Spielleitung & Helfer
 
Gründung:    23. Juli 2005
12 Rüden
9 Fähen
davon 4 Welpen
TAG | 30. Dezember 1926 . abends
WETTER | Himmel schon recht dunkel # vereinzelte Schneeflocken # weiße Nordlichter # -6 °C

Seit dem letzten Plot sind etwa 2 Monate vergangen. Die Welpen lernen langsam mit dem Verlust Jeannes zurecht zu kommen, doch es ist schwer, vor allem für ihre eigenen. Als der Herbst in den Winter überging, ist das Rudel zum Gebirgsbach weitergewandert. Man hat wie schon im vergangenen Jahr kein Interesse daran, in der "Winterhöhle" Quartier aufzuschlagen, aber man ist sich um ihren Nutzen bewusst, sollte der Winter mit heftigen Schneestürmen aufwarten, deshalb wurde beschlossen, einfach in ihrer Nähe zu lagern. Während der Winterpelz bei den Wölfen an Fülle gewonnen hat, schienen sich außerdem bei ein paar Individuen neue Abzeichen im Pelz herauszubilden. Es ist nicht übermäßig auffällig, da sich der Prozess mit dem Fellwechsel vermischt, aber irgendwie sehen ein paar Rudelmitglieder ein ganz klein bisschen anders aus als sonst, oder? Was aber definitiv jedem an diesem Tag auffällt ist das weiße Nordlicht, dass am Himmel erschienen ist. Genau wie es nach jenem Tag im letzten Winter auftauchte.

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Thema: Anmerkungen zum Rollenspiel
Aiyán Tendes

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01.06.2019 16:35 Forum: Informationen

Urgh, ein kleiner Popelpost um wieder reinzukommen Despair i'm really sorry

Thema: Nachtlichter
Aiyán Tendes

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01.06.2019 16:34 Forum: 5. Winter 1926/27

Er gähnte langgezogen und schüttelte sich noch einmal, um auch den letzten Rest Schnee aus seinem Fell zu vertreiben. Das war's wohl fürs erste mit der Ruhe. Irgendwie taten die beiden so, als wäre es das seltsamste der Welt, sich mal ein bisschen zurückzuziehen und für sich sein zu wollen, aber vielleicht war's das für sie auch.

„Wieso nicht?“, erwiderte er, die Ohren schnippten aufmerksam. Caspar wirkte ein bisschen so, als hätte er sie mit alldem hier persönlich beleidigt und Aidan wie jemand, der ihr deshalb zur Seite stehen musste. Was genau hatte er verpasst? Seine Ohren drehten sich mit, als Caspar eine Runde um ihn herum machte, aber Aufschluss brachte ihm das nicht.

„Wolltet ihr euch gerade ein ruhiges Plätzchen für ein bisschen Zweisamkeit suchen? Tut mir Leid dass ich gestört hab.“ Er grinste und hätte nun gern einen coolen Abgang gemacht, aber dazu fehlte ihm die Motivation. Tatsächlich hätte er sich seine Ausrede auch genau so gedreht, wenn er sich mit irgendeinem anderen Rudelmitglied hätte zurückziehen wollen.

Thema: Nachtlichter
Aiyán Tendes

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01.01.2019 20:48 Forum: 5. Winter 1926/27

Irgendwie schien sein Talent eher darin zu liegen, andere Wölfe dann zu überraschen, wenn er es gar nicht vorhatte. Wenn er es aber gezielt versuchte, ging es immer nach hinten los. Jetzt – so verschlafen und steifbeinig wie er war – machte er aber offenbar einen ziemlich erschreckenden Eindruck, denn sowohl Caspar als auch Aidan sahen für einen Moment so aus, als wären sie statt ihm einem Bären begegnet. Verwirrt blinzelte er in die angespannten Gesichter und drehte ein Ohr fragend zurück. Bevor er aber noch eine beschwichtigende Geste hinzufügen musste, glättete sich Aidans Fell bereits wieder.

„Wow, kommentierte er trocken und ein schmales Grinsen ließ seine Lefzen zucken. Bekam er von der kleinen Fähe gerade echt Vorwürfe an den Kopf geworfen, weil er es gewagt hatte, einfach aufzutauchen? Obwohl sie ihn hatten 'überfallen' wollen? „Ihr seid ja großartig im Anschleichen, ehrlich, ich hätt fast weitergeschlafen. Fast!“

Wenn sie sich nicht so lautstark unterhalten hätten. Er gähnte demonstrativ bei Caspars Gemecker und schmatzte am Ende sogar, wie um zu beweisen, dass er überhaupt keinen Grund sah, sich aufzuregen.

„Da müsst ihr wohl noch ein bisschen üben. Soll ich euch meine Geheimnisse verraten? Die aiyan'schen Tricks, wie man unsichtbar wird?“

Thema: Nachtlichter
Aiyán Tendes

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28.10.2018 17:59 Forum: 5. Winter 1926/27

Und wie immer war die Zeit einfach weitergelaufen und hatte sie mit mit sich genommen. Aiyán war immer noch hier, immer noch ein Teil des Tals und ob es nun am Wetter lag oder einfach daran, dass er sich selbst nicht mehr ertragen hatte, es ging ihm besser als noch im Oktober. Er guckte nicht mehr ganz so düster, war nicht mehr ganz so eigenbrötlerisch und wortkarg wie noch vor einigen Wochen und spätestens seit der Schnee lag, war der alte Aiyán wieder zurück. Nicht direkt gut gelaunt und garantiert nicht fröhlich, aber doch ausgelassener, gesprächiger und ein bisschen mehr so, wie man ihn kannte.

Das hieß aber nicht, dass er rund um die Uhr beim Rest des Rudels herumhing und sich ein Ohr abkauen ließ. Dass sich seine finstere Stimmung überhaupt verflüchtigt hatte, schob er auch darauf, dass er sich oft genug zurückgezogen hatte. Inzwischen war er wieder häufiger dort, wo sich eine Art Sammelplatz herauskristallisiert hatte; weit genug weg von der Höhle um nicht ständig verlockt zu sein, Kiba zu besuchen, dicht genug um sich dort hin zu retten, falls das Wetter umschlagen sollte. Diesen Tag allerdings hatte er etwas weiter flussaufwärts verschlafen, nachdem er sich hatte einschneien lassen – eine kleine, kreisförmige Erhebung im Schnee, die ebenso gut ein Stein sein konnte.

