Spielleitung & Helfer
 
Gründung:    23. Juli 2005
12 Rüden
9 Fähen
davon 4 Welpen
TAG | 30. Dezember 1926 . abends
WETTER | Himmel schon recht dunkel # vereinzelte Schneeflocken # weiße Nordlichter # -6 °C

Seit dem letzten Plot sind etwa 2 Monate vergangen. Die Welpen lernen langsam mit dem Verlust Jeannes zurecht zu kommen, doch es ist schwer, vor allem für ihre eigenen. Als der Herbst in den Winter überging, ist das Rudel zum Gebirgsbach weitergewandert. Man hat wie schon im vergangenen Jahr kein Interesse daran, in der "Winterhöhle" Quartier aufzuschlagen, aber man ist sich um ihren Nutzen bewusst, sollte der Winter mit heftigen Schneestürmen aufwarten, deshalb wurde beschlossen, einfach in ihrer Nähe zu lagern. Während der Winterpelz bei den Wölfen an Fülle gewonnen hat, schienen sich außerdem bei ein paar Individuen neue Abzeichen im Pelz herauszubilden. Es ist nicht übermäßig auffällig, da sich der Prozess mit dem Fellwechsel vermischt, aber irgendwie sehen ein paar Rudelmitglieder ein ganz klein bisschen anders aus als sonst, oder? Was aber definitiv jedem an diesem Tag auffällt ist das weiße Nordlicht, dass am Himmel erschienen ist. Genau wie es nach jenem Tag im letzten Winter auftauchte.

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Sheyna seit: 146 Tagen
Yavinja seit: 83 Tagen
Caspar seit: 43 Tagen
Saiyán Tendes seit: 26 Tagen


Autor

Beitrag

Cave of Mind
the ice breaks, i'm pulled beneath
Bildnachweis
Monty Sloan - wolfpark.org

Rang

Wächter

Alter

6 Jahre ∞

Geschlecht

Fähe

Größe

94 cm

Beiträge

367

Beitritt

23.07.2005

Seit der aufwühlenden Wiederkehr Kibas und Yagos sind einige Stunden vergangen. Der nächste Morgen ist herangebrochen und schenkt dem Tal erneut einen wolkenlosen Himmel und sehr warme Sonnenstrahlen.


Kiba Telay hatte sich in den frühen Morgenstunden zurück zum Rudel begeben. Sie würde nicht mehr so viel Zeit in der Friedensallee verbringen wie früher, aber ganz darauf verzichten wollte sie nicht. Außerdem war der Gedanke schon wieder mitten im Rudel zu schlafen noch unangenehm. Sie lag am Ufer des Waldsees und ließ schon seit einiger Zeit immer wieder den Blick über die größtenteils fremden Gesichter gleiten.

Saiyan Tendes streckte genüsslich die Glieder von sich und gähnte herzhaft, als wäre er aus einem tiefen Schlaf erwacht. Nagut, so tief konnte er nicht gewesen sein, denn sobald Saiyán die Augen ohne Blinzeln offen halten konnte, suchten die Farbenspiele den gefüllten Platz ab nach einer bestimmten Gestalt, deren Duft noch frisch in der Morgenluft lag. Es war also kein Traum gewesen! Schnellen Schrittes, als könne er es kaum abwarten, trabte er dem wohltauenden Geruch hinterher in Richtung Waldsee, nicht umhin kommend auf den letzten Wolfslängen zögernd stehen zu bleiben und die Schnauze fragend zur Seite zu neigend. Wollte sie ihn überhaupt jetzt sehen, nach den Geschehnissen des letzten Tages?

Teyrm hob den Kopf leicht an. In der vergangenen Nachthatte er wenig Schlaf gefunden. Nun waren die müden Spiegel entgegen dem Sonnenlicht geweitet, welches sich glänzend auf der Oberfläche des Waldsees. Noch immer hatte er es nicht gewagt in die Nähe der neuen, alten Leitwölfin zu gehen. Somit beobachtete der Maskenträger diese zwar aus seiner liegenden Position heraus, wagte aber keine Bewegung.

Kiba Telay zuckte leicht mit den Ohren, als sie eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahrnahm. Sie entdeckte ihren Sohn und spürte augenblicklich wieder ein leichtes Ziehen in der Magengegend, hob aber den Kopf und zwang sich zu einem kleinen Lächeln. "Guten Morgen, Saiyán."

Saiyan Tendes ließ die Rute zwar sachte pendeln, legte die Lauscher jedoch ziemlich irritiert an. Guten Morgen.", antwortete er - ungewöhnlich schüchtern und zurückhaltend - auf die Begrüßung, da ihr Lächeln nicht ganz zuordnen konnte. Vorsichtig setzte er einige Schritte weiter nach vorne und strich der Grauen durch den Pelz. "Mama." Sie hatten sich am vorherigen Tag nicht viel gesehen, viel zu wenig nach der langen Abwesenheit. Als einige Schritte hinter ihm ertönten, wandte er die Schnauze zurück in die Richtung aus der er kam. Seit Aiyán so verletzt zurück gekommen war, schien er echt wirr im Kopf. Dabei müsste doch wenigstens er sich richtig freuen können!

Teyrm ließ den Kopf wieder unruhig auf die Pfoten sinken, als er bemerkte, dass Saiyán zu seiner Mutter hinzu getreten war. EIn tonloses Brummen schien aus seiner Schnauze zu dringen. Er hatte den Dunklen ja noch nie wirklich gemocht, doch sein aufgespieltes Getue am gestrigen Tag, hatten der Symphathie von Kibas Sohn den Gnadenstoß gegeben. Aber was zur Hölle tat er eigentlich hier? Mit einem Ruck kam der Yosó Sohn auf die Pfoten, tänzelte einige Schritte in Richtung Alphawölfin und verharrte dann wieder. Stören oder nicht stören, war jetzt wohl eine ganz existenzielle Frage.

Kiba Telay berührte ihren Sohn kurz an der Wange, nachdem er die letzten Schritte zu ihr überbrückt hatte. Es war noch etwas befremdlich, wieder bei ihren Söhnen zu sein und sie wusste nicht ganz, wie sie sich Saiyán gegenüber verhalten sollte, nachdem er sich gestern so benommen hatte. Sie beschloss, das Thema erst mal ruhen zu lassen und lächelte schließlich etwas ehrlicher, als er 'Mama' sagte. Eine weitere Bewegung ließ sie noch einmal den Kopf drehen. Teyrm stand etwas unschlüssig in ihrer Nähe, sie hatte schon gestern halb wahrgenommen, dass er sich etwas zurückgezogen hatte. Sie nickte auch ihm freundlich zu. "Komm ruhig näher, Teyrm."

Saiyan Tendes schloss bei der noch sehr ungewohnten Berührung die Farbenspiele und seufzte leise. "Ich dachte, dass du mir noch böse bist... wegen gestern." Als die Lider sich wieder erhoben, versuchte Saiyán den Blick abzuwenden. So ganz konnte er sich ja noch nicht entschuldigen, schließlich hatte er nur helfen wollen. Doch weiter sollte er sich nicht darauf konzentrieren können, da sich in seinem Augenwinkel eine weitere Gestalt näherte. Teyrm. Die Lauscher winkelten sich zusammen mit der Erkennung an, doch er sagte nichts. Merkte er nicht, dass der Maskenträger störte? Und Kiba lud ihn auch noch ein! Mit einem leisen, unwohlen Brummen kommentierte er diese Geste.

Teyrm erschrak beinahe, an dem ungewollten Klang seines Namens. Es war nicht die Sache, dass sein Namen ausgesprochen wurde, sondern, von dem er da eigentlich ausgesprochen wurde. Kiba. Seine Leitwölfin und eine Fähe, die dem Äschernen manches Mal näher gewesen war, als seine eigene Mutter. Mit einem kurzen Nicken trabte Teyrm schließlich näher und nickte ganz brav - ja sogar Saiyán - zur Begrüßung. "Ähm.. Hallo", murmelte er vorsichtig hinterher und ließ den hellen Blick von der Silbergrauen zu ihrem schwarzen Sohn gleiten.

Kiba Telay sah ihren Sohn einen Moment lang ernst und ohne Lächeln an. "Ich hoffe schlicht, dass du mir nicht noch einmal einen Grund dazu gibst." Sie berührte ihn kurz mit einer Pfote um zu zeigen, dass sie wirklich nicht mehr böse war. Sein Verhalten hatte sie sehr getroffen, aber das musste sie ihm nun nicht unter die Schnauze reiben. Sie wandte den Blick zu Teyrm und suchte wieder nach einem kleinen Lächeln. "Wie ist es euch ergangen?"

