Spielleitung & Helfer
 
Gründung:    23. Juli 2005
12 Rüden
9 Fähen
davon 4 Welpen
TAG | 30. Dezember 1926 . abends
WETTER | Himmel schon recht dunkel # vereinzelte Schneeflocken # weiße Nordlichter # -6 °C

Seit dem letzten Plot sind etwa 2 Monate vergangen. Die Welpen lernen langsam mit dem Verlust Jeannes zurecht zu kommen, doch es ist schwer, vor allem für ihre eigenen. Als der Herbst in den Winter überging, ist das Rudel zum Gebirgsbach weitergewandert. Man hat wie schon im vergangenen Jahr kein Interesse daran, in der "Winterhöhle" Quartier aufzuschlagen, aber man ist sich um ihren Nutzen bewusst, sollte der Winter mit heftigen Schneestürmen aufwarten, deshalb wurde beschlossen, einfach in ihrer Nähe zu lagern. Während der Winterpelz bei den Wölfen an Fülle gewonnen hat, schienen sich außerdem bei ein paar Individuen neue Abzeichen im Pelz herauszubilden. Es ist nicht übermäßig auffällig, da sich der Prozess mit dem Fellwechsel vermischt, aber irgendwie sehen ein paar Rudelmitglieder ein ganz klein bisschen anders aus als sonst, oder? Was aber definitiv jedem an diesem Tag auffällt ist das weiße Nordlicht, dass am Himmel erschienen ist. Genau wie es nach jenem Tag im letzten Winter auftauchte.

Ab 6 Tagen werden hier User darauf hingewiesen, wie lange sie schon mit Schreiben dran sind. Diese User dürfen nach dem Ermessen des Wartenden übersprungen werden.


Sheyna seit: 146 Tagen
Yavinja seit: 83 Tagen
Caspar seit: 43 Tagen
Saiyán Tendes seit: 26 Tagen


Autor

Beitrag

Cave of Mind
the ice breaks, i'm pulled beneath
Bildnachweis
Monty Sloan - wolfpark.org

Rang

Wächter

Alter

6 Jahre ∞

Geschlecht

Fähe

Größe

94 cm

Beiträge

367

Beitritt

23.07.2005

Seite 1


Allmählich trieben die zerstreuten Gruppen wieder aufeinander zu, man ließ die Kammern hinter sich und ging weiter, hoffend, dass einfach nur noch ein Ausgang und der Rest der Sippe wiedergefunden wurde. Erstaunlicher Weise trafen beide Gänge dann recht schnell aufeinander und binnen weniger Minuten waren alle wieder beisammen. Und beide Gruppen hatten die selben Kammern, die selben Spiegel und die selben, verschiedensten verrückten Dinge gesehen. Doch anstatt gleich alle Erlebnisse untereinander aus zu tauschen, liefen die Wölfe nach einer kurzen Begrüßung schnell weiter. Ein Luftzug und natürliches Licht kündigten den Ausgang an, den sie alle so sehnlichst erwarteten. Der Gang wurde breiter, dafür aber auch immer steiler und schließlich mussten die Wölfe fast klettern. Adali und Leikuna halfen Kiba – zusätzlich in Gesellschaft der Welpen – dabei den Ausgang auch mit drei Pfoten zu erreichen.
Vor ihnen erstreckte sich ein scheinbar entloses, verschneites Plateau, dessen Ränder sich mit Wolkendecken vermischten. Über ihnen zeigte sich bloß der Himmel, kein Regen weit und breit. Selbst Kiba wusste nicht, wo sie gelandet waren, konnte bloß die Vermutung aufstellen, dass sie sich irgendwo auf einer sehr hohen Stelle des Gebirgringes befanden. Sie beschlossen eine Rast ein zu legen, denn niemand hatte Lust so schnell wieder zurück in den Berg zu gehen.
Kiba, sowie Leikuna hatten Yago in unmittelbarer Nähe wieder entdeckt, doch zu mehr als einer Entschuldigung Yagos war es noch nicht gekommen. Der Schwarze zog sich zurück vom Tumult des Rudels und die silbergraue Leitwölfin war vorerst mit ihren Kindern beschäftigt. Leikuna, noch immer ziemlich verwirrt und verstört ließ sich genau so abseits vom Rudel nieder und wollte niemanden sehen.

Es sind ein paar Stunden vergangen, die Wölfe noch recht dicht beieinander und haben bisher nur einen kleinen Radius des Plateaus erkundet. Die steilen Klippen im Westen des eher länglichen Plateaus hat noch keiner bemerkt, nur die kleine Quelle, aus der ein kleiner Bach entspringt und im Nichts verschwindet, ist nah genug, um sie entdeckt zu haben. Es ist um einiges kälter, als im regnerischen Tal, zudem still und windig. Allmählich bricht der Abend herein.





Jeanne


Es kam ihr so unendlich still vor, seit sie hier oben war. Der kalte Wind strich durch ihre Fell, sonst saß die Weiße still da. Shanaro lag in der Nähe, Jeanne wußte ihn in Sicherheit. Die dunklen Augen geschlossen hatte die Fähe den Kopf zum Himmel gehoben, atmete immer wieder tief die kalte Luft ein. Sie hatte den ganzen Weg hier hoch fast nur geschwiegen, wenn sie geantwortet hatte nur sehr leise. Immer wieder war sie in ihren eigenen Gedanken versunken, hätte sich am liebsten von allen entfernt. Aber Jeanne war stark geblieben, zumindest hatte sie es versucht. Wenn sie die Augen schloß, sah sie sein sanftes Lächeln, und wenn sie genau hin hörte, klang noch immer das Summen in ihrem Kopf wieder. Ansonsten fühlte sie sich von Stille umhüllt.
Nun saß sie allein da, spürte den Schnee unter den Läufen. Gelegentlich nahm sie die Stimmen eines Wolfes wahr, reagierte aber kaum. Sie kannte sich selbst nicht so, sie war nicht die Art Wolf, die sich vollkommen abkapselte, und mit niemandem sprach. Sie wollte und musste sich zusammen reißen. Sie tat niemandem einen Gefallen, wenn sie sich weiterhin so in sich gekehrt verhielt. Jeanne seufzte und senkte den Kopf, den Blick nach vorn gerichtet. Mit einem leichten Schütteln ihres Kopfes erhob sich die Weiße, setzte sich langsam in Bewegung. Sie hatte genug geweint und gejammert. Es konnte sich nichts ändern, wenn sie einfach nur da saß. Ein kurzer Blick über das Rudel, dann ging sie einfach weiter. Was sollte sie hier oben für ein Ziel haben?
Einige Meter weiter blieb die Weiße aber schon wieder stehen, hob den Blick und blickte nach vorn. Sie sah die Fähe an, die nun vor ihr stand. Und ganz vorsichtig zog sich ein unsicheres Lächeln auf ihre Lefzen. Akara war allein, aber die Weiße konnte sich nicht vorstellen, dass die Fähe über so etwas nachdachte, wie sie. Naja..

“Hallo Akara. Hast du.. schon ein Mal so etwas gesehen? Es ist so still und wirkt irgendwie geheimnisvoll.“

Etwas besseres fiel ihr nicht ein. Aber irgendwie musste sie auf jemanden zu gehen. Das kalte Wetter war nichts gegen die Kälte der Einsamkeit.


04.08.2009 22:16




Toboe Tear


Schnee. Überall Schnee. Das war ungewohnt, wo er doch noch nie.. diese weiße Masse gesehen hatte. Er hatte am Höhlenausgang seine Mutter gefragt, was das den zu bedeuten hatte. Schnee. Ganz schlicht und einfach. Zuerst war es ein wenig.. furchteinflößend. Aber mit jedem Schritt wurde er wieder sicherer. Es tat nicht weh, es war nicht schlimm. Nur an den Pfoten war es ein wenig kalt. Gelgentlich hob er also seine Pfoten weiß aus der Masse heraus, um sie dann wieder in den Schnee sinken zu lassen. Und so schritt er einfach vor sich hin, war ausnahmsweise mal ganz allein unterwegs. Wo Teyrm war wußte er gerade nicht, aber das war auch alles viel zu interessant, um nach ihm zu suchen. Vielleicht sprang er ja ganz plötzlich aus dem Schnee und überraschte ihn? Ein kurzer Blick zurück zu seiner Mutter, dann tappte er weiter nach vorn. Aufmerksam hatte der Graue die Ohren aufgerichtet, die blauen Augen aufmerksam nach vorn gerichtet. Er durfte nichts verpassen! Nur ab und zu legten sich die Ohren an den Kopf, um nicht so dem kalten Wind ausgesetzt zu sein. Die Bilder der Spiegel waren fast vergessen, wußte er doch, dass sie nicht Wirklichkeit waren. Sein Vater war tot, immerhin war sein Bild auch verblasst gewesen. Und das seiner Mutter, direkt daneben, hatte fast geleuchtet. Jeanne kämpfte immer noch mit Danleys Spiegelung, das wußte er. Aber er wollte sie allein lassen, bis es ihr besser ging. Sicher wollte sie ein wenig Ruhe, bis sie darüber hinweg war. Diese Zeit sollte sie bekommen. Er hatte ja nun auch einiges zu tun.
Wo er nun war, wußte er nicht, immerhin sah hier alles gleich aus. Schnee. Und über ihnen Himmel. Aber den Grauen störte das alles nicht, er reckte die Nase zum Himmel und atmete tief die kühle Luft ein. In einem kurzen Anfall von Übermut sprang Toboe in die Luft, machte einen Satz nach vorn. Das dort etwas vor ihm im Schnee lag bemerkte er nicht. Erst als seine Hinterläufe wieder etwas berührten, was deutlich weicher als Boden war, sah er nach unten. Weißes Fell. Toboe versuchte seinen Fall zu lenken, landete dabei aber mit der Schnauze im Schnee. Ok, der Schnee schmeckte immer noch nicht. Den hellen Pelz schüttelnd rappelte er sich auf und sah das weiße Wesen an, dass da unter ihm lag.

“Oh, ähm.. ‘tschuldigung. Ich hab dich nicht gesehen.“

Er hob eine Augenbraue und drehte sich dann ganz um. Was versteckte sie sich auch so im Schnee?


04.08.2009 22:33




Nashita R‘ayah


Sie hatte noch nie in ihrem kurzen Leben etwas derart seltsames erlebt. Wölfe sind plötzlich zurückgeschreckt oder sahen aus, als wären sie kurz vor dem zusammen brechen. Nur wegen einem... einem riesigen, glitzernden Stein, der spiegelte. Nashita hatte aber auch keine Zeit gehabt dem ganzen Theater auf den Grund zu gehen, sonst wäre sie womöglich noch allein in der Höhle zurückgeblieben.
Vielleicht hatten sich ja Krähen oder ähnliches in dem Stein versteckt? Sie erschauderte bei dem Gedanken an diese durch und durch bösartigen Tiere. Wäre das tatsächlich der Fall, so hätte sie wahrscheinlich genauso reagiert, oder wäre hysterisch davon gerannt.
Als Nashi sich diese Möglichkeit ins Bewusstsein rief, wurde sie froh darüber den merkwürdigen Reaktionen nicht auf den Grund gegangen zu sein. Trotzdem plagte sie die Neugier. Ob sie einfach umdrehen sollte um nazusehen? Den Weg kannte sie ja schließlich. Aber was wenn sie dann doch nich mehr zurückfinden würde? Nach ihr suchen würde bestimmt keiner, denn sie kannte ja niemanden. Unschlüssig drehte sie sich immer wieder in Richtung Höhle und dann wieder zum Plateau.
Ihr hin und her gedrehe kam einem Welpen, der einfach Spaß am im Kreis rennen hatte schon sehr nahe, wodurch der Fähe auch nach einiger Zeit ziemlich schwindelig wurde. So entschied sie sich, ihre Entscheidungsschwierigkeiten lieber nicht durch "Körpersprache" zu verdeutlichen.
Hier stand die Hellbraune jetzt also. Ihre hintere Hälfte noch in der Höhle versteckt, während die Vordere schon nach dem Tageslicht gierte. Endlich musste sie nicht mehr so langsam schleichen. Das war eine gute Seite des draußen seins. Doch wusste sie immer noch nicht was da drinnen vor sich gegangen war. Nashita begann schon vor lauter geistiger Anstrengung zu hecheln. Wenn das Rudel hier blieb, konnte sie eigentlich jeden Tag in die Höhle gehen. Somit könnte sie auch später gehen und das Problem wäre gelöst. Glücklich über ihre höchst intelligente und schwierig zu erreichende Schlussfolgerung setzte sich ihre lange Rute ganz von allein in Bewegung. Jetzt konnte sie also tun was sie so gerne tat. Laufen. Und ganz nebenbei noch gucken was hier sonst so los war.
Die bunte Fähe streckte sich noch einmal kurz, bevor sie losrannte um das Plateau zu erkunden. Die Tatsache, dass sie sich eigentlich noch ordentlich vorstellen musste, wie man es ihr beigebracht hat, hatte sie angesichts des neu zu erkundenden Gebietes und der wiedergewonnen räumlichen Freiheit völlig verdrängt.
Sie eilte Richtung Westen, wo sie schon bald auf eine kleine Klippe stieß. Wunderbar! Auf denen ließ es sich sicher ganz toll herumklettern. Allerdings war es mit ihrer Kletterkunst nicht weit her. Ihr Kopf schmerzte, als sie daran dachte, wie sie soetwas schon einmal probiert hatte. Mit nur mäßigem Erfolg. Und dem schmerzhaften Ergebnis, dass sie das mit dem Klettern lieber lassen sollte. Ihre damalige Erfahrung im Kopf, wandte Nashi sich von den paar Klippen ab und sah sich stattdessen das Rudel genauer an. Einige von ihnen waren immer noch ziemlich... verwirrt? Sie konnte die Gesichter aus der Entfernung nicht so genau deuten, aber glücklich waren manche definitiv nicht.
#

04.08.2009 22:33




Akara Chitaru


Akara wandte den Kopf zu Jeanne um, als diese zu ihr hinüber trat. Im ersten Augenblick war ihr die Verwunderung anzumerken, als die weiße Wölfin sie ansprach. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Jeanne nicht nur in ihre Richtung gegangen war, sondern sich wahrhaftig zu ihr gesellte. Bisher hatten sie sich nie unterhalten, obwohl nun doch schon eine ganze Weile vergangen war. Zur Begrüßung nickte sie der Wölfin freundlich zu. Wohlwollen und Güte standen wie immer nur in ihren Augen, ihre Mimik veränderte sich kaum merklich, so dass es Jeanne vielleicht gar nicht aufgefallen war. Wenn man sie nicht genau ansah, wirkte sie sehr ernst. Wie immer eigentlich. Ausgelassenheit war ihr beinahe fremd. In jeder Sekunde schien sie beherrscht und bedacht, nur dass sie schon lange nicht mehr darüber nachdachte.
Hier über den Wolken wirkte sie, wie ein Teil der Szenerie. Auch sie strahlte eine vergleichbare Ruhe aus und wäre es nicht nötig gewesen, Worte an die Rudelmitglieder zu richten, wäre sie verschwiegen gewesen, wie das leblose Plateau. Trotz der unnatürlichen Stille war dieser Ort über den Wolken wunderschön und wirkte auf Akara, sowie auf manch anderen Faszination aus. Es war schön. Kalt, still und schön. Keine negative Kälte, oder Stille. Nichts dergleichen ging vom Plateau oder Akara aus. Es war nur eine namenlose Fremde, die man spüren konnte.

“Nein.“

Erklärte sie, mit ihrer typisch anmutigen Stimme. Die kurze und knappe Antwort machte nicht den Eindruck, als hätte sie keine Lust auf ein Gespräch, wirkte hingegen noch einladend. Sie klang fast verträumt, leise und doch bestimmt.
Sie besann sich, den hier üblichen Umgangsformen nachzukommen und fügte noch etwas an:

“Noch nie sah ich von oben auf die Wolken hinunter. Es war immer andersherum. Ein schöner Ort, den wir hier durch Zufall entdeckt haben.“

Akara fühlte sich noch ein wenig befangen von ihren Gedanken und verschiedenen Geschehnissen, die sich vor einigen Stunden zugetragen hatten. Es war still geworden, im Rudel und es hatte sich vertraut angefühlt. Beinahe fühlte sie sich zurückversetzt in die Zeit, in der sie ihr Geburtsrudel begleitet hatte. Doch der Traum war rasch verfolgen, als sich das Leben wieder in der Gemeinschaft regte. Es lag ihr fremd, dies zu bedauern.
Ein bisschen hatte sie noch gehofft, mehr über sich und die Anderen zu erfahren, war sie doch fasziniert von den Spiegeln gewesen und hätte zu gern noch mehr Kammern kennen gelernt. Doch die andere Gruppe war lediglich vor den gleichen Kristallen gestanden.

“Was haben die Spiegel dir gezeigt?“

Fragte sie mit einer Direktheit, die sie sich selbst nicht zugetraut hätte. Sie fühlte sich wieder so verloren und fremd, zugleich aber zugehörig, in diesem Rudel, dass sie bedauerte, nicht mit mehr Wölfen in den Kammern unterwegs gewesen zu sein. Plötzlich standen sie sich wieder als Geheimnisse gegenüber. Dass es anders sein konnte, hatte Akara nie geahnt. Nun, da sie von den Kristallen entfernt waren, wurde ihr mehr als deutlich bewusst, wie wenig man über einen Wolf lernte, wenn man ihn nur ansah und sich über belanglose Dinge unterhielt.
In ihrer Familie war dass anders gewesen, aber nur deshalb, weil sie sich von Beginn an kannten. Es galt nur, etwas über die Eltern und Großeltern in Erfahrung zu bringen und je älter man wurde, desto weniger Fragen taten sich auf.


05.08.2009 12:29




Saiyán Tendes


Saiyán Nour hatte die Schnauze voll gehabt. Die ganze Höhle, die doofen Bilder und überhaupt die Situation waren dem jungen Rüden zu viel geworden. Als Krönung des ganzen Schlamassels hatte er dann in der letzten blöden Kammer im letzten blöden Spiegel nichts weiter als ein großes Rudel von identisch aussehenden Wölfen gesehen. Eigentlich hätte ihn Ais Baum amüsieren sollen, aber er war so erbost gewesen über das Bild, das er nicht verstand und das ihm dennoch kein bisschen in den Kram passte, dass er den Rest des Weges schweigend schmollend neben seinem Bruder hergetappt war. Tatsächlich hatten ihn die frische Luft und die Helligkeit ein wenig aufgemuntert, zudem mochte er Schnee und Winter – er war ja auch ein Halbrequist. Gute Laune hatte er trotzdem nicht bekommen. Brummig und ohne sich groß um seine Mutter zu kümmern – dabei wäre er schrecklich gerne zu ihr gegangen – hatte er sich abseits des Rudels in der Nähe der Klippen niedergelassen. Hier lag er nun, schmollte und brummte, tat sich selbst leid und überlegte sich ab und an, ob er nicht einfach abhauen sollte. Aber natürlich würde er Ai nie verlassen und außerdem mochte er seine Mama ja eigentlich sehr gerne. Und sowieso würde das Abhauen wohl nur über die lange dunkle Höhle erfolgen können und am Ende würde ihn Regen erwarten. Klang doof. Missmutig betrachtete er den plattgedrückten Schnee zu seinen Pfoten und schaute erst auf, als sich ihm jemand näherte. Eine unbekannte Jungwölfin sprang nur ein paar Wolfslängen von ihm entfernt am Rand der Klippen herum und drehte sich schließlich stehenbleibend zum Rudel. Aufmerksam und sicher auch dankbar über ein wenig Ablenkung musterte Saiyán die bunte Fähe. Sie roch unbekannt, doch er konnte nicht sicher sagen, ob sie tatsächlich kein Rudelmitglied war. Er kannte so viele neue Wölfe nicht und möglicherweise hatte sie ja kurz mit Kiba gesprochen und war nur relativ neu. Sonst würde sie ja auch nicht hier herumrennen, oder was sollte einen sonst dazu bewegen, durch diese Höhlen zu tappen? Der junge Rüde gab sich einen Ruck, erhob sich und stapfte ein paar Schritte auf die bunte Wölfin zu.

“He, an deiner Stelle würde ich aufpassen, sonst purzelst du gleich die Klippen runter.“

Sozial war Sai eigentlich noch nie gewesen, aber es sah wirklich ein wenig gefährlich aus, was die Fähe da anstellte und außerdem würde sie ihn ein wenig ablenken. Ohne ihn zu kennen und ohne irgendwelche blöden Vorurteile zu hegen. Genauso wenig hatte Sai Vorurteile gegenüber ihr, auch wenn er sonst ganz gerne andere in Schubladen steckte und die meisten anderen Wölfe eh blöd fand. Wahrscheinlich würde das bei dieser Fähe auch nicht anders werden, aber vorerst war sie noch neutral.


05.08.2009 14:58




Kiba Telay


Ruhend lag Kiba im Schnee, den Kopf erhoben und den Blick hin und wieder umher schweifen lassend. Innerhalb der letzten Stunden hatte sich das Blatt wieder einmal zum Unglaublicheren gewendet. Als wären die Spiegelkristalle, die Bilder und Gänge nicht schon genug gewesen, befanden sie sich jetzt in einem völlig fremden Areal. Völlig fremd. In ihrem Tal, von dem sie gedacht hatte, es so gut zu kennen. Aber wie sie es auch drehte und wandte – dieser Gang dort in der Rudelhöhle. Den hatte es in den letzten Jahren schlichtweg nicht gegeben! Es war ihr ein Rätsel. Aber alles was darauf gefolgt war, war ebenso ein Rätsel. Und so würde es wohl auch bleiben.
Die silbergraue Leitwölfin hatte sich sehr darum bemüht Leikuna zu trösten. Es war ihr wohl nur minimal gelungen, aber wenigstens ein bisschen. Sie hatte die Weiße immerhin dazu bringen können, sich wieder auf zu rappeln und weiter zu gehen. Jetzt war sie wieder verschwunden und all der Schnee machte es schwierig, sie rasch wieder zu entdecken. Blieb bloß zu hoffen, dass sie sich schnell wieder beruhigte ... dass sich alle schnell wieder beruhigten.
Yago hatte auf sie gewartet, als das Rudel den Ausgang erreicht hatte. Es hatte eine kurze Entschuldigung gegeben, dann war der Schwarze wieder gegangen. Aber zu einer Aussprache, umringt vom ganzen Rudel, wäre es eh nicht gekommen, selbst wenn die Requistin ihren Freund aufgehalten hätte. Nein, vielleicht war es gut so. So hatte sie sich ein wenig mit Toboe und Aiyán beschäftigen können, Saiyán war nach Ais Aussage nicht sehr gut drauf und blieb abseits. Aber so war er schließlich immer schon gewesen und sie ließ ihren Sohn so handeln, wie er es vorzog. Wenn er zu ihr kommen wollte, wäre sie jederzeit da.
Langsam rappelte sich die Leitwölfin wieder auf. Sie brauchte ihre Augen jetzt nicht auf dem Rudel zu haben, es war ruhig, die Ereignisse wurden ausgetauscht. Die Welpen hatten sich auch wieder zerstreut und wenn sie ehrlich war, ließen sich die Gedanken an Yagos Verhalten und ihre Spiegelbilder nicht verscheuchen. So sehr sie auch versuchte, sie durch andere zu unterdrücken. Es lief alles auf das Selbe hinaus.
Kiba entfernte sich von ihren Wölfen, zuerst auf nichts weiter achtend, als auf den Schnee. Der kalte Wind in ihrem Fell, sein Pfeifen in ihren Ohren. Das hier war noch mal etwas ganz anderes, als der Winter im Tal. Hier gab es nichts. Nichts weiter. Nur den Schnee und die Wolken unter ihnen. Es war schön. Auf die Wolken zu blicken und zu denken, man könnte auf ihnen genau so laufen, wie auf Schnee. Allein der Versuch hätte sie das Leben gekostet, aber die Vorstellung blieb faszinierend. Der Winter. Ihr Winter.
Die Silbergraue bewegte sich recht dicht am Plateaurand entlang, ihre blauen Augen hefteten sich nun auf eine schwarze Gestalt in der Nähe. Ihre Schritte wurden etwas zögerlicher – sie setzte sogar ihre verletzte Pfote ganz leicht auf. Der eisige Schnee betäubte die Schmerzen – während sie Yago näher kam. Natürlich hatte sie beabsichtigt ihn zu finden, doch was tat sie nun? So weit hatte sie nicht gedacht. Konnte sie seine Entschuldigung einfach wieder aufgreifen? Aber was fing sie eigentlich mit ihr an? Er war einfach abgehauen, hatte anschließend auf sie gewartet und sich für sein Verhalten entschuldigt. Eigentlich gab es nichts weiter dazu zu sagen. Sie konnte ihn dafür nicht tadeln, wie eine Mutter ihren Welpen. Allein der Gedanke war absurd. Selbst als Alpha und Beta nicht.
Stumm ließ sie sich in einem kleinen Abstand neben Yago auf die Hinterläufe sinken, ließ ihren Blick auf die Wolkenberge fallen, die sich so paradox unter ihnen befanden.

Es wirkt, als hätten wir durch die Spiegel eine ganz andere Welt betreten. Merkwürdig, nicht?“

Eigentlich meinte sie nicht die Umgebung, nicht das fremde Plateau und die Tatsache, dass es hier einfach ganz anders war, als im Tal. Es waren die Spiegelbilder, die noch viel fremder und merkwürdiger gewesen waren. Ein Einblick, und sie wagte noch nicht, über ihn nach zu denken.


05.08.2009 14:58




Yago


Yago hatte sich verkrümelt. Eine seiner besten Fähigkeiten. Und anders als sonst, verdiente seine Flucht genau diese Bezeichnung. Er war sich fast ein wenig edelmütig vorgekommen, als er Kiba und Leikuna entgegengetreten war, um ihnen seine Entschuldigung darzubieten … leider hatte das zumindest seitens Leikunas nichts gebracht. Die Fähe hatte schrecklich ausgesehen und Yagos Entschuldigung schien sie kein bisschen umgestimmt zu haben. Seine kleine Schwester war wieder weggegangen und hing nun irgendwo, traurig und weinend. Das war ganz und gar nicht Yagos Absicht gewesen und weil er keine Ahnung hatte, wie er mit dieser Situation umgehen sollte, hatte er sich – wie erwähnt – verkrümelt. Nun lag er hier, auf der anderen Seite des Höhlenausgangs, sodass ihn das Rudel nicht sehen konnte und der Stein in Verbindung mit der Kälte die meisten Laute schluckte. Es war ein schönes Gefühl. Oder wäre, wenn er gewusste hätte, dass Leikuna es gut ging, aber so hatte den Schwarzen ein neues, unangenehmes Gefühl ereilt. Ein schlechtes Gewissen. Diese Gefühlsregung war Yago vollkommen fremd gewesen und nun wusste er nicht einmal ansatzweise, wie er mit ihr umgehen sollte. Er hatte einen Fehler gemacht und hatte sich entschuldigt … warum fühlte er sich jetzt nicht gut und rechtmäßig wie immer? Unzufrieden seufzte er in sich hinein und starrte ein wenig auf das Wolkenmeer vor ihm. Es war zu viel geschehen, zu viele Bilder, zu viele Gefühle, zu viel Neues. Er hatte sich zwar schon Zeit genommen, alles zu verarbeiten, aber ihm war klar geworden, dass dafür diesmal weit mehr Zeit aufgewendet werden musste, als sonst. Das ging nicht so schnell, da konnte sein Kopf noch so analytisch vorgehen. Und das Bild, das verfluchte Bild Kibas im Spiegel, wie sie lächelte und ihn ansah, einfach so.
Als hätten seine Gedanken Duftstoffe abgesondert, wehte Kibas Geruch zu ihm und brachte gleich noch das Bild der Leitwölfin humpelnd im Schnee mit. Sie kam zu ihm. Yagos Gedanken waren sich unschlüssig, ob sie sich darüber freuen sollten, doch der Schwarze selbst spürte ein warmes Gefühl, das ihre Gesellschaft, die meistens half, auslöste. Ihre Worte konnte er nicht richtig greifen, verstand nicht ganz, was sie ihm sagen wollte und bezweifelte doch, dass sie über den kalten Schnee zu ihren Pfoten sprach.

“Es hat sich in so kurzer Zeit viel verändert.“

Auch er sprach nicht nur von ihrer Umgebung. Wieder landeten seine Gedanken unsanft bei Leikuna. Er wollte sich nicht vorstellen, wie sie nun traurig im Schnee lag und kam doch nicht drum herum. Schließlich war allein er es gewesen, der ihr das Lächeln von den Lefzen gewischt hatte. Und da könnte er sich noch so oft erfolglos entschuldigen.

“Und Leikuna …“

Ihm fielen keine passenden Worte ein, was er über seine kleine Schwester sagen sollte. Kiba wusste schließlich, was vorgefallen war – sie hatte daneben gestanden – und so wie er das mitbekommen hatte, hatte die Leitwölfin auch noch versucht, die Weiße zu trösten – wohl ebenso erfolglos. Ob sie ahnte, wie es Yago nun erging? Ob sie dieses Gefühl kannte, etwas falsch gemacht zu haben und obwohl man doch danach alles wieder richtig gemacht hatte, sich trotzdem nicht gut fühlen konnte?


05.08.2009 20:12




Jeanne


Weiter um ein Lächeln bemüht ruhten die dunklen Augen auf Akara, die den Kopf zu ihr wandte. Sie erkannte keine wirkliche Regung auf den Zügen der Braunen, und wirkte dadurch selbst wohl ein wenig verunsicherter. Als sie dann mit einem schlichten Wort auf ihre Frage antwortete, zuckten die Ohren der Weißen leicht zurück. Sie hatte sich zuvor nicht mit der Fähe unterhalten, kannte nur ihren Namen. Sie konnte diese Reaktion nicht zuordnen, sollte sie nun abweisend wirken? Jeanne seufzte innerlich, versuchte sich aber nichts anmerken zu lassen. Dann setzte Akara wieder an, und Jeanne lauschte aufmerksam den neuen Worten.

“Es ist uns nie etwas aufgefallen. Ohne Yacáru wäre uns sicher wieder dieser Ort entgangen..“

Immerhin war die Welpin es gewesen, die den Spalt gefunden hatte. Und nicht ein Mal Kiba hatte diesen Ort gekannt. Nun waren sie hier, an einem völlig unbekannten Ort. Sie musste zugeben, ein wenig neugierig zu sein. Was verbarg sich wohl dort, wenn man einfach weiter ging? Vielleicht fanden sie noch so eine merkwürdige Höhle wie die, die sich erst jetzt verlassen hatten? Mit Spiegeln.. die ihnen noch viel merkwürdigere Dinge gezeigt hatten. Erinnerungen.. die sich in ihren Kopf eingebrannt hatten und ihre Wunden ein kleines Stück aufgerissen hatten. Jeanne zuckte fast zusammen, als Akara ihrer Seits eine Frage stellte. Eine Frage, die in ihr das Bedürfnis weckte, weg zu laufen, ihr aus zu weichen. Aber die Weiße riß sich zusammen, atmete nur ein Mal tief durch.

“Im ersten Spiegel habe ich meine Eltern gesehen.. Die größte Angst, den schlimmsten Tag meines Lebens noch ein Mal durchmachen zu müssen. Es war ein schrecklicher Anblick.“

Für einen Moment hielt die Weiße die Luft an, atmete dann ein erneutes mal tief ein und wieder aus. Sie musste sich zusammen reißen, die Tränen unterdrücken.

In der.. zweiten Kammer.. In dem Spiegel spiegelte sich mein.. toter Gefährte. Danley Lanés. Er starb vor einiger Zeit. Ich.. habe seinen Tod noch immer nicht verkraftet.“

Ihre Stimme war leiser geworden, während sie gesprochen hatte. Um das Thema schnell zu wechseln sah sie der Braunen in die Augen.

“Die dritte Kammer habe ich nicht betreten.. Und du? Was haben die Spiegel gezeigt? War etwas schönes dabei?“


05.08.2009 20:12




Nashita R‘ayah


Das Rudel vor ihr zu beobachten wurde für Nashi irgendwie doch sehr schnell langweilig. So wandte sie ihre Gedanken wieder etwas anderem zu. Komisch. Bevor sie losgerannt war, gab es etwas, dass sie tun wollte. Nur konnte sie sich einfach nicht daran erinnern was es war. Es musste bestimmt wichtig gewesen sein... Andererseits hätte sie es bestimmt nicht vergessen wenn es so wichtig war. Nachdenklich kniff Nashita ihre Augen zusammen. Möglicherweise würde sie sich ja dann schneller wieder erinnern.
Sie bemerkte zunächst gar nicht, wie sich jemand näherte, bis sie plötzlich eine Stimme hörte. Verwirrt riss sie die so unpassenden meerblauen Augen auf. Willkürlich begann sie der Überraschung laut Ausdruck zu verleihen.

"Was?"

Die Hellbraune drehte ihren Kopf zur Seite und blickte in die Augen eines schwarzen Rüdens. Sie musterte ihn ausgiebig. Er war schwarz. Mehr konnte sie nicht über ihn sagen. Obwohl sie gern wollte. Sie suchte nach einer noch so kleinen Kleinigkeiten, die sie sich merken konnte. Denn Gesichter vergaß sie immer schnell. Besondere Merkmale brannten sich aber ewig in ihr Gedächtnis ein - das sonst eigentlich recht gut war. Nashi konnte einige kleinere Narben ausfindig machen. Wie die wohl entstanden waren? Vielleicht hatte er als Welpe irgendwo auf gefährliche Art und Weise gespielt? Oder musste irgendjemanden gegen einen Angreifer beschützen?
Sie schüttelte die Gedanken ab. Schließlich hatte er ja mit ihr geredet und sie musste antworten.

"Oh, tut mir leid, ich hab dich gar nicht gesehen."

Sie zog fröhlich ihre Lefzen hoch bevor sie fortfuhr. Die Klippen? Tatsächlich. Sie stand wirklich gefährlich nahe am Rand. Erschrocken über diese Einsicht, machte sie einen Satz zur Seite um sich selbst schnell außer Gefahr zu bringen.

"Danke für die Warnung. Ich bin übrigens Nashita R'ayah. Aber ich werde meistens nur Nashi genannt. Der ganze Name ist für die anderen Wälfe wahrscheinlich zu lang. Wobei ich eigentlich gar nicht so viele Wölfe kenne. So drei, vier, oder so. Vielleicht ist er für viele andere ja doch gar nicht so lang...hm.
Darf ich auch erfahren wer du bist?"


Die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus, während sie leicht hin und her tanzte. Sie hatte definitiv zu wenig Bewegung. Die bunte, kleine Fähe musste einfach irgendetwas mit ihren Läufen tun. Als Notlösung begann sie ein wenig mehr herumzutänzeln und wartete so - mehr oder weniger geduldig - auf eine Antwort.


05.08.2009 21:30




Akara Chitaru


Akara dachte darüber nach, was in ihrem Leben anders wäre, wenn sie die Höhlen nicht betreten und dieses Plateau nie gefunden hätten. Sie kam zu dem Entschluss, dass sie die Erfahrungen der vergangenen Stunden nicht einbüßen wollte, sie aber nicht von so großem Belang waren, dass sich ihr Leben dadurch verändert hätte. Ihr Blick lag ruhig auf Jeanne und musterte den Ausdruck der Angst in ihrer Haltung. In diesem Rudel trug jeder sein Inneres so deutlich nach Außen, dass man beinahe dem Trug erlag, dass man Gedanken lesen konnte. Doch ohne Worte wusste sie nichts. Ohne Erklärung wäre die einzige Antwort, die ihr Jeanne gegeben hätte, dass sie nicht darüber sprechen wollte.
Akara bedauerte die Wölfin, bereute aber nicht, gefragt zu haben. Sie kannte diese Art der Verzweiflung nicht. Solche Schwächen ließ sie nicht zu, was an ihrer Erziehung liegen mochte. Oder an einer unsterblichen inneren Stärke.

“Wir haben die Vermutungen angestellt, dass sich in der ersten Kammer die größte Angst verbildlicht. Unabhängig von dem, was man selbst für seine größte Angst hält.“

Erklärte sie kurz, nicht wissend, ob sich Jeanne mit irgendwem über die Geschehnisse unterhalten hatte.

“In der zweiten Kammer zeigte sich, was uns am wichtigsten ist, im Leben. Und im dritten Raum verbildlichte sich unsere Seele.“

Ihre Augen wanderten kurz über das Plateau, zu Yago und Kiba, dann zu Andraki und Leikuna. Die Spiegelbilder, die die Leitwölfin und ihr Freund gesehen hatten, amüsierten Akara und stimmten sie fröhlich. Das noch unausgesprochene Glück der beiden freute sie. Der Anstand verbot natürlich, dass sie darüber berichtete.

“In der ersten Kammer sah ich mich, als Welpin. Ich sprang glücklich umher. Ich hab nicht verstanden, was mir der Spiegel damit sagen wollte. Es war mir unangenehm, das Bild zu sehen, aber ich begreife auch jetzt noch nicht, aus welchem Grund…“

Das Gesehene schien sie weit weniger traumatisiert zu haben, als die vielen anderen Wölfe des Rudels. Sie alle hatten ihre eigene Hölle gesehen. Nur sie begriff einfach nicht, was es mit ihrem Welpenleben zu tun hatte. Ihre junge, ursprüngliche Form empfand keine Angst und es gab keine schrecklichen Ereignisse, die auf dieses fröhliche Herumtoben folgten. Dass einzige, was Akara mit Sicherheit wusste war, dass sie erwachsen geworden war. In einem perfekten Rudel. Sie hatte es zwar verloren, doch eine neue Heimat hatte sie schnell wieder gefunden. An ihrem Leben war nichts Beängstigendes. Hatte sie deshalb nichts im Spiegel gesehen, außer ihr eigenes Glück? Weil sie frei von irdischen Ängsten war?

“In der zweiten Kammer zeigte sich mir dieses Rudel in seiner vollen Größe. In der fordersten Reihe standen Kiba und Yago, direkt neben ihnen Andraki, Leikuna und Korrianke. Zu diesen fünf Wölfen habe ich bisher den meisten Kontakt gepflegt. Aber auch jeder andere Wolf, der hier ist, war in diesem Gemeinschaftsbild vorhanden. Du auch.“

Sie erklärte sachlich, obwohl hinter ihrer Treue und dem Stolz über die Zugehörigkeit eine große Leidenschaft verbogen schien. Ihre Lebensaufgabe war es, alles für dieses Rudel zu tun, dass den Wölfen in irgendeiner Weise helfen konnte.

“Und in der dritten Kammer war mein Bild unverständlich, aber tief vertraut. Ein kahler Baum, im Licht der Sommersonne. Dass ist meine Seele. Wir alle zweifelten keinen Augenblick daran, dass die zusammenhanglosen Bilder, die wir sahen, zu uns gehörten. Der Raum war beherrscht von einer seltsamen Vertrautheit und Offenheit. Es war wunderschön. Ich finde es noch immer Schade, dass die Höhle nicht mehr für uns bereit hielt, dass uns den Weg gewiesen hätte, zu einer Sicht auf uns selbst, die uns so von Außen nicht möglich ist. Mir ist klar geworden, wie viel wir über uns selbst nicht wissen. Dass mir jeder Wolf dieses Rudel fremd ist, verstehe ich. Ich bin neu und jeder hat seine Geheimnisse. Aber nicht einmal uns selbst sind wir zu begreifen im Stande. Eigentlich traurig.“

Sie dachte wieder an den glücklichen Spiegelwelpen zurück. Obwohl man ihr einen Einblick in ihr Inneres gewährt hatte, verstand sie sich nicht. So sehr war ihre eigene Person in ihr selbst verschlüsselt.


06.08.2009 13:59




Jeanne


Akara wirkte so ganz anders als sie, die Braune schien nicht mit dem zu kämpfen zu haben, was sie in den Spiegeln gesehen hatte. Sie beneidete die Fähe dafür. Ihr Blick ruhte auch weiterhin aufmerksam auf der Braunen, als sie wieder zu sprechen begann und begann zu erzählen. Jeanne blieb stumm, bis sie ihre Erzählung von der ersten Kammer abgeschlossen hatte. Die größte Angst.. Ja, etwas anderes hatte sie sich nicht vorstellen können. Während die Braune gesprochen hatte, war Jeanne ihrem Blick über das Plateau gefolgt, hatte sich aber schnell wieder ihrem Gegenüber zugewandt. Das wichtigste in ihrem Leben. Der Spiegel hatte Lebende und Tote gezeigt.

“Hast du Angst vor dem glücklich sein, zu lachen?“

Sie kam sich bei dieser Frage unglaublich dumm vor, wußte aber keine bessere Antwort auf die Bilder, die die Braune gesehen hatte. Aber die Weiße erkannte keinerlei Angst in der Stimme Akaras. Es war.. merkwürdig. Ihr selbst wurde fast schon kalt, wenn sie nur daran dachte. Und die Braune wirkte fast, als wäre das alles das normalste der Welt. Und schon sprach die Fähe weiter, und Jeanne lauschte weiter interessiert ihren Worten. Was sie sagte, verwirrte sie für einen Moment. Das ganze Rudel? Und die abschließenden zwei Worte Akaras verwirrten sie noch ein kleines bisschen mehr. Sie? Wieso hatte die Braune die gesehen? Sie war noch nicht lang bei diesem Rudel.. und schien schon an ihnen allen zu hängen. Verwundert über ihre Worte, zog sich dann aber doch ein sanftes Lächeln auf ihre Lefzen. Besonders ihre Erzählung über die dritte Kammer interessierten sie, hatte sie selbst diese doch nur von außen gesehen. Sie bereute es irgendwie. So hatte sie verpasst, was ihre Seele in einem Bild war. Akaras inneres sollte mit einem Baum im Sonnenlicht vergleichbar sein?

“Ich hatte gerne gesehen, was die dritte Kammer mir gezeigt hätte. Ich glaube.. es wäre etwas schwaches gewesen.“

Die Weiße hielt einen Moment inne, setzte dann neu an.

“Andere Spiegel wären sicher auch interessant gewesen, hätten uns die anderen noch genauer gezeigt. Und uns selbst. Manchmal glaube ich, alle anderen kennen mich besser als ich selbst. Aber die Kammer hat mir gezeigt, dass ich mich besser unter Kontrolle haben muss. Ich darf mich einfach nicht mehr so gehen lassen.. Ich bewundere dich, Akara. Ich bewundere dich für deine Stärke. Du scheinst keinerlei Probleme mit den Bilder der Spiegel zu haben. Beneidenswert.“

Ein sanftes lächeln auf den Lefzen wandte sie den Blick wieder in die blauen Augen der Fähe. Sie musste sich einfach zusammen reißen.


06.08.2009 14:45




Leikuna


Leikuna war kalt.
Nach ihrem kurzen Teffen mit Yago hatte sie sich schnell davon gemacht, sich abseits des Rudels im Schnee eingegraben, und leise vor sich hinweinend zu verstehen versucht was passiert war. Es war hoffnungslos gewesen. Yagos Blick von dem Moment vor der Kammer hatte sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Es war so schrecklich kalt.
Der Schnee, der unter ihr zum Teil geschmolzen und ieder vereist war, drang längst durch ihre Fellschichten und lies sie zittern - ihr Weinen war mit der Zeit verklungen. Jetzt lag sie also nur da, lauschte mit gescghlossenen Augen dem Lied der kalten Winde, und hoffte dass irgendetwas passieren würde, damit sie sich wieder zu Yago traute.

Leikuna wusste bis zu diesem Tage nicht, dass man mit Wünschen vorsichtig sein musste. Ihrer wurde nämlich augenblicklich erfüllt, als plötzlich etwas auf sie drauffiel. Ein Blick reichte um zu erkennen dass es sich weder um Yago noch um Kiba handelte, und erschrocken aufknurrend zog sich sich sofort unter ihm weg, warf sich auf die Läufe, und betrachtete ihren Angreifer erst einmal, der sich auch sogleich entschuldigte. Na, das war ja auch Sinn der Sache gewesen, dass man sie nicht sah! Das man auf sie drauffiel allerdings nicht...
Ihre Haltung entspannte sich wieder, und sie wischte sich hektisch über die Schnauze - hingen ihr noch Tränen im Fell? Hoffentlich nicht.

"Mhh, ist schon gut"

kommentierte sie nur, leckte sich beschwichtigend über die Leftzen, und setzte sich vor den jungen Rüden in den Schnee.

"Du bist der Sohn von Kiba?"

mutmaßte sie, ohne sich wirklich sicher zu sein, und musterte den Rüden vor sich - zumindest die blauen Augen würden im Fall dass sie Recht hatte sehr gut passen.


06.08.2009 17:49




Akara Chitaru


Akara betrachtete Jeanne mit der freundlichen, immer währenden Ruhe, die der Grundstein ihrer Persönlichkeit war. Nichts brachte sie aus der Fassung, so auch nicht die Frage, die ihr die Wölfin stellte. Die braune Fähe begann, darüber nachzudenken, ohne etwas Dummes daran zu finden. Natürlich wusste sie nicht, was Jeanne dachte und konnte so auch nicht einlenken. Um zu einer Antwort zu kommen, ließ sie sich Zeit, denn Zeit, so fand sie, war reichlich vorhanden.
Erst als Jeanne auch die letzten Worte gesprochen hatte, bewegte sich Akara wieder, ohne dabei ein einziges Mal den Blick von der schätzungsweise Gleichaltrigen zu nehmen. Es berührte sie peinlich, dass ihre Art bewundert wurde. Gleichzeitig erfüllte es sie mit Stolz. Es war ihr eine Ehre, diese völlig normale Art aus ihrem Geburtsrudel fort getragen zu haben, um anderen Wölfen einen Einblick in eine andere Welt zu geben. Wahrscheinlich konnte sie das Kompliment aus diesem Grund nicht gänzlich annehmen. Jeanne war völlig anders erzogen worden als sie, lebte dieses Leben, wie all die Wölfe hier. Akara fand nichts Falsches daran, es war nur freizügiger und dadurch vielleicht haltloser. Da sie sich zum ersten mal mit Jeanne unterhielt, konnte diese natürlich nichts von ihrer Herkunft wissen. Vielen Anderen hatte sie versucht, die andere Lebensweise zu schildern.

“Ich bin glücklich.“

Erklärte sie, mit einleitenden Worten, um nachträglich die Frage zu beantworten, über die sie nun eine Weile nachgedacht hatte. Sie musste Jeanne erst von ihrem Rudel erzählen, ehe diese verstehen konnte, was sie meinte und warum sie es mit dieser unanfechtbaren Überzeugung sagte.

“Das Rudel, in das ich geboren wurde, lebte nach anderen Maßstäben, wie die Wölfe, die mir hier begegnet sind. Wir strebten nach Perfektion. Alles Wissen, dass ein Wesen in irgendeiner Form weiter bringt, wurde von Generation zu Generation überliefert und mit den Nachkommen unseres Clans geteilt. Wir waren nicht der einzige Bund, der sich mit diesem Bestreben beschäftigte. Mir sind einige Andere bekannt, aber wir waren die einzigen, die sich auf alle wichtigen Fähigkeiten konzentrierten. Kampf, Jagd, Selbstbeherrschung und Wissen. Andere Clans beschäftigten sich einzig mit der Perfektionierung in Kampf, oder Jagd, oder Wissen. Sie setzten einen Schwerpunkt, was meinem Rudel schließlich zum Verhängnis wurde. Wir wurden von einem Clan überfallen, der sich seit Generationen nur mit der Kriegsführung beschäftigt und sich auf Hinterlist und Kampf spezialisiert hat. Obwohl wir ausgezeichnete Kämpfer waren, konnten wir den schwarzen Wölfen, die Tag ein Tag aus nur kämpften, nichts entgegen setzen. Sie rotteten meine Familie aus. Mit ihr all unser Wissen und die Arbeit von Generationen, mit der wir uns auf friedlichen Wegen zur Perfektion bewegt hatten. Hunderte Leitwölfe haben dem Ziel gedient. Und außer mir ist niemand mehr übrig.“

Ein bisschen wehmütig ließ sie den Blick erneut über das Plateau schweifen. Trauer flackerte in ihren Augen auf, zu erkennen, wenn man sie genau beobachtete, ebenso wie die sonst dort stehende, stumme Freundlichkeit.

“Wenn ich sterbe, wird der Clan vergessen werden. Es ist unfair all jener gegenüber, die ihr Leben nach dem Rudel ausgerichtet haben, aber es ist der Lauf der Welt. Der Triumph gehört, wie so oft, den Stärkeren. Wir mit unseren Familienbündnissen haben immer für uns gelebt. Ich weiß, dass die Gemeinschaft, die sich der Weisheit widmete, vor uns sterben musste. Was aus den Anderen wurde, kann wohl niemand beantworten. Wir nannten uns nicht Freunde, sondern Rivalen. Wir respektierten einander.“

Sie spürte keine Last auf ihren Schultern. In ihr gab es kein Pflichtgefühl, das sie dazu veranlasst hätte, ihr Rudel zu rächen und die idealistische Vorstellung von Perfektion erneut anzustreben. Der Traum war mit ihrer Familie gestorben. Unwiederbringlich war alles verloren gegangen und sie war nun Teil einer anderen Gemeinschaft, der sie bis zu ihrem letzten Atemzug dienen wollte.

“Wir kamen die meiste Zeit ohne Worte aus und verständigten uns lediglich durch Blicke. Nur um Erfahrungen auszutauschen, unterhielten wir uns. Im Rahmen der Selbstbeherrschung lernten wir, uns auf unsere innere Stärke zu verlassen. Wir vertrauten uns und unseren Ansichten. In Gestik, Mimik und Haltung konnten wir jedes Gefühl ausdrücken, verborgen für jeden, der nicht zu uns gehörte. Manchmal nannten sie uns ‚Gedankenleser’, weil sie unsere Art zu Kommunizieren nicht nachvollziehen konnten. Ein Lächeln war nicht nötig, um Freude auszudrücken. Wir wussten alles über die Gefühle unserer Familienmitglieder, wenn wir ihnen in die Augen blickten.“

Akara war mit ihrer Erklärung zu einem Ende gekommen. Sie war sich sicher, dass Jeanne nun verstehen würde, wieso es kein Lachen brauchte, um Glück zu empfinden. Die braune Wölfin wusste aber auch, dass sie in diesem Rudel mehr von ihren Gefühlen verdeutlichen musste, wenn sie verstanden werden wollte. Und wie für jeden deutlich sichtbar sein würde, musste sie so vieles in Worten erklären, was vor wenigen Monaten noch selbstverständlich gewesen war.

“Die Erziehung, die ich durch meine Eltern genoss, war streng und unnachgiebig. Gleichzeitlich enthielt sie alle Liebe, die ein Wolf braucht, um ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln und eine eigene, starke Persönlichkeit aufzubauen. Rebellion gab es nicht, wir gliederten uns bereitwillig in das unerreichbare Ziel ein, wissend, dass wir unser Streben nie erreichen würden. Wir nicht, unsere Nachkommen nicht und die Nachkommen unserer Nachkommen auch noch nicht. Eigentlich opferten wir unser Leben einer Generation, die erst in vielen hundert Jahren geboren worden wäre. Aber es war ein großartiges Gefühl, zu diesem Ziel beizutragen. Die Altwölfe überlieferten das Wissen und nichts wurde mehr gefeiert, als ein neuer, intelligenter Gedanke, der einem jungen Geist entsprungen war. Vielleicht strebten wir einfach nur eine bessere Welt an. Wenn nicht für alle, dann wenigstens für uns.“

Die braune Wölfin betrachtete Jeanne, und deren Furcht vor ihrer eigenen Schwäche. Es gab nichts, was Akara tun konnte, um ihr zu helfen. Jedenfalls nichts, was sie irgendwann einmal gelernt hatte. Nachdenklich durchforstete sie sich selbst, um eine anregende Möglichkeit zu finden, die Wölfin etwas von der Stärke fühlen zu lassen, mit der Akara beinahe geboren worden war.

“Es ist nicht zu spät, einen Blick auf die dritte Kammer zu werfen. Der Kristall hat sicherlich viel Zeit und wartet, bis du soweit bist. Er wartet auch auf mich und darauf, dass ich begreife, was er mir über mich erzählen wollte.“

Akara wusste, dass sie die Höhle nicht das letzte Mal betreten hatte und die Kammern immer wieder aufsuchen würde. Sie mochte der Angst und Ungewissheit neutral gegenüber stehen, dennoch hatte sie das Bedürfnis, das Rätsel ihrer Selbst zu lösen.


06.08.2009 17:50




Saiyán Tendes


Die Reaktion der Fähe auf Sais eigentlich ja nette Worte war seltsam. Zuerst war er nur verwirrt, warum so ihn entsetzt ansah, dann erst kam ihm der naheliegende Gedanke, dass er sie vielleicht erschreckt hatte. Was aber auch ein wenig seltsam war, schließlich hatte er die ganze Zeit mehr als auffällig im Schnee gelegen. Und sein Fell war schwarz ... aber vielleicht hatte die Fähe ihn wirklich nicht bemerkt, entschuldigen würde er sich dafür aber nicht. Sollte sie eben richtig gucken. Sais schlechte Laune machte sich zum Glück nicht auf seinem Gesicht bemerkbar, auch wenn er nicht unbedingt freundlich guckte. Eher ein wenig unschlüssig und die offensichtliche Musterung, der die Fähe ihn unterzog, war ihm irgendwie unangenehm. Warum schaute die ihn so an? Hatte er eine Fliege auf der Nase? Oder hing ihm Dreck im Fell? Zum Glück schien der Bunten schließlich aufzufallen, was sie da tat und dass sie vielleicht antworten sollte, was dann auch passierte. Sie entschuldigte sich und Sai wurde ein wenig zufriedener, ihm wurde keine Schuld zugeschoben. Dabei war das sonst eigentlich die Normalität. Oder nur in seinem Kopf? Egal, sie war nicht ganz so schlimm wie andere.

"Macht nichts."

brummte er in sein Fell hinein. Die Fähe derweil schien sich seiner Worte schließlich ganz bewusst zu werden und brachte ein paar weitere Schneewehen zwischen sich und die Klippen. Nicht, dass Sai direkt froh darüber war, aber ein wenig mulmig war ihm schon gewesen ... die Vorstellung einen Wolf vor seiner Nase in die Tiefe stürzen zu sehen, war ja auch nicht gerade schön. Deshalb vergaß er dieses Bild schnell wieder und versuchte anhand ihrer Worte herauszufinden, ob sie nun schon im Rudel aufgenommen wurde, oder vollkommen fremd war. Erfolglos und ihr Name war sowieso ein paar mehr Gedanken wert. Er klang wirklich seltsam. Und ein wenig kompliziert auszusprechen, besonders diese komische Verzögerung nach dem R ...

"Nashita R ... a."

Etwas gedankenverloren hatte er sich erfolglos daran versucht, ihn komplett auszusprechen, wurde sich dann bewusst, dass er doof klingen musste und begann einfach mal zu nicken.

"Ich bin Saiyán Tendes oder eher Saiyán Nour ... aber eigentlich nennt man mich auch nur Saiyán oder Sai."

Jetzt hatte er aufgehört und zögerte, was er nun weiter sagen sollte. Es interessierte ihn noch immer, ob sie nun schon mit dem Rudel bekannt war, aber wenn er einfach so fragte, klang es, als wäre er ebenso fremd. Dabei war er das ja nicht, auch wenn er streng genommen wohl kaum noch richtig zum Rudel gehörte. Er war eben der Sohn der Leitwölfin.

"Ich bin aus dem Rudel, das unten im Tal lebt und nun hier hoch ziehen musste. Woher kommst du?"

Hmpf. Er war kein großer Sprecher.


07.08.2009 15:53




Toboe Tear


Unschlüssig, wie er sich nun verhalten sollte, blieb er einfach stehen, als wäre nichts weiter passiert. Aber.. als die Fähe dann knurrte, war er doch ein wenig.. verwirrt? Soo schlimm war das doch nun gar nicht gewesen. Immerhin hatte er sie nicht mit seinem ganzen Gewicht erwischt. Und sie sah auch viel größer aus als er. Warum stellte sie sich also so an und knurrte? Der Graue legte ein Ohr zurück, stellte es aber wieder auf, als die Weiße zu sprechen begann. Er lächelte ihr noch ein mal entschuldigend zu. Er hatte das ja nun wirklich nicht mit Absicht gemacht. Toboe neigte den Kopf etwas zur Seite, als sich die Weiße – er glaubte zu wissen, dass sie Leikuna hieß – sich in den Schnee setzte und ihm eine Frage stellte. Der Graue machte sich ein wenig größer und setzte ein breites Lächeln auf.

“Jap, Kibas Sohn. Kennst du meinen Namen? Ich war eine lange Zeit nicht beim Rudel, ich heiße Toboe Tear.“

Nun ließ auch der Graue sich auf die Hinterläufe auf den kalten Teppich sinken. Die blauen Augen auf die Weiße gerichtet.

“Du heißt Leikuna, oder? Wieso liegst du so allein hier im Schnee? Störe ich dich?“

War ja nur eine Frage. Wenn es ihr lieber war, konnte er seinen Weg auch allein fort setzen. Aber mit jemandem an seiner Seite wäre es bestimmt lustiger. Und wo Teyrm war.. naja. Der würde schon wieder auftauchen.


07.08.2009 21:14




Jeanne


Akara antwortete nicht sofort, sondern ließ sich Zeit. Jeanne sollte es Recht sein. Wieso sollten sie es eilig haben? Der Schnee würde hier sicher nicht so schnell schmelzen, und die Wolken würden sich sicher auch nicht von einer Sekunde auf die andere auflösen. Die dunklen Augen richteten sich automatisch über das Plateau, der Schnee und die Wolken wurden einen Moment beobachtete, bis die Braune schließlich antwortete. Sie war also glücklich.. und damit war sie ihr einige Schritte voraus. Aber die Weiße antwortete nicht, rechnete schon fast damit, dass Akara weiter sprechen würde. Und so lauschte sie aufmerksam ihren Worten. Sie erzählte von einer ihr vollkommen fremden Welt. So etwas wie Clans kannte sie nicht. Ihr Rudel hatte nie nach Perfektion gestrebt. Sie waren einfach immer.. da gewesen. Keinen wirklichen Sinn, eher wie eine große Familie. In der leinen Pause, die sie einlegte und den Blick schweifen ließ, verspürte sie Mitleid für die Braune. Ihre Geschichte, die sie ihr so ohne jeden Zweifel anvertraute, machte sie irgendwie traurig. Sie wußte, wie es sich anfühlte, die letzte einer Familie zu sein. Aber Jeanne hatte den Blick nicht von ihr abgewandt, wartete auf weitere Worte. Als die Braune die letzten Worte ausgesprochen hatte, seufzte Jeanne leise.

Das ist.. wirklich unglaublich. So viele andere Wölfe wären an solch einer Vergangenheit zerbrochen, hätten jede Stärke verloren, die sie besaßen. Und du, du wirkst, als wäre das alles selbst verständlich. Versteh mich nicht falsch, aber du scheinst so stark, trotz solchen Vorfällen in deiner Vergangenheit. Ich verkraftete den Tod meiner eigenen Eltern kaum. Ich glaube.. ich bin ein bisschen daran zu Grunde gegangen.“

Die Weiße schluckte und bemühte sich dann wieder um ein sachtes Lächeln, direkt in das Gesicht Akaras. Sie fühlte sich nicht von der Braunen beobachtet, sie mochte ihre Anwesenheit, trotz dessen, dass sie sich erst seit.. sehr kurzer Zeit kannten. Sie hatte etwas vertrauenswürdiges an sich.

Ich werde bestimmt noch ein Mal die Höhle betreten. Ich muss mir selbst beweisen, dass ein Verlust mich nicht vollkommen zu Boden schlägt. Es tut weh, zu wissen, dass ich Danley nie wieder bei mir spüren werde. Nie wieder neben ihm aufwachen.. Ich muss lernen, damit um zu gehen. Und dann werde ich auch die letzte Kammer betreten. Vielleicht betreten wir sie ja zusammen. Ich würde gerne das Bild deiner Seele sehen.. genau wie mein eigenes.“

Jeanne lächelte. Jetzt war es noch zu früh, aber irgendwann würde sie Danley besuchen gehen. Und irgendwann würde sie ihm mit einem Lächeln auf den Lefzen gegenübertreten, und die Kammer auch mit eben diesem wieder verlassen, wenn das Bild seines lächelndes Gesichtes hinter ihr langsam verschwamm. Und sie würde nicht zurück sehen.


07.08.2009 21:14




Ýllin


Ýllin fasste noch einmal ihre gesamte Kraft zusammen und zwang sich weiter zu gehen. Eine Pfote hatte sie sich an einem scharfen Stein aufgeschnitten,so das sie nun eine feine Blutspur hinterließ, wahrscheinlich würde man das Blut auch riechen können,aber das musste in den ganzen Gewirr untergegangen sein. Sie trat aus der Höhle und das Licht blendete sie,sie legte ihre Ohren soweit es ging an und versuchte etwas zu sehen doch das Licht das durch den Schnee reflektiert wurde blendete sie arg und im Gegensatz zu der dunklen Höhle war es blendend hell. Ihre Route hatte sie zwischen die Beine geklemmt und den Kopf hatte sie gesenkt. Man sah an ihrer ganzen Körperhaltung die Furcht. Sie konnte noch nicht einmal erkennen ob sie Jemand gesehen hatte oder ob Jemand in der Nähe war. Falls es so war drückte sie mit ihrer Körpersprache Demut und Unterlegenheit aus. Sie witterte viele Gerüche, alles mögliche war durch einander gemischt, doch ein säuerlicher Geruch stieg ihr am aufdringlichsten in die Nase. Sie duckte sich so tief auf dem Boden wie sie nur konnte. Langsam konnte sie schemenhaft etwas erkennen. Sie hoffte das die anderen Wölfe sie noch nicht bemerkt hatten und kroch, eher als das sie ging in Richtung eines abgelegenen Ortes um sich dort noch versteckt zu halten. Es war eine kleinere Mulde in die sie gerade hinein passte. Sie rollte sich zusammen und die Müdigkeit gewann die Oberhand. Ja sie überwältigte sogar das Lähmende Gefühl der Angst. Immer wieder schreckte sie auf ,sie konnte das Bild und das Gefühl der Einsamkeit nicht verdrängen. Die Panik in ihr stieg wieder empor. Die feine Blutspur und die Pfotenabdrücke im Schnee waren wohl für Niemanden nicht sichtbar Jeder würde sie aufspüren konnen. Wenn nicht sogar Jemand sie eben gesehen hatte. Sie viel immer wieder in eine Art Trans und schreckte dann wenige Minuten später wieder hoch.

07.08.2009 22:41

You are not alone in your life although you might think that you are

So sorry your world is tumbling down
I watch you through these nights
Rest your head and go to sleep
Because my child,
this is not our farewell
09.08.2010 23:26
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Cave of Mind
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Wächter

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6 Jahre ∞

Geschlecht

Fähe

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94 cm

Beiträge

367

Beitritt

23.07.2005

Seite 2




Nashita R‘ayah


Die Bunte bemerkte schnell, dass ihr Gegenüber wohl nicht bester Laune war. War das vielleicht ihre Schuld? Gut möglich, dass sie einmal mehr einen anderen Wolf durch ihr Verhalten unbeabsichtigt vor den Kopf gestoßen hatte. Auch wenn ihr bis heute schleierhaft war, was genau daran so schlimm war. Sie lächelte und war immer - oder meistens - freundlich. Machte man das nicht so? Hatte sie irgendetwas verpasst? Was, wenn man neuerdings nicht mehr lächelte sondern ganz böse guckte? Sie könnte das ja einmal ausprobieren. Aber sie hatte noch nie richtig böse geguckt und wusste nicht einmal ob ihre Gesichtsmuskeln überhaupt dazu im Stande waren. Und wenn man jetzt doch trotzdem lächelte und sie einfach etwas falsches gesagt hatte? Allerdings wusste sie nicht was an ihren Worten so falsch hätte sein können. Auf den Gedanken, dass die Laune des Schwarzen vor ihr, gar nicht durch sie verursacht worden sein könnte, kam Nashita gar nicht erst.
Sie beschloss, sich einfach keine Gedanken mehr zu machen, oder es zumindest zu versuchen, und setzte sich auf ihre Hinterläufe in den kalten Schnee. Während sie immer noch aufmerksam zuhörte begann sie mit ihrer Vorderpfote in selbigem rumzumalen.
Immerhin war er ihr nicht böse, dass sie ihn nicht bemerkt hatte. Was auch nicht so selbstverständlich war, denn sie hatte auch schon andere Reaktionen erlebt.

.oO(Manche Wölfe sind aber auch empfindlich...)

Schoss es ihr bei der Erinnerung an besagte andere Reaktionen durch den Kopf.
Nashi musste amüsiert grinsen als sie den Versuch des Rüdens vernahm, ihren ganzen Namen richtig auszusprechen. So kompliziert war er doch eigentlich gar nicht. Oder? Und wenn, seiner war ja auch nicht viel einfacher. Sie versuchte gar nicht erst, beim ganzen Namen zu bleiben und beschränkte sich direkt auf Sai.
Es war für sie offensichtlich, dass ihn irgendetwas beschäftigte, doch wusste sie, dass es ziemlich anmaßend wäre, wenn sie einfach so nachfragen würde. Schließlich war sie in diesem Rudel völlig fremd. Sie hatte zwar vieles nicht, wie Geduld zum Beispiel, aber Manieren schon.
Das Rudel lebte also eigentlich im Tal. Die Fähe hatte sich bereits gewundert was sie hier oben machten.
Doch jetzt wurde es schwierig für sie. Woher kam sie? Tja, wenn sie ehrlich sein sollte, wusste sie das selbst nicht. Irgendwo geboren und hier und da 'mal mit den Eltern für ein paar Tage gerastet. Ob das als Herkunft zählte?