Die Stimmen, die nur leise gegen das Gurgeln des Baches ankamen, weckten ihn schließlich. Genauer gesagt die Stimme, die schriller war als die der meisten Vögel. Caspar. Er blinzelte und sah doch nichts als die dunkle Decke aus Schnee, die sich über ihn gelegt hatte und nur um seine Nase herum etwas Platz gelassen hatte. Die Stimme näherte sich und so wie sie sich anhörte, redete sie nicht mit sich selbst. Er könnte ja einfach hier liegenbleiben und hoffen, dass sie ihn übersahen und der Schnee seine Fährte längst verdeckt hatte. Andererseits hatte er ausgeschlafen. Zeit aufzustehen.
Etwas ungelenk erhob er sich mitsamt seiner Schneedecke und wurde innerhalb von Sekunden von einem verschneiten Hügelchen zu einem verschlafenen schwarzen Wolf, dem man noch deutlich ansah, dass die Kälte in seine Glieder gekrochen war. Er gähnte, schüttelte sich und – sah Caspar und Aidan quasi direkt ins Gesicht.

Thema: Wirrer Regenschleier
Aiyán Tendes

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13.08.2018 21:01 Forum: 4. Herbst - 1926

Das in Worte zu fassen, was durch seinen Kopf geisterte, wäre unmöglich gewesen. Einfach zu erklären was er dachte, was los war, wieso Jeannes Tod ihn so unerwartet aus dem Gleichgewicht gerissen hatte, das auch zuvor schon nur eine Illusion gewesen war. Es ging nicht. Er war normalerweise immer rational genug gewesen, um sich selbst zu erklären, was los war. Diesmal versagte er selbst darin. Hätte Saiyán eine Erklärung von ihm gefordert, hätte er schweigen müssen, denn es gab in diesem Moment nicht eine Sache, die er verstand. Nicht, dass er stehen blieb, als Ashlynn sich näherte. Nicht, dass er sich gleichzeitig danach sehnen und davor fürchten konnte. Nicht dass Kiba hier war und irgendwie doch nicht. Aiyán schien zu schweben, nur ohne das Gefühl der Freiheit, das dazugehörte.

Als Ash ihn erreichte, wandte er den Kopf noch ein wenig deutlicher ab. Nicht nur um ihrem Blick auszuweichen, sondern auch um den seines Bruders nicht mehr zu sehen. Das Unverständnis, die Verwirrung, die Ahnung die er zu sehen glaubte. Saiyán war sein Ebenbild, sein Zwilling, wieso sollte er nicht auch genau das über Ai denken, was er selbst über sich dachte? Und das war seltsamerweise noch ein bisschen schlimmer, als allein schlecht über sich zu denken. Wenn jemand diesen Gedanken teilte, musste er wahr sein. Also sah er weg und erwartete die Berührung nicht, die schließlich folgte.
Zuerst zuckte er so leicht zusammen, dass Ashlynn es wahrscheinlich kaum spürte, nur ein kurzes Vibrieren der silbrig werdenden Fellspitzen. Es war wie der letzte Hauch, der Kibas Nähe gefehlt hatte, um echt zu werden, die letzte, zögerliche Ausführung eines Gedankens. Er öffnete die Augen wieder, noch immer abgewandt von Sai, und starrte in den Wald. Und dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, atmete er tief und leise aus und schien kleiner zu werden dabei. Es war kein Seufzen, weil keine Erleichterung darin lag und es viel zu still war, nur spürbar, nicht hörbar. Aber es war ein Anfang.

„Ihr solltet nicht hier sein“, sagte er leise und gab sich Mühe, nicht undankbar zu klingen. Er war alles andere als das. Aber das zuzugeben war verdammt schwer. Vielleicht konnte Ash es spüren, weil er ihr nicht auswich und schließlich sogar den Kopf so neigte, dass er mit der Nase ebenfalls das Fell an ihrem Hals berühren konnte. Sie roch nicht mehr vertraut, aber auch nicht fremd.

Thema: Wirrer Regenschleier
Aiyán Tendes

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19.07.2018 12:23 Forum: 4. Herbst - 1926

Sie war bei ihm, so dicht dran, wirklich greifbar zu sein, dass er keinen seiner alten Zweifel mehr fand. Seine Bitte verhallte ohne eine Antwort und er hätte wütend werden können, oder enttäuscht, aber für nichts davon war Platz. Kibas Anwesenheit glättete die Wogen, die ihn aus dem Gleichgewicht gebracht hatten und zumindest für den Moment wurden sie deshalb nicht höher. Indem er flacher atmete, versuchte er leiser zu sein, als er eh schon war, in der Hoffnung, sie doch irgendwie zu hören. Sie war so nah, dass er sie hören musste, irgendwie, irgendwas, und wenn's nur ihr Atem war. Auch wenn er diese Bestätigung nicht gebraucht hätte, um sich selbst zu glauben, es hätte Kibas Anwesenheit so viel mehr Gewicht gegeben. Aber er hörte kein Atmen und nichts anderes, was dicht genug bei ihm war, um mit dem Gefühl zusammenzupassen, das er hatte. Nur ihr Geruch war für einen Augenblick stärker als alles andere, stärker als er ihn überhaupt in seiner Erinnerung trug. Wie ein Ertrinkender sog er die Luft ein, nicht mehr darauf achtend, dass er so die leiseren Geräusche überhörte. Sie musste ihm nicht antworten und er musste sie plötzlich auch nicht mehr hören, geschweige denn sehen. Für einen Augenblick war alles gut so, wie es war. Und dann hörte er Schritte, die sich näherten.