Saiyan Tendes schnaubte bei Kibas Worten leise. Einen Grund! Dann sollte er ihr wohl beim nächsten Mal nicht beistehen? Doch daran wollte er sich jetzt nicht mehr hochziehen. Es war schön genug, dass Kiba endlich zurück gekommen war, auch wenn sie zu einer Begrüßung wohl nie wirkliche Zweisammkeit ohne unerwünschte Gäste teilen könnten. Grade noch ein sanftes Lächeln auf den Lefzen, wich dieses pompt, als Teyrm ihm zunickte. Wie, auf ein Mal doch so freundlich? Vielleicht half es ja, wenn der seltsame Kerl einfahc ignoriert werden würde. "Hier war ziemlich viel Wind. Ganz viele Neue, Akara war jetzt auch nicht so der Held. Aber zumindest hatten wir unseren Spaß." Letzteres zauberte dem Dunklen ein Grinsen auf die Lefzen. Es war spannend gewesen zu gucken, wie sie Akara am besten hatten vergraulen können.

Teyrm trat unruhig von einer Pfote auf die Andere. Sein Herz schien eine komplett andere Sprache zu sprechen als Mutter und Sohn, wenn er ehrlich war, fühlte er sich wohl auch entsprechend fehl am Platz. Er vermieste gerade Saiyán seine lang vermisste Zweisamkeit mit seiner Mutter. Aber es war ja nur Saiyán. "Ich weiß es ehrlich gesagt nicht so genau... ich", er stoppte kurz und wandte den Blick beschämt zu seinen eigenen Pfoten. "Ich war nicht hier", fügte er schließlich beschämt hinzu.

Kiba Telay sah ihren Sohn einen Augenblick etwas zweifelnd an. Seit gestern noch verstärkt fragte sich die Silbergraue, was Saiyán wohl unter 'Spaß' verstand. Sicherlich nicht das, was wohl die meisten darunter verstanden hätten, allerdings hütete sie sich inzwischen irgendetwas als normal zu betrachten. Mit ihrer Denkweise, was sie für richtig hielt, war sie einmal mehr als zu oft auf die Schnauze gefallen. "Ganz viele? Dann scheinen einige auch schon wieder weg zu sein." So wie viele andere. Ein kurzer, schmerzhafter Stich, ehe sie zu Teyrm sah. Nach seinen Worten wandte sie den Blick allerdings ab und die Augen senkten sich zum Wasser. "Wegen deiner Mutter?" Sie war bereits vor Kibas Sturz verschwunden. Ein weiterer Schlag für sie, aber wenn sie ehrlich war, hatte sie ihn nicht mal mehr richtig gespürt.

Saiyan Tendes empfand es seltsamer weise als Genugtuung, dass Teyrm grade jetzt so eingeschüchtert wirkte: schämte er sich etwa für seine Abwesenheit? Dann war seine große Klappe am Tag zuvor also nur Schau gewesen. Die Schnauze kräuselnd, fühlte sich Saiyán seltsam bestätigt. "Wie immer. Sie hat eben niemand lange ausgehalten.", murrte er mit hörbarem Nachdruck - auch wenn die kurzzeitige Leitwölfin weg war, schien sie immer noch Thema Nummer eins zu sein. Dabei sollte doch eher Kibas und Yagos Rückkehr gefeiert werden. Naja, nicht gefeiert - Teyrm war schließlich das beste Beispiel dafür, dass nicht alle glücklich waren. Dennoch kommentierte er weder dessen Geständnis, noch Kibas Reaktion darauf, die sich ernsthaft um den Kauz zu sorgen schien. Sollte er den beiden ihre Ruhe gönnen und wann anders die Gesellschaft der Mutter suchen? Irgendwie ja, aber dann könnte er Teyrm damit später nicht aufziehen. Um seinen Entschluss zu festigen, ließ er sich auf die Hinterhand sinken.

Teyrm lehnte den Kopf leicht zur Seite und tat es Saiyán einfach mal gleich, er ignorierte den Widersacher einfach vollkommen udn konzentrierte sich stattdessen einfach vollends auf dessen Mutter. Es war einfach Kiba in die Augen zu schauen, wenn er ehrlich war, hatte er vermutlich etwas Anderes erwartet. Was, konnte der Maskenträger selbst kaum sagen, einfach etwas Anderes. Als die Silbergraue schließlich auf Adali zu sprechen kam, schüttelte Teyrm schnell den Kopf. "Nein, nicht wirklich. Vielleicht zum Teil, aber vorallem war es einfach alles auf einmal und alles viel zu viel." Das er da gerade Schwäche zu gab, kümmerte ihn herzlich wenig. Ein schneller Blick galt Saiyán, nein, auch vor dieser Großschnauze, war das nun egal.

Kiba Telay drehte ein Ohr etwas zur Seite. "Sie hat die Neuen nicht ausgehalten? Hat sie sie wieder verjagt?" Noch vor kurzer Zeit wäre ihr wohl recht schwer um das Herz geworden und auch jetzt suchte sie nach diesem Gefühl, musste aber feststellen, dass es nicht da war. Wenn Akara Fremdlinge vertrieben hatte, dann war das nicht ihre Sache und erschreckender Weise kümmerte es sie nicht groß, obwohl sie fragte. Ob sie nun von selbst gingen, oder vertrieben wurden ... dass damit vielleicht auch jemand vertrieben wurde, der vielleicht ein gutes Mitglied hätte sein können, den Gedanken schob sie beiseite. Sie nickte Teyrm zu und versuchte verständnisvoll auszusehen. "Aber du bist wiedergekommen."

Saiyan Tendes ließ die Ohren irritiert nach hinten Schnipsen. "Sie hat niemanden vertrieben.", verbesserte er Kibas Annahme grimmig. Mist. Das wäre eine Chance gewesen Akaras udn Andrakis Art zu kritisieren! Das würde Kiba aber hoffentlich selbst noch merken. Schließlich konnte sich das Schoßhündchen nicht von heute auf morgen ändern. Anstatt weitere Erklärungen zu suchen, widmete er sich deswegen Teyrm, der gerade dabei war Ausreden für sein feiges Verschwinden zu suchen. Als ob ihm das jemand abkaufen würde! Die Antwort der Grauen bestätigten Sais Vermutung: jaja, er war wieder da. Das fiel jetzt sowieso nicht mehr auf. Mit einem beinahe tadelnden Schütteln der Schnauze. So langsam ging ihm das Gejammere auf die Nerven. Hallo? Alles war wieder normal! Auch wenn seine Mutter sich wohl eher für fremde Kinder interessierte als für ihre eigenen. Mit einem sanften Blick auf die Graue erhob sich der Dunkle langsam. Die beiden könnten ihre Sorgen alleine austauschen. Er würde sich den Morgen nicht verderben lassen. "Ja, sehr traurig.", kommentierte er Teyrms letzte Worte, bevor die Lefzen sich zu einer höhnischen Miene verzogen. "Ich gehe lieber eine Runde drehen, anstatt am frühen Morgen so tatenlos herum zu sitzen." Das wars. Mit einem letzten Blick auf Kiba erhob er sich und zog sich in den angrenzenden Wald zurück.

Yago folgte ohne viele Gedanken den Stimmen des Rudels und verdrängte die Frage, ob es ihm gefiel, dass es nun selbstverständlich war, sich beim Rudel aufzuhalten. Es war nun eben so. Yago war schon immer gut im Akzeptieren, zu viele Umstände in seinem Leben konnte man schlicht nur akzeptieren und nicht ändern. Er erreichte die anderen Wölfe und entdeckte sofort Kiba, die er ebenso automatisch ansteuerte. Saiyán drehte sich soeben um und verschwand im Wald, was Yago mehr als zufriedenstellte. Bei Kiba stand nun noch Teyrm, mit dem Yago wenig anfangen konnte. Er war der Sohn Adalis, aber er schien zum Glück nicht all zu viel Erziehung von ihr genossen zu haben. Der Schwarze kam neben Kiba zum Stehen, nickte Teyrm zu und wandte sich dann gleich an die Leitwölfin. "Hat Saiyán wieder Ärger gemacht?"

Teyrm nickte erneut, eine rasche, beinahe flüchtige Bewegung. "Ja, irgendwann bin ich dann wieder zur Besinnung gekommen", vielleicht ein wenig zu spät, wenn man die Situation um Toboe betrachtet hatte. Aber daran hatte er nun nichts mehr ändern können. Mit einer raschen Bewgeung wandte er den Kopf herum, als Saiyán sich plötzlich aufrichtete und sich mit einigen Worten verabschiedete. Eine Runde drehen? Na, wenn man denn sonst nichts Besseres zutun hatte. Wieso denn nicht. Nachdem der Dunkle das Weite gesucht hatte, wandte sich der Äscherne wieder seiner Leitwölfin zu. "Habt ihr... habt ihr meine Mutter vielleicht irgendwo gesehen, während ihr fort wart? Sie war wohl irgendwie beim Rudel und dann auch wieder eine ganze Zeit lang nicht. Die letzte Zeit kann ich nicht mal mehr Spuren finden." Er hatte es eigentlich gar nicht fragen wollen. Viel zu schön war der Gedanke, einfach damit abzuschließen. Aber einmal, ein einziges Mal, musste er einfach fragen, danach konnte er damit abschließen. Rasch schoss der Blick des Jungwolfes hoch, erfasste Yago ins Auge, der in genau jenem Moment zu ihnen getreten war und eine Frage gestellt hatte. Respektvoll nickte er dem neuen Leitwolf zu. Im Gegensatz zu Saiyán, hatte er nichts gegen dessen Erhebung gehabt.

