgendwelche guten Gründe, um Aiyán davon zu überzeugen, dass Abstand fürs erste vielleicht gar nicht so verkehrt war – uneigennützig wie sie war und mit ehrlichen Beweggründen.


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18.01.2015 16:53
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Ai wusste ziemlich gut, wann er jemanden überzeugt hatte und wann nicht. Bei Ash war das nicht einmal besonders schwer zu erkennen, sie wirkte gerade so, als könnte er ihr alles mögliche erzählen und es würde doch nichts ändern. Das verwirrte ihn. Er war es von ihr nicht gewöhnt, dass sie sich so schwer überzeugen ließ, sonst war sie nicht so … störrisch. Prüfend und ein bisschen fragend musterte er sie, ihre freundliche Mimik und den traurigen Zug darin, den sie zwar versteckte, aber nicht vollständig verbergen konnte. Er wusste nicht, was er damit anfangen sollte.

„Dafür musst du dich nicht von uns fern halten“, versuchte er es noch einmal etwas deutlicher, aber er merkte, dass es als Antwort keinen wirklichen Sinn machte. „Ich will nicht, dass du auf Abstand gehst.“

Wenn es umgekehrt nicht eindeutig war, verstand sie es vielleicht so. Es ging nicht ausschließlich um einen von ihnen oder Sai und ihn als Brüder, sondern um ihr Trio. Er wollte nicht, dass das endete, weil er sich anstellte wie ein eifersüchtiger Welpe. Das war sein Problem und er würde es in den Griff bekommen, das wusste er jetzt einfach. Ein Seufzen blieb von seiner Seite die einzige Reaktion auf ihren weiteren Versuch, ihn von der Bedeutsamkeit seiner Zeit ohne sie zu überzeugen. Sie drehten sich im Kreis.

18.01.2015 17:28
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Sie wusste nicht, weshalb es sich so schwer anfühlte, den Worten zu folgen, die Aiyán aussprach. Doch irgendetwas setzte sich in ihrer Magengegend fest und weigerte sich, locker zu lassen. Er sagte, dass sie nicht fehlen sollte, dass sie dazugehörte, doch so verlockend es sich auch anhörte, konnte sie sich dem nicht ganz hingeben. Sie wollte glauben, wollte vertrauen, doch die Angst, dass es sie nicht weiterbrachte, steckte viel zu tief, als dass sie sich (abermals) naiv in ein Versprechen stürzen konnte. Sie waren doch erst in dieser Lage gestrandet, weil es eben nicht mehr funktioniert hatte. Und jetzt sollte sich das einfach so wieder ändern? Das Lächeln auf ihren Zügen erstarb wieder, während sie Aiyán zurückhaltend musterte. Dass sie mit sich haderte, war wohl mehr als ersichtlich. Doch letztendlich gewann ihr Optimismus und ihr Herz setzte sich über die Vernunft hinweg, die sie schon so oft davor bewahrt hätte, verletzt zu werden. Ein scheues Nicken galt dem Dunklen, denn sein Geständnis, dass sie nicht fehlen sollte, legte sich wohltuend auf den Knoten in ihrem Inneren, der letztlich klein beigab.

„Gut.“, rang sie sich dann über die Lefzen und lächelte. „Ich will auch nicht auf Abstand gehen. Ich will nur... dass es euch gut geht.“

Jeder Wolf, der klar bei Verstand war, hätte wohl versucht, die Rolle der schüchternen Fähe zwischen den beiden Rüden, die nur so vor Selbstbewusstsein strotzen, zu ergründen. Sie war wie ein rohes Ei zwischen zwei ungestümen Raubvögeln – verletzlich und sensibel, während die anderen beiden einen rauen Umgangston bewiesen und sich dennoch ohne Worte verstanden. Es machte keinen Sinn und trotzdem hatten sie alle drei sich eben diesen Weg ausgesucht.

„Immerhin sind wir doch eine Familie.“

Wie ein Mantra hatte sie sich diesen Satz die letzte Zeit so oft vorgesagt. Ein Mantra, was sich mal mehr und mal weniger ehrlich angehört hatte.


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War das eine Veränderung in ihrer Mimik? Sein Ohr zuckte und sein Lächeln kehrte wieder zurück. Für ihn war das hier auch ernst, aber wahrscheinlich nicht so tiefgreifend wie für Ash. Er war einfach nur froh als er merkte, dass er sie langsam aber sicher auf den richtigen Pfad gelenkt bekam. Sie musste nur einsehen, dass sie beide im Grunde das Gleiche wollten … und nicht wollten. Als sie das dann tatsächlich tat, nickte er zufrieden.

„Dafür brauchen wir dich aber“, schob er noch hinterher und lächelte. Das war vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, aber er wollte sie überzeugen und musste dafür nicht lügen. Wenn sie fehlte, stimmte es auch zwischen Sai und ihm auch nicht mehr. Was sie sagte, passte gut dazu und er berührte sie flüchtig mit der Nase an der Wange.

„Kleine große Schwester.“

18.01.2015 18:48
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