Kiba verschwand nicht, aber er musste seine Aufmerksamkeit teilen und das machte sie kleiner. Er drehte den Kopf, ohne spüren zu können, dass sie ihn dazu zu bewegen versuchte. Ein bisschen hatte er gehofft, dass ihm jemand nachlief. Ihn aufhielt, ihn dramatisch sein ließ, ihm zuhörte und verstand, wie möglich es war, dass er sich irgendwann nicht mehr aufhalten ließ. Denn letzten Endes wollte er nicht gehen, er wollte nur vermisst werden. Scham flackerte über sein Gesicht, als er Sai und Ash erblickte und er die Erleichterung in sich begriff. Das war so, so nicht der Wolf, der er sein wollte. Aber er lief nicht wieder weg und wahrscheinlich war das vor allem Kiba zuzuschreiben. Er wandte den Blick ab, knapp vorbei an den beiden und drehte die Ohren zurück, die Rute hing müde nach unten. Alles war verkehrt in diesem Moment, dass sie hier waren, dass er hier war, dass seine Mutter hier war um ihn zu trösten, wenn eigentlich er sie trösten sollte nach dem Verlust einer langjährigen Freundin.

Thema: Wirrer Regenschleier
Aiyán Tendes

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02.07.2018 23:02 Forum: 4. Herbst - 1926



spoiled, selfish little child
went out to play out in the wild
I found you shaking like a leaf
underneath your family tree


Eigentlich war es doch paradox, dass er es war, der weglief. Er war doch eigentlich immer besser mit dem Rudel zurechtgekommen als Sai, war anpassungsfähiger gewesen, weniger kantig als sein Bruder. Wie lange hatte er sich davor gefürchtet, dass Sai das Tal verlassen wollen könnte – und nun war er es, der darüber nachdachte. Er lief nicht gezielt nach Norden, aber vollkommen zufällig war die Richtung dennoch nicht. Es war ein maßlos übertriebener Gedanke, melodramatisch und ein bisschen zu pathetisch. Und er hatte noch immer keinen ausschlaggebenden Grund, jetzt abzuhauen. Aber vielleicht genügte es manchmal, in einem Moment des Zusammenrückens außen vor zu bleiben. Einmal zu oft, einmal nicht egal genug. Einmal zu selten darum bemüht, dass es anders ist.

Es dauerte, schwer zu sagen wie lange. Aber es dauerte, ehe er bemerkte, dass jemand bei ihm war. Erst als seine Gedanken nicht mehr nur darum kreisten, wie ausgestoßen und allein er sich fühlte, konnte er bemerken, dass er alles andere als allein war. Er sah sich um, die Ohren irritiert zur Seite gedreht, weil er niemanden hatte kommen hören. Nur seine eigenen Schritte im knisternden Unterholz. Aber er konnte auch niemanden sehen. Es war nur dieses Gefühl von Nähe, direkt an seiner Seite; das Spüren einer Bewegung, nicht mehr als ein Lufthauch.

„Mama?“, fragte er, die Stimme ungewohnt hoch und jungenhaft.

Er stoppte und schnappte bei einem tiefen Einatmen ihren so vertrauten Geruch auf. Als das zum letzten Mal passiert war, hatte er geschlafen. Schlief er jetzt auch? Unmöglich. Aber er konnte Kiba auch nicht sehen; vielleicht ging das nur im Traum. Dass er überhaupt akzeptierte, dass sie tatsächlich bei ihm war und er sich seinen Traum nicht einfach nur eingebildet hatte, war auch für ihn ein bisschen überraschend, aber irgendwie fühlte sich das hier richtig an. Echt. Dass in diesem vergangenen Traum auch Farai eine große Rolle gespielt hatte, drängte sich jedoch ebenfalls zurück in seine Erinnerung und er schluckte trocken.

„Es geht alles kaputt“, stieß er hervor, mit so viel Kraft und trotzdem so leise. „Du musst aufwachen.“

So als wäre sie das Allheilmittel. Das einzige, was alles wieder gut machen konnte. Eigentlich wusste er, dass das nicht so war und dass es wohl nie geschehen konnte. Aber er wollte es glauben, weil es so viel einfacher war, als auf sich allein gestellt zu sein.

Thema: Wirrer Regenschleier
Aiyán Tendes

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24.06.2018 15:28 Forum: 4. Herbst - 1926

Die Trauer um Jeanne hielt nur so lange, wie Sirion, Saiyán und er die einzigen waren, die sie verspürten. Je mehr Wölfe hinzustießen und realisierten, dass das Herz des Rudels aufgehört hatte zu schlagen, desto mehr wurde Aiyán zum Beobachter. Doch das milderte nichts von den Gefühlen, die in ihm tobten. Die Erinnerung an Kibas Tod flackerte lebendiger denn je auf und mischte sich mit der tatsächlichen Trauer in den Gesichtern von Finnjar und nun auch Yavinja. Gesichter, die glücklich aussehen sollten, sorglos, unbedacht. Wieso mussten alle Wölfe dieses Rudels schon so früh lernen, dass der Tod in diesem Tal sehr reichlich erntete?

Aiyán zeigte keine Regung, als Toboe auftauchte und sich in den kleinen Kreis schob, um sich dem Schmerz aller zu stellen. Nur in dem Moment, in dem Ashlynn schräg hinter ihm stehen blieb und Sai an ihm vorbei zu ihr ging, drehten sich seine Ohren zurück und er schien den Kopf ihnen zuwenden zu wollen, verharrte aber noch rechtzeitig. Sein Blick wanderte vom Nichts des Waldes hinab zum Boden, ohne wirklich etwas anzusehen. Er wollte nicht mehr hier sein. Nicht hier und nicht auf dem Platz, an dem sie sich alle trafen, nicht heute und nicht morgen. Nicht einmal beim Kristall wollte er sein, obwohl ihm das im Moment noch am ehesten wie ein Zufluchtsort erschien. Das hier war nicht sein Leid, er hatte im Vergleich zu den Welpen eigentlich keine Berechtigung, an Flucht zu denken. Er wollte das können, was die anderen tun würden, was Toboe zweifelsohne konnte wie kein anderer: da sein, Halt geben, helfen. Sirion bat nicht umsonst ihn um Unterstützung. Und selbst Saiyán schaffte das und fand jemanden, für den er da sein konnte. Bei Kibas Tod war es Aiyán gewesen, der sein Ebenbild gestützt hatte. Nun hatte er selbst eine Möglichkeit gefunden, damit zurecht zu kommen. Unterstützung von Aiyán brauchte niemand mehr. Und er war viel zu gefangen in der Vorstellung, dass das das einzige war, was ihn ausmachte.