Kiba Telay spürte wenigstens noch ein kleines bisschen Erleichterung, als Saiyán richtig stellte, dass Akara keine Fremden vertrieben hatten. Im Grunde änderte das allerdings nichts und machte auch nichts besser. Dann waren diese Fremden alle von alleine wieder gegangen. Als ihr Sohn sich dann schnell erhob und sich doch einen etwas unfreundlichen Kommentar nicht verkneifen konnte, warf sie ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. Sie seufzte leise, als er sich dann verabschiedete und im angrenzenden Wald verschwand. Auch Teyrms Frage machte die Situation nicht viel angenehmer. "Nein. Ich habe sie ewig nicht gesehen." Kein Bedauern war darüber in ihrem Gesicht zu erkennen, es war eine nüchterne Feststellung. Als Yago zu ihnen trat, fühlte sie sich augenblicklich etwas leichter und das Lächeln, welches sie ihm zur Begrüßung schenkte, war viel ehrlicher, auch wenn es auf seine Frage hin ganz leicht kippte. "Nein, dieses Mal nicht."

Yago bekam hatte zwar die Frage Teyrms zu Adali nicht mitbekommen, hörte nun aber die Antwort Kibas und konnte von ganz alleine darauf schließen, um wen es ging. Eine Fähe, die Teyrm vermisste ... da kam nur Adali in Frage. "Sie verschwand, nachdem sie zur Omega gemacht wurde.", antwortete er so auch ungefragt dem Jungwolf. Dass er damit vermutlich keine Sympathiepunkte sammelte, war ihm nicht bewusst, wäre ihm aber wohl auch egal. Auf Kibas Antwort hin nickte er und erwiderte einen Herzschlag lang ihr Lächeln. "Das ist gut." Und das meinte er ernst.

Teyrm hatte noch nie wirklichen Umgang mit Yago gehabt und somit war es auch für den Äschernen schwierig, richtig zu erkennen, wie der Hüne bestimmte Dinge wohl meinte. Vorsichtig beobachtete der Jüngling somit jegliche Regungen des Schwarzen, alles natürlich versucht unscheinbar. Auf Kibas nüchterne Antwort hin, seufzte er kurz tonlos, ehe er in die blauen Seelenspiegel der Alpha blickte. "Das dachte ich mir. Dennoch danke." Er war nicht traurig, nicht einmal geknickt, als er den Kopf wieder anhob um Yago auf dessen Worte hin anzublicken, fühlte er sich eigentlich sogar etwas befreiter. "Und seither ist sie verschwunden. Nunja, sie wird das Revier verlassen haben. Ist auch nicht so wichtig." Richtete er schließlich schnell auch das Wort an den anderen Wolf. Es war seltsam zu spüren, dass er wohl tatsächlich meinte was er da sagte. Er kam schon klar, irgendwie, er war ja immer klar gekommen. In das Gespräch der beiden Leitwölfe mischte er sich nicht ein. Erstens ging ihn der Austausch der beiden nichts an und zweitens wollte er nur weniger mit Saiyán zutun haben.

Kiba Telay war etwas überrascht, dass Teyrm der Verlust seiner Mutter scheinbar wenig ausmachte. Vielleicht war es gespielt, andererseits war Kiba durchaus bewusst, dass Adali wahrscheinlich noch seltener ihren Pflichten als Mutter nachgekommen war, als sie selbst. Und auch sie verspürte höchstens einen leicht bitteren Geschmack beim Gedanken an ihre ehemalige Freundin. Sie war gegangen, wie alle gingen. "Das Rudel hat sich leider noch nie durch beständige Mitglieder ausgezeichnet. Und jetzt müssen wir noch einige Neue kennenlernen." Die Silbergraue richtete ihren Blick auf Yago. Er war kein Wolf der großen Gesellschaft, aber damit würde sich jetzt auch er rumschlagen müssen.

Yago hatte kein großes Interesse an Teyrms Gefühlswelt und seiner Einstellung gegenüber Adali, dennoch konnte ihm die offensichtlichte Gleichgültigkeit des Jungwolfs nicht entgehen. Er deutete das auf die einzig mögliche Art für den Schwarzen: Teyrm empfand seine Mutter als genauso nervtötend, nutzlos und dumm wie Yago. Das verhinderte auch, dass der neue Leitwolf Adalis Sohn allein dank seiner Herkunft in die Schublade der Ignorierenswerten steckte. "Sie ist kein Verlust für dieses Rudel.", stellte der Schwarze noch klar, auch als Erwiderung auf Kibas Worte. Die Beständigkeit der Mitglieder war ihm herzlich egal, solange die blieben, die ihm wichtig waren. Und da diesen Status nur sehr wenige Wölfe genossen, überwog das Desinteresse an den Mitgliedern.

Teyrm ließ die Rute leicht sinken, als Yago so abfällig über seine Mutter sprach. Jedoch hatte der schwarze Hüne wahrscheinlich sogar recht. Adali war seit dem Weggang seines Vaters nicht mehr die selbe gewesen, sie hatte sich niemals davon erholt und das hatte sie verletzlich und schwach gemacht. Das sie nun einfach das Weite suchte war wahrscheinlich kaum verwunderlich. Yago der sie persönlich wenig kannte, musste da natürlich einzig aus der Sicht des Rudels handeln. Sogar Teyrm konnte ihm inzwischen kaum wiedersprechen, wenngleich es ihm beinah wie ein Stein im Herzen lag. "Die meisten der Neuen sind nett und zuverlässig. Zumindest die, die ich bisher kennen lernen konnte." Versuchte er zu lockern und ließ dann den Blick zwischen beiden hin und her wandern. Er störte wahrscheinlich, schon wieder, diesmal war es allerdings kein Wolf, den er nicht mochte - sondern ein Alphawolf, der mit der Alphafähe sprechen wollte. Er störte wahrscheinlich wirklich stark. "Ich werde nun erst einmal nach Toboe schauen. Danke für das Gespräch, Kiba." Er versuchte ein provisorisches Lächeln und verabschiedete sich dann schließlich auch höflich von Yago, ehe ihn schwarze Tatzen in Richtung Wald trugen.

Kiba Telay fand nicht, dass dieser Kommentar von Yago hätte sein müssen und beobachtete, dass Teyrm doch ein klein wenig geknickt reagierte, auch wenn er nicht weiter darauf einging. Die Silbergraue wusste, dass Yago das nicht gesagt hatte, um den Jungrüden zu verletzen, sondern einfach, weil das seine Meinung war. Aus seinem Blickwinkel betrachtet, was war schon ein Verlust für das Rudel? Aber wenn sie ehrlich war, wusste sie es selbst nicht mehr. Ihre Söhne wären ein Verlust für sie, aber für das Rudel? Yago wäre ... ein unglaublicher Verlust für sie, bei dessen Gedanken sich ihr Magen schon verkrampfte - aber für das Rudel? Was war dieses Rudel überhaupt, aus diesem Blickwinkel betrachtet? Sie schob die Gedanken beiseite. Sinnlos, sich mit ihnen aufzuhalten. Sie schenkte Teyrm ein kurzes Lächeln, als er sich verabschiedete und hoffte, dass er nicht wegen Yagos Worten ging. Sie sah den Schwarzen an und setzte sich schließlich auf. "Wir sollten sie auch kennenlernen. Wir könnten bei Akando anfangen, immerhin will er jetzt Beta sein."

Yago blickte dem Jungwolf kurz scheinbar ohne eine Regung nach, fragte sich aber innerlich, was in Teyrm vorging. Eigentlich interessierte es ihn nicht, aber das Verhalten des Jungwolfs war doch seltsam. Meist konnte Yago erahnen, was in den Köpfen anderer vorging; Teyrm aber blieb undurchsichtig. Damit war er der Interessanteste der Jungwölfe. Yago wandte den Blick Kiba zu und ließ die Gedanken zu Teyrm fallen. Die Graue wollte eine Kennenlernstunde abhalten, was auf entsprechende Begeisterung seitens des Schwarzen stieß. Er konnte sich wenig Schlimmeres vorstellen. Aber natürlich hatte Kiba Recht und Akando war wohl noch die beste Alternative. Schicksalsergeben nickte er und zuckte nur ganz kurz missmutig mit den Ohren. "Gut, dann lernen wir ihn mal kennen." Trotz seiner Worte blieb er stehen und wartete darauf, dass Kiba sich erhob und ihren Vorschlag umsetzte. Akando war bei Andraki, was die Sache noch ein wenig angenehmer machte.