.oO( Gestatten: Nashita R'ayah. Geboren in: der Welt.)

Irgendwie klang das doch schon ziemlich lächerlich aber es war nun einmal die Wahrheit. Und eine gute Lügnerin war sie noch nie. Also musste sie diesen Umstand einfach schön verpacken.

"Naja, sowas wie ein Geburtsrudel oder ähnliches hab' ich nicht. Ich bin mit meinen Eltern immer durch die Wälder gezogen und bin nie irgendwo länger als ein paar Tage geblieben. Nur vor ein paar Wochen habe ich sie verloren und bin dann auf dieses Rudel hier gestoßen und hab' mir gedacht, dass ich schon irgendwo ankommen werde, wenn ich einfach mal hinterherlauf. Tja und hier bin ich jetzt."

Sie lächelte unermüdlich weiter als ihr während der Zusammenfassung ihres unspektakulären Lebens einfiel, was sie vorhin so wichtiges tun wollte.

"Da fällt mir ein, ich muss mich ja noch irgendwo vorstellen..."

...sonst werd ich noch für einen bösartigen Eindringling oder sowas in der Art gehalten.
Den letzten Teil des Satzes vergaß sie einfach laut auszusprechen und dachte ihn in ihrem Kopf zu Ende.


07.08.2009 22:41




Ýllin


Nach einiger zeit des Halbschlafs richtete sich Ýllin wieder auf, sie musste sich irgendwo vorstellen. Jetzt oder nie, also riss sie sich zusammen und sprang über ihren Schatten. Langsam ging sie in Richtung Des Rudels.

*Und wie will ich mich vorstellen*

Ging es ihr durch den Kopf.

*Ich kann doch nicht einfach zu ihnen gehen, so unter dem Motto: Hi ich weiß zwar nicht aus welchem Rudel ich komme und ich hab keine Ahnung wer ich eigentlich genau bin ,aber mein Name ist Ýllin.*

Sie schüttelte unmerklich den Kopf.

*Nein so kann ich das nicht Machen ,aber wie soll ich es dann anstellen. Ich meine, ich habe keine Ahnung wie ich mich verhalten soll.*

Sie blieb stehen und zögerte ,sollte sie wirklich weiter gehen. Ja sie würde weiter gehen dieses mal musste sie sich einfach zusammen reißen.


*erstmal zu ihnen stoßen dann kommt der Rest schon irgendwie aus Intuition, ich hoffe ich weiss dann was ich tun muss.*

Ýllin näherte sich dem Rudel, doch ihre Haltung sprach nun nicht mehr so arge Furcht aus sondern eher Neugierde und Gutmütigkeit. Sie sah zwei Wölfe in der Nähe der Höhle. Der eine war grau,weiß die andere ganz weiß. langsam ging mit nun leicht neugierig aufgestellten und doch auch irgendwie etwas angelegten Ohren auf sie zu, blieb aber in noch ein paar Schritten Entfernung stehen.


08.08.2009 13:21




Leikuna


Schon als der Jungrüde vor ihr zu wachsen schien, begann Leikuna zu grinsen. Da hatte ihre Vermutung also ins Schwarze getroffen. Zudem beantwortete er seine Frage gleich selbst, was es ihr einfacher machte - nocheinmal wischte sich die Weiße mit dem Lauf übers Gesicht, und richtete sich dann vollständig auf, den Grauen eindringlicher musternd als zuvor. Seine Fragenflut traf sie jedoch unvorbereitet, und die Weiße lächelte schief, während sie sich, auf die letzte seiner Fragen, eine Antwort zu erdenken suchte, die weder gemein noch unehrlich war.

"Du hast Recht, ich bin Leikuna"

begann sie, und rutschte ein wenig mit dem Hintern im Schnee hin und her. Kalt, kalt, kalt! Auch seine zweite Frage war schon etwas schwieriger. Wie konnte sie ihm das verständlich erklären?

"Mh...ich wollte ein wenig nachdenken, darum habe ich mich hier her abgesetzt...um seine Gedanken zu ordnen ist die Unruhe des Rudels selten hilfreich, weißt du?"

Sanft lächelnd bedachte sie ihn nun, in der stillen Hoffnung er würde ihre Erklärung nicht missverstehen, und wischte mit der Rute über den Schnee, der sich darin festzufrieren begann.

"Und wohin warst du bis eben unterwegs?"

Er würde sie ja nicht einfach so gefunden haben - waren sie doch ein ganz schönes Stück vom Rudel entfernt.

Und von Yago, natürlich.


11.08.2009 17:11




Toboe Tear


Langsam wurde s wirklich kalt, wenn man so im Schnee saß. Aber er wollte sich auch nicht immer wieder erheben, hinsetzen, aufstehen und wieder hinsetzen. Die blauen Augen blieben ruhig auf die Weiße gerichtet, ihr eindringlicher Blick störte ihn nicht. Er lächelte ihr einfach freundlich zu, so wie er es immer tat. Sie bestätigte seine Frage und grinste ein wenig breiter. Hah! Er hatte also doch richtig aufgepasst. Nun beobachtete der Graue, wie sie im Schnee hin und her rutschte. Es war wirklich furchtbar kalt! Vor allem weil er nicht daran gewöhnt war, Leikuna kannte das sicher schon. Während ihrer Worte wandte er den Blick kurz über das Rudel. Unruhe.. hmm. Er war doch selbst ein Unruhe Stifter gewesen. Und manchmal war es wahrscheinlich noch. Mit einem Grinsen auf den Zügen richtete sich sein Blick wieder auf Leikuna. Inzwischen hatte sie schon die nächste Frage gestellt, die er gleich mit beantwortete.

“Hier ist es überhaupt so ruhig.. Das kenne ich gar nicht so. Ist der Winter immer so ruhig? Ich wollte mich nur ein wenig umsehen, die meisten bleiben ja lieber beim Eingang. Dieser Ort ist interessant. Und mein bester Freund ist.. irgendwo. Also seh ich mich allein um.“

Kaum augesprochen nahm er ganz in der Nähe jemand fremdes wahr. Kurz zuckten Toboes Ohren, als dann eine graue Fähe in sein Blickfeld trat. Oh, die kannte er nicht. Sie war auch nicht in der Höhle bei ihnen gewesen, da war er sich sicher. Aber woher kam sie? Die Fähe blieb etwas entfernt stehen, sah aber zu ihnen hinüber. Huch? Kurz pendelte Toboes Rute durch die Luft, ehe er ein Mal zu Leikuna sah, ihr einen fragenden Blick zuwarf und dann wieder zu der vermutlich Fremden blickte.

“Hey du! Wer bist du? Ich bin Toboe, der Sohn der Alphawölfin Kiba.“

Das musste gesagt sein!


11.08.2009 22:21




Ýllin


Ýllin legte erst etwas die Ohren an als sie entdeckt wurde, dann stellte sie eins wieder auf und kam noch ein paar Schritte näher. Allein schon um nicht die ganze zeit auf einer Stelle zu stehen in diesem * gefrorenem Wasser * , wie es die Älteste aus ihrem Rudel damals den Welpen beigebracht hatte. Sie beobachtete die beiden aufmerksam, dann fing sie mit ruhiger Stimme an zu sprechen.

„Seit gegrüßt Toboe Sohn der Alphawölfin und auch ihr“

Sie sah kurz höflich zu der weißen Fähe, dann beantwortete sie seine Frage.

„Man ruft mich Ýllin“

Sie senkte abermals den Kopf um mit ihrer Körpersprache zu zeigen das sie nichts Böses wollte. Sie konnte allerdings in dem kalten Schnee kaum still stehen. Jetzt wo sie wieder einigermaßen wach war viel ihr auch erst auf wie kalt dieses gefrorene Wasser war. Mit ruhig wirkender Miene blickte sie den Beiden entgegen, ihre Pfoten hingegen bildeten den Kontrast, da sie abwechselnd die linke und dann die rechte Vorderpfote hob um nicht die ganze zeit auf der gleichen Stelle stehen zu müssen.

oO Na ganz toll so halten sie mich erst recht für verrückt wenn ich wie ein Huhn von der einen auf die andere Pfote trete Oo

Dachte sie leicht ärgerlich und versuchte still zu stehen, was ihr jedoch nicht sonderlich gelang. Es war einfach zu kalt.

oO Eben ist mir noch nicht so sehr aufgefallen wie kalt es war , Wahrscheinlich war es mir eben egal Oo

Schoss es ihr durch den Kopf.und sie sah flüchtig über den weißen Schnee


11.08.2009 22:53




Korrianke


Gebannt von der Schönheit des sich ihm bietenden Anblicks hatte Korrianke im Ausgang der Höhle gestanden, welche ihn und das Rudel tagelang gefangen gehalten und beschäftigt hatte. Was sich nun, da er aus der Dunkelheit des Tunnels hinausgetreten war ins helle Licht des Tages, vor ihm aufgetan hatte, hatte ihn mit der Anmut des Göttlichen geblendet, es war als wären alle Sorgen vergessen, die er je gehabt hatte. Zuerst hatte das grelle Licht seine Augen geblendet, die sich an die Finsternis der Höhle gewöhnt hatten, doch schon bald war dem Weißen, als wollte er seine Lider nie wieder schließen. Vor ihm hatte eine im Tageslicht funkelnde Fläche aus Eis und Schnee gelegen, die direkt mit dem Himmel zu verschmelzen schien. Wolken hatten die zauberhafte Ebene mit einer sanften Umarmung eingerahmt, ließen Traum und Wirklichkeit beinahe verschwimmen. Über diese verschneite Anhöhe zu rennen, musste wie fliegen sein, da war er sich sichergewesen, doch verzaubert von der Herrlichkeit des Augenblicks hatte er sich nicht rühren wollen.
Er hatte bald gesehen, dass das Rudel unweit vor ihm rastete. Sie hatten also denselben Ausgang passiert wie er. Eigentlich würde er bereuen, dass er die Höhle verließ, ohne in die letzte Kammer gegangen zu sein, da er fürchtete, die Gruppe zu verlieren, der er sich vor gar nicht langer Zeit angeschlossen hatte. Zufrieden hatte er feststellen können, dass das ehemals geteilte Rudel wieder vereint war und ein Lächeln erschien auf dem Gesicht, dessen Augen lange vor Erstaunen geweitet waren. Die Erscheinung dieser Ebene hatte eine göttliche Natur für den weißen Rüden gehabt, stellte sein persönliches Paradies dar. Das war keine Übertreibung für ihn. Es war ihm erschienen, als stellte dieser Ort die Antwort auf die Frage dar, ob es richtig war, bei diesem Rudel zu blieben: er war dafür geschaffen worden, so wie dieser Ort für ihn geschaffen war.

Langsam, so als viele es ihm schwer sein Gesicht von der Vollkommenheit dieser Idylle abzuwenden, hatte Korrianke sich zum Höhleneingang umgedreht. Er hatte vermutet, dass Ares, Yacáru und Daven ein Stück hinter ihm zurückgeblieben waren, aber im Angesicht der Ebene hatte er nicht länger auf sie gewartet.

Seit dem Verlassen der Höhle waren einige Stunden vergangen, doch jedesmal, wenn der Weiße sich umsah erstaunte ihn die Schönheit dieses Ortes von Neuem. Er hatte sich etwas am Rand der Gruppe niedergelegt und beobachtete nun vergnügt sein Umfeld, während er ab und zu nach den Gesichtern von Ares und Yacáru Ausschau hielt.


12.08.2009 16:59




Akara Chitaru


Akara sah Jeanne an, einen Moment lang, als würde sie nicht verstehen, was die Wölfin sagte. Aber es war nur der Augenblick, den sie brauchte, um sich ins Gedächtnis zu rufen, wie anders die Mitglieder dieser Gemeinschaft waren. Sie selbst wusste nicht, ob sie sich als starke Persönlichkeit sehen sollte. Sie wusste nur mit großer Sicherheit, dass nichts sie je zerbrechen würde.

“Das Leben ist kein Versprechen.“

Entgegnete sie dann und verlieh den Worten eine Selbstverständlichkeit, von der sie überzeugt war.

“Der Verlust von Wölfen, die man liebt ist traurig, gehört aber zum Lauf der Welt. Früher oder später verlieren wir jeden, oder sie verlieren uns. Ich trage meine Familie im Herzen und werde mich ihrer Gesichter und ihrer Art zu Leben immer erinnern. Für meine Trauer schäme ich mich nicht. Es ist schwach, aber es muss so sein. Ich werde sie immer vermissen, aber ich muss weiter leben, so wie du.“

Akara hatte eine sehr direkte Art, anderen Wölfen in die Augen zu sehen, wenn sie sich mit ihnen unterhielt. Ohne Frage würde man nie grundlose Provokation darin sehen. Es war viel mehr eine alte Angewohnheit, die sie nicht ablegen konnte. Auf diese Weise hatte sie Zugang zu Gefühlen und Gedanken ihrer Familie erhalten. Es war ihre Art, zu Kommunizieren.

“Für mich endete das Leben nicht und sie würden von mir verlangen, dass ich weiter mache. Sie würden nicht wollen, dass ich zerbreche und versuche, mich in meinem Unglück zu vergraben. Ich denke, sie sind froh, dass sie noch ein wenig Einfluss auf mein Leben haben und somit nicht aus der Welt sind.“

Sie betrachtete Jeanne sanft, während diese ihr erklärte, dass sie die Höhle erneut betreten würde, um sich ihrer Angst zu stellen. Die braune Wölfin zeigte, versteckt in ihrer für die Wölfe hier unverständlichen Mimik deutlich, dass sie stolz auf ihre Gesprächspartnerin war. So wie man Stolz für jedes Rudelmitglied empfand, dass sich wieder ein Stück näher an die Perfektion und ewige Stärke herangewagt hatte.

“Es wäre mir eine Ehre, dich zu begleiten.“

Ein hauchdünnes Lächeln legte sich auf ihre Züge, kaum merklich. Sie musste noch viel lernen, wenn sie sich wie die Wölfe hier gestikulieren wollte. Es war ihr fremd und sie war immer noch nicht sicher, wie viel von sich selbst sie loslassen musste, wenn sie sich anpasste. Andererseits wusste sie auch, dass niemand sie bedrängen würde und dass ihr niemand etwas vorschreiben konnte.

“Irgendwann wirst du dich sicher an Danley erinnern, froh ihn gekannt zu haben. Wichtig ist, was er dir gegeben hat und nicht, was dir durch seinen Verlust genommen hat. So ist es auch mit deinen Eltern.“

Akara fragte sich, wie viel von den Ansichten ihres Clans sie Jeanne mitteilen sollte und ob sie dieses Rudel nicht zu sehr beeinflusste und veränderte, wenn sie so leichtfertig vom Streben nach Perfektion erzählte. Sie wollte sich nicht selbst verleugnen und sie würde nie von jemandem verlangen, dass er die Ideen ihrer Familie befolgte.

“Bei uns war man davon überzeugt, dass es für die Toten wichtig ist, dass man sie loslässt.“


12.08.2009 16:59




Jeanne


Die Welt brauchte mehr Wölfe, die so wie Akara waren. Jeanne hatte das Gefühl, dass sie sich allein durch die Braune ein wenig gestützt fühlte, selbst wenn sie wohl nie so empfinden würde, wie Jeanne es dank diesen Spiegeln tat. Die Weiße hielt dem Blick ihres Gegenübers Stand, nahm jedes Wort auf und ging sie noch ein Mal durch. Jeanne wußte, dass Akaras Worte die reine Wahrheit waren, dass jedes Wort genau stimmte. Und doch hatte es sich in der Höhle anders angefühlt, als sie Danley gegenüber gestanden hatte.

“Ich denke, du hast Recht..“

Nun, keine wirklich gute Antwort. Aber die Braune selbst hatte doch alles gesagt. Es gab nichts, was sie hin zu zu fügen hatte. Auch auf ihre Züge legte sich ein Lächeln, als Akara von der Ehre sprach, sie zu begleiten. Die Weiße zweifelte nicht einen Moment daran, dass ihr Gegenüber in solch einer Situation eine Stütze sein würde. Egal, was sie dort sehen würde. Selbst wenn die Braune nur da stehen würde, so wußte Jeanne, dass ihre Stärke sie anstecken würde. Ihr Lächeln nahm einen traurigen Ausdruck an, als Akara weiter sprach. Froh ihn gekannt zu haben. Natürlich war sie glücklich darüber.. auch wenn sie sich wünschte, dass er noch immer bei ihr war. Ebenso wie ihre Eltern, die die Braune als nächstes erwähnte. Jeanne biß die Fänge etwas fester zusammen, lockerte sie dann aber schnell wieder und sah der Fähe in die Augen.

“Ich dachte, ich hätte sie los gelassen. Ich hatte das Gefühl, ich wäre darüber hinweg, dass ich sie nie wieder sehen würde. Der Tod meiner Mutter ist drei Jahre her, ich glaubte, in dieser Zeit diesen Verlust überstanden zu haben. Aber ich sehe sie manchmal immer noch in meinen Träumen, höre ihr Stimme und.. naja. Manchmal kommt es mir wirklich so vor, als wäre das alles nur ein Traum gewesen. Dann wache ich auf und bin hier. Es war wie ein Geschenk, dass ich dieses Rudel gefunden habe. Ohne Kiba hätte ich damals nicht gewußt, wo ich hätte hin gehen sollen. Und Danley schien alles nur noch besser werden zu lassen. Das ist nun auch schon eine Weile her.. aber ich gebe mir alle Mühe, auch das bald überstanden zu haben. Und mit einem Besuch bei diesem Spiegel werde ich meinem Ziel wohl näher kommen. Wenn ich mich von ihm verabschiedet habe. Das.. wird alles leichter machen. Zumindest hoffe ich das.“

Zwischendurch hatte sie tief durch geatmet, nach den richtigen Worten gesucht. Es fiel ihr erstaunlich leicht, der Braunen diese Geschichte zu erzählen, aber sie wollte auch nicht wie die kleine, geschwächte Wölfin wirken, die jemanden brauchte, um das alles überstehen zu können. Irgendwie wollte sie das alles allein schaffen.


17.08.2009 14:54




Felino


Felino war zusammen mit dem Rudel aus der Höhle herausgekommen, dort hatte etwas weißes, kaltes gelegen, was unter seinen Pfotenballen komisch knisterte. Es sah aus wie Sternstaub, oder wie die Gischt von Wasser. Es fühlt sich aber nicht so an und bewegt sich auch reichlich wenig, der kleine Welpe versank ein wenig in dem weißen Zeug und er fand es unheimlich lustig im Schnee hin und her zu springen, außerdem entdeckte er nun zwei neue Welpen, die zum Rudel kamen und mit der Alphawölfin sprachen. Er spielte nun weiter in der Nähe der Alphafähe mit dem Schnee. Felino sprang hinein fing die kleinen Schneeflocken auf, mit der Schnauze, schlug ihn mit der Pfote in die Luft oder wedelt mit dem Schwanz den Schnee glatt. Er erfand immer wieder neue Ideen im kalten und weißen Schnee, dadurch bekam er nichts mehr mit. Felino spielte zwar in der Nähe der Alphafähe, aber dies tat er so verträumt, das er nichts um sich herum mitbekam, dies war selten für den kleinen Träumer. Sonst spielte er eher weniger unaufmerksam und versuchte durchs spielen, doch noch alles um sich herum mitzubekommen. Felino hatte nun Spaß daran kleine Pfotenabdrücke in den Schnee zu drücken, am Ende dieses Spiels hatte er überall um sich herum Pfoten verteilt. Eine Frage bildete sich in seinem Kopf, wie schmeckte das eigentlich womit er da spielte.

Er steckte also die Schnauze in den Schnee öffnete sein Maul und biss kräftig in den Schnee, seine erste Reaktion war ein Schaudern, dann spuckte er den Schnee wieder aus:

oO(Das ist ja kalt…
Eisig kalt..
Es löst sich in meinem Maul auf und wird zu Wasser…
Genau, ich nenne es weißes, eisiges Wasser…)Oo


Felino war froh ein Begriff dafür gefunden zu haben, den er zwar ein wenig lang fand, welcher aber den Schnee genau beschrieb. Er biss nun ein kleines Stück vom Schnee ab und ließ es in seinem Mund Schmelzen, dies kühlte seinen kleine Körper innerlich.


17.08.2009 18:37




Akara Chitaru


Akara beobachtete Jeanne, in der alten Gewohnheit, aus ihren Augen und ihren Gesten zu lesen. Es kam ihr vor als würden sie nicht genau die gleiche Sprache sprechen, was sie amüsierte. Vieles ließ sich durch aufmerksames Zusehen erschließen, aber nicht alles. Gerne hätte sie noch einmal ihrer Familie gegenüber gestanden, um zu sehen, ob sich ihre neuen Erfahrungen auf ihre Art sie zu sehen ausgewirkt hatten. Es würde nur nie ein Zurück geben.

“Verlustdenken entzieht uns die Kraft, die wir brauchen, um der Zukunft entgegen zu treten. Es ist wichtig ein gesundes Gleichgewicht zwischen dem zu finden, was man noch hat und den wertvollen Erinnerungen an das, was man verloren hat.“

Die braune, riesige Wölfin wusste, dass Jeanne die Kraft dazu hatte, sich aus den Schlingen der Vergangenheit zu befreien. Sie trat der Zukunft bereits mutig entgegen.

“Ich frage mich, ob sich die Spiegelbilder im Lauf des Lebens verändern.“

Sie sinnierte eine Weile über Ängste, wichtigste Personen und über die Seelenbilder. Hatte jemand etwas Materielles gesehen, im Spiegel, der ihr dieses Rudel gezeigt hatte? In ihrer Gruppe war im Kristall immer ein Rudel, oder ein einzelner Wolf zu sehen gewesen.

“Hast du dir die Bilder der Anderen angesehen? Hast du in der zweiten Kammer jemanden gesehen, der keinen Wolf sah? Meist du, dass ist Zufall? Oder schlagen unsere Herzen alle gleich? Kann für uns ein Ort gar nicht wichtiger sein, als ein Wolf? Oder wollte die Kammer gar nicht das Wichtigste zeigen, sondern ausschließlich Wölfe die uns wichtig sind?“

Nachdenklich sah sie kurz zum Höhleneingang zurück.

“Ich freue mich darauf, mit dir die erste Kammer irgendwann noch einmal zu betreten. Ich will das Bild verstehen, dass sich mir gezeigt hat. Du sagst ich bin stark… aber ich verstehe mich offensichtlich schlecht.“

Etwas irritiert betrachtete sie wieder Jeannes Gesicht und sah der Wölfin in die Augen. Ein spannendes Abenteuer lag vor ihnen, dass sie irgendwann zusammen bestreiten würden. Akara hatte nicht vor, in der nächsten Zeit in die Höhle zurückzukehren. Sie wollte sich intensiv mit dem Gesehenen beschäftigen, um sich über sich selbst klar zu werden. Die Kristalle hatten den Anstoß dazu gegeben.


18.08.2009 10:21




Jeanne


Jeanne war ganz genau klar, dass sie eine Stütze brauchte, um das alles zu überstehen. Shanaro war sicher die beste Hilfe, er war immer da, immer in ihrer Nähe. Ein kurzer, suchender Blick. Sie suchte den schwarzen Rüden, konnte ihn nun aber noch nicht erkennen. Naja, er würde schon auftauchen, da war sie sich sicher. Mit Akaras Worten und einem Seufzen von ihrer Seite wandte sie den Blick wieder auf die Braune, neigte den Kopf nachdenklich ein wenig zur Seite.

“Ich denke, unsere Ängste ändern sich in unserem Leben einige male. Wir lernen immer neues kennen, mehr, was man fürchten kann, oder was man lieben lernt. Aber.. ob es wohl jemanden gibt, der nichts in dem Spiegel mit der größten Angst sieht? Ich wüßte gerne wie es ist, vor nichts Angst zu haben, immer mutig zu sein..“

Sie war nie mutig gewesen. Nur ein einziges Mal, als Shanaro drohte in den Abgrund zu stürzen. Noch immer konnte sich die Weiße nicht erklären, wie sie über ihren Schatten hatte springen können, um den Rüden zu retten. Aber darüber galt es nun nicht nach zu denken.

“Ich.. habe die Bilder der anderen nur kurz gesehen. Shanaro hat Wölfe gesehen, genau wie Toboe und Teyrm. In meiner Gruppe haben sich nur Wölfe gespiegelt. Vielleicht sieht jemand einen bestimmten Ort, der niemanden hat, der ihm etwas bedeutet?“

Sie erwiderte den Blick der Braunen, auch wenn sie etwas.. nunja, verwirrt drein blickte? Die Fähe atmete tief durch.

“Vielleicht hilft es dir es zu verstehen, wenn du es noch ein Mal siehst. Manchmal übersieht man Dinge, die sehr wichtig sind. Vielleicht hast du eine winzige Kleinigkeit übersehen? Ein kleines Detail, dass das ganze Bild trübt?“

Bei ihr war nichts zu übersehen gewesen, gar nichts. Es war alles so, wie sie es gesehen hatte. Aber auch sie würde sich den Bildern noch ein Mal stellen. Vielleicht auch immer wieder, bis es nicht mehr schmerzte, Bis sie Akaras Stärke erreicht hatte. Wenn das für sie überhaupt möglich war.

Wir werden stärker, wenn wir immer wieder über unseren Schatten springen..“

Sie lächelte Akara sanft entgegen. Sie freute sich, mit ihr die Höhle zu betreten. Sie konnte diesen Tag kaum erwarten.


19.08.2009 19:29




Saiyán Tendes


Saiyáns Blick lag zunehmend stirnkrausend auf Nashita. Der Fähe schien es nichts auszumachen, allerlei Emotionen frei auf ihrem Gesicht preiszugeben während sie nachdachte. Und ihr Grinsen bei seinem tölpelhaften Versuch ihren Namen auszusprechen, verbarg sie auch nicht. Sai begann noch brummiger zu werden, als er sowieso schon war. Jetzt hatte er hier eine Fähe, mit der er sich unterhalten musste und die sich neben bei noch über ihn lustig machte, das nicht einmal verbarg und von der er noch immer nicht wusste, ob sie schon ein hoch angesehenes Mitglied seines Rudels war. Vielleicht verscherzte er es sich gerade mit der besten Freundin seiner Mutter? Na gut, sehr unwahrscheinlich, dafür war ihr Geruch doch zu fremd – immerhin hatte Sai eine beträchtliche Zeit lang mit dem bescheuerten Teil des Rudels in einer Höhle verbringen müssen. Bevor er sich in diesem Leid baden konnte, antwortete Nashi auf seine Frage – einiges, was ihn eigentlich nicht wirklich interessierte. Sie war also irgendwo geboren und dann irgendwo herumgezogen und ihnen schließlich irgendwohin gefolgt. Mh, war sie dann schon auf Kiba gestoßen? Bevor Sai diese Frage stellen konnte, hatte Nashi schon erwähnt, dass sie sich noch vorstellen musste und endlich hatte der Schwarze seine Antwort. Sie war fremd, hatte mit noch niemandem gesprochen, lungerte hier oben einfach so rum.

“Ah.“

Kam es von ihm erstmal voller Intelligenz. Dann wurde er sich bewusst, dass er in diesem Moment sehr schlau wirken musste, deutete dann ziemlich ungenau auf das Rudel und stellte fest, dass Kiba nicht da war.

“Die Leitwölfin ist meine Mutter. Aber sie ist nicht da. Wahrscheinlich bei diesem Yago.“

Der letzte Satz klang ziemlich bissig. Ja, ihm war schon aufgefallen, wie oft die zwei herumhingen. Und auch jetzt fehlten zufällig gerade seine Mutter und der hochgewachsene Schwarze. Was für ein Zufall. Saiyán wurde noch ein wenig griesgrämiger. Nicht, dass er dabei an seinen toten Vater dachte, aber Yago war ein großer, kalter Steinklotz und wenn er sich vorstellte, wie der Beta seine Mutter anfasste, wurde er fuchsteufelswild. Vielleicht auch doch wegen seinem Vater. Egal, am liebsten wäre er losgestürmt und hätte die beiden gesucht, wofür er von Kiba aber wohl nur was auf die Mütze bekommen hätte. Er wurde sich wieder der Anwesenheit Nashis bewusst und dass er vielleicht auch ein wenig zu großzügig mit der Bekanntgabe seiner Emotionen umging. Er bemühte sich um einen desinteressierten Gesichtsausdruck, der ihm gnadenlos misslang, dann wischte er mit der Pfote durch die Luft, als müsse er eine Fliege vertreiben.

“Das Vorstellen hat auch noch Zeit. Das sieht hier niemand so eng. Eigentlich kann jeder gehen und kommen wie er will, niemanden kümmert das.“

Und schon wieder klang er bissig. Weil Ai und ihn eigentlich niemand groß beachtet hatte … von wegen Freude über die Rückkehr der beiden Welpen, Fragen über Mitsah und Pyry. Nö, nicht hier. Gut, er war auch nicht so ganz nett gewesen und mit Kiba schmusen wollte er auch nicht … aber verdammt, das Rudel hätte trotzdem mal fragen können. Hatte aber kein Schwein interessiert, lieber sich doofe Spiegelbilder anschauen. Saiyán war wirklich schlecht drauf.


20.08.2009 15:55




Kiba Telay


Kibas blaue Augen flogen über die weißen Wolkenberge, sie konnte nur raten, ob es unter ihnen immer noch regnete. Sie liefen einfach endlos dahin, als wäre dort eine flauschige, weiche Schneedecke, die sich irgendwann wieder an den Felsen brach. Dort in weiter Ferne konnte man den Kamm der Bergkette erkennen und sah dabei fast ein wenig so aus, als könnte er jederzeit in den Wolken untergehen. Sie wandte den Blick ein bisschen weiter, an Yagos Schnauze vorbei. Königlich ragte der große Sançtarum Ceres aus der Mitte des Tales – zumindest wusste sie, dass der Berg inmitten ihres Reviers stand – empor, selbst auf dieser Höhe musste sie den Kopf noch ein wenig heben, um seine Spitze zu erahnen, die in neuerliche Wolken getaucht war. Ein Gefühl von Freiheit überkam sie, während die silbergraue Leitwölfin zu dem Koloss sah und sich vorstellte, wie klein ein Wolf im Gegensatz zu diesem Berg war. So winzig klein, dass man ihn von hier aus nicht einmal erahnen könnte, befände sich ein Artgenosse ihnen direkt gegenüber auf dem Berg. Sie wusste, dass ihr Vater und auch ihr Großvater schon einmal dort gewesen waren, sie selbst war damals noch zu klein gewesen. Kiba hatte keine Ahnung, wie hoch sie dabei gelaufen waren, aber es war bestimmt sehr schön. So hoch oben, höher als alles, musste man sich fühlen, wie der König der Welt.
Yago war es, der die Silbergraue wieder aus ihren hochfliegenden Gedanken holte und sie zwang sich, den Blick wieder auf ihn zu richten. Seine Worte ließen sie wieder etwas ernster werden.

Da hast du Recht ... Große Veränderungen finden oft innerhalb einer kurzen Zeit statt. Manchmal ist auch von einem Moment auf den anderen alles anders ... So ist das Leben.“

Beim vorletzten Satz war Kiba etwas leiser geworden. Hatte sie doch schon mehrfach am eigenen Leibe erfahren, wie viel sich mit einem Schlag verändern konnte. Sie wusste, dass die Lebensspanne eines jeden Wolfes von solchen Momenten geprägt wurde.
Vorsichtig, aber mit einem leichten Lächeln auf den Lefzen stupste die Wölfin den Schwarzen an.

Aber eines hat sich nicht verändert. Du bist immer noch mein Freund.“

Sie hatte nie vergessen, was Yago damals gesagt hatte. Damals hatte es sie verletzt, aber hatte sie sich nicht bewiesen? Und hatte er sich nicht bewiesen? Vielleicht waren ihre Worte auch gewagt und er würde ihr wieder die selbe Antwort geben, aber ... sie wollte es ihm einfach sagen.
Als ihr Beta Leikuna erwähnte sah Kiba nachdenklich wieder nach vorne. Sie konnte bei der Weißen schlecht einschätzen, ob Yagos Ausraster sie künftig irgendwie beeinflussen würde, oder ob sie schnell alles wieder vergaß. Vorrausgesetzt Yago ging mit ihr um, wie sonst auch.

Leikuna beruhigt sich wieder, da bin ich mir ganz sicher.“


20.08.2009 20:20




Adali


Nach dem einschneidenden Erlebnissen in den ersten beiden Höhlen hatte Adali nicht mehr herausfinden wollen, was die letzte der drei Grotten ihr gezeigt hätte. Zu sehr hing die Schwarze in ihren Gedanken bei ihrem geliebten Rüden, der sie für immer verlassen hatte.
Obwohl die Erinnerung an sein weiches, warmes Lächeln in der zweiten Kammer ihr noch immer anhaftete, vermochte es das Bild aus der ersten Kammer nicht zu übertünchen.
Der Schrecken steckte der Fähe noch immer tief in den Knochen, der Schock jagte in jedem unbeobachteten Augenblick durch ihren Leib.
Langsam schüttelte Adali den Kopf, ließ den Blick über diese einmalige Landschaft schweifen, welche sich nun vor ihr auf tat. Es war, als würden sie über den Wolken tanzen, wenn sie den schneebedeckten Boden verließen und einfach weiter liefen. Sie befanden sich nun so hoch oben, dass die weißen Nebelschwaden wie feste Materie wirkten. Es war kalt, so hoch oben auch kein Wunder, trotzdem fühlte sie sich nicht gerade unwohl. Der Blick aus den bernsteinbraunen Augen lag eine Weile auf den majestätischen Erhebungen. Obwohl sie schon eine ganze Weile hier in diesem Tal verweilte, hatte sie einen solchen Ausblick auf dieses Tal gehabt. Bis heute.
Der Gebirgsring hatte immer ein leichtes Gefühl von Heimat in ihr ausgelöst. Ihr Geburtsrudel hatte in einer eher kargen Landschaft gelebt, die von einem Vulkan dominiert wurde. Trotz der vielen Asche und dem Risiko eines Ausbruches war dieses Gebiet fruchtbar gewesen. Eine interessante Mischung. Oberhalb des Berges, dem Gebiet wo sich der Rudelplatz und die Rudelhöhle befanden, war es eine trockene, sandige Steinwüste, die von scharfkantigen Felsen durchzogen wurde. Weiter unterhalb, in den Teilen, in denen Regen die Erde benetzte, konnte das Leben ungehindert erblühen. Dort hatte das Rudel gejagt, seinen Durst gestillt und die Welpen gespielt. Und dort waren sie alle verendet, an jenem schicksalhaften Tag, als das andere Rudel, welches schon immer einen Hass gegen die schwarz-braune Rasse hatte, den Friedenspack brach und über das Rudel her fiel. Der Tag, an dem Adali ihre Heimat verlassen hatte, um einen anderen Platz in der Welt zu suchen. Vor einiger Zeit hatte sie geglaubt, dass sie diesen gefunden hatte. Hier, bei den Tears of Destiny, bei ihrer Freundin Kiba und Jeanne, bei Silence Tear, Mitsah und Yago, ihrer Familie und ihrem Gefährten.
Wie es das Schicksal wollte hatte sie einsehen müssen, dass sie nichts hatte. Nichts war ihr geblieben und alles war zu Staub zerfallen. War dies ihr Schicksal, mit einer verschlingenden Flamme alles zu vernichten?

.oO(So ein Blödsinn...)

, dachte sie sich, schüttelte wieder leicht den Kopf. Ihr Schicksal musste etwas anderes sein. Sonst hätte sie kein Leben schenken können. Innerlich seufzte die Fähe, musste sie sich immer wieder eingestehen, dass sie längst nicht mehr so stark war, wie sie sein sollte, wie sie sein konnte. Mit ihrer Familie, ihren Freunden, ihrem Gefährten hatte sie sich verloren. Alles was sie einst aus gemacht hatte war einfach erloschen, wie eine kleine Flamme im eiskalten Regen.
Die Fähe bemerkte gar nicht, wie sie unbewusst über das Plateau schritt und sich nun etwas abseits bei einem grauen Rüden wieder fand. Nie hatte sie sich näher mit dem Grauen unterhalten, vielleicht eine gute Gelegenheit dies nach zu holen? Es kam auf einen Versuch an, vor allen Dingen sollte sie sich von ihrer distanzierten Haltung lösen. Eine schwierige Aufgabe, vor allen Dingen wenn man nicht wusste, wie und wo man beginnen sollte.


22.08.2009 18:56




Leikuna


War der Winter immer so ruhig? Leikuna wusste nichts vom Winter. Nichts vom Sommer und nichts vom Herbst. Sie war schon lange auf dieser Welt, doch sie konnte nichteinmal sagen ob der Winter immer kalt war. Sie konnte sich einfach nicht daran erinnern...aber sie erinnerte sich an Licht. Helles, strahlendes, reines Licht, dass näher kam, größer, heller wurde, und sie dann vollständig einschloss...im nächsten Moment brach das Gedankenbild ab. Wie als hätte sie die Augen geschlossen, verblassten Yagos hassende Augen vor den ihren, und sachte schüttelte sie den Kopf. War der Winter immer so schrecklich?
Leikuna erschrak, als Toboe plötzlich eine graue Fähe entdeckt hatte. Sie selbst hatte sie nicht kommen hören, erhob sich nun und straffte völlig selbstverständlich ihre Haltung, ganz so, als sei es an ihr hier etwas zu entscheiden. Toboes Blick ernst beantwortend trat sie an ihm vorbei, ein paar Schritte auf die Fremde zu.

"Sei auch du gegrüß, Ýllin"

Sie versuchte sich erfolgreich an der Aussprache dieses Namens, und ein sanftes Lächelns hob sich ob ihres Erfolges auf ihre Leftzen.

"Ich bin Leikuna. Das Rudel dem wir beide angehören befindet sich gleich dort hinten"

Erklärte sie, und musterte die Andere abschätzend. In ihrer Haltung schwang nichts böses, nichts provokantes mit, und Leikuna warf einen kurzen Blick zu Toboe - eigentlich nur, um ihm zu zeigen dass sie ihn nicht vergessen hatte.


"Sag, bist du nur ausversehen auf uns gestoßen oder warst du auf der Suche nach Wölfen? Wenn du es wünscht werden wir dich zu unserer Alphawölfin bringen"

Beschloss sie einfach, und sah die Graue an, einer Entscheidung ihrerseits harrend. Das einzig unglückliche an diesem Angebot war, dass sie eventuell Yago gegenübertreten musste. Was sie daran störte war nicht ihr großer Bruder selbst - es waren all die Geschehnisse in dieser kurzen Zeit, die zwischen ihnen standen. Und sie wusste einfach nicht wie sie ihm gegenübertreten sollte. Wie er ihr gegenüber treten würde. Das war etwas, was ihr wirklich Angst machte. Was, wenn er sich von ihr fernhalten würde, nach dem sie so hilflos reagiert hatte, nachdem sie so hilflos war? Leikuna spürte ihre Züge entgleiten, und wand kurz den Kopf ab, um sich zu fangen. Und langsam begann auch sie selbst, von einer Pfote auf die andere zu treten - es war eindeutig zu kalt in diesem Winter...


22.08.2009 19:45




Toboe Tear


Die hellen Augen des jungen Rüden ruhten auf der fremden Fähe, die er.. jünger einschätzte, als ihn selbst. Ein ganzes Stück kleiner als er selbst. Also auch jünger. Und dazu fremd. Toboes Ohren zuckten durch die Luft, als die Fähe seine Begrüßung erwiderte. Ýllin. Alles klar, diesen Namen kannte er auf gar keinen Fall. Auch wenn er noch ein mal darüber nachdachte, kam ihm diese Wölfin nicht bekannt vor. Aber ihr schien kalt, so wie sie von einer Pfote auf die andere trat. Mit leicht hoch gezogener Augenbraue sah der Graue zu seinen eigenen Pfoten. Hmm.. kalt war es ja schon. Der Frühling hatte ihm besser gefallen. Leikuna schien in Gedanken versunken, erst jetzt sah sie ihn an und trat dann näher an Ýllin heran. Sie.. schien das viel professioneller als er zu machen, und das, obwohl er Kibas Sohn war! Der Graue seufzte, schüttelte dann leicht den hellen Pelz. Noch immer fragend erwiderte er Leikunas Blick, neigte den Kopf zur Seite. Nur einige Momente verstrichen, dann setzte sich die Weiße in Bewegung. Toboe selbst blieb sitzen, als hätte sie ihn mit seinem Blick versteinert. Er blinzelte, blickte dann Ýllin und dann wieder Leikuna an.

“Ähm, meinst du nicht, meine Mutter ist beschäftigt genug? Sie hat sicher selbst viel zu tun und wird sich später um Ýllin kümmern.“

Noch ein Mal schüttelte er den Pelz, seufzte dann leise und erhob sich.

“Außerdem sind wir ja hier, um auf sie auf zu passen. Das reicht.“

Ein Grinsen zog sich auf seine Lefzen und mit einem Satz stand er auf den Läufen.

“Außerdem ist es viel interessanter, sich hier um zu sehen. Wann ist man schon mal bei den Wolken? Lasst uns in die andere Richtung gehen, vielleicht finden wir noch etwas interessantes!“


22.08.2009 20:09




Ýllin


Ýllins Körperhaltung veränderte sich etwas ins unsichere,ihre Ohren legte sie etwas an, ja man könnte beinahe schon sagen, sie legte sie etwas ängstlich an. Ein Ruck jedoch durch zuckte sie, als ihr klar wurde, dass ihre Körperhaltung nicht gerade von Selbstvertrauen kündete und ihre Ohren stellten sich wieder etwas auf auch ihre Rute ging etwas in die Höhe. Immer noch versuchte sie dabei nicht zu arg von der einen auf die andere Pfote zu treten, doch allmählich gewöhnte sie sich an die Kälte, ihr viel sogar auf dass sie ihren eigenen Atem sehen konnte. Ein leichtes , fast schon schmunzelndes Lächeln zeichnete sich auf ihren Leftzen als sich die Weiße an der Aussprache ihres Namens versuchte. Bei der Bemerkung, dass das Rudel hinter den Beiden lagerte lies Ýllin ihren Blick kurz dort herüber wandern. Dann jedoch blickte sie wieder die Beiden an. Auf die Frage hin ob sie das Rudel aus Zufall gefunden hatte, oder ob sie Wölfe gesucht hatte ,schmunzelte sie. Eigentlich war es eine Gute Frage.

„Eigentlich war es Beides ,ich suchte andere Wölfe und es war etwas der Zufall der mich euch entdecken lies“

Sagte sie mit einem kleinem Lächeln und einem leicht freundlichen neugierigen Unterton in der Stimme. Sie überlegte .

„Ja ich würde gerne zu der Alphawölfin“

In ihrer Stimme klang nun unverhohlene Neugierde und Freude mit. Wo für sie sich selbst schollte.

oO Kann ich nicht einmal ernst bleiben Oo

Ging es ihr etwas wütend durch den Kopf und das Linke Ohr legte sie etwas an und ein etwas entschuldigendes Lächeln zeichnete sich auf ihren Zügen wieder. Um so mehr schien ihr Blick verwirrt als der Graue davon abriet sie jetzt zur Alphawölfin zu führen Sie wirkte beinahe enttäuscht. Ihr Blick verweilte einen Moment sogar etwas gekränkt auf dem Schnee. Bevor sie ihren Blick wieder etwas anhob und dann hinter sich blickte.


oO Noch mehr Schnee brr kalt Oo

Dachte sie und trat wieder von der einen auf die andere Pfote,neugierig auf das was dort hinten war,war sie eigentlich eher nicht oder doch? Im Prinzip wusste sie noch nicht einmal dies.


22.08.2009 21:57




Leikuna


Leikunas Züge blieben ernst, trotzdem sich ein Lächeln über sie gelegt hatte - es schimmerte durch. Erst als sie Fähe wieder sprach, viel Leikuna so wirklich auf wir jung sie noch sein musste. Wie also hatte sie es hier herauf geschafft? Die Antworten die die Graue ihr gab quittierte sie mit einem ruhigen Nicken, dann erst wand sie sich wieder zu Toboe. Die Weiße zog die Stirn kraus.

"Weder du noch ich haben den Stand ihr ein Verweilen hier zu gestatten. Wenn nicht Kiba, dann sollten wenigstend Adali oder Yago informiert werden"

Beschloß sie, und lächelte nun doch etwas breiter bei Toboes weiteren Ausführungen. Wenn der Rüde solch eine Einstellung gegenüber jedem Wolf vertrat, dann wäre es wohl nur zu notwendig ihm einen Leibwächter an sie Seite zu stellen...

"Nur geht es ja nichts darum aufzupassen. Es geht rein um die Erlaubnis von der Rudelführung"

Erklärte sie lächelnd, und wand sich in Richtung des Rudels, den zwei Jungwölfen bedeutend ihr zu folgen.

"Wenn das geklärt ist, können wir uns immer noch umsehen. Die Wolken gehen bestimmt nicht weg"

Grinsend zwinkerte sie den Beiden zu, und setzte sich dann in Bewegung, die Augen offen haltend nach einem der drei genannten Wölfe.


23.08.2009 12:04




Toboe Tear


Ein wenig skeptisch beobachtete der junge Rüde die Haltung der fremden Fähe. Weder Leikuna noch er selbst waren.. angsteinflößend. Wieso wirkte Ýllin so geknickt? Und seine Worte schienen das ganze auch nicht besser zu machen. Sie starrte auf den Schnee. Aber.. wieso? Toboe blickte die Graue fragend an, aber diese wandte den Blick einfach ab. Hah! Das war jetzt schon gemein. Toboe verzog die Lefzen zu einem Schmunzeln. Blinzelnd ruhten die blauen Augen nun auf der Weißen, und beinah hätte er selbst fast wie Ýllin auf den Schnee gestarrt. Aber hey – er war der Sohn der Alpha! Er durfte doch keinen schlechten Eindruck bei der Grauen hinterlassen. Der Graue schnaubte also bloß, verzog dann noch ein wenig das Gesicht. Im Prinzip hatte Leikuna Recht. Aber.. seine Mutter würde sicher niemanden weg schicken, der jünger als ihre eigenen Kinder war. Bestimmt nicht. Also war dieser Plan sinnlos. Wäre die Graue nun ein sabberndes, übergroßes Monster, dass sie alle fressen wollte.. das wäre etwas anderes. Aber sie wirkte nicht mal stark genug, um einen von ihnen zu besiegen. Teyrm vielleicht, aber der war ja nun nicht hier.

“Und ich wette, wir stören sie bei irgend etwas.“

So viel dazu. Und Yago.. hm. Er konnte den Rüden nicht einschätzen. Wo der wohl war? Vielleicht streunte er auch umher, um sich diesen Ort genauer an zu sehen? Kurz blickte sich der Graue um, konnte jedoch niemanden von den beiden entdecken. Wieder seufzte Toboe. Wieso sollte man älteren auch immer Respekt entgegen bringen?

“Wir können auch beides auf ein Mal machen. Wir gehen einen kleinen Umweg, sehen uns hier etwas um. So kann Ýllin noch ein paar andere Rudelmitglieder kennen lernen und wir kommen irgendwann zu meiner Mutter.“

Er trat trotz dessen erst ein Mal hinter Leikuna her. Vielleicht war sein Vorschlag ja auch ok? Er fand sich auf jeden Fall unglaublich erwachsen.

“Was meinst du dazu, Ýllin? Willst du dich hier nicht auch umsehen? Oder hast du die Wolken schon ein Mal von oben gesehen?“

Ok, er war eben doch noch ein ganz kleines bisschen ein Welpe. Aber nur ein bisschen.


23.08.2009 12:25

You are not alone in your life although you might think that you are

So sorry your world is tumbling down
I watch you through these nights
Rest your head and go to sleep
Because my child,
this is not our farewell
15.08.2010 15:23
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Cave of Mind
the ice breaks, i'm pulled beneath
Bildnachweis
Monty Sloan - wolfpark.org

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Beitritt

23.07.2005

Seite 3




Ýllin


Ýllin musste sich ein kleines Lächeln verkneifen .

oO Grade einig sind sich die Beiden aber nicht Oo

Dachte sie und doch,da schlich sich ein kleines Lächeln ein. Im Prinzip wäre sie eigentlich schon dafür gewesen direkt zur Alpha zu gehen da sie es dann hinter sich hatte. Aber irgendwie war ihr auch mulmig zu mute. Sie wusste nicht recht aber sie glaubte etwas ,naja Angst zu haben. Ýllin blickte zu dem Grauen um ihn nicht den Anschein zu vermitteln sie wolle ihn kränken.

„Nun gegen einen Umweg,wenn er denn dann auch sein Ziel erreicht, kann denk ich mal keiner etwas einwenden oder?“

Sie lächelte wieder etwas hatte jedoch immer noch ein Ohr etwas angelegt. Sie schämte sich etwas dafür das sie in diesem Moment so schüchtern war.

oO Hoffentlich hab ich ihn nicht verärgert mit meinem Verhalten Oo


Dachte sie etwas betrübt.

oO Ich wollte ihn doch wirklich nicht kränken ,es ist nur. Dass ist alles so neu für mich Oo

Ging es ihr durch den Kopf und ein leichter Anflug von Unbehagen überkam sie. Abermals trat sie von der einen auf die Andere Pfote.

oO Ich will wieder Sommer Oo

Dachte sie leicht quängelnd irgendwie mochte sie dieses Gefrorenewasser und doch hasste sie diese Kälte. Sie schüttelte kurz etwas ihren Pelz beinahe unmerklich. Ihre Blick wanderte etwas durch die Umgebung und verharrte doch bei den Beiden.

„Nein über den Wolken war ich noch nie“


Sagte sie dann nach einiger zeit grübelnd. Ihre Stimme klang leicht nachdenklich und irgendwie etwas verträumt.


23.08.2009 13:47




Leikuna


Leikuna sah über die Schulter zurück, als Toboe seine Wette verlauten lies. Sie grinste, und wollte ihn soeben nach seinem Wetteinsatz fragen, als sie sich ihrer Aufgabe entsann. Dennoch blieb sie stehen, wand sich noch einmal um, und grinste, ob Toboes nächstem Vorschlag. Eigentlich wollte sie ihm nicht zustimmen - aber da auch ihre überaus junge Besucherin seiner Meinung war, war sie wohl faktisch überstimmt. Und eine Gefahr für das Rudel war die raue in ihrem Alter wohl auch kaum. Zumal in jeder Geste noch Unsicherheit zu lesen war - für die Graue selbst vielleicht unangenehm, für Leikuna ein blosser Indikator für deren Harmlosigkeit. Lächelnd schüttelte sie den Kopf, und lies ihn dann leicht nach vorne abkippen.

"Na dann bin ich wohl überstimmt, was?"

Meinte sie lächelnd, und sah in das Wolkenweiß hinaus. Was auch immer Toboe in all der Farblosigkeit zu entdecken hoffte. Ausser vielleicht weiteren Jungwölfinnen. Höhö. Dass ihr dieser Gedanke jetzt erst kam! Mit erfolglos unterdrücktem Grinsend sah sie nun zwischen den beiden hin und her, und schlug nun also die Gegenrichtung ein, weiter in die weisse Weite hinaus.

"Wie bist du überhaupt hier rauf gekommen?"

Keine besonders ungerechtfertigte Frage, wie die Weiße fand. Sie hätte nicht gedacht dass es ausser der Höhle noch einen zweiten Zugang zu diesem Plateau gab. Und schon gar nicht dass jemand diesen Weg freiwillig besteigen würde. Immerhin war es furchtbar kalt hier oben. Obwohl ihr selbst jetzt schon viel wärmer war. Vermutlich war es bei ihr maßgeblich die innere Kälte gewesen, die ihr zugesetzt hatte. Gefühle waren wirklich nicht dazu geschaffen, ihr das Leben leichter zu machen.

"Und wo kommst du her, dass es dich in deinem jungen Alter schon von dort wegzog?"

Ebenfalls sehr verwunderlich. Aber immerhin hatte die Fähe es wohl bis jetzt ganz gut überstanden...


23.08.2009 20:01




Toboe Tear


Toboe sah von der einen zur anderen Fähe. Er war gespannt, wie diese beiden seinen tollen Vorschlag aufnehmen würde. Ýllin wirkte einfach geknickt. Ob sie wohl Angst, vor der großen, bösen Alpha hatte? Dabei war diese große, böse Alpha.. eine große, wunderbar liebe Alpha. Die tollste Anführerin der Welt, und..! Seine Mutter. Er kannte keine so gutmütige Fähe. Leikuna gab Widerworte, Ýllin wirkte verängstigt, Jeanne war schnell am Boden, Adali auch. Hm.. mit wirklich vielen Fähen hatte er es so also noch nicht zu tun gehabt. Das waren merkwürdige Wesen. Sie sollten lieber alle so wie Teyrm sein. Er mochte sie, keine Frage. Aber.. nichts ging über seinen besten Freund und seine Mutter. Toboe gähnte. Warum dachte er wohl jetzt über so etwas nach? Das war schon eine verwirrende Angelegenheit. Und um so mehr verwirrter war er schließlich, als BEIDE Wölfinnen ihm zustimmten. Oho? Der Fang des Grauen klappte und auf und er sah erst Leikuna, dann Ýllin und wieder Leikuna an. Hää? Mit hoch gezogenen Augenbrauen sah der Graue Leikuna nach, die sich nun auf den Weg in die andere Richtung machte. Wieso..? Er war vollends verwirrt. Wieso hielt sie gegen ihn und stimmte ihm nun doch zu? Weibliche Wölfe.. merkwürdige Wesen. Tobeo seufzte, blickte dann Ýllin an.

“Wenn deine Pfoten kalt sind, denk einfach, du läufst auf Feuer. Das hilft.“

Er nickte, grinste die Graue an und setzte dann Leikuna nach. Neben der Weißen angekommen, zog sich ein noch breiteres Grinsen auf seine Lefzen. Bloß die Verwirrung nicht anmerken lassen.

“Bist du meinem Charme erlegen? Oder wieso stimmst du mir auf ein Mal zu?“

Ok, ok. Das war jetzt nicht wirklich er. Aber das hatte er einfach sagen müssen. Sie musste das ja nicht ernst nehmen. Das war bestimmt Tearls schlechter Einfluss. Er seufzte und wandte den Blick zu der Grauen, wartete auf Antworten auf Leikunas Fragen. Jaa, das interessierte ihn auch. Und vielleicht nahm es ihm ja auch diese doofe Verwirrtheit. Die war wirklich.. verwirrend. Er war doch viel zu erwachsen für so etwas.


23.08.2009 20:36




Ýllin


Ýllin grinste etwas .sie wirkte nun etwas mutiger nicht mehr so zerknittert.

„Nun eine glatte Überstimmung, zwei zu eins“

Man könnte das Lächeln was sich nun auf ihren Leftzen abzeichnet beinahe schon als freches neckendes Grinsen deuten. Ihr Linkes Ohr ging auch etwas nach vorne und ihre Rute noch etwas nach oben.

„Nun ich bin euch die ganze Zeit, hinter hergeschlichen und habe darauf geachtet das mich niemand sieht. Obwohl ich diese Kammern zum Schaudern fand meines Erachtens nach waren sie das schrecklichste überhaupt“

Sagte sie und schauderte einmal, ja was sie gesehen und erlebt hatte gefiel ihr überhaupt nicht. Eine leichte Kälte legte sich in ihr Herz als sie daran dachte was sie gesehen hatte. Als die Weiße nachfragte wieso sie in ihrem Jungen alter schon allein ausgezogen war lies allen Anflug von Freude in ihr verblassen und sie senkte etwas den Kopf die Ohren und ihre Rute hatte sie ganz angelegt. Eine kleine Träne bildete sich in ihren Augen und viel auf den Schnee.

„Nun“

fing sie mit zaghafter leicht zittriger und doch sehr ernsten Stimme an zu sprechen.

„ich habe vor 2 Monaten mein ganzes Rudel bei einem Schreckliches Brand verloren,damals sind sie alle in den Flammen oder in dem reißenden Fluss, in dem sie sich retten wollten,umgekommen“

In ihren Augen Bildete sich eine Weitere Träne und das bitre Gefühl der Einsamkeit stieg wieder in ihr empor und gewann die Oberhand. Alles wirkte auf einmal wieder so kalt und sie fühlte sich auf einmal schrecklich allein. Ja es war fast so als würden die Weiße und der Graue nicht mehr da sein. Doch dann fasste sie sich wieder und schüttelte leicht den Kopf und befolgte den Rat des Grauens und stellte sich vor auf Flammen zu laufen und wirklich,etwas half es.


23.08.2009 21:33




Nashita R‘ayah


Eins wurde Nashi mit jeder Sekunde die verstrich klarer: Der Gute hier war definitv keiner von der gesprächigen Sorte. Was die Sache mit dem Konversation betreiben ein wenig schwieriger gestaltete. Aber egal! Sie würde schon ein paar Sätze aus ihm rausbekommen. Und wenn sie sie herausprügeln musste. Sie war viel zu ambitioniert um jetzt einfach umzudrehen und sich einen neuen Wolf zum unterhalten zu suchen. Blieb aber noch die Frage wie sie das nun anstellen wollte. Die Bunte könnte ja einfach tausende von belanglosen Fragen stellen, doch sagte ihr irgendetwas - wahrscheinlich die wenig interessierte Bemerkung des Rüden - , dass die Aussichten auf Erfolg nicht grade vielversprechend waren. Allerdings hat es Nashita noch nie interessiert, ob es andere interessiert was sie so von sich gab.
Hatte sie da grade richtig verstanden? Sprach sie tatsächlich grade mit dem Sohn der Alpha? Oh je... Dann musste sie ja doch aufpassen was sie sagte. Möglicherweise war sie ja auch jetzt schon unten durch, weil sie das nicht direkt bemerkt hatte. Man trifft schließlich immer wieder verwöhnte kleine Welpen die glauben sie dürften alles und jeder muss ihnen ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken.
Und wer war nun dieser Yago? Der musste ja auch irgendwie wichtig sein wenn er mit der Leitwölfin durch die Weltgeschichte spazierte. Und Sai schien diese Tatsache auch nicht wirklich glücklich zu stimmen. Neugierig darauf zu erfahren warum, war sie ja schon. Nur traute sie sich nicht so recht zu fragen, was wohl auch besser war. Schließlich schien dieser...wie hieß er noch gleich? Yoga? Naja, zweitrangig. Jedenfalls schien er ein wunder Punkt zu sein, was meistens irgendeine persönliche Geschichte bedeutete. Zu persönlich um sie einer daher gelaufenen, kleinen Fähe zu erzählen.
Nashita verwirrte das alles trotzdem sehr. So sehr, dass ihr fröhliches Lächeln langsam aber sicher einem etwas leidendem Gesichtsausdruck wich - der irgendwie Ähnlichkeit mit einem weinendem Eichhörnchen hatte.
Seltsam. Wenn hier jeder kommen und gehen konnte wann er will, was genau ist dann daran noch ein Rudel? Wird nicht immer jeder sofort verjagt der einfach so in das Revier eindringt? Da! Schon wieder. Verwirrung pur. Aber wenn die Alpha sowieso nicht da war, konnte sie sich auch gar nicht vorstellen, darum wäre sie theoretisch ja auch kein Eindringling sondern ein...ein...Anwärter auf der Warteliste?
Den Schwarzen schien diese Tatsache auch ziemlich zu stören. Er schaffte es wirklich sie immer und immer neugieriger zu machen. Nashi musste etwas dagegen unternehmen. Aber was? Vielleicht erstmal die Unterhaltung am Leben erhalten. Also, worüber kann man so reden ohne dem Drang nach allzu persönlichen Dingen zu fragen nachzugeben? Sie sollte aber vielleicht zuerst auf den Satz, der mittlerweile schon etwas länger in der Luft hing, eingehen.

"Na wenn das so ist, kann ich das ja auch irgendwann später machen."

Und weiter? Mit dem Weinendem-Eichhörnchen-Blick auf dem Gesicht überlegte sie angestrengt, wie sie ein paar ganze Sätze aus Sai herauskitzeln könnte. Da kam ihr die Idee einfach das zu erfragen, was sie ganz am Anfang schon gewundert hatte.

"Sag mal..., ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber woher hast du eigentlich diese ganzen kleinen Narben?"


24.08.2009 21:48




Akara Chitaru


Akara nickte nur stumm zu Jeannes Erwiderung. Sie versuchte, in sich hineinzuhören, um herauszufinden, ob sie Angst davor hatte, erneut ein Rudel zu verlieren. Sie hatte diese Erfahrung gemacht und erlebt, was sie sich nie hätte vorstellen können. Was würde aus ihr werden, wenn die Tears of Destiny aus ihrem Leben treten würden? Unschlüssig blickte sie in das weiße Nichts der Wolken. Natürlich wollte sie nicht, dass auch nur einem Wolf etwas geschah. Aber es würde sicher nie eine heile Welt sein, mit Anderen zusammen zu leben. Sich vor Verlust zu fürchten wäre töricht.

„Angst ist ein natürliches und selbstverständliches Gefühl. Der Wolf, der ohne Angst ist, muss tief in seinem Herzen sehr krank sein. Und auch sein Verstand wird nicht mehr wirklich gegenwärtig sein. Nein, ich bin sicher, einen solchen Wolf kann es nicht geben. Er müsste tot sein.“

Sie sah Jeanne wieder an.

“Wir sind nicht ängstlich, weil wir Angst haben. Wir sind es nur, wenn wir nicht mutig genug sind, um uns unserer Angst zu stellen.“

Akara selbst hatte nicht die Spiegelbilder aller Wölfe gesehen und wahrgenommen, dennoch waren immerzu Wölfe in der Kammer gewesen, die das Wichtigste im Leben zeigte. Noch hatte sie nicht die Sicherheit, die Beschreibung umzuformen.
Sie folgte aufmerksam den Worten ihrer Gesprächspartnerin und stimmte ihr stumm zu. Sie hoffte beim nächsten Mal ihr Rätsel lösen zu können. Vielleicht würde auch Jeanne etwas im Spiegel sehen, dass ihr verborgen blieb. Ein Hinweis genügte womöglich.

“Gut gesprochen.“

Gab sie noch anerkennend zurück, ehe verschiedene Bewegungen ihre Aufmerksamkeit auf sich zogen.


25.08.2009 12:53




Leikuna


Leikuna grinste in sich hinein, als Toboe der Grauen seinen Trick für warme Pfoten verriet. Feuer. Darauf zu laufen war garantiert warm, aber bestimmt nicht angenehm. Die Weiße wand den Kopf herum, um Ýillin zu hören zu können als sie antwortete, und begann dann zu kichern. Wie geschickt die Jungwölfin sich angestellt haben musste - oder wie blind die Gruppe, der sie gefolgt war. Ihr Gruppe konnte es nicht sein - immerhin war sie selbst zurückgelaufen, und sie hätte den fremden Geruch ja bemerkt...

"Die erste Kammer gefiel mir nicht...die danach waren eigentlich schön"

Erinnerte sie sich. Immerhin hatte die Dritte sie alle nahezu verzaubert - bis zu der Sache mit Yago zumindest schoß es ihr durch den Kopf, und sie wand den Kopf wieder nach vorne - immerhin wollte sie nicht blind immer weiter laufen, und zudem wollte sich die verkrampfte Miene nicht ehr von ihrem Gesicht lösen. Und die wollte sie den zwei Jungwölfen ganz sicher nicht zeigen. Leikuna beschleunigte ihren Schritt ein klein wenig, um auch Toboes Blick zu entkommen - und musste im nächsten Moment loslachen, als er zu ihr aufschloß und seine Frage stellte. Chrchr. Jetzt also sie?

"Ich stimme dir nicht zu, ich lasse mich nur überstimmen"

Gab sie zwinkernd zurück, und warf sogleich wieder einen Blick zu Ýillin - und erschrak, ob der plötzlich so schlaffen, freudlosen Haltung der Jungwölfin. Was hatte sie denn da angerichtet?
Umso wacher lauschte sie den Worten des Grauen, und musterte sie mit offener Schnauze. Die Fähe war auch jetzt noch ein halber Welpe - als das passierte musste sie noch winzig klein und schutzlos gewsen sein. Wie hatte sie das bloß überleben können?

"Das tut mir Leid"

Mit ihren Fragen wollte sie die Graue nun jedoch nicht weiter quälen, sondern wartete stattdessen bis Ýillin auf einer Höhe mit ihr war, um dann neben ihr weiterzulaufen und ihr unentwegt sanft über das Fell zu lecken. Die Jugend dieser Fähe musste zuende gewesen sein, bevor sie begonnen hatte.


25.08.2009 17:03




Louel


Ein Stück noch, dachte sich Louel als er den vorletzten Fellsvorsprung keuchend und voller erschöpfung erreichte. Seine Kräfte waren am Ende, jedoch konnte er so kurz vor dem Ziel nicht aufgeben. Er wollte auf diese Plateu, koste es was es wolle. Was genau ihn dabei antrieb wusste der Rüde nicht. Womöglich war es die Neugier was dahinter war oder auch nur reine Dummheit hunderte Meter weit aufs Gebirge zu steigen ohne ein richtiges Ziel zu verfolgen. Er hoffte nur inständigst, das es sich lohnte hier hinauf zu klettern und nicht wieder ein verhängnissvoller Fehler sei, den ihn wieder Tagelang hungern lies, da es hier warscheinlich kaum Futter geben wird. Lounel sah mit einem kleinen Seufzer zur Seite als er dies dachte, und dann, sah er etwas was er für kaum möglich hielt. Bergziegen! Wie konnten diese Lebewesen hier nur überleben in dieser unwirtlichen Umgebung? Eine Sorge weniger, dachte sich Lounel mit einem kleinen Grinsen im Gesicht.