Leise stand er auf und widmete der kleinen Runde um Jeanne einen abschließenden Blick. Sie würden zurecht kommen, sie hatten einander. Sirion wusste was er tat. Die Welpen würden es schaffen, so wie Toboe, Sai, Tyára und er es geschafft hatten.
Er entschied sich für einen Rückzug, auf dem er so wenig wie möglich Wölfen begegnete, die gehetzt aus allen Himmelsrichtungen herbeieilten, um den Grund für Finnjars Ruf zu erfahren. Ohne Eile und ohne Richtung setzte er Pfote vor Pfote durch das Unterholz und ließ das ganze Selbstmitleid zu, das in den letzten Wochen so bitter und stark geworden war. Und er vermisste; er vermisste so heftig wie seit Kibas Tod nicht mehr – nicht nur sie, sondern vor allem die Zeit, in der noch alles gut gewesen war. Sein altes Ich, das irgendwo auf der Strecke geblieben war. Seinen Saiyán. Er war sich zum ersten Mal wirklich bewusst, wie viel in den letzten Jahren kaputt gegangen war.

Thema: Wirrer Regenschleier
Aiyán Tendes

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21.04.2018 21:14 Forum: 4. Herbst - 1926




IT'S GOTTA GET EASIER
AND EASIER SOMEHOW
BUT NOT TODAY
*

Langsam setzten sich die Puzzleteile zu einem Bild zusammen, das er lange nicht mehr hatte ansehen müssen. Mit Kiba war es anders gewesen, aber auch da hatte dieser seltsame Unruhe von allen Besitz ergriffen, noch bevor sie es gewusst hatten. Und nun war es dieses Gefühl, zusammen mit Sirions kauernder Haltung, diesen angstdurchsetzten Gerüchen und Jeannes anhaltende Reglosigkeit. Alles sprach dagegen, dass sie so ruhig hier lag, während ihr Gefährte mehr als offensichtlich Angst hatte und die Zwillinge bei ihr auftauchten, auf die sie nie nicht reagieren würde. Alles, außer dem Tod.

Die Erkenntnis sickerte langsam in sein Bewusstsein und ließ sich schließlich nicht mehr leugnen. Er roch kein Blut und sah keine Erklärung, auch nicht in Sirions Gesicht, als dieser endlich den Kopf hob. Es sah eher so aus, als würde der braune Rüde bei Aiyán nach einer Antwort suchen. Der Requist wich, noch bevor Sirion es forderte, einen Schritt zurück. Jeanne war tot, die unendliche Jeanne. Aiyán wusste nicht einmal, wie alt sie gewesen war, weil es nie wichtig gewesen war. Sie war das Rudel, sie war sein Herz. Eines, das man gern mal übersah, das man für selbstverständlich nahm und für seine Sanftheit manchmal belächelte. Der Schwarze hatte Jeanne nie wanken sehen, hatte sich nie Sorgen um sie gemacht und sich entsprechend nie mit dem Gedanken beschäftigt, sie könnte irgendwann einmal nicht mehr das Herz sein. So viele waren in den letzten Jahren gegangen, auch Wölfe die Aiyán für Freunde gehalten hatte. Er hegte bei so einigen Rudelmitgliedern immer noch Zweifel, ob sie für immer bleiben würden – nur bei Jeanne war das nie der Fall gewesen. Und jetzt war sie tot, einfach so.

Aiyán verharrte noch einen Moment schweigend, doch dann kam er Sirions Forderung nach. Ohne die Nase nochmal zu Jeanne hinabzusenken oder irgendeinen trostlosen Trost auszusprechen, wandte er sich ab und bedeutete seinem Bruder mit einem Blick, mitzukommen. Er mochte Jeanne länger kennen als der wildfarbene Rüde, aber Ai sah ihn dennoch im Vorrecht, wenn es ums Abschiednehmen ging. Dieser letzte Moment gehörte Sirion und seinen Welpen. Bei dem Gedanken an Yavinja, die ja gerade ausgelassen mit Ashlynn durch den Wald tobte, zog sich sein Magen zusammen. Wann sie wohl zum nächsten Mal so sorglos herumrennen würde? Würde sie es von Sirion erfahren oder von einem der anderen? Von ihnen?

Aiyán blieb wenige Meter entfernt wieder stehen, in seiner Art der respektvollen Anteilnahme. Doch Sirion würde nicht lange allein mit seiner Gefährtin bleiben, Yacáru hatte sich aus unmittelbarer Nähe bereits angekündigt und wurde nun zusammen mit Finnjar zwischen den Bäumen sichtbar. Ais Ohren sanken, ebenso wie sein Blick. Aber er blieb, wo er war.

Thema: Wirrer Regenschleier
Aiyán Tendes

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30.03.2018 15:35 Forum: 4. Herbst - 1926

Der Rückweg zum Rudel war begleitet von einer unangenehmen Stille, der man anhörte, dass es darunter brodelte. Auch wenn Ai seinen Bruder nur selten ansah, spürte er ganz genau, dass dieser voller Fragen war. Wann waren sie an diesen Punkt gekommen, an dem sich ein Saiyán Tendes nicht mehr traute, seine Fragen einfach sofort zu stellen? Wann hatte sein Bruder angefangen, unsicher zu sein und wann war Aiyán zu einem Wolf geworden, der ihn aufs Glatteis führte? Irgendwann zwischen heute und Kibas Tod wohl. Auch er leckte sich etwas unsicher über die Lefzen, während sie schweigend nebeneinander her liefen.

„Tut mir Leid“, brummte er schließlich und spezifizierte nicht weiter, was ihm Leid tat. Alles mögliche. Die aktuelle Situation. Seine Miesepeterstimmung. Seufz.