Siam stand im Wald, irgendwo nahe des Sees. Seine Glieder waren starr, er rührte sich nicht, wollte niemanden sehen oder hören. Es war schrecklich hier zu stehen, es machte ihn kaputt und dennoch ging er nicht. Wohin sollte er auch gehen, jetzt da alles anders war?

Akando näherte sich Siam gemächlich. Er hatte ohnehin nichts besseres zu tun, warum also nicht mal ein paar Worte mit dem Kleinen wechseln? Auch wenn Andraki ihn unter ihre Fittiche genommen hatte, war ihm förmlich anzusehen, wie sehr er unter Akaras Verschwinden litt. Tja, es würde ihn nur stärker machen. „Wie lange willst du hier noch so stehen?“, erkundigte er sich mit schiefgelegtem Kopf.

Siam war vollkommen in Gedanken, sodass er nicht bemerkte, wie Akando sich ihm näherte. Als die Stimme des Rüden hinter ihm erklang riss er den Kopf hoch, seine Augen weiteten sich. "Ich weiß nicht!" flüsterte er automatisch.

Andraki folgte der Fährte Siams und hoffte, dass der junge Rüde sie nicht abweisen würde, wenn sie bei ihm eintraf. Sie wollte versuchen für ihn da zu sein, wie sie es Akara versprochen hatte. Immerhin konnte sie zu einem gewissen Teil nachvollziehen, wie er sich nun fühlen musste, auch wenn das Auseinanderfallen ihrer Familie damals anders verlaufen war. Lauschend spitzte sie die Ohren, als sie eine Stimme vernahm, ohne die Worte verstehen zu können - und gleich darauf eine zweite, die scheinbar antwortete. Siam! Etwas zögerlich trat die Zimtfarbene aus dem Unterholz hervor und erblickte den jungen Rüden zusammen mit Akando. Andraki ließ den Blick kurz zwischen beiden umherschweifen und versuchte sich an einem Lächeln. "Hey, ihr zwei..."

Akando klappte skeptisch ein Ohr zurück. Der Kleine war ja noch mehr durch den Wind, als er angenommen hatte. „Dadurch kommt sie auch nicht zurück, weißt du“, brummte er. Er war sich noch immer nicht so sicher, ob Akara wirklich das Tal verlassen hatte. Eigentlich hätte er mal auf einen ausgedehnten Streifzug gehen und den Kleinen dabei mitnehmen können, doch bevor dieser nicht aus seiner Starre erwachte, war da ohnehin nichts zu machen. Sein Kopf ruckte herum, als Andraki sich ihnen näherte. „Wie geht’s?“, erkundigte er sich. Sie hatte sich allerhand Scheiße anhören müssen...

Siam schüttelte energisch den Kopf, etwas mutiger als Fremden gegenüber. So ganz Fremden. Die Schritte die sich nun näherten hörte er, den dazu gehörigen Geruch erkannte er auch recht schnell. Andraki. Die Zimtfarbene wollte für ihn da sein. Hatte sie mal gesagt. Siam erwiderte das versuchte Lächeln den Fähe. "Andraki.." erklang ihr Name leise aus seiner Kehle.

Andrakis Lächeln wurde sicherer, besonders als Siam sich ebenfalls daran versuchte. Vermutlich ahnte er nicht einmal, wieviel ihr sein zaghaftes Lächeln bedeutete. Leicht mit der Rute schwenkend trat sie näher und ließ den Blick zu Akando schweifen, ihrem neuen Mit-Beta. Etwas seltsam fühlte sich dieser Gedanke noch an, aber vor allem auch etwas schmerzhaft. Dafür konnte Akando jedoch nichts, im Gegenteil - Andraki sah in ihm noch die fähigste Alternative, auch wenn sie ihm noch einiges würde beibringen müssen. "Danz gut, wenn man die Umstände bedenkt", erwiderte sie wahrheitsgemäß. "Und euch?", gab sie die Frage zurück und legte Siam sanft einmal über die Wange.

Akando beobachtete Siams Reaktion skeptisch. Sein Versuch, ihn aufzubauen, war wohl gründlich gescheitert, ja, vermutlich nicht einmal als solcher erkannt worden. Er seufzte und wandte sich Andraki zu. „Bestens, wie immer“, behauptete er, bevor er den Blick wieder auf Siam richtete und einen fragenden Blick aufsetzte. Denn das für den Kleinen nicht das Selbe gelten konnte, war nicht zu übersehen.

Siam bemerkte, dass Andraki sich wohl besser fühlte, als er ein Lächeln zeigte. Es kam auf die Schauspielkünste an, mehr nicht. Und er war miserabel. Er legte den Kopf leicht schief, bemühte sich ernsthaft um einen fröhlichen Gesichtsausdruck. Was sollte er sonst tun. Nicht zur Last fallen, niemandem, bloß das zählte für ihn. Ein leichtes Strahlen ging von seinen Seelenspiegeln aus, als er die zärtliche Berührung der Zimtfarbenen spürte. Die gespielte Freude. Vielleicht war es doch nicht so schwer. Seine Ohren zuckten aufmerksam, er blickte die beiden Wölfe an, lächelte leicht.

Andraki war ein wenig irritiert, dass Siam nicht auf ihre Frage antwortete. Wenn es ihm gut genug ging um ein Lächeln zustande zu bringen, warum wollte er dann nicht reden? Offensichtlich musste sie Siam dringend besser kennen lernen, um das zu verstehen - aber das galt für so viele Wölfe im Rudel, dass sie am liebsten laut geseufzt hätte. Andraki setzte sich und berührte Siam leicht mit der Nase an der Schulter, ehe sie sich wieder Akando zuwandte. "Und, graut dir noch immer nicht vor deinen neuen Aufgaben?", fragte sie neckisch an Akando gewandt.

Akando konnte sich schon denken, was gerade durch Siams Kopf ging. Keine Antwort war schließlich auch eine Antwort. Was musste denn man dafür tun, dass der kleine mal aus seinem Schneckenhaus herauskam, verdammt nochmal? Ein leichtes Grinsen konnte er sich auf Andrakis Frage hin allerdings nicht verkneifen. „Tut es schon von Anfang an“, gab er schließlich zu. „Aber ich hatte ja keine Wahl.“ Zumindest in seinem Kopf war das so. Er konnte Kenayo nicht leiden, und selbst wenn dieser vielleicht besser für den Betarang geeignet sein mochte, war es für ihn nicht in die Tüte gekommen, sich ihm zu unterwerfen.

Siam spitze die Ohren und sah die beiden weiterhin aufmerksam an. Ein Lächeln, so unbedeutend, so klein. Seine Rute pendelte von rechts nach links. Eine Maske, eine frühliche und lächelnde Maske um den ganzen Wolf. Es tat weh. Ein wenig. Sich selbst zu verraten. Er blickte zu Andraki, sah ihr für einige Sekunden in die Augen, wandte den Blick dann wieder ab. Vielleicht konnte sie die Lüge darin sehen, wenn sie genauer hinsah. "Eine Wahl hat man immer.. auch bei so etwas.." er lachte versuchsweise. Ein komisches Gefühl.

Andraki lächelte wissend, aber es war Siam, der ihr mit einer Antwort zuvor kam. Sie wandte den Blick zu ihm und für einen Moment war ihr so, als sähe sie in seinen Augen etwas, dass nicht ganz passen wollte. Aber es verging schnell wieder, als der junge Rüde den Blick abwandte, und die Zimtfarbene war nicht ganz sicher, ob da wirklich etwas gewesen war. Sie musterte Siam noch einen Moment, aber sie wurde den Knoten nun nicht mehr los, der sich heimlich in ihrem Magen gebildet hatte. um das Gespräch nicht ersterben zu lassen, wandte sie sich wieder Akando zu. "Gut so, nimm deinen neuen Rang nicht auf die leichte Schulter. Es wird schwer werden", prophezeite sie ihm, lächelte jedoch noch immer leicht, wenn auch nun etwas getrübter. "Aber Siam hat Recht, du hättest den Rang nicht in Anspruch nehmen müssen. Warum hast du es doch getan?"

Akando neigte nachdenklich den Kopf. Natürlich verstanden die beiden das nicht, wie auch? Siam war ein Jungwolf. Vielleicht würde er es eines Tages verstehen, wenn er größer, stärker und vorallem dominanter war. Wenn er das genauer bedachte, dann vermutlich nie. Andraki dagegen war eine Fähe. So etwas kam eben dabei heraus, wenn testosterongeschwängerte Rüden aufeinanderprallten, auch wenn Akando freilich nichts von Testosteron wusste. Wie hätte das ausgesehen, wäre er danach einfach zurückgetreten und hätte beobachtet, wer sich nun am Betarang versuchen wollte? „Vielleicht wollte ich mir auch selbst etwas beweisen“, gab er schließlich zu. Sich beweisen, dass er das schaffen konnte. Oder auch nicht.