Dann sah er wieder auf, zum letzten kleinen Aufstieg, den er noch zu erklimmen hatte. Nun waren seine ganzen Bedenken wieder verflogen und er setzte seinen Aufstieg fort, in der Hoffnung endlich an seinem Ziel anzugelangen. Prüfend suchte er sich den letzten Aufstiegsweg und fand eine kleine Rinne zwischen den Felsen die er erklimmen konnte. Beim Betreten des Felsen schmerzten seine Pfoten, die durch den langen Aufstieg schon ganz Wund waren. Lounel verzog kurz sein Gesicht vor Schmerzen, doch er unterdrückte ihn schnell wieder in dem Gedanken das er bald da sei. Man sah ihm an das er am Ende war und doch schaffte er es über den letzten Felsvorsprung und erreichte ein weites Plateu, welches glitzernd mit Schnee überdeckt war. Dieser Ort schien mehr wie ein Traum als wie die Realität, da sich der Boden mit dem Himmel zu verschmelzen schien, durch die Wolkendecke die das Plateu leicht durchdrang und so eine wunderbare Atmosphäre schuf.

Lounel bekam zunächst kaum etwas davon mit, da er sich erschöpft niedergeschmissen hatte und dabei vor Erschöpfung die Augen geschlossen hielt. Er atmete schwer, was sich aber bald besserte und er langsam mit ruhigen Atem um sich sah. Er traute seinen Augen nicht. Dieser Ort schien für ihn nicht von dieser Welt. Mehr wie das Werk der Götter. Sein Blick war starr und sein Fang leicht geöffnet vor Erstaunen. In diesem Augenblick war ihm bewusst geworden, dass das was auch immer ihn herauf verleitet hatte, diese ganzen Anstrengungen wert waren. Doch so schön dieser Ort auch war, so konnte er ihn noch nicht gleich erkunden, denn er war einfach zu erschöpft als das er noch weiter gehen konnte. Zufrieden damit was er erreicht hatte, lies er seinen Kopf auf seine Vorderläufe sinken und schloss die Augen. Es dauerte nicht Lange als er mit einem kleinen Grinsen auf den Lefzen einschlief. Der Graue wusste nicht wie lange er geschlafen war, doch als er wieder aus seinem Schlaf erwachte schien noch immer die Sonne die ihn sanft wärmte. Nun war er wieder einigermaßen ausgeruht und beschloss nun diese doch so seltsame Landschaft zu erkunden. Der Graue ging in Richtung Osten, jedoch fand er bis auf ein paar Schneehasen nicht wirklich viel Sehenswertes. So langweilig diese Landschaft für ihn doch eigentlich wirken musste, so zog sie ihn trotzdem immer wieder in seinen Bann. Obgleich er nichts interesantes Fand, so war der Ort für ihn etwas besonderes. Nach kurzer Zeit stieß er auf eine Höhle die in den Berg verlaufen zu schien. Kurz beschnupperte der Rüde die Höhle bis er sich wieder unintressiert abwandte. Nichts konnte im moment wichtiger für ihn sein als dieses Plateu. Nach einer kurzen Rast in der er beschloss eine Richtungsänderung vorzunehmen, ging er in Richtung Südost weiter in der Hoffnung dem Ort noch mehr abzugewinnen.

So trotete er den halben Tag hermum als er plötzlich auf einen ihm vertrauten jedoch im moment unerwünschten Geruch stieß. Wölfe! Zurzeit wollte er diesen Ort mit keinen dieser Artgenossen teilen und es passte ihm überhaupt nicht das sich hier welche angesiedelt hatten. Man konnte ein leichtes Knurren aus Lounels Kehle vernehmen als er in Richtung der Witterung blickte. Wie viele oder welchen Geschlechtes konnte er nicht vernehmen, doch ihm war egal wer ihn hier störrte. Der Rüde konnte die Witterung einfach nicht ignorieren und musste dieser folgen. Für ihn war es als würde ein anderes Rudel es wagen in sein Revier einzudringen doch war es in Wirklichkeit er der das tat doch dies kümmerte den Grauen nicht sonderlich viel. Die Witterung wurde stärker und stärker bis er die "Eindringlinge" letztendlich aus der Ferne sehen konnte. Lounel machte keine Anstalten sich ihnen weiter zu nähern sondern suchte sich ein kleines ruhiges, gemütliches Versteck in welchen er diese Wölfe beobachten konnte und fand auch ein solches nicht weit von dem steilen Abhang entfernt. Es war eine kleine Grube in der er sich niederlies und in welcher er zunächst zu bleiben Gedenkte. Der Grauer war erschöpft von den letzten Tagen und so verweilte er in dieser Grube die ihm einigermaßen Schutz vor dem Wind bot. Es kümmerte ihn nicht ob sie ihn finden oder nicht, er war schlicht zu müde um daran zu denken.


26.08.2009 00:46




Toboe Tear


Toboe gähnte ein Mal kurz auf, blinzelte von Leikuna zurück zu Ýllin. Dann sah er sich suchend um. Etwas.. wirklich interessantes hatte er noch nicht entdeckt, aber er gab die Hoffnung ja nicht auf. Irgend etwas musste es hier doch geben, zwischen den Wolken.. und dem ganzen Schnee.. Als Leikuna lachte, drehte der Graue den Kopf zu ihr, zog wieder eine Augenbraue hoch. Lachte sie ihn jetzt etwa aus? Die Ohren des Rüden zuckten leicht, als die Weiße anfing zu sprechen. Hah! Das glaubte aber auch nur sie!

“Gibs zu, du hast keine Chance gegen mich.“

So war das doch. Sie fand einfach ein Argument, dass gegen seines sprach. Eine faule Ausrede! Toboe grinste, während er diesen Gedanken zu Ende dachte. Und schon erklang die Stimme der grauen Fähe, die zu ihnen gestoßen war. Sein Fang klappte ein wenig auf, als er sah wie.. Ýllin jetzt drein blickte. Weinte sie etwa? Toboe blieb stehen und blickte zu der Grauen. Hä? Hatten Leikunas Worte sie jetzt so.. getroffen? Die Fähe ging weiter, und Leikuna kümmerte sich sofort um sie. Toboe blinzelte verwirrt. Sie hatte geweint, ganz sicher. Mit einem Ruck setzte sich Toboe in Bewegung, lief nun neben Ýllin her. Auf der anderen Seite war Leikuna.

Du.. musst lächeln, Ýllin.. geht ganz leicht..!“

Wie auf Kommando zogen sich seine Lefzen hoch und er grinste der Grauen breit entgegen. Sie sollte nicht weinen und traurig sein. Niemand sollte das! Toboe stupste die Fähe an und blickte dann kurz zu Leikuna. Machte er das so richtig? Er seufzte. Das würde ein anstrengender Tag sein.. oh ja.


26.08.2009 17:11




Andraki


Auch Andraki hatte sich ein wenig abseits des Rudels niedergelassen um nachzudenken. Auf dem Weg hinaus hatte sie kaum noch gesprochen, mehr und mehr hatten die Bilder der Spiegel ihr Denken für sich eingenommen. Nur am Rande hatte sie mitbekommen, dass Leikuna mit einem Mal zu weinen begonnen hatte und von der Alpha getröstet worden war, aber den Grund dafür hatte sie nicht ausmachen können.
Das Aufeinandertreffen der beiden Rudelgruppen hatte sie dann eine Weile aus ihren Grübeleien gerissen. Aufmerksam hatte sie den Gesprächsfetzen der anderen gelauscht, die einander schon erste Erlebnisse in den anderen Spiegelkammern berichtet hatten. Schnell jedoch waren die Gespräche verstummt und der Weg wieder aufgenommen worden. Andraki hatte einige Wölfe gesehen, die ähnlich wie sie über die Ereignisse nachzudenken schienen, bevor sie sich wieder sich selbst gewidmet hatte. Das Erreichen des Plateaus hatte ihr Nachsinnen erneut unterbrochen, diesmal jedoch nur kurz. Das Rudel hatte sich schnell zerstreut, und um niemanden zu stören, hatte sie sich selbst etwas zurück gezogen.
Mittlerweile galten ihre Gedanken jedoch kaum mehr den Spiegelbildern, sondern den anderen Rudelmitgliedern. Die hellen Augen der Zimtfarbenen wanderten umher und beobachteten - manchmal die Wölfe, manchmal die Landschaft, die so befremdlicher war als jede Gegend, die sie bisher gekannt hatte. Je länger sie die Umgebung betrachtete, desto fremder fühlte sie sich darin. Andraki schüttelte kurz den Kopf, um die aufkeimenden Gedanken zu vertreiben. Es war Zeit, sich unter diese Wölfe zu mischen, wollte sie doch ein anerkanntes Mitglied dieses Rudels werden. Ihre Augen wanderten umher auf der Suche nach einem potentiellen Gesprächspartner, aber es waren ihre Ohren, die ihre Aufmerksamkeit auf Akara und eine weiße Fähe lenkten, deren Namen der Braunen nicht sofort einfiel. Ein paar Herzschläge lang lauschte sie den Wortfetzen, die zu ihr herüber drangen, während ihr Gedächtnis fieberhaft nach dem Namen der Weißen suchte. Schließlich erhob sie sich und schritt auf die beiden Fähen zu, um mit einem Lächeln bei ihnen stehen zu bleiben und beiden grüßend zuzunicken.

"Habe ich das richtig vernommen, dass ihr euch über die Spiegel unterhaltet? Darf ich daran teilhaben, oder möchtet ihr diese Unterhaltung lieber privat halten?"

Immerhin hatten die Spiegel sehr intime Einblicke in die Seelen der Wölfe gewährt, und nicht jeder würde darüber offen reden wollen - erst recht nicht mit einem Neuling wie ihr. Akara mochte damit vielleicht keine Probleme haben, immerhin hatte Andraki ihre Bilder bereits in der Höhle gesehen... aber die Weiße? Jeanne! Das war der Name!

"Euer Name ist Jeanne, nicht wahr?",

fügte sie an die Weiße gewandt hinzu, und verfiel dabei unwillkürlich wieder in die ihr anerzogenen Respektformalitäten...


26.08.2009 18:31




Jeanne


Jeanne war von sich selbst überrascht, dass sie solch ein Gespräch führte. Es.. ging nicht direkt um Danley, auch wenn sie das Gefühl hatte, dass der Rüde immer wieder zurück kam, den Mittelpunkt eines Gesprächs darstellte. Ein Wolf ohne Angst. Stumm dachte die Weiße über die Worte Akaras nach, ließ sich jeden Satz durch den Kopf gehen. In wie fern sie wohl Recht hatte? Es gab so viele Wölfe, die behaupteten, vor nichts und niemandem Angst zu haben. Logen diese Wölfe vielleicht? Oder irrte sich die Braune, und es gab Wölfe, die nichts fürchteten und immer mutig waren? Es klang fast zu perfekt, um daran zu glauben. Die Weiße seufzte tief.

“So mutig man auch sein mag, Angst schützt uns.. Jemand, der ohne Angst lebt, stürzt sich auch in mehr Gefahren.“

Sie sprach fast zu sich selbst, aber Akara würde es wohl hören. Ihre Worte bestätigten nur ihre Gedanken. Sie wußte nicht, was sie glauben sollte, suchte fast verzweifelt nach einer Antwort. Aber.. vielleicht gab es ja keine? Erneut seufzte die Fähe, folgte dann dem Blick der Braunen. Kaum merklich zuckte die Weiße zusammen, als eine weitere Gestalt zu ihnen trat. Sie musste die Worte der Zimtfarenen erst ein Mal ordnen, die Zusammenhänge verstehen. Sie war.. so plötzlich da gewesen. Kaum einen Moment nachgedacht, zog sich ein Lächeln auf die Lefzen der Fähe.

“Du kannst gerne bei uns bleiben. Und ja.. wir haben über die Spiegel gesprochen. Wie.. hast du es empfunden, diese Bilder zu sehen?“

Jeanne lächelte weiter, und nickte dann ruhig, als die Fähe nach ihrem Namen fragte.

“Richtig, mein Name ist Jeanne. Und du.. Andraki, oder?“

Noch ein Mal glitt ihr Blick zu Akara, sie war sich sicher, dass die Braune nichts dagegen hatte, dass sie bei ihnen blieb.


26.08.2009 19:10




Ýllin


Ýllins Blick war gläsern und zu Boden gerichtet sie wirkte als wäre sie in einer völlig anderen Welt.Sie sah auf einmal alles in Gedanken wieder.

.oO Ýllin lag auf dem Felsen und beobachtete die spielenden Welpen ,Ihre Geschwister und Wurfgefährten. Selbst lag sie jedoch nur verträumt da und lies sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Sie selbst so wie die anderen Waren noch kleine Fellknäuel. Die anderen Tobten wild und Míshkári `Ýllins Bruder forderte sie zum Spiel auf doch sie tat dankend ab und blieb lieber ruhig in der sonne liegen Oo.

Ihr Blick blieb weiterhin versteinert sie wirkte noch nichtmals im entferntesten anwesend. Sie bekam nicht mal mit was die Beiden sagten sie versank gänzlich in ihren Erinnerungen.

oO hätte ich doch nur damals noch mit ihm gespielt mich mit den anderen mehr beschäftigt,nun sehe ich sie nie wieder Oo

Die Gedanken ließen sie nicht mehr los und sie verlor sich wieder in der schwarzen Einsamkeit.

.oO eine Große Fähe stieß zu den kleinen und hatte ein Auge auf sie. Bald war auch die silbrig ,graue ,große Fähe mit ins Spiel mit einbezogen und wurde als Klettergerüst benutzt,mehr oder weniger freiwillig. Auch `Ýllin tat sich zu den wuselnden anderen Welpen dazu und mengte sich in das wilde Gewusel um nun auch mit zu raufen. Bald jedoch hatte auch das Treiben ein ende eine etwas noch größere Grau,braun ,weiße Fähe kam mit einer schwarzen im Gefolge zu dem Kleinen. Es waren Mistási und Ýmagín die Alpha und Beta Wölfinnen. Die kleinen kamen schnell trinken und alle drängten und schubsten sich um an die Mahlzeit zu kommen. Oo.

wieder einige Tränen vielen in den Schnee und sie merkte gar nicht das sie weiter lief. Oder war sie etwa doch stehen geblieben?. Abermals versank sie in den Erinnerungen.

.oO überall war Rauch und die Flammen schlugen hoch empor. Verzweifelt versuchte sie die Welpen Ýllin sich einen Weg durch die Brennenden Bäume zu den anderen zu suchen, doch war das Ergebnis nur ein paar verbrannte Pfoten. Sie hörte immer wieder das auf jaulen ihrer Brüder und Wurfgefährten. Als das Feuer schließlich einigermaßen runter gebrannt war suchte sie sich den weg durch das verbrannte Geäst. Sie sah Míshkári in der Nähe regungslos und von dem Feuer verzehrt liegen. Oo.

Sie schreckte mit gehetzten Blick hoch und brach unter den Bildern unter kalten Tränen zusammen. Diese Bilder ,immer verfolgten sie sie und diese Gedanken wieso konnte sie sie nicht einfach vergessen?

oO Wieso gehen sie nicht weg? Es ist Zeit in die Zukunft zu sehen ,wieso kann ich das nicht?Oo

Schrie sie beinahe in Gedanken. Sie wollte nicht so zerbrechlich wirken. Sie musste doch stark sein nur die Stärksten überlebten. Sie versuchte sich aufzurappeln, doch alle Mühe war vergebens die Gedanken und Erinnerungen die Bilder die Geräusche,ließen sie nicht mehr los.


26.08.2009 20:17




Yago


Die Stimmenfetzen, die leise von der anderen Seite des Höhlenausgangs zu den beiden Wölfen wehten, gaben Yago das sich für ihn fast warm anfühlende Gefühl des Ausgeschlossenseins. Abgetrennt von der Gemeinschaft des Rudels saßen Kiba und er hier und redeten über Dinge, die keiner von ihnen verstand, auch wenn sie noch so lange in die Spiegel starrten. Und keiner von ihnen hatte solche Bilder sehen müssen, wie die Leitwölfin und ihr Beta. Nicht, dass manch einer nicht etwas Schrecklicheres gesehen hatte, aber keinem wurde etwas offenbart, das nicht einmal sie selbst gewusst hatten. Und keiner musste damit nun umgehen. Hier saßen sie nun voreinander, Kiba und Yago und wussten, dass sie für einander wichtiger waren, als jeder andere. Und doch konnte es wohl keiner von ihnen beiden glauben. Zumindest vermutete Yago das, wenn er von sich selbst ausging. Was hieß es denn überhaupt, wenn jemand einem sehr sehr wichtig war? Yari beispielsweise … er hatte Yago gebraucht, nicht umgekehrt. Und Yago hatte – erfolglos – auf ihn Acht gegeben. Aber war er ihm deshalb wichtig gewesen?
Yago war froh, als Kiba ihm antwortete und so seine Gedanken von der für ihn nicht beantwortbaren Frage ablenkte. Sie sprach von Veränderungen, die einen ereilten wie ein schneller Regenschauer. Veränderungen wie das Feuer, das plötzlich alles verschluckt hatte. Veränderungen, die das Erdbeben hätte bringen können. Er nickte langsam, betrachtete Kiba, wie sie ernst neben ihm im Schnee saß.

“Und im Nachhinein muss man dann plötzlich beurteilen, ob dieser Veränderungen etwas zum Guten oder zum Schlechten gewandt haben.“

Natürlich spielte er auf die Spiegelbilder an. Nicht nur auf die Tatsache, dass sie sich gegenseitig gesehen hatten, sondern auch die anderen Bilder – die Ängste und die Seele. Was brachte es ihnen, all das zu wissen? Yago konnte mit diesem Wissen nichts anfangen, spürte viel eher leichten Zorn über sein verkrüppeltes Spiegelbild, das sich ihm nicht erklären wollte. Nur der Fehler schwebte stumm in der kalten Bergluft. Als Kiba zu lächeln begann und ihn anstupste, wich er nicht zurück und auch ihre Worte ließen seine Miene nicht härter werden. Viel eher spürte er, wie sich sein Herz ein wenig zusammenzog in den Gedanken an die Nacht auf der Friedensallee. Sie schien Jahre zurückzuliegen. Er erinnerte sich an seine Worte, dass er nicht ihr Freund sei und es niemals werden würde. Weil sie ihn nicht kannte, weil sie nicht wusste, was in ihm vorging. Aber hatte sie es jetzt nicht herausgefunden? Hatte sie nicht plötzlich alles von Yago vor sich liegen? Und saß sie nicht jetzt noch immer lächelnd an seiner Seite? Urplötzlich hatte der Schwarze das Gefühl, in einen besonderen Moment hineingestolpert zu sein. Ein Moment, der nicht künstlich erzeugt werden konnte, sondern einfach kommen musste – aus heiterem Himmel, um ebenso schnell wieder zu verschwinden.

“Ja, ich bin noch immer dein Freund.“

Seine Stimme klang ein wenig heiserer, ein Lächeln, leicht und ehrlich lag auf seinen Lefzen während seine Gedanken noch immer wirbelten. Was wusste sie noch nicht von ihm? Selbst sein ewiger Hass, hatte sich in dem ersten Spiegel offenbart, wobei Kiba das Bild wohl nicht verstanden hatte. Zum Glück, dachte er stumm. Ebenso plötzlich wie er gekommen war, verschwand der Moment auch wieder und seine Gedanken harrten unruhig bei Leikuna. Sicher würde sie sich wieder beruhigen, aber …

“Ich hoffe so sehr, dass ich nichts kaputt gemacht habe.“

Wieder sprach reine Ehrlichkeit aus ihm.


27.08.2009 12:26




Saiyán Tendes


Saiyán hatte abgesehen vom in-die-Wolken-starren nichts weiter zu tun, als sein Gegenüber zu beobachten, also tat er das, besonders wenn sie schwieg. Und das machte sie diesmal lange, offensichtlich fiel ihr nicht sonderlich viel zu Sais etwas zu offenen Worten ein. Interessant war dafür ihr Gesichtsausdruck. Das Lächeln vorher hatte ja noch ganz nett ausgesehen, auch wenn es ein wenig zu übertrieben gewirkt hatte. Jetzt aber verwandelte es sich zunehmend zu einem undeutbaren Ausdruck, der für Sai aussah, wie ein zerquetscht unglückliches Eichhörnchen. Er musste grinsen. Hey, das war das erste Lustige, was ihm an diesem Tag passierte! Seine fremde Gesprächspartnerin verwandelte sich zu einem weinenden Kleinnager und schien sich dessen wohl nicht mal richtig bewusst zu sein. Zumindest unternahm sie nichts dagegen. Ein breites Grinsen hatte sich mittlerweile auf seine Lefzen gebildet, wobei es nicht gehässig oder schadenfroh aussah … einfach nur amüsiert. Dass sie mit ihrem Gesichtsausdruck dann noch etwas zerknautsch erwähnte, dass sie sich dann wohl später vorstellen würde, amüsierte ihn nur noch mehr. Er konnte sich ein Kommentar einfach nicht verkneifen.

“Du siehst aus wie ein Eichhörnchen.“

Er machte eine Grinsepause.

“Ein sehr unglückliches.“

Eigentlich hatte er sich noch gar keine Gedanken darüber gemacht, warum sie so unglücklich aussah. Interessierte ihn aber auch nicht unbedingt, vielleicht, weil sie ganz alleine bei einem Rudel war, das sie nicht kannte und dem sie sich nicht mal vorstellen konnte? Vielleicht, nicht seine Sache. Er sah nur, wie sie aussah, und das war lustig. Ihre Frage war allerdings weniger lustig, fast reflexartig schob er seinen rechten Lauf auf die größte Narbe am linken Lauf.

“Geht dich nichts an.“

Brummte er.


27.08.2009 13:11




Akara Chitaru


Akara wandte sich mit freundlichen, gütigen Augen zu Andraki, als diese zu ihnen trat. Im Gegensatz zu Jeanne, hatte sie die Wölfin bereits auf sie zukommen sehen und wenn man ihre Worte überdachte, hatte sie auch Teile des Gesprächs erlauscht.

“Wenn wir ein privates Gespräch geführt hätten, würden wir flüstern. Sei also herzlich eingeladen, dir mit uns den Kopf zu zerbrechen.“

Sie verfolgte das gegenseitige Kennenlernen der beiden Wölfinnen schweigend und ließ ihnen Zeit. Akara selbst hatte beide nun schon etwas länger in Augenschein nehmen dürfen. Mit Andraki gemeinsam hatte sie bereits in der Höhle über die Spiegel philosophiert. Sie alle kannten sich noch nicht sehr gut, hatten nun aber einige Anhaltspunkte und Informationen, durch die es leicht war, ein Gespräch zu führen.
Die braune Wölfin erinnerte sich an die Bilder, die Andraki im Widerschein des Kristalls gesehen hatte. Ihr war einiges mehr bekannt, als Jeanne, dennoch konnten sie nicht mit Sicherheit sagen, wie die Wölfin reagieren und antworten würde.
Zunächst hüllte sie sich im Schweigen und ließ ihren Blick ruhig und geduldig auf der Zimtfarbenen ruhen. Es wäre unhöflich gewesen, ihr ins Wort zu fallen.


27.08.2009 18:28




Leikuna


Die Weiße lächelte, ob Toboes Bemerkung - Wiederspruch galt nicht, mh? Aber jetzt galt es, sich ersteinmal um Ýllin zu kümmern. Die Fähe lief weiter, schien sie gar nicht gehört zu haben, Träne um Träne rann ihre Wangen herab. Leikuna hielt das Tempo der Grauen, leckte ihr weiter über die Schulter, den Hinterkopf - und erschrak, als die Fähe plötzlich zusammenbrach und neben ihr im Schnee lag. Völlig selbstverständlich trat sie näher, leckte weiter über Ýillins Kopf, und strich mit der Vorderpfote über die Seite der Jungwölfin.

"Schhhhh"

Flüsterte sie ihr ins Ohr, und setzte sich erst zu ihr, nur um sich kurz darauf dazu zu legen, die Fähe immer weiter ableckend, und ihr durch den Körperkontakt Wärme abgebend. Ihr Blick fand zu Toboe, der auf seine Art versuchte die Graue aufzumuntern - und damit bislang wenig erfolgreich blieb. Beruhigend legte sie den Kopf über die Schulter der Grauen, schob ihren Körper dichter an sie heran, und begann ihr ein leises Lied ins Ohr zu summen, nur eine alte Melodie, deren Ursprung sie selbst längst nicht mehr kannte...
'Schnee, Eis, und gleißendes Licht. Wölfe, so weiß, so rein, und alle summten diese eine Melodie...sie war allgegenwärtig, bei jedem Schritt. Und sie war beruhigend. Sie sprach von Zuhause.' Das Gedankenbild brach ab - wie ihre plötzlichen Erinnerungen es so oft taten. Leikuna summte leise weiter vor sich hin, mit sanfter Stimme in Ýllins Ohr, und zog nun auch die Rute an den Körper. Die Kälte hatte keinen Zugang mehr zu Leikuna - zu groß war die Sorge um die Jungwölfin, die nun vor ihr lag. Es musste eine schreckliche Geschichte sein, die ihr solche Reaktionen abverlangten - dass sie sich wieder erholte konnte sie nur hoffen...

"Schhh...kennt ihr eigentlich die Geschichten um die Geflügelten?"

Leikuna wollte sich auf die Leftzen beissen, tat es aber nicht. Diese Geschichte war so plötzlich in ihrem Geist aufgetaucht, dass sie nicht sagen konnte woher sie sie kannte. Nur dass eine weiche Stimme sie erzählt hatte, das wusste sie noch...aber vielleicht könnte sie helfen, die halbe Welpin von ihrem Schmerz abzulenken.


27.08.2009 19:47




Andraki


Während Akara sie mit einem Lächeln und freundlichen Worten begrüßte, schien die Weiße einen Moment lang irritiert zu sein. Schon im nächsten Augenblick jedoch lächelte auch sie und lud die Zimtfarbene ein, an ihrem Gespräch teilzuhaben. Vermutlich hatte sie sich diese schreckhafte Reaktion Jeannes also nur eingebildet, weil sie selbst eine ablehnede Haltung der Weißen befürchtet hatte. Unnötigerweise, wie nun klar war. Andraki strich diese Befürchtung aus ihren Gedanken und freute sich stattdessen daran, dass Jeanne sich an ihren Namen erinnerte. In einem Rudel dieser Größe war das nicht selbstverständlich, besonders in Anbetracht dessen, dass die Wölfe sich vorhin eine Weile aufgeteilt hatten und Andraki erst für wenigen Stunden ein Mitglied dieses Rudels war. Angeblich zumindest, es irritierte sie immer noch, dass es keine Rangkämpfe oder ein anderes Verfahren gab, um ihre Stellung im Rudel zu bestimmen...
Andraki nickte nur zur Bestätigung und ließ auf die Hinterläufe nieder. Jeanne wandte sich gleich direkt mit einer Frage an sie, wobei der Braunen ihr 'du' als entgültige Bestätigung dafür nahm, sie Höflichkeitsanrede fallen zu lassen.

"Jetzt im Nachhinein kann ich kaum mehr sagen, was ich so alles gedacht habe, als ich diese Bilder sah... Dafür erinnere ich mich umso deutlicher an die Gefühle, die sie bei mir ausgelöst haben. Die letzte war am verwirrensten - ich war irritiert, aufgeregt und seltsam ruhig zugleich. Ich bin mir immer noch nicht sicher, was genau dieses spiegelnde Eis uns da gezeigt hat..."

Einen Moment hielt die Braune inne, während ihre Gedanken kurz bei dem Klippenbild hingen, das sie gesehen hatte, und dann in der Erinnerung einen Schritt zurück taten.

"Die zweite Kammer... war schön und traurig zugleich. Ich habe die gesehen, die bisher wichtig waren für mich, aber sie verblassten bereits. Sie sind nicht mehr präsent in meinem Leben.. und werden es auch nie wieder sein, fürchte ich. Während andere... gerade erst an Bedeutung gewinnen.."

Ihr Blick huschte zu Akara. Als die erste Fähe, mit der sie sich richtig unterhalten hatte und als eine, die ebenfalls noch fremd war in diesem Rudel, war sie ebenfalls blass in ihrem Bild zu sehen gewesen.

"Und die Erste... war wie ein lebendiger Albtraum. Ich dachte sogar erst, es wäre meine Zukunft, die ich da sehe..."

Eine schreckliche Zukunft. Andraki blinzelte und schüttelte leicht den Kopf, um die Erinnerungen daran zu vertreiben, doch sie hatten sich bereits wieder eiskalt in ihre Gedanken gegraben...


28.08.2009 15:52




Felino


Felino sah sich um irgendetwas hatte seine Aufmerksamkeit noch viel mehr erregt als der Schnee und zwar hatte er sich durch die Spiegel an den Bruder seines Vaters und dessen Gefährtin erinnert, sie waren damals in ein anderes Revier gezogen, gar nicht weit weg von hier, erinnerte sich Rüde. Er sprang auf und sah die Alphafähe an, irgendwie tat es ihm Leid die Wölfe hier alle zu verlassen und er ließ noch einmal einen Blick über über die Anwesenden schweifen. Ein kurzes:

"Lebt wohl "

drang aus seinem Fang, es war gerade so laut das es alle gehört haben mussten Felino erhob sich und lief los, auf dem Weg zu seinem Onkel, er stoppte kurz vor der Höhle mit den drei Kammern. Er blieb dort kurz stehen dann hob er noch einmal den Kopf um sich mit einem heulen zu verabschieden:

"Ich wünsche euch viel Glück und danke das ich kruzzeitig bei euch verweilen durfte. Lebt wohl"

Felino lief durch die drei Kammern der höhle, er achtete auf nichts mehr was in den Spiegeln war. Er kam aus der Höhle raus und lief weiter.
Er ereichte nach langem Laufen irgendwann die Grenze des Reviers und sah noch einmal zurück. Sein ganzr Körper wollte weiter und diesem Gefühl wollte er auch gleich nachkommen. In seinen Gedanken bildete sich noch einmal ein:

oO(Lebt wohl)Oo


Dann verschwand er aus dem Revier und veruschte die Witerung seines Onkels zu finden, nach sehr langem suchen fand er sie auch und er folgte der seit langem sich dort befindenen Fährte, da sie schon zienmllich alt schien.


29.08.2009 09:33




Toboe Tear


Auf den Lefzen des grauen Rüden lag immer noch ein etwas.. schräges Lächeln, mit dem er versuchte, die geknickte Fähe auf zu muntern. Aber das wollte nicht so ganz funktionieren, sie sah ihn ja nicht ein Mal an. Sie weinte, weinte.. und lag dann plötzlich auf dem Boden. Toboe Unterkiefer klappte nach unten, und ungläubig blickte er die zwei Fähen an. Leikuna hatte sich zu ihr gelegt, tröstete sie weiter. Ok. Er stand jetzt einfach dabei, blickte sie verwirrt an und wußte nicht so recht, was er davon nun halten sollte. Leikuna kümmerte sich um sie, wieso weinte sie dann? Es war lange her, dass er selbst geweint hatte. Und.. da war niemand bei ihm gewesen. Nicht ein Mal Teyrm. Kurz nach dem Tod seines Vaters.. Mit einer kräftigen Bewegung seines Kopfes schüttelte er diese Gedanken weg und machte einen Satz nach vorn. Nun stand der Graue vor den zwei am Boden liegenden, seine Rute pendelte wild durch die Luft.

“Jetzt pass mal auf! Du darfst nicht so traurig sein! Guck zur Sonne! Du musst wie sie strahlen!“

Toboe machte das einfach mal vor. Ein breites Grinsen auf den Lefzen hob er den Kopf zum Himmel und strahlte ihm entgegen. Die blauen Augen ruhten jedoch auf der Grauen und auf Leikuna. Wie tröstete man jemanden, der so am Ende war? Auf Leikunas Worte hin senkte er den Kopf wieder und blickte die Weiße an. Hä? Die Geschichte vom Geflügelten? Mit einem tiefen Seufzen ließ sich der Graue in den Schnee sinken, legte den Kopf auf die Pfoten. Seine Nase berührte fast die von Ýllin.

“Lächel doch mal!“

Der Rüde neigte den Kopf etwas zur Seite und blinzelte dann zu Leikuna.

“Du wirst sie uns sicher erzählen, oder? Na los, ich hör dir zu.“


29.08.2009 12:32




Jeanne


Jeanne lächelte die beiden Fähen an, so wie sie es zuvor auch getan hatte. Andraki wirkte auch so.. gut erzogen, wie Akara. Sie selbst hatte nie solche höflichen Umgangsformen gelernt, und dennoch war sie keines Falls unfreundlich. Und nun stimmte auch die Braune zu, dass die neu angekommene bleiben durfte. Jeanne nickte ihr zu, richtete den Blick dann aber wieder auf Andraki, die ihre Erlebnisse mit dem Spiegel erzählte. Wie vorher auch bei Akara stellten sich die Ohren der Fähe aufmerksam auf, Auch die Zimtfarbene hatte also alle drei Kammern betreten. Noch jemand, der einige Schritte weiter gegangen war, als sie selbst. Nach den letzten Worten der Fähe legte sie die Ohren ein wenig an, den dunklen Blick entschuldigend auf den Augen der Fähe ruhen lassend.

“Darf ich fragen, was dir solch eine Angst gemacht hat, dass du deine Zukunft befürchtest?“

Es interessierte sie wirklich, am liebsten hätte sie noch viele andere gefragt, was sie gesehen hatten. Vielleicht fand sich ja noch jemand, der mit Akara und ihr selbst die Kammern noch ein mal betreten wollte? Sicher hatten die anderen drei alle ihr Bild gesehen. Sie konnte sich zumindest nicht daran erinnern, jemand gesehen zu haben, der so wie sie gewirkt hatte. Und Andraki.. wirkte auch nicht wirklich verstört oder dergleichen.

“Akara und ich wollen die Kammern noch ein Mal betreten, ich habe die letzte nicht gesehen. Ich würde zu gerne erfahren, was die Spiegel mir zeigen.“

Mit einem Lächeln drehte sie den Kopf zu Akara, blickte dann wieder zu den anderen Fähe. Sie war gespannt darauf, was Andraki zu erzählen hatte.


29.08.2009 13:55

You are not alone in your life although you might think that you are

So sorry your world is tumbling down
I watch you through these nights
Rest your head and go to sleep
Because my child,
this is not our farewell
15.08.2010 15:46
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Cave of Mind
the ice breaks, i'm pulled beneath
Bildnachweis
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Rang

Wächter

Alter

6 Jahre ∞

Geschlecht

Fähe

Größe

94 cm

Beiträge

367

Beitritt

23.07.2005

Seite 4




Shitéryu


« Wirf deine Sorgen wie Herbstblätter in einen strömenden Bach. Sieh ihnen zu, wie sie hinein fallen und davon treiben.
Und dann vergiss sie...
»


Kann ich einfach so vergessen? Alles das was war, was mich einst ausgemacht hat, meine Familie? Bruder, Schwester... ich habe euch viel zu früh verloren. Aber ihr kommt auch nie mehr zurück. Einzig meine Erinnerung, der Gedanke an euch ist mir geblieben...

Und diese seltsamen Steinwände, wobei sich der Helle nicht wirklich sicher war, dass es sich dabei um Stein handelte. Ein solches Gebilde von einer imposanten Größe hatte er noch niemals gesehen. Felsmassive und Gebirge waren ihm begegnet und auch dieses Tal hier war von einem solchen Massiv umgeben. Dennoch war es etwas anderes. Zudem ließ es erahnen, wie groß das ganze hier war, größer, als man es sich vielleicht manchmal vorstellte. Im Gegensatz dazu konnte man selber erkennen, wie klein und unbedeutend man daneben irgendwo war.
Shitéryu ließ den Blick aus den blaugrauen Augen wandern. Sehr weit hatte sich der Rüde nicht gewagt, zumal ihn der neue Anblick vollkommen in seinen Bann schlug. Es war... unglaublich und atemberaubend schön.
Wie in Trance versetzt, ehrfürchtig, hob sich eine weiße Pfote, wurde auf dem hellen, kalten Untergrund wieder abgestellt. Sollte es einen Ort auf dieser Welt geben, der ihn verzauberte, so war es eindeutig dieser.
Als wäre der Spiegel ein Vorbote auf diesen Ausblick gewesen, als hätte man sie alle darauf vorbereitet, diesem Antlitz entgegen zu treten.
Bedächtig ging der Seelenläufer ein paar Schritte weiter, fühlte sich federleicht ums sorgenschwere, belastete Herz, beschwingt und ein Friede bereitete sich in seinem Innern aus, den er nie zuvor gespürt hatte.

Ob das Bild, welches ihm nicht nur seine tatsächliche Schwäche, sondern auch vor Augen geführt hatte, wie es mit ihm enden konnte, etwas zu seinem momentanen Verfassung beitrug, vermochte der Rüde nicht zu sagen.
Fest stand, dass es ein tiefer Eingriff in sein Leben, seine Seele gewesen war, so erschüttert und zerrüttelt sie auch war.
Geschmeidigen Schrittes, die sich nun schneller und flüssiger voreinander bewegten, erkundete der Schneeweiße seine Umgebung, stellte immer mehr fest, wie frei und federleicht er sich plötzlich fühlte und wie sehr er mit diesem Ort und dessen Ausstrahlung er harmonierte.
In seiner stillen, gebremsten Begeisterung und Enthusiasmus bemerkte er gar nicht, wie er sich einer kleineren Gruppe näherte.
Erst als er ihre Stimmen ganz in seiner Nähe vernahm, löste Shitéryu fast schon schweren Herzens den Blick von der endlosen Weite der Wolkendecke, lief langsam zu der Gruppe herüber, die aus Jeanne, Akara und Andraki bestand.

Ich hoffe es stört euch nicht, wenn ich mich zu euch geselle? Es geht noch immer um diese denkwürdigen Bilder, nicht wahr?

Um das laufende Gespräch nicht weiter zu stören ließ sich der Rüde schlicht auf die Hinterläufe sinken und blickte nur kurz ruhig in die Runde.

« Was du suchst... findest du nicht in den Tiefen der Meere, nicht auf den Gipfeln der Berge, es ist in deine Herzen zu Hause. »


29.08.2009 21:54




Ares


Ares betrachtete nach wie vor den kleinen, weißen Welpen und die Feder, die dazu gehörte. Es war wirklich ein schönes Bild und sehr passend an sich, aber was sollte man auch erwarten, wenn der Spiegel das wahre Ich zeigte?
Doch sein eigenes Bild wollte er nach wie vor nicht sehen. Der Schemen, der die Läufe andeutete, genügte ihm schon völlig. Es hatte seinen Grund, weswegen solche Spiegel in der Welt nicht natürlich waren. Und selbst Yacárus Bemerkungen machten ihn nur wenig neugieriger. Er spürte sein eigenes Herz ja bereits viel zu heftig. War das Angst? Wie lächerlich! Wieso sollte er vor sich Angst haben?
Aber … hatte er in der ersten Kammer nicht nur sich selbst gesehen? Und wenn diese die größte Angst –

Ares brach die Gedanken ab. Das war absurd und er wollte es eigentlich auch gar nicht wissen. Das Rudel war bereits weiter gezogen, selbst Korrianke, dessen Ruf er von weit her zu vernehmen glaubte. Es war wohl nur gut, wenn sie sich hier nicht allzu lange aufhielten. Wer wusste schon, was die Spiegel noch für sie bereit hielten?

“Komm jetzt, wir müssen weiter“, sagte er und beugte sich zu der Welpin hinab.

Sein Tonfall war nicht herrisch, eher sanft ermahnend und er wunderte sich selbst ein wenig, aber er wollte nicht weiter daran denken. Inzwischen sehr geschickt darin, nahm er sie nun am Nackenfell und hob die kleine Feder hoch, um mit ihr die Höhle zu verlassen.
Es hätte ihn nicht gewundert, wenn nun noch eine Weitere auf sie gewartet hätte, aber dem war glücklicherweise nicht so.

Dennoch zögerte Ares nun doch, den anderen zu folgen. Etwas hielt ihn zurück, ohne dass er recht sagen konnte, was das war. Er wandte sich nochmals zu der Kleinen um und entschied sich dann doch, dem Rudel zu folgen, musste aber feststellen, dass er dieses bereits aus den Augen verloren hatte.
Kurz wunderte sich der Schwarze darüber, dann setzte er den Weg fort, verspürte aber beständig, wie ihn etwas zurückhielt, sodass es ihm vorkam, als ließe ihn dieser Ort nicht wieder los, bis er nun doch endlich ins Freie kam.
Selbst hier hielt er den Blick gesenkt und kam kaum forwärts, war schon recht ziellos, obgleich er unwillkürlich den anderen folgte und erst nach einer schieren Ewigkeit aufblickte, in der Erwartung, nur noch mehr Kristall zu sehen.

Statt dessen bot sich ihnen ein wirklich atemberaubender Anblick. Die schneebdedeckte Anhöhe war so völlig unberührt, dass man meinen konnte, jemand hätte ein fahles Tuch über die Welt gebettet. Die Kristalle glitzerten und leuchteten im kalten Winterlicht wie tausende von Feen und man wusste nicht, ob man dem Himmel näher war oder der Erde, ob es Schnee war oder Wolken.
Auch Ares blieb von diesem Anblick nicht unberührt. Staunend sah er sich um und war für einen langen Moment völlig in den Bann der Natur geschlagen. Dann aber fiel sein Blick auf das übrige Rudel und er ließ Yacáru langsam hinunter. Sicherlich wollte sie etwas toben, jedenfalls aber war es nicht nötig, sie ständig im Fang zu halten. Daher wandte er sich nun ab und musste sich doch wundern, in all dem Weiß dennoch Korrianke gefunden zu haben. Denn im Vergleich zu ihm verschwand der weiße Rüde in dieser Umgebung beinahe vollkommen.

Langsam gesellte er sich zu diesem. Es war ihm sehr recht, dass der andere sich etwas abseits gelegt hatte, aber er dachte gar nicht darüber nach, dass er gezielt die Nähe eines anderen Wolfes suchte.
Ernst sah er sich um und meinte dann:

“Du bist hier wohl ganz in deinem Element.“

Er selbst war an sich kein Freund von Schnee. Er war nass, kalt und hinderte ihn sehr am Jagen, da sein schwarzes Fell meilenweit sichtbar war. Aber hier dachte man weniger an so praktische Dinge, sodass selbst dieser Umstand für eine Weile vergessen war.


31.08.2009 13:56




Nashita R‘ayah


Die kleine Fähe merkte sofort, dass sie näher beobachtet wurde, tat aber so als würde sie das überhaupt nicht mitbekommen. Sie musste erst einmal ihre wirren Gedanken sortieren, was nicht wirklich einer leichten Aufgabe entsprach.
Nashitas Gesichtsausdruck wich sofort einem überraschtem Erstaunen als sie die Worte ihres Gegenübers realisierte.
Ein Eichhörnchen? Ein unglückliches noch dazu? Sie konnte unmöglich wie ein Eichhörnchen aussehen. Schließlich war sie alles andere als das. Oder etwa nicht? Und grinste er sie da etwa grade aus? Immerhin amüsierte sich einer von den beiden. Das war ja schon 'mal etwas.
Doch so seltsam es auch klang, so freute sie sich doch tatsächlich ein wenig darüber, dass der Schwarze nicht mehr so... Ja, wie konnte man diesen Ausdruck eigentlich beschreiben? Für Nashi war es irgendwie eine Mischung aus finster und traurig, mit einer kleinen Prise Apathie.
Jedenfalls war es schön für sie zu wissen, dass er auch anders gucken konnte. Diese Tatsache brachte sie sogar dazu wieder ihr Lächeln aufzusetzen.
Bis die Braune eine Antwort auf ihre Frage bekam.

.oO(Wär ja auch zu einfach gewesen...)

Ihre Lefzen sanken wieder ein wenig ab und sie sah Sai völlig neutral an. Dabei entging Nashita keineswegs, wie er über seinen linken Lauf striff, doch konzentrierte sie sich darauf, nicht total unhöflich dahinzustarren. Wobei sie aber leider nicht verhindern konnte doch einen kurzen Blick darauf zu erhaschen.

"Tut mir leid. Ich bin nun 'mal so furchtbar neugierig..."

Sie begann wieder ganz zaghaft zu lächeln und spielte unter ihren Vorderpfoten mit dem Schnee. Sie hatte schon so viel davon gesehen. Gab es eigentlich noch etwas anderes außer Schnee? Da erinnerte sie sich wieder an diese riesigen Glitzer-Spiegel-Steine in der Höhle.

"Hast du verstanden warum die anderen in der Höhle so ein Theater gemacht haben?"

Fragte sie plötzlich völlig zusammenhanglos. Wer weiß, vielleicht hatte diese Frage ja mehr Erfolg.


31.08.2009 20:27




Ýllin


Ýllin riss sich plötzlich aus ihren Erinnerungen hoch.

oO reiß dich zusammen so geht das nicht zeig das du kein Ringelschwanz bist Oo

sagte sie in Gedanken und hob den Kopf. Nun spürte sie wie sich die Weiße kümmerte,wie sie versuchte und es auch schaffte sie zu trösten ,auch der Graue munterte sie auf.

oO wir rührend und dabei kennen sie mich erst ein paar Minuten Oo

Schoss es ihr durch den Kopf,was in ihr gemischte Gefühle weckte. Einer seits rührte sie es sehr wie die Weiße sich kümmerte,sie spürte ihre wärme und ihre Nähe ,auch der Graue war ganz nah und sie spürte seinem Atem. Andererseits erinnerte es sie an ihr damaliges Rudel

oO aber dass ist Vergangenheit jetzt ist heute und heute ist jetzt und jetzt ist die Zukunft Oo

Dachte Ýllin und versuchte sich zu so etwas wie einem kläglichen versuch des Lächeln zu bewegen.Als die Weiße nun jedoch etwas von den Geflügelten erzählte horchte sie auf und sie versuchte wieder zu lächeln um die Beiden nicht zu kränken. Mit schwacher leicht zitternder doch bemüht fester Stimme fing sie an die Antwort zu geben.

„Nein von den Geflügelten habe ich noch nichts gehört:“

Sagte sie in einem, trotz der Ereignisse höflich ,jedoch auch interessierten Ton.

„Aber ich wäre sehr erfreut mehr von ihnen zu erfahren“

Schloss sie mit aufrichtigem Interesse den Satz und hob den Kopf noch ein Stück


31.08.2009 21:58




Kiba Telay


Kiba Telay ließ ihren eisblauen Blick noch immer auf den Wolken unter sich ruhen, die Ohren jedoch zu Yago gedreht. Jede Veränderung bewirkte etwas, das war quasi im Wort mitenthalten. Aber konnte man wirklich ganz konkret feststellen, ob eine Veränderung nun Gutes, oder Schlechtes bewirkt hatte? Nein, eigentlich nicht. Aus einer Veränderungen resultierten nur neue Begebenheiten, aber sie würden nie etwas entgültig zum Guten wenden. Ebenso wenig zum Schlechten. Denn Veränderungen spielten sich praktisch jeden Tag ab. Zu jeder Sekunde. Sie vermischten sich mit den Dingen, die man tat und mit denen, die man nicht tat. Die, die passierten und die, die nicht passierten.
Wären vor über 3 Jahren nicht diese grausigen Wesen in ihr Tal gekommen, hätte sie ganz normal mit ihrem Rudel weitergelebt. Mit ihren Eltern, mit ihrem Bruder, mit ihrem besten Freund. Es wäre gut gewesen. Andererseits hätte sie niemals dieses Rudel gegründet. Alles, was sie nach dem Tod ihrer Familie erlebt hatte, wäre nie passiert. Sie hätte höchst wahrscheinlich auch niemals Silence Tear kennen gelernt und mit ihm Welpen bekommen. So wäre er aber vielleicht auch nicht gestorben ... viele ihrer Welpen nicht verschwunden. Dafür wären sie nie geboren worden.
Und sie hätte Yago niemals kennen gelernt. Es hätte keine stillen Nächte in der Allee des Friedens gegeben, in denen sie einfach nur still dagelegen hatten, distanziert aber doch präsent. Leikuna hätte keinen großen, tollen Bruder gefunden, den sie mit all seinen Macken lieben konnte, denn davon war sie überzeugt.
Ein langer Gedankengang, eine Kette, von denen manche Glieder tief und schmerzhaft in ihre Brust stachen, manche aber auch ein warmes, zufriedenes Gefühl verursachten. Kiba schüttelte sachte den Kopf.

Es gibt immer positive und negative Aspekte ... jede Veränderung führt zu etwas anderem, das ohne sie nie entstehen könnte.“

Ihre hellen Augen legten sich wieder auf den schwarzen Rüden neben sich. Was wäre gewesen, wenn Yagos Kindheit anders verlaufen wäre? Wenn seine Geschwister nicht im Mutterleib gestorben und sie alle ganz normal auf die Welt gekommen wären? Sie führte ihm dieses Beispiel nicht auf. Die silbergraue Wölfin hätte seine Antwort darauf eh nicht hören wollen. Die Kette baute sich selbst weiter und würde erst dann aufhören, wenn das Leben beendet war.
Als Yago sagte, dass er immer noch ihr Freund war, spürte Kiba, wie sich ein wärmendes Gefühl in ihr ausbreitete. Wie Sonne nach einem grauen Tag. Hatte sie doch nach ihren Worten zuerst noch gefürchtet, dass er vielleicht wieder ablehnend, wie damals ja fast hilflos reagieren könnte. Aber er stimmte ihr zu, dieses Mal stimmte er ihr zu, was das Lächeln der Wölfin noch ein wenig heller werden ließ. Gleichzeitig fühlte sie aber auch, wie sich schleichend eine leichte Verwirrung in ihr breit machte. Es kam ihr so furchtbar wichtig vor, dass der Schwarze ihre Freundschaft nicht ablehnte. Viel zu wichtig. Unwillkürlich tauchte das Bild aus der zweiten Kammer vor ihrem geistigen Auge auf. Yago vor sich, sie selbst vor ihm.
Bevor ein peinliches Schweigen aus seinen Worten, ihrem stillen, aber irgendwo glücklichem Lächeln und ihren Gedanken entstehen konnte, erhob Yago wieder das Wort. Kiba wusste, dass er Leikuna meinte, aber nicht genau, was sie erwidern sollte. Hier kamen sie wieder bei den ewigen Veränderungen an. Doch die Leitwölfin wollte nicht glauben, oder hoffte viel mehr, dass Yagos Befürchtung nicht wahr werden würde.

Dafür liebt sie dich viel zu sehr.“,

antwortete Kiba schließlich leise, aber überzeugt und vor allem ehrlich. Sie wusste kein anderes Wort, dass Leikunas Zuneigung zu Yago besser beschreiben konnte. Gernhaben war einfach untertrieben. Irgendwie fühlte es sich trotzdem komisch an, obwohl sie genau wusste, dass es nicht auf die selbe Weise war, wie sie Silence Tear geliebt hatte.


04.09.2009 15:14




Akara Chitaru


Akara lauschte aufmerksam und nachdenklich zugleich den Erzählungen Andrakis. Die Bilder der Zimtfarbenen hatte sie gesehen und auf ihre Art studiert. Irritiert betrachtete sie das Lächeln der Wölfin, bei deren Worten: ‚Während andere gerade erst an Bedeutung gewinnen.’ Ihre Haltung blieb ruhig und auch ihre Augen verrieten nichts von ihrer Verwirrung. Sie analysierte das Gesagte kurz und zog die Lefzen ganz leicht nach oben, während ihr Blick an Sanftheit gewann. Es freute sie, dass sie bereits Anschluss gefunden hatte. Dieses Rudel war ihr schon beinahe Familie und Heimat geworden.
Ihr Blick glitt zu Jeanne und sie nickte bestätigend zu deren Worten. In einiger Zeit wollte sie tatsächlich wieder durch die Höhle gehen. Sie wollte jede Kammer noch einmal betreten, obwohl sie bei diesem Gedanken eine leichte bisher unbekannte Unruhe verspürte. Diese würde sie nicht daran hindern. Wenn sie nicht im Stande war, sich so zu verstehen, musste sie die Kristalle eben zur Hilfe nehmen.
Kaum zu Ende gedacht, bemerkte sie Shitéryu, der sich ihnen genähert hatte. Mit einem tiefen Nicken, das wohl auch als grüßende Verneigung zu deuten sein konnte, lud sie den Rüden ein, sich am Gespräch zu beteiligen. Es gab da eine Distanz, die sich in übervorsichtiger Höflichkeit ausdrücke, die Akara aus ihrem Geburtsrudel nicht kannte. Vielleicht lag es daran, dass kein Wolf mit dem Anderen richtig vertraut war. Jeder schien Angst zu haben, nicht näher treten zu dürfen.

“Ja, um die geht es. Wohl unser Ansatzpunkt uns besser kennen zu lernen. Das erste gemeinsame Erlebnis in diesem Rudel. Wie steht es mit dir, was empfandest du beim Anblick all der Bilder? Und, wenn ich so direkt fragen darf, woher stammst du und wie lange begleitest du das Rudel schon?“

Er war einer dieser Wölfe, von denen sie kaum etwas wusste. Ein Rätsel, das sie lüften wollte. Ohne ein besseres Kennenlernen konnte die Kluft zwischen ihnen allen nicht kleiner werden. Sie musste reden, mehr als sie wollte und sie musste fragen, mehr, als sie je zu fragen gewagt hatte. Akara musste einfach akzeptieren, dass sie nun anders zu leben hatte.


06.09.2009 14:07




Andraki


Unwillkürlich klappten ihre Ohren nach hinten, als Reaktion auf Jeannes Frage. Sogleich richtete sie sie wieder nach vorne, ganz so, als hätten sie sich nie gerührt. Nur ihren Blick konnte sie nicht so leicht fokussieren, huschte er doch zu ihren Pfoten, zu Akara, in die Fernde und wieder zu Jeanne. Sie mochte die Erinnerungen an die erste Kammer nicht, noch immer ließen diese Bilder sie frösteln, wenn sie nur daran dachte. Dass Akara ihre offenbahrte Angst gesehen hatte, war eher Zufall gewesen - keiner von ihnen hatte zu diesem Zeitpunkt gewusst, was sie da erwartete. Sie konnte sozusagen nichts dafür, dass sie soetwas Intimes mitangesehen hatte. Etwas anderes war es da doch schon, es jetzt jemand anderes zu erzählen. Andraki wusste nicht, wie sie das in Worte fassen sollte, obwohl es eigentlich ganz einfach war - aber vor allem wusste sie nicht, OB sie das wirklich erzählen wollte. Sie kannte Jeanne nicht, und ihr gleich von ihrer größten Angst zu erzählen, war, als würde sie sich vor die Weiße auf den Rücken legen und ihr die Kehle darbieten. Man war... so verwundbar dadurch. Natürlich konnte sie durch die Erlebnisse in den Spiegelkammern Kontakte zu den anderen Rudelmitgliedern knüpfen, aber... aber nicht gleich auf diese Weise. Dazu war die Zimtfarbene einfach noch nicht bereit.
Ein entschuldigendes Lächeln erschien auf ihre Lefzen.

"Ein andermal, okay?"

Eigentlich war das keine Frage, sondern eine höflich formulierte Feststellung.

"Aber ich würde euch in die Kammern begleiten",

wechselte sie das Thema und nickte, um ihre Worte zu unterstreichen. Kurz darauf wandte sie den Kopf um, um zu sehen, wer da sich zu ihnen gesellte. Sie erinnerte sich an den weißen Rüden aus der dritten Kammer. Seine Seelenlandschaft war der vom Vollmond beschienene See gewesen.
Andraki nickte ihm grüßend zu, was gleichzeitig die Bestätigung ihrerseits war, dass er ruhig bleiben sollte. Desweiteren schwieg sie, und überließ Akara das Wort...


06.09.2009 15:42




Maav


Maav hatte das Plateau erreicht, doch es hatte lange gedauert, mehrere Stunden war er unterwegs gewesen, ein Nachzügler. Ein großer Teil des Rudels war schon vorgegangen und Maav war ihren Spuren gefolgt um wieder zu ihnen auf zu schließen. Er merkte, dass der Aufstieg auf das Plateau ihm mehr Schwierigkeiten bereitete als es sollte. Er wurde wirklich älter. Okay, dass war eine dämliche Feststellung, aber es war seltsam einmal zu merken, dass das Alter ihm zusetzte. Er war trotz seines Alters immer noch ein großartiger Kämpfer und war stärker gewesen, als die Wölfe mit denen er gekämpft hatte. Seine Erfahrung hatte ihn immer überlegen wirken lassen. Normalerweise hätte er auch diese Schwierigkeiten mit einem Schulterzucken abgetan aber nach dem was er in der Höhle gesehen hatte setzten sie ihm mehr zu als sie sollte und als er endlich oben war, blieb er erst einmal mehrere Minuten abseits von den Anderen stehen, um sich wieder zusammen zu raufen und seine Erschöpfung nicht zu zeigen. Dann entdeckte er Jeanne die weiße Fähe und trottete langsam zu ihr und den Wölfen die bei ihr waren. Da war noch ein anderer Weißer. Ein Rüde. Und dann noch eine grau, braune Fähe vermutlich die Älteste von ihnen. Und noch eine kleine, hellbraune Fähe. Langsam trat er näher und wuffte leicht als er neben Jeanne trat und sie vorsichtig anstupste.

“Darf ich mich ebenfalls zu Euch gesellen?“, fragte der Altwolf und blickte in die Runde.

Es war seltsam zu wissen, dass sie alle so viel jünger waren als er. Es erinnerte ihn an seine eigene Sterblichkeit, aber aus irgendeinem Grund auch an das was er in den Höhlen gesehen hatte. Allein die Erinnerung ließ ihn leicht erzittern und er scharte unruhig mit den Vorderpfoten im Boden.


06.09.2009 16:19




Jeanne


Jeanne atmete ruhig die Luft ein, die ihnen allen um die Nasen wehte. Andraki beobachtete sie dennoch. Die Zimtfarbene schien nicht so wirklich zu wissen, wohin sie blicken sollte. Außerdem wirkte sie.. naja, nervös? Ob sie wohl etwas falsches gesagt hatte? Sie konnte es nicht einschätzen, wo sie die Fähe doch erst wenige Minuten kannte. Als sich dann ein Lächeln auf ihre Lefzen schlich und sie zu der Weißen sprach, nickte Jeanne. Sie wußte nichts anderes zu tun. Auf Andraki einreden brachte nicht wirklich etwas, zudem war das nicht ihre Art. Vielleicht würde sie ihr ja erzählen, was sie gesehen hatte, wenn ein wenig zeit vergangen war. Kaum einen Moment später zog sich dann aber doch wieder ein Lächeln auf die Lezen der hellen Fähe.

“Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn du uns dorthin begleitest.“

Der dunkle Blick sah noch ein Mal in die Augen Andrakis, richtete sich dann auf Akara, die stumm bei ihnen stand. Gerade wollte sie den Fang öffnen, die Braune ansprechen, als ein weitere Wolf zu ihnen trat. Mit einem kurzen Blinzeln richtete die Weiße den Kopf zu Shitéryu, lächelte auch dem weißen Rüden sanft entgegen. Akara, die nun doch sprach, kam ihr mit einer Antwort zuvor. Jeanne drehte den Kopf zu der Braunen, lauschte ihren Worten und nickte ruhig. Mit einem bittenden Lächeln sah sie Shitéryu an. Auch sie war interessiert daran, wie es dem Rüden ergangen war, mit dem sie nur kurz gesprochen hatte. Aber noch ehe der Weiße antworten konnte, wurde sie angestupst und drehte den Kopf wieder ein wenig zur Seite. Das Lächeln auf ihren Lefzen verblasste einen Moment. Maav hatte ihre Bilder gesehen, er war der einzige der Anwesenden, der sie gesehen hatte.. bei Danley. Was er nun wohl von ihr dachte? Mit einer ruhigen Bewegung versteckte die Fähe ihr Gesicht kurz im weichen Fell des Rüden, blickte ihm dann in die hellen Augen. Wieder trat ein Lächeln auf ihre Lefzen.

“Natürlich, Maav. Ich.. habe gesehen, was du gesehen hast. Magst du den anderen nicht erzählen, wie du das alles empfunden hast?“

Sie lächelte und blickte wieder in die Runde. Nun waren sie schon fünf Wölfe, und jeder hatte diese Bilder anders empfunden. Ob sie wohl die Schwächste unter ihnen war?


06.09.2009 16:43




Shitéryu


« Die Natur hat zwei Mittel, ihre Geschöpfe zur Einsamkeit zu zwingen, ein mildes: den Schlaf, und ein brutales: den Tod... »

Bisher habe ich mich dem Willen der Natur voll und ganz hin gegeben, habe es hin genommen, dass meine Existenz die eines Geistes ist, mein Schicksal das eines Fremden.
Aber habe ich mein Schicksal, mein Leben, nicht selber in der Pfote und kann bestimmen, wohin ich gehe, wann... mit wem? Ich schreibe meine Geschichte.


Dankbar blickten die graublauen Augen in die kleine Runde aus Fähen, lauschte ihren Worten und konnte sich nicht erklären, dass es ihn freute, dass man auch ihn ansprach. Nicht nur, dass er bleiben und ihrer Unterhaltung beiwohnen durfte, er sollte selber das Wort erheben.
Allerdings waren die Erinnerungen, die Bilder die an seinem inneren Auge schleierhaft vorbei zogen, vorbelastet, teilweise von keinem angenehmen Gefühl.
Das Bild des kranken, schwachen Wolfes, von ihm selber, rückte immer mehr in sein Bewusstsein. Shitéryu schluckte leise, lauschte dann noch zu Ende und nickte einem weiteren Wolf grüßend zu, der sich zu dieser Gruppe gesellt hatte. Mit diesem hatte er bisher noch gar nicht gesprochen, ebenso wie mit den anderen beiden Fähen, außer Jeanne. Ihr schenkte er noch ein mal einen längeren Blick, wandte sich dann aber an die Graubraune, die ihn angesprochen hatte.
Ein wenig Zeit ließ der Helle verstreichen, in Gedanken wieder bei den Bildern. Er ließ sie der Reihe nach noch ein mal vorbei ziehen, tauchte in seine Gefühlswelt ein, die zugleich erfüllt und wiederum so leer, trostlos war.

Nun, ihr wart dabei, als ich das letzte Bild sah.

Mit leiser, ruhiger Stimme begann er, den Blick nachdenklich auf den weißen Boden gerichtet, mit dem seine eigenen Pfoten herrlich verschmolzen und ein einziges Gemälde schufen. Generell wirkte der Schneeweiße, als würde er geradewegs von diesem geheimnisvollen, anziehenden Ort kommen, als würde er hier leben, hier hin gehören und nicht wie alle anderen zum ersten Mal hier verweilen.
Mit Absicht begann der Rüde die Kammern rückwärts zu durchgehen, spulte den Film seiner Erinnerung zurück. Nicht nur, dass er es in diesem Augenblick nicht an die erste Kammer denken wollte, es ging stark in seine Persönlichkeit, in den tiefsten Kern seiner Seele, er konnte es auch irgendwo nicht. Obwohl er wusste, dass er selbst dieser Wolf gewesen war, so hatte dieser mitleiderweckende Wolf etwas bei ihm ausgelöst, was in ihm schlummerte und ihn, zumindest in diesem Augenblick, noch zu sehr verunsicherte.

Das Bild aus der letzten Kammer wirft für mich noch immer am meisten Fragen auf. Es handelte sich bei mir um einen See, der von einem silbrigen Vollmond beschienen wurde .

, fügte er für Jeanne und den älteren Rüden hinzu, die nicht dabei gewesen waren und daher dieses Bild nicht kannten. Kurz blickten die Augen in die Runde, ein wenig unsicher, ob er fort fahren sollte, sie ihm zu hörten und er nicht wieder in seiner Existenz im Nebelschleier versank.
Allerdings war dem nicht der Fall, das Gefühl, dass sie ihm zu hören würden, keimte still und heimlich in Shitéryus Brust auf, weswegen er noch ein mal Luft holte und weiter erzählte.

Ich würde mir diese Kammer in jedem Fall noch ein Mal ansehen und... euch auch durch die anderen begleiten, wenn ihr möchtet.

Das Zögern war offensichtlich, denn sie alle wussten, dass sie vor allen Dingen in der ersten Kammer sehr viel von sich preis gaben. Doch je länger der Helle sprach, desto sicherer wurde er und das Gefühl, welches er nicht anders als mit Angst betiteln konnte, verschwand immer mehr.

Die zweite Kammer... zeigte mir... meine Geschwister. Meinen älteren Zwilling Sháno und meine jüngere Schwester Shérálýn.

An dieser Stelle brach die Stimme des Weißen und er biss sich hart auf die Lefzen. Das Bild und die Erinnerung an seine beiden geliebten Geschwister ließ die Seele des Rüden erbeben und ein unvorstellbarer Schmerz jagte durch seine Glieder, kein rein körperlicher, doch reagierte er sensibel auf seine seelischen Wunden, die wieder aufrissen. Dann plötzlich, als wäre es schon immer so leicht gewesen, riss ein Teil der Fassade, bröckelte zu Boden und fiel ab.
Der graublaue Blick war wieder gehoben, blickte die Wölfe der Reihe an, funkelte verräterisch. Es war ihm gleich. Es gab viel von ihm preis, eine Intimität war hergestellt und eine Nähe fast schon erzwungen. Doch es interessierte ihn nicht und er machte sich auch nicht die Mühe, die Fassade wieder auf zu setzen. Es würde ihn früher oder später nieder reißen, so konnte es dies auch in diesem Augenblick tun.

Mein Bruder war der sanfteste Wolf, den ich kenne. Gütig und warmherzig, ein großer Beschützer und Bruder, wie man sich ihn nur wünscht. Shérá war eine lebensfrohe und lebenslustige junge Fähe, die mit viel Witz und Charme alle für sich einnehmen konnte. Sie gingen auf tragische Weise erst kürzlich von mir...