Der Rest des Weges verlief weiter recht still, aber es war Ai nach seiner Entschuldigung nicht mehr ganz so unangenehm, auch wenn sie sich trotzdem noch so viel zu sagen hatten. Es würde warten müssen. Dafür sorgte auch die Nähe zu den anderen Wölfen. Er konnte sie wieder hören, überall hingen Wortfetzen und kleine Unterhaltungen in der Luft und er hatte so gar keine Lust darauf. Und dass es ausgerechnet Sirion sein musste, der ihnen über den Weg lief – oder viel mehr umgekehrt, sie liefen ihm über den Weg – hob seine Stimmung auch nicht gerade. Ai steuerte beim Anblick des braunen Rüden zwischen den Bäumen ein wenig nach links, um ihn im großen Bogen zu umgehen und warf nur einen kurzen Blick in seine Richtung. Was machte er da? Und mit wem oder was redete er? Hatte Jeanne ihn gerade abserviert? Ihr Geruch hing in der Luft, aber Ai sah sie nicht und Sirions Gerede klang irgendwie ziemlich verzweifelt. Er wurde etwas langsamer, verengte seinen Bogen wieder und steuerte, ohne es mit Sai abzusprechen, nun doch wieder halb auf Sirion zu. Irgendwie roch das ganze nach Rudeldrama und das interessierte Ai dann doch ein bisschen zu sehr, um es einfach zu ignorieren.

Je mehr sie sich näherten, desto unsicherer wurde er sich dabei jedoch – aus einem Gefühl heraus, das ihm furchtbar vertraut war. Es brauchte noch einige Meter und das Überwinden eines kleinen Hügels, ehe er Jeanne direkt bei Sirion entdeckte. Dass sie lag, verstärkte das Gefühl. Er sah kurz zu Sai, dann beschleunigte er und stoppte direkt neben Sirion, der sich neben sie gelegt hatte.

„Was ist passiert, was ist mit ihr?“, fragte er schnell und scannte die Lage. Jeanne roch minimal anders als sonst, das bemerkte er ohne an ihr zu schnuppern. Was das bedeutete, war ihm eigentlich da schon klar, aber es war viel zu unwirklich, um jetzt wirklich schon aktiv gedacht zu werden.

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Aiyán Tendes

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13.01.2018 17:14 Forum: 4. Herbst - 1926

Es hielt Ashlynn und Yavinja in ihrer Balgerei nicht mehr lange bei ihnen. Sie haschten einander nach und setzten sich vor den anderen, bis Ai sie nicht mehr sehen und nur noch eine zeitlang hören konnte. Sein Gesicht sah aus, als hätte sich über ihm – und nur über ihm – eine Regenwolke gebildet, die jetzt unbarmherzig ihren Inhalt direkt über ihm entleerte. So war es also inzwischen. Selbst Ash hatte mehr Spaß als er. Er atmete sehr tief aus und schaute zu Boden, so lange bis Sai sich wieder an ihn wandte. Der war nicht gegangen, wieso auch immer.

„Ich hab keine Ahnung was ich wollte“, antwortete er abweisend.

Er war nicht in der Stimmung, abzulenken oder abgelenkt zu werden und dass Sai das jetzt versuchte, passte ihm nicht. Andererseits wusste er nicht, ob er tatsächlich mit ihm hätte reden wollen, wenn Sai sich dafür angeboten hätte. Er sah dessen Unsicherheit in den kurzen Blicken und den Momenten, die nicht von einem Grinsen übertüncht wurden und fragte sich, was das sollte. Warum war er so? Warum war er so geworden? Seit wann verunsicherte er seinen Bruder und nicht umgekehrt?

„Lass uns zurückgehen“, lud er ihn wage ein, ihn zu begleiten.

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Aiyán Tendes

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30.09.2017 20:03 Forum: 4. Herbst - 1926

Mit zurückgelegten Ohren beobachtete er das Späßchen, das sich Yavinja mit Ashlynn machte. Sai und er waren nie so gewesen wie sie, so … ihm fehlte ein Wort dafür. Vielleicht naiv, aber das entspräche nicht der Wahrheit. Wenn ihr Gang mit Mitsah nicht naiv gewesen war, was dann? Ein bisschen beneidete er Yavinja nun für diese Andersartigkeit, für die er kein vergleichendes Wort fand und dieser unterschwellige Neid trug genauso zu seinem Frust bei wie die vermeintliche Zweisamkeit von Sai und Ash. Vertraut, unbeschwert, fröhlich, leicht. Seine Nasenflügel zitterten und er wandte den Blick ab von der spielerischen Jagd der beiden Fähen, zu der Seite, auf der nicht Sai war. Eigentlich wollte er nur genauso sein, genauso vertraut, unbeschwert, fröhlich und leicht. Und weil er das irgendwie nicht konnte, oder sich einredete es nicht zu können, war er wütend. Seine andere Option wäre Traurigkeit gewesen, aber Aiyán hatte es seit jeher nicht so mit Trauer. Seit Farais Verschwinden gärte die Wut wieder so viel stärker in ihm. Um die aber herauszulassen, waren ihm die Wölfe hier doch zu wichtig – selbst Yavinja. Leikuna oder Akira hätte er damit nicht verschont und auch Andraki nicht, auch wenn das bei ihr vollkommen anders ausgesehen hätte, als bei den anderen beiden Fähen. Mit Andraki konnte man streiten, ohne etwas zu verlieren.

Normalerweise ging er in solchen Situationen einfach weg, um niemandem wehzutun und nicht Gefahr zu laufen, die Beherrschung zu verlieren. Er war langweilig, wie Yavinja das so schön ausgedrückt hatte, ein gottverdammter Spielverderber. Und wurde mehr und mehr zu einem Eigenbrötler, so dass er eigentlich hätte verstehen müssen, weshalb Ashlynn sich so oft zurückzog. Da das aber erfordert hätte, dass er den Fokus weg von seiner eigenen Misere lenkte, war ihm das noch nie aufgegangen. Und im Moment wirkte sie ja auch nicht sonderlich eigenbrötlerisch, wenn man mal außer Acht ließ, dass sie vorher weiß Gott wie lange in diesem Busch gekauert hatte. Er hob den Blick wieder und sah dabei zu, wie die beiden Fähen miteinander balgten. Er wollte weg, aber gleichzeitig wollte er bleiben. Etwas tun, anstatt wütend oder traurig zu sein. Und als Ash dann losschoss und Yavinja ihr nachjagte, atmete er tief ein und aus und wandte sich seinem Bruder zu, der so dicht bei ihm stand, dass es gar nicht so viel brauchte, um ihm kurz mit der Nase an der Wange zu berühren.