Siam zuckte leicht mit den Ohren, seine Lefzen verbogen sich zu einem Grinsen. "Manchmal muss man das eben tun" er lachte leise. Bloß weiterspielen, nicht aufhören. Er musste es. Nicht schwach sein, nie. Man durfte es nicht, sollte es nicht. Langsam ließ er sich auf seine Hinterläufe nieder, blickte kurz zu Boden. Eigentlich ein schöner Tag.

Andraki legte den Kopf leicht schief und ließ den Blick zwischen Akando und Siam hin und her schweifen. Auf Letzterem verharrten ihre Augen ein wenig länger, und das Gefühl, dass sie ebend schon gehabt hatte, verstärkte sich. Das Gefühl, das etwas... nicht richtig war. Sein Lachen. Sein Lächeln. Seine unbeschwerte Art. Vielleicht irrte sie sich aber auch und sah gespenster, da sie eigentlich erwartete, dass es ihm schlechter ging als er sich nun gab. Sie konnte es einfach nicht sicher einschätzen, und das wurmte sie. "Nur 'vielleicht'? Du solltest schon wissen, wofür du das tust. Du wirst nur schwerlich sicher und selbstbewusst auftreten können, wenn du dir deiner eigenen Motive nicht sicher bist, Akando. Wenn du mir nur nicht sagen möchtest, um was genau es dir dabei geht, dann ist das in Ordnung - ich verstehe das. Aber da wir zukünftig nun Seite an Seite auf dieses Rudel achten müssen, sollten wir offen zueinander sein", erwiderte sie ernst. Lektion Nummer Eins, wenn man so wollte.

Akando räusperte sich ein wenig verlegen. Er würde sich wohl nie daran gewöhnen können, sich nun permanent von Andraki belehren lassen zu dürfen. Aber er hatte es ja selbst so gewollt und sie machte ihre Aufgabe – leider oder zum Glück – sehr gewissenhaft. „Okay, wie du bestimmt gemerkt hast, tue ich oft zuerst etwas und denke erst hinterher darüber nach“, gab er zu. „Ich weiß, daran muss ich arbeiten“, fügte er in weiser Voraussicht rasch hinzu. „In dem Moment war ich mir sicher, dass ich das kann. Die Zweifel kamen erst hinterher, als ich dich um Hilfe gebeten hatte...“

Andraki schmunzelte leicht. "Tatsächlich?", fragte sie leicht sarkastisch, ließ jedoch desweiteren davon ab, Akando seine Überstürztheit unter die Nase zu reiben. Immerhin wusste er selbst ganz gut, dass er daran etwas ändern sollte. "Zu zweifeln ist in Ordnung. Viel wichtiger ist, sich von diesen Zweifeln nicht zermürben zu lassen. Früher oder später wirst du wichtige Entscheidungen treffen müssen, ohne dass du vorher weißt, was richtig und was falsch ist. Manchmal weiß man das auch hinterher nicht, und dann wieder wirst du nichteinmal wissen, ob es überhaupt ein Richtig oder Falsch gibt. Und trotzdem musst du dann entscheiden, Zweifel hin oder her. Das ist nicht einfach und wird es niemals werden, aber man kann lernen, sich nicht davon erdrücken zu lassen. Der erste Schritt wäre, nicht an sich selbst zu zweifeln. Du warst dir sicher, es zu können? Dann wirst du es auch können, mit etwas Hilfe und Willen."

Akando lauschte aufmerksam auf ihre Worte. Je mehr sie redete, desto sicherer wurde er. Vielleicht hatte sie das von Anfang an beabsichtigt, vielleicht auch nicht. Aber ihre Rede hatte jedenfalls nicht ihre Wirkung auf ihn verfehlt. Sie glaubte, dass er es konnte, wenn er sich nur Mühe gab. „Danke“, sagte er schlicht. Auch wenn es ihm insgeheim trotzdem noch ein klein wenig davor graute, „wichtige Entscheidungen“ treffen zu müssen, wie sie sagte. Er würde ihnen und vorallem sich selbst beweisen, dass man eben nicht zum Anführer geboren sein musste, wie Akyla es behauptet hatte. Man konnte es auch lernen. „Also, gibt es denn auch irgendwelche guten Seiten an dem Job?“, erkundigte er sich heiter, denn immer wenn sie von ihren „Pflichten“ als Betafähe sprach, wirkte Andraki ernst und beinahe ein wenig freudlos.

Andraki war für einen Moment unwillkürlich versucht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, ehe sie sich an ihre eigenen Worte erinnerte, dass Offenheit für ihrer beider Zusammenarbeit wichtig war. So seufzte sie also, statt eine lächelnde Maske aufzusetzen. "Naja, normalerweise schon. Aber ich habe mir mit meiner Unterstützung für Akara nicht unbedingt viele Freunde gemacht, und zudem herrscht hier nach wie vor ein derart großes Kommen und Gehen fremder Gesichter, dass es schwer ist, tiefergehende Beziehungen aufzubauen. Der Respekt, den man als Rangwolf eigentlich verdient, solange man seinen Pflichten nach bestem Wissen und Gewissen nachkommt, lässt also nach wie vor größtenteils auf sich warten. Aber es tut trotzdem gut etwas für das Rudel zu tun und zu wissen, dass man nützlich ist. Mir zumindest ist das wichtig." Wann hatte sie das letzte Mal eigentlich so offen über ihr Dasein als Beta in diesem Rudel gesprochen? Sie konnte sich nur an ein entsprechendes Gespräch mit Yago erinnern, aber ansonsten hatte sie sich nie jemandem anvertraut. Außer Akara hätte es auch niemanden gegeben, der sich dafür interessiert hätte... und Akara hatte andere Probleme gehabt.

Akando nickte. Er wusste, dass ihre Position im Rudel nicht gerade die angenehmste war. Obgleich sie von keiner Fähe herausgefordert worden war, hatte sie doch abfällige Kommentare ernten dürfen, vorallem von Saiyan, aber das wunderte ja schon keinen mehr. „Auf diese dämlichen Sprüche solltest du nichts geben“, meinte er, auch wenn sie das vermutlich ohnehin nicht tat. Andraki wirkte auf ihn nicht wie jemand, der sich schnell aus der Fassung bringen ließ. Gern hätte er sie gefragt, was überhaupt zwischen ihr und Akara vorgefallen war, aber für den Moment sollte er das wohl besser unterlassen. „Auf mich haben die beiden ohnehin noch nie besonders vernünftig gewirkt.“ Gemeint waren natürlich Saiyan und Aiyan, aber das musste er wohl kaum hinzufügen.

Kiba Telay lächelte kurz matt auf Yagos Miene hin und fragte sich innerlich, ob ihm klar war, auf was er sich da eingelassen hatte. Für sie war es eine große Erleichterung zu wissen, dass sie ihren Pflichten nicht mehr ganz allein gegenüber stand und dass es ausgerechnet der Schwarze war, der ihr dabei zur Seite stehen wollte, aber ihr war nicht ganz wohl dabei, wenn er sich zu etwas zwang, was er gar nicht wollte. Aber immerhin fügte er sich erst mal seinem Schicksal und Kiba stupste ihn kurz ermutigend an. Sie war selbst weniger scharf darauf, als Yago sich wohl vorstellte. Akando und Andraki unterhielten sich am anderen Ufer des kleinen Waldsees. Kiba bekam gerade noch Akandos letzte Worte mit und wusste unweigerlich, worum es ging. Trotzdem setzte sie ein kleines Lächeln auf, als sie bei den beiden ankamen. "Guten Morgen."

Yago empfand den Stupser Kibas weniger als ermutigend, als viel eher irgendwie irritierend, ließ sich aber nichts anmerken. Neben Kiba trat er zu Akando und Andraki und erahnte ebenso wie die Graue, um was es ging. Immerhin waren sich Akando und er in diesem Punkt schon einmal einig. Er lächelte nicht, nickte aber höflich und schwieg ansonsten. Sollte Kiba die Vorstellungsrunde beginnen, es war auch ihre Idee gewesen.

Andraki lächelte leicht und nickte. Natürlich gab sie nicht viel auf solcherlei Kommentare, aber es war schwer abzuschätzen, wieviel die ANDEREN Rudelmitglieder auf solche Ansichten gaben. Gegen einen Quertreiber konnte sie ihren rang ohne größere Probleme verteidigen, aber wenn das halbe Rudel sie nicht akzeptieren wollte, hatte sie kaum eine Chance sich zu halten. Um sich wichtiger war es gewesen, die offene Unterstützung der Alphas zu erhalten. So ein Vertrauensbeweis festigte ihre Position ungemein. Trotzdem würde sie sich nocheinmal persönlich mit Saiyan befassen müssen. Sie setzte gerade zu einer Antwort an, als sie erst Schritte und dann eine Stimme ganz in der Nähe vernahm. Sie wandte sich um und erhob sich dann, als sie Kiba und Yago erblickte. Sie erwiderte das Lächeln ihrer neuen, alten Alpha und musste sich zwingen, Yago nicht anzustrahlen, wie ihre Miene das unwillkürlich wollte. Sie nickte beiden zu und senkte dabei jeweils den Blick. "Guten Morgen", gab sie den Gruß zurück und fragte sich, was die beiden Ranghöchsten zu ihnen trieb.