Das Lächeln, welches seine Erinnerungen und Erzählungen von seinen Geschwistern begleitet hatte, erstarb zum Ende hin, ebenso wie die beiden Geliebten des Weißen. Wieder jagte ein Schmerz durch seinen Körper, dieses mal wurde ihm bewusster, dass es sich um sein Herz handelte. Es schrie und weinte kläglich, doch hilflos wie er war, vermochte er es nicht zu trösten, nicht zu heilen.
Das nun so viel Gefühl, Trauer und Schwäche von ihm offensichtlich zu sehen war, war ihm in diesem Augenblick gleich. Für ihn zählte es, dass er sich eine Sekunde an die Beiden erinnern konnte und ihr Versprechen nicht vergaß, dass sie sich eines Tages wieder sehen würden – vorerst im Spiegel, bis für ihn die Zeit gekommen war.
Eine bedeutungsschwere Pause trat ein, der Helle ließ seine Worte wirken und seine aufgewühlte Seele ein wenig zur Ruhe kommen. Tief sog er die kalte Bergluft ein, die seine Lungen füllte und ihm half, wieder mehr an Fassung zu gewinnen, bis er sich in der Lage fühlte, weiter zu erzählen.


Es war ein seltsames Gefühl die beiden wieder zu sehen, dort im Spiegel. Sie wirkten so echt, so lebendig, als wurden sie gleich hinter dem Kristall hervor springen. Doch ich wusste... ich hatte mit eigenen Augen gesehen... das konnte nicht die Wahrheit sein. Als sie dann zu mir sprachen, sagte mir ein kleiner Teil in meinem Gehirn ‚Du wirst verrückt. Du bist krank. Das gibt es nicht’ und dennoch konnte ich nicht anders, als ihren Worten Glauben zu schenken. Sie versprachen mir, dass wir uns wieder sehen werden. Sie haben recht. Eines Tages, sobald meine zeit gekommen ist, werden wir wieder vereint sein. Doch bis dahin soll ich sie hier besuchen kommen...
Erneut folgte eine Pause, Shitéryu schluckte und dennoch zierte ein leichtes Lächeln seine Lefzen. Das Versprechen, ja es gab ihm irgendwie Kraft und auch Mut. Niemals hatte er so viel von sich erzählt, jetzt fiel es ihm ganz leicht. Auch schien er sich selber immer leichter zu fühlen, denn die schwere Last, die auf seinen Schultern lastete wurde mit jedem gesprochenen Wort angenehmer zu tragen.

Die größte Angst... die erste Kammer... Sie zeigte mir einen Wolf. Gebrochen, seelenlos, gefühllos. Oder um es genauer zu sagen: hoffnungslos. Diese Kammer zeigte mir das, was ich nicht sein möchte, aber was ich sein werde, wenn ich so weiter lebe.

« Wer durch die Angst hindurchgeht
kann sie hinter sich lassen...
»


06.09.2009 23:38




Akara Chitaru


Akara saß aufrecht und ließ voller Ruhe den Blick über die Wölfe schweifen, die sich langsam sammelten. Jeder schien sich erst allein seine Gedanken gemacht zu haben und war nun wieder bereit, sich zu unterhalten. Darüber, was er gesehen hatte, oder über andere Dinge. Sie nickte Maav grüßend zu und hieß ihn so willkommen. In Worte fassen musste sie dies nicht, da Jeanne ihr zuvor kam.
Kurz betrachtete sie Andraki, die nichts über die erste Kammer preisgeben wollte, jedenfalls nicht jetzt, wie sie sagte. Und Akara nahm schuldbewusst zur Kenntnis, dass sie das Geheimnis bereits gesehen hatte. Daran ändern konnte sie allerdings nichts.
Letztlich blieb ihr Blick fest auf Shitéryu haften, der ganz offen seine Geschichte zu erzählen begann. Verknüpft und verflochten mit dem, was er in den Kristallspiegeln gesehen hatte, sprach er von seinen Geschwistern, die gestorben waren. Die graubraune Wölfin ließ den Blick einmal durch die Runde schweifen. Hier sammelten sie sich also, die vom Schicksal gezeichneten Seelen. Hier hofften sie auf eine neue Zukunft.
Immer noch vollkommen ruhig blickte sie den weißen Rüden an, nicht bereit mit Worten den Moment des Wirkens zu zerstören und alle vom Schweigen zu erlösen. Sie akzeptierte zwar, dass sie nicht mehr so stumm sein konnte, wie früher. Aber nun schien ihr nichts unangebrachter, als auch nur ein Wort zu sagen. Und so war es für einige Augenblicke still um sie herum geworden. Ein Zeitraum der ihre Gedanken frei um sie tanzen ließ. Sie prägte sich die Worte Shitéryus ein, vor allem die letzten. Er hatte gesehen, was er ist, aber nicht sein will. Und was hatte sie gesehen? Sich selbst, wie sie war.
Nachdenklich blickte sie erneut in die Runde, während ihr Blick schließlich erneut an Shitéryu haften blieb.


07.09.2009 18:02




EL‘ Sombo de Feru


Er hätte hier nicht herkommen sollen. Nein, ganz und gar nicht. Warum war er nur den Gerüchen und Duftmarken der fremden Wölfe gefolgt? Hinein, immer tiefer hinein in dieses Gewirr aus Gängen, Felsbrocken und Geröll. Dunkelheit umschloss seinen Körper, verschlang ihn wie einen Schatten, verschmolz mit ihm zur Unkenntlichkeit. Nur die stahlblauen Augen erahnten jede Unebenheit des Bodens, zeigten ihn die Abgabelungen und Verzweigungen, wiesen ihm die Richtung und dennoch hatte der Rüde das Gefühl im Kreis zu laufen. War es nur ein Trugschluss? Ein Hirngespinst seiner Instinkte? Verlor er gar nicht nur seinen physisch immer noch anwesenden Körper, sondern auch seinen Verstand? So durfte er erst gar nicht anfangen zu denken. Zur Not half ihm immer noch seine ausgezeichnete Nase, die ihn bestimmt nicht im Stich lassen würde, selbst wenn er blind wäre. Der Geruch der Fremden war frisch, die Markierungen konnten erst wenige Stunden alt sein. Daran bestand kein Zweifel.

Doch ein anderer Gedanke drängt sich ihm auf. Dieser Kristall, dieser Spiegel, welcher etwas zeigte, was nicht der Realität entsprach. Konnten ihn seine Augen so täuschen? Hatte ihm seine Phantasie solch einen Streich gespielt?
Immer weiter trugen ihn seine Läufe und die Pfoten suchten sich sicher ihren Weg durch das unliebsame Gelände. Einzelne Steine gruben sich scharfkantig in seine runden Ballen und doch lief er unbeugsam und fest jeden Meter. Nachdem er die Kammer hinter sich gelassen hatte, rasten seine Gedanken, während die Dunkelheit ihn erneut verbarg. Niemand konnte ihn sehen, er war gleich der Ihren. Niemand wusste, dass er sich in diesem schmalen Gang aufhielt; doch diese Gewissheit, die Sombo kurzzeitig von seinen düsteren Gedanken abgelenkt hatte, drängte eben diese wieder zurück in seinen wohl geformten Kopf. Warum war beim letzten Spiegel nichts zu sehen gewesen? Er stand davor, er hätte seine Konturen also wahrnehmen müssen! Doch, so seltsam es klang: Da war rein gar nichts gewesen. Nur die Felswände spiegelten sich erdrückend mächtig, aber seine Statur, sie war nicht abgebildet.
Noch kurz davor war er mit seinen Ängsten und seiner Gefährtin konfrontiert worden. Die tödliche Gefahr wurde erneut durchlebt; jeder Schrei hallte in seinen Ohren wieder, sodass er diese voller Panik und purem Entsetzen eng an seinen Kopf gelegt hatte. Noch niemals zuvor durch stand er solche Furcht; war so gelähmt und schwer. Kaum fassbar, dass der Rüde es geschafft hatte, sich dieser ohnmächtigen Macht zu entreißen und weiter zu ziehen. Bis seine Gefährtin nach ihm rief. So warm, so voller Anmut und Reinheit stand sie vor ihm, und doch, egal wie sehr er es versuchte, er drang nicht zu ihr durch; vernahm nur ihr glockenhelle Stimme, aber sie sprach nicht zu ihm. Sie konnte es ohnehin nicht mehr.

oO(Doch warum war dann im letzten Spiegel nichts mehr zu sehen? Warum war ich nicht dort, wo ich mich hätte sehen müssen?)Oo

Schwer durchzog den Schwarzen immer wieder diese eine Frage, welche unergründlich schien. Sein ganzer Körper hatte sich dazu entschieden, ihn in seinen Gedanken zu unterstützen, denn abwesend lief er in geduckter Haltung einfach weiter. Achtete nicht mehr bewusst auf die Duftspuren seiner fremden Artgenossen und sein sonst so federnder Gang wurde von der Last seines Kopfes erdrückt.
Erst, als Sombo seine Pfoten erneut sehen konnte; erst, als die Dunkelheit die Macht über ihn Stück für Stück, Zentimeter für Zentimeter verlor, wurde er aus seinen Gedanken gerissen und hob ruckartig seinen Kopf.

oO(Wieder ein Kristall? Wieder eine Spiegelung, die keinen Sinn ergibt?)Oo

Aber, der Schwarze brauchte nicht lange zu überlegen, musste nicht erst ankommen, um zu wissen, wo er war. Die sanfte Brise, die ihn erreichte, ließ ihn auf den lang ersehnten Ausgang hoffen. Er hatte es geschafft. Die Stickige verschwand und sofort füllte er gierig und eifrig seine Lungen mit dieser kalten, erfrischenden Luft. Geschafft!

Unter seinen Pfoten gab der Boden so urplötzlich nach, dass Sombo keine Zeit hatte, um seinen Fehltritt noch rechtzeitig abzuwehren. Im nächsten Moment bereits umspielte die Kälte und Feuchte seinen Fang und ein tiefer Abdruck war in den glitzernden Schnee gezeichnet und für kurze Zeit ein sichtbarer Beweis für die Unachtsamkeit des sonst so besonnen Rüden.
Leise ächzend brachte er seine Läufe wieder unter Kontrolle; befehligte Sombo sie zum Stehen und sie gehorchten; so wie es seit Jahr und Tag gewesen war.

Er hatte sich auch nicht getäuscht bei seiner Annahme. Hier waren sie – Die fremden Wölfe, die er gerochen hatte. Er erkannte ihren Duft und behutsam, voller Genauigkeit und Vorsicht ließ er seinen Blick über jedes einzelne Rudelmitglied wandern. Noch immer lag in ihm diese Besonnenheit, diese Achtung, die er als Alpha einst haben musste, um sein Rudel nicht in Gefahr zu bringen. Noch immer stand er in sicherer Entfernung, musterte sie alle und blendete die Geräusche, Gerüche und Farben der Umgebung aus, die ihn ablenken konnten. Sicher würden sie ihn gleich bemerkt haben, alle mit einander; würden sie gute, oder schlechte Absichten hegen; ihn leben lassen, oder zerreißen. Ankündigen würde er sich nun jedoch nicht mehr. Der Schnee, die Berge und der viele Regen im Tal ließen ihn stutzen. Würde er nun seine Stimme erheben, so wusste Sombo nicht, ob sich ein winziger Kristall lösen würde; nur einer und dieser wäre der sichere Tode. Für sie alle.


10.09.2009 17:34




Ayano


Am Eingang der Höhle stehend, bewegte er sich unsicher vom einer Pfote auf die Andere, ehe er den Kopf drehte und die Ohren spitzte. Hinter ihm bewegte sich ein weiterer Rüde. Beide waren von weit her und auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Bisher allerdings hatte es kein Rudel länger als ein paar Tage mit den beiden alten Rüden ausgehalten. Jedesmal waren sie unter Aufregung weitergezogen. Vielleicht lag es ja daran, dass beide trotz ihres Alters nur Blödsinn und Ärger im Kopf hatten. Der Hellbraune schnaufte und trat in die Höhle hinein. Der Duft eines Rudels wehte ihm entgegen, stark und kräftig. Und trotzdem. Es juckte ihn nicht mal in der kleinsten Faser seines Hinterteils. Sollten da doch Wölfe sein. Ihn sollts nicht stören. Solange Arashi in seiner Nähe war, war alles gut. Beide waren zusammen aufgewachsen, waren ins gleiche Rudel hineingeboren worden und somit von Geburt an unzertrennlich. Ayano schnüffelte beim Laufen am Boden herum und spitzte die Ohren. Erst nach einer Weile blieb er stehen und drehte sich halb herum.

"ARASHI! Bleib nicht zurück. Los. LOS! Beweg deinen lahmen Hintern an meine Seite"

Beiden war klar, dass es einfach Ayano's Art war. Er war nicht lieb und nett, auch nicht zu Arashi. So schien es jedenfalls. Aber er liebte Arashi, daran gab es für beide keine Zweifel. Es war eine raue Art von Zärtlichkeit die zwischen den beiden Rüden existierte. Für viele war es abstoßend und widernatürlich, 2 erwachsene Rüden in einer Beziehung zu erleben, wo sowas doch normalerweise nur Rüden und Fähen nachgesagt wurde. Aber Ayano war noch nie wie alle anderen gewesen, das sagte allein schon seine Haltung der Welt gegenüber aus.
Er blinzelte und wand sich wieder der Finsternis vor sich zu, durchschritt sie bis er zu einem großen Hohlraum kam

"Mh? Spiegelkristalle?"

Er stutzte und sah sich wieder suchend nach seinem Gefährten um, der scheinbar weit zurück blieb. Ayano trat ungeduldig auf der Stelle, fühlte den rissigen Felsboden unter seinen Ballen.


10.09.2009 19:06




Yago


Es wurde philosophisch. Ein wenig zu philosophisch nach Yagos Meinung. Im Allgemeinen hatte er nichts gegen die Kunst des Denkens – im Gegenteil, sie konnte recht vergnüglich sein und zudem von den banalen Alltäglichkeiten im Leben ablenken. Aber in diesem Fall waren definitiv zu viele Gedanken in dem Kopf des Schwarzen um nun auch noch zu philosophieren. Ihm war bewusst, was Kiba meinte, aber er besah sich jetzt, in dieser Lage, nicht die Theorie, sondern die Praxis. Und die war in diesem Fall die Tatsache, dass sie etwas voneinander wussten, was sie eigentlich nicht hätten wissen sollen. Insbesondere deshalb, weil sie es nicht einmal von sich selbst gewusst hatten. Das ganze klang komplizierter, als es war, schließlich ging es einfach nur darum, dass Yago es nicht in seinen Kopf hineinbekam, dass er für Kiba so wichtig war. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Kiba ihm so wichtig war. Er hatte das Bedürfnis mit Kiba darüber zu reden und die weisen Aussagen über Veränderungen beiseite zu schieben aber … er traute sich nicht. Hossa, es wurden langsam ein paar zu viele unbekannte Gefühle. Das sich nicht trauen, etwas zu tun war Yago vollkommen unbekannt gewesen. Was auch immer er früher getan hatte, er war immer geradewegs hindurchgegangen. Manchmal hatte er sich dabei in Gefahr gebracht, aber auch da hatte er keine Angst verspürt. Und jetzt plötzlich fürchtete er sich grundlos davor, mit Kiba ein Gespräch über ihr Inneres zu führen. Zugegeben … auch um sein Inneres. Und vielleicht war gerade das der Punkt, vor dem er sich fürchtete. Sie könnten gerne gemeinsam Kibas Seele auseinander nehmen und von allen Richtungen aus betrachten. Aber von seiner sollten sie die Pfoten lassen. Das war aber in Anbetracht des Themas, um das es ging und das er ansprechen wollte irgendwie problematisch, also … traute er sich nicht. Als er ein wenig unruhig mit der Pfote im Schnee scharrte, wurde ihm schnell bewusst, wie seltsam das wirken musste und wie eindeutig er Kiba zeigte, dass er zwar etwas sagen wollte, es aber nicht über die Lefzen brachte. Also lies er das Scharren schnell wieder bleiben, sah sie einige Sekunde lang mit einem fast unglücklichen Blick an und deutete schließlich mehr um irgendetwas zu tun, als aus sinnvoller Verknüpfung mit der Schnauze auf den Höhleneingang.

“Und was für Aspekte werden uns die Veränderungen in unseren Köpfen bringen? Was wird sich ändern, weil wir uns gegenseitig im Spiegel gesehen haben?“

Er fühlte sich unwohl in seiner Haut, war sich nicht sicher, ob er Kibas Antwort hören wollte. Wahrscheinlich wusste sie aber selbst nicht, was sie dazu sagen sollte. Ihm ging es schließlich nicht anders. Dafür wusste er einfach nicht, was es überhaupt bedeutete, wenn jemand einem wichtig war. Die Idee flackerte auf, Kiba das doch einfach zu fragen; aber er kam sich lächerlich vor, schließlich war er ein erwachsener Wolf und kein Welpe, dem man die Welt erklären musste. Zudem hatte er noch nie vor irgendjemand zugegeben, etwas nicht zu wissen, eigentlich wirkte er immer, als wäre er allwissend. Es war eine Art Schwäche, die er damit offenbaren würde und Yago hatte sich seit seiner Geburt gehütet, Schwäche zu zeigen. Er war der starke, unnahbare Beta. Kein dummer kleiner Wolf, der nicht einmal wusste, was es hieß, jemandem wichtig zu sein. Einige Momente ließ er diese Gedanken durch seinen Kopf sickern, dann wurde ihm die Tatsache immer klarer, dass er hier vor Kiba saß. Der einzigen Wölfin auf dieser Welt, für die seine Fassade sowieso nicht mehr stand und die dennoch zu ihm hielt.

“Was bedeutet es, wenn jemand einem wichtig ist oder man selbst jemandem wichtig ist? Yari, er hatte mich gebraucht, nicht ich ihn. Sicher war ich ihm wichtig, aber er auch mir? Und du, warum bist du mir wichtig?“


Er sah Kiba nicht mehr an, wusste selbst nicht genau, warum. In dem Moment dieser Schwäche war es ihm nicht möglich, als wäre das Anschauen ihrer blauen Augen in irgendeiner Weise eine Bestätigung, dass tatsächlich er diese Frage gestellt hatte und dass tatsächlich der allwissende Yago eigentlich keine Ahnung von Gefühlen hatte. Und gleichzeitig offenbarte er Kiba ein Vertrauen, mit dem sie selbst wohl kaum gerechnet hatte und von dem er nicht wusste, woher er es hatte.
Ihre Worte zu Leikuna nahm er nur mit einem leichten Nicken auf, war sich nicht sicher, ob er sie glauben konnte. Sicher bedeutete er ihr viel, aber war es tatsächlich Liebe, die sie an ihn band? Auch in diesem Fall war er doch nur ein Helfer, jemand der beschützte und den Weg vorgab, der führte und bei Entscheidungen half. Konnten diese Taten zu Gefühlen führen? Wieder war er bei diesem Thema angelangt und stand ihm hilflos gegenüber.


14.09.2009 15:47




Saiyán Tendes


Nashita schien sich zwar nicht zu Saiyáns Beobachtung äußern zu wollen, aber sie war auch nicht beleidigt oder etwas ähnliches. Wäre ja gut möglich gewesen, dass sie es dem Schwarzen übelnehmen würde, wenn er sie als unglückliches Eichhörnchen bezeichnete. Andererseits hatte ja niemand gesagt, dass das eine Beleidigung war, eher ja noch ein Kompliment. Schließlich waren Eichhörnchen keine hässlichen Tiere, so gesehen recht hübsch. Jetzt stolperte der Schwarze. War Nashita hübsch? Bei genauerer Betrachtung konnte er diese Frage kaum verneinen, aber bis jetzt hatte er sich noch nie mit so etwas befasst. Allerdings waren ihm bis zum heutigen Tage auch immer nur blöde Schwestern oder die noch ein wenig beschränkteren Fähen des Rudels über den Weg gelaufen. Bei denen kam man gar nicht erst auf die Idee, sich zu fragen ob sie nun hübsch waren oder nicht. Genau genommen gab es aber auch keinen Grund, sich zu fragen ob Nashita hübsch war. Sie war es nur. An diesem Punkt setzte Sai bewusst einen Cut und befasste sich mit der Aussage der Braunen, dass sie neugierig sei. Na, interessant.

“Ja.“ kam es von ihm wahrscheinlich zum hundertsten Mal in diesem Gespräch. “Ich nicht.“

Dazu fiel ihm einfach nichts anderes ein. Er war wirklich nicht sonderlich neugierig und würde sich hüten, seine Nase in fremde Angelegenheiten zu stecken. Und seine Narben gingen nun mal wirklich niemanden was an, auch wenn Sai nicht drumherum kam, ein wenig stolz auf sie zu sein. Er mochte sie. Aber Nashita durfte ruhig denken, dass sie von großen Kämpfen stammen, das hätte er ihr sogar erzählt, wäre er ein wenig besser im Lügen gewesen.

“Der Spiegel hat komische Bilder gezeigt. Keine Ahnung, was die alle gesehen haben, haben’s wohl teilweise auch ein bisschen übertrieben – typisch für die. Aber nicht alle Bilder waren schön.“

Unruhig erinnerte er sich an den sterbenden Aiyán und erzitterte leicht. Zum Glück war das nur in der ersten Kammer zu sehen, die anderen waren ja nicht weiter schlimm gewesen. Seltsam, dass Nashita das nicht wusste, offensichtlich hatte sie sich nicht in den Spiegeln betrachtet.

“Wenn du so neugierig bist, warum hast du sie dir nicht angesehen?“

fragte er ein wenig spitzfindig. Er hatte ja schon ein paar Theorien darüber gehört, was dort in den Kammern zu sehen gewesen war und wenn sie stimmten, müsste die Braune doch vor Neugierde brennen.


14.09.2009 15:47




Leikuna


Weiße lächelte, ob Toboes Art von Aufmunterung, die bei Ýllin zwar wenig Wirkung zeigte, bei ihr selbst jedoch umso mehr. Der Rüde lies sich bei ihnen nieder, und Leikuna lies ihre Zunge noch ein paar Mal über Ýllins Kopf gleiten, bevor sie anfing zu erzählen. Die Worte die sich auf ihrer Zunge formten waren nicht die Ihren...

"Die Geflügelten lebten vor sehr langer Zeit auf der Welt, die wir nun die unsere nennen. Sie waren edle Wesen, von hohem Blut und guter Art. Wie ihr Name schon sagte, trugen sie Schwingen auf dem Rücken. Sie waren Göttergesandte, und konnten mit ihren Schwingen die Distanz vom Himmel zur Erde überbrücken. Der Legende nach wurden sie ausgesand, wenn es auf der Erde Probleme gab. Dann kamen sie, und halfen den Wölfen. Gab es zu wenig Beute, so führten Geflügelte die Wölfe in ein neues Jagdrevier. Gab es zu wenig Wasser, so baten die Geflügelten die Götter um Regen. Sie waren diejenigen, die dafür sorgten dass die Götter von den Sorgen ihrer Schützlinge erfuhren, und die den Wölfen in allem halfen. Sie lebten unter sich, auf den Wolken, und kamen immer dann, wenn man sie brauchte"

Leikuna machte eine kurze Pause, atmete tief ein und lies ihren weißen Atem über Ýllins Fell gleiten, während ihr Blick sich wieder in der Ferne verlor.

"Die Gestalt der Geflügelten war wölfisch, jedoch etwas größer, und von wunderschöner Art. Das Besondere daran war, dass jeder sie als wunderschön erachtete, ungeachtet seines sonstigen Geschmacks. In den Geflügelten sah jeder das, was er vergötterte"

Eine weitere Pause einlegend lies die Weiße den Blick schweifen, über das endlose Weiß und zurück dorthin, wo das Rudel war. Dorthin, wo Yago war. Gab es das Gegenteil zu einem Geflügelten?

"Die Anziehungskraft der Geflügelten war das, was sie verdarb. Wölfe, denen sie gegenübergetreten waren, konnten sich oft nicht mehr von ihrer Wirkung befreien, und waren unsterblich in die Geflügelten verliebt. Ein Gefühl, dass die Geflügelten nicht erwiedern konnten, wenngleich sie versuchten den Schmerz der Wölfe zu lindern, weil dieser Schmerz auch der Ihre war. Nach und nach verschwanden sie dann - heute glaubt kaum noch jemand an ihre Existenz..."

Endete sie, und schien wie aus einem Traum aufzuwachen, und die zwei Jungwölfe durch fremde Augen anzusehen. Leikuna hatte diese Geschichte nie gehört - und dennoch war sie blind überzeugt davon, dass sie wahr war...


14.09.2009 16:22

You are not alone in your life although you might think that you are

So sorry your world is tumbling down
I watch you through these nights
Rest your head and go to sleep
Because my child,
this is not our farewell
28.08.2010 23:19
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Fähe

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367

Beitritt

23.07.2005

Seite 5




Arashi


Arashi tappte ein gutes Stück hinter seinem Gefährten her, er sah sich in der Umgebung halt einfach ein wenig um, in der Hoffnung vielleicht doch irgendwo ein Opfer zu finden für seine Momentan aufkommende Frust. Nicht so, dass das eigentlich immer seine Laune war, aber heute war er einfach mal leicht miesgelaunt, was seine sonstigen Launen eigentlich betraf. Schon seit einer ganzen Weile suchten sie, also er und Ayano ein Rudel wo sie bleiben konnten. Aber keiner wurde mit ihrem Charakter oder gar mit ihrem Bund fertig. Es lag einfach daran, dass beide sich so sehr von anderen Wölfen unterschieden, dass sie immer auf die Idee kamen, sie wären ganz schlecht.
Na und? Sollte es eben so ihre Meinung sein, aber wieso verstanden sie es einfach nicht? Bei durch und durch aufbrausenden Wölfen verstanden sie es doch auch, wenn er eine harte Vergangenheit hatte. Wieso durften Arashi und Ayano dann nicht einfach so sein wie sie waren, wenn sie bleiben konnten? Naja auch egal, zumindest für den momentan jüngeren Rüden hier.
Außerdem schienen Wölfe es so ziemlich etwas dagegen zu haben, sollte mal es zwei männliche Wölfe geben, die ineinander verschossen waren. Nicht das so etwas normal wäre, aber Ausnahmen gab es doch oder? Immerhin, Ayano und Arashi kannten sich schon, seit sie klein war und waren so entsprechend auch ziemlich vertraut mit dem jeweils anderen. Da war es nur noch ein kleiner Schritt gewesen, bis es zur Liebe hinreichte.
Der mit den zwei farbigen Augen beeilte sich, seinem Gefährten hinter herzueilen, als dieser ihn rief. Es war auch Ayanos Raue Art und es war auch gut, es so zu hören. Denn dann ging es seinem Freund immer gut. Als er dessen Hinterteil erreichte, konnte Arashi es sich nicht nehmen lassen und biss herzhaft in diesen hinein. Irgendwie machte er das einfach gerne und es stimmte ihn auch ein wenig mehr zufrieden. Immerhin schmeckte Ayano nun mal nach sich selbst. Also dann.
Entschlossen tappte der Jüngere dann dem Älteren nach, sie erreichten dann einen Hohlraum und Arashi, gerade einfach in den Geschmack gekommen biss dann gleich noch in Ayanos Ohr um ihn ein wenig zu Ärgern. Starrte dann verwundert den Spiegelkristall an.

"Häääh?!"

Neugierig lief Arashi aber dann zu dem Spiegel hin und sah in diesen hinein. Was ihn aber dann überraschend entgegen blickte, war ein großer finsterer Wolf. Der Wolf fing an zu zittern, als er erkannte wer da stand. Es war schon komisch seinen Kindestraum in diesem Kristall zu sehen und er sah auch Bilder von sich, wie er unter der Macht des Schwarzen stand.
Ein leises Winsel kam aus seiner Schnauze und er stand wie gebannt dort und konnte nicht hinwegsehen, sah wie der andere Wolf Ayano umbrachte, äußerst brutal, dass es schon so Arashis Herz zerriss.

//Nein! Das kann doch nicht wahr sein!\\


14.09.2009 21:03




Toboe Tear


Toboes Augen blickten tief in die der grauen Fähe, der er mit aller kraft versuchte, das Lächeln wieder zu geben. Leikuna hatte da ihre ganz eigene Methode. Sie kuschelte und schlabberte die Ýllin ab. Ob er das auch mal versuchen sollte? Nur war da nicht mehr viel Platz. Und so konnte er sie besser ansehen, sie von vorne trösten. Und Leikuna verstand er so sicher auch besser. Immerhin wollte er wissen, wer die Geflügelten waren. Wilde Bilder spielten sich in seinem Kopf wieder, von geflügelten Tieren, die durch die Weltgeschichte flatterten. Toboe hob eine Augenbraue, blickte auf Leikunas Nase. Meinte sie mit Geflügelten wohl.. so etwas wie Schmetterlinge? Ein wenig skeptisch blickte er die Nase der Weißen an, als wenn dort etwas ausergewöhnliches saß. Erst Ýllins Worte rißen ihn aus den Gedanken. Er blinzelte die Graue an, sah dann wieder zu Leikuna, die nun anfing, die Geschichte zu erzählen. Schmetterlinge, Vögel.. Insekten. Hmm.. etwas fliegendes auf jeden Fall. Nunja, er lag also erst ein Mal da, lauschte mit aufgestellten Ohren ihren Worten. Probleme von Wölfen? Ob sie einem wohl auch halfen, wenn man traurig war? Als sie eine Pause machte, blickte er Leikuna nur fordernder an. Er wollte die Geschichte weiter hören, hören was die Geflügelten taten, wer sie waren und alles darum herum. Als sie dann sagte, dass sie wölfische Gestalt hatten, breitete sich ein breites Lächeln auf seinen Lefzen auf. Hah! Er brauchte sich also nur einen Wolf mit Flügeln vorstellen. In die Begeisterung des jungen Rüden mischte sich bei ihren weiteren Worten dann aber auch ein anderes Gefühl. Merkwürdig und undefinierbar. Er seufzte. Warum musste so eine Geschichte nun einen Haken haben? Aber der Graue wollte nicht vergessen, worum es hier eigentlich ging. Mit einem schnellen Satz stand er also auf den Pfoten, tänzelte mit leichtem Schritt ein Mal um die Wölfe herum und schnappte nach Ýllins Ohr, um weiter zu Leikuna zu springen, und auch ihr ein Mal am Ohr zu ziehen.

“Wir müssen also nur an die Geflügelten glauben, und sie kommen uns helfen?“

Mit einem inzwischen wieder breitem Grinsen sprang er im Kreis, und stellte sich dann in einer auffordernden Pose den zwei Fähen gegenüber.

“Wir müssen nur daran glauben!“


15.09.2009 22:12




Ýllin


Ýllin lauschte gespannt den Worten der Weißen. In Ýllins Augen zeigte sich ein kleiner Schimmer von Freude als die Weiße nun begann mit ihren Erzählungen.

oO Ob sie wohl wie die Schmetterlinge waren? Oo

Fragte sich die Graue in Gedanken und ihr Blick wandelte sich in einen etwas Vertreumten. Auch ihre Haltung lockerte sich als sie nun gespannt die Geschichte verfolgte. Die Weiße erzählte also von Wölfen mit Schwingen. Wahrscheinlich mit riesigen weißen Schwingen, oder hatten sie sich der Fellfarbe angepasst.

oO Sie konnten fliegen,frei sein so weit fliegen wie sie wollten,unbeschwert über die grünen Grasebenen fliegen und mussten keine ellenlangen Wanderungen auf sich nehmen Oo

Dachte sie verträumt und stellte sich eine ganz neue fremde Landschaft vor,ja wenn nicht sogar eine fremde Welt in der Die Geflügelten mit ihren großen Schwingen, elegant mit der Luft schwebten. Ýllins Mimik veränderte sich nun gänzlich, sie wirkte wieder etwas entspannter und ein wahres , jedoch leicht verträumtes Grinsen zeigte sich auf ihren Zügen. Bildlich stellte sich sich jede einzelne Zene vor die Leikuna erzählte, sie malte sich jede Zene genau mit den verschiedensten Farben aus, stellte sich das Aussehen jedes einzelnen geflügelten Wolfes vor und träumte sich sogar so tief in die Geschichte der Weißen hinein dass sie sich vorstellte auch mit den Geflügelten über weite Seen und Ebenen, überhohe Gebirge und weite Wälder zu fliegen. Plötzlich jedoch schreckte sie aus der Geschichte auf und sprang erschrocken auf als sie von dem Grauen in ihr Ohr gezwickt wurde. Sie musterte den Grauen genau,dann lächelte sie.

„Ja wir müssen nur ganz feste an sie glauben und sie nicht vergessen“

Sagte sie lächelnd und stellte das eine Ohr wieder auf,dass andere hielt sie wie immer etwas vorsichtig angelegt, doch zeichnete sich nun Freude in ihr wieder.


17.09.2009 17:41




Aiyán Tendes


Mit großen Schritten stapfte Aiyán etwas abseits des Rudels herum. Er musste jetzt ein wenig nachdenken, da war es ganz gut mal allein zu sein. Saiyán war eh schlecht gelaunt. Aber bei diesem Kristallen auch kein Wunder. Es ärgerte den Schwarzen immer noch ziemlich, dass da groß und stumpf ein Baum gewesen war, in dieser letzten Kammer. Und er verstand auch nicht wirklich warum. Fast hatte er damit gerechnet, dass sein Zwillingsbruder ihn jeden Moment auslachen würde, aber dies war nicht geschehen. Ganz einfach, weil Saiyáns Bild seinen Bruder noch viel mehr verärgert hatte. Aber auch das hatte Aiyán nicht wirklich verstanden. Aber da er ja wusste, wie sehr sein Zwilling danach strebte anders als alle zu sein, konnte er sich gut vorstellen, dass jenes Bild nicht sehr positiv auf ihn gewirkt haben musste. Wie auch immer, doofe Spiegel. Und jetzt war Sai halt sauer.
Aiyán war viel zu erleichtert gewesen, als sie endlich wieder auf die andere Gruppe getroffen waren und dort auch seine Mutter war. Allerdings hatte es ihn von ihr auch ziemlich schnell wieder weggetrieben, da der schwarze Jungwolf etwas entdeckt hatte, was er noch nie zuvor gesehen hatte. Gut, alle hatten es jetzt entdeckt, aber er hatte es trotzdem noch nie gesehen! Schnee. Weißes, eiskaltes Zeugs, in dem man Teilweise bis zum Bauch verschwinden konnte. Man sah genau wo er lang ging, wie es bei Sand der Fall war. Nur Schnee war halt noch viel weicher und vor allem schöner. Er war anders. Das, was im Fell kleben blieb merkte man kaum, es saß nur ganz leicht auf den Fellspitzen und mit einem Schüttler war alles wieder weg. Und ihm war auch nicht kalt, immerhin war er ein Wolf. Sein dichter Unterpelz schützte ihn.
Aber nach einer Weile, nachdem Aiyán quasi alles einmal ausprobiert hatte, wurde es wieder langweilig. Vielleicht ... konnte er ja doch mal nach Saiyán gucken? Etwas mürrisch stapfte der schwarze Jungwolf los, um das Rudel herum. Ein paar von ihnen lagen faul rum, an anderer Stelle hatten sich gleich mehrere zu einem Gesprächsgrüppchen zusammen getan. Es ging wohl um die Kristalle. Aber er hatte keine Lust mehr sich mit diesen doofen Spiegeln zu befassen, außerdem wäre er ja eh nur das Kind in der Runde. Seinen anderen Bruder Toboe hatte Aiyán dann auch schon mal entdeckt, was ihm allerdings nicht viel nützte. Zu ihm wollte er nicht, er hätte auch nicht gewusst, was er mit dem Grauen anfangen sollte. Hm. Irgendwie hatte er sich nie sehr mit seinen Geschwistern verbunden gefühlt, außer zu Sai. Und Toboe gehörte auch irgendwie eher zu Teyrm.
Die recht intensiven, blauen Augen richteten sich wieder nach vorne zur Höhle, Aiyán konnte sich zwar nicht vorstellen, dass Saiyán wieder dort rein gegangen war, aber es war zumindest ein guter Ausgangspunkt, um nach ihm zu suchen. Aber halt, da war ja wirklich ein Wolf! Ein Fremder. Aiyán trat näher und dann ... weiteten sich seine Augen. Der Blick des jungen Rüden huschte schnell über den schwarzen Pelz des Unbekannten, blieb dann an den stahlblauen Augen hängen. Das alles kam ihm schrecklich bekannt vor und er konnte nichts gegen die aufkeimende Erinnerung an seinen Vater tun. Aber der war tot, das konnte nicht sein! Aiyán schüttelte für sich selbst den Kopf. Und die Witterung, die Witterung. Dummkopf, die war ja wohl total anders. Er sollte jetzt besser etwas sagen, um nicht auch nach außen hin so doof zu wirken.

Äh, hallo. Was machst du hier oben? Ich hab’ dich hier noch nie gesehen.“

Okay, sehr intelligent. Kurz hatte er überlegt, was seine Mutter wohl sagen würde, aber Erstens würde ihn dann keiner ernst nehmen und Zweitens war das überhaupt nicht sein Job. Er war nur Alphaskind. Und das war ab und an schon praktisch genug.


17.09.2009 23:08




Andraki


Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn du uns dorthin begleitest.
Ob die Weiße das ernst meinte, also genauso, wie sie es sagte? Sie kannten einander eigentlich noch gar nicht. Andraki mochte vielleicht nunmehr einen halben Tag lang bei diesem Rudel verweilen, und gerade jetzt sprachen sie das erste Mal miteinander. Und trotzdem gebrauchte Jeanne solch bedeutungsvolle Worte, lächelte, und schien sie tatsächlich ernst zu meinen, genauso, wie sie sie sagte. Zumindest hoffte die Zimtfarbene inständig, dass es sich nicht nur um höfliche Floskeln handelte, versteckt hinter einem ehrlich scheinenden, aber gleichwohl falschen Lächeln. Sie war es ganz einfach nicht gewöhnt, dass soviel Herzlichkeit einem Neuling zuteil wurde...
Ihr Blick wanderte zu dem weißen Rüden Shitéryu, blieb jedoch nur kurz auf ihm hängen, denn ein weiterer Rüde trat zu ihnen und bat um Anteil an dieser Runde. Andraki grüßte den alten Rüden mit einem Lächeln und Nicken, ließ sich die direkte Antwort jedoch von Jeanne abnehmen. Erstens wusste sie seinen Namen nicht, bis die Weiße ihn nannte, und zweitens wäre es respektlos dem Älteren gegenüber gewesen, das Wort zu ergreifen, ohne zuvor direkt von ihm angesprochen worden zu sein. Seine Frage hatte zwar der Gruppe gegolten und damit indirekt auch ihr, aber so neu wie sie hier war, sah sie sich noch nicht zu einer Antwort berechtigt. Also rückte sie stattdessen wortlos ein wenig zur Seite, um dem älteren Rüden Platz zu machen.
Ihr Blick richtete sich wieder auf Shitéryu, als dieser zu erzählen begann. Zuerst in kurzen, teilweise abgehackten Sätzen, als müsse der Rüde erst seine Gedanken ordnen. Oder als würde er überlegen, wieviel von dem, was er gesehen hatte, er wirklich preisgeben wollte. Dann wurde seine Erzählung jedoch zusammenhängender, als er von seinen Geschwistern sprach. Er hatte sie in der zweiten Kammer gesehen - ganz so, wie auch Andraki ihre Familie gesehen hatte. Nur waren die Ihren nicht unbedingt tot, Andraki wusste nichts über das Schicksal ihrer Familie. Und würde es wohl auch nie erfahren.
Als Shitéryu von der ersten Kammer berichtete, spürte die Braune ein leichtes Zittern durch ihren Körper laufen. Ein paar Wellen aus Kälte und Hitze liefen abwechselnd über ihren Rücken und durch ihre Magengegend, dann hatte sie sich schon wieder gefasst. Es lag nicht an der Beschreibung dessen, was der Rüde gesehen hatte - was sie schauern ließ, war seine Schlussfolgerung.
Diese Kammer zeigte mir das, was ich nicht sein möchte, aber was ich sein werde, wenn ich so weiter lebe.
Der Weiße dachte von seinem Spiegelbild auch als seine Zukunft. Eine möglicherweise Abwendbare, ja, aber eben nur möglicherweise. Wenn er recht hatte, bedeutete das für sie das gleiche - sie würde Omega werden, wenn sie sich nicht änderte. Doch wie sollte sie sich ändern? Wo lag der Fehler in ihrem Verhalten - oder besser gesagt, wo würde er dereinst liegen? Dieses Rudel pflegte andere Sitten als die, die sie kannte. Musste sie darauf verzichten? War es das?

"Wie kommst du darauf, dass deine jetzige Lebensweise dich zu diesem Schicksal verdammen würde?",

hörte sie sich fragen, noch bevor sie sich eigentlich entschieden hatte, ob sie diese Frage überhaupt stellen wollte. Nun, jetzt war es heraus, genauso wie der Hauch der Angst, der als Unterton in ihre Stimme geschlichen war...


18.09.2009 08:25




EL‘ Sombo de Feru


Der Wind wehte kalt um seine schwarze Schnauze. Kalt und erfrischend. Es tat gut zu spüren, dass man noch lebte. Dass noch nicht alles kein Gefühl mehr in einem auslösen konnte. Dass noch alles nach den Regeln der Natur funktionierte und einen Sinn ergab. Er war noch am Leben, rein körperlich zumindest, aber diese Gewissheit, dieses Fünkchen Hoffnung, dass nicht alles gleichgültig und in einem grauen Meer verschwamm, dies zauberte ein kurzes, helles Glitzern in die stahlblauen Augen, die sooft, so leer und abgestumpft waren, als wäre aller Zauber des Lebens aus ihnen gewichen.
Und es war hell. Sehr hell. Beinahe grell und schmerzvoll, wenn man die Augen zu sehr öffnete. Nach der langen Wanderung in dieser dunklen Höhle brauchte es einige Zeit, sich wieder an diese Helligkeit zu gewöhnen. Zeit, in der man nur Schemen erkannte und hier und da eine fremde Witterung den einzelnen Wölfen zuordnen konnte. Doch diese Zeit, diese kurze Zwischensequenz, bevor seine Augen ihm wieder alles klar und deutlich aufzeigten, genoss Sombo und sein schwarzer Pelz schimmerte in diesem Lichte. Nicht golden, oder strahlend weiß, aber das tiefschwarze Fell wirkte auf einmal so warm und einladend. Etwas, was ansonsten eher untypisch war.

Die Gedanken an die Spiegel, an das, was der Rüde gesehen und gefühlt hatte, drängten sich ihm jedoch so schnell wieder auf, wie er sie kurzzeitig hatte vergessen können. Erdrückend schwer lastete die Erinnerung mit einem Schlag wieder auf ihm. Auf dem was war, was ist und was sein wird. Welche Rolle er spielte, welche Ängste er hatte, welch wunderbares Wesen er nicht vergessen konnte. Dies alles warf sich zu einer wilden Mischung aus Erinnerungsfetzen, Gefühlen, Bruchteilen zusammen und wurde zu einem unüberwindbaren Gewirr. An manchen Stellen brach es auf, setze sich neu zusammen, bildete andere Gedanken. Aber immer wieder tat sich diese eine Frage gleich einer Sturmwelle vor seinem innerem Augen auf: Warum konnte er sich beim letzten Spiegel nicht sehen?
Nach Außen hin wirkte der Schwarze völlig ruhig und ausgeglichen. Stand abseits des Rudels und beobachtete jedes Individuum, als wäre er ein Mitglied der Ihren, als wäre er ihr Alpha.

oO(Das bist du aber nicht und wirst es nie wieder sein! Du hast dein Rudel in den bittersten und tiefsten Abgrund geführt, den ein Wolf kennen lernen kann! Du hast sie alle verraten für deinen selbstherrlichen Traum, den du zu den Ihrem machtest!)Oo

Obwohl sich Sombo innerlich tadelte, sich anschrie, sich zerfetzte und in Stücke riss, merkte man es dem Rüden nicht an. Nein, äußerlich war er ein beinahe schon erdrückendes Gebilde; eine würdevolle Erscheinung, die einem dennoch, sobald man näher herantrat, das Gefühl vermittelte, nieder geschmettert zu werden.
Sombo hatte den Jungrüden, welcher sich ihm näherte und scheinbar innerlich irgendwie mit sich haderte, oder über irgendetwas nachdachte, schon sehr viel früher bemerkt. Er schien so jung, so voller jugendlichem Eifer, dass er einem einfach ins Auge fallen musste. Und plötzlich stellte sich Sombo die Frage, was aus seinen Söhnen geworden war. Ob es ihnen gut ging, wo auch immer sie sich momentan aufhielten, oder ob sie schon längst auf den Pfaden ihrer Urahnen wandelten. Noch immer diesem Gedanken nachhängend, lag sein Blick ruhig auf dem kleinen Schwarzen mit diesen wunderschönen Augen. Der Rüde lies den Jungwolf keinen Moment lang unbeobachtet, selbst wenn seine Ohren noch einen kurzen Moment unruhig zu allen Seiten schnippten, bevor sich seine gänzliche Aufmerksamkeit nun auf den Kleineren legte.
Ohne eine Regung zu zeigen, sah er dem jungen Wolf direkt in die Augen. Welch ungeheure Trauer sich in Sombo bei diesem Anblick ausbreitete, konnte man nicht ermessen, da er sich selbst nicht einmal erlaubte, dieses Gefühl sich selbst einzugestehen, geschweige denn, andere daran teilhaben zu lassen. Welch jämmerliche Erscheinung hätte er dann auch abgeben.

"Dass du mich noch nie gesehen hast, liegt sehr wahrscheinlich daran, dass wir uns bislang nicht über den Weg gelaufen sind. Ich bin ein Wanderer und eurer Spur gefolgt. Beantwortet das deine Frage, mein junger Freund?".

Sombo's Stimme hallte schwer durch die Luft und zynisch wurde dem Schwarzen bewusst, dass der Wind sie mit Leichtigkeit davon trug. Wie konnte er solch eine entsetzliche Last nur so beschwingt durch die Lüfte gleiten lassen?
Fragen, nichts als Fragen und dem Rüden gelang keine Antwort darauf. So vieles lag bei ihm im Argen und manchmal, nur für ein paar Sekunden, hätte er sich Ruhe gewünscht. Totenstille.


18.09.2009 13:45




Nashita R‘ayah


Nashi wusste zwar nicht genau, wie sie die kurz gehaltene Antwort Saiyáns deuten sollte, doch da er nach wie vor vor ihr stand, nahm sie einfach an, dass er ihr nicht böse war.
Jedenfalls nicht böse genug um nicht mehr mit ihr zu reden.
Sie überlegte kurz, ob sie etwas darauf erwidern sollte, wurde aber von der brennenden Kälte an ihren Pfoten abgelenkt. Warum musste dieser Schnee auch so verdammt kalt sein. Vielleicht konnte man ihn ja aufwärmen wenn man ihn unter's Fell schiebt. Für die Bunte klang ihre Theorie durchaus logisch und versuchte so auch prompt zu prüfen, ob das tatsächlich möglich ist indem sie etwas Schnee unter sich schaufelte.
Als ihr Gegenüber auf ihre zweite Frage antwortete, drehte Nashitas Kopf sich willkürlich in Richtung der Höhle.
Dieser Spiegel hat also irgendwelche Bilder gezeigt. Nach den extremen Reaktionen zu urteilen, waren einige Bilder wohl mehr als nur "nicht schön". Es war anscheinend doch eine gute Entscheidung gewesen, lieber schnell weiterzugehen und nicht hineinzusehen. Wer weiß was das Ding ihr gezeigt hätte? Eigentlich, interessierte sie es unheimlich, aber die sonst so mutige Fähe wollte sich den Anblick von irgendetwas schrecklichem doch lieber ersparen.

"Na ja, ich musste darauf achten nicht das Rudel zu verlieren und allein in dieser furchtbar engen Höhle zurückzubleiben. Und ich glaube das war auch besser so."

Sie verzog ihr Gesicht bei dem Gedanken an diese beengende Gänge. Die kleine Fähe konnte sich nicht vorstellen wie sich jemand freiwillig länger dort aufhalten könnte, schließlich hatte man dort ja gar keinem Platz zum laufen. Oder Licht. Oder frische Luft. Oder sonst irgendetwas wovon man hier draußen genug hatte.

"...Obwohl ich ja trotzdem irgendwie gerne wissen würde, was mir der Spiegel gezeigt hätte. Meinst du diese Bilder hatten irgendeine Bedeutung?"


Wenn dem so wäre, konnte sie möglicherweise herausfinden, was sie gesehen hätte ohne es wirklich zu sehen.
Und das wäre für Nashi weitaus angenehmer, als Angesicht zu Angesicht mit einem dieser unschönen Bilder zu stehen.


20.09.2009 18:41




Ayano


Auch wenn er nun neben Arashi stand, so sah er doch etwas ganz anderes dort. Er sah sich selbst im Kristall. Neben ihm Arashi der langsam blasser wurde, verschwand, wie ein Traum den er geträumt hatte. Eine Illusion. Er sah, dass er sich nur eingebildet habe dass Arashi überhaupt existierte. Sein schlimmster Albtraum. Ayano wich vor dem Kristall zurück, schwenkte in stummer Panik den Kopf als wäre er in einem Bienenschwarm gefangen. Er öffnete das Maul und grollte aber das Bild im Kristall ließ ihn nicht in ruhe.
Der Braune Rüde stöhnte gequält und versuchte dem Bann des Kristallbildes zu entfliehen

"NEIN..Nein lass mich in ruhe. das ist nicht wahr- das ist alles nicht wahr~"

Sein Körper bebte immernoch als er zurückwich und an dem Kristall vorbeischlich wie ein geprügelter Hund. Er wollte weg von diesem Ort. Arashi würde ihm folgen, bald, ganz sicher. Oder träumte er wirklich nur? Bildete er sich Arashi nur ein?
Ayano blendete den Kristall aus seinen Gedanken aus und trottete stur vorwärts, dachte an blauen Himmel und weite Wiesen nur um auf andere Gedanken zu kommen. Das was der Kristall gezeigt hatte, musste eine Lüge sein! Es musste einfach eine Lüge sein!


22.09.2009 10:02




Aiyán Tendes


Aiyán fixierte den Fremden sehr genau. Zuerst sah ihn dieser einfach nur an, wandte ihm nach kurzer Zeit die Ohren zu. Für Aiyáns Geschmack starrte er ein wenig zu lange und der schwarze Jungwolf überlegte schon, ob er vielleicht noch was sagen sollte. Aber dann antwortete der Fremde doch endlich. Wieder wollten sich vermeintliche Ähnlichkeiten zu der Stimme seines Vaters in Aiyáns Kopf schleichen, aber er scheuchte sie selbst wieder davon. Eigentlich wusste er ja nicht mal mehr, wie sich die Stimme seines Vaters anhörte, hatte er sie doch vor einer Ewigkeit zum letzten Mal gehört. Sie konnten um Welten unterschiedlich sein. Das Einzige, was glich, war der ruhige Ton. Nichts Besonderes also.
Und jetzt hatte also der Fremde seine Frage beantwortet. Aber auch wirklich nur seine Frage. Er war nicht etwa auf die Idee gekommen noch ein wenig ausführlicher zu erzählen, was er hier machte, oder irgend etwas zu begründen. Zum Beispiel, warum er der Spur des Rudels gefolgt war. Das machten wirklich viele Wölfe. Meistens wollten die dann auch bleiben.

Hm, ja.“, er brummte kurz, nachdem er sich die Antwort des Fremden noch einmal durch den Kopf gehen lassen hatte. „So weit war ich auch. Und warum bist du uns gefolgt? Willst du auch dem Rudel beitreten?“

Vielleicht kannte er ja auch jemanden hier aus dem Rudel. Aiyán konnte sich selbst schwer vorstellen, wie man einfach irgend einem Haufen Wölfe hinterher laufen konnte, um Aufnahme bat und sich dann ganz einfach eingliederte. Er könnte das nicht. Wollte er aber auch nicht. Der Schwarze kannte aus seinem eigenen Rudel schon nur so wenige, da brauchte er sich nicht mit einem ganz unbekannten Haufen zu befassen. Warum wohl andere einfach so ein neues Rudel suchten? Womöglich kannte dieser Schwarze ja doch jemanden.
Und wenn er vielleicht mit seinem Vater verwandt war? Dieser plötzliche Gedankenblitz ließ Aiyán kurz wieder die Augen weiten. Dann wollte er sich wieder tadeln, er spann sich eindeutig zu viel dummes Zeug zurecht. Nur weil dieser Wolf Silence Tear halt ein bisschen ähnlich sah.

Wie heißt du?“

Das wollte er dann aber doch noch wissen.


22.09.2009 15:57




El‘ Sombo de Feru


Kaum spürbar lockerte sich die Anspannung seiner Musken unter dem schwarzen Pelz und ein leichter, nur schwach wahrnehmbarer Schleier aus Sanftheit und Geduld umhüllte seine stahlblauen und sonst eher so kalten Augen. Es erschien ihm, als würde er ein Zwiegespräch, eine kurze, so wohltuende Unterhaltung mit seiner Vergangenheit führen, während er den jungen Rüden vor sich mit klaren Blick musterte. Die Erinnerung an seine Söhne, die vor Jahr und Tag ihre eigenen Wege gehen wollten, kehrte zurück und so seltsam es klingen mochte: Dieses eine Mal, diese winzige Sekunde, in der an sie dachte, schmerzte den alternden Rüden nicht. Im Gegenteil; wie ein warmes Tuch umschlossen die Bruchstücke seiner Erinnerungen seine Seele, welche zersplittert seinen Charakter ausmachte. Aber war es überhaupt noch sein Wesen? Sicherlich, stolz und erhaben war er seit jeher, doch war er auch jemals so voller innerer Unzufriedenheit, Trauer und Tod gewesen? Vielleicht, oder vielleicht auch nicht. Diese Beurteilung entrückte sich mit jedem Tag, der verstrich und über die Lande zog, mehr seiner Kraft, zu denken und seine Schlüsse zu ziehen.

Über das leichte Brummeln seines jungen Freundes musste Sombo leise, tief, aber dennoch ehrlich Auflachen. Es erinnerte ihn mit solcher Intensität an seine Brut, dass es einen sanften Schauer über seinen Körper jagte und sich einzelne Häarchen seines dichten Fells aufstellten.

"Ich bin schon so lange alleine, dass ich nicht weiter darüber nachgedacht hatte, den fremden Spuren zu folgen. Vielleicht sehnt sich meine müde Seele nach ein wenig Geborgenheit und Schutz.", antwortete Sombo ruhig, beinahe eine Spur zu emotionslos.

Die Antwort entsprach mit keiner Silbe der ganzen Wahrheit. Er hatte ganz zu Anfang, als er die Höhle betrat, mich sich selbst gehadert, sich gepeinigt, um eine genaue Antwort auf die Frage zu erhalten, warum es ihn so magisch anzog, den Fremden zu folgen. Dennoch hatte er nichts über seine eigenen Absichten in Erfahrung bringen können und als er nicht mehr wusste, wo er war, was er war und vor allem, wer er jemals gewesen ist, da beschloss er einfach, den fremden Spuren zu folgen. Irgendetwas hatte ihn dazu getrieben und er folgte seiner inneren, intinktgeleiteten Stimme. Sie war immerhin die Einzige, die noch ab und an mit ihm sprach.

Leicht den Kopf schrög legend und die Ohren noch ein wenig weiter spitzend und auf den jungen Schwarzen gerichtet, registrierte Sombo die kurze Unstimmigkeit in dem Gesicht des Jüngeren. Es erschien ihm, als hätte der fremde Rüde an irgendetwas gedacht, als wäre ihm irgendwas entsetzlich schreckliches, oder unsagbares schönes eingefallen. Dennoch wollte er den Kleineren nicht in Bedrägnis bringen und ihn mit einer indiskreten Frage belästigen. Jeder hatte seine Würde und seinen Stolz und das respektierte Sombo ohne wenn und aber.

"Mein Name ist El' Sombo de Feru. Wie du mich nennen magst, obliegt deiner Entscheidung. Nenn' mich, wie auch immer du es beliebst. Doch verzeiht, mein junger Freund, wenn ich auch nach eurem Namen frage."


23.09.2009 14:01




Maav


Maav sah sich um in der Gruppe und musterte die anwesenden Wölfe aufmerksam. Er war ein wenig überrascht davon, wie liebevoll Jeanne ihn begrüßte, doch er erwiderte die Geste und fuhr ihr leicht mit der Zunge über das Fell am Kopf. Er freute sich wirklich die Weiße wieder zu sehen, er mochte sie wirklich gerne. Doch er schüttelte leicht den Kopf als Jeanne ihn fragte ob er seine Erlebnisse mit den Anderen teilen wollte. Er wäre nie auf diese Idee gekommen solch privaten Sachen mit irgendwelchen Fremden zu teilen. Er war sowieso eher jemand der Dinge für sich behielt, weder die Dinge die ihn glücklich machten, noch die Dinge die ihm Sorgen bereiteten. Er knurrte leicht und schüttelte leicht den Kopf.

“Nein ich denke nicht Jeanne.“

Beinahe entschuldigend sah er die jüngere Fähe an und hoffte sie würde es ihm nicht wirklich böse sein, denn er mochte die Weiße. Er respektierte die Stärke die sie an den Tag legte, auch wenn er in ihren Augen denselben Schmerz sehen konnte den auch er spürte. Sie war daran nur gewachsen und war noch ebenso liebevoll wie vorher, ebenso stark und freundlich. Er hingegen... Tja, er war schon immer zurückgezogen gewesen, ein wenig unterkühlt, wusste genau was er wollte und setzte sich durch. Er nahm selten Rücksicht und war eher der Wolf, der sich durch alles durch kämpfte als Kompromisse ein zu gehen die seine Prinzipien verletzten. Er war nicht unbedingt jemand den man mochte, auch wenn er durchaus warm sein konnte und liebevoll, aber trotz allem fehlte ihm irgendetwas, was ihn von Jeanne unterschied.
Schweigend lauschte er den Worten der Anderen. Vielleicht fehlte ihm diese Offenheit. Er würde einfach niemals so offen über vergangenes reden, über Dinge die tief in ihm waren. Er war mit den Jahren vorsichtig geworden, zu viele Verletzungen hatten ihn misstrauisch werden lassen und er hielt nicht viel davon sich Anderen zu offenbaren. Nein, dass waren Dinge die er nur äußerst ungern tat. Er half anderen Wölfen, vor allem den Jungen, aber trotzdem war da immer ein wenig von diesem Misstrauen was ihn von den Anderen trennte. Und auch seine klaren Prinzipien, seine Ehrlichkeit, seine Respektlosigkeit gegenüber unfähigen Anführern. Vielleicht lag es auch an seiner Rücksichtslosigkeit wenn es um einen Kampf ging. Vielleicht hatten die vielen Kämpfe ihn zu sehr gezeichnet. Doch diesen Teilen seines Lebens bereute er nicht. Das einzige was er bereute war, dass er seine Familie nicht hatte beschützen können, dass er nicht fähig gewesen war, für sie zu Sorgen wie er sollte. Das er sie enttäuscht, verloren hatte. Und schon das war beinahe zu viel zu tragen. Aber er trug es, schon so viele Jahre. Und er hatte nicht vor diese Last mit irgendwem zu teilen. Es war ganz allein seine Bürde und er würde sie tragen bis zum Ende seiner Tage.


23.09.2009 20:28




Arashi


Nur vage nahm der Rüde war, wie Ayano neben ihn stöhnte und etwas sagte... Ein jammerndes Fiepen drang aus dem Mund von Arashi. Die Läufe schienen in den Boden gewachsen zu sein, hielten ihn an dem Ort der Qualen fest. Er wünscht sich so sehr, frei zu sein... Er verspürte das Gefühl, sich losreißen zu müssen und sich eng an Ayano zu kuscheln.
Das war hier einfach zu viel, es brachte seine Gedanken durcheinander. Er wusste schon nicht mehr, ob das Realität, Traum oder eine Vision war. Es kam ihm wie die Wahrheit vor und doch ... es war auch ein Alptraum. Schon fast eine Ewigkeit stand der Rüde vor diesem Kristall, dann langsam... gelang es ihm sich von diesem loszureißen und langsam rückwärts zu Schleichen, aus den Hohlraum hinaus.
Der Alptraum verfolgte ihn immer noch, blickte ihn nach, verhöhnte ihn lachte ihn aus.

"Du wirst mir nicht entkommen, Arashi!"

So schallte die grausame Stimme über ihn hinweg, lies Arashi zusammen zucken, vor Angst und Furcht. Nur Mühsam wandte er sich schlussendlich ganz ab, rannte förmlich zu Ayano und grub erstmal die Schnauze in dessen Fell. Er musste es jetzt einfach wissen.
Ja, ja! Er lebte noch, Arashi keuchte schwer, wagte nicht etwas zu sagen. Es würde eh nichts herauskommen. Noch immer war er starr von diesem Spiegel...


28.09.2009 18:37




Merlin lhein Cenedhril


Merlin betrachtete die Landschaft vor sich. Sie erschien ihm wie ein Meer aus weiß, wie eine Welt, die niemals etwas Anderes gekannt hatte, als Schnee. Es war ein berauschender Anblick und doch zugleich feindselig. Denn nichts war zuvor hier gewesen, für eine sehr lange Zeit. Kein Leben. Nur eisige Kälte. So jedenfalls musste es erscheinen und so fühlte es sich tatsächlich für den Rüden an. Er kam sich vor, wie in eine fremde Welt geworfen, die nicht für ihn oder einen der anderen gemacht worden war. Es erschien ihm nicht falsch oder gefährlich, aber fremd. Und allzu leicht fürchtet man Fremdes.

~Oh komm schon. Nur weil du so ein feiges Vieh bist, heißt das nicht, dass dich der Schnee gleich fressen wird~, spöttelte die leise Stimme.

Merlin seufzte leise. Es war an sich doch ein wenig tröstlich, nicht alleine zu sein, auch wenn man so etwas wohl kaum Gesellschaft nennen konnte. Dennoch war es ihm lieber, als völlig auf sich gestellt zu sein. Die letzten Stunden war er sehr eintönig vor sich hingewandert, immer zu dem Rudel nach, doch ohne dabei großartig auf seine Umgebung zu achten. Die Kristallkammern hatte er sorgfältig gemieden. Sie waren ihm unheimlich erschienen und obwohl Merlin an sich nicht besonders ängstlich war, nur eine gesunde Portion Vorsicht besaß, hatte er nicht die Kraft gehabt, sich dort genauer umzusehen.
Für gewöhnlich war er neugierig, im Moment war das beinahe erloschen, so hatte er das Gefühl.

Nur die letzte Kammer hatte er betreten, da er sich gesagt hatte, er könne ja nun nicht einfach an allem vorüber gehen und womöglich würde es ihm helfen. Und tatsächlich war das, was er gesehen hatte, sehr interessant gewesen. Sein Spiegelbild hatte nicht aus einem Wolf bestanden, sondern aus zweien. Ihm exakt gegenüber war ein schneeweißer, beinahe leuchtender Wolf gestanden. Und hinter diesem ein schwarzer, der negativ zu leuchten schien, wenn es das gab. Ein Bild, das ihn hatte erschaudern lassen, obgleich es ihn nun nicht wirklich überrascht hatte. Dennoch war er schnell weitergegangen.

Die nächsten Stunden über kamen Merlin vor wie Minuten und er wusste nicht mehr, was er in dieser Zeit getan hatte, davon abgesehen, dass er die Weiße bestaunt hatte, die sich da noch immer vor ihm auftat.
Doch allmählich löste er sich aus der Starre und wurde sich bewusst, dass es hier noch andere Wölfe gab, dass er nicht alleine war. Und dass nicht nur er daran erinnert werden musste.

Unwillkürlich fiel sein Blick auf eine schwarze Fähe. Er hatte bereits einmal mit ihr geredet, Adali, aber er kannte sie nicht unbedingt. Er kannte kaum jemanden in diesem Rudel, aber er wusste auch, dass das seine eigene Schuld war. Er hatte sich davor gescheut, Bekanntschaften zu machen, nun war es vielleicht gerade an der Zeit dazu.
Ein wenig zögernd ging er zu der Schwarzen, gesellte sich zu ihr und hielt doch einen gebührenden Abstand ein. Er wollte ihr nicht zu nahe kommen, davon abgesehen, dass er nicht recht ausmachen konnte, was sie in diesem Moment wohl denken mochte.

“Findest Du es auch so … einsam?“, fragte er schließlich, als sein Blick wieder auf dieses weiße Meer hinausglitt.

Ja, das war das richtige Wort. Dieses Meer aus Nichts war einsam. Es kannte kein Leben, es erschien tot. Schön, atemberaubend, aber tot. Ohne jemals die Spuren der Zeit gekannt, ohne jemals die Ausmaße des Lebens gespürt zu haben. Einsam.