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Aiyán Tendes

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13.08.2017 18:42 Forum: 4. Herbst - 1926

Ließ er sich von einem halbstarken Baby sagen, wie und wer er war? Ai bedachte Yavinja mit einem vernichtenden Blick und würdigte ihre Frage nicht mit einer Antwort. Soweit kam es noch, dass er bockig widersprach. Wenn sie ihn langweilig fand, bitteschön. Bemühte er sich nicht gerade sogar darum, dass sie ihren Spaß hatten? Also wenn man mal davon absah, dass es hauptsächlich um seinen Spaß ging, war das alles andere als langweilig. Aber das sah Yavinja dann angenehmerweise doch noch ein und begann sein Interesse an dem Busch zu teilen.

„Haben dir das deine Eltern erzählt?“, fragte er mit leicht verächtlichem Unterton, als wäre er kurz darauf, Yavinja den Glauben an den Weihnachtsmann zu nehmen. „Der Stärkste bekommt die Beute, auch wenn du sie erlegt hast. Du bekommst – wenn du Glück hast – die Reste, die ich nicht mehr möchte.“

Auch wenn er nicht so richtig darauf setzte, dass sie ihm glaubte und von nun an gutmütig mit Leckereien versorgen würde, den Versuch war es ja wert. Außerdem konnte es nicht schaden, den Welpen so etwas wie Respekt einzutrichtern, den lernten sie von ihren Eltern vielleicht nicht mehr in dem Maß, wie Aiyán das für richtig hielt.
Zu beschäftigt mit diesen Gedanken und dem seltsamen Busch, überhörte und -sah er, dass sich ein weiterer Wolf hinzugesellte. Wahr nahm er es schon, aber Wolf war Wolf und konnte nur aus ihrem Rudel sein, war also eher unwichtig in dieser spannenden Situation. Aber es war halt doch nicht nur irgendein Wolf. Auf einmal raschelte das nasse Laub viel zu nah und viel zu deutlich, er schaffte es noch den Kopf zu drehen, bekam in diesem Moment aber schon einen Hieb gegen die Schulter, der nur von einer ebenso massiven Schulter ausgehalten werden konnte. Sai. Er kräuselte den Nasenrücken und machte mit einem erfolglosen Schnappen seinem Ärger über diese unpassende Überraschung Luft, setzte seinem Bruder aber nicht nach, als der auch nach Yavinja haschte. Garantiert hatte der Tumult die Beute nun vertrieben, und gerade als er ihm das vorwerfen wollte, sich umdrehte und prüfend zum Busch sah, stand da auf einmal Ashlynn? Durch welches Portal war die denn jetzt gestolpert? Er hob eine Augenbraue, auch ob ihrer für ihn zusammenhanglosen Bemerkung und begriff dann erst, ganz langsam, dass sie wohl ihre Beute gewesen war. So nass und matschig wie sie aussah und so schnell, wie sie direkt dort bei dem Busch aufgetaucht war, war das die einzig sinnvolle Erklärung. Er drehte ein Ohr nach hinten.

„Glückwunsch, ich verzichte auf meine Ansprüche“, erwiderte er trocken auf Yavinjas begeisterten Ausruf. Die Bitterkeit, die sie für Langweiligkeit gehalten hatte, nahm zu. Er bedachte erst Ash, dann Sai mit einem düsteren Blick und versuchte sich zu erinnern, wie sie das früher gemacht hatten. Einfach drauf los, zu dritt, ohne Hintergedanken. Jetzt reichte schon ihr Kommentar, Sai und sie hätten gewonnen, damit er genervt auch das andere Ohr nach hinten drehte und am liebsten verschwunden wäre.

Thema: Wirrer Regenschleier
Aiyán Tendes

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12.07.2017 23:01 Forum: 4. Herbst - 1926

Es roch überall nach Wölfen des Rudels und hin und wieder hörte er entfernt einen Gesprächsfetzen oder ein Trampeln im Gehölz. Nichts frisches, nichts in seiner Nähe. War auch irgendwie gut so, ihm war gerade nicht so nach Gesellschaft. Fische waren genauso in Ordnung wie Bäume, weil sie nicht viel sagten und noch weniger fragten. Deshalb hielt er sogar noch ein bisschen zielstrebiger auf den Fluss zu, als er hinter sich lauter werdende Schritte hörte. Wer auch immer da kam, hatte nicht die Absicht, unauffällig zu sein. Aiyán runzelte die Stirn, wurde aber nicht schneller. Yavinja hatte es deshalb nicht schwer, schräg hinter ihm durch die Büsche zu brechen und ihn begeistert zu begrüßen. Noch ehe er stehen bleiben und schauen konnte, wer ihn da störte, hopste die verdreckte Welpin schon um ihn herum wie ein kleiner Sumpf mit Beinen und kreischte ihm ins Ohr. Er legte es pikiert an.

„Kannst du vielleicht noch lauter sein?“, brummte er und rümpfte die Nase, als ihr Gesicht seinem noch näher kam. Irgendwie hatten es die Welpen nicht alle geschafft, zu coolen kleinen Kumpels zu werden, Yavinja war immer noch so drauf wie ein Sperling, der vergammelte Beeren gefressen hatte. „Was machst du hier, musst du nicht bei Mama bleiben und brav sein?“

Er hatte nicht so genau zugehört, als die neue Regelung ausgesprochen worden war und fand ohnehin, dass man Jeannes Tochter noch nicht ohne Aufsicht allein lassen sollte. Sie war zwar inzwischen ganz schön groß (zumindest aus Yacárus Perspektive, nicht aus seiner), aber benahm sich noch nicht so, wie er das gehofft hatte. Welpen waren schon echt seltsam, es dauerte viel zu lange, ehe man sie gebrauchen konnte.Und im Moment, mit der Absicht zu jagen, konnte er sie echt am allerwenigsten gebrauchen. Andererseits … - in dem Augenblick bewegten sich die Blätter eines Busches weiter vorn und die Bewegung zog seine Aufmerksamkeit auf sich, obwohl sich ringsum alle Blätter bewegten, weil der Regen auf sie klatschte. Doch das da war eine andere Bewegung gewesen. Hatte Yavinjas Gebrüll vielleicht doch noch nicht alle Kaninchen in die Flucht geschlagen?