Akando hatte insgeheim gehofft, Andraki noch ein wenig mehr entlocken zu können, doch bevor er noch weiter nachhaken konnte, sah er aus den Augenwinkeln, wie sich das Alphapaar näherte. „Morgen“, erwiderte er Kibas Gruß und nickte den beiden respektvoll zu. Er wusste noch nicht so recht, wie er sich ihnen gegenüber verhalten sollte, vorallem bei Yago. Er würde ihm nicht in die Quere kommen, so viel stand fest, aber in den Arsch kriechen bis zum Anschlag wollte er ihm auch nicht, weshalb er sich vorerst abwartend verhielt.

Kiba Telay zuckte leicht mit einem Ohr. Nun hatten sie sich alle einmal nett einen guten Morgen gewünscht. Früher hatte sie es irgendwie als leichter empfunden, auf Neulinge zuzugehen. Aber das war Akando nicht einmal und es hatte sich sowieso zu viel verändert. Es kostete sie einiges an Kraft sich so zu geben, wie man es von ihr verlangte und sich nichts anmerken zu lassen. "Wir müssen das halbe Rudel noch kennenlernen und ich dachte, wir fangen bei unserem neuen Beta an.", begann sie und zwang sich dazu, dass Lächeln auf ihren Lefzen zu erhalten. "Bist du schon lange hier?"

Yago empfand die Situation als etwas seltsam. Seiner Ansicht nach mussten Leitwölfe sich keinen Fremden vorstellen, sondern andersherum. Aber Kiba war Kiba blieb Kiba und das war auch gut so. Yago fand sich in seiner Rolle als schweigender Zuhörer gut ein und registrierte gemütlich die vielen Morgenswünsche. Kibas Einleitung kommentierte er mit einem leichten Nicken und sah keinen Grund, noch etwas hinzuzufügen.

Andraki versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie unangenehm steif sie die Situation fand. Vermutlich war sie damit aber auch nicht die einzige hier, sie musste wohl alle mehr oder minder nochmal neu miteinander beginnen und sich eingewöhnen. Leicht war dieser neuerliche Umbruch um Rudel wohl für kaum jemanden. Andrakis Blick glitt unwillkürlich in die Richtung, in die Siam sich vorhin zurück gezogen hatte. So wenig sie Akando jetzt mit den Alphas sitzen lassen wollte, so wenig wohl war ihr bei dem Gedanken, Akaras Ziehsohn allein zu lassen. "Entschuldigt mich bitte, aber ich möchte Siam nur ungern allein lassen", setzte sie an, als sie sah, dass der junge Rüde sich anschickte im Wald zu verschwinden. "Keine Sorge Akando, Lektion Zwei folgt in Kürze", scherzte sie und zwinkerte ihm zu, bevor sie sich mit einem respektvollem Nicken von Kiba und Yago verabschiedete und Siam folgte.

Akando seufzte. Irgendwie war ihm mit Andraki an seiner Seite doch ein wenig wohler gewesen, auch wenn das vermutlich schwachsinnig war. „Ich freue mich schon“, erwiderte er trocken und fragte sich einen Moment, ob es absurd war, dass er sich tatsächlich darauf freute. Warum auch immer. Dann wandte er sich Kiba und Yago wieder zu. „Erst seit zwei Monaten“, erwiderte er und versuchte sich dabei zusammenzureimen, was sie wohl von ihm denken mussten. Für ihn war es eine lange Zeit gewesen, aber das sah bestimmt jeder anders. „Hört zu, ich werde euch keinen Ärger machen“, fügte er unvermittelt hinzu. Er hatte es schon immer gehasst, um den heißen Brei herumzureden, und das war es doch, was die beiden vermutlich am meisten beschäftigte, oder?

Kiba Telay konnte praktisch spüren, dass die Situation für keinen ganz angenehm war. Es war fast ein wenig erschreckend für sie, dass auch sie sich am Liebsten wieder zurückgezogen hätte. Aber sie war so lange fort gewesen und hatte eigentlich schon vor langer Zeit damit abgeschlossen. Nun musste sie sich zwingen, in ihre alte Rolle wieder hinein zu finden. Sie nickte Andraki ebenfalls zu, als diese wieder verschwand und Akando, nun allein mit beiden Leitwölfen konfrontiert, konnte einem fast schon ein wenig Leid tun. "Das ist nett.", antwortete sie ruhig und hielt sich mit einer 'das hätte ich auch nicht gedacht'-Aussage zurück. Sie würde keine voreiligen Schlüsse mehr ziehen. "Es ist für uns alle ein wenig schwierig sich mit der neuen Situation zu arrangieren, schätze ich."

Yago erwiderte das Nicken Andrakis und sah ihr kurz nach. Sie schien sich mit der neuen Situation gut arrangiert und in Akando einen ihr zumindest nicht unsympathischen Beta gefunden zu haben. Es freute ihn für sie. Mit neutraler Miene wandte er sich wieder Akando zu und ließ sich von der sehr kurzen Anwesenheit Akandos im Revier nicht weiter aus der Ruhe bringen. Das Beispiel Adali zeigte, dass es manchmal erschreckend wenig zählte, wie lange man schon dabei war. Als der neue Beta umschwenkte und Kibas Vorhaben durchbrach, huschte ein kaum erkennbares Grinsen über Yagos Lefzen. Direkt und eindeutig. Nun musste der Rüde sein Wort nur noch halten. Kiba versuchte wieder ein wenig zu erklären, was Yago gar nicht mehr für nötig befand. "Gut. Beweise durch Taten, dass dein Wort etwas zählt und wir werden gut miteinander zurecht kommen." Eigentlich war für den Schwarzen nun alles gesagt.


Aiyan hatte einen eher unruhigen Schlaf gehabt. Seine Mutter war zurückgekehrt, aber er selbst hatte ihre Ankunft verpasst. Auch er kam erst vor wenigen Stunden an. Es war ihm nicht entgangen, dass sein Zwillingsbruder aufstand. Was sollte das denn werden? Abhauen ohne ihn? Frechheit. So sprang der Schwarze auf und folgte ihm aus der Rudelhöhle hinaus. Jedoch war Aiyán wohl zu langsam. So verlor er die Gestalt seines Bruders aus den Augen. Wo trieb er sich nur rum?

Unruhig wie ein Tier in einem zu kleinen Käfig stromerte Farai umher. Naím war nirgendwo zu sehen, und Kiba und Yago wollte sie irgendwie nicht belästigen weil es sich jetzt….falsch anfühlte in ihrer Nähe zu sein. Ein ganz seltsames Gefühl der Unruhe hatte sie ergriffen, sie wusste nicht ob sie vor oder zurück sollte und verfiel in ein altes Muster aus ihrer Zeit der Gefangenschaft, als sie einfach nur an der Zellenwand vor und wieder zurückgeschritten war, den Kopf schwankend wie das Pendel einer Uhr. Nichts schien wirklich greifbar zu sein in dieser Phase, doch als sie plötzlich ein einem Baum entlang schritt und dabei fast mit einem dunklen Wolf kollidierte schien sie wie aus einer Starre zu erwachen. Sie kannte ihn –vom sehen- es war einer von Kibas Söhnen. Aber Farai konnte nicht sagen welcher. „E-entschuldige bitte...“

Aiyán war verwundert, als eine Grauweiße - ziemlich junge Fähe – mehr oder minder in ihn hineinrannte. Konnte sie nicht aufpassen? „Was rennst du hier wie von der Tarantel gestochen herum, kleines?“, fragte er mürrisch. Nicht, dass er ohnehin schon als Grummelbär galt, er hatte auch seinen Bruder aus den Augen verloren und dann musste diese Fähe, welche Aiyán nicht unbekannt – zumindest vom Sehen her – schien, in ihn hineinrennen.

Na toll. Die Worte des Rüden mochten an sich nicht schlimm gewesen sein, aber seinen ärgerlichen Tonfall verunsicherte Farai zusehends. Schließlich ging sie davon aus er wäre nur ihretwegen nun missgestimmt. Mit eingeklemmten Ohren wich ihr Blick zur Seite aus, während sie sich fast ohne es zu merken mit der Zunge über die Nase strich. Der erste Impuls, den Rüden danach zu Fragen um was es sich bei einer „Tarantel“ denn handeln würde konnte sie noch grade unterdrücken. Schlimm genug das sie nun für ungeschickt hielt, aber Farai musste sich ja nun nicht gleich zum kompletten Idioten machen…das war schon oft genug in der Vergangenheit passiert. „Ich mache das, wenn ich nervös bin…Also das rumlaufen. Es beruhigt mich….“ War das eine zufriedenstellende Erklärung? Vermutlich nicht. Aber in ihrem Kopf ergab es alles einen Sinn. In ihrem Kopf waren gewissen Denkmuster aber auch so geordnet wie ein vom Windstoss erfasster Haufen Herbstblätter.