01.10.2009 22:27




Jeanne


Jeanne blieb dicht bei Maav stehen, blickte ihn sanft an und schloß einen Moment die dunklen Augen, als er mit der Zunge über ihren Kopf fuhr. Er hatte selbst mit Erinnerungen gekämpft, hatte selbst seine Probleme damit gehabt, diesen Bildern Stand zu halten. Und trotzdem fühlte sie, wie er ihr Halt gab. Er war ihr Freund, nicht irgendein Wolf, der nicht verstand, was in ihr vorging. Auf seine Worte hin öffnete die Weiße ihre Augen wieder, drehte den Kopf leicht zu dem Rüden. Es war verständlich, dass er nicht darüber reden wollte. Sie selbst hatte sich gewundert, dass sie Akara von Danley erzählt hatte. Abe rwnen sie darüber nachdachte, war es vielleicht ein verzweifelter Versuch gewesen, jemanden zu finden, der sie versteht, der wußte, was in ihr vorgeht. Sie seufzte, nickte dem hellen Rüden aber lächelnd zu. Sie wollte ihn zu nichts zwingen. Das hatte er nicht verdient. Also stubste sie ihm noch ein Mal sanft gegen die Schnauze, als Zeichen, dass es ok war. Nun wandte die Weiße den Blick umher, betrachtete zuerst Akara, die völlig ruhig einfach nur dasaß. Die dunklen Augen richteten sich auf Shitéryu, der ihnen wie selbst verständlich seine Sicht der Bilder erläuterte. Seine abschließenden Worten ließen sie den Kopf ein wenig senken. Wenn er nichts an sich änderte.. Jeanne seufzte. Sie war nicht die einzige, die Angst davor hatte, diese Kammern noch ein Mal zu betreten. Es war so offensichtlich, und dennoch fühlte sie sich unglaublich allein mit dieser Angst. Andraki stellte eine interessante Frage, auf deren Antwort sie gespannt war. Sie hatte Maav, an den sie sich halten konnte, auch wenn er selbst vielleicht nicht in bester Verfassung war. Aber Shitéryu.. Sie mussten einfach zusammen halten und sich gegenseitig stützen. Sie waren ein Rudel, eine Familie.
Ein leises Seufzen entglitt der Kehle Jeanne, ehe sie den Blick ein Mal umher schweifen ließ. Ihr fiel die kleine Welpin auf, die bei Ares stand. Zuerst wollte sie den Blick abwenden, immerhin würde der Rüde auf sie aufpassen. Aber.. als der Schwarze dann von ihr weg ging, wurde sie aufmerksamer. Hmm.. Ein sanftes Lächeln auf den Lefzen richtete die Weiße den Blick auf die anderen Wölfe.

“Ich bin gleich wieder da.“

Sanft stubste Jeanne Maav an, lächelte dann noch ein Mal in die Runde und wandte sich ab, um nach zu sehen, was dort vor sich ging.


06.10.2009 13:45




Ayano


Er hörte Arashis Schritte hinter sich und stolperte in die nächste Kammer hinein. Auch hier war ein Kristall, nicht anders als der vorherige. Noch immer saß der Schock tief in seinem Herz und ließ es rasen. Soetwas wollte er niemals wieder sehen oder denken. Es würde Unglück bringen. Nachher war das was er gesehen hatte, die Wirklichkeit und das was jetzt war, alles nur ein Traum.
Ayano wankte, stolperte auf den Kristall zu und blickte direkt in Arashi's Gesicht. Aber dieses Gesicht im Kristall war jünger, er sah sich selbst, damals. Als ihre Liebe angefangen hatte. Vor so vielen Jahren, an einem fernen Ort. Offenbar zeigte dieser Kristall, was einem am wichtigsten war. Auf andere mochte es stets so scheinen als sei Ayano egoistisch, aber wenn man alles näher betrachtete, war sein Leben voll auf Arashi geprägt. Er tat einfach alles für Arashi, sogar sterben würde er für ihn. Es war eine Liebe die nicht jeder verstand, oder verstehen wollte. Ayano's bis jetzt noch gesträubtes Fell, glättete sich und der braune entspannte sich. Es war alles in Ordnung. Kein Traum. Nur die Realität. Seine Realität. Arashi...


06.10.2009 18:19




Adali


Die bernsteinbraunen Augen wanderten wieder weiter, wollte Adali den Grauen nicht anstarren und die eigentümliche Umgebung war nicht nur einen kurzen Blick wert. Es schien, als würden die Wölfe sich über Wolken bewegen und hätten längst die Erde verlassen.
Kurz kam der Fähe der Gedanke, ob so vielleicht der Himmel aussähe, in dem nun ihre Kinder lebten.
Wie paradox das ganze doch war: Ihre Kinder waren verstorben und nicht sie, die ältere Generation, um ihnen Platz zu machen, wie es der natürliche Verlauf gewesen wäre.
Nicht sie blickte mit einem wissenden, gütigen Lächeln auf ihre Kleinen hinab und hielt schützend ihre Pfote über sie.
Nein, es war die Schwarze, die hoffnungsvoll nach oben blickte und hoffte, dass ihre Kleinen ihre alte Mutter nicht vergessen würden. Alt. Sie stand in der Blüte ihres Lebens, vier Jahre war sie jetzt, und fühlte sich manches mal doch so unglaublich alt.
Resigniert und verbittert seufzte Adali innerlich. Das was sie einst hatte verschwand.
Ihr altes Rudel – es wurde im Krieg ausgelöscht.
Ihr bester Freund – wurde eines der vielen Opfer.
Ihre beste Freundin – erlitt schwere Schläge.
Ihre Freunde – verschwanden oder starben.
Ihr Gefährte – galt auch als verschollen.
Ihre Kinder – verschwunden oder gestorben.
Ihre Liebe – entflohen.
Ihr Leben – verschwunden.
Ihr Feuer – erloschen.
Sie war keine Wölfin mehr die kämpfen konnte, auf die sich Kiba zu jeder Zeit an jedem Ort verlassen konnte. Sie war ein Abbild, ein Schatten, etwas vollkommen anderes, als sie einst war.

Es war bitter, sehr bitter und immer wieder rissen die unverheilten Wunden auf, konnten nicht verschlossen werden.

Der Graue, Merlin, hatte sich ihr langsam genähert, ohne dass es ihr bewusst gewesen wäre. Schnell verscheuchte Adali ihre trüben Gedanken, wollte sie den Rüden unter keinen Umständen mit ihren Gedanken belasten, welche schon viel zu lange anhielten, aus denen sie sich jedoch nicht befreien konnte.
Die dunkle Ohren zuckten kurz, als sie die Worte vernahm, der Blick aus den Bernsteinen wanderte über die freie, weiße Ebene.

Nun...“, setzte sie an, hielt aber inne um über ihre Worte nach zu denken.

Es erscheint mir alles so... unwirklich. Wie in einem Traum.


08.10.2009 07:32




Kiba Telay


Yago schwieg ziemlich lange – zumindest kam es ihr so vor – und schon nach kurzer Zeit wandte Kiba den Blick wieder von ihm, betrachtete die Landschaft, nur um ihn nicht anstarren zu müssen. Sie fragte sich, über was er nachdachte, andererseits aber auch, ob sie es so genau wissen wollte. Es war ein seltsames Gespräch. Und irgendwie kam es ihr so vor, als würden sie über genau die Dinge reden, über die sie gar nicht wirklich reden wollten. Ein belangloser Plausch über Veränderungen, von denen doch eigentlich jeder wusste, wie sie vonstatten liefen. Wie ungeplant sie vor allem waren. Es war ein „Um den heißen Brei herumreden“. Dabei ging ihr in der Tat auch ganz Anderes durch den Kopf. Die Spiegelbilder, die sie nicht verstanden hatte. Von denen sie ihre beiden Spiegelbilder nicht verstanden hatte und auch noch immer von Yagos Letztem verwirrt war.
Ihre hellen Augen schielten langsam wieder zu dem Schwarzen herüber, Kiba bemerkte sein seltsames Scharren im Schnee und dachte, wie unerwachsen sie sich doch grade irgendwie verhielten. Und wohl grade deswegen hatte sie mit seiner folgenden Frage nicht gerechnet. Der Blick der Silbergrauen war Yagos Wink gefolgt und hatte sich auf die Höhle gelegt, doch Kiba sah weniger den Fels, eher das, was sich dahinter verbarg. Die Spiegel. Ihr Spiegel, der Yago zeigte und sein Spiegel, der sie selbst zeigte. Unsicher klappte eines ihrer Ohren zur Seite und ihre Augen huschten etwas ziellos über den Schnee zu ihren Pfoten.

Ich ... weiß es nicht.“

Wahrscheinlich war das nicht grade die Antwort, die der Schwarze hören wollte. Was veränderte diese Tatsache in ihrem Kopf? Sie war verwirrt darüber, hatte noch nicht gewagt, sich richtig damit auseinander zu setzen. Und ... was war mit ihm?
Gleich nach diesem Gedanken fuhr Yago fort und überraschte sie mit seinen weiteren Worten noch mehr als zuvor. Wieder eine Frage, eine, die sie grade von ihm, dem großen, manchmal so allwissenden Yago niemals erwartet hätte. Hatte er sie das wirklich grade gefragt?
Die Verwirrung musste ihr sehr deutlich im Gesicht geschrieben stehen, zumal Kiba den Schwarzen nun auch direkt wieder ansah. Ihr wurde peinlich bewusst, dass Yago ihr grade gesagt hatte, dass sie ihm wichtig war. Und genau diese Aussage band sich in ihrem Kopf an die Frage mit den Spiegeln. Jene, die zeigten, was einem am Allerwichtigsten ist. Und das warf sie nun ein wenig aus der Bahn.

Es bedeutet viel ...“, begann sie etwas aus der Luft gegriffen und hörte aus ihrer eigenen Stimme noch die Überrumpelung. Wie war das noch mit dem unerwachsenen Verhalten? Darin schienen sie grade echte Helden zu sein.

Jemandem wichtig zu sein bedeutet, dass er dich schätzt, dass er dich so mag, wie du bist. Mit allen Ecken und Kanten. Dass er deine Gesellschaft als wertvoll empfindet und nicht auf sie verzichten möchte. Wenn man ... für einander da ist, weiß, dass man dem anderen Vertrauen kann. Sich Halt geben.
Wenn jemand ... einem sehr wichtig ist, möchte man sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen ...“


Während des Sprechens hatte Kiba den Blick wieder abgewandt, manchmal nach Worten gesucht. Denn je weiter sie sprach, desto mehr wurde ihr klar, dass das alles auf sie beide zutraf. Aber war sie wirklich so doof, das nicht schon vorher bemerkt zu haben. Doch, natürlich hatte sie es gewusst ... trotzdem nie auf diese Art darüber nachgedacht. Wie wichtig war wichtig? Trifft das nicht auf uns beide zu? Sie wagte nicht, diese Frage zu stellen. Woher wollte sie wissen, dass Yago es genau so sah? Und immerhin hatte er bereits einmal gehen wollen.


08.10.2009 19:47




Merlin lhein Cenedhril


Merlin blickte über die weiße Ebene, die so fremd und doch eigenartig vertraut wirkte. Konnte etwas so Kaltes, Leeres vertraut wirken? Ja, es konnte. Wenn man es kannte. Wenn man diese Leere kannte. Der Graue kannte sie. Er kannte sie als einen schleichenden, grinsenden Gefährten, der eigentlich gar nichts bei ihm zu suchen hatte, der aber da war. Wieso? Weil er darauf wartete, sich vorzustellen. Merlin kannte ihn, sie kannten sich schon so lange, aber der Rüde hatte nie zugelassen, dass diese Fratze sich vorstellte. Dabei brauchte er ihr nur einmal ins Gesicht zu sehen. Nur einmal …

~Träumst du schon wieder vor dich hin?~
‚Spielt das eine Rolle?‘
~Nein, eigentlich nicht, gar nicht. Du stehst nur neben einer Fähe, die etwas zu dir gesagt hat. Ich meine, ich bin deine Kopflosigkeit gewohnt, aber die könnte das glatt falsch verstehen.~


Merlin stockte kurz. Hatte sie etwas gesagt? Wie unhöflich von ihm. Da ging er zu ihr, störte sie in ihrer Ruhe und dann hörte er ihr nicht einmal zu! Der Graue brauchte sich wirklich nicht wundern, dass er keinen Anschluss im Rudel fand, wenn er beständig so umhertrieb, als gäbe es kein anderes Leben auf der Welt. Es war beschämend.
Angestrengt versuchte er, sich ins Gedächtnis zu rufen, was sie gesagt hatte. Er hatte es ja gehört, er hatte nur nicht mit gedacht. Oder dergleichen. Er hatte geträumt.
Wie in einem Traum …
In einem Traum …
In einem Traum!

Merlin sah noch einmal über die Ebene. Wie in einem Traum.

Warum empfand er es nicht so? Sie hatte recht, es sah aus, wie in einem Traum. Aber Merlin fühlte es nicht so. Wenn er darüber nachdachte, wurde ihm klar, dass man es für einen Traum halten konnte, ganz leicht. Er spürte, wie sich die Komponenten, Kriterien zusammensetzten. Wie in einem Traum, zweifellos. Aber ihm kam es nicht so vor. Wieso?
War er selbst vielleicht bereits viel zu lange in einem Traum gefangen, um das noch außergewöhnlich zu finden? Er wusste es nicht.

“Träume sollten nicht weiß sein“, begann er schließlich leise. “Träumte sollten in Farben schillern, die es in der Realität nicht gibt.“

Die es in der Realität nicht gibt…
Warum gab es diese Welt in Merlins Realität nicht? Warum war das hier für ihn kein Traum, sondern Wirklichkeit, die kaum beeindrucken konnte? Er war gewiss kein Wolf, der schon alles gesehen hatte und schon gar niemand, der sich nicht an wunderbaren Bildern erfreuter, im Gegenteil. Aber er verstand sich nicht. Er kam sich selbst viel mehr wie ein Traum vor.
Aber Merlin wusste, dass es nichts brachte, darüber nachzudenken. Er würde keine Antwort finden, aber er wollte auch nicht weiter über sich selbst nachdenken. Es war mühsam und egoistisch. Der Rüde wusste, dass er sich nur wieder drückte, indem er seine Aufmerksamkeit von sich nahm, davor weglief, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Wie vorhin in der Höhle schon. Aber das war ihm egal.

Aufmerksam musterte er Adali kurz. Man sah ihr an, dass sie unglaublich traurig war. Für diesen Zustand gab es keine Worte, das wusste er. Aber es gab ihn und er war sehr zermürbend, blass, kalt.
Merlin hatte immer gehofft, sich so etwas nur einzubilden. Dass er sich einredete, es gäbe eine Steigerung von Trauer, nur weil er so empfand, weil er das Wort Trauer unpassend fand. Aber nun sah er, dass es auch andere gab, denen es so ging und der Fähe sah man deutlich an, dass Trauer nicht das passende Wort war.

“Glaubst du, du hinterlässt Spuren, wenn du da drüber gehst?“, fragte Merlin schließlich abwesend.

Der Gedanke war ihm sehr allgemein gekommen, ganz langsam. Hinterließ man Spuren im Schnee? In diesem Schnee? Er war so unberührt, würde er sich an sie erinnern? Jeder hinterließ Spuren. Man hinterlässt Spuren im Leben eines anderen. Sie waren unschätzbar wertvoll, sie machten ein Leben aus. Auch wenn jemand tot war, seine Spuren befanden sich noch auf der Schneedecke der Seele und je kälter diese war, desto länger blieben sie haften.
War sich Adali bewusst, dass ihre Familie gerade ihre Spuren in ihrer Seele hinterließ? Dass es wärmer werden musste, damit die Spuren nicht so tief waren? War sie sich bewusst, dass auch sie Spuren hinterließ in der Seele eines Wolfes, auch wenn dieser Wolf vielleicht nicht mehr lebte, nicht mehr hier war, vielleicht an einem anderen Ort, vielleicht in einer anderen Wel?

Glaubst du, du hinterlässt Spuren, wenn du da drüber gehst?


09.10.2009 19:15




Aiyán Tendes


Aiyán verzog leicht das Gesicht, als der Schwarze plötzlich auflachte und beäugte ihn missmutig. Machte der sich etwa über ihn lustig? Was war denn so komisch an dem, was er gesagt hatte, dass man darüber lachen musste? Bevor sich der junge Rüde aber darüber beschweren konnte, antwortete der Fremde wieder und Ai fand ihn immer suspekter. Er hatte nicht darüber nachgedacht? Also war er ihnen wirklich einfach nur so gefolgt, weil er grade die Lust dazu verspürt hatte? Komischer Kauz. Vielleicht sollte er seine Mutter mal fragen, ob diese ganzen Neulinge im Rudel oft so kopflos waren.

Aha ... und was, wenn wir dich nun hätten fressen wollen? Klingt irgendwie ziemlich unüberlegt!“

So war sein Vater sicher nicht gewesen. Wobei ... vielleicht war er ja genau aus dem Grund ... tot? Weil er nicht nachgedacht hatte? Irgendwie eine unschöne Vorstellung. Und Aiyán würde nie wissen, ob sie gerechtfertigt war. So wie überhaupt niemals jemand erfahren würde, was mit Silence Tear passiert war. Aber auch der Verbleib von über der Hälfte seiner Geschwister war ja unbekannt. Drei waren noch am selben Tag verschwunden, als das Feuer ausgebrochen war. Naíra war mit Toboe und Teyrm weggegangen, doch nur sein Bruder und dessen Freund waren zurückgekehrt. Ohne die Schwester. Nur von Shijarú wusste er genau, was mit ihr geschehen war, da diese erst nach dem Feuer starb ...
Weg mit diesen Gedanken. Auch wenn sie beschämender Weise kaum Trauer in ihm auslösten. Es war einfach so. Seine Geschwister hatten nur so kurz gelebt und für ihn war eh immer nur Saiyán wichtig gewesen. Seine blauen Augen konzentrierten sich wieder auf dem Schwarzen vor sich, der erneut seltsam gesprochene Worte von sich gab und dann einen noch viel komischeren Namen preisgab.

E ... Eel Sombo de Feru? Heißt du echt so? So einen komischen Namen habe ich noch nie gehört. Und wieso eurem Namen?“ Der Jungwolf sah sich um und konnte niemand anderen außer sich selbst in unmittelbarer Nähe ausmachen. Vielleicht eine Höflichkeitsfloskel, ja, er meinte gehört zu haben, dass andere Wölfe so manchmal seine Mutter angesprochen hatten. Sie hatte diese Art von übertriebener Höflichkeit aber noch nie angewandt. „Du brauchst nicht so geschwollen mit mir sprechen ... Feru. Ich bin Aiyán Tendes, meine Mutter ist die Leitwölfin dieses Rudels.“


10.10.2009 15:16




Adali


Eine kurze Pause entstand, in denen beide Wölfe schwiegen. Ein kurzer Augenblick der Stille, den Adali nutzte, um den Blick noch ein Mal über die freie Ebene schweifen zu lassen. Hier hoch oben in den Bergen überkam sie ein seltsam mächtiges Gefühl, welches sie nicht einordnen konnte.
Sie fühlte.
Sie fühlte ihr einsames, schmerzerfülltes Herz, wie es langsam und stetig in ihrer Brust schlug, blutend und von Trauer erfüllt.
Sie fühlte ihr Verlangen nach jenem Rüden, der eine Lücke hinterlassen hatte, die niemals mehr zu flicken war und die von Tag zu Tag größer wurde. Dabei gehörte er doch an ihre Seite.
Sie fühlte den Kloß in ihrer Kehle, welcher ihr die Luft abdrückte, denn der Wolf, der ihr Herz berührt hatte und ihr die Luft zum Atmen war, war nicht mehr.
Innerlich tadelte sie sich, wandte sich dann halb an Merlin zurück. Träume sollten in allen Farben schillern, die es nicht in der Wirklichkeit gab.
Ein Traum. Wie hatten ihre Träume ausgesehen, als sie noch voller Leben, voller Liebe und Leidenschaft gewesen war?

.oO(Es kommt meinen jetzigen Träumen sehr nahe...), schoss es ihr durch den Kopf, doch schnell unterband sie diesen Gedanken wieder.

Der Blick aus den Bernsteinen war wieder in die unendliche Ferne gerichtet, die Lungen füllten sich gleichmäßig und ruhig mit der klaren, kalten Luft.

Mag sein...“, gab sie schließlich leise zu, doch war ihre Stimme so leise, dass es auch an sie selber hätte gerichtet sein können, „... und dennoch hat dieser Ort etwas einmalig Schönes.

Ein wenig wurde ihr Blick verträumt, während sie die weiße Wolkendecke betrachtete und den vielen Schnee um sie herum. Obwohl sie sich so hoch oben befanden, machte ihr das Atmen kaum Mühe und auch die Kälte machte der Fähe nichts aus. Obwohl die Flamme in ihr erloschen war, so hatte die Wärme sie nicht verlassen.
Glaubst du, du hinterlässt Spuren, wenn du da drüber gehst?
In ihren Gedanken lagen zwei schwarze Wölfe im tiefen Schnee, eine raue Zunge berührte sie sachte an der Schnauze und ihr warmer Körper fand den Seinen. Bernstein traf auf Schneeweiß. Nur sie hatte Spuren hinterlassen und nur sie hatte den Schnee zum Schmelzen gebracht.
Ein Schmerz, der nicht von dieser Welt schien, ließ das Herz der Schwarzen klirrend zerspringen und in tausend und abertausend Einzelnteilen zurück.

Nur wahre Freunde hinterlassen Spuren im Herzen...[/I“, sie machte eine kurze Pause, bis sie schweren Herzens noch etwas leise hinzu fügte, „... und die Liebsten.


10.10.2009 16:25

You are not alone in your life although you might think that you are

So sorry your world is tumbling down
I watch you through these nights
Rest your head and go to sleep
Because my child,
this is not our farewell
29.08.2010 00:04
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Cave of Mind
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23.07.2005

Seite 6




Merlin lhein Cenedhril


Merlin war von jeher ein ruhiger Beobachter. Was er nicht von Geburt aus war, das hatte ihn die Natur schnell gelehrt und obgleich der Rüde oftmals gegenteiligt handelte, wusste er sehr viel, verstand die Wölfe sehr gut. Es gehörte Geduld dazu, Verständnis und Ruhe. Aber um ein Leben zu verstehen, musste man auch wissen, wie sich leben anfühlte.
Der Graue wusste, es gab zwei Möglichkeiten, die Sache falsch anzugehen, wenn man wieder ins Leben finden musste. Erstens konnte man sich immer fort einreden, dass alles Bestens war. Dass es schon von selbst wiederkommen würde, dass man sich keine Sorgen machen musste. Man konnte sich einreden, dass die Welt in Ordnung war und man selbst als Teil dieser deswegen zwangsläufig auch. Man konnte sich glauben machen, dass alles wieder gut würde, dass die Zeit ein Arzt war, der alle Wunden heilte.
Aber dem war nicht so. Merlin wusste es, denn das war das, was er tat. Er wusste, dass die Zeit kein Arzt war, nur ein Totengräbe. Sie verband keine Wunden, die begrub nur Träume. Und doch weigerte er sich, dies zu akzeptieren, oder viel mehr tat er einfach das Gegenteil davon, obwohl er wusste, dass es dumm war.
Die andere Möglichkeit war, das Leben zu schwer zu nehmen, sich zu wichtig zu nehmen und zu glauben, dass man den Weg zurück nicht wieder finden würde. Es war ein Fehler, zu sehr in die Vergangenheit zu sehen, daran zu hängen und zu betrauern, was man verloren hatte. Es war fort, die Zeit hatte es längst begraben und wenn es sein musste, schob sie einen gewaltsam weiter, auch wenn man das gar nicht wollte. Und auch solche Wölfe kannte er.
Bedächtig ruhte sein Blick auf Adali, die das gar nicht zu bemerken schien. Ihm selbst war es auch nicht unbedingt bewusst, dass er sie anstarrte. Es war wohl auch sehr unhöflich, das musste er schon zugeben, aber wie gesagt, er war sich dessen wirklich nicht bewusst.

Als er ihre Worte vernahm, sah auch Merlin wieder über die weiße Ebene. Es hatte zweifellos etwas Schönes, etwas unsagbar Schönes. Und etwas Unwirkliches. Träume bestanden aus den Splittern der Seele. Sie setzten sich zusammen, um vielleicht ein Bild abzugeben, zumeist aber wurden es nur wirre Schemen, Träume.
Das hier schien ihm das Gegenteil. Es war als ob man jemanden aufgefordert hätte, einen Traum zu beschreiben. Ein Bild, das alle Eigenschaften eines Traumes erfüllen sollte. Und dieser jemand hatte sich dann angestrengt, hatte nachgedacht, immer mehr und das Resultat war das, was vor ihnen lag. Eine wundersame Welt und doch nur die Grenzen der Wirklichkeit tangierend. Atemberaubend, aber für einen Träumer nichts Außergewöhnliches. Nur etwas Fremdes.
Zwar hatte Merlin das träumen verlernt, doch er konnte sich noch sehr gut daran erinnern.

Auf Adalis Antwort aber veränderte sich Merlins Ausdruck ein wenig. Er wurde … unerwartet. Der Graue lächelte ganz sanft, wie jemand, der weiß, dass es nicht so ist, der aber auch weiß, dass sein Gegenüber diese Erfahrung selbst machen muss.
Doch ihm war nicht entgangen, dass die Schwarze sofort erkannt hatte, wovon er sprach. Oder vielleicht hatte sie es nicht, aber war ihrerseits auf dieses Thema gekommen, er wusste es nicht. Er konnte es nicht sagen, aber das spielte auch keine Rolle. Merlin wusste, dass nicht nur Freunde Spuren hinterließen. Auch Feinde konnten das, was eigentlich absurd war, denn wer wollte schon die Spuren seines Feindes im Herzen tragen? Aber meistens waren diese sogar tiefer, denn die Freunde bemühten sich, nicht zu tiefe Spuren zu hinterlassen, aus Angst, sie könnten etwas zerstören.

~Findest du es angemessen, so zu lächeln? Du bist nicht besser als sie, du machst nur die spiegelverkehrten Fehler.~
‚Lass mich doch lächeln, wenn ich mich freue.‘
~Worüber freust du dich? Sag nur, du hast endlich das Wort „Schadenfreude“ kennen gelernt?~

‚Nein, ich freue mich, weil ich sehe, dass es für einen von uns nicht zu spät ist.‘
~Aha. Du redest aber jetzt nicht von dir, oder?~
‚Nein.‘
~War ja klar …
Idiot.~


Merlin hatte es gar nicht eilig, darauf etwas zu sagen, aber schließlich senkte er doch den Kopf, aus der Befürchtung heraus, Adali könnte glauben, dass er sie womöglich auslachte. Und das war nicht nur sehr unhöflich, sondern auch völlig unangebracht.

“Ich denke nicht, dass dein Herz zu klein ist, um weiteren Freunden … und Liebsten Platz zu bieten. Es wollen auch Freunde Spuren hinterlassen, die du noch gar nicht kennst“, bemerkte er sanft.

Merlin wusste, dass er sich gerade sehr weit aus dem Fenster lehnte. Er wollte ihr wirklich nicht zu nahe kommen, aber er sah andere so ungerne leiden. Es war nicht dieses oberflächliche Mitleid. Der einzige Lebensinhalt des Grauen bestand darin, das Leben anderen zu sehen. Er lebte sozusagen vom Glanz ihrer Augen. Und er verging an ihrer Trauer. Adali so zu sehen, führten ihm vor, wie sinnlos sein eigenes Dasein war. Er musste versuchen, ihr irgendwie etwas Hoffnung zu geben, um nicht selbst daran zu zerbrechen.


11.10.2009 00:45




Yacáru


Eigentlich war Yacáru noch viel zu sehr mit dem sichtbaren Herz in Ares’ Brust beschäftigt gewesen, aber leider war er es, der ihr dieses Mal keine Zeit ließ. Schon hing sie wieder in seinem Maul, langsam stellte sich die Welpin die Frage, ob ihr Freund annahm, dass sie nicht selbst laufen konnte. Er tat das inzwischen andauernd. Oder Ares tat es, um sicher zu stellen, dass sie auch augenblicklich tat, was er wollte. Blieb ihr immerhin nichts anderes übrig. Die Weiße seufzte nur und beschloss einfach nichts zu sagen. Dieser Dallan hatte wieder einmal auf keinen ihrer Sätze reagiert, da war es wohl genau so sinnlos sich jetzt noch zu beschweren.

Innerhalb kürzester Zeit hatte Yacáru ihren Gram allerdings schon wieder vergessen. Nach einem nicht ganz angenehmen Aufstieg zum Höhlenausgang, hatte sich etwas vor ihr ausgebreitet, was die junge Wölfin noch nie gesehen hatte. Eine gigantische Landschaft, eine endlose Ebene, in der alles weiß war. So weiß wie ihr Fell. Und nachdem Ares sie hinunter gelassen hatte, hatte sie mit aller Sorgfalt erst einmal auskundschaften müssen, was das war. Sie beschäftigte sich eine lange Zeit nur damit, stellte fest, dass dieses Weiß ganz anders als Gras war. Es war kalt und man hinterließ eindeutige Spuren darin. So ähnlich, wie bei Sand. Nur dass man Normalerweise über Sand lief und durch diese Masse musste man sich hindurch arbeiten. Man sackte ein. Es war viel leichter als Schlamm, irgendwo aber auch fester. Wenn sie ihr Gesicht hinein drückte, konnte sie den Winter riechen, kaltes Wasser. Es war seltsam. Und äußerst faszinierend. Yacáru vergaß sogar nach Ares Ausschau zu halten, genau genommen hatte sie alles um sich herum vergessen. Sie fragte sich, ob man sie in dieser Masse noch sah, wenn sie sich hinlegte und das Gesicht versteckte. Sie vollführte die verschiedensten Bewegungen, um zu erkunden, welche Abdrücke sie hinterließ.
Irgendwann hatte sie sich dann einfach hingesetzt und angefangen, anstatt nur ihrer Umgebung, auch wieder die Wölfe zu beobachten. Ihr schien auf, dass keiner den Schnee so erkundete, wie sie. Zumindest nicht die Erwachsenen. Die schienen mit sich selbst beschäftigt, hatten sich zu Grüppchen zusammengeschlossen, oder ruhten alleine. Ob sie diese weiße Pracht schon kannten und langweilig fanden? Wie konnte man! So etwas konnte doch nicht normal sein, oder?
Ihr bläulicher Blick fand auch Ares wieder, der augenscheinlich schon etwas länger neben Korrianke saß. Ob er sie schon kannte? Aber selbst wenn er das Weiß faszinierend gefunden hätte, so hätte sie es wahrscheinlich kaum herausfinden können. Er sprang nicht so herum wie sie, oder zeigte eine begeisterte Mimik. Zugegeben, eine ulkige Vorstellung war es schon, die sie leicht kichern ließ.
Es mussten schon Stunden vergangen sein, seit sie sich mit diesem weißen Zeugs beschäftigte. Yacáru lief etwas weiter, bis Ares und Korrianke hinter ihr verschwunden waren. War diese Ebene wirklich unendlich? Sie konnte die Horizontlinie ausmachen, aber würde sie sie je erreichen?
Die Weiße hatte sie schneller erreicht, als Gedacht. Oder vielmehr das Ende dieser endlosen Ebene. Grade noch rechtzeitig hatte die junge Fähe den Abgrund ausmachen können. Es ging steil in die Tiefe. Und doch, obwohl sie ja über ihr sein mussten, konnte sie dort unten die Wolken sehen.

Wow ...“

Vorsichtig beugte sie sich etwas nach vorne, aber diese Klippe schien sich wirklich endlos in die Tiefe zu stürzen. Langsam stellte sich ihr nicht nur die Frage, was das alles um sie herum war, auch wo sie eigentlich waren. Befanden sie sich noch in der selben Welt, wie noch vor ein paar Tagen? Oder ... hatte man die Welt auf den Kopf gedreht?


11.10.2009 12:39




EL‘ Sombo de Feru


Nichts rührte sich in ihm. Keine Welle an Gefühlen und Gedanken brach auf und tobte gleich einem Sturm in ihm. Der junge Schwarze hatte ihn auf einen Fehler aufmerksam gemacht, der ihn hätte sein Leben kosten können, doch er? Er, der Schwarze, sonst immer so bedachte Wolf, interessierte es nicht. Er war so unendlich müde geworden, dass ihn solche Unachtsamkeiten nicht weiter belasteten, oder ihn gar in seinen Sinnen geschärft hätten. Er war so müde und leer. Vom Leben, vom Kämpfen, vom Träumen. Von harten Zeiten geprägte Seele. Vielleicht hatte Sombo dies ja auch insgeheim gehofft? Dass sie ihn zerreisen würden, wie ein junges Rehkitz, welches so unachtsam den sicheren Unterschlupf aufgegeben hatte. Aber hoffte er eigentlich noch? War Hoffnung das, was ihn am Leben hielt? Was sein krankes und erschöpftes Herz weiter in seiner Brust schlagen lies? Es tat weh. Schmerzvoll hämmerte es jeden Tag gegen seine Rippe. Qualvoll laut das Dröhnen des rauschenden Blutes in seinen Ohren, welches durch seine Adern floss. Verräterblut. Schwaches Blut.

"Mein junger Freund, welch grauenvolle Vorstellungen Ihr von fremden Wölfen und Rudeln habt, dass ihr denkt, es gäbe sie, die blutrünstigen Monster, die Euch fressen.", antworte der Rüde ruhig und mit gelassender Stimme. Nichts zeugte von den bitteren Gedanken, die durch jede Faser seines muskulösen Körpers rasten.

Ein leichter, so sanfter Windhauch sträubte das dunkle Fell des Größeren. Die Luft hier oben war so kalt und klar, dass Sombo das Gefühl hatte, unter ihr zusammen zubrechen. Wieso musste das Wetter heute auch nur so grauenhaft sein? Wieso seine Seele zu enthüllen versuchen? Der Schwarze schüttelte sich ein paar Mal, als wollte er die innere Kälte nach Außen kehren, sodass sie mit dem Wind davon flog. Eine Reise antrat, die ins Ungewisse führte.

Ein Lächeln. So sanft und rein und doch so kurz. Die Worte des kleinen Schwarzen erfreuten ihn. Sie waren so ungezwungen, so naiv, so wunderschön. Sie besaßen eine Schönheit, die nur der Jugend eigen war. Und plötzlich fragte sich Sombo wirklich, warum er diese übertriebene Höflichkeit in seine Stimme legte? Hatte er am Ende die Befürchtung, dass er seine Schutzmauer aufgeben musste, wenn er mit anderen Wölfen eine normale Unterhaltung pflegte? Ja, diese hatte er. Das war der Grund, weswegen er seine Worte mit Bedacht wählte, sie schon ein paar Sekunden vorher gedanklich gespochen hatte, um sich ihren Klang zu verdeutlichen.

"Wie du willst, Aiyán. Von nun an soll der Name, den du für mich gebrauchst, Feru sein."

Sombos Stimme klang weich, fast so, als hätte er Angst, den Schwarzen zu vertreiben, wenn er lauter, gar schroffer wurde. Noch immer bebte das Blut seiner Ahnen in ihm und es galt als Ehrerbietung und Respekt, allen Geschöpfen und Artgenossen sanft und ohne Aggressionen entgegen zu treten.
Als Aiyán jedoch erwähnte, dass seine Mutter die Leitwölfin war, fror seine Mimik ein. Mit einem Schlag erinnerte er sich wieder an seine Gefährtin, an seine Brut, an sein Leben. Äußerlich stocksteif, wirbelte in ihm ein Sturm an Gefühlen. Er fühlte! Er fühlte das Leben in sich toben und aufbrechen! Schluss damit!

"Dann musst du aber besonders auf dich aufpassen, denn immerhin gebührt dir eines Tages die Ehre, Pflicht und Verantwortung..


Sein Satz war unterkühlt. Ekelhaft berechnend und doch in seinen Augen so wahr. Nur seinen Kindern hätte er die Aufgabe erteilt, sein Rudel für ihn zu leiten, sollte sein letzter Tag auf Erden herein brechen. Doch nun, hatte er kein Rudel mehr...


11.10.2009 19:21




Cßilyn Nuray


Die frische Luft und das Licht der Sonne waren wie ein zweites Mal das Licht der Welt zu erblicken, als sie aus der Dunkelheit der Höhlen kamen. Sie hatte aufgeatmet, als sie endlich draußen waren, endlich weg aus den Tiefen der Düsternis. In den tiefen der alten Schächte war stets ein dichtes Gedränge gewesen, man hatte kaum Zeit und Platz für sich selbst gehabt und so wollte sie den Freiraum, den sie alle nun geschenkt bekommen hatte auch nutzen. Man war beinahe erstickt in den Gängen der Dunkelheit und hier… hier war es so rein, so hell. Es waren doch tatsächlich Schneeflocken vom Himmel getanzt und lagen nun am Boden. Kühl fühlte er sich an, und knirschte leicht, der Schnee, wenn man seine Pfoten auf ihm aufsetzte. Viel besser als Regen, ohja, wirklich viel besser.

Sie machte sich vorerst keine Gedanken darüber, was sie in den Kammern erlebt hatte. Sie hatte sich schon die ganze Zeit darüber den Kopf zerbrochen, die ganze Zeit darüber sinniert, was das alles zu bedeuten hatte, oder bedeuten könnte. Doch sie war bei weitem zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen. Und jetzt brauchte sie einfach mal eine Pause.
Ihre langen Wandererläufe trugen sie geschwind voran, dabei hielt sie ihren Kopf tief gesenkt und fuhr mit ihrer Schnauze durch den Schnee. Sie mochte das Gefühl dieser frischen Kälte um ihre Nase herum, es hatte etwas freies, etwas neues. Etwas, was sie nicht an die Dunkelheit der Kammern oder die Kristalle erinnerte. Und das was sie in ihnen gesehen hatte…
Doch hatte sie nicht auf den Weg geachtet, und erst als die Läufe aus dem Augenwinkeln erkennen konnte hielt sie inne und hob das Haupt. Auf ihrer Nase befand sich dabei noch ein Häufchen Schnee und ihre rehbraunen Augen waren aufmerksam zu dem Besitzer der Läufe gewandert. War es Saiyán? Oder doch Aiyán? Sie hatte beide noch nicht richtig kennen gelernt, wusste bisher nur, dass sie die Kinder von Kiba waren, unterscheiden konnte sie sie trotzdem nicht. Und bei dem Jungrüden befand sich ein ihr Fremder Rüde. Cílyn war sich dabei ziemlich sicher, dass der Schwarze neu war, sie hatte ihn noch nicht gesehen, oder gerochen. Die beiden sahen sich wirklich ähnlich. Ein sanftes Lächeln erschien auf ihren Lefzen. Auch wenn die Stunden in den dunklen Gängen sie traurig und schwermütig gemacht hatten, so hatte das helle Licht der Sonne sie genauso schnell wieder aufgemuntert. Sie mochte die Sonne, den strahlend blauen Himmel und die Wolkendecke, die so weich schien wie der Schnee.

„Oh verzeiht, ich war unaufmerksam.“

Sie senkte bei den Worten leicht ihren Kopf um ein Verneigen anzudeuten, bevor ihr Blick gen Himmel glitt. Sie merkte nicht, dass sie in ein Gespräch platzte, das bereits im Gange war und vielleicht störte. In ihren Augen spiegelte sich der rein glänzende, strahlend blaue Himmel.

„Ist das nicht wunderschön? Nach all den dunkel Tagen?“


11.10.2009 19:42




Aiyán Tendes


Aiyán betrachtete diesen El ... Dings Feru mit wachsendem Interesse. Irgendwie war der Typ ja schon sehr seltsam. Er zog leicht die Augenwölbungen hoch.

Das war ja auch eher scherzhaft gemeint.“

Als ob irgendwelche Wölfe andere auffressen würden. An sowas hatte er nicht mal als kleiner Welpe geglaubt! Ganz abgesehen davon, dass er noch immer ein Welpe war. Aber klein ganz bestimmt nicht mehr! Das Einzige, was einen auffressen konnte, war das Feuer. Den Schwarzen schüttelte es bei dem Gedanken. Es schlug nach einem und hatte Saiyán sogar schon in die Pfote gebissen! Kein Wunder, dass ... sein Vater ... keine Chance gehabt hatte.
Aiyán nickte schließlich brav, als Feru dann noch feierlich verkündete, wie er ihn nun nennen würde. Ja, etwas komisch ... aber eigentlich ja ganz amüsant. Der junge Rüde lächelte dem Älteren keck zu, auch wenn ihm seine weiteren Worte schon wieder etwas seltsam erschienen. Und irgendwie wirkte Feru auch ziemlich steif. Die Augen etwas zusammen kneifend betrachtete er den Dunklen abschätzend. Warum ihm eines Tages Ehre, Pflicht und Verantwortung gebühren sollte, verstand er noch nicht so ganz, aber etwas anderes kam ihm langsam in den Sinn.

Warst du auch mal ein Leitwolf?“

Seine Mutter verhielt sich zwar bei Weitem nicht so wie Feru, aber auch kein normales Mitglied, dass er bisher kennen gelernt hatte, war so an Floskeln und Höflichkeiten gebunden. Oder vielleicht schon, er wusste es nur nicht. Immerhin kannte er ja eigentlich niemanden in seinem eigenen Rudel! Er war zu lange fort gewesen ... und diese Wölfe kamen und gingen einfach viel zu schnell.
Als er eine Stimme von der Seite vernahm, machte Aiyán fast einen ganzen Satz zur Seite. Plötzlich war da diese braune Wölfin und er hatte sie gar nicht kommen gehört! In diesem Schnee ging wirklich jedes Geräusch unter. Er blickte sie an, wusste, dass er sie kannte und schon öfters mal gesehen hatte, aber ... ihm fiel leider patu nicht ein, wie sie hieß. Aber sie sah ganz ulkig aus, mit dem weißen Häufchen auf der Schnauze.

Hallo, ähm ... du!” Ein geschicktes Umgehen der Namenssache. Sicher würde sie sich gleich Feru vorstellen und dann konnte er so tun, als hätte er es schon immer gewusst. So war das schlau. „Ja, der Regen wurde langsam unerträglich ... und dieser Schnee ist wirklich interessant.“


11.10.2009 20:15




EL‘ Sombo de Feru


Sombo kam aus dem Lächeln und Grinsen nicht mehr wirklich heraus. Diese jugendliche Leichtigkeit war ansteckend und zumindest zeitweise konnte er die Last von seinen schwarzen Schultern gleiten spüren. Sie war nicht verschwunden, geschweige denn, würde sie nie mehr wieder kommen und ihn versuchen, zu Boden zu drücken. Aber durch diese winzigen Unterhaltungen mit dem jungen Leben sammelte er Kraft für die weniger erfreulichen Stunden und Tage. Diese Kraft benötigte er, um nicht gänzlich zu zerbrechen.

"Dann solltest du es scherzhaft ausdrücken, junger Kamerad. Sonst läufst du Gefahr, dass man dich falsch versteht. Im schlimmsten Fall kostet dich das dein Leben."

Wieder dieses Schmunzeln, diese leicht hochgezogenen Lefzen, welche ihm beinahe schon wehtaten. Wie lange hatte er keine Regung mehr gezeigt? Wie lange schon nicht mehr diese Muskeln beansprucht, dass sie ihm schmerzvoll bedeuteten, dass er kalt und abgestumpft geworden war? Eine viel zu lange und doch so bittersüße Zeit, wie Sombo annahm.
Ein Schütteln vor seinen stahlblauen Augen riss den Schwarzen erneut in die Realität. Trug seine Gedanken mitsamt dem Wind fort. War dem Jungen kalt? Nein, diese Idee verwarf der Rüde wieder. So jung, dass er die Wärme seiner Mutter und Geschwister gebraucht hätte, war er nicht mehr. Er hatte ein dickes, schwarzes Fell, welches ihn vor den beisenden Klauen des Winters schütze. Aber was war es dann gewesen?

oO(Leitwolf! Ich bin kein Leitwolf mehr. Werde es nie wieder sein. Werde es nie wieder können.)Oo. Ein Gedanke mit so brennender Intensität, dass es den Rüden schmerzte. Wie Feuer schlug es seine Bahnen durch jedes Glied seines Körpers bis hin in sein Herz. So müde...

"Ja. So pflegte man mich vor langer Zeit zu nennen. Aber diese Tage sind vorbei.".

Ganz einfach. Ganz sachlich. Was sollte er auch groß darüber erzählen? Er hatte kein Rudel mehr und war des Titels eines Alphas nicht würdig. Er hatte sich verraten. Sich und seinen Traum. Mehr gab es darüber nicht zu erzählen. Für mehr hätte seine schwindende Kraft ohnehin nicht ausgereicht.

Seine Ohren zuckten zurück, als sie ein Geräusch vernahmen. Es waren Schritte. Einzelne Schritte. Vermutlich die eines Wolfes. Etwas anderes hätte den Schwarzen auch nur verwundert. Dennoch wandt er erst dann den Kopf zu dem Verursacher, als er die Stimme hörte. Die zarte Stimme einer Fähe. Einer braunen Fähe. Sie musste aus der Höhle gekommen sein, denn vorher hatte Sombo sie noch nicht gesehen. Er vertraute seinen Augen, dass sie ihn nicht belogen und, dass sie ihm aufzeigten, welche Gefahren und welche Schönheiten sich in der Welt verbargen.

"Kein Grund sich zu entschuldigen.", erklang der weiche Ton der dunklen Stimme. Genauso dunkel, wie sein Fell. Dennoch hatte die Antwort auf sich warten lassen, war Sombo doch kurzzeitig in ein leises Auflachen verfallen. Aiyán schien unaufmerksam gewesen zu sein, denn ansonsten wäre er nicht so erschrocken. Die Jugend durfte sich solche Unachtsamkeit erlauben, solange sie Wölfe um sich hatte, die Sorge für sie trugen.

"Allerdings.", war das Einzige, welches Sombo auf die Frage der jungen Fähe antworten konnte. Er hatte schon viele dunkle Tage gesehen, auch wenn die Sonne vom Himmel brannte. Doch und das hatte er gelernt: Die Welt war immer nur so schön, wie man sie empfand. Innerlich trübe und drist, lag sie vor einem, wie ein Pfad dunkler Abgründe. Tiefe Schluchten schwarzer Seele.


11.10.2009 21:04




Cílyn Nuray


Den Blick gen Himmel gerichtet, konnte die Braune nur aus den Augenwinkeln erkennen, wie Saiyán... oder war es Aiyán? ... sich wohl leicht erschrocken hatte, bei ihrem auftauchen. Doch die Braune ging nicht näher auf dieses kurze Zusammenzucken ein, sondern senkte ihren Blick wieder, um den Fremden zu begutachten. Er sah den Zwillingen wirklich recht ähnlich, würden sich ihre Gerüche nicht so von einander unterscheiden, hätte sie mit Bestimmtheit gesagt, dass sie miteinander verwandt wären. Doch das waren nur Hirngespinste.
Die Braune lächelte seicht bei den Worten des dunklen Wolfes und ließ ihren Blick gleich zu ... einem der Zwillinge gleiten.

"Interessant? Ja das ist er wirklich."

Sie zog ihren Lauf knirschend durch das kühle Weiß, bevor sie ihr Wort an den Fremden richtete, in der Hoffnung, dass auch er sich vorstellen möge.

"Mein Name lautet Cílyn Nuray. Freut mich euch kennen zu lernen."

Das so sanfte, für sie so normale Lächeln, sprach Bände und zeugte von wahrer Freude. Sie log nicht, und das konnte man sehen, es war eben nicht eine so dahin gesagte Floskel, sondern Ernst gemeinte Worte. Und das war gut so. Sie legte großen Wert darauf nicht einfach irgendwas zu sagen, sondern eben das was sie empfand - ohne dabei unhöflich zu werden, wenn sie ihren Gegenüber doch einmal nicht ausstehen mochte.
Was Sonnenschein und Schnee nicht in ihr auszulösen vermochten. Ihre trübselige Seite und die Bilder im Inneren der Höhle waren wie weggeblasen, einfach fort. Sie ruhten unten, am Bergtal, doch jetzt befand sie sich in luftigen Höhen und so war auch ihr Herz erhoben und glücklich.


11.10.2009 22:14




Ares


Ares war von dem Schnee nach wie vor nicht besonders angetan. Es war ein wundervoller Anblick, doch es hätte ihm völlig genügt, ihn von einer trockenen Stelle aus zu beobachten. Aber inzwischen spürte er die Kälte durch sein Fell kriegen und seine Pfoten, die den Schnee berührten, spürte er kaum mehr, sodass er leicht fröstelte, als er sich umsah.
Anmerken ließ sich der Schwarze natürlich nichts. Wozu auch? Es wäre sehr schade gewesen, mit dieser Tradition nun zu brechen, zumal er absolut keinen Grund dazu hatte.

Das Rudel veränderte sich beständig, sodass der Schwarze in seiner Art bestärkt wurde, sich keine Mühe zu machen, um zu erkennen, wer wer war. Es gab viele neue Wölfe, aber auch einige, die er schon einmal gesehen zu haben glaubte, fehlten, sodass er einmal mehr aufgab, einen Überblick haben zu wollen.
Er fand nicht einmal Kiba in diesem Durcheinander –für ihn war es ein Durcheinander- aber das störte ihn ebenfalls nicht weiter. Die Alpha war hier sicherlich irgendwo und ansonsten hielt er sich kaum an Rudelmitglieder. Er kannte Adali und Yago, jedenfalls vom Sehen her, aber er hatte bislang nichts mit ihnen zu tun gehabt. Das war schon komisch, fand er, aber es war so.

Schließlich aber glitt sein Blick durch den Schnee und suchte einen bestimmten Wolf. Es war schon eine Crux, in so weißer Umgebung einen weißen Wolf zu finden, aber es konnte ja nicht unmöglich sein. Und tatsächlich fand er bald Yácaru, die vor sich hintollte. Sie sprang durch den Schnee, als sehe sie ihn zum ersten Mal. Vermutlich sah sie ihn zum ersten Mal. Für sie alle war der Schnee nichts Besonderes mehr, aber die kleine Welpin kannte das noch nicht. Für sie war es neu. Die Welt war neu.
Sie kannte die kleinen Wunder noch nicht und nicht die großen. Schnee war für sie neu, sie wusste nicht, was es bedeutete zu lieben oder einen ganz besonderen Sonnenaufgang zu sehen. Jeder Sonnenaufgang war für sie neu. Aber sie wusste auch noch nicht, was Leid bedeutete, was Leid nach Glück bedeutete. Die Welt war neu. Der Schnee war neu.

Über diese Grübeleien verlor Ares die Kleine aus den Augen, sein Blick war in weite Ferne geglitten. Schließlich aber kehrte er zurück und der Rüde suchte wieder nach seiner Schutzbefohlenen, fand sie aber diesmal nicht mehr. Schließlich folgte er ihren Spuren mit den Augen und diese wanderten sehr weit weg.
Unwillkürlich stand er auf und folgte ihr. Ihre kleinen Pfoten hinterließen bereits deutliche Kuhlen im Schnee, aber es bestand kein Zweifel daran, dass es Yácaru gewesen war. Nachdenklich folgte er ihr. Es fiel ihm nicht schwer, sich durch den Schnee zu bewegen, er war schließlich um einiges größer als sie.
Schließlich holte er die kleine Welpin ein, als sie am Rande einer Klippe stand und in den Abgrund sah. Es war nicht gerade ratsam, so etwas zu tun. Der Schnee konnte sehr leicht abrutschen und man konnte nie sicher sein, auf etwas zu stehen, das auch im Sommer da war und das eigene Gewicht wirklich tragen konnte.
Um sie aber nicht zu erschrecken, rief er nicht ihren Namen, kam nicht zu nahe, sondern streckte sich viel mehr und zog sie an der Rute etwas zurück. Er wollte nicht riskieren, dass der Fels oder Schnee womöglich unter seinem zusätzlichen Gewicht brach. Deswegen also zog er sie durch den Schnee an der Rute zu sich, was nicht allzu schwer war. Erst als sie auf gleicher Höhe wie seine Vorderpfoten lag, entließ er ihre kleine Rute und sah sie ernst an. Das war gewiss kein Kinderspiel hier.

“Es gibt einfachere Methoden, um sich von der Welt zu verabschieden“, meinte er düster.

Ares wusste nicht, wieso er das gesagt hatte. Es waren keine freundlichen Worte und für einen Welpen sicher die falschen. Sie war nur neugierig gewesen, wie es Welpen eben sind. Und dennoch hatte er das gesagt, er wusste nicht wieso.
Oder vielleicht wusste er es doch, wollte es nur nicht zugeben …


12.10.2009 21:15




Yacáru


Vorsichtig tasteten sich die kleinen Pfoten der jungen Wölfin durch den Schnee, immerhin wollte sie nicht in den Himmel fallen. Doch ihre Augen konnten sich einfach nicht losreisen, von dem Spiel der Wolken, die so endlos dahin rollten. Ein Anblick, der ihr Herz beflügelte, sie fühlte sich plötzlich, als stände sie selbst hier, hoch oben, auf einer Wolke und wenn sie losrannte, könnte sie fliegen. Aber natürlich war Yacáru bewusst, dass es ihr Verderben bedeuten würde, fiele sie nun von der Welt herab. Statt dessen sank die Weiße ein bisschen weiter zu Boden, hielt ihre Schnauze aber nach vorne gestreckt und schloss die dunkelblauen, leicht zyanstichigen Augen. Der Wind, ihr geliebter Wind flatterte ihr um die Ohren streichelte sanft ihre Schnauze, kitzelte die empfindlichen Tasthaare und ließ ein Gefühl von Glück durch ihre Adern pulsieren. Es war schön, so wunderschön. Sie hatte den Wind schon immer geliebt, doch noch nie zuvor war sie ihm so nah gewesen, hatte zumindest das Gefühl gehabt ihm so nah zu sein, wie jetzt. Sie meinte sein Flüstern zu hören, das ihr Geschichten vom Schnee erzählen wollte, den sie auch zum ersten Mal für sich entdeckt hatte. Die Luft war so viel klarer, reiner, aber auch kälter, als unten im Tal. Das hier war also das Zuhause des Windes. Die Höhen, natürlich. Es war der perfekte Ort für ihn. Von hier oben brauste er ins Tal herab, wirbelte ihre geliebten Federn auf und ließen sie schweben. Federn und Blätter, die leicht genug für den Wind waren.
Ganz langsam, vorsichtig, als könnte sie den Moment kaputt machen, öffnete die Kleine wieder ihre Augen und sah ein weiteres Mal auf die Wolken hinab. Es war so schön, dass sie meinte, das Glück in jeder Faser ihres Körpers zu spüren. Und doch, trotz ihrer Angst, wurde der Moment zerstört. Nicht von ihr, aber von Dallan. Plötzlich zog sie etwas zurück, etwas, was sich gar nicht mehr leicht und frei anfühlte. Vor Überraschung wehrte sie sich gar nicht und blinzelte irritiert zu Ares hinauf, hatte mit ihren Gedanken wortwörtlich über den Wolken gesteckt. Aber der Schwarze sah sie so komisch an und nach seinen Worten, war jedes Gefühl von Glück wieder aus ihrem Körper gewichen.

Was?“

Es gab einfachere Methoden, um sich von der Welt zu verabschieden? Ihr Hirn brauchte einige Sekunden, um diese Nachricht zu verarbeiten und zu registrieren, dann ließ sie ein drückendes Gefühl in ihr hochkochen. Wut. Den Kopf immer noch zu Ares hochgestreckt, veränderte sich ihre Mimik und nahm einen säuerlichen Ausdruck an.

Sag mal, bist du doof, glaubst du, ich wollte da runter springen? Welchen Grund hätte ich, das zu tun?“

Sie murrte ihn nicht nur etwas empört an, wie es sonst der Fall war. Sie wusste nicht, warum er so etwas zu ihr sagte und die Andeutung, die sich in seinen Worten verbarg, machte sie sauer.

Ich mag das Leben, im Gegensatz zu dir!“


12.10.2009 22:54




Ares


Ares betrachtete die kleine Weiße vor sich im Schnee. Sie stand dem kalten Element wirklich in nichts nach. Jedenfalls äußerlich. Sie wirkte tatsächlich wie ein großes Stück Schnee, das zu laufen und zu toben gelernt hatte und sich für die Welt interessierte, die nicht für es gemacht war.
Der Schwarze wusste es nicht, aber er dachte dasselbe wie sie; wenn sie ihr kleines Gesicht in den Schnee gesteckt hätte, hätte man sie vor dem Frühling nicht finden können. Doch innerlich war Yácaru dem Schnee eher gegenteilig, als ähnlich. Sie war viel zu aufgeweckt, tollte herum und wahrscheinlich konnte ihr Herz das umliegende Nass ohne Probleme zum Schmelzen bringen. Es war schon sehr sonderbar.

Dass die Kleine aber Feuer besaß, bewies sie sogleich, als sie Ares recht ungehalten anfuhr. Das konnte man durchaus verstehen. Immerhin hatte er sie ja auch ein wenig angegangen und seine Wortwahl war nicht die klügste und schönste gewesen, im Gegenteil.
Er war also in gewisser Weise nicht unbedingt überrascht. Ein Teil von ihm fragte recht deutlich: „Was hast du erwartet?“ Aber dennoch wurde seine Haltung unwillkürlich ein wenig steifer, aufragender, größer. Es war beinahe damit zu vergleichen, dass ihn jemand anknurrte. Es war eine natürliche Reaktion, auch wenn der rüde überhaupt nicht wusste, woher sie kam.
Yácaru stellte keinerlei Gefahr für ihn dar und an sich konnte es ihm doch egal sein, wie sie reagierte. Es war völlig normal. Aber wieso schockierte es ihn dann doch irgendwie?

Anzumerken war es dem Rüden nicht unbedingt. Der Schwarze war mehr Eis als die kleine Welpin es je sein würde und wenn sein Fell in allen Farben des Regenbogens erstrahlt wäre. Dennoch zog das alles tief in ihm seine Bahnen und das beunruhigte ihn doch ein wenig. Denn obgleich er wusste, wieso, wollte er es sich doch nicht eingestehen und infolge dessen konnte er es nicht nachvollziehen.
Yácarus Worte sorgten unwillkürlich dafür, dass der Schwarze die Ohren nach hinten drehte, als hätte sie ihn angeschrien.

Und wenn er ehrlich war, wäre es ihm lieber, sie hätte ihn angeschrien. Angeschrien und etwas Anderes gesagt als das, was sie wirklich gesagt hatte. Natürlich verstand sie nicht, dass er sich nur Sorgen machte. Dass seine ungeahnt schlecht gewählten Worte nur Ausdruck der angst gewesen waren und dass er nichts Anderes im Sinn gehabt hatte, als sie davor zu bewahren, verletzt zu werden. Aber wie sollte die Kleine das auch verstehen? Er verstand es selbst kaum.
Dennoch oder gerade deswegen taten ihre Worte ihm weh. Ares war sich nicht bewusst, was das bedeutete, er wollte darüber gar nicht nachdenken. Aber es schmerzte ihn. Jeder andere Wolf hätte das sagen können und nicht viel mehr geerntet, als einen leeren Blick. Doch aus Yácarus Mund schmerzte es. Allerdings fand der Schwarze keine Worte, das auszudrücken. Auch seine Mimik verriet nichts davon, seine Augen. Vielleicht waren sie wirklich tot.

Dennoch drehte er sich langsam um und ging mit ebenso ausdruckslosen Schritten wieder den Weg durch den Schnee zurück. Die Kälte war inzwischen reine Nebensache geworden und noch nie im Leben war er so froh gewesen, dass sein Kopf leer war und nicht nachdenken wollte.


13.10.2009 21:01




Yacáru


Er ging weg. Er ließ sie stehen. Jetzt wäre wahrscheinlich der perfekte Augenblick gewesen, um wirklich die Klippe hinunter zu springen. Er ließ sie allein, weil ihm wie immer ja alles so scheiß egal war. Vor den Kopf gestoßen und schrecklich enttäuscht sah Yacáru Ares hinterher und biss sich dann fest auf die Lefzen. Sollte er nur. Wahrscheinlich hätte sie ihn fragen sollen, was für einfachere Methoden es gab, damit er was zu Gucken hatte. Oh, er war ja so schrecklich doof und blöd und gemein und doof und richtig gemein! Sie konnte wahrscheinlich sonst was tun und ihm war es immer noch egal.
Die Sehnsucht nach ihrer Familie schlug ganz plötzlich auf sie ein, das Verlangen nach einem warmen Körper, an den sie sich kuscheln konnte, nach einem Wolf, von dem sie wusste, dass sie ihm wichtig war. Mama, Papa, ihre Geschwister, die hatten sie lieb gehabt, genau so wie umgekehrt auch. Währe sie damals bloß nicht dieser Feder gefolgt, währe sie bloß nicht weggelaufen, nur um fest zu stellen, dass es keinen Weg mehr zurück gab. Es wäre so viel einfacher. Und hier hatte sie nun Dallan, bei dem sie sich den Mund fusselig reden konnte, ohne je etwas zurück zu bekommen. Und es hätte ihr auch so schrecklich egal sein können, dieser Eisklotz hätte ihr schrecklich egal sein können, aber leider hatte sie diesen bescheuerten Eisklotz so verdammt und furchtbar gern! Sie wusste nicht mal wieso und die für sie deutliche Einseitigkeit dieser Zuneigung trieb ihr die Tränen in die Augen. In Wirklichkeit hatte sie gar niemanden. Nur einen Wolf, der seiner Pflicht nachkam, die ihm aufgetragen worden war, der funktionierte, wie eine Maschine, hätte Yacáru gewusst, was das war. Dabei war sie doch ein Welpe!
Die Kleine hatte keine Lust ihm nach zu rennen und wandte sich stur in die andere Richtung. Dann sollte er ihr jetzt mal egal sein! Mit einem Schluchzen versuchte sie die dicken Kullertränen weg zu blinzeln und schob sich durch den Schnee nach vorne, irgendwo hin, wo sie sich zusammen rollen konnte.
Die weiße Welpin lief so lange, bis ihr etwas den Weg versperrte. Etwas, das genau so weiß wie der Schnee war und sie deshalb erst irritierte. Verschwommen, immer noch mit Tränen in den Augen reckte sie den Kopf nach oben und erkannte eine Wölfin des Rudels.

Oh.“

Toll, sie wusste, dass sie sie schon ganz oft gesehen hatte, aber ihren Namen hatte sie höchstens mal aufgeschnappt, ohne ihn zuordnen zu können. Und das nur, weil sie immer an Ares hing. Schniefend fuhr sie sich mit einer Pfote über die Schnauze.

Hallo.“


13.10.2009 23:26




Jeanne


Langsam bewegte sich Jeanne auf die kleine Fähe zu, sie wollte nur ein Mal nachsehen, ob wirklich alles ok war. Einen kurzen Moment blickten die blauen Augen zurück, um zu sehen, ob ihr jemand folgte. Sie war wirklich gespannt, wer von diesen Wölfen zusammen mit ihr noch ein Mal zu den Spiegeln gehen würde. Aber das war jetzt noch nicht wichtig. Zuerst wollte sie nach Yacáru sehen. Mit einem tiefen Atemzug richtete die Weiße den Kopf also wieder nach vorn. Die dunklen Augen suchten die Weiße.. aber sie war nicht mehr da. Jeanne blinzelte einen Moment, blieb stehen. Eine junge Stimme verriet ihr wenige Herzschläge später, wo die Kleine war. Direkt vor ihr. Jeanne senkte lächelnd den Kopf, wollte die kleine Wölfin zur Begrüßung anstupsen, als die Tränen in ihren Augen erkannte. Dunkle Augen, die gleiche Farbe wie ihre eigenen. Automatisch suchte ihr Blick nach Ares, der bis eben noch bei ihr gewesen war. Hatte er etwas damit zu tun?

“Hallo Yacáru.“

Mit einem möglichst aufmunterndem Lächeln richtete sich ihr dunkler Blick wieder in die Augen der Weißen. Was war passiert, dass sie weinte? Hatte der Schwarze vielleicht etwas falsches gesagt? In einer sanften Geste schleckte Jeanne der kleinen über den Kopf, berührte sie dann leicht mit der Nase am Kopf.

“Was ist den passiert, wieso weinst du?“

Besorgt ruhte der Blick auf der Welpin, deren Namen sie nur gehört hatte. Sie hatte sich nie wirklich mit ihr beschäftigt, nie mit ihr gesprochen. Und das.. wurde ihr leider erst jetzt bewußt. Sie musste sie ablenken.. irgendwie. Auch wenn ihre vorherigen Worte wohl wenig dazu beigetragen hatten. Sie stupste die Kleine noch ein Mal an. Sie kannte den Schnee auch nicht, wie die anderen jungen Wölfe hier.

“Freust du dich über den Schnee?“

Eine simple Frage, einfach um sie ein bisschen ab zu lenken. Jeanne wollte nicht, dass Yacáru weinte. Aber sie musste wohl den Grund wissen, um ihr wirklich helfen zu können.


14.10.2009 16:50




Yacáru


Yacáru legte die Ohren nach hinten, als Jeanne ihr über den Kopf schlechte, so, wie es Welpen taten, wenn sie Zuneigung von Älteren bekamen. Und wie lange hatte ihr schon niemand mehr ganz einfach über den Kopf geschleckt? Ares würde nicht einmal im Traum daran denken, so etwas zutun. Er schleppte sie höchstens mal rum, das taten Eltern zwar auch, aber irgendwie konnte man das nicht vergleichen. Denn der Schwarze war ja irgendwie nur darauf erpicht, dass sie tat, was er sagte. Zumindest kam es der Weißen so vor, wenn sie mal darüber nachdachte.
Sie senkte den immer noch recht verbitterten Blick, die Wölfin, die sie jetzt vor sich hatte, wusste immerhin ihren Namen. Umgekehrt wollte ihr jedoch keiner einfallen, der zu ihr gehören könnte. Als sie Yacáru fragte, warum sie weinte, schluchzte sie erneut leise auf. Ihr kam der Gedanke, wie einfach es wäre jetzt alles raus zu lassen, zu sagen, wie gemein Ares war, obwohl sie ihn doch mochte, wie doof und kaltherzig er war. Aber ... sie tat es doch nicht. Ein Gedanke, der gleich hinterher kam, lautete nämlich, dass Kiba sie dann womöglich zu einem anderen Wolf gab und das wollte sie trotzdem nicht. Die dunkelblauen Augen huschten wieder nach oben, als die Fähe sie plötzlich fragte, ob sie sich über den Schnee freute. So hieß das Zeug also. Hatte sie doch richtig aufgeschnappt. Die Jungwölfin blickte sich um, konnte aber plötzlich nicht mehr diese Begeisterung finden, die sie eben gespürt hatte. Der Schnee war kalt und leer. So wie ihr doofer Dallan.