„Kss. Halt die Klappe und rühr dich nicht“, wies er flüsternd an und ging geduckt und mit konzentriert gesetzten Schritten auf den Busch zu. Alles blieb still und der schwere Duft der nassen Erde übertünchte jede mögliche Fährte. Aiyán hatte sonst kein Problem damit, auf Sicht zu jagen, aber im Moment gestaltete sich auch das schwierig, schließlich war nicht der Busch seine Beute. Er verengte die Augen, witterte erfolglos und pirschte noch näher. Sprang er jetzt in den Busch, standen die Chancen gut, dass er sich vor Yavinja zum Deppen machte, weil er im Nichts landete, mit einer bissigen Maus in der Nase wieder auftauchte oder sich an einem Ast ein Auge ausstach. Nein, er würde sich da nicht kopfüber reinstürzen. Aiyán Tendes hatte eine bessere Idee. Er zog sich zurück, so still wie er gekommen war, bis er wieder bei Yavinja stand.

„Du kannst mir jetzt zeigen, ob du eine gute Jagdgefährtin bist oder nicht.“ Er machte eine Pause und betrachtete das verdächtige Gestrüpp. „In dem Busch da ist ein Tier, das ich fressen möchte. Ich hätte es selbst erlegt, aber jetzt wo du schon mal hier bist, kannst du auch mal zeigen, was du kannst.“ Mit einem Nicken deutete er auf besagten Busch. „Wenn du dich gut anstellst, bekommst du vielleicht was vom Fleisch. Los.“

Thema: Wirrer Regenschleier
Aiyán Tendes

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30.06.2017 23:00 Forum: 4. Herbst - 1926

Herbst. Regen. Wind. Matsch. Röhrende Hirsche an jeder Ecke. Aiyán hatte wenig übrig für die schönen Seiten dieser Jahreszeit. Nicht dass ihn die Nässe und die herankriechende Kälte stören würde, aber abgewinnen konnte er dem Ganzen auch nichts. Er mochte den Winter und auch den Frühling, aber der Herbst war einfach der Herbst. Ein ungemütlicher, unruhiger Vorbote von Schnee und Eis. Die Jagd war nicht so einfach wie im Schnee, in dem ihre Beute nicht davonlaufen konnte. Gleichzeitig aber trieb ihn eine innere Unruhe dazu an, mehr zu fressen als im Sommer und das machte seinen Alltag irgendwie anstrengend. Parallel dazu wuchs seit einigen Wochen auch seine generelle Unzufriedenheit, was natürlich überhaupt rein gar nichts mit Farais Abschied zu tun hatte. Er war ja nicht sentimental oder so. Er war Aiyán Tendes. Und Aiyán Tendes zuckelte gerade sentimental, unzufrieden und äußerst nass durch den an die Lichtung angrenzenden Wald, um seine innere Unruhe etwas zu besänftigen. Dafür würde ihm schon ein unvorsichtiges Hörnchen genügen, aber im Augenblick ließ sich nicht einmal eine Maus blicken. Nicht verwunderlich, so nah beim Rudel.

Mit düsterer Miene begann er eine Richtung einzuschlagen, die ihn von der Lichtung weg führte – hätte die Sonne heute geschienen, hätte sie in seinem Rücken gestanden. Am Fluss konnte er vielleicht ein paar Fische erhaschen, die zu dieser Zeit irgendwie alle dämlich nah ans Ufer kamen. Kein Wunder dass alle Bären so fett waren, die hatten keine Mühe bei der Jagd.

Thema: Plot-Brainstorming
Aiyán Tendes

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09.05.2017 18:22 Forum: Wichtiges

Von mir aus gern, ich hatte jetzt nix spezielles mehr vor und bin zeitlich offen für alles smile

Thema: Erwachendes Urgestein
Aiyán Tendes

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14.03.2017 18:40 Forum: 4. Sommer - 1926

Aiyán hatte richtig Lust darauf, jetzt eine Katze zu jagen – und das nicht um des Jagens Willen. Wären sie jetzt einem Luchs begegnet, ganz egal wie weit entfernt von den Welpen oder ihnen selbst, der Schwarze hätte ihm nachgestellt bis zum Schluss. Dabei machte er sich keine Gedanken, was so ein ihnen unterlegenes Tier dazu treiben könnte, es trotzdem mal zu versuchen – schließlich hatte er als dämlicher Jungwolf auch mal spaßeshalber einen Bären geärgert. Bestimmt hatten auch Luchse manchmal einfach nur Lust auf ein bisschen Ärger. Er grinste grimmig zu Andraki rüber, die wieder zu ihm aufgeschlossen hatte.

„Aber so weit müssen wir es ja nicht kommen lassen.“

Er machte keinen Hehl daraus, wie gern er sich darum kümmern wollte. Außerdem behagte ihm der Gedanke wirklich nicht, dass der Luchs sich in der Nähe der Welpen auf die Lauer legen konnte. Die Kleinen waren freche Satansbraten, die Regeln ständig umgingen, da konnte man drauf wetten, dass sie ihren Aufpassern zwischendurch auch mal entwischten. Und wenn sie dabei einen von ihnen verloren, weil Andraki und er sich darauf verlassen hatten, dass die Verantwortlichen schon zur Stelle sein würden, könnte er niemandem hier mehr in die Augen sehen.

„Oder er hat unsere Welpen und die dazugehörigen Erwachsenen gesehen und sich gedacht – na, das ist einen Versuch wert!“

Er verstellte die Stimme ein wenig und ignorierte Andrakis mahnende Blicke. Sie machte sich doch nicht wirklich Sorgen, oder?

Thema: Erwachendes Urgestein
Aiyán Tendes

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12.02.2017 21:11 Forum: 4. Sommer - 1926

Aiyán kam diese Abwechslung ganz recht. Ein widerspenstiger Luchs, der sich in Selbstmordabsicht an ein halbes Wolfsrudel hängte, bedeutete in seiner Vorstellung vor allem Nervenkitzel und einen ziemlich sicheren Sieg. Außerdem war es immer ein gutes Gefühl, eine Katze weniger in diesem Tal herumschleichen zu wissen. Gerade jetzt, mit zwei Würfen, waren Luchse mehr als nur ein Ärgernis für sie, sie waren eine echte Gefahr. Und Aiyán hatte nichts dagegen, eine davon heldenhaft zu eliminieren. Auch Andraki wurde schneller, die Fährte war so scharf dass sie nicht einmal ein Wolf mit Schnupfen hätte verfehlen können.