Yacaru war noch immer etwas verwirrt und die gestrige Situation war etwas überfordernd gewesen - wie man wohl an ihrer Enthaltung gemerkt hatte - aber was sollte es, nun war Akara halt abgehauen und ihre alte Führung wieder da. Sie überlegte kurz, ob sie hinter Akando hertrotten sollte, mahnte sich aber innerlich, nicht wieder den selben Fehler zu machen wie bei Ares und sich nur an den Hintern eines Wolfes zu kleben. Etwas unschlüssig sah sie sich um. In der Nähe hatte es eine Kollision gegeben und munter entschloss sich die kleine Weiße, sich ins Getümmel zu stürzen. Sie trabte auf Aiyán und die fremde Jungwölfin, die mit Kiba gekommen war, zu. "Heh, Aiyán. So geht man doch nicht mit unserem Neuzugang um!" Sie grinste.

Aiyan ließ ein gut hörbares Brummen von sich. Was ging es Yacáru an, wie er mit der Neue umging? Immerhin hatte SIE ja ihn angerempelt. Aiyán seufzte. „Und was beunruhigt dich, Kleines?“, es war weder vorwurfsvoll noch sonderlich freundlich gemeint. Eher ziemlich neutral, wobei die Bezeichnung ‚Kleines’ durchaus ernst gemeint war. Sowohl Yacáru als auch Farai waren im Gegensatz zu ihm recht klein, wobei Yacáru noch mal ein ganzes Stückchen kleiner war als Farai. „Wie ich wen begrüße ist meine Sache.“, zischte er zu Yacáru.

Farai war sehr dankbar, als eine weitere - ihr unbekannte - Fähe auftauchte. Erst glaubte sie es handele sich um ein wesentlich jüngeres Tier, denn zu ihrer Überraschung war die Wölfin kleiner als Farai. Mal wieder ein Novum. Aber tatsächlich schien sie doch in ihrem alter zu sein. Obwohl sie sich nicht kannten, ergriff die helle Fähe für sie Partei, was der Rüde aber nur sehr halbherzig zur Kenntnis nahm. „Alles hier.“ Antwortete sie wahrheitsgemäß. „Ich hatte…noch nicht mit so vielen Wölfen auf einmal zu tun…“ Ihr Blick glitt zu der Weißen Fähe. Es war ungewohnt, einmal auf jemanden hinab sehen zu müssen. „Danke, aber eigentlich hat er recht…ich war…ich bin ziemlich ungeschickt.“

Yacaru schürzte die Lefzen leicht und murrte zurück, als Aiyán sie so anfuhr. "Meine Güte, du und dein Bruder, ihr werdet aber auch immer unfreundlicher. Freut euch doch einfach mal, dass eure Mutter wieder da ist und seid ein bisschen netter!" Sie schnaubte und wandte sich der noch unbekannten Jungwölfin zu, die ziemlich verunsichert schien. "Ach was, passiert jedem mal. Erst gestern hat mich Toboe über den Haufen gerannt und ich kann immer noch nicht wieder richtig laufen." Sie grinste und obwohl es sehr scherzhaft klang, war das in keinster Weise gelogen. "Ich bin Yacáru und du?"

Aiyan fletschte die Zähne gegenüber Yacáru. „Geh du erstmal meinen Weg in meinen Pfoten, dann urteile!“ , knurrte er verärgert. Sie hatte doch gar keine Ahnung was er und sein Bruder alles durchgemacht hatten! „Wüsste nicht, dass du dazu befugt bist MIR Anweisungen zu geben!“, fügte er noch knurrend hinzu. Aiyán ließ sich von nichts und niemanden etwas sagen. Naja gut… Von seinem Zwillingsbruder vielleicht . Und seiner Mutter. Aber auch nur von denen! Der Schwarze musterte die Grauweiße. „Siehst du, sie sagt selbst, dass sie schuld ist.“, grummelte er mürrisch. „Wie lautet dein Name, Kleines?“ Gewiss war es eine Frage, die Aiyán interessierte, aber es war schwer Interesse zu zeigen. Dennoch war ein hörbarer Unterschied zum Umgangston mit Farai zwischen dem mit Yacáru. Nunja, die Weiße nervte ihn aber auch gewaltig.

Oh je, was sich hier abspielte war so gar nicht die Absicht der kleinen Fähe gewesen. Farai klappte die Ohren zusammen und zog den Kopf zwischen den Schultern ein wie ein geprügelter Hund. Sie wollte keinen Streit. Und erst recht keinen Streit verursachen. „Bitte streitet euch nicht.“ Sagte sie vorsichtig und schob sich beschwichtigend zwischen die beiden Kontrahenten. Warum war der dunkle denn nur so missmutig? Wenn es wirklich wegen ihr war, dann würde sie sich hüten ihm demnächst über den Weg zu laufen. Irgendwas sagte ihr das er sehr nachtragend sein würde. Ein kleiner, lakonischer Gedanke in ihrem Kopf fragte sich wie so ein Grießgram mit einer derartig liebenswürdigen Fähe verwand sein konnte, doch er verflog schnell wieder. Allerdings war sie kurz überrascht, dass sie zu so solch Überlegungen fähig war. Auch das eigene Selbst hatte noch Überraschungen zu bieten. „Mein Name ist Farai.“ Antwortete sie beiden, und es klang ein gewisser Stolz in ihrer Stimme mit. Sie war glücklich, immer wenn sie sich nun vorstellen konnte, denn es zeigte dass sie nun ein jemand war. Keine Nummer auf einem Blatt Papier. „Toboe ist…auch dein Bruder, oder?“ Sie wandte sich noch mal an den dunklen Rüden, in der Hoffnung ein Themenwechsel würde vielleicht seine Laune verbessern.

Yacaru zog ebenfalls die Lefzen hoch und knurrte - sie war zwar nur halb so groß wie Aiyán, aber sie wusste das hinter all diesem Gezetere nur heiße Luft steckte, genau wie bei Saiyán. Heute schien er wirklich mit dem ganz falschen Bein aufgestanden zu sein, aber Yacáru würde sicher nicht einfach kleinbei geben und so mit sich umspringen lassen. "Ohh ja, du bist ein ganz armes Würstchen, nur du hast Probleme und alle anderen sind natürlich völlig sorgenfrei. Komm mal runter, du Blödmann!" Und wie er die arme Graue andauernd 'Kleines' nannte, war ja schrecklich! Sie wandte die Augen wieder zu ihr. "Entschuldige, aber man muss sich nun wirklich nicht alles gefallen lassen." Sie lächelte wieder freundlicher und nickte, als die Jungwölfin sich als 'Farai' vorstellte.

Aiyan sah Yacáru mit einem säuerlichen Blick an. „Dein Vater ist nicht in Flammen gestorben…“, zischte er leise. Er wollte davon auch nichts mehr hören, sehen und fühlen. Daher kam ihm der Themenwechsel von Farai gelegen. Auch wenn das Thema Toboe nicht das Allerbeste war. Aiyán zog es vor nicht auf Yacáru einzugehen. Zu schmerzvoll waren die Bilder, die in ihm hochkamen. „Ja, ist er. Wieso fragst du? Kennst du ihn?“ Aiyán hatte mehr verpasst als gedacht während er fort war. Nunja, die paar Stunden. Aber es waren die Stunden der Ankunft jener Fremden und vor allem seiner Mutter. Kurz schweifte sein Blick auf seine verletzte Pfote. Oh wie er Pyry dafür hasste. Dabei dachte er sie wären so etwas wie Freunde.

Hm. Offensichtlich gehörte es dazu, dass man sich ab und zu ein wenig anknurrte. Was Farai an dieser Stelle lernte war folgendes: Es war ungeheuer wichtig, das man nicht klein beigab. Das hatte wohl so was wie mit dem „Rang“ zu tun aus dem sich ein Rudel zusammensetzte. Sie erinnerte sich an die Szene mit Kenayo und Yago, da ging es auch um eine Demonstration der Stärke, die in Augen aller angemessen erschien, nur Farai hatte es nicht verstanden. Wieso baute alles darauf auf, das man nicht zurückstecken durfte? Oder zumindest akzeptieren. Farai war Weltmeister im akzeptieren. Nun, nicht alles. Sie erinnerte sich an das Streitgespräch mit Kain. Dort hatte sie einmal versucht dagegen zu halten. Und was hatte es gebracht? Nichts, außer das Kain nun nicht mehr mit ihr redete anscheinend. Weil er genauso wenig akzeptieren konnte oder wollte oder sollte wie wohl alle Wölfe. Yacárus Worte unterstrichen das ganze nur. Man muss sich nicht alles gefallen lassen. Farai würde das versuchen zu beherzigen, und sie nickte der weißen Fähe vielleicht eine Spur zu ernst entgegen. Nicht nur ein Zeichen das sie verstanden hatte, sondern auch, das sie es sich zu Herzen nehmen würde. Ein Satz des dunklen Rüden lies sie aufhorchen. Sein Vater war tot? Wie lange wohl schon? Vielleicht war das mitunter ein Grund, warum Kiba so traurig war. Farai wusste nicht wie es sich anfühlte Eltern zu besitzen, aber sie wusste wie es war wenn man sein Herz verschenkte. Würde Kiba oder Yago oder Naím etwas passieren…sie würde…nein, eigentlich wusste sie gar nicht was sie dann tun würde. „Ähm, nein. Ich kenne ihn nicht. Ich hab ihn nur gesehen als wir auf das Rudel getroffen sind, da war er mit deinem anderen Bruder. Ich frage nur, weil Yacaru ihn erwähnt hatte.“ Die Äußerung des Rüden (er selbst hatte sich komischerweise nicht vorgestellt) hatte Farai völlig aus dem Konzept gebracht. „Es tut mir leid, das dein Vater nicht mehr lebt“ sagte sie aufrichtig. Nie einen zu besitzen war schlimm. Aber was man nicht kennt vermisst man nicht. Einen zu haben und dann zu verlieren war gewiss noch deutlich schmerzhafter.