Ja, hab’ ich. Eben. Jetzt ist mir kalt.“,

antwortete sie etwas trotzig klingend.


14.10.2009 17:33




Jeanne


Jeanne betrachtete die Welpin, sah ihre Tränen und konnte sich einfach nicht erklären, wieso sie weinte. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass Ares wirklich etwas gemeines zu ihr gesagt haben könnte. Je mehr sie darüber nachdachte, desto merkwürdiges kam es ihr vor. Aber sie konnte nicht ihre Gedanken lesen, also musste die Weiße darauf warten, dass die Kleine es ihr erzählte. Ihr Kopf neigte sich leicht zur Seite, als die Welpin den Blick nach unten richtete, und wieder leise schluchzte. Zu gerne hätte sie etwas aufmunterndes gesagt, ein Lächeln auf ihrem Gesicht gesehen. Aber sie war im Moment wohl einfach nicht fähig, jemanden zu trösten, wo sie selbst sich irgendwie nach Trost sehnte. Trotz allem wollte sie Yacáru helfen. Mit einem leisen Seufzen auf den Lefzen ließ sich die Weiße in den Schnee sinken, legte sich neben die Welpin und drehte den Kopf zu ihr. Auf ihre Worte hin legte sich ein Lächeln auf ihre Lefzen und sie ließ den Blick einen Moment verträumt schweifen. Sie nahm den Ton ihrer Worte einfach nicht persönlich.

“Weißt du, woher der Schnee kommt?“

Jeder Versuch sie ab zu lenken, war der Weißen recht. Nicht, weil es ihre Aufgabe war, sich um die jüngsten und schwächsten zu kümmern. Sie wollte einfach nicht sehen, wie irgendein Wolf traurig war. Vor allem kein Welpe, der noch sein ganzes Leben vor sich hatte.

“Stell dir einfach vor, hier wäre eine große Blumenwiese. Denk an die Gerüche, die der Wind von den Blumen zu dir herüber trägt, wie sie deine Nase kitzeln. Denk nicht an die Kälte, stell dir warme Sonnenstrahlen vor, die deinen Pelz wärmen. Dann ist es leichter zu ertragen.“

So hatte ihre Mutter es ihr immer beigebracht, wenn ihr kalt gewesen war. Jeanne mochte den Winter, und stellte sich trotzdem jedes mal eine Wiese voller Blumen vor, die sich bis Ende des Horizonts erstreckte. Warme Sonnenstrahlen, die jede Sorge hinfort trugen.


14.10.2009 18:02




Teyrm


Schnee.
Der aschfarbene Wolf hatte schon vieles gesehen, wahrscheinlich sehr sehr viel mehr als jeder andere Wolf in seinem Alter, doch das, das war ihm noch nie vor gekommen. Interessiert drehte der Jüngling die Schnauze in dem kühlen Nass hin und her, zog sie hoch und schmiss somit viele kleine Brocken des kühlen Nasses in die Luft, nur um sie wieder auf sich regnen zu lassen. Das sonderbar farbige Fell schimmerte voller Nässe und kleinen weißen Verzierungen, doch dem jungen Rebellen war dies vollkommen einerlei. Er freute sich über dieses neue Erlebnis, freute sich auf das Neue in seinem Leben, das selbst Tearl ihm nicht hatte vorher zeigen können. Und hatte dieser Wolf ihm nicht so viel gezeigt? Und es freute ihn daher, das er etwas hatte, womit er diesem Grauen voraus war, hatte Tearl jetzt Schnee? Nein... bestimmt nicht! Sie waren hier ja auch an so einem hohen Punkt... nur an den Weg, an den wollte er sich lieber nicht weiter erinnern.
So tobte der schwarz-graue Jüngling also durch den Schnee, rempelte hier und da mal einen der vielen Erwachsenen an, ohne sich darum zu kümmern. Sollten sie sich halt auch mal entspannen, als andauernd nur Trübsal zu blasen. Das war ja wohl schrecklich langweilig. Die hellen Augen suchten seinen besten Freund und seine Mutter, doch irgendwie hatte er keinen Bezug gerade zu einem der beiden hinzugehen, er wollte nur kurz sehen ob es ihnen gut ging und dann einfach seinem Spiel nachgehen. Manchmal durfte man ja sicherlich noch ein Welpe sein.
Teyrm trieb es einfach über die Ebene. Solang, bis er einen weiteren bekannten Wolf erspähte, oder eher Ein Einhalb. Yacáru. Und ihr komischer Beschützerwolf. Die Ohren des Rüden stellten sich nach vorn, während er die beiden eher unweigerlich aus etwas Entfernung beobachtete, das Problem war halt, das er ja nicht so schnell durch den Schnee kam. Dann jedoch hielt ihn etwas Anderes auf. Der schwarze Rüde ging... und die kleine Weiße.. weinte. Leicht stellte sich das Rückenfell des Welpen auf. Hatte dieser Wolf gerade wirklich Yacáru zum weinen gebracht?! Wie konnte er nur. Kurz noch beobachtete Teyrm wie die Weiße ging, dann setzte er durch den Schnee auf Ares zu. Na warte, der konnte was erleben. Was dachte er was er ist?

“HEY!“

Rief der Jüngling bereits noch aus einiger Entfernung, dieses blöde weiße Zeug! Dennoch zog er das Tempo noch etwas an, sprang nun inzwischen eher durch den Schnee anstatt er lief.

“Was glaubst du wer du bist?“

Hechelnd erreichte er die Hinterläufe des schwarzen Wolfes, noch zwei Sprünge. Die Ohren zurück geneigt stellte er sich vor den um einiges größeren Rüden. Doch das war ihm jetzt egal. Er wollte sich ja nicht mit ihm prügeln, sondern ihm einfach nur die Meinung geigen. Außerdem hatte er ja so was wie Welpenschutz, was auch ganz praktisch war. Vor dem bösen Blick den er Ares jetzt zuwarf, hätte er sich wahrscheinlich sogar selber gegruselt.

“ Wieso bringst du sie zum weinen? Dreh dich um und geh dich entschuldigen!“


Er meinte es ernst, man merkte es an seiner Stimme und seiner Körperhaltung. Das aschfarbene Fell war im Nacken etwas aufgestellt, die fast weißlichen Augen funkelten wütend. Wer Yosó kannte, würde spätestens jetzt wissen, wer sein Sohn war.


15.10.2009 11:32




Aiyán Tendes


Aiyán nickte einfach mal brav auf die Worte des Älteren. Holla, der hatte vielleicht krasse Ansichten. Ob man ihn wirklich gleich umbringen würde, nur weil er sagte, dass sein Rudel vielleicht einen Fremden aufessen würde und niemand den Scherz dahinter verstand. Ai war sich ziemlich sicher, dass jeder diesen Satz als Scherz verstanden hätte. Sai hätte ihn sicher noch mit ein paar weiteren, zynischen Kommentaren geschmückt. Aber dieser Feru mit dem komischen Namen, schien das anders zu sehen. Vielleicht lebte es sich dort, wo er her kam, einfach anders? Das könnte er ihn mal fragen. Genau so interessant war jedoch die Frage, warum Feru jetzt hier war, wenn er woanders mal Alpha gewesen war. Ob die Frage zu unhöflich war? Hm. Naja, er war noch jung, man würde ihn als unerfahren abstempeln und an seinen Welpenschutz denken. Also durfte er das.

"Darf ich fragen, warum sie vorbei sind?"

Das klang immerhin noch höflich! Seine blauen Augen huschten wieder zu der braunen Wölfin, die sich jetzt als Cílyn Nuray vorstellte. Hah, perfekt. Na klar, diese mit dem Lyn ... hatte er doch gewusst! Zumindest tat er einfach so und nickte. Aber auch sie benutzte plötzlich dieses "euch" und Aiyán war sich wieder mal nicht ganz sicher, ob sie nun nur Feru meinte, oder auch sich. Wobei auch das unsinnig wäre, schließlich waren er und Sai inzwischen lang genug wieder da. Wo war der eigentlich? Sein Zwillingsbruder schmollte nun schon seit Stunden und eigentlich war es mehr als ungewöhnlich, dass sie sich so lange alleine ließen. Als Mitsah sie in den Wald verschleppt hatte, war das etwas anderes gewesen. Alte Zeiten. Wo man sich als einzige Unterhaltungspartner noch Bäume gesucht hatte und aus einer Laune der Natur heraus anfing zu reimen. Aber diese neurotische Störung war er inzwischen wieder los geworden, genau so wie Sai seinen Slang wieder abgelegt hatte. Mitsah hatte sie echt irgendwo an den Rand des Wahnsinns getrieben! Gut, dass sie wieder Zuhause waren. Wenn auch ohne Pyry.


15.10.2009 11:32




Ares


Nachdenklich ging der Schwarze den Weg zurück, ohne wirklich nachdenken zu wollen. Er konnte es vor sich selbst nicht leugnen, Yácarus Worte hatten ihn sehr hart getroffen und das machte ihm Angst. Ja, es machte ihm wirklich Angst, weil es bedeutete, dass diese wirklich bedeutungslosen Worte bis zu ihm durchgedrungen waren. Es bedeutete, dass die kleine Weiße alle seine Barrieren durchbrochen hatte, alle Mauern überwunden. Aber nicht mit Gewalt, nein. Sie war hindurchspaziert, auf ihre kleine, liebenswürdige, welpische Art, ganz zufällig, während sie einem Schmetterling oder dergleichen gefolgt war. Einfach so und er hatte es zugelassen, weil er sich im Anblick ihres Spiels verloren hatte. Was war nur in ihn gefahren?
Er hatte nicht einen Augenblick darüber nachgedacht, welche Bedeutung das haben mochte, nicht einmal im Positiven. Und nun war es geschehen. Er spürte ganz deutlich, wie die Worte wie Nadeln stachen. Und er wusste nicht einmal, wieso.

In gewisser Weise hatte Yácaru Recht. Es war nicht schwer zu glauben, dass der Schwarze gerne von einer Klippe gesprungen wäre, obgleich dem nicht so war. Ares liebte das Leben. Er hatte nur verlernt, ein Teil davon zu sein. Er beobachtete die Welt, er genoss ihren Anblick und er hatte sich sogar verliebt. Verliebt in die Fröhlichkeit, in die Unbeschwertheit der Welpin. Ohne es zu bemerken. Aber er war kein Teil mehr, er besaß selbst kein Leben mehr, das es zu leben galt. Er hatte die Position eines stillen Beobachters gewählt, ohne Verbitterung, ohne Angst. Das jedenfalls redete er sich ein.
Er hatte verlernt, was es bedeutete zu leben. Aus Angst. Er hatte einst gelebt, und wie er das getan hatte. Aber er hatte auch die Schmerzen gehabt, die Enttäuschung und den Hass. Und das wollte er nicht wieder erleben. Das war sein Glück nicht wert.

Durch all diese Gedanken hindurch bemerkte er nicht, wie sich ihm ein anderer Wolf näherte. Das verriet, wie sehr er wirklich abwesend war, denn für gewöhnlich hätte ein eben solches Verhalten ihm Grund genug geboten, sofort auf Abstand zu gehen.
Nun aber wurde er sich seines Verfolgers erst bewusst, als dieser beinahe zu ihm aufgeholt hatte. Er hatte nicht einmal bemerkt, wie der junge Rüde ihm nachgerufen hatte. Es war ihm aber auch egal.
Ausdruckslos musterte er den anderen und blieb dabei stehen. Es war wirklich ein sehr sonderbarer Anblick, wie sich diese halbe Portion vor ihm aufbaute. Sicher, er wusste schon, was nötig war, um sich verständlich auszudrücken. Aber es mangelte ihm eklatant an Größe und vielleicht auch an Erfahrung, um das geltend zu machen, sodass sich der Schwarze weder besonders bedroht fühlte, noch beeindruckt war. Oder gewesen wäre, wäre er jemand gewesen, der sich auf Gefühle verstanden hätte.

Was seine Worte anging, so interessierten diese Ares eigentlich kaum wirklich. Sie gingen an ihm mehr oder minder vorbei in ihrer Schärfe. Allerdings täuschte sich der Junge, wenn er glaubte, so etwas wie Welpenschutz reichte aus, um Ares gegenüber einen Blankocheck zu besitzen. Der Schwarze war keineswegs aggressiv, im Gegenteil. Aber er würde sich gewiss nicht alles gefallen lassen. Allerdings hatte er nicht vor, sich das anmerken zu lassen oder dergleichen, im Gegenteil.
Es lag nicht in seiner Art, sich nach außen hin zu präsentieren.
Jedenfalls aber nahm er den Jungwolf weder ernst, noch sah sich aus einem anderen Grund dazu veranlasst, dessen Forderung nachzukommen. Es ging ihn schlicht nichts an, dass er gar nicht verstand, worum es ging, soweit brauchte der Schwarze nicht zu denken.

“Lass mich in Ruhe“, forderte der Schwarze und ging einfach an ihm vorbei.


Es klang nicht trotzig, es klang nicht einmal nach einer Aufforderung. Es schien eine Tatsache. Seine blanken Augen verrieten nichts und auch seine Haltung zeigte nicht mehr als Gleichgültigkeit, als er den jungen Rüden einfach umging, ohne ihn weiter eines Blickes zu würdigen.
Vor einiger Zeit noch hätte ihm allein diese Nähe irgendwie Probleme bereitet. Aber inzwischen hatte er sich ganz unbemerkt an ein Rudel gewöhnt, auch wenn er nach wie vor nur Beobachter war.


15.10.2009 15:56




Teyrm


Bei Ares Worten zuckte der Jungrüde nicht einmal mit den Fellspitzen. Ganz ruhig stand er da und wandte den Kopf langsam in die Richtung in der ihn der schwarze Wolf einfach umkreiste und weiter abhaute.
Was für ein...
Was für ein abgrundtiefer Feigling!
Wie von einem Tier gestochen wirbelte der aschfarbene Welpe erneut herum. Der sollte sich mal gar nicht so aufspielen. Wenn der dachte er würde einfach so aufgeben, dann hatte er sich geschnitten. Er war nämlich nicht irgendwer. Er war Teyrm, ein großer Abenteurer der schon viel weitere Wege zurück gelegt hatte, wenn auch ohne Schnee. Wenn dieser Wolf also glaubte er würde einfach so aufgeben, dann hatte er sich ganz gewaltig geschnitten. Außerdem würde dieser Wolf gar nicht so lange abhauen können!

1.Hatte er selbst ja wohl die besseren Argumente.
2.Konnte er zur Not immer noch bei Kiba petzen gehen.
3.War das aber gar nicht nötig, weil er das sicherlich ganz gut allein hin bekam.

So oder so, nun eher Gazellenartig sprang der Aschfarbene durch den Schnee erneut um Ares herum um sich erneut vor den größeren Wolf hinzustellen.

“Du kannst nicht ewig abhauen!“

Maulte er und blickte den Erwachsenen bitterbös an. Er würde sicher nicht klein bei geben nur weil dieser Dummkopf Yacáru zum weinen bringen musste mit seinem... warum auch immer. Das ging einfach mal gar nicht. Man brachte Keinen zum weinen und haute dann ab ohne sich zu entschuldigen. Das war ja mal sowas von Feige. Und Teyrm wollte nicht glauben das Ares so feige war. Vielleicht war er etwas... schweigsam. Und irgendwie auch ziemlich unsymphatisch, aber da Yacáru ihn mochte, musste ja irgendwas an ihm dran sein.
Hm.
Was auch immer, der Welpe konnte das eindeutig nicht erkennen, dennoch lehnte er den Kopf etwas zur Seite und Blickte den Älteren an.


“Yacáru mag dich, deswegen bekomm ich nachher vielleicht noch Ärger weil ich dich angebrüllt habe. Aber das ist mir jetzt egal. Solang du dich nicht entschuldigen gehst, bleib ich so lange bei dir und geh dir auf die Nerven bis du es machst“, ein triumphierendes Grinsen huschte ihm auf die Lefzenwinkel, ein guter Schachzug, “Und glaub mir ich hab Ausdauer, ich hab schon vieeel weitere Strecken zurückgelegt. Ich bin ein Abenteurer weißt du.“

Zufrieden machte er dem Schwarzen den Weg frei und gesellte sich stattdessen an seine Seite. Mal schauen wie lange der ihn aushalten würde.


16.10.2009 09:53




Ares


Aus war aus Prinzip heraus keine gute Idee, dem Schwarzen allzu nahe zu kommen, denn er selbst scheute aus Prinzip Nähe. Natürlich konnte der Jungwolf das nicht wissen, aber darauf nahmen die Instinkte des Rüden nun einmal wenig Rücksicht. Zwar hatte er gewiss nicht vor, den Kleinen anzufallen, aber es war nicht schwer, ihn auf diese Art zu reizen, weswegen er sich nun doch große Mühe gab, ihn zu ignorieren.
Leider gelang ihm dieser Vorsatz nicht annähernd, denn in der Tat, der Jungrüde war wirklich hartnäckig. Deswegen hätte man ihm höchstens einen Preis für Dummheit geben können, aber für Manche war ein Preis ein Preis. Davon einmal abgesehen lebte dieser junge Wolf in dem Irrglauben, nur weil seine Pfoten noch größer waren, als sein Gehirn, würde niemand ihm etwas zu Leide tun und das war nun tatsächlich reiner Irrglauben, soweit er auch behauptete, gewandert zu sein. Allerdings wollte Ares gewiss nicht der Wolf sein, der ihn eines Besseren belehrte. Obwohl es dem Grauen sicherlich gut getan hätte, diese Fantasie baldmöglichst abzulegen.

Was die Worte des Jungen anging, sie kratzten nun wirklich nicht an Ares‘ Ego. Man konnte es drehen wie man wollte. Wenn man wollte, konnte man sein Verhalten auch als rücksichtsvoll bezeichnen; er ging, ehe er etwas sagte, das Yácaru noch weiter verletzte. Aber der Schwarze dachte weder an das eine, noch an das andere.
Er fühlte sich immerhin verletzt und ein winziger Teil in ihm protestierte deswegen auf die Worte des jungen Rüdens hin. Aber dieser Teil war verschwindend gering und ihm wurde keine Beachtung geschenkt.
Viel mehr waren es die Zweifel, die nun an Ares nagten. Wann immer er es gewagt hatte, jemandem Vertrauen zu schenken, war er enttäuscht worden. Und deswegen hatte er sich auch diesen letzten Teil des Lebens verboten und alle gemieden, denen er Vertrauen schenken wollte. Wie sollte er sich nun verhalten? Sollte er Yácaru alleine lassen?
Nun, alleine war sie gewiss nicht. Das war ein großes Rudel und sie würde keine Schwierigkeiten haben, hier Anschluss zu finden. Als er sich unwillkürlich einer Bewegung des Rüden wegen umgewandt hatte, hatte er geglaubt, sie bei einer anderen, weißen Fähe zu sehen. Er hatte sie nicht erkannt, aber es bewies ihm, dass die Kleine keine Probleme hatte, Bezugswölfe zu finden.

Dass aber der kleine Rüde nun beschloss, ihm dauerhaft auf die Nerven zu gehen, störte den Schwarzen dann doch. Zum einen, weil es einfach lästig war und zum anderen, weil Ares nun wirklich nicht der Wolf war, neben dem man einfach so gehen konnte.
Unwillkürlich sträubte sich sein Nackenfell, was bei seiner Größe und Statur nun wirklich eindrucksvoller wirkte als bei dem Jungen. Seinen Augen war nichts anzusehen. Das war das Gefährliche an ihnen. Man konnte sie nicht einschätzen, nicht durchdringen.
Und überhaupt, was glaubte der Kleine, was er da tat?

“Glaubst du wirklich, Yácaru wäre über eine erpresste Entschuldigung glücklich?“, knurrte der Schwarze.

Eigentlich hatte er etwas ganz Anderes sagen wollen. Hatte den Grauschwarzen mit Nachdruck darauf hinweisen wollen, dass er nun zu verschwinden hatte, wozu auch seine Stimme sehr gut passte. Aber es waren andere Worte aus seiner Kehle gekommen.
Diese halbe Portion bildete sich ein, ihn hier bequatschen zu können, ohne recht zu wissen, was eigentlich vorgefallen war und nun sollte er auch noch von ihr Befehle annehmen? Etwas regte sich in Ares, etwas, das lange geschlafen hatte, dass er eigentlich für tot gehalten hatte. Er konnte es ohne Mühe ignorieren, aber er konnte nicht leugnen, dass es wieder da war.


16.10.2009 09:53




Adali


Nur langsam klang der Schmerz in ihrer Brust ab, der sich an ihrem leeren Inneren echote und zurück geworfen wurde. Ihr blutendes Herz gewöhnte sich allmählich an die Wunden, an die Schuld, den Schmerz, die Trauer. Es wurde zur Gewohnheit, zur Gewissheit. Es war ihr Leben, ihre Geschichte.
Wieder drohte Adali in ihren Gedanken abzudriften, holte sich jedoch mit Mühe und Not wieder zurück. Stattdessen beobachtete sie die weiße Umgebung, den Schnee, die anderen aus dem Rudel. Ihr Blick traf kurz ihren Sohn, der mit langen Sätzen durch den Schnee lief und das gefrorene Nass, das Neue, immer wieder hoch warf, um sich von dem herunter fallenden Schneestaub berieseln zu lassen. Nur leicht verzog sich ihr Gesicht zu einem zaghaften Lächeln, welches jedoch nicht in ihre Augen reichte.
Natürlich freute sich Adali sehr ihren verloren geglaubten Sohn wieder zu haben, der von seiner Abenteuerreise zurück gekehrt war. Dennoch. Es schmerzte sie, dass sie ihm nicht die Mutter sein konnte, die er brauchte, dass sie nicht die starke Fähe war, die dem Rudel eine Stütze sein konnte, dass sie nicht für ihre Familie oder das was davon übrig war, da sein konnte. Sie ließ sie alle im Stich, weil sie so schwach und jämmerlich war. Ein Kloß schnürte ihre Kehle zu, den sie auch nicht herunter schlucken konnte.
Nicht ein Mal ehrlich konnte sie sein, weder zu Teyrm, noch zu Kiba; geschweige denn zu sich selbst.
Innerlich seufzte die Schwarze, wandte den Blick aus den Bernsteinen ab und wieder zu dem Grauen, dessen ruhigen, bedächtigen Blick sie schweigend beantwortete.
Obwohl sie nie weiter mit Merlin gesprochen hatte, fühlte sie sich an seiner Seite keinesfalls schlecht. Es war ein weiterer Schritt auf ihrem Weg, wohin auch immer dieser sie hinführen würde.
Die schwarzen Ohren spielte ein wenig, lauschten den anderen Stimmen, die im Hintergrund zu einem gleichmäßigen Murmeln verschmolzen, ohne weitere Gesprächsfetzen zu erhaschen. Eine Sekunde hatte die Wölfin den Blick von den grünen Augen abgewandt, doch als sie jetzt den Blick wieder hob, um ihm ins Gesicht zu sehen, stutzte sie. Er lächelte. Es war kein höhnisches Lächeln, nichts von Satire zu spüren. Es war warm und weich, sanft, fast schön betörend. Die Fähe konnte den Blick nicht von seinem Gesicht nehmen, es war einfach unmöglich sich davon zu lösen, nicht nur, weil sie völlig überrascht von dieser Reaktion war.
Ein paar Herzschläge lang traf Bernstein auf Smaragd, bis Adali merkte, dass es unhöflich war ihn so lange anzustarren, löste sich von dem Lächeln und blickte beschämt in die Ferne. Die Ohren waren entschuldigend nach hinten gedreht, sie fühlte sich unwohl. Obwohl sie nicht in seinem Blick wie in den weißen Seelenspiegeln versunken war, so hatten die klaren Augen eines jeden Wolfes etwas faszinierendes an sich. Es fesselte sie und in solchen Augenblicken schämte sie sich dafür. Es war unhöflich und unangemessen.

Entschuldige, ich...“, begann sie leise, brach dann aber doch ab.

Wie sollte sie es erklären, ohne dass Merlin sie weder für verrückt noch für sehr unhöflich hielt.

Entschuldige bitte.“,begann sie leise, beließ es dann dabei und ließ den Blick wieder schweifen.

Ein wenig rissen ihre scharfen Zähne ihre empfindlichen Lefzen auf, als sie den Kiefer hart aufeinander presste und sich selbst in Gedanken einen Dummkopf schimpfte.
Auf seine Worte allerdings zuckten ihre Ohren nach vorne, den Blick überrascht wieder auf den waldgrünen Augen, die sie sanft anblickten.
Eine Sekunde lang blickte Adali Merlin schweigend an, überlegte und realisierte erst nach und nach, was er ihr damit sagen wollte. Langsam zog sich ihre Stirn kraus, nicht vor Missbilligung, sondern weil sie mal wieder alles zergrübelte.

Vielleicht.“, gab sie mit einem nachdenklichen Nicken zu und ließ den Blick wieder wandern, als gäbe es irgendwo in der weißen Ferne eine Antwort. „Aber ich glaube, es gibt in meinem Herzen keinen Schnee, keinen Sand, keinen Boden, auf dem Spuren hinterlassen werden können.

.oO(Dazu blutet es zu sehr.)


16.10.2009 22:28

You are not alone in your life although you might think that you are

So sorry your world is tumbling down
I watch you through these nights
Rest your head and go to sleep
Because my child,
this is not our farewell
29.08.2010 00:20
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Cave of Mind
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23.07.2005

Seite 7




Merlin lhein Cenedhril


Merlin wusste, dass er sich einiges anmaßte. Nicht, weil er hier mit einer erwachsenen Fähe sprach und sich gestattete, irgendwelche Anmerkungen zu machen. Nicht, weil er sich einfach zu einer vertrauten der Alpha setzte, in einem Rudel, das er kaum kannte und begann, von der Seele der Welt zu plaudern. Und auch nicht, weil er gerade womöglich an Narben kratzte, die noch nicht verheilt, an Wunden, die noch nicht geschlossen waren. Das alles war sicher nicht unbedingt nett, obgleich er sich die größte Mühe gab, irgendwie vorsichtig und behutsam zu sein, ihr nicht mehr weh zu tun, als es nötig war.
Aber er war anmaßend, weil er ihr Ratschläge gab, die er nicht befolgte. Die Stimme hatte Recht gehabt. Er war nicht besser als Adali, er machte dieselben Fehler, nur verkehrt herum. Er klammerte sich an die Zukunft, hoffte auf jeden neuen Moment und mit jedem Atemzug der Gegenwart griff er schon wieder nach dem, was kommen musste, irgendwann. Ohne sich wirklich einzugestehen, dass das kein Leben war. Das das keine Zukunft hatte.
Und trotzdem wollte er nicht schweigen.

Der graue Rüde konnte so etwas von Natur aus nicht ertragen. Hoffnungslosigkeit war für ihn ein negativer Ort, die Umkehrung von Etwas, das dawar und demnach einfach nur eine Unnatürlichkeit, die man zu füllen hatte, vorzugsweise mit Hoffnung. Es musste auf Dauer wirklich zermürbend sein, ihn zu beobachten, denn es ist schon eine Herausforderung, jemandem dabei zuzusehen, wie er zerbricht. Aber jemand, der es weiß und dabei noch lächelt, den muss man zwangsläufig für verrückt halten.
Doch der Graue suchte darin seinen Trost. Es war paradox und es funktionierte nicht, das wusste er. Aber er scheute sich vor der Alternative. Er wollte nicht das aufgeben, was er hatte, um nach etwas zu greifen, das größer war. Er hatte Angst davor, dass auch das Wenige ihm entglitt. Er fürchtete sich davor, dass die Realität, die er besaß, die kleinen Splitter, dass auch sie fliehen konnten und er dann völlig alleine war. Deswegen klammerte er sich daran, deswegen konnte er nicht mitansehen, wie Adali so verloren dasaß. Es zerstörte seine Illusionen.

Ihre warmen Augen ruhten eine Weile auf ihm und der Rüde spürte den Blick sehr deutlich, konnte aber nicht von sich behaupten, dass es ihm unangenehm gewesen wäre. Vielmehr war er froh, überhaupt ihre Aufmerksamkeit zu spüren. Und die Tatsache, dass sie ihn nicht längst fortgejagt hatte, sondern viel mehr über seine Worte nachdachte, verriet ihm, dass sie darüber nachdenken wollte. Er wusste es, denn er wusste von sich, dass es ihm nicht so ging. Er wollte keinen Zuspruch, denn dann hätte er zugeben müssen, dass seine Welt falsch war. Für gewöhnlich war er niemand, der Fehler nicht zugeben konnte, aber in diesem einen Fall war die Illusion so dünn, dass jeder Lufthauch, so fürchtete er, sie hätte beenden können.

Als Adali nun aber zu einer Entschuldigung ansetzte, neigte der Rüde leicht den Kopf, sein Blick war fragend, interessiert und auch ein wenig überrascht. Er wusste natürlich, wofür sie sich entschuldigen wollte, aber er wollte ihr damit deutlich machen, dass das für ihn kein Grund war, sich zu entschuldigen. Man verlor sich so leicht im Anblick von etwas, nur weil das ein Wolf war, war das doch nicht außergewöhnlicher. Schließlich waren sie alle ein Teil dieser Welt. Manche mehr, andere weniger.
Aber er spürte, dass sie das doch ein wenig verschreckte und verzichtete deswegen darauf, sie auf diesen Umstand hinzuweisen. Ganz vorsichtig ging er über das dünne Eis, das kaum für sein Gewicht gemacht zu sein schien. Aber er hatte Übung darin, er konnte das sehr gut.

Was ihre Worte betraf, so lauschte er ihnen nun interessiert und als ob sie auch Gesten dazu vollführen würde, sah er dabei auf den Schnee zwischen ihrer beider Pfoten. Er war aufgewühlt und glitzerte in tausend Grautönen, die aber alle dem Weiß sehr nahe kamen. Dennoch gab es keine Farben im Schnee, ebenso wenig wie in Merlins Fell.

Das war vermutlich das einzige, was er mit dem kalten Element gemein hatte und selten gefiel ihm auch das. Er grämte sich nicht seiner Fellfarbe wegen. Aber er fand es immer schade, dass Wölfe, die wirklich schöne Musterungen hatten, das nicht zu schätzen wussten.

“Weißt du, ich denke, in diesem Fall solltest du wieder damit anfangen, Spuren im Herzen anderer zu hinterlassen“, erwiderte er lächelnd.

Er glaubte nicht daran, dass sie Recht hatte. Sie hatte vielleicht Angst davor, vielleicht war sie sogar davon überzeugt. Aber im Grunde musste sie unrecht haben. Das Herz war ein weiches Material. Es bedurfte nicht viel, um es zu verletzen, aber ebenso wenig brauchte es, um heilende Spuren zu hinterlassen. Und Adalis Herz war nicht aus Stein.

“Oder vielleicht musst du nur wieder lernen zu erkennen, d a s s du nie damit aufgehört hast, das zu tun.“

Ja, Merlin hinterließ gerne Spuren im Herzen anderer, aber er hatte verlernt, die Spuren in seinem eigenen Herzen zu erkennen. Es war ebenfalls nicht aus Stein, bei Leibe nicht! Seine Schwester hatte sogar immer behauptet, er besäße ein viel zu weiches Herz. Ob das stimmte, wusste er nicht. Aber er wagte es nicht, es sich anzusehen und er hatte verdrängt, es zu spüren. Er wehrte sich nicht gegen Wölfe, die Spuren darauf hinterlassen wollten, aber er wagte es nicht mehr, sie sich anzusehen. Er verbot sich die Zeit dazu, in sich zu horchen.


17.10.2009 00:26




Yacáru


Die Ohren wieder etwas zurück drehend verfolgte Yacárus Blick, wie sich die Weiße um sie herum wandte und dann neben ihren Körper in den Schnee legte. Die kleine Welpin hatte sich hingesetzt und ganz unauffällig, wirklich nur ein klitzekleines Bisschen lehnte sie sich an die warme Wölfin. Minimal. Als säße sie bloß etwas schräg, denn die Fähe sollte nicht etwa glauben, dass sie sich nach ein bisschen Zuneigung sehnte. Dem war zwar so, aber es hätte sie gekränkt dies zu zugeben. Sie tat das ja nicht mal vor Ares, ganz abgesehen davon, dass es dem Schwarzen eh egal gewesen wäre. Er würde sie bestimmt bloß so kalt und stumpf wie immer anschauen und nichts sagen. Oder irgend etwas Gemeines. Der Gedanke daran drückte ihr wieder ein paar Tränchen in die Augen, aber sie kam sich doof vor hier rum zu hocken und vor sich hin zu heulen, ohne das sie der – schon recht netten – Wölfin sagen wollte warum. Sie schluckte noch einmal stark und blinzelte, dann drehte Yacáru die Ohren wieder der Weißen zu, die sie nun fragte, ob sie wusste, woher der Schnee kam. Ne, war sie Hellseherin? Sie wusste ja auch erst seit eben grade, dass dieses kalte Zeug Schnee hieß.

Ne.“

Und dann redete die Ältere auch schon weiter, jetzt aber von etwas ganz anderem. Von Blumenwiesen, von Frühling. Vom Geruch der Blumen, vom Wind, ihrem Wind. Warme Sonnenstrahlen. Der Gedanke an eine warme Brise, die sie umarmte und vor der Kälte schützte, war tatsächlich etwas tröstend, aber die Realität war so klirrend und scharf, dass es kaum ausreichte.

Hm. Ja, ist ganz schön. Blumen, Sonne und Wind.“,

antwortete sie, ohne dabei übermäßig begeistert zu klingen. Eher gar nicht. Aber sie tat einfach mal so, als würden ihr die Gedanken daran helfen.


17.10.2009 15:07




Akara Chitaru


Akara ertappte sich dabei, wie ihre Gedanken abschweiften, während sie immer wieder den Blick umher wandern ließ, stets dahin zurückkehrend, wo sie angefangen hatte, nach etwas unfindbarem zu suchen. Ihr Ausdruck signalisierte Aufmerksamkeit, wann immer sie einen Wolf der Gesprächsrunde ansah. Wahrscheinlich würde außer ihr niemand merken, wie wenig Beachtung sie der Unterhaltung inzwischen entgegen brachte. Ihr Inneres war aufgewühlt und ein Gefühl des Unbehagens stieg in ihr auf, wie sie es bisher nicht gekannt hatte. Sie kämpfte die Änderung nieder, nicht bereit, die Unruhe zuzulassen. Sie fragte sich, ob es an der Gruppe lag, oder am Gespräch, oder dem, was Shiteryu erzählt hatte. Oder der Frage, die Andraki stellte, oder Jeannes Gehen. Sie sah Maav flüchtig an, als würde sie ihn kurz mustern, nur flüchtig. Tatsächlich taxierte sie ihn, auch noch, als sie den Blick wieder umherwandern ließ. Ruhelos.
Sie setzte dazu an, sich zu entschuldigen und wollte im nächsten Moment aufstehen.

“Wie glaubt ihr, funktioniert der Kristall?“

Fragte sie dann, innerlich ungläubig, dass sie sich plötzlich lieber ablenken wollte, als einen Augenblick der Einsamkeit zu nutzen, um wieder zur Vernunft zu kommen. Sie blickte abwartend in die Runde, hoffte, nicht allzu Weltfremd zu wirken. Sie hatte das Gespräch nicht mehr genau verfolgt und fragte sich, ob ihre Frage unangebracht war. So als wolle sie die Wölfe stören, die zusammen saßen und sich austauschten.
Sie versuchte so zu wirken, als hätte sie lange über ihre Frage nachgedacht und wäre dann plötzlich damit herausgeplatzt, als sie keine Antwort finden konnte. Tatsächlich wollte sie eigentlich gar nicht wissen, wie sich zutragen konnte, was sie gemeinsam in den Kammern erlebt hatten. Nie zuvor hatte sie sich so unbeholfen gefühlt und nie war es ihr schwerer gefallen, ihre Person aufrecht zu erhalten. Sie wollte nicht, dass jemand merkte, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Niemand sollte sich sorgen machen, es lag an ihr, sich wieder in den Griff zu bekommen.

“Ich meine… wie kann es sein, dass er Bilder aus unseren Köpfen holt… Und wie ist es möglich, dass sie so real werden, dass auch andere sie sehen können? Ist euch je etwas Ähnliches auf euren Pfaden begegnet?“

Wieder hüpften ihre Augen von Andraki zu Maav und von diesem zu Shitéryu. Sie hatte die Stille nicht ertragen und das Zeitgefühl dafür verloren, wie lange die Anderen geschwiegen hatte. Nicht lang, da war sie sich sicher. Sie hätte nicht wieder zu sprechen anfangen müssen.
Ihr Mienenspiel schien voller Neugierde und Nachdenklichkeit. Und kurz streiften ihre Gedanken das, was sie gesehen hatten, um einen noch größeren Strudel des Unbehagens in ihr hervorzurufen. Verdammt!


18.10.2009 12:10




Shitéryu


« Es gibt einen Schmerz, der uns für immer innerlich isoliert, der zu tief ist, um durch das Mitgefühl gelindert zu werden... »

Gibt es einen Weg aus meinem Schmerz heraus? Der natürliche Weg ist die Trauer. Und welchen Weg gehe ich, wenn die Trauer viel zu tief sitzt, um meiner Seele Ausdruck zu verleihen?

Eine Weile herrschte Schweigen auf seine Worte, es war still um sie herum und doch fühlte sich der Weiße nicht unwohl. Zum ersten Mal seit langer Zeit, sogar fast ein wenig besser, als er alleine mit Zorro durch die Einsamkeit gewandert war. Wobei ihm dieser Rüde kaum mehr aus dem Kopf wollte. Der Schwarze hatte ihm die Traurigkeit und die Einsamkeit genommen. Sie waren mehr alleine gewesen, nicht zu ihrer Existenz verdammt. Sie waren sich in dem kurzen Augenblick recht nahe gekommen, näher, als es kaum wer geschafft hatte. Zumindest bei diesem Rüden, der wie ein Geist, ungesehen und ungehört, die Welt bereiste.
Erst nach einem weiteren Augenblick der Ruhe erhob die zimtfarbene Fähe die Stimme, ein wenig Angst klang unterschwellig darin mit. Kaum zu vernehmen und doch klar für die aufmerksamen Ohren des Weißen.
Der ruhige Blick aus den graublauen Seelenspiegeln legte sich auf Andraki, geduldig und nachdenklich. Er suchte in ihrem Blick nach etwas, dessen Namen er nicht kannte und was ihm doch sein Gefühl verriet.

Nun...

, setzte die leise Stimme des Rüden an, bevor sie sich in der Stille der Gedanken verlor.

Ich kann es nicht genau sagen.

Prüfend blickte Shitéryu die Fähe an, suchte erneut nach etwas in ihrem Blick, was er nicht betiteln konnte und dennoch war er sich sicher, dass er es finden und erkennen würde.

Es ist mehr ein Gefühl. Zugleich erscheint es mir aber auch so realistisch und gar nicht mal so abwegig. Sehr kompliziert und verwirrend, wie die Spiegel an sich.

Wieder ließ er die Worte verklingen und wartete einen Moment, bis er erneut die Stimme erhob, um dem noch etwas hinzu zu fügen.

Ich denke, dass wir es – trotz dieser Tatsache, dass ein solches Bildnis existiert – in der Pfote haben. Unsere Ängste haben sich mehr als deutlich gezeigt, wir mussten ihnen praktisch von Angesicht zu Angesicht in die Augen blicken, wenn man so will.

Aber es heißt noch lange nicht, dass es unweigerlich so weit kommen muss. Zumindest es dies meine Sicht der Dinge. Und wenn ich ehrlich bin: Ich möchte nicht so leben.


Ganz recht, aus diesem Grunde suchte er verzweifelt wie eine Ertrinkender den rettenden Halm, Halt und Gesellschaft. Eine Zuflucht für sich und seine zerrüttelte Seele.
Sein Gedankenspiel wurde allerdings gestört, als Jeanne sich erhob und die Runde verließ. Nachdenklich und langsam nickte er nur, beobachtete, wie sie aus dem Kreise verschwand.
Dann erhob auch schon die Graue das Wort und warf damit das in den Raum, was sie sich wohl alle irgendwie fragten.
Ratlos zuckte Shitéryu nur mit den Schultern, schüttelte sachte den Kopf.

Ich kann es mir nicht erklären. Ein Seelenbild habe ich noch nie gesehen und auch nicht die anderen Bildnisse. Aber ich denke, dass der Spiegel die Bilder nicht aus den Köpfen, sondern aus unseren Herzen holt. Irgendeine Bewandtnis muss es haben. Ein Ort um über sich selber nach zu denken? Und was wäre, wenn ein Wolf, der sich alles zu Herzen nimmt, so lange an sich arbeitet, dass sie Ängste verschwinden, sein Glück vollkommen und seine Seele rein ist? Würden die Spiegel dann nichts mehr zeigen?

« Im eigenen Spiegel
siehst du nur dich selbst...
»


18.10.2009 14:21




EL‘ Sombo de Feru


Ruhig lauschte der Schwarze dem Gespräch der braunen Fähe und Aiyán, welcher scheinbar zum ersten Mal in seinem noch so jungen Leben den Schnee bewundern durfte. Sombo konnte sich noch gut daran erinnern, wie die Tage immer kürzer wurden und die klaren, kalten Nächte dafür das Land länger und unbarmherziger in ihrer Gewalt hielten. Und dann hatte sich die weiche Decke zum aller ersten Mal in seinem Tal zur Ruhe gelegt und sollte es gleich einem seidigen Vorhang in einen tiefen Schlaf hüllen. Damals hatte er dieses Naturschauspiel noch für das Faszinierenste in seinem Leben gehalten, aber wie alles Neue, so wurde auch dies mit der Zeit zur Normalität. Es wiederholte sich jedes Jahr und demnach wurde es dem Rüden irgendwann gleich. So wie so vieles in seinem Leben ihn irgendwann nicht mehr fesseln konnte.

Auch wenn die großen, schwarzen Ohren stetig auf die beiden Fremden gerichtet waren, so lies er seinen eiskalten Blick die Schönheit dieser Ebene einfangen und verinnerlichen. Zwar blieb er innerlich davon absolut unberührt, aber sein Instinkt, seine Seele wollten sich daran ergötzen. Immerhin zeugte dies doch von Leben, oder? Dies machte es doch aus, oder etwa nicht? Wenn man seiner inneren Stimme noch zu hören konnte, dann war man noch nicht tot. Oder etwa doch? Vielleicht; vielleicht konnte man leben und dennoch tot sein. Vielleicht ging beides zur selben Zeit und niemand, außer dem Betroffenen, bekam davon irgendetwas mit. Das war möglich; Sombo war sich beinahe sicher.

Erst, als die Fähe und der kleinere Rüde fast zeitgleich das Wort wieder an ihn richteten, legte sich sein kühler, beinahe toter Blick erneut auf die beiden Wölfe. Der Schwarze neigte etwas den Kopf zur Seite, als er das sanfte Lächeln der Braunen vernahm und konnte es einen Moment lang nicht wirklich einordnen. Lächelte sie aus bloßer Höflichkeit? Meinte sie es tatsächlich ernst?

oO(Warum machst du dir über so etwas Gedanken? Es kann dir egal sein, El' Sombo de Feru, wer es mit dir ernst meint, oder nicht. Was man säht, das erntet man.)Oo

"Es freut mich, eure Bekanntschaft zu machen, Cílyn.", begrüßte er schließlich die Fähe und schenkte auch ihr ein fast schon warmes Lächeln, auch wenn es immer ein wenig starr und verkrampft wirkte. Irgendwie schienen Sombos Lefzen vor langer Zeit verlernt zu haben, eine Regung zu zeigen und wenn er sich zwang, dann wusste er nicht so recht, ob seine Mimik auch tatsächlich das zeigte, was er beabsichtigte. "Mein Name ist El' Sombo de Feru. Ich weiß, er ist lang und so könnt Ihr mich nennen, wie es euch beliebt.".

Der Rüde schwieg einen Augenblick. Die Frage, die Aiyán an ihn gestellt hatte, brannte in seinen Ohren und einen Moment hätte man meinen können, ein bitteres, trauriges Aufflammen in seinen stahlblauen Augen zu erkennen. Es schmerzte, wenn er daran dachte, was und vor allem wie es passiert ist, dass er seinen Rang als Alpha verloren hatte und er würde es nicht preisgeben. Niemals. Niemanden. Aber konnte er den Jungen einfach so stehen lassen? Eine Frage, die ihn scheinbar interessierte, einfach unbeantwortet lassen? Ja, das konnte er durchaus.


"Junger Freund, die Tage als Leitwolf hören für jeden irgendwann auf. Niemand hält diesen Rang ewig inne. Er endet spätestens mit dem Tod.". Wieder eine äußerst kühle Erklärung, aber weiter würde er nicht auf das Thema eingehen. Weiter würde er es gar nicht ertragen. Er hatte die Gedanken die ganze Zeit über mit solch einer Härter verdrängt, dass sie jetzt mit größeren Schmerzen verbunden waren, als Sombo es jemals für möglich gehalten hätte.


18.10.2009 19:09




Teyrm


Teyrm konnte es sehen. Er konnte es sehen und wollte es sehen wie es bei Ares ganz langsam 'Klick' machte. Wie die Rädchen in seinem Kopf ganz langsam einrasteten, als er bemerkte das er eine Klette an den Hinterpfoten haben würde wenn er sich nicht entschuldigte. Und es gefiel ihm nicht. Ruhig beobachtete der junge Rüde wie sich das Fell des schwarzen Wolfes aufstellte. Eine ganz schöne Mähne hatte er da. Wäre Teyrm ein anderer Wolf gewesen, hätte er dies wahrscheinlich doch schon etwas imposant gefunden, doch so behielt er einfach nur seine Ruhe bei und beobachtete die Regung des sonst so starren Wolfes mit Genugtuung. Na ging doch. Das war zwar nicht die erhoffte Regung, aber immerhin eine.
Ein Anfang immerhin. Abgesehen von seinen Augen, das hatte der Jungwolf schon einmal erlebt, sie waren starr und ausdruckslos wie aus Holz oder Stein geschnitzt, als würden sie nicht leben.
Bei Ares Worten wandte Teyrm den Blick zur Seite, zuckte leicht mit den Ohren.

“Bist DU dir denn sicher das es eine gepresste Entschuldigung sein würde?“

Es war eine ganz wichtige Frage. Wenn sich Ares sicher war im Recht zu sein, dann würde das alles hier wenig bringen, wenn aber auch nur ein gewisser Punkt Schuld in ihm lag, war dies jetzt der Punkte wo Teyrm es vielleicht sehen konnte. Ares war gereizt, er war gerade nicht so gut im Stein spielen. Zumindest emfpand es Teyrm so. Locker setzte er einige Sprünge vor durch den Schnee und schob etwas davon mir der Pfote zut Seite um den Boden darunter sehen zu können. Tearl hatte den beiden jungen Rüden in ihrer gemeinsamen Zeit viel beigebracht. Eben auch niemals auf zu geben. Sein Leben hatte ihm beigebracht stark zu sein. Adali hatte ihm beigebracht Gefühle relativ leicht zu spüren. Und Toboe... Toboe, hatte ihm beigebracht niemals den Lebensmut und die Freude zu verlieren, weil es immer jemanden gab der einen brauchte und gern hatte.
Hatte Ares das etwa verloren?
Oder hatte er es nie beigebracht bekommen?
Mit seinen so seltsam hellen Augen blickte er zu dem schwarzen Wolf auf. Er konnte Yacáru verstehen warum sie so an diesem Wolf hing. Immerhin hatte sie hier keine Familie, nur eben diesen Wolf hier vor ihm als Bezugsperson. Sie mochte ihn. Sollte Ares dies wirklich nicht wissen? Dann war er wohl blind. Doch der Schwarzgraue glaubte es nicht. So blind konnte nicht einmal ein Wolf mit Steinaugen sein.

“ Wieso sind deine Augen so aus Stein? Machst du das extra oder kannst du es nicht anders?“

Er redete nicht gern drum herum. Er sprach offen und ehrlich heraus was er bemerkte. Manch würden das frech oder vielleicht übermütig nennen. Doch für ihn war es einfach nur sein Wesen. Er wollte niemandem etwas böses, eher das Gegenteil. Er wollte Ares helfen, eben auf seine Weise.


19.10.2009 10:41




Cílyn Nuray


Ohne genau zu wissen, in was für ein Gespräch sie nun genau geplatzt war, und sie vielleicht doch lieber einfach weiter gegangen wäre, und stören konnte, versuchte sie dennoch durch einzelne Wortbrocken, das Gespräch zu rekonstruieren um so den Wortlauten und dem Sinn folgen zu können. Dass es um etwas mehr ging, als um eine schlichte Begrüßung hatte auch sie mittlerweile schließen können.
Die Braune nickte aufmerksam, als auch der Schwarze ihr nun seinen Namen verriet. El’ Sombo de Feru. Sie musste ein Grinsen unterdrücken, als der Rüde selbst anmerkte, dass der Name lang sei und sie ihn nennen könne, wie ihr beliebe. Er war wirklich äußerst lang, hörte sich aber, wenn man ihn zumindest innerlich aussprach sehr schön an. Fast schon königlich. El’ Sombo de Feru
Doch sofort wurde ihre Aufmerksamkeit von der Frage Aiyáns …(oder war es Saiyán? Sie wusste es immer noch nicht) auf die Antwort des großen Rüden gelenkt. Stumm lauschte sie seinen Worten, und nicht mal ein Zucken ging durch ihren Körper, als er geendet hatte. El’Sombo de Feru war also einmal Leitwolf gewesen? War es das, was sie aus seinen Worten schließen konnte…? Und sofort brannten in der braunen Fähe tausend Fragen auf, die sie stellen wollte, die sie interessierten. Wieso war er es nicht mehr, ein Alpha? Wie ist es so, ein Leitwolf zu sein? Doch der Ausdruck, und die Art und Weise, mit der der Fremde gesprochen hatte schienen genug zu sagen. Er wollte anscheinend nicht darüber reden, und auch wenn es sie noch so sehr interessierte, so gestand sie sich doch ein, dass sie nicht das Recht hatte weiter zu fragen und den Fremden mit diesen Fragen zu löchern. Es war seine Vergangenheit, seine Erinnerungen, die er vielleicht nicht teilen wollte – immerhin waren sie Fremde. Sie hatten sich gerade erst zum ersten Mal gesehen, getroffen, wer plauderte da schon seine Lebensgeschichte aus? Zumal sie anscheinend nicht ganz so gelaufen war, wie man es sich gewünscht hatte.
Um irgendwie von diesem Thema wegzukommen, und dem Schwarzen so die Möglichkeit zu geben, sich nicht rechtfertigen zu müssen, versuchte sie das Thema zu wechseln, nachdem sie dem Dunklen zugenickt hatte ohne jedoch ein Wort zu sagen. Sie beließ es dabei und nahm seine Aussage lediglich zur Kenntnis. Das würde ausreichen.

„Äh… was ist eigentlich mit deinem Bruder?“

Ihr Blick lag nun auf dem einen der beiden Zwillinge, in der Hoffnung so vielleicht an den Namen des Jünglings zu kommen. Irgendwie wollte sie sich nicht eingestehen, dass sie nicht genau wusste, mit welchem der Beiden sie es nun genau zu tun hatte.


19.10.2009 11:25




Aiyán Tendes


Er wusste nicht wieso, aber irgendwie kam ihm Feru so vor, als hätte man ihm einen Stock an das Rückrad gebunden. So steif wirkte der Schwarze zumindest auf Aiyán. Und auch Cílyn begrüßte er fast genau so, wie ihn. El' Sombo de Feru. Das klang wirklich ziemlich fremd. Aber wenn er es genau bedachte war er ja auch immer nur hier in diesem Tal gewesen. Außer in der Zeit im Wald, aber der hatte ja auch gleich an die Bergkette angegrenzt. Ein recht unheimlicher Wald, nebelig, teilweise von zerklüfteten Steinbrüchen übersäht - solche hatten sie ja auch schon runterklettern dürfen. Ob je ein anderer Wolf sich solch einer "Ausbildung" unterzogen hatte?
Als Feru dann plötzlich nachträglich noch auf seine Frage antwortete, drehte er bei seiner Endung die Ohren etwas zurück. Das klang nicht gut. Er wollte nicht, dass seine Mama auch irgendwann ihren Posten beendete und dann wegging, oder gar starb! Er schätzte Feru etwa auf das selbe Alter, wie seine Mutter. Oh, nein!

"Also meine Mutter muss noch ganz, ganz lange Alpha bleiben, was sollten wir denn ohne sie machen? Und sterben soll sie auch nicht."

Aiyán hatte ja schon für sich beschlossen, dass Feru irgendwo weg kam, wo alles ganz anders war. Also war sicher auch die Leitwolfsache hier anders. Bevor er sich aber weiter innerlich aufregen konnte, stellte Cílyn eine ganz andere Frage, die nicht wirklich zum Gesprächsthema passte und ihn auch sonst etwas irritierte. Wieso wollte die Braune das wissen? Und welchen meinte sie? Toboe, oder Sai? Wobei sie ja eigentlich nur seinen Zwilling meinen konnte, mit dem anderen hatte er immerhin nichts zutun. Aber ... trotzdem ... warum interessierte sie das?

"Saiyán? Der ist beleidigt, seit wir in der letzten Spiegelkammer waren. Ich muss ihn gleich mal suchen. Das waren aber auch doofe Dinger, haben nur Blödsinn gezeigt!",

schimpfte der Schwarze, während er sich an das Bild vom toten Saiyán, oder dem Baum erinnerte. Er konnte gut verstehen, dass sein Bruder davon angenervt war, aber langsam war doch genug Zeit vergangen, um sich wieder ein zu kriegen. Suchend blickten sich die blauen Augen in der Schneelandschaft um, auf die Schnelle konnte er ihn jedoch nicht entdecken.


19.10.2009 13:09




EL‘ Sombo de Feru


Der Rüde hatte sich wieder beruhigt. Er konnte die Erinnerungen ein weiteres Mal unterdrücken und tief vergraben. Doch wie oft gelang ihm dies noch? Wie oft würde er noch die Kraft haben, die Schmerzen auszuhalten und stumpf werden zu lassen, sodass sie nur noch einem dumpfen Dröhnen in seinen Ohren glichen? Egal, für dieses Mal hatte er es wieder geschafft und an etwas anderes wollte er nicht denken. Es würde immer so bleiben; zumindest hoffte er das.

Sein Blick wandt sich wieder der Braunen zu, die über seine Antwort auf die Frage, wie sein Namen lautete, doch recht amüsiert schien. Sanft, beinahe mitleidig, was seine eigene Person betraf, lächelte er sie an. Noch recht unbeholfen, aber mit der Absicht, es wirklich eines Tages echt aussehen zu lassen. Auch, wenn Sombo es innerlich vielleicht nicht so empfand, wollte er seine Umwelt zumindest respektvoll entgegen treten. Wenn man schon nicht an innerer Wärme zu bieten hatte, dann konnte man wenigstens nach Außen hin höflich, freundlich, weich erscheinen.

"Deine Mutter wird noch sehr lange Alpha sein. Das verspreche ich dir. Du musst dir keine Sorgen machen, junger Freund.", beschwichtigte er den aufgebrachten Jungrüden. Sicherlich, niemand, am allerwenigstens das jung Lebe wollte über den Tod sprechen; schon gar nicht der, der eignen Mutter. Das war auch genau richtig so, denn immerhin hatten sie noch das ganze Leben vor sich, warum dann über das Ende sprechen?

Aufmerksam hörte der Schwarze den anderen beiden zu. Cílyn wollte scheinbar das Thema wechseln und warf schnell eine andere Frage ein. Das war ihm nur recht. Er kannte die Neugierde der Jugend; einerseits weil er selbst einmal so jung gewesen war, dass er nicht mal einen Frühling zählte und andererseits weil er einst ebenso junges Leben zu beschützen hatte. Und da waren sie wieder, seine Erinnerungen, die erneut versuchten, in der toten, schwarzen Seele aufzuflammen, doch Sombo unterdrückte diese mit aller Gewalt, auch wenn dies immer schwerer von Statten ging. Aiyán hatte in seinen Ausführungen über seinen Bruder erneut die Spiegel erwähnt und vor allem von der letzten Kammer gesprochen. Noch immer jagte die Frage in dem Kopf des Rüden, warum er sich nicht hatte sehen können.

"Erlaubt mir eine Frage, aber könntet ihr mir sagen, was genau diese Kristalle waren?", erklang seine dunkle Stimme nach einem kurzen Räuspern. Vielleicht wussten es ja die beiden Fremden, die nun langsam zu Bekannten zu werden schienen.


19.10.2009 13:39




Jeanne


Jeannes ließ den dunklen Blick ein wenig über das Plateau gleiten, die Ohren aufmerksam aufgestellt. Die Kälte störte sie nicht mehr, nach so vielen Wintern konnte ihr diese Kälte nichts mehr anhaben. Aber Yacáru war jung, erlebte das erste Mal die kalte Jahreszeit. Aber auch die kleine Fähe, da war die Weiße sich sicher, würde lernen, mit dieser Kälte fertig zu werden. Bis dahin konnte sie ihre Fantasie spielen lassen. Sie antwortete wieder nicht unbedingt viel, wohl eine übliche Welpen Trotzigkeit. Sie hatte so viel mit Welpen zu tun, dass sie ihre Eigenarten genau beobachten konnte. Und dennoch schloß sie sie alle in ihr Herz. Das beste Beispiel dafür war Shanaro. Kurz suchten die blauen Augen den schwarzen Rüden. Er war fast kein Welpe mehr. Die Zeit ging so schnell vorbei.. für ihren Geschmack ein wenig zu schnell. Nun richteten sich ihre Augen nach oben, zum Wolken verhangenen Himmel.

“Der Schnee kommt aus dem Himmel. Er tanzt federleicht aus den Wolken zu uns herab, jedes Jahr aufs neue.“

Mit einem Lächeln richtete sie den Blick wieder auf Yacáru. Sie selbst hatte jedes Jahr auf den Schnee gewartet, hatte sich immer zusammen mit ihrem Vater gefreut, wenn die ersten Flocken zu Boden getanzt waren. Aber.. das war alles so lang her.. Yacárus nicht unbedingt begeisterte Antwort ließ sie ein wenig Schmunzeln. Was sollte sie den noch probieren, um sie ab zu lenken? Sie sollte nicht traurig sein. Jeanne seufzte, behielt aber das Lächeln auf den Lefzen. Sanft strich sie mit ihrer Nase durch das weiße Fell der Fähe, schleckte ihr dann noch ein Mal über den Kopf und grinste ihr entgegen.

Wenn du zu viel über etwas nachdenkst, machst du es nur schlimmer. Denk an etwas, worüber dich freust. Das Leben ist zu kurz, um über alles nach zu denken, was uns traurig macht.. viel zu kurz.“

Die letzten Worte flüsterte sie fast nur. Gerade sie gab der Fähe solche Ratschläge, wo sie selbst kein bisschen besser war. Ein leises Seufzen entfloh ihrer Kehle. Zu kurz um an Vergangenes zu denken.


19.10.2009 14:56




Ares


Es war nicht leicht, mit Ares zu reden, wenn dieser nicht reden wollte, im Gegenteil. Es konnte sich als durchaus unmöglich erweisen und der Schwarze war mit diesem Umstand sehr wohl vertraut. Er ließ sich nicht zu etwas zwingen. Wenn er das Gefühl hatte, gezwungen zu werden, weigerte sich alles in ihm strikt dagegen, ganz gleich, worum es sich handelte und wenn es noch so offensichtlich war, dass man ihm nur Gutes wollte. Er wollte nicht.
Und so war es auch jetzt. Wenn der junge Rüde etwas von ihm wollte, so war der wohl schlechteste Weg, ihn zu bedrängen. Denn in einer noch abweisenderen Haltung konnte der Rüde einem kaum mehr begegnen. Ihm drängte alles danach, dieses Etwas loszuwerden und es war ihm egal, wie. Aber er selbst besaß eine enorme Selbstbeherrschung, was zur Folge hatte, dass er sich das soweit nicht anmerken ließ, nach außen hin unverändert wirkte.

Auf Teyrms Worte hin sah er den jungen Wolf nicht an. Er wusste, worauf dieser hinauswollte und er musste immerhin zugeben, dass der Kleine gar nicht dumm war. Aber er hatte gewisse Dinge noch nicht begriffen. Sich zu entschuldigen, aus der Neigung heraus, jemanden loszuwerden oder weil man andere Vorteile im Hinterkopf hatte, war schlimmer als eine Lüge, denn man belog gewissermaßen zwei Wölfe.
Vor allem aber konnte Ares sich nicht einfach entschuldigen. Er war selbst zu sehr getroffen, um nun einfach über seinen Schatten zu springen. Er brauchte Zeit, um sich zu bedenken und vielleicht hoffte er auch, oder hatte viel mehr Angst davor, nochmals solche Worte aus Yácarus Mund zu hören.

Deswegen ignorierte er Teyrms erste Frage, ohne sich etwas dieser Gedanken anmerken zu lassen. Es fiel ihm nicht schwer, Ares‘ Haltung war es gewohnt, nichts zu zeigen und seine Augen waren so. Wie zwei Mondsteine schienen sie, hell und deutlich, aber unfähig, aus eigener Kraft zu strahlen oder jemanden durchsehen zu lassen. Es waren nur Steine.
Und umso verwunderter war er, als der junge Rüde ihn nun auf eben diese ansprach. Unwillkürlich blieb er stehen und sah den Grau-schwarzen eine Weile ausdruckslos an, innerlich war er nach der ersten Überraschung irritiert.

Wieso waren seine Augen aus Stein? Nein, er tat es nicht extra, aber er würde es auch niemals wieder ändern können. Der Schwarze erinnerte sich nicht mehr daran, ob seine Augen früher anders gewesen waren. Wenn, dann nicht viel, denn man konnte seine Augenfarbe nicht einfach verändern. Aber sie waren vor langer Zeit erstarrt. Und sie würden es auch bleiben, er wusste es. Nichts konnte ihnen das Leben zurückbringen. Es war nicht tragisch, es war eine Tatsache.

“Ich kann es nicht anders“, erwiderte er tonlos, “ich will es nicht anders.“


Augen hatten etwas Verräterisches. Sie waren zurecht die Spiegel der Seele und der Schwarze fürchtete sich davor. Er fürchtete sich davor, in seine Seele blicken zu können. Es musste dort sehr dunkel sein. Nicht bedrohlich, aber leer und trostlos. Daran gab es nichts zu ändern, da war er sicher. Aber sehen wollte er es nicht.


19.10.2009 21:48




Saiyán Tendes


Saiyáns Blick lag leicht gekräuselt auf Nashita, als die plötzlich anfing, Schnee herumzuschieben. Unter sich, um genau zu sein. War ihr zu warm, wollte sie sich etwas Abkühlung verschaffen? Oder war sie einfach schräg, so wie schon die ganze Zeit? Der Schwarze einigte sich ziemlich schnell auf die zweite Möglichkeit und beschloss, das Verhalten der verrückten Fähe einfach nicht zu beachten. War ihm ja auch egal, ob und warum sie Schnee schaufelte. Er hatte sie sowieso schon längst in die Kategorie „schräg“ eingeordnet und sah seine Meinung zufrieden bestätigt. Ihre Antwort fand er auch seltsam.

“Gab ja auch so viele andere Wege aus der Höhle raus.“ Die Ironie perlte an seinen Worten. “Angst vor der Dunkelheit, mh?“

Jetzt grinste er wieder, er stichelte ganz gerne. Auch wenn er jetzt eigentlich nur schlecht drauf war und gar nicht mal Nashita ärgern wollte. Also ließ er wieder einen ein wenig friedlicheren Gesichtsausdruck auf seinem Gesicht erscheinen und hob leicht eine Augenbraue.

“Dann geh doch jetzt noch mal rein. Wir rennen hier oben sicher nicht weg.“

Die zweite Antwort blieb er ihr erstmal schuldig und starrte fast abwesend in den Schnee. Er hatte sich zwar mit keinem Wolf unterhalten, aber wie üblich waren sie alle äußerst geschwätzig gewesen und hatten ihre Meinungen laut start mitgeteilt. Und ausnahmsweise hatte Saiyán dem aufmerksam zugehört und war zu dem Schluss gekommen, dass sie theoretisch Recht haben könnten. Auch wenn ihm überhaupt nicht klar war, woher dieser doofe Riesenspiegel all diese Dinge von ihnen wissen sollte.

“Die anderen meinen, sie hätten eine Bedeutung. Größte Angst und so ein Blabla. Wer einem wichtig ist. Was man selbst ist. Blabla eben.“


Er brummte es und sah dabei aus, als würde er diese Theorien als Hirngespinste verurteilen, in Wirklichkeit war er aber gar nicht so unüberzeugt. Immerhin passte das auf seine Bilder und eigentlich auch auf die von Ai. Dass sein Bruder ein Baum war, hatte Sai ja schon immer gesagt. Jetzt grinste er wieder.


20.10.2009 15:43




Nashita R‘ayah


Nashi rümpfte die Nase. Angst? Sie doch nicht. Und erst recht nicht vor der Dunkelheit. Niemals! Da würde ja eher der Schnee unter ihrem Bauch endlich warm werden. Was sie daran erinnerte, dass ihr Theorie nicht so ganz aufging, wie sie es sich erhofft hatte. Und so langsam wurde es kalt. Ziemlich kalt. Wäre ja auch nur zu schön gewesen. Sie schob den Schnee wieder weg und fühlte sich gleich viel besser. Zwar nicht an den Pfoten, die sie mittlerweile schon gar nicht mehr spürte, aber dafür an ihrem Bauch. Wenigstens war es nicht so windig. Wind. Der hätte ihr noch auf dem nassen Bauchfell gefehlt. Dann wär es ja noch kälter. Als ob der Winterso nicht schon kalt genug wäre. Furchtbare Jahreszeit. Bäh. Der Sommer war viel schöner. Warm und kuschlig. Bunt. Lebendig. Aber sie schweifte ab. Sie musste wirklich darauf achten, sich nicht mehr so in Gedanken zu verlieren.