„Sollte er besser“, stimmte er zu, ohne Andrakis Bedenken zu erkennen. „Hat wahrscheinlich die Welpen gerochen und hofft auf einen günstigen Augenblick.“

Er verengte grimmig die Augen und sog tief die Luft ein, um alle Informationen über den Störenfried zu sammeln, die er ihnen dagelassen hatte. In seinem Leben war er bisher nur sehr wenigen Luchsen begegnet, hier in diesem Tal machten sie sich tatsächlich rar. Vielleicht weil es eindeutig den Wölfen gehörte, vielleicht weil sie schon so dezimiert waren, dass sie sich kaum noch vermehren konnten. Aber wenn dann mal einer auftauchte, suchte er gleich Ärger, typisch Katze.

„Besser wir holen ihn ein, bevor er auf dumme Gedanken kommt.“

Thema: Unbeholfene Annäherungsversuche
Aiyán Tendes

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08.02.2017 15:53 Forum: Nebenrollenspiele

Aiyán verstand dieses Bild sehr viel schneller und sicherer, auch wenn er nicht mit ihm gerechnet hatte. Wünsche hatte er viele, die meisten davon drehten sich um seine Familie. Wäre Kiba im Spiegel erschienen, wie sie mit ihm sprach, hätte er sich nicht gewundert, sondern sogar eher erwartet, dass er genau das zu sehen bekam. Mit Kiba zu sprechen wünschte er sich mehr denn je, vor allem rückblickend. Die Kiba, die ihn im Traum besuchte, war nicht die selbe. Doch das Spiegelbild war verblüffend klug. Könnte er – wie der Aiyán da vor ihm – in der Zeit zurückgehen, wäre so vieles erfüllbar, was er sich wünschte. Er ließ die Schultern resigniert sinken und wollte dann mit einem leisen Seufzen Platz für seinen Bruder machen, der diesmal konsequent zu diesem Bild schwieg. Aber offenbar wollte Sai jetzt schnell zu Tearl kommen, er hielt kaum an als er den Wunsch-Spiegel passierte. Aiyán wunderte das nicht wirklich, nach dem was der erste Spiegel ihm offenbart hatte. Trotzdem wechselte das Bild, als der andere Zwilling vorbeizog – langsam genug, damit er es noch sehen konnte. Aiyán trat einen Schritt zur Seite (nicht dass der Spiegel durcheinander kam und ihre Wünsche mixte) und beobachtete neugierig, wie auf der flachen Landschaft ein zweiter schwarzer Wolf auftauchte. Sai und er bei ihrer Ankunft im Tal, das war unmissverständlich. Doch dabei blieb es nicht. Um Saiyáns Brust tanzten kurz darauf rosafarbene Schlieren, die Aiyán nicht so recht zu deuten wusste. Und als das Bild verblasste, wusste er noch immer nicht, welchen Wunsch Saiyán hegte. Heimzukehren, vielleicht. Oder endlich anzukommen. Wie unheimlich deprimierend diese Höhle doch war.

Bevor er sich mit einem noch tieferen Seufzen dazu äußern konnte, nickte er einfach nur matt und überholte seinen Zwilling ohne Eile. Jetzt blieb nur noch die Vergangenheit, dann hatten sie es geschafft. Und diese Vergangenheit war nie metaphorisch, das wusste er. Also … konnte da eigentlich keine so große Überraschung mehr auf sie zukommen.
Doch was er sah, als er vor den Spiegel trat, war keine einzelne Szene aus seinem Gedächtnis. Er sah wieder nur sich selbst, auf einer Art kleinem Plateau und um ihn herum standen Wölfe. Andraki erkannte er am deutlichsten, dann erblickte er Toboe. Farai. Ashlynn. Und hinter ihm stand Saiyán. Sie alle redeten auf ihn ein, aber der Spiegel schwieg und verweigerte ihm damit eine sinnvolle Erklärung.

Thema: Erwachendes Urgestein
Aiyán Tendes

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08.02.2017 00:11 Forum: 4. Sommer - 1926

Selbstzufrieden grinste er, während Andraki sich dem Matsch ergab und ein ausgiebiges Bad in ihm nahm. Jetzt hatte er erreicht, was er gewollt hatte und musste wohl auch nicht mehr mit einem Überraschungsangriff ihrerseits rechnen, das war gut. Aber auch ein bisschen langweilig. Während sich die anderen Rüden (plus Akira) um irgendetwas scharten, standen Andraki und er nun abseits und Aiyán war es irgendwie zu blöd, sich jetzt noch einmal zu ihnen zu gesellen. Aber Andrakis Aussage war nun auch nicht so besonders motivierend. Als sie loslief, sah er ihr erstmal nur nach und seufzte tonlos.

Schließlich wandte er sich noch einmal den anderen zu, wuffte kurz, um sie darauf hinzuweisen, dass Andraki weiterzog und folgte ihr langsam. Es war zwar niemand angehalten, die Leitwölfin zu begleiten, aber es war auch nicht verkehrt, ihnen zumindest Bescheid zu geben. Wahrscheinlich waren die anderen längst über alle Berge und man würde sich erst am Rudelplatz wiedertreffen, um dort über die belanglosen Erkenntnisse zu plaudern, die sie während ihrer Wanderung ereilt hatten.

Er gähnte gelangweilt, verschluckte sich dabei aber fast an Luft, als ein seltener Geruch seinen Rachen kitzelte. Luchs? Seine Ohren schnippten zu den Seiten, suchten nach Geräuschen, aber zwischen Andrakis Pfotenschritten und dem Gerede der Übrigen war nichts anderes zu vernehmen als die üblichen Waldgeräusche. Doch die Spur roch ziemlich frisch, sogar ein wenig frischer als die Fährte ihres Rudels. Und sie lag beinahe exakt auf ihr.

„Da sucht jemand Ärger“, murmelte er und beschleunigte, so dass er Andraki überholte.



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