Yacaru ließ die Lefzen wieder sinken. Hah! Typisch. Plötzlich gar nicht mehr so groß die Klappe. Aber sie nahm es zu Kenntnis und versuchte sich an einem friedfertigeren Blick und unterdrückte das Augenrollen auf seinen Kommentar hin. Ja klar. Das war der Grund aller Dinge. "Aber ich habe meine Eltern auch nicht mehr. Und du hast Kiba wieder, das ist doch toll.", versuchte sie freundlich zu entgegnen und sogar etwas Positives aufzuzeigen. Sie wandte sich wieder Farai zu. "Und wo kommst du her?"

Aiyans Blick sank zu Boden. „Ja, meine Mutter ist zurück. Ich weiß nur nicht wie ich damit umgehen soll … Soll ich weinen oder lachen?“, murmelte er nachdenklich. Seine aggressive Stimmung und Haltung verschwand im Nu. Mitleid konnte er gar nicht gebrauchen. „Ich brauche kein Mitleid.“, sagte er kühl, jedoch weder aggressiv noch anderweitig negativ gemeint. Lediglich kühl als wolle er davon nichts mehr hören und wissen. Und dem war auch so. Schwestern und Vater durch einen Brand verloren. Nun denn. Aiyán richtete seinen Kopf wieder auf. „ Ja, mein Zwillingsbruder Saiyán. Wir sind ein Herz und eine Seele.“, offenbarte er ihr. „Ach, und ich bin Aiýan Tendes, wie du bereits weißt Kibas Sohn.“, stellte er sich noch rasch vor. Dann wartete er auf die Antwort der Kleinen auf Yacárus Frage.

“Ich?“ Es klang deutlich zu überrascht, um nicht erschrocken zu wirken. Nicht das Farai sich schon über diese Frage Gedanken gemacht hatte. Aber das sie nun schon so früh darauf angesprochen wurde kam doch unerwartet. Was sollte sie tun? Die Wahrheit sagen, wie damals als sie zwischen den Steinen der Berge lag und schmerzhaft nichts als Unverständnis geerntet hatte? Vielleicht würde die kleine weiße Fähe sogar so was wie Empathie aufbringen, doch von dem Rüden erwartete Farai nichts. Wenn er so ungläubig wie Yago reagieren würde wäre das bestimmt noch die netteste Variante, aber sie traute ihm auch zu deutlich boshaftere Dinge von sich zu geben und das… Huch…was war das? Alles an dem Rüden änderte sich plötzlich. Wie bei einem zweifarbigen Blatt, das man plötzlich umdrehte. Auf ein Mal wirkte er schrecklich zerbrechlich, auch wenn er seine Schutzhülle aus Missmut nicht verließ. Jetzt musste Farai lächeln. Ein schiefes, leises und halbes Lächeln. Aber sie freute sich darüber das er offenbar noch zu mehr Gefühlen fähig war. Allerdings lenkte Aiyan –wie sich nun vorstellte- dann wieder die komplette Aufmerksamkeit auf sie. Auch er erwartete nun eine Antwort. „Ich bin am Rand der Berge auf Kiba und Yago gestoßen.“ Nun, das war nicht gelogen, beantwortete die Frage und war ihr sowieso die liebste aller Geschichtenanfänge. Ab dort ging es für die Protagonistin nämlich bergauf, auch wenn sie dafür zunächst einen Berg hinunterfallen musste.

Yacaru sah Aiyán ein wenig irritiert an. "Aber warum denn weinen?" Also, was in den Köpfen dieser Zwillinge vorging, würde sie niemals nachvollziehen können. Es war fraglich, ob sie das selbst konnten. Sie zuckte mit den Schultern. "War auch nicht mitleidig gemeint." Danach lauschte sie Farais Antwort. Auch wenn die deutlich knapper ausfiel, als sie erwartet hatte. Ja, dass sie auf Yago und Kiba getroffen war, so weit hatte sie sich das auch schon zusammenreimen können. Und davor? Aber vielleicht wollte sie das ja auch nicht erzählen, naja, sowas musste man wohl akzeptieren. Sie würde Farai jedenfalls keine Antwort abzwingen. "Aahja. Wie lange bist du schon bei ihnen?", versuchte sie stattdessen.

Farai war Yacaru dankbar das sie nicht weiter nachhakte, auch wenn sie spürte das dies nicht die Antwort war die sie sich gewünscht hatte. Aber diese Dinge würden erst einmal ihr Geheimnis bleiben. Yago und Kiba wussten es. Ob sie es den anderen Wölfen sagen würden konnte Farai nicht verhindern, allerdings glaubte sie nicht daran. Sie selbst jedenfalls nahm es in kauf, das man unzufrieden auf ihre Antworten reagierte. Das war in der Relation gesehen die bessere beider Varianten. Die nächste Frage der weißen war aber ebenfalls schwieriger als man glauben mochte. Zeit war für die graue Fähe wie eine fremde Sprache, die sie erst erlernen musste. Stunden und Tage waren kein Problem mittlerweile, doch alles was über Wochen hinausging stellte sie vor eine unlösbare Aufgabe. Ein Verständnis für Zeit war ihr in den Monaten der Isolation und Dunkelheit nie beigebracht worden, und so fehlte ihr auch jetzt jegliches Gefühl um einen Zeitraum einzugrenzen der vielleicht länger als einundzwanzig Tage überschritt. „Als ich sie traf, waren sie grade aufgebrochen glaube ich…Kiba war damals an der Schulter verletzt.“ Gut gerettet. Man musste eben nur wissen, wie. Etwas schien Aiyan Aufmerksamkeit zu erregen. Als Farai sich umdrehte und in die entsprechende Richtung sah erkannte sie auch, warum. Er hatte seinen Bruder entdeckt. Ohne große umschweife verließ er daraufhin die beiden Fähen, was Farai einerseits irritierend, und andererseits doch ganz gut fand.

Yacaru war etwas verwundert darüber, dass Farai doch schon sooo lange bei Kiba und Yago war. Sie fragte sich, warum die Zwei sie wohl mit sich genommen hatten, verkniff sich aber diese Frage. Vielleicht hatten sie auch einfach nicht ganz allein sein wollen. Yacáru nahm auch zur Kenntnis, dass Aiyán einfach so abhaute, scherte sich aber nicht groß drum. Sie sah Farais Blick hinter ihm her. "Die Zwillinge sind komische und griesgrämige Genossen. Eigentlich sind alle Jungwölfe hier auf ihre Weise schräg, aber die anderen sind wenigstens netter, dass kann ich dir versichern."

Na, wenn alle Jungwolfe einen leicht schrägen Touch hatten, dann passte Farai wenigstens ganz gut zu ihnen, dachte sie lächelnd als sie Aiyan immer noch nachsah. Vielleicht würde die Zeit hier doch wirklich schön werden, wenn sie erstmal die anderen näher kennengelernt hatte. Yacaru war jedenfalls schon mal sehr nett und fürsorglich. Ein bisschen so wie Kiba, nur mit einem helleren Gemüt. „Danke, ich hoffe ich kann die anderen auch bald kennenlernen. Wenn nicht alle so…missmutig sind wie Aiyan bin ich ja beruhigt.“ Wieder ein Lächeln. Ja, jetzt grade ging es ihr grade richtig gut. Seit langem hatte sie wieder Hoffnung, eine gute, positive Hoffnung, keine mühselig, halbherzig zusammengekramte.

Yacaru nickte und lächelte ebenfalls. "Ja, Toboe ist zum Beispiel netter als seine Brüder, hat dafür aber andere Macken." Sie wog den Kopf ein wenig. "Aber von den Erwachsenen sind auch noch alle recht neu. Die Wölfe gehen hier oft ein und aus."

You are not alone in your life although you might think that you are

So sorry your world is tumbling down
I watch you through these nights
Rest your head and go to sleep
Because my child,
this is not our farewell
10.11.2011 00:30
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