"Eigentlich... nicht wirklich. Diese Enge ist viel schlimmer."

Eigentlich wollte sie sich auch direkt viel ausführlicher rechtfertigen. Doch unterdrückte sie diesen drang angestrengt. Es gab schließlich wichtigeres auf das sie sich konzentrieren musste. Nämlich dieser komische Spiegel und die noch viel komischeren Bilder darin. Und dieses Grinsen irritierte sie ein wenig. Sie wusste nicht warum und sie würde lügen, würde sie sagen es wäre ihr egal, aber sie musste weitere Abschweifungen verhindern.
Das war eigentlich gar keine so schlechte Idee. Einfach wieder zurück gehen und reingucken. So schlimm konnten die Bilder eigentlich nicht sein, denn schließlich hatte sie ja noch nicht wirklich viel in ihrem kurzen Leben erlebt. Aber etwas hinderte sie daran einfach dahinzustapfen. Die Braune mochte diese Höhle wirklich nicht. Überhaupt gar nicht. Vermutlich war das der Grund. So leicht überwinden würde sie den wohl wahrscheinlich auch nicht. Schade eigentlich.

"Ja, ähm. Später vielleicht."

Sie lächelte nur schwach. Nicht wirklich überzeugend und sah Sai dann verwundert an. Warum starrte er so in den Schnee? War da irgendetwas? Sie versuchte dem Blick zu folgen, fand aber nichts. Nur Schnee. Schnee und noch mehr Schnee. Hm. Merkwürdig. Vielleicht half ihm das sich zu erinnern? An was auch immer. Zum Beispiel an die Bedeutung der Bilder.
Angst? Das brauchte einem doch kein Spiegel sagen. Jeder weiß doch wovor er Angst hat. Sie eben vor Krähen - und engen Höhlen. Und welche Wölfe einem wichtig sind wusste man doch normalerweise auch. Schließlich merkt man doch, wenn man jemandem nicht leiden konnte, oder etwas nicht? Sehr rätselhaft das Ganze.

"Muss einem solche Dinge erst ein Spiegel sagen? Man weiß doch, wovor man Angst hat und wen man mag. Kann man das denn überhaupt nicht wissen?"

Sie sah ihn wieder ziemlich verwirrt an. Für sie war das irgendwie unlogisch. Wie sollte man denn auch Ängste haben, von denen man nicht wusste?


20.10.2009 21:14




Leikuna


Leikuna lächelte sanft, als ihr das neue Lächeln der Jungwölfin auffiel. Im nächsten Moment zog Toboe schon an ihrem Ohr, und die Augen zum Himmel richtend schüttelte sie sachte den Kopf.

"Man muss nicht an sie glauben - sie sind noch immer auf der Welt, verborgen und unerkannt. Ob man der Legende Glauben schenkt oder sie belächelt - sie wachen doch über dich"

Beantwortete sie die Spekulationen der Jungwölfe absolut sicher, ohne je zuvor ein Wort von diesen Wesen gehört zu haben. Ihr Blick schwiff nun über die weite, weiße Ebene rings um sie herum bis zurück zum Rudel, wo sich einiges zu tun schien.

"Lasst uns zu den Anderen zurückkehren. Es wird Zeit, dass Ýllin sich bei Kiba und Y-ago vorstellt"

Das leichte Zögern in ihrer Stimme, als sie auf Yago zu sprechen kam, war hoffentlich niemandem aufgefallen. Aber selbst wenn, ihre Stimmlage war erstaunlicherweise stabil geblieben und auch sonst merkte man ihr nichts an, von der Sorge, wie ihr großer Bruder nun auf sie reagieren würde. Und sie auf ihn. Dieser verfluchte Spiegel, der sie den Anderen Wölfen so viel näher hatte kommen lassen, hatte zwischen sie und Yago eine gefühlte Distanz vieler Kilometer getrieben. Sich bereits zum Rudel umwendend tat sie schon den ersten schrit, und hielt gleich wieder inne. Über die Schulter zurücksehend und mit einem verschmitzten Lächeln auf den Leftzen wand sie sich an die zwei Jungwölfe.

"Wetten ich bin vor euch beim Rudel?"


Forderte sie die zwei heraus, wartete noch einen halben Moment und warf dann die läufe in den Wind und preschte los, dem Rudel entgegen. Mit jedem Schrtt ordentlich Schnee aufwirbelnd lief sie also zurück. Sie hatte eine Möglichkeit gefunden, Yago gegenüberzutreten. Sie lief nämlich zu schnell für ihre Angst.


21.10.2009 10:02




Teyrm


Ohne ein weiteres Wort zu verlieren verweilte der schwarz-graue Jüngling einfach weiter bei Ares. Er hatte keine Antwort auf seine erste Frage erwartet. Es war viel eher eine rhetorische Frage gewesen, eine Frage die Ares erneut zum nachdenken bringen sollte. Ehrlich gestellt, war selbst schweigen eine Antwort.
Es war einfach nur der Charakter des Schwarzen selbst der es dem Jungwolf schwer machte zu sehen was nun war. Eigentlich war es fast unmöglich. So einem verdammten Felsblock war er wirklich noch nie begegnet. Einerseits war das störend andererseits machte es ihn traurig. So wenig er vielleicht auch seines Alters wegen über die Welt wusste, eines wusste er. Es musste etwas Schlimmes gewesen sein. Seine Mutter war durch Verlust so traurig geworden. Es musste etwas sehr Schlimmes gewesen sein was Ares hatte zu Stein werden lassen. Ein lebendig gewordener Gargoyle-Wolf. In etwa so. Das einzige was war, was sichtbar war, er blieb stehen.
Und so tat es auch Teyrm.
Auf die Worte des Anderen hin lehnte der Jüngling den Kopf etwas zur Seite, sein Blick verweilte auf dem Größerem. Die Antwort, welche Frage er nun stellen sollte war schwer. Doch er war der falsche Wolf um einfach aufzugeben, da spielte dann mal sein Charakter nicht mit.

“Hast du es schon Mal versucht?“

Er wollte es nicht. Also hatte er es wahrscheinlich noch nicht versucht, aber vielleicht sollte er es tun. Vielleicht ging es dann allen besser, ihm und Yacáru und überhaupt. Vielleicht half es ja.

“Versteh mich nicht falsch. Bitte! Aber ich kenn sowas, meine Mutter hat auch traurige Augen bekommen seitdem Papa weg ist und meine Geschwister... naja. Ich will das nicht und deswegen versuche ich Vieles um ihr zu helfen. Yacáru will dir bestimmt auch helfen. Und ich könnte dir auch helfen. Das Leben ist doch viel zu lebenswert um so traurig zu sein... oder so steinernd.“

Nun war er wieder Welpe. So sehr er manchmal erwachsen sprach, in Wirklichkeit war er immer noch blutjung. Aber er musste etwas tun. Er konnte nicht zulassen das alle einsam und traurig waren. ER war jetzt der große Wolf in seiner Familie, er musste stark sein. Und er war stark. Und er war hartnäckig. Und deswegen ging er selbst jetzt nicht.
Stumm biss er sich selbst auf die Lefzen und wandte für einige Sekunden den Blick zu Boden, auf der Suche nach neuen Worten mit denen er seinen Standpunkt klären konnte.

“Ich hab keine Ahnung über was ihr gesprochen habt und was Yacáru gesagt hat... Aber ich weiß das sie dich gern hat. Sie hat es sicher nicht böse gemeint wenn sie was böses gesagt hat. Vielleicht macht sie sich nur Sorgen um dich.“

Erneut blickte er den den Rüden an, dann lehnte er die großen Ohren zur Seite und seufzte leise. Durch den knirschenden Schnee trat er einen Schritt zurück.

“Soll ich gehen?“


21.10.2009 11:17




Saiyán Tendes


Nashis Naserümpfen war wohl schon Antwort genug. Sai hatte sie zumindest ein wenig geärgert, was ihn natürlich freute. Ansonsten zog die Braune es aber nun vor, ihn zu ignorieren und beschäftige sich wieder eingehend mit dem Schnee, den sie zuvor unter ihren Bauch geschoben hatte. Der wurde akribisch wieder hervor geholt und hinterließ ein nasses Bauchfell, das Saiyán frösteln ließ – wäre er so nass, wäre ihm verdammt kalt. Nashi schien es ungefähr so zu ergehen, aber das war ja wirklich ihre eigene Schuld. Und selbst wenn Sai ihr hätte helfen wollen – Wärme gab’s hier sowieso nirgendwo. Außer vielleicht bei anderen Wölfen, aber es wäre dem Schwarzen im Traum nicht eingefallen, sich an die Braune zu kuscheln. Sollte sie sich doch einen Kuschelwolf suchen, gab sicher genug hier, die das nur zu gerne getan hätten. Während dieser gedanklichen Ausführung hatte sich Sais Miene verfinstert und am liebsten hätte er vor sich hingebrummelt, käme sich dabei aber ein wenig zu dämlich vor. Also hielt er die Klappe und wartete darauf, dass Nashi ihm irgendwann antworten würde, was sie dann auch tat. Achso … keine Dunkelheit, Enge war das Thema. Naja … wenn sie meinte. War ihm ja eigentlich egal.

“Ah.“

Kommentierte er Nashis Worte mit seinem üblichen intelligenten Interesse. Ob sie sich wohl irgendwann auf den Arm genommen fühlen würde? So oft wie er Ah sagte und dabei aussah, als würde er sich kein bisschen für sie interessieren, würde er an ihrer Stelle schon längst weggelaufen sein. Aber – das musste er sich eingestehen – das wäre irgendwie schade. Immerhin hatte er eine Gesprächspartnerin und war nicht alleine beleidigt. Als sie dann aber drucksend seine Aufforderung ablehnte, kam wieder ein Grinsen zurück, auch wenn es diesmal nicht ganz so gemein aussah.

“Schiss, mh? Die Mutigste bist du ja nicht wirklich.“

Ja, er stichelte schon wieder. Ja, er war gemein. Aber sie bot ihm so tolle Vorlagen. Und außerdem hatte er sich auch seine doofen Spiegelbilder ansehen müssen … und wenn er ehrlich war, wollte er das auch ganz sicher nicht noch einmal tun. Aber das wusste Nashi ja nicht und er würde sich hüten, ihr das zu sagen.

“Keine Ahnung.“ Fast ein wenig unsicher fuhr er mit der Pfote durch den Schnee. “Nicht unbedingt immer. Wer weiß schon alles über sich? Außerdem ist es ja noch einmal was ganz anderes, das alles so vor sich zu sehen. Und so …“


Er wollte ganz sicher nicht für die Interpretationen des Rudels einstehen und sie verteidigen. Aber das ließ sich schlecht verhindern, wenn sie Sinn ergaben und außerdem hatte der Spiegel eindeutig nicht das gezeigt, was sonst Spiegel zu zeigen pflegten. Damit mussten die Bilder ja irgendetwas sein.


21.10.2009 12:43




Yago


Auch wenn Yago eine ganze Weile gebraucht hatte, um seine Frage endlich über die Lefzen zu bringen, wollte er jetzt sehr genau wissen, wie unvorbereitet sie Kiba treffen würde. Und ganz offensichtlich hatte die Graue mit ihr nicht gerechnet. Sie folgte zwar brav Yagos Deuten auf die Höhle, doch dann irrte ihr Blick ziellos über die weiße Landschaft und ihr Ohr zuckte zurück. Er hatte sie also so zu sagen eiskalt erwischt. Ein kindischer Stolz kratzte an Yagos Unberührbarkeit, er hatte sie überrascht, mit Ehrlichkeit und Offenheit. Mit zwei Wesenregungen, die sie ganz sicher nicht bei ihm erwartet hätte. Aus irgendeinem Grund freute es ihn, ihr neue Seiten an sich zu zeigen, die zwar nicht unbedingt seinem üblichen Verhalten entsprachen, aber zu denen er dennoch fähig war. Und irgendwo zeigte er sich auch selbst neue Seiten, Seiten, die es früher nicht gegeben hatte. Seiten, die durch sein Leben hier im Rudel zu einem Teil von ihm wurden und die ihm – das gab er leise zu – das Leben ein wenig schöner machten. So war er auch nicht enttäuscht oder erstaunt, als Kiba nichts zu seiner Frage einfiel und sie nur ein stotterndes, beinahe verlegenes „Ich weiß es nicht.“ hervorbrachte. Er hätte nun etwas Schlaues von sich geben können wie „Das wird wohl die Zeit zeigen.“ oder „ So oder so, ab jetzt werden wir damit leben müssen.“ doch ihm kamen diese Phrasen unangebracht vor. Wieder waren es Weisheiten, die sie beide wussten und die dennoch nicht den Kern der Sache trafen. Also hielt er den Mund und ließ Kiba sich mit seiner zweiten Frage herumschlagen. Mit ihr hatte er sie ebenso eiskalt erwischt. Vielleicht machte das ja der Schnee um sie herum – „Witzbold“ schalt er sich ungeduldig selbst – und Kiba sah aus, als wäre sie sich nicht sicher, ob nicht doch der kleine Schneehaufen neben ihr diese Frage gerade gestellt hatte. Yago machte mal keine weiteren Anstalten, um diese Möglichkeit aus der Welt zu schaffen und betrachtete nach dem kurzen Blick in das Gesicht der Grauen wieder eingehend seine schwarzen Pfoten. Ihr erneut stockender Anfang verriet ihm erstmal gar nichts und beinahe hätte er ihr ein aufmunterndes Lächeln zugeworfen. Sie machte den Eindruck eines ins Wasser geworfenen Pumas. Wobei diese Plattschnauzen dabei weit aus unsympathischer und hektischer waren und er wollte sie ganz sicher nicht mit Kiba vergleichen. Jedenfalls … sie wirkte sehr hilflos und auch wenn Yago in diesem Fall mit Sicherheit keine Hilfe war, hätte er ihr gerne ein paar Worte geschenkt, die er nicht kannte. Aber er hielt wieder seinen Mund und ließ Kiba die Zeit, eine Erklärung zu finden. Und sie fand sie und die ersten Worte riefen ihm unaufhaltbar die Szene damals, an der Friedensallee ins Gedächtnis. Yago hatte darauf bestanden, dass Kiba ihn schon bald nicht mehr mögen würde, wenn sie ihn nur kennenlernen würde. Aber jetzt … mochte sie ihn so wie er war. Und er? Ihm war es nie in den Sinn gekommen, darüber nachzudenken, ob und wie er Kiba mochte. Aber er schätzte sie, das auf jeden Fall. Konnte er nicht auf Kibas Gesellschaft verzichten? Naja … er war auch durchaus alleine zufrieden, aber wenn er sich nun vorstellte, Kiba würde gar nicht mehr hier sein, die Tears of Destiny verlassen … vielleicht würde er mitgehen. Diese Erkenntnis erschreckte ihn, also klammerte er sich lieber an die weiteren Worte der Grauen und spielte mit dem Wort „Vertrauen“ wie mit einem unbekannten Käfer. Bei diesem Punkt war er sich sicher – er vertraute niemandem. Zumindest in den Fällen, in denen er sich besser auskannte und das war eigentlich fast immer der Fall. Yago kam es gar nicht in den Sinn, über die anderen Arten von Vertrauen nachzudenken, Arten, die er gar nicht kannte. Das sich-auf-den-anderen-verlassen-können. Das Fallenlassen in der Gesellschaft des anderen. Unbekanntes Terrain für den Schwarzen. Dann kam Kiba zu dem finalen Punkt, dass man sich das Leben ohne den anderen nicht mehr vorstellen kann. Und auch daran schnüffelte Yago unsicher, als könnte er sich verbrennen. Was hieß das schon … im Leben kamen und gingen so viele Wölfe, er war bisher mit allem zu Recht gekommen, manchmal gerne, manchmal weniger. Unsicher, die Gedanken fortschiebend, nickte Yago und versuchte jetzt wirklich zu verstehen, was das alles hieß. Das war also, jemandem wichtig sein. Das alles empfand Leikuna für ihn. Und Yari? Er war sich nicht sicher. Ebenso fand er auch keine Worte, was er Kiba nun sagen sollte. Sich bedanken, würde seltsam klingen, auch wenn sie ihm tatsächlich weitergeholfen hatte. Anmerken, dass ihre Spiegelbilder dann ja gar nicht so falsch waren, wäre plump. Eigentlich gab es nichts weiter hinzuzufügen, wenn er nun nicht wieder in die Materie ihrer beider Spiegelbilder eintauchen wollte.

“Also ist es sehr schön, wenn man jemandem wichtig ist und anders herum. Wenn es einem denn möglich ist, das zu verstehen und anzunehmen.“

Er hatte nur aus der Not, etwas sagen zu wollen angefangen zu sprechen und kam sich jetzt wieder dämlich vor. Sie begannen wieder mit der Weisheitenaustauscherei. Aber er brachte nicht genug Mut für mehr auf und musste sowieso zunächst all diese Informationen verarbeiten. Vielleicht sollten sie auch zum Rudel zurückkehren, sicher war es aufgrund der Spiegelbilder sehr aufgebracht. Aber eigentlich wollte er das nicht.


21.10.2009 13:46




Ares


Ares betrachtete den jungen Rüden vor sich ein wenig, ohne sich dessen recht bewusst zu sein. Er hätte ebenso gut auch etwas Anderes anstarren können, sein Blick ging in die Ferne. Aber eigentlich blieben seine Augen nur ausgesprochen selten an einem Artgenossen hängen, während er tief in Gedanken war.
Nein, natürlich hatte er es nie versucht. Es wäre ja auch dumm gewesen, etwas zu versuchen, vor dem er sich fürchtete, dass er eigentlich gar nicht wollte. Warum sollte er es da denn versuchen? Davon abgesehen, dass er nicht glaubte, dass man das versuchen konnte. Man konnte vielleicht so tun als ob, aber das war bei Augen sehr schwierig. Genau deswegen war er ja nicht darauf bedacht, dass seine Augen Ausdruck bekamen. Was hatte er denn davon? Die Welt wurde dadurch nicht besser.

Auf die Worte des Jungen aber musste der Schwarze sich zusammenreisen. Denn nahm Teyrm nicht eben genau die Rolle ein, die er verinnerlicht hatte? War er nicht stark für die anderen, ließ sich keinen Schmerz anmerken und versuchte, die Leiden der Welt nicht an sich heran zu lassen? War es nicht eben das?
Aber er hatte heute bereits schon einmal zu viel gesagt und wollte diesen Fehler einem Welpen gegenüber nicht sogleich wiederholen. Im Grunde aber benahm sich Tearm nicht anders als er. Natürlich war er noch ein Welpe, natürlich hatte er Ideale. Aber wenn er heranwachsen würde, wenn die Welt ihn schleifen würde, würde er sich vielleicht wundern.

Dennoch waren Teyrms Worte nicht völlig ohne Bedeutung für den Schwarzen. Yácaru mochte ihn, sie machte sich Sorgen. Es war ein sonderbares Gefühl, das zu vernehmen, vor allem aber zeigte es ihm, dass es eigentlich an der Zeit war, weiterzugehen, wenn er anderen Sorgen bereitete.

Yácaru ist viel zu jung für Sorgen“, bemerkte er, “Sie wird sicher bald Freunde finden und mich vergessen.“

Ja, Welpen verziehen dem Leben sehr schnell. Teyrm war das beste Beispiel dafür. Sie mussten das tun, sonst konnten sie nicht überleben.
Ares‘ Gesellschaft war ohnehin nicht die richtige für einen Welpen. Er eignete sich nicht für diesen Umgang und nun hatte er ja den Salat; er bereitete der kleinen Weißen Kummer. Das musste nun wirklich nicht sein.
Allerdings kam er nicht dazu, dem Grau-schwarzen zu erklären, dass er ihn in Ruhe lassen und statt dessen lieber Yácaru trösten sollte, wenn ihm so viel an ihr lag, wie er es eigentlich mit einer herrischen Stimme beabsichtigt hatte. Nichts ist entwaffnender, als der Blick eines Welpen, der nur alles richtig machen wollte und erkannt hatte, dass er vielleicht doch zu übereifrig gewesen war.

Ares seufzte leise und bemühte sich, irgendwo anders hinzusehen. Aber im Grunde half es nichts, Teyrm hatte ja schon gesprochen. Nun konnte der Schwarze ihn ja nicht einfach so wegschicken. Und der Kleine meinte es ja wirklich nur gut.
Weil er nun aber beim besten Willen nicht wusste, was er sagen sollte, erwiderte er stattdessen, als ob er die letzte Frage nicht gehört hätte:

“Und was soll ich deiner Meinung nach tun? Mich entschuldigen, nur um sie irgendwann später wieder zu verletzen?“

Die Frage war nicht ganz fair, das wusste er. Aber ihm fiel beim besten Willen nichts Anderes ein, um Teyrm irgendwie entgegen zu kommen.


21.10.2009 19:44




Toboe Tear


Das Grinsen wich nicht von Toboes Lefzen, und seine Fantasie erlaubte ihm die komischten Bilder. Fliegende, riesengroße Wölfe. Sie flogen durch den Himmel, landeten ab und zu auf der Erde und beschützten sie. Ýllin hatte ein wenig verwirrt drein geschaut, als er ihr am Ohr gezogen hatte, aber nun lächelte sie. Na also. Er war halt ein prima Tröster. Der Graue tänzelte von einer Pfote auf die andere, behielt die beiden Fähen dabei im Auge. Leikunas Antwort ließ ihn einen Moment schmunzeln, seine Rute pendelte durch die kalte Luft, bis Leikuna aufstand und verkündete, dass sie nun zum Rudel gehen sollten. Toboe schüttelte sich kurz, befreite den Pelz von Schnee und ließ den Blick dann schweifen. Ýllin sollte sich bei seiner Mutter vorstellen, die bestimmt schon wußte, dass sie da war. Seine Ohren schnippten durch die Luft, ehe er sich umwandte und der Weißen zu nicken wollte. Aber kaum hatte er ihr den Kopf zu gewandt, musste er leider fest stellen, dass sie ihm ihm einige Schritte voraus war. Kaum hatte sie noch ein Mal zu ihnen gesehen, rannte die Weiße schon los. Und Toboe blieb stehen, vollkommen überrumpelt. Die blauen Augen richteten sich auf Ýllin, dann grinste er.

“Na los! Die kriegen wir!“

Toboe machte einen kurzen Satz auf die Graue zu, machte dann eine schnelle Drehung und preschte hinter Leikuna her. Das wäre doch gelacht, wenn sie ihn abhängen würde! Er war nicht umsonst Kibas Sohn! Das musste ja etwas bedeuten! Der Rüde blickte noch ein Mal zu Ýllin zurück, lief dann so schnell ihn seine Läufe trugen, hinter der Weißen her. Er durfte nicht verlieren. Oh nein! Nur leider war die Fähe ein.. kleines bisschen größer. Nicht viel, aber ein kleines Stück. Das war unfair! Toboe öffnete den Fang und rief ihr durch den Wind zu, ob sie das nun hörte oder nicht.. war ja auch egal.

“Du mogelst!“

Das musste gesagt sein.


24.10.2009 15:26




Ýllin


Ýllin hatte gespannt den Kommentar der Weißen gelauscht ja sie hatte wahrscheinlich recht. Die geflügelten waren irgendwo daoben und wachten über alle Wölfe. Die Graue liebte Geschichten und waren sie unglaubwürdig so wurden sie ebnen glaubwürdig gemacht. Wo was da das Problem, sie lächelte. Sie war unendlich froh über die Aufmuterungen der Weißen und des Grauens.
Sie hörte der Weißen genau zu und spielte dabei etwas mit dem Ohren und nickte leicht als diese nun befand es sei Zeit für die Junge Fähe sich vorzustellen. Die Graue lächelte doch war ihr etwas mulmig, sich bei einem Alpha vorgestellt hatte sie noch nie. Was wenn sie was falsch machte. Ach es würde schon irgendwie schiefgehen. Da war sich Ýllin versucht ein Stück sicher.
Nun hörte sie wie die Weiße ihre Herausforderung stellte und lächelte schelmisch, rennen war immer toll sie liebte es zu rennen, am liebsten schneller als der Wind. Doch bevor sie was sagen konnte war die Weiße schon weg. Das war ja ein Frühstart. Ýllin hörte was Toboe sagte und nickte.

„Ja das werden wir“

Rief sie ihm als Antwort zu und rannte dann den Beiden hinterher. So schnell wie ihre langen Läufe sie trugen und sie war nicht grade langsam. Nein sie war eigentlich in ihrem Wurf die Schnellsste gewesen, sie war eigentlich immer die Schnellste ihrer Altersklasse gewesen. Begünstigt durch ihre langen schlanken Läufe. Aber hier hatte sie einen Nachteil, denn die Anderen waren Größer, pah aber das würde sie schaffen oder? Sie holte schon ein Stück zu dem Grauen auf und schleuderte ebenfalls den weißen Schnee auf


25.10.2009 01:28

You are not alone in your life although you might think that you are

So sorry your world is tumbling down
I watch you through these nights
Rest your head and go to sleep
Because my child,
this is not our farewell
29.08.2010 00:37
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Fähe

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23.07.2005

Seite 8




Adali


Die Schwermut wollte ihr Herz nieder reißen und stumm gab sich Adali dem zum wiederholten Male hin. Sie fühlte sich lange nicht mehr stark genug dazu, sich dagegen aufzulehnen. Ihre Flamme war erloschen. Lange, schon so unendlich lange erfror sie an sich selber, zitterte vor ihrer Kälte, ihrer Leere und dem Gefühl, welches ihr ganzes Wesen verschlungen hatte.
Adali war nicht mehr die ruhige Flamme, das Licht, welches das Nichts erhellt hatte und beschützend weiter brannte. Es hatte sie aus ihrem Leben, ihrer Sicherheit geworfen und zu einer anderen Person gemacht. Eine Antwort auf die Frage, wie sie wieder zu sich zurück finden konnte, hatte sie bisher nicht finden können und war auch längst nicht in Sicht.
Innerlich grämte sich die Fähe und Mutter vor sich selber, vergeudete ihre Gedanken an solch dumme Gedanken, zurücktreten konnte sie von ihnen allerdings nicht. Immerhin wog die Schuld schwer und ihre Taten nicht für sie. Sie hatte alle im Stich gelassen. Aus diesem Grunde war ihr ältester Sohn verschwunden, hatte sich von der Familie abgewandt und führte nun ein anderes Leben an der Seite eines Rüden, den sie nicht als guten Umgang einstufen würde. Auch ihre jüngste Tochter war verschwunden, mit dem Wind fort gezogen, sofern sie nicht auch gestorben war.
Ein stechender Schmerz durchzuckte die leidvoll eingefallene Brust der Schwarzen, als unwillkürlich der Gedanke an ihre kleine Yumé in den Vordergrund rückte. Ein weiteres Zeugnis ihrer Schwäche, ihres Versagens. Ebenso wie die vielen anderen Opfer im Sturm und Feuer, die sie nicht hatte beschützen oder retten können. Was war sie für eine schlechte Freundin, die nichts tun konnte, außer hilflos mit anzusehen, wie ihre Seelenschwester zerbrach. Was war sie für eine Mutter, die ihre Kinder nicht beschützen konnte und sie alle mit der Zeit verlor. Was war sie für eine Gefährtin, die keine Liebe mehr schenken und kein Licht mehr geben konnte.
Von den Gedanken und den Gefühlen übermannt, ließ sich Adali in den Strom, den Strudel aus Hilflosigkeit ziehen, stürzte wie so oft ab und vergaß die Schwingen auszubreiten.
Ihre Rasse hatte immer etwas lebendiges, freies gehabt und als sie noch klein war, hatte sie den Erwachsenen nur zu gerne zu gesehen, wie sie über die freie Ebene gelaufen und die Beute mühelos gehetzt hatten. Als hätten sie Schwingen besessen waren die Phönixkinder über den Boden geflogen, während die Jungwölfe aus Spaß einfach mit liefen, nur um aus reiner Freude den Wind im Fell zu spüren.
Der Erinnerungsfetzten wurde von Steinen begraben, schnell versteckt und in eine Ecke gedrängt.
Die Ohren lauschten den weichen Worten, die Augen hielten sich wieder an dem Smaragd fest, ließen die Trauer hinein.

Meine Spuren hinterlassen nichts als Schmerz, Merlin.

, gab sie leise zurück und senkte nur den Kopf. Es war kein schönes Gefühl, aber es entsprach der Wahrheit, den nackten Tatsachen, vor denen sie nicht fliehen konnte. Noch waren ihr keine Flügel geschenkt und der Weg zum Himmel geebnet worden.


25.10.2009 15:05




Nashita R‘ayah


Die Braune schüttelte sich einmal energisch, um den Trocknungsprozess an ihrem Bauch ein wenig zu unterstützen. Hätte sie vorher gewusst, dass sie nachher noch mehr frieren würde, hätte sie das Ganze gleich sein gelassen. Sehr angenehm war das nämlich nicht. Doch versuchte sie es so gut es ging zu ignorieren und bis zu einem gewissen Grad, gelang ihr das sogar. Es fühlte sich jetzt wenigstens nur noch nass und nicht mehr so furchtbar kalt an. Immerhin.
Da blickte Sai auf einmal wieder so finster drein. Was war denn nun plötzlich los? Hatte ihn etwas gepiekst? Passte ihm etwas nicht? Sie neigte den Kopf ein wenig zur Seite und sah ihn studierend an. Merkwürdig. Und umso merkwürdiger war auch sein Kommentar. Wobei es sie eigentlich selbst wunderte, warum sie das merkwürdig fand. Wenn sie ehrlich war, hatte sie ja etwas ähnlich interessiert klingendes erwartet. Womöglich hatte sie ja irgendwo gehofft, doch etwas anderes zu hören zu kriegen. Naja. Dann eben nicht.
Sie begann wieder mit den Vorderläufen auf der Stelle herumzutreten. Immer in Bewegung bleiben. Das wärmt auf. Oder erzeugte wenigstens die Illusion.
Nun grinste er sie, wie aus dem nichts heraus, an. Ein Wolf mit Stimmungsschwankungen. Auch unterhaltsam irgendwie. Sie grinste nur zurück. Einfach so. Nur um zu sehen ob vielleicht wurde daraus ja eine Art Grins-Duell. Oder so. Dann würde man sehen, wer das länger durchhält.

"So würde ich das jetzt nicht sagen. Es ist einfach nur.... unangenehm."

Obwohl unangenehm wahrscheinlich doch ein wenig untertrieben war. Offen gesagt sehr untertrieben. Aber das war ihr egal. Schließlich mochte - oder eher konnte es nicht ausstehen - wenn sie für irgendwen als nicht mutig galt. Denn das war ja nicht die Wahrheit. Sie war mutig. Unheimlich sogar. Nur fand sie manche Dinge halt einfach nicht so schön wie andere. Solche Dinge hat ja schließlich jeder, oder nicht? War ja nichts Ungewöhnliches.
Irgendwo hatte er ja recht. Selbst wenn man wusste, und davon ging Nashi stark aus, wovor man Angst und so weiter hatte, war es ja trotzdem alles andere als toll sich diesen Ängsten dann auch zu stellen. So völlig unvorbereitet. Doch das mit dem nicht wissen verstand sie immer noch nicht ganz. Wenn man doch jetzt Angst vor... Blättern, zum Beispiel, hatte und der Spiegel einem das dann gezeigt hätte, wäre das doch gar nicht so schlimm. Weil man ja eben nicht wüsste, dass man Angst davor hat.
Bei der Gelegenheit überlegte sie, was sie wohl gesehen hätte. Die Sache mit den Ängsten war für sie klar. Sie wusste was sie nicht mochte. Aber wer war ihr wohl wichtig? Sie hatte sich nie so wirklich Gedanken darüber gemacht. Ihre Eltern? Gut möglich. Jedem sind seine Eltern wichtig. Auch wenn sie sie grade gar nicht so sehr vermisste, wie sie vielleicht sollte. Aber das war ja etwas anderes. Und wer war sie? Eine Wölfin. Offensichtlich. Oder hatte das irgendeine andere Bedeutung?

"Hm... Und wie sollte einem ein Spiegel zeigen wer man ist? Ich mein sowas kann man doch schlecht zeigen. Dann müsste doch jeder einfach nur sein Spiegelbild sehen. Man ist ja schließlich man selbst und niemand anderesn.

Zugegeben, sie stellte sich schon ein wenig doof an, aber sie konnte sich einfach keinen Reim darauf machen. Unter anderen Umständen hätte sie das wahrscheinlich verstanden - sie war ja nicht dumm - aber sie war ohnehin schon ziemlich verwirrt. Wegen der Höhle. Dem Schnee. Sai...


25.10.2009 15:14




Merlin lhein Cenedhril


Der graue Rüde hatte ein Auge für Dinge, die zerbrochen waren. Er wusste, was es bedeutete, wie es aussah. Er kannte sich mit diesem Anblick aus. Aber er betrachtete die Scherben nicht resignierend und trübe wie jemand, der weiß, dass er selbst ebenso in seinem Innern aussehen muss, sondern viel mehr wie ein geschäftiger Glaser, dessen Herz blutet, wenn er so etwas sieht, aber der in Gedanken bereits dabei ist, die Scherben wieder zu ordnen und sich den besten Weg zu suchen, sie vernünftig wieder zusammen zu setzen.

~Du mischst dich in Dinge ein, die dich nichts angehen. Du wirst dich schneiden.~
‚Gut möglich.‘
~Und du wirst die Dinge niemals so zusammensetzen können, wie sie vorher gewesen waren, sondern nur noch mehr Schmerz erschaffen.~
‚Wahrscheinlich.‘
~Wieso willst du es dann trotzdem versuchen?~
‚Weil das der einzige noch verbliebene Sinn meines Lebens ist.‘


Merlin wusste, dass er es versuchen musste. Vielleicht wollte Adali es gar nicht. Höchst wahrscheinlich sogar und die Chancen, dass er Erfolg hatte, waren ausgesprochen gering. Aber wenn diese geringen Chancen nun doch obsiegten, wäre das Resultat umso größer und der Rüde konnte getrost weiter in seiner kleinen Welt gesponnen aus Glas und Scherben leben, denn er hätte wieder bewiesen, dass nicht zwangsläufig alle diesem Schicksal unterworfen waren.
Es war nicht leicht, sich das alles einzugestehen, im Gegenteil. Eigentlich war es beinahe unmöglich, davon zu denken, ohne dabei einzusehen, wie falsch seine Gedanken, wie dumm seine Annahmen waren. Aber der Graue hatte geübt. Er hielt sich an einem einzigen Faden und er war sich bewusst, dass er im Moment schaukelte. Aber er konnte nicht damit aufhören, sonst hätte er sich eingestehen müssen, dass es keine Hoffnung gab, dass er ebenso gut loslassen konnte.

Die schwarze Fähe wirkte in sich zusammengesunken. Sie wirkte nicht wie ein Wolf, der von Natur aus gewohnt war, so zu sein, sondern vielmehr wie ein Gebilde, das einst gewaltig und stolz in den Himmel aufgeragt hatte und nun der Witterung wegen in sich zusammengesunken war und immer mehr in sich zusammen sank, weil es sich selbst enttäuscht betrachtete.
Der Grauen war klar, dass es viel schwerer, ja eigentlich wohl unmöglich war, das Gebilde wieder aufzurichten. Es würde niemals mehr so wie früher aussehen. Aber man konnte etwas Neues daraus schaffen, das auf den Erinnerungen der Vergangenheit ruhte. Merlin war kein Baumeister und er wagte es nicht, sich dieser Aufgabe zu stellen, denn er wusste, dass er hier tatsächlich mehr zerstören konnte, als es selbst die Natur vermocht hätte. Er war nicht fähig dazu, dieses Gebilde neu aufzubauen. Aber Adali war es. Vielleicht war sie auch fähig, das neue Gebilde dem alten sehr ähneln zu lassen, wenn sie das wollte. Aber dazu brauchte es sehr viel Kraft.

Der Graue zweifelte nicht daran, dass sie diese Kraft hatte oder sie sich zumindest nehmen konnte, wenn sie das wollte. Aber er wusste, dass sie Angst davor hatte, weil sie glaubte, erneu Fehler zu begehen. Vielleicht hatte sie sogar so viel Angst, dass sie sich verbot zu sehen, zu was sie fähig wäre.
Innerlich seufzte Merlin. Es tat ihm wirklich Leid, sie so zu sehen. Sie war sicherlich eine stolze, eine wirklich große Wölfin. Für den Grauen bedeutete groß nicht, ein Held zu sein, sondern Herz zu haben. Je größer das Herz, desto schmerzhafter blutet es.
Und es tat auch ihm weh, wenn er sie ansah. Adali war nicht dazu geschaffen, jetzt aufzugeben. Etwas in ihr wehrte sich und sie musste daran zerbrechen, wenn sie es nicht zuließ. Merlin konnte sie nicht dazu zwingen. Aber vielleicht konnte er sie darum bitten.

“Schmerz ist manchmal gut, weißt du?“, erwiderte er sanft und trat noch einen Schritt näher, sodass er nun direkt neben ihr war. “Da weiß man, dass man noch lebt.“

Und er meinte es so, wie er es sagte. Denn Merlins einziger Anhaltspunkt, dass er noch lebte, bestand in dem Schmerz, den andere ihm in seinem Mitleiden zufügten und die einzige Freude für ihn bestand in dem Gefühl, wenn der Schmerz nachließ.
Ganz langsam und darauf achtend, wie Adali reagieren würde, legte er den Kopf in ihren Nacken. Er wollte sie nicht erschrecken oder bedrängen. Aber er hoffte, dass ihr dieses Gefühl von Nähe ein kleines bisschen zeigen würde, dass sie noch nicht tot war. Merlin wusste durchaus, dass er vermutlich der falsche Wolf war, um dieser Geste ihre völlige Entfaltung zu erlauben. Aber der Richtige war gerade nicht da und er konnte einfach nicht so tun, als könne er nichts tun.
Vielleicht war es ein Fehler. Aber dieses Risiko musste er eingehen.


25.10.2009 17:06




Teyrm


Es war nicht wirklich so das er gehen wollte. Viel mehr wollte er Ares wahrscheinlich nicht weiter quälen. Vielleicht war es auch ein leichtes Gefühl der Niederlage. Aber er hatte noch nicht verloren in dem Kampf Ares zu zeigen was er da hatte. Auch der Schwarze musste das doch einsehen und konnte es nicht einfach wegschmeißen. Nein selbst der Schwarze würde Zuneigung nicht einfach abschmettern können, so schätzte Teyrm ihn einfach nicht ein. Dennoch hatte er das dumme Gefühl hier so einfach nicht weiter zu kommen. Das ergab so keinen Sinn und brachte zu... naja eigentlich zu relativ wenig. Als wenn er halt mit einem Felsen sprach. Soviel wie er bei Ares Gestik und Mimik erkannte, würde er wahrscheinlich wirklich auch bei einem Felsen erkennen.
Aber er war einfach nicht der Typ der aufgab, er konnte nicht aufgeben.
Nicht, jetzt und in Zukunft auch nicht. Er war nicht dazu geboren aufzugeben, er war ein Held! Oder würde zumindest einer werden.

“Das sagst du vielleicht so einfach, aber so ist es nicht. Auch wenn du denkst das Welpen schnell vergessen. Ja, vielleicht vergessen wir schneller als Erwachsene, aber unsere Herzen werden genauso wenig vergessen. Wahrscheinlich können wir es einfach besser verstecken...“

Antwortete er ruhig auf Ares' Worte. Ja das war doch dieses typische Wunschdenken. Ich hau einfach ab und bald hat sie jemand Anderes und wird mich vergessen. Man log sich doch einfach nur selbst etwas vor! Als wenn man wirklich jemals jemanden vergessen könnte den man gern hatte. Zumindest er würde niemals vergessen. Nie! Vielleicht waren Welpen nicht so lange sauer wie Erwachsene weil man einfach noch nicht soviel wusste... aber vergessen. Das konnte er wohl nicht ernsthaft glauben.

Erwartungsvoll blickte er Ares an als dieser das Wort erhob, zu Worten die er eigentlich gar nicht erwartet hatte. Nun, das hieß wohl er sollte nicht weggehen. Gut, dann eben so. Wenn er auch nicht richtig verstand was der Schwarze mit seiner Frage bezwecken wollte.

“Du sollst dich entschuldigen wenn du es möchtest.“

Gab er ruhig zurück, dann lehnte er den Kopf in den Nacken und blickte zum Schneehimmel empor. Es war wichtig seine Worte zu ordnen, sollten sie doch etwas erreichen und nicht klanglos verhallen.

“Wenn man jemanden gern hat, weiß man wie er es meint. Und man wird es verzeihen wenn er einen verletzt. Ich glaube nicht das eine Freundschaft oder gar Beziehung in vollkommener Harmonie bestehen kann. Verletzten, Verzeihen... es gehört halt alles zusammen, Kurz blickte er Ares an, “Ich habe Yosó auch verziehen das er einfach so gegangen ist. Und weil ich ihn mag werd ich auch ewig auf ihn warten.“


Er hatte viel gelernt und verstanden, er hatte viel Zeit dazu gehabt und auch einen guten Grund...

“Ich glaube nicht das Yacáru da anders denkt.“


27.10.2009 10:17




Amayu


Es war einiges an Zeit vergangen und Amayu fühlte sich nicht mehr im Stande dazu, zu zählen, aber sie war sich dessen mehr als bewusst. Vor gut zwei Monaten war ihre geliebte Schwester Yacáru einfach spurlos verschwunden, sie hatte es nicht wirklich mitbekommen, war selbst viel zu beschäftigt gewesen einen Scheinkampf mit ihren Brüdern führen zu müssen. Erst, als die Mutter nach der Weißen gefragt hatte, hatte Amayu bemerkt, dass ihre Schwester fehlte. Die Suche war irgendwann im Nichts verlaufen, die Spuren waren vom Herbstregen verwaschen und nicht mehr aufnehmbar. Amayu hatte sich lange gefragt, was sie nun tun sollte, doch jetzt hatte sie eine Entscheidung getroffen und sich mit einfachen, wenigen Worten von ihrer Familie verabschiedet: 'Ich weiß, dass ich noch jung und klein bin, aber ich lasse meine Schwester nicht alleine - nicht in dieser großen, weiten Welt!' Natürlich waren die Eltern keines Wegs damit einverstanden gewesen, aber in einer Nacht und Nebel Aktion hatte Amayu sprichtwörtlich die Läufe in die Pfoten genommen und war abgehauen. Und seitdem war sie auch unterwegs gewesen.

Seit gut anderthalb Monaten war Amayu nun unterwegs, der Winter war mittlerweile eingebrochen und Amayu hatte große Ehrfurcht vor ihm, weil das unbekannte kalte Weiß ihr so unbekannt war. Hin und wieder lief sie vergnügt dadurch, doch gleichzeitig war sie doch nicht sicher, wie gefährlich dieser Schnee war und versuchte ihn zu meiden. Der Weg war alles andere als leicht für sie gewesen. In der Zeit, in der sie unterwegs gewesen war, hatten zwei Rudel sie begleitet und jedes Mal war sie wieder abgehauen, weil sie nirgends aufgenommen werden wollte. Einzigst um die Wärme, die Liebe und das Futter war es ihr dort gegangen, damit sie nicht aufgeben musste. Seit gut einigen Stunden war sie in einer für sie verwirrenden Landschaft gelandet und hatte eine Höhle entdeckt, von der sie glaubte dort kurz rasten zu können. Amayus Pfoten schmerzten leicht, der Weg war weit gewesen und auch steil für die Jungfähe, sie war in Richtung eines Berges gegangen und merkte immer mehr, dass es aufwärts gegangen war; ein wenig Rast konnte nicht schaden. Danach würde sie weiter gehen, Yacáru konnte nicht mehr weit sein, die schneeweiße Jungfähe war sich dort mehr als sicher. SIe tapste langsam zu der Höhle, die Nase am Boden immer wieder nach Spuren suchend. Sie nahmen Wolfsfährten auf und im ersten Moment schätzte Amayu wieder nur auf irgendein Rudel, doch plötzlich mischte sich ein Geruch dazwischen, der der Weißen mehr als nur bekannt war. Sie folgte dem Geruch in die Höhle hinein, hinterließ eine Spur im Schnee durch Pfoten und Nase und verschwand in dem großen dunklen Stein. Unbewusst und nicht wirklich darauf achtend, wohin ihre Pfoten sie trugen, war sie nicht nur in der Höhle angekommen, sondern mehr und mehr in die Nähe fremder Wölfe und Amayu, verwirrt von Umgebung und den plötzlichen Ereignissen, wirkte erst blind, als sie plötzlich den Kopf hob und sich am Höhleneingang in der Nähe einer braunen Fähe und zwei schwarzer Rüden wieder fand. Amayu legte den Kopf schief.

"Hallo? Ähm...ich suche jemanden, meine Schwester, sie heißt Yacáru und-"

In dem Moment, in dem die Frage an die drei Wölfe richtete, hatte sich die Jungfähe auch mit geducktem Kopf und angelegten Ohren umgesehen um sich mit der Umgebung oder auch den vielen fremden Wölfen vertraut zu machen. Doch genau in dem Moment entdeckte sie ihr Ziel, das, was sie auf ihrer langen Reise gesucht hatte! Urplötzlich hob sie den Kopf an, spitzte die Ohren und ihre Rute wedelte von einer Seite auf die andere. Auf Wolfsart lächelnd starrten die blauen Augen nur in eine Richtung, dann hielt sie nichts mehr auf ihren Pfoten. In der Nähe einer größeren weißen Fähen fand sie plötzlich ihre geliebte Schwester Yacáru und rannte zu ihr hin.

"Yacáru! Da bist du ja!"

Sie wuffte hocherfreut, sprang ihre Schwester an um sie umarmen zu wollen, leckte durch ihr Gesicht und vergrub immer wieder die Schnauze in ihrem wolligen Pelz, um ihren vertrauen Geruch einatmen zu können. Sie war überglücklich, die lange Reise war vergessen, sie hatte ihre Schwester zurück.


27.10.2009 12:23




Leikuna


Leikuna lächelte sacht, als sie ohne nachzusehen die zwei Jungwölfe aufholen spürte. Sie hörte ihre Schritte, das hektische Knirschen des Schnees, und das schnelle Trommeln der Pfoten hinter sich, und beschleunigte selbst noch etwas mehr. Leikuna war nie eine herausragende Läuferin gewesen, aber der rein körperliche Unterschied zu den Jungwölfen war noch groß genug, um ihr eine ganz gute Chance zu geben - wobei es ihr nicht mal darum ging, sie beide zu schlagen. Auf Toboes vom Gegenbwind verwehte Worte hin nickte sie nur im Lauf, unmerklich, nur zu sich selbst. Oh jah, sie schummelte - manchmal musste man schummeln, um an sein Ziel zu kommen. Und ihr Ziel war Yago. Das Rudel tat sich vor ihnen auf, Leikunas Zunge hing ihr bereits seitlich aus der Schanuze, und hüpfte bei jedem neuen Schritt auf und ab, Dampfwolken von Atem verliessen ihre Kehle, und suchend glitten die gelben Augen über das Rudel - wo waren die denn nur? Leikuna lief einfach weiter, an den anderen Wölfen vorbei, und immer weiter voran. Ihre Pfoten wurden schwerer und schwerer mit jedem Schritt, aber die Weiße lief einfach weiter, längst deutlich langsamer als zuvor, aber sie war noch nicht am Ziel.

'Wo seid ihr denn bloß?'

Rief sie stumm in sich hinein, und wie als hätten sie sie gehört, tauchten in einigem Abstand Yago und Kiba vor ihr auf. Leikuan verlangsamte ihr Tempo für einen Moment, nahm dann jedoch wieder Lauf auf, und stob auf die beiden zu, Toboe und Ýllin inzwischen so dicht auf, dass sie beide sie sicher gleich überholt hatten. Aber das war jetzt egal, denn dort vorne wehte ihre persönliche Zielflagge im Wind, und erst an dieser - nämlich direkt vor Kiba und Yago - hielt sie schlitternd und leicht ausser Atem an.
Hechelnd wand sie sich an die beiden, warf Yago einen eher vorsichtigen Blick zu, und holte sich die Kraft die ihr fehlte dann bei Kiba zurück, bevor ssie zu sprechen begann.

"Das hier ist Ýllin, sie kam uns im Schnee entgegen"

Alles weitere könnte die Jungwölfin selbst erzählen, und Leikuna machte einen Schritt zur Seite, um ihr Platz zu lassen. An Kiba vorbei sah sie wieder zu Yago herüber, nicht sicher, wo sie mit ihren Augen nun eigentlich hinsollte, und was ihr begenen würde, wenn sie noch länger blieb. Den Blick nun langsam bis zu seinen Augen hebend, nahm sie allen Mut zusammen der noch übrig war.


28.10.2009 15:23




Adali


Obwohl die Erkenntnis schmerzte und das blutende Herz noch weiter in sich zusammen sinken ließ, so hatte es doch etwas angenehmes an sich. Sie musste die Wahrheit nicht mehr alleine tragen, konnte glaube, dass Merlin von ihrer Unfähigkeit wusste und es besser machen würde. Glauben. Längst hatte sie den Glauben aufgegeben, fand sich in einer Welt voller Lügen und Wahrheiten wieder, die alle auf sie ein prasselten.
Es zerriss der Wölfin die Seele und doch biss sie hart den Kiefer aufeinander, verstrickte sich immer weiter in ihre Gedanken, die weder ein Ende hatten, noch konnte sie ihnen Einhalt gebieten.
Schweigend harrte Adali aus, fest in dem Glauben, den Grauen nun verschreckt zu haben, hatte sie doch das Monster in ihrem Innern an die Oberfläche gelassen. Angst mischte sich mit Verzweiflung, Trauer und Schmerz wuchsen über ihren Kopf und rissen die Fähe erbarmungslos mit. In jener Sekunde in der sie hoffte, dass sie nun endlich wieder auf die Pfoten käme, würde sie eines besseren belehrt. Es gab keinen Halt für sie, würde sie ewig fallen. Einer unendlichen Schwärze entgegen. Frieden. Leere. Aber keine Freiheit. Keine Erlösung. Keine Erleichterung.
Adali achtete nicht weiter auf den Rüde an ihrer Seite, versank immer weiter in den unruhigen Gedanken, die von dem Bild in der einen Kammer unterstrichen wurden. Es war alles ihre Schuld. Sie ertrank darin, in dem Kiba schwimmen konnte. Ihre Freundin war so stark, hatte in Yago einen festen Halt gefunden und dennoch wünschte sich die Schwarze, ihre Freundin unterstützen zu können. Dabei war sie nicht ein Mal fähig, ihr selber zu helfen. Hilfe zur Selbsthilfe. Trotz ihrer vier Jahre, die sie schon lebte lernte sie doch niemals aus und war noch lange nicht am Ende angelangt. Wo begann man, wenn die Seele ein einziges Trümmerfeld war und Risse sich tief durch das Wesen zogen? Kein Feuer, nicht die kleinste Flamme, kein Kampfgeist. Ausgehöhlt und verbraucht fühlte sie sich. Kraftlos und mutlos.
Zwischen ihren Gedankenfetzen hörte sie wieder leise Merlins Stimme. Schmerz sollte gut sein?

Schmerz... macht auf die Dauer krank. Er zerstört das, was noch nicht kaputt gegangen ist.“, murmelte sie leise, den Blick noch immer starr zu Boden gerichtet. „Schmerz stumpft ab.

Es musste doch noch einen anderen Weg geben, zu fühlen, zu leben. Aber alles wurde von einer Welle aus Schmerz, aus Leid, Trauer und so vielen anderen Gefühlen überlagert, dass sie nicht ein mal selber genau benennen konnte, um was es sich dabei genau handelte. Es war eine Mischung aus so vielen Komponenten, wie im Sommer die Gerüche der Blumen, des Klees, des Waldes, von frischem Wasser und vielen anderen Dingen eine Melodie aus Gerüchen ergaben. Die Melodie in ihrer Seele handelte von Kummer und Traurigkeit.
Plötzlich wurde sie heraus geschleudert aus ihrer Welt, wurde fort gerissen und fand sich in einer vorsichtigen, warmen Geste wieder. Der Graue hatte den Kopf in ihren Nacken gelegt und damit sich näher an die Fähe heran gewagt.
In Sekundenbruchteilen schossen Bilder zweier schwarzer Wölfe vor ihrem geistigen Augen vorbei, welche so vertraut miteinander umgingen, als würden sie sich ewig kennen. Ein paar silberweißer Augen lächelte sie an und die Flamme gab die Wärme zurück.
Hart schluckte Adali, versuchte den Kloß los zu werden, der sich in ihrer Kehle gebildet hatte, die Ohren zurück gelegt. Es war scharf an der Grenze, die Selbstbeherrschung der Fähe schwankte, die Maskerade bröckelte und dennoch hielt sie still, den Deckel verschlossen. Noch konnte sie nicht los lassen. Noch nicht.


28.10.2009 17:49




Yacáru


Yacáru gab vorerst keine Antwort und wusste auch nicht wirklich, ob die Erklärung der Älteren jetzt so hilfreich gewesen war. Schnee kam aus dem Himmel. Er tanzte federleicht aus den Wolken herunter. Aber warum? Wie stellte er an? Die junge Wölfin, die Schneeflocken ja bisher noch nie gesehen hatte, sondern nur die große, weiße Masse, konnte sich nicht so recht vorstellen, wie diese Fläche federleicht runterfallen konnte. Und er begrub doch alles unter sich! Egal. In diesem Moment war das einfach so und Yacáru hatte keine Lust auf weitere Erklärungen. Sie blinzelte, als die Weiße ihr wieder über den Kopf schleckte und drehte die Ohren erneut leicht zurück. Jetzt belehrte sie sie mit einfachen Floskeln, die jeder so leicht daher sagte, aber an die sich niemand wirklich hielt. Die Wölfin war ja wirklich sehr nett und Yacáru schätzte, dass sie sie tröste wollte, so wirklich gut darin war sie allerdings nicht. Unmerklich huschten ihre dunklen Augen umher, suchten nach Ares. Die Wut auf ihn war in eine hilflose Ohnmacht gefallen und gerne wäre sie zu ihm zurück gelaufen und hätte sich bei ihm hingesetzt. Egal, ob er sie nun beachtete, oder nicht, aber seine Nähe hatte Sicherheit. Sie fand den Schwarzen als schmalen Punkt in der Landschaft. Und er schien nicht alleine zu sein, noch jemand kleineres war bei ihm. Kurz spürte Yacáru so etwas wie Eifersucht in sich hochflackern, dann senkte sie seufzend den Kopf.
In der nächsten Sekunde geschah dann etwas ganz und gar Unerwartetes. Ein Wuffen, eine bekannte Stimme, ihr Name und dann lag sie im Schnee, gefangen in einer wohligen Wolfsumarmung. Die junge Wölfin brauchte ein paar Momente, um zu realisieren, was grade geschehen war, ihr Gehirn brauchte ein paar Atemzüge, um zu wissen, wer zu ihr gekommen war. Jemand, den sie ganz genau kannte. Jemand, dem sie wichtig war, jemand, der sie wohl gesucht hatte. Ihre Schwester!

"Amayu!",

brachte Yacáru schließlich atemlos hervor und ihre Rute fing unwillkürlich an ganz schnell durch den Schnee zu fegen. Winselnd erwiderte die Kleine ihr Geschlecke und hätte fast schon wieder weinen können.

"Wie kommst du denn hier her?"

Sie pfotete sachte nach ihrer Schwester, drückte ihren Kopf an ihre Läufe. In diesem Moment war ihr sogar egal, dass sie rücklings im kalten Schnee lag. Amayu war da. Sie war nicht mehr alleine!


29.10.2009 10:40




Merlin lhein Cenedhril


Merlin wusste um seine Gradwanderung. Er wusste, dass er sehr weit ging und dass er Dinge tat, Methoden und Wissen anwandte, die nicht recht waren, weil es ihm einen Vorteil gegenüber Adali verschaffte, weil sie sich dagegen nicht wehren konnte.
Er wusste es und zugleich wusste er, dass er ihr nur auf diese Weise helfen konnte. Die Schwarze brauchte nun selbst ein Feuer, an dem sie sich wieder entzünden konnte, auch wenn er aufpassen musste, dass sie sich nicht daran verbrannte. Denn das ging nur allzu leicht und das wollte der Rüde natürlich nicht.
Auch war er sich klar darüber, dass Adali keineswegs dazu in der Lage sein würde, seinen Standpunkt auch noch einzunehmen. Sie war in sich gefangen und musste befreit werden. Es war, als sollte man eine Kiste öffnen mit einer Brechstange, die sich in der Kiste befand. Man musste das Unmögliche wagen und die Brechstange überreden, die Kiste von sich aus zu öffnen.

Der Graue war dennoch mehr als nur auf der Hut. Er wusste, dass er zu weit ging. Ein kleines Stück nur, aber zu weit war zu weit. Und genau darin lag der Sinn. Adalis Worte bestätigten es ihm. Schmerz stumpfte ab. Wie Recht sie da leider hatte. Der Graue war in dieser Hinsicht längst völlig abgestumpft. Aber das hieß nicht, dass er sie deswegen hängen lassen wollte. Im Gegenteil.
Er wusste, dass diese Geste sehr persönlich war. Er erwartete nicht, dass sie sie so vorbehaltlos annahm, wie ein anderer Wolf es vielleicht getan hätte, vielleicht auch nicht. Und eigentlich rechnete er durchaus mit einem lauten Protest. Doch nichts dergleichen geschah.
Er spürte, wie sich ihre Ohren anlegten, wie sie ein wenig verkrampfte. Er spürte es deutlich und sein anderes Ich seufzte genervt auf.

~Lass sie in Ruhe, sonst reist sie dir den Kopf ab.~
‚Wenn es ihr hilft.‘
~Das kann doch nicht dein Ernst sein. Du gehst ihr gerade mächtig auf den Zeiger, merkst du das denn nicht?~
‚Wenn ich das tue und sie wehrt sich, zeigt sie damit Lebenswillen.‘
~Du bist vollkommen wahnsinnig …~


Merlin wusste, dass er dieses Loch in ihr nicht füllen konnte. Aber das wollte er auch gar nicht. Er wollte, dass sie selbst damit begann, es zu füllen. Irgendwie sollte sie es versuchen, denn der Versuch zählte, nicht der Erfolg. Das heißt, es zu versuchen, war der Erfolg.
Er spürte, wie auch er sich zu erinnern begann, wie sein Körper sich an diese Wärme zu erinnern begann. Und etwas in ihm begann zu schreien und zu weinen. Es war tief in dem Grauen verborgen und niemand konnte es sehen, aber er spürte es und den Schmerz, der von ihm ausging.

Dennoch nahm er sich zusammen, ließ sich nichts anmerken. Es ging hier nicht um ihn, es ging um Adali. Er wollte ihr helfen und wenn er dieses Gefühl schon hatte, dann musste er es nutzen. Denn so musste die Fähe sich auch fühlen. Oder aber so würde sie sich fühlen, wenn sie so weiter machte, irgendwann. Und das galt es zu verhindern.

Der Graue wusste nicht, was genau ihr zugestoßen war. Er hatte einiges erkannt. Ihr Gefährte war nicht da und das allein war Grund genug, sich so zu verhalten. Aber er wusste nicht, wo dieser war, ob er tot war oder was sonst geschehen war. Doch das spielte für ihn keine Rolle, das ging ihn eigentlich gar nichts an.
Merlin behielt die Geste weiter an, spürte ihr warmes Fell, nahm ihren Geruch auf. Erinnerungen mischten sich mit der Gegenwart, ohne dass er es wirklich wollte. Nein, so etwas konnte man nicht wollen, nicht jetzt, nicht hier.

“Schmerz ist kein eigenständiges Wesen“, erklärte er leise und drehte den Kopf etwas, spürte ihr Fell an seiner Wange, “Schmerz ist ein Teil von dir und wie jeder andere Teil auch, ist er dem ganzen unterworfen. Ist er d i r unterworfen.“

Merlin spürte, wie sein Herz schneller klopfte. Es schrie vor Sehnsucht und weinte, weil es in dieser Welt, in diesem Körper nur noch halb existieren konnte. Aber zu mehr war er nicht mehr fähig. Er fürchtete sich davor, in dieser Welt vollständig sein zu wollen, denn es war ihm nie gelungen, hatte nur Schmerzen und Leid mit sich gebracht. Und dieses Gefühl wollte er Adali ersparen. Denn wenn sie erst einmal erkannt hätte, dass sie auch mit halben Herz existieren konnte, war die Verlockung, es zu wagen, sehr groß und die Wahrscheinlichkeit, diese schmerzvolle Existenz wieder auf geben zu können, verschwindend gering


29.10.2009 12:11




Ares


Ares lauschte Teyrms Worten, ohne etwas zu sagen, ohne irgendwie zu reagieren. Er wusste, dass der junge Rüde recht hatte. Welpen vergaßen nicht, ihre Herzen vergaßen nicht, sie waren nicht anders als die von Erwachsenen, sie waren nur unbeholfener. Auch er hatte niemals vergessen. Die Erinnerungen lagen tief in ihm wie in schwarzem Eis eingefroren, aber Ares wusste, er würde niemals vergessen, was er als Welpe erlebt hatte.
Aber er war damals gegangen, um dem Schrecken ein Ende zu machen und das musste er auch jetzt tun, um Yácaru weiteres Leid zu ersparen. Es war eine Sache, jemanden zu verlieren, der einem etwas bedeutete, aber es war eine andere Sache, sich an jemanden zu klammern, der eigentlich gar nicht existierte, jedenfalls nicht als Bezugsperson.
Und der Schwarze war keine Bezugsperson. Er war nicht dafür geeignet und Yácaru klammerte sich nur an ihn, weil sie niemanden sonst hatte und indem sie sich an ihn klammerte, konnte sie niemanden sonst finden.

Nein, es war besser, wenn Yácaru sich eine Familie suchte. Und er eignete sich nicht zu einer Familie. Er konnte ihr keine Zuneigung geben, nur Enttäuschung und das wollte er nicht. Das hatte sie nicht verdient.
Und plötzlich regte sich etwas in ihm. Nein, nicht plötzlich, es war die ganze Zeit über dagewesen, aber nun wurde es so stark, so heftig, dass er es nicht so leicht ignorieren konnte. Ares kannte das Gefühl, auch wenn er es sehr lange nicht mehr gespürt hatte und das machte ihm Angst, in gewisser Weise. Aber er kannte es. Und es tat unbeschreiblich weh.

Ares vernahm die Worte des jungen Rüden nur am Rande, bis sie aber so stark waren, dass sie in sein Innerstes hallten und dort an ihm rissen und zerrten.
Ich habe Yosó auch verziehen das er einfach so gegangen ist. Und weil ich ihn mag werd ich auch ewig auf ihn warten…
Ich habe verziehen …
Verzeihen …

Der Schwarze spürte, wie plötzlich etwas in ihm zu schreien begann bei diesem Wort. Etwas in ihm lechzte nach diesem einen Wort, als ob es Wasser für einen Verdurstenden wäre. Es riss an ihm und zerrte und den Rüden, der so lange nicht mehr Gefühle zu spüren bekommen hatte, drückte es beinahe mit einer Urgewalt nieder, sodass er kaum atmen konnte.
Es war so heftig, dass es durch seine Augen nach draußen musste. Es war nicht in seinen Augen zu sehen. Ares‘ Augen waren tot, nichts konnte ihnen jemals wieder Leben einhauchen. Sie waren wie aus Glas. Doch in diesem Moment wurde das Glas durchlässig, ohne dass er sich dessen bewusst wurde.

Verzeihen …

Unwillkürlich wandte er den Blick zu der Welpin, die ein ganzes Stück entfernt mit einem weißen Wolf gelegen hatte. Aber so heftig, wie sein Herz eben noch geklopft hatte, so schmerzhaft war es, als es nun plötzlich stehen blieb. Auf den ersten Blick hatte Ares geglaubt, Yácarus Gesellschaft spielte nun mit ihr im Schnee, aber auf den zweiten Blick sah er, dass es sich um drei Wölfe handelte und der andere weiße Wolf war nicht größer als sie selbst.
Er wusste nicht, dass es sich um ihre Schwester handelte, eigentlich beschäftigten sich seine Gedanken damit nicht einmal. Aber er wusste, dass es da nun jemanden gab, der sich Yácaru gegenüber so verhielt, wie sie es brauchte, wie sie es sich gewünscht hatte. Und er wusste auch, dass er es nicht war.
Es war eine Utopie gewesen, glauben zu wollen, dass er dazu in der Lage war, sich um sie zu kümmern. Er konnte es nicht und es war gut, dass er es gar nicht ernst versuchte. Es wäre nur schief gegangen, er hätte nur noch mehr Unheil angerichtet. Und wie er gesagt hatte: Sie hatte jemand Anderes gefunden, der besser dafür geeignet war, bei ihr zu sein und wenn sie ihn nicht bereits vergessen hatte, so würde sie das bald schon tun.

Das erstaunliche Flackern, das wie eine Kerze durch Glas in seinen Augen erschienen war, verlöschte, als hätte der Wind es einfach ausgeblasen. Die Augen des Schwarzen waren wieder glatt und kalt, tot, wie zuvor, wie sie es immer sein würden.
Doch seine Haltung hatte sich verändert, als er nun wortlos an Teyrm vorbeischritt. Seine Rute war ein wenig gesenkt und auch sein Kopf, was bei diesem großen Wolf sehr bizarr wirkte. Aber das war ihm egal. Im Grunde spielte es keine Rolle. Im Grunde war doch alles so wie vorher …


29.10.2009 12:39




Cílyn Nuray


Ihr Ablenkmanöver war wohl doch nicht ganz so gut geglückt, wie sie es erhofft hatte. Es war ja auch nur ein kleiner Versuch gewesen, der eher offensichtlich war, als gut vorbereitet, oder gar überlegt. Doch den schwarzen Jährling schien ihre eingeworfene Frage zu verwirren. Naja, immerhin hatte sie vielleicht so etwas ablenken können? Zu dem Gespräch der beiden Rüden hatte sie nichts beigetragen, da sie sich des Themas nicht mächtig fühlte und sonst das Gefühl hätte, sich in etwas einzumischen, was sie nichts anging.

„Ach, ich habe nur gefragt, weil man euch beiden selten mal nicht zusammen sieht.“

Zumindest hatte sie jetzt in Erfahurng bringen können, dass es sich hier um Aiyán handeln musste. Das half ihr nun wenigstens etwas. So musste sie zumindest nicht zugeben, dass sie der Namen nicht mächtig war.
Ihre rehbraunen Augen huschten zu El'Sombo de Feru rüber, der sich im Anschluss eine Frage erlaubte. Eigentlich hatte sie nicht mehr darüber nachdenken wollen, über diese seltsamen Kristalle, Spiegel, oder was auch immer. Sie hatte sich so lange den Kopf darüber zerbrochen, dass sie nicht mehr wusste, was sie sollte und was nicht. Es konnte alles sein und gleichzeitig wieder nichts. Sie wusste selbst nicht und hatte auch schon ein wenig mit Laikuna, Akara und Andraki darüber sinniert, doch zu einem Ergebnis waren sie nicht gekommen, und dann war da dieses wundervolle Licht, die frische Luft und sie selbst, Cílyn, hatte einfach alles vergessen wollen, wenigstens für einen kurzen Moment und verdrängte es einfach.

„Sie sind seltsam nicht? Jeder sieht etwas anderes in ihnen, und in jeder Kammer erscheint ein anderes Bild. Als ob man tief in sich selbst hinein blickt... wir haben schon darüber nachgedacht, doch einig werden wir uns bestimmt nie. Welche Kraft kann in einen Wolf hinein blicken und seine tiefsten Erinnerungen bildhaft darstellen...?“

Sie lächelte wieder einmal ihr sanftes Lächeln, nachdem sie geendet hatte und ließ ihren Blick kurz über die Ebene schweifen, froh, nicht mehr in den dunklen Höhlen zu sein. Obwohl natürlich auch die Kristalle ein strahlendes Licht gespendet hatte. Und doch war es so anders gewesen. Mysteriös und geheimnisvoll. Aber auch kalt, ihrer Meinung nach. Dieses Licht war warm und wunderschön. Erst wenn man etwas nicht hatte, wusste man es im Nachhinein zu schätzen.

„Habt auch Ihr etwas in den Kristallen gesehen?“ Sie fragte nicht nach dem wie, oder was. Einfach nur nach dem „ob“. „Habt Ihr die Bilder verstanden?“


Ihr Blick lag nun direkt auf den Augen des schwarzen Rüden. Für ein paar Sekunden hielt sie den Blickkontakt, bevor sie ihre Lider niederschlug, und dann Aiyán ansah.

„Und du?“



30.10.2009 21:50




Jeanne


Jeanne richtete den Blick nicht von Yacáru ab, lächelte der Weißen weiter entgegen. Langsam fiel ihr wirklich nichts ein, womit sie versuchen konnte, die Kleine zu trösten. Vielleicht.. musste sie selbst erst ein Mal Trost finden, um sich wirklich um die Weiße kümmern zu können. Sie seufzte leise. Die Welpin schwieg, und Jeanne selbst wußte nichts zu sagen. Sonst hatte sie es immer geschafft, Welpen zu trösten, einfach durch ihre Nähe, durch ein paar Worte, die sie jetzt nicht fand. Es war einfach nicht ihr Tag. Sie war noch immer nicht über die Kristalle hinweg, auch wenn sie möglichst versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Während die kleine Fähe schwieg, richtete Jeanne den Blick leicht zur Seite. Ihre dunklen Augen suchten die Gruppe, bei der sie sich bis eben noch befunden hatte. Maav stand noch bei ihnen. Ob sie noch immer über die Kristalle sprachen? Gerne wäre sie zu ihnen zurück gegangen, hätte ihnen bei ihren Erzählungen zu gehört. Aber sie wollte Yacáru nicht allein lassen, nicht in solch einer Situation. Gerade wollte sie den Kopf wieder zu der Fähe drehen, ihr zu lächeln, als der Name der Kleinen an ihre Ohren drang. Eine fremde Stimme, dazu eine recht jung klingende. Die Weiße richtete den Blick einen Moment auf Yacáru, und schon im nächsten Moment war ein zweites, weißes Fellbündel bei ihnen. Yacáru wurde stürmisch begrüßt, lag im Schnee und schien im ersten Moment selbst ein wenig verwirrt zu sein. Und dann fiel der Name der anderen Fähe. Amayu. Sie hatte diesen Namen nie zuvor gehört, konnte ihn mit nichts in Verbindung bringen. Einen kleinen Moment zögernd blieb Jeanne im Schnee liegen, erhob sich dann vorsichtig und schüttelte kurz den weißen Pelz. Dann richteten sich die dunklen Augen wieder auf die zwei Welpinnen. Leicht neigte sie den Kopf zur Seite, beobachtete die wilde Begrüßung der Zwei. Einige Momente ließ sie vergehen, ehe sie die dunklen Augen auf Amayau richtete.

“Hallo Amayu. Mein Name ist Jeanne.“

Sie lächelte der Weißen sachte entgegen, so wie sie es bei Yacáru die letzten Minuten getan hatte. Ein tiefer Atemzug und sie neigte leicht den Kopf nach unten, um die Weiße besser ansehen zu können. Die Fähe musste aus der Höhle gekommen sein.

“Bist du ganz allein hier her gekommen, um Yacáru zu treffen?“

Nicht die beste Frage.. aber ohne Worte fühlte sie sich fehl am Platz.


30.10.2009 21:50




Amayu


Auch wenn es eine Weile gebraucht hatte, letztlich hatte Yacáru sie erkannt und sprach ihren Namen aus. Allein die Tatsache, dass ihre Schwester sie nicht vergessen hatte, entlockte ihr gleich noch ein fröhliches Wuffen und ein hektisches Hecheln. Winselnd erwiderte ihre Schwester die Begrüßung und Amayu fiepte fröhlich, sie konnte ihr Glück kaum fassen und wusste gar nicht, wie sie ihre Freude weiter ausdrücken sollte. Ihre Rute schlug hin und her, so schnell wie sie es selbst gar nicht fassen konnte, immer wieder berührte sie ihre Schwester mit der Schnauze, vergrub diese irgendwo in ihrem weichen wolligen Pelz und schleckte ihr fröhlich durch das hübsche Gesicht. Es war so perfekt, dieser Moment war so toll und sie konnte ihn niemals vergessen, da war sich die junge Welpin so sicher! Die Kälte des Schnees war vergessen und während Yacáru nach ihr pfotete, berührte Amayu die Pfote ihrer Schwester einmal mit ihrer eigenen und schien im Schnee umher zu tänzeln als wenn dieser Moment so selbstverständlich war. Es dauerte noch einige Sekunden, bis Amayu sich endlich etwas fassen konnte, eine gewisse Ruhe durch ihren Körper glitt und sie sich auf ihre Hinterläufe niederließ.

"Wie ich hierher komme? Ich bin durch die Höhle gekommen!"

Wuffte sie und drehte ihren Kopf einmal in Richtung der Höhle. Dann sah sie Amayu wieder an und bemerkte nur im Augenwinkel weiter, dass ja noch eine ältere weiße Wölfin bei ihrer Schwester saß, ganz ruhig schien und nach Amayus Meinung eine sanfte Ausstrahlung hatte. Erst nach einer Weile sprach die ältere Wölfin zu ihr und Amayus Rute wedelte gleich wieder, wirbelte den feinen Schnee auf und erneut wuffte sie.

"Jaaa. Als unsere Mama und unser Papa bemerkt haben, dass du fehlst, habe ich nicht aufgegeben! Ich habe gewusst, dass du lebst! Weißt du was?", die Frage an die große Wölfin gerichtet, so arglos als wenn nichts wäre, "Das hier ist meine Schwester! Meine einzige Schwester und genau deswegen habe ich diesen Weg auf mich genommen. Ich wusste, dass ich sie treffen würde, auch wenn ich ganz schön lange laufen musste."

Sie seufzte leise, kurz erschöpft, aber bei dem Anblick von Yacáru war neuer Lebensmut in ihr. Sie legte sich auf die kalte Schneedecke, kratzte sich zu ihrer Schwester hervor und legte den Kopf auf den flauschigen Körper derselben. Ihr vertrauter Geruch stieg ihr in die Nase, die Wärme und Nähe ihrer Schwester tat gut und gab ihr den Mut zurück, dass jetzt alles wieder besser werden würde.

"Ich hab dich lieb, Yacáru.."


Flüsterte sie und biss ihrer Schwester zärtlich ins Ohr, dann fiel ihr aber wieder die große weiße Wölfin ein, die sich als Jeanne vorgestellt hatte.

"Wer bist du eigentlich? Und woher kennst du meine Schwester?"

Neugierige, sorglose Fragen ohne bösen Hintergrund.


30.10.2009 22:51




Teyrm


Mit etwas zur Seite geneigtem Kopf beobachtete der junge Rüde das Mimikspiel von Ares, ohne daraus wirklich schlau zu werden. Erwachsene dachten wirklich seltsam, das war ja bald kaum auszuhalten. Seine Ohren zuckten während er versuchte die Schnauze zu halten und nicht einfach zu fragen was Ares denn jetzt schon wieder hatte. Stattdessen senkte der Rüde den Blick zu seinen großen Pfoten und versuchte sich darauf zu konzentrieren. Vergeblich. Schnell hob der Jungwolf den Kopf wieder an, beobachtete Ares weiterhin, ohne dahinter zu kommen.
Einen kurzen Moment, glaubte er so etwas wie eine Gefühlsregung, eine Furcht in seinen Augen zu erkennen. Einen sehr kurzen Moment.
Doch dann wandte er den Blick ab, blickte zu Yacáru. Teyrm folgte seinen Blick. Nanu. Yacáru hatte Besuch? Tatsächlich spielte die Welpin mit einer ebenso Schneeweißen im Schnee. Aber das Rudel hatte doch zur Zeit gar keine weiteren weißen Welpen, oder? Verwirrt blickte der Grauschwarze von den spielenden Wölfen zu Ares und wieder zurück. Und dann noch einmal zu Ares. Seine Augen waren wieder kalt. So kalt wie Eis. So Tod wie verwittertes Gras. Stumm blickt Teyrm ihm nach als er einfach so davon lief.

Er haute schon wieder ab!
Wieso musste er schon wieder weglaufen?!
Mit zwei schnellen Sprüngen setzte der Jüngling ihm erneut nach. Doch hatte er nicht vor den Älteren lange aufzuhalten.

“Wenn du kein Feigling bist, dann kommst du jetzt mit rüber und vergewisserst dich was da los ist,“ zischte er dem Schwarzen halblaut zu, ehe er den Kopf zu Yacáru wand, “Du kannst doch gar nicht wissen was oder wer da ist, also fühl dich nicht gleich ausgetauscht sondern komm mit und freu dich für sie... tut dir vielleicht auch mal ganz gut ein anderes Gesicht zu machen.“

Und dann sprang und lief er durch den Schnee davon, genau auf die Weiße Welpin zu, die dort im Schnee spielte. Es nervte ihn das der schwarze Rüde immer weglief. Mit weglaufen lößte man halt einfach keine Probleme. Neben den drei weißen Wölfen blieb der Jüngling stehen, triumphierend warf er einen Blick in die Runde.

“Hallo Jeanne!“

Jappste er und strich der Jotafähe, wie schon zu seinen Welpenzeiten um die Vorderläufe. Sie war ja schließlich immer sein Lieblingsärgeropfer gewesen. Seine Ohren zuckten als er sich den beiden weißen Welpen zuwand, leicht legte er den Kopf schief.

“Hallo Yacáru“

er schenkte der kleinen Fähe ein schiefes Grinsen, ehe er sich der Fremden zuwandte.

“Und Hallo du! Mein Name ist Teyrm, und ich bin ein Abenteurer und Beschützer dieses Rudels, wer bist du?“

Sein Grinsen war noch nicht verflogen. Dennoch richtete er sich auf und wandte den Blick noch einmal in die Richtung aus der er kam. Zurück zu Ares. Wie ernst hatte er seine Worte genommen?


03.11.2009 11:04




Adali


Alles begann vor ihren Augen zu verschwimmen, Vergangenheit, Gegenwart verschmolzen, spiegelten sich immer wieder, bis die Gegenwart selber zur Vergangenheit wurde und von der Realität reflektiert wurde. Eine seltsame, verworrene Geschichte.
Damals, als sie noch klein war, hatte an ihrer Seite der sandfarbene Talon Platz gefunden und die beiden Welpen waren unzertrennlich gewesen. Die sanften braunen Augen hatten immer mutwillig gefunkelt und hatten das viele Leid, in dem die Wölfe aufwuchsen, vergessen gemacht. Auch wenn um sie herum der Krieg tobte, eine kleine Sonne hatte in ihrer Mitte gestanden.
Dann kam der Untergang, ihres Lebens, ihrer Rasse, ihrer kleinen Sonne, von der sie sich so angezogen gefühlt hatte, wie ein kleiner, eigener Planet.
Wie das Licht verschwand auch die Schwarze, lief fort und kam nie wieder zurück. Das Revier war verwüstet.
Über eine lange Zeit blieb Adali nur für sich, lebte als Einzelgängerin, bis sie in dieses Tal fand, in dem die Wölfe mit dem Schicksal tanzten.
Hier wurde zum ersten Mal die Vergangenheit gespiegelt. Eine neue Sonne, voll Reinheit, die Augen gleich wie Schnee, war in ihre Mitte getreten und ließ ihre Welt neu erblühen, wie die Krokusse im Frühling ihre Köpfe vorsichtig und sehnsüchtig der noch schwachen Sonne entgegen streckten.
Doch auch diese Sonne, die ihr wichtiger als alles auf der Welt gewesen war, ging eines Tages unter und seit dem herrschte die kalte Nachtluft in der Fähe, die ihr das Feuer geraubt hatte.
Es war verloren gegangen, im Verlaufe der Zeit.
Eben jener Verlauf ließ die Vergangenheit erneut spiegeln, denn jetzt stand Merlin ganz nah bei ihr, versuchte ihr etwas zurück zu geben, was sie längst vergessen hatte.
Zweifel krochen in ihr hoch, nagten an ihren Gedanken, ihrem verletzten Herzen. War es das, was sie wollte? Was gab der Graue ihr? Mitleid? Nein, so fühlte es sich nicht an. Aber anfreunden konnte sie sich mit dem Gefühl auch nicht, konnte es nicht einsortieren.
Fragen wirbelten in ihr durcheinander. Sollte sie den Rüden bitten damit aufzuhören? Warum, wenn er ihr doch nichts tat. Sollte sie einfach weg gehen? Wozu, denn auch wenn er ihr nahe gekommen war, so blieb er höflich, manierlich und war nur auf eine besorgte Art und Weise ein wenig aufdringlich.
Die Schwarze empfand ihn nicht als störend oder als ungebührliches Verhalten, sondern als warme Geste.
Ruhig blieb sie stehen, lehnte die Stirn in das weiche Fell des Rüden, schmiegte ein wenig die Wange gegen ihn. Eine Stütze, die ihr wieder Halt gab. Wie sehr hatte sie sich danach gesehnt.
Ein Ohr drehte sich näher zu Merlin hin, der wieder leise Worte murmelte. Von den vielen Fragen und Gefühle noch betäubt konnte Adali im ersten Augenblick keinen klaren Gedanken fassen. Sie musste erst über seine Worte nachdenken, sich sammeln und sortieren.

Aber Schmerz... krallt sich am Herzen fest.“, gab sie leise zurück, schluckte schwer und kniff die Augen zusammen, ehe sie noch leiser fort fuhr. „Ich... ich weiß nicht, wie ich ihn los werden könnte. Es ist wie ein Dorn in meiner Pfote. Laufe ich weiter, bohrt er sich immer tiefer in mich hinein, bis ich irgendwann nicht mehr auftreten kann. Bleibe ich stehen und versuche den Dorn heraus zu ziehen, reißt die tiefe Wunde immer weiter auf... ... bis ich verblute.


04.11.2009 08:34




Merlin lhein Cenedhril


Merlin betrachtete den Schnee, ohne ihn wirklich zu sehen. Es war um so vieles leichter, aneinander vorbeizusehen, es vermied, dass man aneinander vorbeisprach. Der Graue wusste, dass es in einem heiklen Gespräch oftmals sehr problematisch war, sich anzusehen und ebenso problematisch war es, den Blick abzuwenden. Man wusste nicht, wie man sich verhalten sollte. Aber so, auf diese Art und Weise konnten sie sehr gut miteinander sprechen, ohne dabei in die Verlegenheit zu kommen, dass sie nicht wussten, wohin sie sehen sollten. Manche Dinge sollte man nicht mit den Augen betrachten, wenn das Herz sie schon nicht verkraftet.

Der Rüde spürte, wie Adali seine Berührungen ein wenig erwiderte, anstatt sich zu wehren. Sein Herz schlug ein wenig kräftiger vor Freude. Freude darüber, dass sie es zuließ, dass er ihr half. Das war wichtig und keineswegs selbstverständlich.
Und da war noch etwas. Die Geste an sich. Sie war ihm sehr vertraut, sie weckte Erinnerungen. Anders als Adali, war Merlin jemand, der versuchte, seine Vergangenheit zu vergessen. Der niemals zurückblicken wollte, auch dann nicht, wenn es ihm vielleicht geholfen hätte, seinen Weg besser zu finden. Auch das war keineswegs ideal, aber es war seine Art, Fehler zu machen, seine Art, das Leben abzulehnen. Es gab immer zwei Arten.
Doch nun kehrten die Erinnerungen ein Stück weit zurück. Er erinnerte sich an die Geste, das Gefühl. Er erinnerte sich an die Wärme und an den Duft. Nicht Adalis, aber nun mischten sich die Erinnerungen mit der Gegenwart. Auch Merlin hatte bereits zu viel erlebt, als dass er die Welt vorbehaltlos hätte ansehen können. Aber anders als die Schwarze wollte er es nicht wissen. Er brach alle Brücken hinter sich ab, warf sich in die dunkle Zukunft und hoffte darauf, dass es gut ging. Die Wahrscheinlichkeit war verschwindend gering, aber Hoffnung war das einzige, was er besaß.

“Dann lass es zu, dass jemand dir hilft, den Dorn herauszuziehen“, meinte er leise.

Er spürte, dass Adali Hilfe wollte, dass sie froh war, Hilfe zu bekommen. Das bestärkte ihn in seinem Tun. Er tat das Richtige. Merlin wusste nicht, wie es weitergehen sollte, er wusste nicht, wo es enden sollte oder ob er Adali wirklich helfen konnte, sich selbst wieder zu finden, oder ob er nur der Anstoßstein war und sich bald andere finden würden. Aber das war ihm eigentlich egal. Es zählte nur das Jetzt. Und jetzt brauchte sie ihn, jetzt musste er für sie da sein und das wollte er auch.
Der Graue spürte, wie es auch ihm guttat zu sehen, dass seine Art Wirkung zeigte. Er sah sich selbst in seiner Illusion bestärkt, er fand Zustimmung, wo er eigentlich keine hätte finden dürfen. Aber das war das Tückische an den Vorstellungen des Grauen; er schottete sich nicht von der Welt ab, er verstand sich nicht als Beobachter oder als Zuschauer und auch nicht aus Ausgestoßener. Er verstand sich als Helfender, als Heiler, aber als Wesen, das niemals selbst wieder leben durfte. Und auf diese Art wurde seine Illusion bestärkt, denn sie war schwieriger zu entdecken, zu entlarven, als die anderer. Als die der Beobachter und Dämonen.


04.11.2009 17:31




Kiba Telay


Kiba wusste nicht recht, ob sie Yago wieder anschauen sollte, aber irgendwie wollte sie doch sehen, ob ihre Worte irgend etwas bei ihm bewirkten, oder auslösten. Sein Gesichtsausdruck gab ihr allerdings wenig Preis, dafür konnte sie ihm aber beim Nachdenken zusehen. Nur eben nicht den genauen Inhalt. Wieder einmal kam es ihr so vor, als würden Ewigkeiten vergehen, bis sich der Schwarze wieder regte und das Wort erhob. Es zauberte wieder ein Lächeln auf ihre Lefzen, jetzt fast amüsiert, auf eine freundliche Art und Weise. Wie sie hier saßen und versuchten Dinge zu erklären, die man eigentlich nicht mit Worten erklären konnte, sie die Lehrerin und Yago der Schüler – es schien so aberwitzig. Aber die Silbergraue ließ das Lächeln wieder verschwinden und nickte ernst.

Sicher ist es schön. Ein Leben ohne jemanden an seiner Seite ist so endlos trostlos ... eigentlich gar kein Leben.“

Sie hatte es erlebt. Oder eher durchgemacht. Und es war wahrlich kein Leben gewesen, sondern die Hölle. Alleine als junge Wölfin in diesem riesigen Tal, für Monate. Von einem Verlust geplagt, den der Verstand kaum begreifen konnte. So gewaltig.
Es war lange her und eigentlich hatte Kiba Telay diese Zeit sehr erfolgreich verdrängt, seit dem Tag, an dem Shadow aufgetaucht war. Nur kurz ließ sie die Erinnerung an das Gefühl völliger Einsamkeit und Verlassenheit zu, dann schüttelte sie die Gedanken wieder ab. Die Silbergraue hatte dabei tatsächlich ihren Pelz leicht geschüttelt. Sich dieser Tatsache bewusst werden, wollte sich Kiba im ersten Moment dafür schelten, im Zweiten wurde sie von einer weißen Wolfslawine gerettet.
Leikuna. Ganz plötzlich war sie in ihr Blickfeld geschliddert und stand nun genau vor ihnen. Irritiert blinzelte sie der hechelnden Wölfin entgegen, erkannte dann, dass sie nicht alleine gekommen war. Hinter ihr kamen ihr Sohn Toboe und eine fremde Jungwölfin angerannt, die Leikuna sogleich als Ýilln vorstellte. Bevor sie sich ihr zuwenden wollte, konnte sich die Leitwölfin einen kurzen Lächler zu Yago nicht verkneifen, der so etwas heißen sollte wie: „Da ist Leikuna doch schon wieder!“
Sich aufrichtend trat Kiba den zwei Jungspunden ein paar hinkende Schritte entgegen und fuhr ihrem Sohn zur Begrüßung mit der Zunge über den Pelz. Dann drehte sie sich zu Ýillin um.

Hallo Ýillin. Mein Name ist Kiba Telay, ich bin die Leitwölfin dieses Rudels. Das hinter mir ist mein Beta Yago. Was macht eine so junge Wölfin ganz alleine hier oben?“


Und nachdem sie sich diesen Satz noch zweimal durch den Kopf hatte gehen lassen, fiel ihr auf, dass sie grade mein Beta gesagt hatte.


04.11.2009 22:37




Yacáru


Yacáru ließ die stürmische Begrüßung ihrer Schwester brav über sich ergehen, winselte immer mal wieder und schleckte Amayu durch das weiche Fell. Als dann sie und auch Jeanne etwas weggerückt waren, konnte sich die kleine Weiße erstmals wieder vernünftig aufrichten und schüttelte den Schnee aus ihrem Pelz heraus.
Amayu war ihnen also durch die Höhle gefolgt, den ganzen, ganzen langen weg bis hier oooooben hin. Nur wegen ihr. Weil sie ihre allereinzigste Schwester war. Ob Ares je so etwas für sie tun würde? Die dunkelblauen Augen der Kleineren richteten sich wieder auf Amayu, die sich neben sie sinken ließ und ihren Kopf an sie schmiegte. So war es schön. So war es vertraut. Und doch, als ihre Schwester in ihr Ohr flüsterte, daran herum zupfte stiegen ihr wieder Tränen in die Augen, die sie nur mit Müh und Not hinunter schlucken konnte. Ganz unwillkürlich hatte sie den Wunsch verspürt, solche Worte auch einmal, wenigstens ein einziges Mal von ihrem doofen Dallan zu hören.

Ich dich auch.“

Antwortete sie, mühte sich dabei um eine fest klingende, frohe Stimme. Es misslang ihr ein wenig. Yacáru drehte den Kopf noch einmal und da erkannte sie, wer grade bei Ares gewesen war. Ihr Blick weitete sich ein wenig, ihr Fang öffnete sich leicht. Teyrm! Was hatte er bei ihrem Aufpasser gemacht? Sie wusste, dass der Aschfarbene nur zu gerne Unfug anstellte. Hatte er Ares genervt? Oder noch schlimmer, irgend etwas mitbekommen. Etwas hilflos starrte sie ihm entgegen, bewegte ganz kurz und unauffällig ihre Lefzen, als ob sie ihm irgend welche Wörter zuzischen wollte. Er sollte ihn doch nicht noch mehr verärgern! Resignierend ließ sie sich schließlich plump gegen ihre Schwester fallen, die ihre Mimikspielereien wohl nicht gesehen haben durfte. Sie drückte ihren Kopf in ihr weiches Fell und seufzte tief. Blöder Tag. Blödes Plateau. Blöder Schnee. Blöder Dallan-Ares. Alles war blöd. Nur Amayu war ihr einziger, warmer Lichtblick. Hoffentlich blieb sie einfach mit hier. Hoffentlich ... wollte sie sie nicht zurück bringen. Hoffte sie das wirklich?

Amayu ist meine Schwester! Sie ist genau so weit gelaufen, wie ich, nur wegen mir. Sowas sind wahre Abenteuer!“

Sie war wirklich versucht sich selbst etwas auf zu heitern.


04.11.2009 23:18




Andraki


Andrakis Blick lag unverwandt auf dem weißen Rüden, obgleich sie sich bemühte, ihn nicht zu intensiv anzustarren. Es viel ihr schwer, bemerkte sie verwirrt und etwas erschrocken zugleich, und wurde sich schlagartig bewusst, wie sehr sie sich von seiner Antwort Hinweise darauf erhoffte, dass ihr das Schicksal ihrer Angst erspart bleiben würde. Die Zimtfarbene zwang sich, den Blick kurz zu senken, und war irgendwie dankbar dafür, als Jeanne sich erhob und sich entschuldigte. Nicht etwa, weil sie wollte, dass die Weiße die Gruppe verließ, sondern weil sie ihr damit einen guten Grund bot, den Blick woanders hinzuwenden. Sie sah der Weißen kurz nach, ehe ihr Blick zu Shitéryu zurückglitt, jedoch nicht ohne langsam über Maav und Akara zu schweifen. Als er zum Sprechen ansetzte, krampfte sich etwas in ihrer Magengegend zusammen - erwartungsvoll und unruhig. Und für einen Moment hatte sie den Eindruck, dass Shitéryu sie irgendwie seltsam ansah. Sie musterte. Was glaubte er zu sehen?
Seine Worte waren schließlich weniger hilfreich als erhofft. Ein Gefühl, sagte er. Nun, ihre Gefühle waren derzeit widersprüchlich, allein die Befürchtung eines schlimmen Schicksals war hervorstechend. Soetwas wie Gewissheit fehlte jedoch - noch. Denn 'gar nicht mal so abwegig' war auch für sie die Vorstellung nicht, Omega zu werden. Sie war neu, und ihre Sitten waren diesen Wölfen fremd - in einige Fettnäpfchen war sie schon bei ihrer Ankunft getreten. Nicht gerade sehr beruhigende Umstände...
Aber auch Shitéryu machte sich Hoffnungen, sein Schicksal zum Besseren wenden zu können. Wie sie. Wie vermutlich noch etliche andere. War das möglich? Nun, keiner konnte das im Vorraus sagen, was blieb ihnen also anderes übrig, als zu hoffen und es zu versuchen.
Andraki nickte zu seinen Worten. In ihrem Hals steckte ein Kloß, eine wörtliche Zustimmung hätte sie gerade nicht herausgebracht. Ihre Augen glitten dabei zu Boden, hoben sich dann zu Akara, die ihr Schweigen erstmals wieder unterbrach. Die Unruhe der Graubraunen bemerkte sie nicht. Andraki war zusehr mit ihren eigenen verstörenden Gefühlen beschäftigt, und selbst wenn sie es bemerkt hätte, wäre ihr Akaras Verhalten dennoch nicht merkwürdig vorgekommen. Sie warenwohl einfach alle unruhig, verständlich nach so einem Erlebnis. Noch dazu kannte sie die Fähe längst nicht gut genug um einschätzen zu können, inwiefern ihr Verhalten ungewöhnlich war oder nicht. Und so lauschte sie wiederum Shitéryus Worten.

"Ich denke nicht, dass die Spiegel nichts mehr zeigen würden, selbst wenn der Wolf vor ihnen perfekt wäre. Er würde wohl zumindest sehen, wie er all sein Glück wieder verliert, und er würde sehen, was ihm soviel Glück bereitet. Und ich denke, auch der letzte Spiegel hätte noch ein Gleichniss für ihn parat."

Sie wusste nicht, woher die Sicherheit in ihrer Stimme kam, aber irgendwie glaubte sie fest daran, dass sie Recht hatte.

"In meiner Heimat konnte man manchmal Illusionen sehen. In der Ferne meinte man ein Oasenwäldchen zu erkennen, oder eine Graslandschaft, oder einen See, in einer Entfernung von allerhöchsten einer halben Tagesreise. Aber wer darauf zulief, würde tagelang laufen und laufen und nie dort ankommen, weil es sich stets nur um Trugbilder handelte. Diese Kristalle hier jedoch.. sind anders. Sie sind zu nah, die Bilder zu echt und zu lebendig. Aber vielleicht sind sie trotzdem.. naja, Trugbilder? Ich meine, hier sitzen wir und sorgen uns um unsere Ängste, rätseln über unsere Seelen. Und wenn die Bilder nun aber einfach Lügen sind?"

Der Gedanke kam ihr selbst erst jetzt, da sie von den Trugbildern ihrer Heimat erzählte. Selbst überrascht und mit neuer Energie sah sie zwischen den Anwesenden hin und her. Hoffnung durchströmte sie wie Wasser in einem ausgetrocknetem Flussbett nach einem heftigen Regen.


06.11.2009 11:13




Toboe Tear


Toboe lief einfach, schnappte immer wieder nach Luft und ließ die Pfoten durch den Schnee trommeln. Leikuna war einganzes Stück vor ihm, also musste er sich auf sie konzentrieren. Ýllins Worte wurden mit einem Schnippen seiner Ohren beantwortet, zum Antworten blieb dem Grauen keine Zeit. Das kostete nur Zeit. Und dann, ganz unerwartet, wurde die Weiße langsamer. Hah! Das war seine Chance! Mit einem tiefen Atemzug versuchte der Graue die Pfoten schneller zu bewegen, als er es je getan hatte. Er spannte seinen ganzen Körper an, nur um schneller bei seiner Mutter zu sein, als Leikuna. Nur leider lief die Weiße schon weiter, ehe er sie erreicht hatte. Es trennten sie zwar nur wenige Sprünge, aber Toboe konnte in kürzester Entfernung Kiba erkennen, bei ihr war Yago. Und außerdem machte dieses durch den Schnee preschen müde. Also wurde er langsamer, versuchte aber krampfhaft wenigstens noch vor Ýllin ihr Ziel zu erreichen. Und während Leikuna bereits die Graue vorstellte, trottere er langsam bei den drei Wölfen ein. Seine Zunge hing seitlich aus dem Maul, und seine Lunge schmerzte leicht von der kalten Luft. Dabei hatte er geglaubt, seine Reise hätte ihn ab gehärtet. Nunja.. schien ja nicht so. Seine Mutter begrüßte ihn, fuhr mit der Zunge durch sein Fell. Toboe stubste seine Mutter sachte an und seine Rute pendelte ruhig durch die Winterluft. Dann ließ er sich in den Schnee, auf den Bauch fallen. Die Ohren aufgestellt lauschte er den Worten der Grauen, den blauen Blick zu der tollsten Wölfin der Welt nach oben gerichtet. Die anderen waren komisch, wie er fest gestellt hatte. Mit einem tiefen Atemzug ließ der Rüde sich auf die Seite fallen, schloß die Augen und atmete ruhig ein und aus. Während Ýllin ihre Geschichte erzählte, konnte er sich einen Moment ausruhen. Das tat gut.. Und da er am besten einfach nur zu hörte, er hatte ja nicht wirklich etwas zu erzählen, blieb er einfach völlig fertig so liegen. Die hellen Augen wurden nur immer wieder geöffnet, um zu sehen, dass sie auch alle noch da waren. Und natürlich hörte er jedes Wort, das gesprochen wurde.

06.11.2009 18:23

You are not alone in your life although you might think that you are

So sorry your world is tumbling down
I watch you through these nights
Rest your head and go to sleep
Because my child,
this is not our farewell
29.08.2010 00:46
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Cave of Mind
the ice breaks, i'm pulled beneath
Bildnachweis
Monty Sloan - wolfpark.org

Rang

Wächter

Alter

6 Jahre ∞

Geschlecht

Fähe

Größe

94 cm

Beiträge

367

Beitritt

23.07.2005

Seite 9




Jeanne


Jeanne betrachtete die zwei Welpen, wie sie sich überfreudig begrüßten, nicht voneinander ablassen konnten. Es tat gut, die zwei so zu sehen. Eben hatte Yacáru noch so abwesend und traurig gewirkt, kein Vergleich zu Jetzt. Und schnell bestätigten sich ihre Worte, dass die Kleine durch die Höhle gekommen war. Eigentlich gab es auch keine andere Möglichkeit. Die Weiße wandte sich sich ihr zu, und schien ihr gegenüber kein bisschen verschlossen zu sein. Yacárus Schwester also. Sie schmunzelte auf die Worte der Kleinen hin. Sie war allein hier her gekommen. Es hätte ihr sonst etwas passieren können. Jeanne verjagte diesen Gedanken mit einem leichten Kopfschütteln. Sie war ja immerhin hier, und dazu putzmunter. Nun kuschelte Amayu sich an ihre wieder gefundene Schwester, konnte immer noch nicht aufhören, sie ins Ohr zu beißen. Sie selbst wußte nicht, wie es war, eine Schwester zu haben. Und dennoch machte sie der Anblick dieser beiden glücklich. Sie lächelte, als Yacáru die Worte ihrer Schwester erwiderte, und Amayu sich kurz darauf wieder an sie wandte. Das Lächeln blieb auf ihren Lefzen.

"Ich bin die Jota dieses Rudels, und deswegen ist es meine Aufgabe, auf die jüngeren auf zu passen. Auch auf deine Schwester. Ich wollte ihr ein wenig Trost spenden, sie sah sehr unglücklich aus."

Die dunklen Augen der Fähe richteten sich auf die besagte Fähe, schenkten auch ihr wieder ein Lächeln.

"Aber so scheinst du viel glücklicher zu sein."

Schon im nächsten Moment blickte Yacáru in eine andere Richtung, und noch einige Atemzüge später stand Teyrm bei ihnen. Er begrüßte sie liebevoll, und Jeanne schleckte dem Dunklen sachte durch das Fell. Sie hatte weder mit Teyrm, noch mit Toboe, lange Worte gewechselt. Seit ihrer Rückkehr hatten sie immer in jemand anderem geklebt. Sicher hatten sie viel zu erzählen. Aber jetzt war wohl nicht der Moment dafür. Also ruhte ihr Blick auf dem jungen Rüden, und wie er sich Amayu vorstellte ließ sie wieder lächeln. Es war einfach viel schöner, zu lächeln.



06.11.2009 20:01




Amayu


Amayu hatte für einige Sekunden die blauen Augen geschlossen gehabt, als plötzlich ein etwas jüngerer Rüde auf sie zugelaufen kam, selber wohl noch nicht wirklich alt und begrüßte die beiden Fähen in ihrer Nähe. Dann wandte er sich auch ihr zu, stellte sich vor und bei seiner Vorstellung musste Amayu den Kopf etwas schief legen. Auf ihren Leftzen erkannte man ein leichtes Grinsen und ihre Rute strich vorsichtig über die Schneedecke, dann hob sie den Kopf an und stupste den Rüden namens Teyrm freundlich zur Begrüßung an. Er war ein Abenteurer und Beschützer? Von diesem Rudel? Das klang furchtbar interessant für die junge Weiße und sie wusste gar nicht genau, was sie dazu sagen sollte.

"Ein Abenteurer? Wie cool! Ich mag Abenteuer!"

Sie hechelte aufgeregt, bekam sich aber schnell wieder ein. "Ich bin Amayu, ich bin die Schwester voin Yacáru."

Die Kleine blickte ihre Schwester wieder liebevoll an, immerhin hatte diese auch ihre Geste erwidert und somit ausgedrückt, wie wichtig sie für Yacáru war. Sie gehörten einfach irgendwie zusammen, es fühlte sich falsch an wenn der andere nicht da war und deshalb war Amayu auch hierher getapst, so weit der Weg auch gewesen war. Yacáru vergrub den Kopf in Amayus Pelz und die Weiße legte den Kopf auf den ihrer Schwester, lauschte dann den Worten und lächelte zu Jeanne auf. Ja, sie hatte ja Recht! Das war wirklich ein Abenteuer, also stand sie Teyrm wohl in nichts nach. Als Jeanne erzählte, dass sie Trost schenkte und auf junge Wölfe aufpasste, war Amayu durchaus verwirrt gewesen. Warum war ihre Schwester denn unglücklich gewesen? Erst wandte sie sich noch einmal an den aschfarbenen Jungwolf bei ihnen und wuffte ihm zu.


"Siehst du? Ich hab auch ein Abenteuer erlebt. Magst du mir mal eines von deinen Abenteuern erzählen? Ich würde mich wirklich total dafür interessieren und mich darüber freuen!"

Dann sah sie zwischen Jeanne und ihrer Schwester hin und her.

"Aber...aber wieso war Yacáru denn unglücklich? Ist was passiert?"

Das Wedeln ihrer Rute hatte nachgelassen, verwirrt und besorgt schleckte sie ihrer Schwester über den Kopf und wollte ihr damit einfach Nähe und Wärme schenken. Ihre Augen huschten zwischen Teyrm und Jeanne hin und her, als wenn sie sofort eine Antwort erwartete und sich erhoffte dass man ihr half. Sie wollte nicht, dass Yacáru unglücklich war, um alles in der Welt wollte Amayu ihre Schwester glücklich wissen und darum ging es auch nun. Sie würde hier bleiben, wenn es ihre Schwester glücklich machte, sie würde mit ihr weiter ziehen wenn es Yacárus Wunsch war. Nur wieso verdammt war sie hier in den Momenten zuvor unglücklich gewesen?

"Du brauchst nicht unglücklich zu sein, ich bin doch bei dir.."

Flüsterte sie ihrer geliebten Schwester ins Ohr und lächelte ihr zu, aber immernoch abwartend und fragend.


07.11.2009 13:50




Adali


Das leise Herzblut strömte immer weiter wie ein Tränenregen ungesehen zu Boden, es quoll und sprudelte aus ihrer Brust; so lange, bis sie sich ausgehöhlt und leer fühlte. Kraftlos. Der Lebenssaft versiegte und zurück blieb nichts als einer leeren Hülle, die einst gefühlt hatte.
Die Bernsteine wollten nicht sehen, nicht wissen, nicht wahrnehmen. Am wenigsten den Schmerz in ihrem Innern, der tief verankert saß, dass er vertraut und alltäglich war, zugleich nach wie vor fremd und unzugehörig. Eine Schwachstelle, eine alte Verletzung, die einem im Laufe des Lebens widerfahren war und einen immerzu an etwas erinnerte.
Der Vergleich eines Dornes im Lauf fand auch im Nachhinein ihren Zuspruch. Es entsprach doch der Wahrheit. Lief man mit einem Dorn in der Pfote weiter, konnte man den Schmerz – wenn es sein musste – eine Zeit unterdrücken. Man stumpfte ab, die Pfote wurde taub, bis ein dumpf pochender Schmerz zurück blieb. Dann kam das Humpeln, denn die Qual wurde nicht erträglicher, die Spitze bohrte sich feindselig in die Nervenbahnen hinein, hinderte den kompletten Lauf. Die Bewegungen wurden aus dem Takt gerissen, man geriet ins Staucheln, bis man eines Tages zu Boden ging. Über eine lange Zeit gesehen, für Ewig konnte es so nicht weiter gehen. Früher oder später war jeder Wille gebrochen und unfähig.
Die Schwarze lag bereits auf dem Boden, kraftlos sich zu helfen, mutlos, um weiter zu machen. Ohne Stolz, so konnte sie die Schmach ertragen, sich nicht zu wehren.
Es war der Kummer über ihre eigene Unfähigkeit, die an ihr nagte und trotzdem nicht genug Kraft schenkte, sich allem zu stellen und an ihren Platz zurück zu kehren.
Selbst wenn sie gewollt hätte. Sie konnte nicht.
Der Dorn steckte zu tief, sie konnte sich nicht mehr aufhelfen.
Auf Merlins leise Worte konnte Adali nichts weiter, als traurig zu lächeln.

Er sitzt zu tief. Wie sollte man es schaffen, wenn auch ich es nicht fertig gebracht habe?

Leicht schüttelte die Schwarze an der grauen Brust den Kopf, biss den Kiefer aufeinander. Es hatte keinen Sinn. Es war sinnlos, ein solches Unternehmen zu starten.

Die Hoffnung stirbt zu letzt, aber in diesem Falle ist sie bei mir an erster Stelle gestorben. Ich bin schuld, Merlin. Ich ganz alleine. Ich habe es verdient und keine zweite Chance dieser Welt kann meinen Fehler wieder gut machen.


Innerlich zusammen zuckend, welches sich auf ihren Körper zum Teil übertrug, dachte Adali mit Schrecken an den Augenblick, als ihre kleine Tochter Yumé in den Flammen verstarb. Unfähig war sie gewesen, wie immer, wenn es darum ging zu beschützen.

Mein Feuer ist erloschen und ich wüsste nichts, was es wieder zurück holen könnte.


09.11.2009 09:08




Teyrm


Die Ohren des Jünglings zuckten immer wieder, er war eigentlich ganz zufrieden mit der Situation, nur dieser blöde schwarze Rüde entnervte ihn, entweder der kam hier nun bald angetanzt oder er würde ihn an den Ohren herziehen müssen. Der Aschfarbene hatte zwar keine Ahnung wie er das auch nur im Entferntesten anstellen sollte, aber irgendwie würde das schon funktionieren. Der Rüde lehnte sich leicht gegen Jeanne's Vorderlauf und ließ sich langsam in den Schnee sinken, genoss die Kühle und die Gesellschaft und all das was er eigentlich nie erlebt hatte und doch immer vermisst hatte. Ein schöner Tag mit Familie, Freunden und Rudel, so musste es sein. Als Yacáru die Stimme erhob und eigentlich nicht sonderlich freundliche und willkommen heißende Worte sagte, lehnteder Wolf den Kopf verwirrt schräg. Hum. Und was hatte er gemacht? Drei Runden um den Rudelplatz gedreht?

“Dann sind unsere Geschichten ja vielleicht ähnlich.“

Gab er locker zurück. Ein Held war er trotzdem, ob sie das nun nicht so sah war ihm eigentlich so ziemlich Schnuppe. Sollte sie doch. Pah. Und das sie ihre Schwester war, hatte sich Teyrm fast schon gedacht, sie sahen sich nämlich ähnlich und vom Alter her war es auch nur logisch. Welcher normale Welpe würde sich auch sonst einen solchen Weg trauen wenn er nicht am Ende jemanden wusste den er um jeden Preis finden wollte?
Als Jeanne ihm sanft durchs Fell schleckte ob der Rüde den Kopf etwas an und blickte die weiße Jotafähe freundlich an. Mit ihr musste er sich wirklich auch mal wieder beschäftigen, alte Erinnerungen wieder wachrufen. Damals hatte er sie ja schließlich ziemlich gemocht und sooo gern geärgert. Das durfte einfach nicht in der Versenkung verschwinden, dafür war es jawohl wirklich zu Schade. Dann meldete sich die verlorene und wieder gefundene Schwester zu Wort. Amayu. Selbst der Name war auffällig. Und klaaar mochte sie Abenteuer, wer mochte keine Abenteuer? Es gab doch nichts spannenderes. Also nickte der Jungwolf auch bei ihrer nächsten Frage.

“Klar mach ich doch gern! Es war eine gaaanz lange Reise die mein bester Freund und ich zurück gelegt haben und wir sind erst vor kurzer Zeit wieder zurück gekommen. Wir waren furchtbar lange fort.“

Er wollte jetzt nicht zuviel verraten, dafür gab es wesentlich bessere Momente außerdem hatte Amayu sich bereits wieder ihrer Schwester zugewandt und machte sich Sorgen. So Traurig sah Yacáru zwar nicht mehr aus, aber er wollte es nun gerade eigentlich nicht so darauf anlegen auszuplaudern das er wusste was los war. Das sie Streit mit Ares hatte. Das ihr Beschützer sie, warum auch immer, zum Weinen gebracht hatte. Er hielt ausnahmsweise wohl mal lieber den Mund und hielt sich ganz bedeckt.
Nur sein Blick wandte erneut zur Seite, suchte nach dem einen Wolf der hier noch fehlte. Dieser eine schwarze Schatten der seinen eigenen nur überwinden musste. Seine Barrieren überwinden musste. Und Teyrm wusste das es unumgägnlich war für Yacáru. Entweder er würde sie traurig machen oder wieder glücklich. Sie bemühte sich zwar aber im Endeffekt hing es doch von ihm ab. Und das wusste sie wohl beide.


09.11.2009 10:26




Merlin lhein Cenedhril


Merlin hatte nicht damit gerechnet, dass es einfach werden würde. Wer so etwas glaubte, der lag völlig falsch und wahrscheinlich musste er am Ende scheitern, denn diese Dinge ließen sich nicht einfach richten. Es waren keine zerbrochenen Mauern, die man einfach wieder Stein auf Stein aufbaute und dann ging man und hoffte, dass sie lange halten mochten und erst in vielen, vielen Jahren ein anderer kommen musste, um sie wieder aufzubauen. Es war viel mehr wie eine Pflanze, wie ein Baum. Man musste auf ihn Acht geben. Man musste ihm nicht beim Wachsen zusehen, man musste nicht Angst haben, dass er bei jedem Wetter umstürzte. Aber man musste immer mal wieder nach ihm sehen und ihm helfen, sich gegen die anderen Bäume zu behaupten. Dafür aber konnte man auch das Wachstum sehen und das Leben spüren. Ein Leben, das man schützte, gab zwangsläufig und doch freiwillig zurück. Das Leben ist nicht undankbar, es ist nur kompliziert.
Dennoch wollte er nicht aufgeben. Er wollte Adali nicht in ihrer Dunkelheit lassen. Es war vielleicht nicht einfach, vielleicht sogar sehr schwer, aber wer war er, dass er es nicht wagen wollte?

Als die Schwarze nun aber ihre Verzweiflung gestand, sog er tief die Luft ein. Es klang nicht nach einem Seufzer und schon gar nicht sollte es ausdrücken, dass er die Geduld verlor, denn das tat er nicht. Viel mehr war es, als müsste der Graue einfach wieder Luft holen, wieder ein wenig die Realität schmecken, um dann wieder in den schwarzen Tiefen damit beschäftigt zu sein, die Ketten der Fähe zu lösen, mühsam und Stück für Stück zwar, aber beständig und ruhig.

Schuldgefühle, sie hatte Schuldgefühle. Nun, es war naheliegend, man suchte die Schuld immer irgendwo und es war so viel leichter, sie bei sich selbst zu finden, es war so viel leichter, sich selbst zu hassen. Denn man kannte sich. Man kannte jeden seiner Gedanken, jeden seiner Ängst und jeden Moment, in dem man versagte hatte. Hingegen die anderen kannte man bei Weitem nicht so gut. Man wusste nicht, was sie dachten oder was sie taten, wenn man nicht dabei war. Das ließ sich so viel leichter entschuldigen, als die eigene Schwäche. Verständnis und Mitleid waren so viel einfacher, als Selbstachtung.
Und auch Merlin kannte dieses Gefühl. Auch er hatte jemanden im Stich gelassen. Er wusste, dass er Laana nicht hätte retten können, aber das machte den Schmerz nicht leichter, das machte es nicht besser. Und auch Ben hatte er nicht helfen können, seinen Eltern nicht. Aber das machte den Schmerz nicht kleiner.
Aber der Unterschied zwischen ihm und Adali war die Tatsache, dass sie jemanden hatte. Sie hatte ihren Sohn, sie hatte ihr Rudel. Sie besaß ein Leben und Merlin wollte nicht, dass sie es wegwarf, auch wenn sie das nicht aus Unachtsamkeit tat, sondern aus Angst und Scham.

“Dann versuchen wir es doch gemeinsam“, meinte er ernst und doch lächelten seine Augen warm.

Der Graue wusste durchaus, dass er sich gerade viel zugestand, aber er wusste, dass nichts Anderes an diese Stelle durfte, als ein „wir“. Er meinte damit nicht nur sich und das wollte er ihr auch erklären. Sanft schob er den Kopf unter ihr Kinn, sodass sie etwas aufsehen musste und strich dann mit seiner Wange an ihre, ehe er in die Richtung nickte, in welche er sie mit dieser Geste hatte blicken lassen.
In der Ferne waren eine kleine Gruppe von Wölfen zu sehen, einige Weiße, aber auch ein dunkler, kleiner Wolf, Adalis Sohn. Zuversichtlich lächelte er die Schwarze an.

“Du bist nicht allein“, meinte er. “Niemand sonst wirft dir etwas vor. Und wenn du Feuer brauchst, ich glaube nicht, dass du hier irgendjemanden lange darum bitten musst, seines mit dir zu teilen.“

Der Graue glaubte nicht, dass sie irgendetwas verdient hatte. Weder etwas Gutes, noch etwas Schlechtes, denn das verdiente man nicht. Nichts, was einem widerfuhr, hatte man verdient. Man hatte es vielleicht mit zu verschulden, ob gut oder schlecht, vielleicht hatte man es sogar angeleitet, aber verdient nicht. Das Leben war kein Zustand des Belohnens oder Entlohnens. Es geschah auf der Basis des größten Zufalls der Welt; geboren zu werden und so verlief es, von Zufall zu Zufall, bis zum Ende. Und das war nichts Anderes, als das Resultat all dieser Zufälle und zumeist nicht einmal das, sondern nur ebenfalls ein Zufall, ein Teil eines Zufalls. Vielleicht war der Tod kein Zufall mehr, aber das konnte niemand sagen.


10.11.2009 18:12




Yacáru


Amayu war natürlich, so wie es nun mal ihre Art war, total begeistert von Teyrms Aussage. Yacáru hingegen ließ weiter ihren Kopf gegen ihre Schwester gelehnt und schielte nur leicht zur Seite, als sich die weiße Wölfin vorstellte. Ihren Namen hatte sie ja nun auch mitbekommen. Jeanne. Hm. Aber als diese Jeanne dann einfach so ausplauderte, dass sie unglücklich gewesen war, sah die kleine Welpin etwas böse zu ihr hoch. Musste sie das auch noch erzählen? Sie hatte keine Lust darüber zu reden und wenn Jeanne das einfach so sagte, würde Amayu sicher auch nachfragen. Und natürlich, nachdem diese erst mal ihr Interesse an Teyrms Geschichten bekündigt hatte, wurde sie auch gleich gefragt, warum sie traurig war. Nachdem Amayu ein paar Mal über ihren Kopf geschleckt hatte und sagte, dass sie ja da war, schüttelte Yacáru den Kopf.

Ist schon gut.“

Ganz abgesehen davon, dass Amayu ja auch erst JETZT bei ihr war. Aber darüber war sie ja auch froh. Um von dem Thema ab zu lenken, wandte sich die junge Wölfin wieder dem Aschfarbenen zu.

Wo ist denn überhaupt dein bester Freund? Ihr seid doch sonst wie Pech und Schwefel.“

Sie ließ den dunkelblauen Blick wandern, vermied dabei jedoch, ihn zu nah an Ares heran zu lassen. Da sich die Weiße aber auch sonst nur recht halbherzig umsah, schaute sie recht schnell wieder zurück zu Teyrm.


14.11.2009 17:39




Saiyán Tendes


Saiyan unterdrückte ein Gähnen. Irgendwie war ihm langweilig. Anfangs war ihre Unterhaltung ja noch unterhaltsam gewesen, jetzt ritt ihm Nashi ein bisschen zu lange auf dem Höhlenthema herum. So interessant war das nämlich nicht, erst Recht weil das Rudel es sooo spannend fand. Jeder fragt jeden, was der andere denn gesehen hat, breitete seine Seele bereitwillig jedem vor der Nase aus und freute sich auch noch daran. Schwachmaten. Sai hielt die Klappe und hörte vielleicht mal hier oder da zu, aber eigentlich interessierte es ihn auch nicht groß. Etwas schwerfällig erhob er sich aus dem Schnee und schüttelte sein Fell. Steifbeinig mit vor Kälte starren Läufen tappte er neben Nashi – nicht um neben ihr zu stehen, sondern um einen Blick in die Tiefe zu werfen. Mehr als Wolken sah man aber nicht, also auch langweilig. Nashi trippelte währenddessen nervös mit den Vorderpfoten und grinste ihn schräg von der Seite an. Na, sie war wohl wieder ein wenig plemplem.

“Unangenehm, achso … sag mal, bist du nervös? Oder ist dir langweilig? Mir auf jeden Fall … ich will irgendetwas tun.“

Er wandte sich von dem Abgrund ab und ließ den Blick über das Rudel schweifen. Nichts sah interessant aus. Er entdeckte Ai, aber der hing bei irgendeinem komischen Fremden herum, zu dem Sai jetztganz sicher nicht gehen wollte. Ansonsten sprangen zwei Fähen in seinem Alter – beide keine Geschwister von ihm – herum. Er hatte sie noch nie gesehen. Noch so ein paar Neue, die jetzt einfach zum Rudel gehörten, während Sai das noch immer nicht tat. Schon wurde er wütend auf die beiden Jungwölfinnen, als wären sie daran schuld. Als Nashi dann plötzlich redete, sah er sie kurz fast desorientiert an und begriff erst wenige Sekunden später, dass sie über die Höhle sprach.

“Nee, der zeigt einem das Innere von jedem Wolf. Also … keine Ahnung … bei Ai war’s ein Baum. Das, was ich ihm schon immer gesagt hab. Jetzt muss er es endlich akzeptieren.“

Jetzt grinste der Schwarze wieder verschmitzt. Ja … Ais Baum. Das war einfach perfekt gewesen. Das Beste am ganzen Tag. Prüfend sah er wieder zu Nashi.

“Also, was machen wir? Wenn du so neugierig bist, geh doch einfach in die Höhle. Ich komm vielleicht sogar mit, hier oben passiert ja sowieso nichts.“


15.11.2009 20:05




Jeanne


Jeanne beobachtete die drei jungen Wölfe, stupste Teyrm noch ein Mal an, als er den Blick zu ihr wandte und lächelte. Nicht nur Amayu interessierte, was der Dunkle alles erlebt hatte. Aber sie selbst durfte sich diese Geschichten bestimmt auch noch oft genug anhören. Toboe würde sicher auch viel zu erzählen haben, und der Graue würde bestimmt alles wieder dramatischer darstellen, als es eigentlich war. Schon im nächsten Moment verblasste Amayus Lächeln, das Wedeln ihrer Rute setzte aus und sie fragte noch ein Mal besorgt nach. Yacáru widerlegte ihre Worte, und Jeanne hakte nicht noch ein Mal nach. Sie würde sicher lieber mit ihrer Schwester allein darüber reden, warum sie so traurig war. Wenn überhaupt. Vielleicht hatte sie ja durch das Ankommen ihrer Schwester vergessen, wieso sie bedrückt gewesen war? Die Weiße konnte es nur hoffen, wollte sie die Kleine doch nicht noch ein Mal weinend vor finden. Amayau tröstete ihre Schwester, etwas, was Jeanne nicht geschafft hatte.
Auf Yacárus Frage hob die Weiße den Kopf, blickte sich suchend um. Die Fähe hatte Recht. Sonst waren Toboe und Teyrm immer ein unzertrennliches Gespann gewesen. Aber für einen Streit war Teyrm eindeutig zu gut gelaunt. Die dunklen Augen richteten sich wieder auf die drei jungen Wölfe, ein sanftes Lächeln auf en Lefzen.

“Lasst uns doch ein wenig die Umgebung erforschen. Vielleicht findet man hier etwas, zum Abenteuer erleben? Vielleicht finden wir auch Toboe. Du würdest ihn sicher mögen, Amayau.“

Mit einem erneuten Stupser gegen Teyrms Schnauze erhob sich die Weiße, schüttelte kurz den hellen Pelz und blickte die drei an. Sie selbst wollte sich auch ein wenig ablenken. Auch wenn der erste Schritt dazu schon längst getan war.



16.11.2009 13:07




Aiyán Tendes


Aiyán sah Feru ein wenig skeptisch an, hoffte dann aber einfach, dass er Recht hatte. Quatsch, natürlich hatte er das. Wozu zweifeln? Seine Mama war immerhin seine Mama. Und das bedeutete, dass sie Alpha war und bleiben würde. Als der Schwarze dann aber leider seinen Einwurf auffing und anfing über die Kristalle zu reden – oder zumindest erst mal nach zu fragen, was das für bescheuerte Dinger gewesen waren – verzog Aiyán etwas das Gesicht. Er hatte keine Lust sich über diese doofen Kammern zu unterhalten. Das waren einfach ... irgendwelche Hirngespinste gewesen, nichts weiter. Sie hatten weder Hand noch Fuß, warum sich also über sie den Kopf zerbrechen? Nichts, was sie gesehen hatten, entsprach in irgend einer Weise dem, was Spiegel sonst so zeigten. Nämlich die reine Wahrheit. Zu Cílyns Worten nickte Aiyán einfach schnell, fand, dass es dazu keine weiteren Ausführungen brauchte. War halt so. Und deshalb musste er Sai bald suchen. Aber dann ging auch sie auf Ferus Frage ein und somit war er wohl überstimmt. Obgleich er auch so kein Veto eingelegt hatte, nur innerlich ... naja. Jetzt schüttelte er aber den Kopf, als Cílyn sich wieder an ihn wandte.

Erinnerungen, so ein Quatsch. Die Kristalle waren einfach verwirrt, oder wollten uns ärgern. Sie haben zumindest nur Schwachsinn gezeigt. Diese Bilder konnte man gar nicht verstehen ... deshalb glaube ich auch nicht, dass sie uns irgendwas sagen wollten.“

So, das war seine Meinung. Immerhin war Saiyán nicht tot und er kein Baum. So.


22.11.2009 00:07




El‘ Sombo de Feru


Auch wenn Cylìn überspielen wollte, dass sie den Namen des ihr Gegenüberstehenden nicht wusste, so was es Sombo jedoch nicht entgangen. Zwar äußerte er solche Nebensächlichkeiten nie, da er einfach keinen Grund darin sah, jedoch durfte man nicht annehmen, dass es von ihm unbemerkt blieb. Die kurze Unsicherheit, die Stimmlage mit welcher sie ihre Erklärung geäußert hatte, warum sie nach dem Wurfbruder gefragt hatte, verrieten es ihm und den Schwarzen überkam ein kurzes Lächeln, was jedoch schnell wieder erstarb. Gefühlsregungen, die er überhaupt nicht als solche empfand, waren nichts für den großen Rüden. Warum diese also zeigen? Am Ende konnte es noch fehlinterpretiert werden und er somit entlarvt. Als Lügner, als bloßer Schein, der mehr sein wollte, als er in der Lage dazu war. Auch wenn dies in dieser Form nicht ganz stimmte...

Seine Ohren schnellte geradezu nach Vorne, als die Fähe seine Frage beantwortete. Etwas ähnliches hatte er schon vermutet, aber da er sich kein klares Bild davon hatte machen können, drängten sich diese Gedanken wie tosende Wellen in ihm auf und drohten, ihn unter ihrer Last zu ersticken. Auch Aiyán schien mit diesem Thema auf Kriegsfuß zu stehen, denn wirrsch und ungehalten waren seine Äußerungen, die darauf schließen liesen, dass es ihm unangenehm gewesen war, was auch immer er in den Kristallen erblicken haben mochte.

Sombo wandt seinen Blick einen Moment lang ab. Tief waren seine Gedankengänge, als die junge Fähe mit ihrer Erklärung, die dennoch neue Fragen aufwarfen geendet hatte. Auch sie schien nicht zu wissen, was ihnen die lichternen Ungeheuer hatten sagen wollen. Der Jungrüde dagegen wehrte sie mit aller Macht dagegen, dass sie überhaupt einen Sinn hatten. Vielleicht stimmte ja das eine, wie das andere. Noch niemals zuvor hatte der Wolf so etwas gesehen. Es entzog sich jeder Erfahrung und jeder Logik, egal wie sehr er darüber nachdachte. Er wusste nicht mehr, was er glauben sollte und was nicht.

"Vielleicht habt ihr ja beide Recht, wer weiß das schon? Ohne Frage sind sie äußerst seltsam und nie hätte ich gedacht, dass es solche magischen Steine geben könnte, sofern sie das waren.".

Einen Augenblick lang hielt er inne, schien noch einmal alle Für und Wider abzuwägen, die die Wahrheit über die Kristalle enthüllen hätten können. Waren sie nun echt? Sprachen sie wirklich über die Realität hinter allem Sein? Oder waren ihre Instinkte nach der langen Wanderung in der Höhle schon so trübe geworden, dass sie sich eingebildetet hatten, was sie glaubten, in ihnen erkennen zu können? Waren sie wirklich nur knapp der Bedrohung ihren Verstand zu verlieren entgangen?

"Ich für meinen Teil glaube durchaus, dass uns diese Kristalle etwas über uns zeigen wollten. Ich erinnere mich an das, was ich gesehen habe und wenn ich in mich hinein höre, dann kann ich behaupten, dass es zutrifft, was sie mir offenbahrten."


Zwar war dies auch kein wirklicher Beweis für die Existenz der Wahrheit, aber für Sombo machte es nur so einen Sinn, denn seine vorrübergehende Theorie, dass sie alle drohten verrückt zu werden, zerschlug sich, wenn man bereit war, näher darüber nachzudenken.
Sein Blick glitt wieder zu Cylìn, deren Fragen er noch überhaupt nicht beantwortet hatte. Der Rüde war dankbar, dass sie nicht fragte, was er darin gesehen hatte, sondern sie schien lediglich zu interessieren, ob er überhaupt etwas in ihnen erkennen konnte. Insgeheim hoffte er, dass niemals jemand auf die Idee kam, ihn ausgerechnet nach der letzten Kammer und dem letzten Bild zu fragen, aber wahrscheinlich war diese Hoffnung vergebens.


Ein kurzes Nicken auf ihre letzte Frage folgte, ehe er seine tiefe Stimme wieder zu einer kurzen Äußerung ansetzte: "Tut mir Leid, aber ich habe diese Kristalle und ihre Bilder auch nicht wirklich verstanden und wahrscheinlich wird es nie eine Einigung darüber geben, was nun wahr ist und was nicht."


22.11.2009 21:15




Nashita R‘ayah


Sie drehte ihren Kopf umher. Sah hier und dort hin. Nur weil sie dachte, gerade etwas interessantes gesehen zu haben. Leider war es im Endeffekt dann doch immer nur ein seltsam geformter Abdruck im Schnee oder ein einsamer Stein. Sie bemerkte jetzt erst, wie groß dieses Plateau tatsächlich war. Wenn man aus der Höhle kam, wirkte es deutlich kleiner, aber von hier aus schien es, als würde es unendlich weiter gehen. Und überall waren Wölfe. In jeder Ecke hatten sich ein paar zusammengefunden. Das war ihr vorher überhaupt nicht aufgefallen. Seltsam eigentlich. Wie konnte man sowas übersehen? Da stand Sai auf einmal auf, ging auf die Klippen zu und blickte anscheinend hinunter. Was hatte er jetzt vor? Wollte er das mit dem Klettern jetzt auch probieren? Nashi sah ihm neugierig hinterher und wartete ab, ob er sich jetzt in die Tiefe stürzen wollte oder etwas anderes in der Art geplant hatte. Aber nichts dergleichen geschah, sondern er fing stattdessen an zu reden.
Nervös war sie definitiv nicht. Höchstens verwirrt, aber das war ja nichts Neues. Außerdem hatte das auch nichts miteinander zu tun. Und langweilig? Das ganze still sitzen strengte sie schon an. Gegen irgendeine aktive Beschäftigung hatte sie wirklich nichts einzuwenden.

"Hm, mir auch irgendwie....so ziemlich."

Dann fing plötzlich von einem Baum, der Ai hieß an. Oder ein Wolf, der Ai hieß und sich in einen Baum verwandeln konnte? Sie stellte sich vor, wie einem Wolf plötzlich Äste und Blätter wachsen würden. Das würde sie nur zu gern sehen. Als der Schwarze weitersprach, stand sie ebenfalls auf und hätte sich am liebsten direkt wieder eingeigelt. Eine ganz leichte Brise reichte bereits aus, um sie fürchterlich frieren zu lassen. Sie dachte kurz über Sais Vorschlag nach. Vielleicht sollte sie wirklich einfach da reingehen, in diesen Spiegel gucken und ganz schnell wieder raushuschen. Wie schlimm konnte das schon sein?

"Naja, ehe wir hier noch fest frieren..."

Ohne den Satz zu beenden, schüttelte die Fähe sich und machte freudig ein paar Schritte Richtung Höhle. Dann drehte sie sich um, um zu sehen, ob Sai tatsächlich mitkam.


04.12.2009 17:19

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21.10.2010 20:35
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